Falstaff

„Falstaff“ ist eine komische Oper in drei Akten von Giuseppe Verdi, uraufgeführt 1893 an der Mailänder Scala. Der verarmte, eitle Ritter Sir John Falstaff umwirbt zwei Bürgersfrauen zugleich, die ihn gemeinsam mit ihren Männern in mehreren Streichen blamieren. Es ist Verdis einzige reife Komödie und sein letztes Werk, geschrieben mit fast achtzig Jahren.

Fakten zu „Falstaff“

KomponistGiuseppe Verdi
LibrettoArrigo Boito, nach Shakespeares „Die lustigen Weiber von Windsor“ und „Heinrich IV.“
Uraufführung9. Februar 1893, Teatro alla Scala, Mailand
SpracheItalienisch
Aufbau3 Akte
Spieldauerca. 2 Std.
GattungCommedia lirica (komische Oper)
BedeutungVerdis einzige reife Komödie und sein letztes Werk, Gipfel seines durchkomponierten Konversationsstils.

Handlung

1. Akt

Im Wirtshaus „Zum Hosenband“ klagt Doktor Cajus (Tenor), Falstaffs Diener Bardolfo (Tenor) und Pistola (Bass) hätten ihn betrogen; Sir John Falstaff (Bariton), dick, verarmt und großspurig, weist ihn lachend ab. Um an Geld zu kommen, will Falstaff zwei wohlhabende Bürgersfrauen verführen, Alice Ford (Sopran) und Meg Page (Mezzosopran), und schickt beiden denselben Liebesbrief. Als seine Diener sich weigern, die Briefe zu überbringen, verhöhnt er ihr ramponiertes Ehrgefühl im Monolog „L'onore! Ladri!“. Die Frauen entdecken den doppelten Betrug und beschließen vergnügt, den eitlen Ritter zu strafen. Mrs. Quickly (Mezzosopran) soll als Botin zwischen ihnen vermitteln. Zugleich erfährt Alices Mann Ford (Bariton) von Falstaffs Absichten und wird von Eifersucht gepackt. Im Hintergrund umwerben sich heimlich Alices Tochter Nannetta (Sopran) und der junge Fenton (Tenor), den Ford als Schwiegersohn ablehnt.

2. Akt

Mrs. Quickly (Mezzosopran) lädt Falstaff (Bariton) im Wirtshaus zu einem Stelldichein mit Alice Ford (Sopran) ein; geschmeichelt schwelgt er in der Erinnerung an seine schlanke Jugend („Quand'ero paggio“). Dann erscheint Ford (Bariton) verkleidet unter falschem Namen und beauftragt Falstaff, Alice für ihn zu erobern – um dessen Pläne auszuhorchen. Falstaff prahlt, er sei längst verabredet, und Ford bricht im Eifersuchts-Monolog „È sogno? o realtà?“ in Wut aus. Im Haus der Fords empfangen die Frauen den Ritter zum vereinbarten Treffen. Als der wirklich eifersüchtige Ford mit Männern das Haus durchsucht, verstecken sie den keuchenden Falstaff in einem Wäschekorb. Im Durcheinander küssen sich Nannetta (Sopran) und Fenton (Tenor) hinter einem Wandschirm, was Ford für Falstaff hält. Schließlich lassen die Frauen den Korb samt Inhalt aus dem Fenster in die Themse kippen.

3. Akt

Durchnässt und gedemütigt sinniert Falstaff (Bariton) vor dem Wirtshaus über den Lauf der Welt, bis ihn ein Becher Wein wieder aufrichtet. Mrs. Quickly (Mezzosopran) lockt ihn zu einem neuen Treffen: um Mitternacht im Park von Windsor, beim Gespenster-Eichbaum, verkleidet als der sagenhafte schwarze Jäger Herne. Die Frauen und Männer planen ein nächtliches Schauspiel mit als Elfen und Kobolde verkleideten Bürgern. Ford (Bariton) verspricht heimlich Doktor Cajus (Tenor) die Hand seiner Tochter Nannetta (Sopran), doch Alice (Sopran) durchkreuzt das. Im mondhellen Wald erscheint Falstaff; Nannetta singt als Elfenkönigin, und die maskierte Schar überfällt, zwickt und verspottet den entlarvten Ritter, bis er seine Torheit eingesteht. Ford segnet zwei verkleidete Paare – und vermählt unwissentlich Nannetta mit Fenton (Tenor). Versöhnt stimmen alle die Schlussfuge „Tutto nel mondo è burla“ an: Alles auf der Welt ist Spaß.

