Macbeth

Macbeth ist Verdis erste Shakespeare-Oper. Angetrieben von der Prophezeiung dreier Hexen und vom Ehrgeiz seiner Frau ermordet der schottische Feldherr Macbeth den König und reißt die Krone an sich. Schuld und Wahn treiben das Paar in den Untergang. Das 1847 in Florenz uraufgeführte Werk schuf Verdi 1865 für Paris gründlich um und schenkte der Lady Macbeth eines der dunkelsten Frauenporträts der Operngeschichte.

Fakten zu „Macbeth“

KomponistGiuseppe Verdi
LibrettoFrancesco Maria Piave, mit Ergänzungen von Andrea Maffei, nach Shakespeares Tragödie
Uraufführung14. März 1847, Teatro della Pergola, Florenz; überarbeitete französische Fassung 21. April 1865, Théâtre Lyrique, Paris
SpracheItalienisch
AufbauOper (Melodramma) in vier Akten
Spieldauerca. 2 Std. 30 Min.
GattungMelodramma
BedeutungVerdis erste und düsterste Auseinandersetzung mit Shakespeare.

Handlung

1. Akt

In einer schottischen Heide treffen die siegreichen Feldherren Macbeth (Bariton) und Banco (Bass) auf eine Schar Hexen. Sie weissagen Macbeth, er werde Than von Cawdor und schließlich König; Banco werde zwar nicht selbst herrschen, doch Könige zeugen. Kaum sind die Hexen verschwunden, trifft die Nachricht ein, dass Macbeth tatsächlich zum Than von Cawdor erhoben wurde, womit der erste Teil der Prophezeiung in Erfüllung geht. Macbeths Frau, die Lady Macbeth (dramatischer Sopran), liest in „Vieni! t’affretta“ den Brief ihres Mannes und beschließt sofort, ihn mit aller Härte zur Krone zu treiben. Als König Duncan ausgerechnet im Schloss der Macbeths Quartier nimmt, drängt die Lady ihren zögernden Gatten zum Mord. Macbeth ersticht den schlafenden König und kehrt entsetzt zurück. Der Akt zeigt, wie Versuchung, Prophezeiung und der eiserne Wille der Lady den Feldherrn in die erste Bluttat treiben.

2. Akt

Macbeth ist nun König, doch die Krone gibt ihm keine Ruhe. Die Hexen hatten Bancos Nachkommen das Königtum verheißen, und diese Aussicht lässt Macbeth nicht los. Die Lady bestärkt ihn in „La luce langue“ (in der Pariser Fassung von 1865 neu komponiert) in seinem Entschluss, jede Bedrohung auszulöschen. Macbeth schickt Mörder aus, die Banco töten sollen; dessen Sohn Fleance kann jedoch entkommen, sodass die Gefahr der prophezeiten Erbfolge bestehen bleibt. Bei einem Festbankett, das das Königspaar gibt, erscheint Macbeth der blutige Geist des ermordeten Banco. Vor den entsetzten Gästen verfällt der König in panische Reden und droht, das Geheimnis seiner Taten zu verraten. Nur die Lady wahrt die Fassung und versucht, den Zusammenbruch zu überspielen. Der Akt vertieft den Konflikt: Die Bluttat zieht weitere nach sich, und der Wahn beginnt, die Herrschaft des Paares von innen zu zersetzen.

3. Akt

Getrieben von Angst sucht Macbeth erneut die Hexen auf, um seine Zukunft zu erfahren. In einer düsteren Höhle beschwören sie Erscheinungen herauf, die ihm rätselhafte Botschaften geben: Er solle sich vor Macduff hüten, doch kein von einer Frau geborener Mensch könne ihm schaden, und er sei sicher, bis der Wald von Birnam gegen ihn anrücke. Macbeth glaubt sich dadurch unverwundbar. Eine letzte Vision aber zeigt ihm eine Reihe künftiger Könige aus Bancos Geschlecht, was ihn erneut in Verzweiflung stürzt. Entschlossen, jede Gefahr im Keim zu ersticken, befiehlt er die Ermordung von Macduffs Familie. Die Lady, die hinzukommt, treibt ihn weiter an, sich mit Gewalt an der Macht zu halten. Der Akt verbindet übernatürliche Weissagung mit wachsender Tyrannei: Macbeth deutet die doppeldeutigen Orakel zu seinen Gunsten und stürzt sich, scheinbar geschützt, in immer neue Verbrechen, die seinen Sturz vorbereiten.

4. Akt

Schottland leidet unter Macbeths Schreckensherrschaft; Flüchtlinge beklagen das unterdrückte Vaterland. Macduff (Tenor), dessen Frau und Kinder ermordet wurden, schwört Rache und schließt sich mit Malcolm, dem Sohn des erschlagenen Königs, und einem Heer zusammen. Zur Tarnung lassen die Soldaten Zweige des Waldes von Birnam vor sich hertragen, sodass sich das Orakel auf unheimliche Weise erfüllt. Im Schloss erlebt die Lady Macbeth ihren berühmten Zusammenbruch: In der Schlafwandelszene „Una macchia è qui tuttora“ versucht sie im Wahn, unsichtbares Blut von ihren Händen zu waschen. Sie stirbt; Macbeth nimmt die Nachricht mit dumpfer Resignation auf. In der Schlacht erschlägt Macduff den Tyrannen, der nun erfährt, dass sein Gegner nicht auf gewöhnliche Weise geboren wurde. Malcolm wird als rechtmäßiger König begrüßt. Der Akt führt das Drama zu seinem unausweichlichen Ende: Schuld und Wahn vernichten das Paar, und die gestörte Ordnung wird wiederhergestellt.

