Nabucco
„Nabucco“ ist eine Oper in vier Teilen von Giuseppe Verdi, uraufgeführt am 9. März 1842 an der Mailänder Scala. Sie schildert die babylonische Gefangenschaft der Juden, den Größenwahn des Königs Nabucco und den Aufstieg seiner ehrgeizigen Tochter Abigaille. Das Werk wurde Verdis Durchbruch und lebt bis heute vom Gefangenenchor „Va, pensiero“.
Fakten zu „Nabucco“
| Komponist | Giuseppe Verdi |
|---|---|
| Libretto | Temistocle Solera, nach biblischen Quellen und dem französischen Drama „Nabuchodonosor“ |
| Uraufführung | 9. März 1842, Teatro alla Scala, Mailand |
| Sprache | Italienisch |
| Aufbau | 4 Teile (Akte) |
| Spieldauer | ca. 2 Std. 15 Min. |
| Gattung | Oper (Dramma lirico) |
| Bedeutung | Verdis erster großer Erfolg und Gründungswerk seines Ruhms, untrennbar verbunden mit dem Gefangenenchor „Va, pensiero“ als Symbol des italienischen Risorgimento. |
Handlung
1. Teil – Gerusalemme (Jerusalem)
Im Tempel zu Jerusalem bangen die Hebräer vor dem anrückenden Babylonierheer. Der Hohepriester Zaccaria (Bass) hält das Volk aufrecht: Als Faustpfand befindet sich Fenena (Mezzosopran), die jüngere Tochter des Babylonierkönigs Nabucco, in hebräischer Hand. Ihr Hüter Ismaele (Tenor), ein hebräischer Neffe des Königs von Jerusalem, liebt Fenena, seit sie ihm einst in Babylon das Leben rettete. Da dringt Abigaille (dramatischer Sopran), Fenenas vermeintliche Schwester, mit babylonischen Kriegern in den Tempel ein. Auch sie liebt Ismaele und bietet ihm Rettung gegen seine Liebe; er weist sie zurück. Schließlich erscheint Nabucco (Bariton) selbst und droht, den Tempel zu schänden. Um ein Blutbad zu verhindern, gibt Ismaele Fenena frei und übergibt sie dem Vater. Zaccaria verflucht den Verrat, Nabucco lässt den Tempel verwüsten, und die Hebräer verfallen der Gefangenschaft.
2. Teil – L'empio (Der Frevler)
In Babylon entdeckt Abigaille (dramatischer Sopran) ein Schriftstück, das ihr Geheimnis enthüllt: Sie ist nicht Nabuccos Tochter, sondern das Kind einer Sklavin. Von Hass und Ehrgeiz getrieben, erinnert sie sich in „Anch'io dischiuso un giorno“ ihrer einstigen Hoffnung auf Liebe und entschließt sich, nach der Krone zu greifen. Unterdessen hat Nabucco (Bariton) die zurückgelassene Fenena (Mezzosopran) zur Regentin bestimmt; sie aber neigt sich dem Glauben der Hebräer zu und lässt die Gefangenen frei. Der Hohepriester des Baal verbündet sich mit Abigaille und verbreitet die Lüge, Nabucco sei im Krieg gefallen. Als Abigaille schon nach dem Diadem greift, kehrt Nabucco unerwartet zurück. Im Größenwahn erklärt er sich selbst zum Gott und fordert Anbetung. Ein Blitz schlägt herab, trifft ihn und raubt ihm den Verstand; Abigaille hebt triumphierend die fallengelassene Krone auf.