Rollen & Stimmfächer

RolleStimmfachBedeutung
Sir John FalstaffBaritonVerarmter, dickleibiger Ritter, eitel und lebenslustig
FordBaritonReicher Bürger, Alices eifersüchtiger Mann
Alice FordSopranFords Frau, Anführerin der Intrige gegen Falstaff
NannettaSopranTochter der Fords, liebt Fenton
FentonTenorJunger Edelmann, in Nannetta verliebt
Mrs. QuicklyMezzosopranBotin und Strippenzieherin unter den Frauen (oft mit altartiger Tiefe)
Meg PageMezzosopranAlices Freundin, zweite Empfängerin von Falstaffs Brief
Dr. CajusTenorAufgeblasener Bewerber um Nannettas Hand
BardolfoTenorFalstaffs rotnasiger Diener
PistolaBassFalstaffs zweiter Diener

Berühmte Arien

ArieStimmeSzene
„L'onore! Ladri!“Falstaff (Bariton)1. Akt – Falstaffs spöttischer Monolog über die Ehre
„È sogno? o realtà?“Ford (Bariton)2. Akt – Fords Eifersuchts-Monolog nach Falstaffs Prahlerei
„Quand'ero paggio“Falstaff (Bariton)2. Akt – Falstaffs kokette Erinnerung an seine schlanke Jugend
„Dal labbro il canto“Fenton (Tenor)3. Akt – Fentons Sonett im nächtlichen Park
„Tutto nel mondo è burla“Ensemble (Falstaff & alle)3. Akt – Schlussfuge: Alles auf der Welt ist Spaß

Themen & Kontext

Worum es wirklich geht

„Falstaff“ ist eine Komödie über die Eitelkeit und über das Lachen als Antwort auf die Welt. Der dicke Ritter überschätzt sich maßlos: Er hält sich für unwiderstehlich und reich an Ehre, besitzt aber weder Geld noch Würde. Die Bürgersfrauen strafen ihn nicht aus Bosheit, sondern aus Spielfreude, und am Ende lacht Falstaff über sich selbst mit. Daneben steht das junge Paar Nannetta und Fenton, dessen ehrliche Liebe alle Intrigen überdauert. Die Schlussfuge fasst die Botschaft zusammen: Alles auf der Welt ist Spaß – wer das begreift, lacht zuletzt am besten.

Historischer Hintergrund

Nach „Aida“ und „Otello“ galt der fast achtzigjährige Verdi als abgeschlossener Tragiker. Sein Librettist Arrigo Boito überredete ihn jedoch zu einer letzten, heiteren Oper nach Shakespeare. Boito verband „Die lustigen Weiber von Windsor“ mit Zügen des Falstaff aus „Heinrich IV.“ und schuf so eine vielschichtigere Titelfigur. Verdi arbeitete ohne äußeren Druck, allein zum eigenen Vergnügen. Die Uraufführung am 9. Februar 1893 an der Mailänder Scala unter Edoardo Mascheroni wurde ein triumphaler Erfolg; das Publikum jubelte dem greisen Meister minutenlang zu. Es blieb Verdis Abschied von der Opernbühne.

Warum Experten es wichtig finden

Fachleute sehen in „Falstaff“ den Schlussstein von Verdis Alterswerk und die Vollendung seines durchkomponierten Stils. Die alte Nummernoper ist hier ganz aufgelöst: Statt großer Arien herrscht ein blitzschnelles, wortgenaues Konversationsstück, in dem das Orchester jede Pointe mitspielt. Die abschließende Fuge – eine gelehrte Form für eine heitere Aussage – gilt als kühner Geniestreich. Dass der größte italienische Tragödienkomponist seine Laufbahn mit einer Komödie krönt, in der er über die ganze Welt und auch über sich selbst lacht, macht das Werk für die Musikgeschichte einzigartig und zu einem späten Gegenstück zu Wagners „Meistersingern“.

Aufführungsnoten

Regie-Ansätze

Inszenierungen reichen vom elisabethanischen Windsor bis zu modernen Lesarten, die Falstaff als alternden Lebemann in bürgerlichem oder gar gegenwärtigem Milieu zeigen; das ironische Spielfreude-Element steht meist im Mittelpunkt.

Bekannte Aufnahmen & Produktionen

Referenzaufnahmen verbinden sich mit Dirigenten wie Arturo Toscanini, Herbert von Karajan, Georg Solti und Leonard Bernstein sowie Titelsängern wie Mariano Stabile, Tito Gobbi und Giuseppe Taddei.

Was zwischen Inszenierungen variiert

Diskutiert wird vor allem die Stimmverteilung der Mrs. Quickly zwischen tiefem Mezzosopran und Alt sowie die Balance zwischen derbem Klamauk und feiner Komödie; manche Regien betonen die Melancholie hinter Falstaffs Scheitern.

„Falstaff“ bei IOCO

Häufige Fragen

Wer hat „Falstaff“ komponiert?

„Falstaff“ stammt von Giuseppe Verdi. Uraufführung: 9. Februar 1893, Teatro alla Scala, Mailand.

Wovon handelt „Falstaff“?

„Falstaff“ ist eine komische Oper in drei Akten von Giuseppe Verdi, uraufgeführt 1893 an der Mailänder Scala. Der verarmte, eitle Ritter Sir John Falstaff umwirbt zwei Bürgersfrauen zugleich, die ihn gemeinsam mit ihren Männern in mehreren Streichen blamieren. Es ist Verdis einzige reife Komödie und sein letztes Werk, geschrieben mit fast achtzig Jahren.

Welche berühmten Arien gibt es in „Falstaff“?

Zu den bekanntesten Arien zählen „L'onore! Ladri!“, „È sogno? o realtà?“, „Quand'ero paggio“.

Welche Stimmfächer singen die Hauptrollen in „Falstaff“?

Sir John Falstaff (Bariton), Ford (Bariton).

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