Don Pasquale
Donizettis „Don Pasquale“ (1843) gilt als Gipfel und zugleich Abschluss der italienischen Opera buffa. Der reiche, heiratswütige Junggeselle Don Pasquale will seinen Neffen Ernesto enterben und selbst eine junge Frau nehmen. Eine listige Scheinheirat mit der verkleideten Norina lehrt den eitlen Alten eine schmerzhafte Lektion und ebnet den Weg für die jungen Liebenden.
Fakten zu „Don Pasquale“
| Komponist | Gaetano Donizetti (1797–1848) |
|---|---|
| Libretto | Giovanni Ruffini und Gaetano Donizetti, nach Angelo Anellis „Ser Marcantonio“ |
| Uraufführung | 3. Januar 1843, Théâtre-Italien, Paris |
| Sprache | Italienisch |
| Aufbau | 3 Akte |
| Spieldauer | ca. 2 Std. |
| Gattung | Opera buffa (Dramma buffo) |
| Bedeutung | Höhepunkt und Schlusspunkt der klassischen italienischen Opera buffa des 19. Jahrhunderts. |
Handlung
1. Akt
Der wohlhabende, alternde Junggeselle Don Pasquale (Bass-buffo) ist erzürnt über seinen Neffen Ernesto (Tenor), der die mittellose junge Witwe Norina (Sopran) heiraten will statt der von Pasquale ausgesuchten reichen Partie. Um Ernesto zu enterben, beschließt der eitle Alte, selbst noch zu heiraten und so einen eigenen Erben zu zeugen. Sein Freund, der schlaue Arzt Malatesta (Bariton), durchschaut den törichten Plan und beschließt insgeheim, den Liebenden zu helfen. Er stellt Pasquale eine angeblich frisch aus dem Kloster geholte, sittsame und schöne junge Frau in Aussicht, in Wahrheit niemand anderes als Norina. Pasquale ist sofort entflammt. Der ahnungslose Ernesto erfährt von den Heiratsplänen des Onkels und glaubt sich verloren, da er ohne Erbe Norina nicht ehelichen kann. In „Quel guardo il cavaliere“ zeigt Norina, wie geschickt sie Männerherzen zu lenken versteht. Die Intrige nimmt Fahrt auf.
2. Akt
Der verzweifelte Ernesto klagt über die scheinbar verlorene Liebe und plant, in die Ferne zu gehen. Da inszeniert Malatesta die abgekartete Scheinhochzeit: Norina tritt als die schüchterne, klösterlich erzogene „Sofronia“ auf und verzaubert Don Pasquale mit gespielter Demut. Ein als Notar verkleideter Komplize setzt einen Ehevertrag auf, der „Sofronia“ weitreichende Verfügungsgewalt über Pasquales Vermögen sichert. Kaum ist die Unterschrift geleistet, verwandelt sich die sanfte Braut schlagartig in ein herrisches, verschwenderisches und zänkisches Weib. Sie kommandiert das Hauspersonal, verlangt teuren Luxus und überzieht den verblüfften Gatten mit Befehlen. Der überrumpelte Pasquale begreift zu spät, in welche Falle er getappt ist. Ernesto, von Malatesta eingeweiht, spielt die Komödie mit. Der zweite Akt zieht die Schlinge um den eitlen Alten zu und verwandelt seinen Hochzeitstraum in einen häuslichen Albtraum.
3. Akt
Don Pasquale ist verzweifelt: „Sofronia“ treibt ihn mit Rechnungen, Modeeinkäufen und einer angekündigten nächtlichen Theaterausfahrt fast in den Ruin und in die Verzweiflung. Bei einem Streit ohrfeigt sie ihn sogar. Heimlich verliert sie ein Billett, das ein nächtliches Stelldichein im Garten verrät; Pasquale wittert Ehebruch und ruft Malatesta zu Hilfe, um die treulose Gattin zu überführen. Im Garten lauschen beide einem zärtlichen Duett zwischen „Sofronia“ und Ernesto, dessen Serenade „Com'è gentil“ die Nacht durchklingt. Als Pasquale die vermeintlich Untreue stellen will, lenkt Malatesta die Auflösung herbei: Er verkündet, Ernesto werde nun seine geliebte Norina heiraten und mit ihr ins Haus ziehen – was „Sofronia“ empört zurückweise. Um die zänkische Gattin loszuwerden, willigt Pasquale erleichtert ein. Erst jetzt enthüllt Malatesta die ganze Intrige. Der Alte verzeiht lachend, segnet das junge Paar und zieht die Lehre, im Alter nicht mehr zu heiraten.