3. Teil – La profezia (Die Weissagung)
Abigaille (dramatischer Sopran) herrscht nun als Regentin über Babylon. Der umnachtete Nabucco (Bariton) irrt durch den Palast, ein Schatten seiner selbst. Mit List bringt Abigaille ihn dazu, ein Todesurteil über die gefangenen Hebräer zu unterzeichnen – und damit auch über seine eigene Tochter Fenena (Mezzosopran), die sich zum Gott der Juden bekannt hat. Zu spät begreift der König, was er getan hat; er fleht um Gnade für sein Kind und erinnert Abigaille daran, dass sie selbst nur die Tochter einer Sklavin ist. Sie zerreißt das verräterische Dokument vor seinen Augen und lässt ihn gefangen setzen. Am Ufer des Euphrat klagen die geknechteten Hebräer in „Va, pensiero, sull'ali dorate“ um die verlorene Heimat. Zaccaria (Bass) tritt hinzu und weissagt den Untergang Babylons und die nahe Befreiung seines Volkes.
4. Teil – L'idolo infranto (Das zerbrochene Götzenbild)
Im Kerker erwacht Nabucco (Bariton) aus seiner Umnachtung. Durch das Fenster sieht er Fenena (Mezzosopran), die zur Hinrichtung geführt wird. In tiefer Verzweiflung wendet er sich erstmals an den Gott der Hebräer und betet in „Dio di Giuda“ um Vergebung und um die Rettung seiner Tochter. Der Verstand kehrt zurück, der Glaube ergreift ihn. Mit den ihm treu gebliebenen Soldaten eilt er herbei, sprengt die Gefangenschaft und verhindert die Opferung im letzten Augenblick. Das Standbild des Baal stürzt von selbst in Trümmer. Abigaille (dramatischer Sopran), von Reue zerbrochen, hat Gift genommen; sterbend bittet sie Fenena und die Hebräer um Verzeihung und fleht den Gott Judas an. Nabucco, geläutert und bekehrt, gibt den Hebräern die Freiheit. Zaccaria (Bass) verheißt ihm Größe als Diener des wahren Gottes.
Rollen & Stimmfächer
| Rolle | Stimmfach | Bedeutung |
|---|---|---|
| Nabucco | Bariton | König von Babylon, stürzt durch Größenwahn in den Wahnsinn und bekehrt sich |
| Abigaille | Dramatischer Sopran | Vermeintliche Tochter Nabuccos, in Wahrheit Sklavenkind; ergreift skrupellos die Macht |
| Zaccaria | Bass | Hoherpriester der Hebräer, geistlicher Anker des gefangenen Volkes |
| Ismaele | Tenor | Neffe des Königs von Jerusalem, liebt Fenena |
| Fenena | Mezzosopran | Jüngere Tochter Nabuccos, bekennt sich zum Gott der Hebräer |
| Hoherpriester des Baal | Bass | Verbündeter Abigailles gegen Nabucco |
| Abdallo | Tenor | Alter Offizier, Nabucco treu ergeben |
Berühmte Arien
| Arie | Stimme | Szene |
|---|---|---|
| „Va, pensiero, sull'ali dorate“ | Chor der gefangenen Hebräer | 3. Teil – Gefangenenchor: Klage um die verlorene Heimat, berühmtester Chor des Werks |
| „Anch'io dischiuso un giorno“ | Abigaille (dramatischer Sopran) | 2. Teil – Arie: Erinnerung an einstige Liebeshoffnung vor dem Griff nach der Macht |
| „Dio di Giuda“ | Nabucco (Bariton) | 4. Teil – Gebet: Nabuccos Bekehrung und Bitte um Rettung Fenenas |
| „Vieni, o Levita / Tu sul labbro de' veggenti“ | Zaccaria (Bass) | 2. Teil – Gebet des Hohepriesters, getragen von sechs Solovioloncelli |
| „Sperate, o figli!“ | Zaccaria (Bass) | 1. Teil – Zaccaria richtet das verzweifelte Volk im Tempel auf |
Themen & Kontext
Worum es wirklich geht
„Nabucco“ verbindet zwei Kraftlinien: das kollektive Schicksal eines unterdrückten Volkes und den persönlichen Sturz eines Herrschers. Im Vordergrund steht weniger eine Liebesgeschichte als der Machtkampf zwischen Nabucco und seiner Ziehtochter Abigaille, deren uneheliche Herkunft sie zur skrupellosen Usurpatorin macht. Daneben läuft der Gegensatz von Hochmut und Demut: Nabucco erklärt sich zum Gott, wird mit Wahnsinn geschlagen und findet erst in der Reue zurück zu Verstand und Glauben. Die Hebräer wiederum verkörpern das leidende Volk, dessen Sehnsucht nach Heimat und Freiheit im Gefangenenchor zum eigentlichen Herzstück der Oper wird.