Rollen & Stimmfächer

RolleStimmfachBedeutung
MacbethBaritonschottischer Feldherr; vom Ehrgeiz getriebener Mörder
Lady Macbethdramatischer Soprantreibende Kraft; verfällt dem Schuldwahn
BancoBassFeldherr; Vater einer künftigen Königslinie
MacduffTenorschottischer Adliger; Rächer und Bezwinger Macbeths
MalcolmTenorSohn des ermordeten Königs; rechtmäßiger Thronerbe

Berühmte Arien

ArieStimmeSzene
„Vieni! t’affretta“Lady Macbeth (dramatischer Sopran)1. Akt; Auftrittsszene nach Macbeths Brief.
„La luce langue“Lady Macbeth (dramatischer Sopran)2. Akt; in der Fassung von 1865 neu komponierte Arie.
„Una macchia è qui tuttora“Lady Macbeth (dramatischer Sopran)4. Akt; Schlafwandelszene des Schuldwahns.
„Pietà, rispetto, amore“Macbeth (Bariton)4. Akt; Macbeths resignative Klage vor der Schlacht.

Themen & Kontext

Worum es wirklich geht

Macbeth handelt vom Ehrgeiz, der zum Verbrechen wird, und von der Schuld, die den Täter zerstört. Eine Prophezeiung weckt die Gier nach Macht, doch erst der unerbittliche Wille der Lady macht aus dem Gedanken die Tat. Mit jedem Mord wächst die Angst, und die einmal überschrittene Grenze lässt sich nicht zurücknehmen. Verdi zeigt Macht nicht als Ziel, sondern als Falle: Je fester das Paar die Krone hält, desto tiefer versinkt es in Wahn und Isolation. Am Ende richtet die Schuld die Schuldigen selbst.

Historischer Hintergrund

Macbeth war Verdis zehnte Oper und seine erste Auseinandersetzung mit Shakespeare, den er zeitlebens verehrte. Die Uraufführung fand am 14. März 1847 am Teatro della Pergola in Florenz statt. Achtzehn Jahre später, 1865, überarbeitete Verdi das Werk gründlich für eine Aufführung in Paris: Er fügte unter anderem die Arie „La luce langue“, ein Ballett und ein neues Finale hinzu und straffte die Dramaturgie. Das Stück entstand in der Phase von Verdis „Galeerenjahren“, einer Zeit intensiver Produktion. Mit der Konzentration auf Psychologie und Atmosphäre wies es bereits weit über die zeitgenössische Belcanto-Tradition hinaus.

Warum Experten es wichtig finden

Macbeth gilt als Schlüsselwerk auf Verdis Weg zur musikalischen Charakterstudie. Verdi verlangte für die Lady ausdrücklich keine schöne, sondern eine raue, dramatische Stimme, die Abgründe hörbar macht; die Partie zählt zu den anspruchsvollsten des Repertoires. Die Konzentration auf zwei zentrale Figuren und ihre seelische Zerrüttung war für die Zeit ungewöhnlich modern. Die Schlafwandelszene und das Bankett mit Bancos Geist gehören zu den großen Szenen der Operngeschichte. Die Fassungen von 1847 und 1865 erlauben überdies aufschlussreiche Einblicke in Verdis künstlerische Entwicklung über fast zwei Jahrzehnte hinweg.

Aufführungsnoten

Regie-Ansätze

Inszenierungen betonen oft das Düstere, Alptraumhafte des Stoffs; manche Regiearbeiten deuten die Hexen als kollektive Macht- und Verführungsfantasie oder verlegen die Tyrannei in moderne Diktaturen.

Bekannte Aufnahmen & Produktionen

Referenz sind die Einspielungen unter Claudio Abbado mit Shirley Verrett und Piero Cappuccilli sowie Mitschnitte mit Maria Callas in der Partie der Lady Macbeth.

Was zwischen Inszenierungen variiert

Gespielt wird fast durchweg die revidierte Fassung von 1865; die Urfassung von 1847 mit Macbeths sterbender Schlussarie kommt nur selten zur Aufführung.

„Macbeth“ bei IOCO

Häufige Fragen

Wer hat „Macbeth“ komponiert?

„Macbeth“ stammt von Giuseppe Verdi. Uraufführung: 14. März 1847, Teatro della Pergola, Florenz; überarbeitete französische Fassung 21. April 1865, Théâtre Lyrique, Paris.

Wovon handelt „Macbeth“?

Macbeth ist Verdis erste Shakespeare-Oper. Angetrieben von der Prophezeiung dreier Hexen und vom Ehrgeiz seiner Frau ermordet der schottische Feldherr Macbeth den König und reißt die Krone an sich. Schuld und Wahn treiben das Paar in den Untergang. Das 1847 in Florenz uraufgeführte Werk schuf Verdi 1865 für Paris gründlich um und schenkte der Lady Macbeth eines der dunkelsten Frauenporträts der Operngeschichte.

Welche berühmten Arien gibt es in „Macbeth“?

Zu den bekanntesten Arien zählen „Vieni! t’affretta“, „La luce langue“, „Una macchia è qui tuttora“.

Welche Stimmfächer singen die Hauptrollen in „Macbeth“?

Macbeth (Bariton), Lady Macbeth (dramatischer Sopran).

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