Rollen & Stimmfächer
| Rolle | Stimmfach | Bedeutung |
|---|---|---|
| Don Pasquale | Bass-buffo | Reicher, eitler alter Junggeselle, Opfer der Intrige |
| Norina | Sopran | Junge Witwe, liebt Ernesto, spielt die „Sofronia“ |
| Ernesto | Tenor | Pasquales Neffe, mittelloser Liebhaber Norinas |
| Dottore Malatesta | Bariton | Pasquales Freund, Drahtzieher der Komödie |
Berühmte Arien
| Arie | Stimme | Szene |
|---|---|---|
| „Quel guardo il cavaliere … So anch'io la virtù magica“ | Norina (Sopran) | 1. Akt – Norina rühmt ihre Kunst, Männer zu betören |
| „Com'è gentil“ | Ernesto (Tenor) | 3. Akt – Ernestos nächtliche Serenade im Garten |
| „Bella siccome un angelo“ | Malatesta (Bariton) | 1. Akt – Malatesta preist Pasquale die angebliche Klosterbraut |
Themen & Kontext
Worum es wirklich geht
Im Kern verspottet die Oper die Torheit eines eitlen alten Mannes, der gegen die Natur ankämpft und im Alter noch eine junge Frau begehrt. Sein Standesdünkel und seine Habgier, die den Neffen um Erbe und Glück bringen sollen, fallen auf ihn selbst zurück. Die jungen Liebenden und der gewitzte Malatesta triumphieren mit List statt mit Gewalt. Hinter dem Gelächter steckt jedoch ein bittersüßer Ton: Pasquales Demütigung berührt fast mitleidig, sodass die Komödie zugleich vom Schmerz des Alterns und der Vergeblichkeit erzählt.
Historischer Hintergrund
Donizetti schrieb „Don Pasquale“ 1842 in nur wenigen Wochen für das Pariser Théâtre-Italien. Das Libretto besorgte überwiegend Giovanni Ruffini, der jedoch wegen Donizettis Eingriffen seinen Namen zurückzog; gedruckt erschien es unter dem Kürzel „M. A.“. Die Uraufführung am 3. Januar 1843 mit einer Starbesetzung um Giulia Grisi, Luigi Lablache, Mario und Antonio Tamburini wurde ein triumphaler Erfolg. Das Werk entstand am Ende der großen Belcanto-Ära, kurz bevor Donizettis Gesundheit zusammenbrach und seine Schaffenskraft erlosch.
Warum Experten es wichtig finden
„Don Pasquale“ gilt als Vollendung und zugleich als Schwanengesang der klassischen Opera buffa. Donizetti verbindet die alten Buffo-Typen mit überraschend differenzierter Charakterzeichnung und einer modernen, fast bürgerlichen Empfindsamkeit. Das Duett-Geplänkel Pasquales und Malatestas, Norinas funkelnde Koloraturen und Ernestos lyrische Serenade zählen zu den Glanzstücken des Repertoires. Fachleute betonen die feine Balance zwischen ausgelassener Komik und melancholischen Untertönen sowie die kammermusikalische Eleganz der Partitur, die das Genre auf einen letzten Höhepunkt führt.
Aufführungsnoten
Regie-Ansätze
Beliebt sind temporeiche, slapstickhafte Inszenierungen; differenzierte Regie betont auch die tragikomische Seite und das Mitleid mit dem gedemütigten Pasquale.
Bekannte Aufnahmen & Produktionen
Klassiker mit Tito Schipa und später Aufnahmen mit Fernando Corena, Anna Moffo sowie Renato Bruson und Eva Mei; gerühmt sind Live-Mitschnitte mit großen Buffo-Bässen.
Was zwischen Inszenierungen variiert
Variieren kann das Maß an Klamauk gegenüber feiner Komik; ebenso die Ausführung der Koloraturen Norinas und die Frage, wie versöhnlich oder bitter der Schluss gespielt wird.
„Don Pasquale“ bei IOCO
Häufige Fragen
Wer hat „Don Pasquale“ komponiert?
„Don Pasquale“ stammt von Gaetano Donizetti. Uraufführung: 3. Januar 1843, Théâtre-Italien, Paris.
Wovon handelt „Don Pasquale“?
Donizettis „Don Pasquale“ (1843) gilt als Gipfel und zugleich Abschluss der italienischen Opera buffa. Der reiche, heiratswütige Junggeselle Don Pasquale will seinen Neffen Ernesto enterben und selbst eine junge Frau nehmen. Eine listige Scheinheirat mit der verkleideten Norina lehrt den eitlen Alten eine schmerzhafte Lektion und ebnet den Weg für die jungen Liebenden.
Welche berühmten Arien gibt es in „Don Pasquale“?
Zu den bekanntesten Arien zählen „Quel guardo il cavaliere … So anch'io la virtù magica“, „Com'è gentil“, „Bella siccome un angelo“.
Welche Stimmfächer singen die Hauptrollen in „Don Pasquale“?
Don Pasquale (Bass-buffo), Norina (Sopran).
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