Historischer Hintergrund
Nach zwei mäßig erfolgreichen Werken und privaten Schicksalsschlägen stand Verdi vor dem Abbruch seiner Laufbahn. Scala-Impresario Bartolomeo Merelli drängte ihm das Libretto Temistocle Soleras auf, das die babylonische Gefangenschaft aus dem Alten Testament aufgreift. Die Uraufführung am 9. März 1842 wurde ein Triumph; allein in der ersten Spielzeit folgten 57 Aufführungen. Die Partie der Abigaille sang Giuseppina Strepponi, die später Verdis Frau wurde. Stoff und Entstehungszeit fielen in die Jahre vor der italienischen Einigung, als weite Teile Norditaliens unter österreichischer Herrschaft standen – ein Klima, in dem das Bild eines geknechteten Volkes besondere Resonanz fand.
Warum Experten es wichtig finden
„Nabucco“ gilt als Verdis Durchbruch und Beginn seiner reifen Karriere; hier findet er erstmals den eigenen, vorwärtsdrängenden Ton, vor allem in der Behandlung des Chors als handelnde Figur. Der Gefangenenchor „Va, pensiero“ wuchs später zum Mythos: Er wurde nachträglich zur heimlichen Hymne des Risorgimento stilisiert, und die Legende, schon bei der Premiere habe das Publikum darin gegen die österreichische Herrschaft demonstriert, halten Fachleute heute weitgehend für eine Rückprojektion. Musikalisch fordert die Oper mit Abigaille eine der gefürchtetsten Sopranpartien des Repertoires, die dramatische Wucht, Tiefe und Höhe zugleich verlangt.
Aufführungsnoten
Regie-Ansätze
Inszenierungen lesen das Werk teils als biblisches Historiengemälde, teils als Parabel über Vertreibung, Exil und politische Tyrannei; manche Häuser stellen die Aktualität von Flucht und Unterdrückung in den Vordergrund.
Bekannte Aufnahmen & Produktionen
Als Referenzen gelten Aufnahmen unter Lamberto Gardelli sowie unter Riccardo Muti mit der Mailänder Scala; prägende Sänger der Titelpartie waren unter anderem Tito Gobbi, Piero Cappuccilli und Renato Bruson, als Abigaille glänzten etwa Elena Souliotis und Ghena Dimitrova.
Was zwischen Inszenierungen variiert
Strichpraxis und Spieldauer schwanken je nach Haus; „Va, pensiero“ wird in vielen Aufführungen auf Publikumswunsch wiederholt, was die reine Spielzeit verlängert.
„Nabucco“ bei IOCO
Häufige Fragen
Wer hat „Nabucco“ komponiert?
„Nabucco“ stammt von Giuseppe Verdi. Uraufführung: 9. März 1842, Teatro alla Scala, Mailand.
Wovon handelt „Nabucco“?
„Nabucco“ ist eine Oper in vier Teilen von Giuseppe Verdi, uraufgeführt am 9. März 1842 an der Mailänder Scala. Sie schildert die babylonische Gefangenschaft der Juden, den Größenwahn des Königs Nabucco und den Aufstieg seiner ehrgeizigen Tochter Abigaille. Das Werk wurde Verdis Durchbruch und lebt bis heute vom Gefangenenchor „Va, pensiero“.
Welche berühmten Arien gibt es in „Nabucco“?
Zu den bekanntesten Arien zählen „Va, pensiero, sull'ali dorate“, „Anch'io dischiuso un giorno“, „Dio di Giuda“.
Welche Stimmfächer singen die Hauptrollen in „Nabucco“?
Nabucco (Bariton), Abigaille (Dramatischer Sopran).
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