Das schlaue Füchslein

„Das schlaue Füchslein“ ist Janáčeks Naturoper über die Füchsin Bystrouška, die dem Förster entwischt, in der Wildnis Familie gründet und vom Wilderer erschossen wird. Aus dem Tod erwächst neues Leben. Uraufgeführt am 6. November 1924 in Brünn, verschränkt das Werk Menschen- und Tierwelt zu einem Gleichnis vom ewigen Kreislauf der Natur.

Fakten zu „Das schlaue Füchslein“

KomponistLeoš Janáček
LibrettoLeoš Janáček selbst, nach Rudolf Těsnohlídeks illustriertem Zeitungsroman „Liška Bystrouška“ (Lidové noviny, 1920)
Uraufführung6. November 1924, Nationaltheater (Theater Na Hradbách), Brünn/Brno
SpracheTschechisch
Aufbau3 Akte
Spieldauerca. 1 Std. 35 Min.
GattungOper in drei Akten (Naturoper)
BedeutungJanáčeks lichteste Oper und ein Schlüsselwerk über den Kreislauf von Werden und Vergehen.

Handlung

1. Akt

An einem Sommernachmittag schläft der Förster (Bariton/Bass) im Wald ein. Die junge Füchsin Bystrouška (Sopran), neugierig und keck, gerät ihm in die Hände; er nimmt sie mit nach Hause. Auf dem Hof wird das Tier angebunden, von Dackel Lapák, Hahn und Hennen verspottet und von den Försterkindern geneckt. Bystrouška erträgt die Gefangenschaft nur widerwillig. Sie predigt den unterdrückten Hühnern Freiheit und Auflehnung gegen den herrischen Hahn – und als diese zögern, beißt sie kurzerhand den Hahn tot und stürzt sich auf die Schar. Im Tumult reißt sie sich von der Leine los und entkommt zurück in den Wald. Der erste Akt stellt so beide Welten gegeneinander: die enge, reglementierte Ordnung der Menschen und des Hofes auf der einen, die ungezähmte Lebenslust der Natur auf der anderen Seite. Bystrouškas Ausbruch ist kein bloßer Streich, sondern der Auftakt zum eigentlichen Thema: dem Drang alles Lebendigen nach Freiheit und Selbstbestimmung. Schon hier deutet Janáček an, dass Mensch und Tier denselben Trieben folgen – nur dass der Förster die Füchsin besitzen, die Füchsin aber leben will. Aus diesem Grundwiderspruch entwickelt sich die ganze Oper.

2. Akt

Im Wald vertreibt Bystrouška (Sopran) listig einen Dachs (Bass) aus seinem Bau und richtet sich darin häuslich ein. In der Dorfschenke sitzen derweil der Förster (Bariton/Bass), der Schulmeister (Tenor) und der Pfarrer (Bass) beisammen; alle drei sind auf ihre Weise von einer unerreichbaren Frau, der schönen Terynka, gezeichnet. Auf dem Heimweg erschrecken der verliebte Schulmeister und der grüblerische Pfarrer vor Schatten und Erinnerungen, während der Förster vergeblich der entlaufenen Füchsin nachstellt. Im Mittelpunkt aber steht Bystroušas eigene Liebesgeschichte: Sie begegnet dem Fuchs Goldstreif (Sopran/Mezzosopran), beide werben scheu und dann immer kühner umeinander, gestehen sich ihre Gefühle und feiern noch in derselben Nacht eine improvisierte Waldhochzeit, die Eichelhäher, Specht und andere Tiere bezeugen. So spiegelt der Akt das menschliche Begehren in der Tierwelt – doch wo die Männer in Sehnsucht, Trunkenheit und Resignation verharren, lebt die Füchsin ihr Glück unbekümmert und sofort. Natur und Mensch erscheinen als Variationen desselben Verlangens nach Liebe; die einen versäumen es, die andere ergreift es. Mit der Hochzeit erreicht die Oper ihren leuchtendsten, lebensbejahenden Höhepunkt.

3. Akt

Der Wilderer Haraschta (Bass) zieht durch den Wald, auf dem Weg zur Hochzeit mit Terynka. Der Förster (Bariton/Bass) begegnet ihm und entdeckt die Fuchsfamilie: Bystrouška (Sopran) und Goldstreif (Sopran/Mezzosopran) haben zahlreiche Junge. Übermütig stiehlt Bystrouška dem Wilderer Geflügel; als sie ihn erneut verhöhnt, erschießt Haraschta sie. Ihr Tod fällt fast beiläufig – die Natur trauert nicht, sie macht weiter. Im Wirtshaus sprechen Förster und Schulmeister (Tenor) später über Terynkas Hochzeit und über das Vergehen der Zeit; der alternde Förster spürt sein eigenes Welken. Am Schluss kehrt er an den Ort des Anfangs zurück, schläft erneut ein und erblickt verwundert ein junges Füchslein – das Kind der toten Bystrouška, ihr Bild zum Verwechseln gleich. In seinem Schlussmonolog „Není to pohádka“ erkennt er, dass alles wiederkehrt, dass Sterben und Geborenwerden ein und derselbe ewige Kreislauf sind. Versöhnt nimmt er die Endlichkeit des eigenen Lebens an. So schließt sich der Kreis zur Anfangsszene: Wo der erste Akt mit dem Fang eines jungen Füchsleins begann, endet die Oper mit dem Anblick des nächsten – das Leben selbst ist die eigentliche Hauptfigur, und es geht unaufhörlich weiter.

Rollen & Stimmfächer

RolleStimmfachBedeutung
Füchsin Bystrouška (Schlaukopf)SopranTitelfigur; freiheitsliebende, kecke Füchsin, vom Welpen zur Mutter.
Fuchs GoldstreifSopran / MezzosopranBystrouškas Gefährte; Hosenrolle, mit ihr in einer Waldhochzeit vereint.
Förster (Revierjäger)Bariton / BassMensch im Zentrum; fängt die Füchsin, erkennt am Ende den Kreislauf der Natur.
SchulmeisterTenorTölpelhaft-verliebter Dorfschullehrer, sehnt sich nach Terynka.
Pfarrer / DachsBassGrüblerischer Geistlicher; in Doppelrolle der von Bystrouška vertriebene Dachs.
HaraschtaBassHühnerhändler und Wilderer, der die Füchsin erschießt und Terynka heiratet.
Försterin / EuleAltFrau des Försters; in Doppelrolle die Eule.
Dackel LapákMezzosopranMelancholischer Hofhund; oft mit jugendlicher Stimme besetzt.

Berühmte Arien

ArieStimmeSzene
„Schlussmonolog des Försters „Není to pohádka““Förster (Bariton/Bass)3. Akt. Höhepunkt und Botschaft der Oper: Beim Anblick des jungen Füchsleins erkennt der Förster den ewigen Kreislauf von Werden und Vergehen.
„Liebes- und Werbeszene Bystrouška–Goldstreif“Bystrouška (Sopran) / Goldstreif (Sopran/Mezzosopran)2. Akt. Durchkomponiertes Duett von Werbung, Liebesgeständnis und Waldhochzeit.
„Orchestrale Naturbilder und Vorspiele“OrchesterDie Verwandlungs- und Zwischenspiele zeichnen Wald, Jahreszeiten und Tierleben; tragende musikalische Substanz des überwiegend durchkomponierten Werks.

Themen & Kontext

Worum es wirklich geht

Im Kern erzählt „Das schlaue Füchslein“ vom Kreislauf der Natur: vom Werden, Lieben, Sterben und Wiedergeborenwerden, dem Mensch und Tier gleichermaßen unterworfen sind. Bystrouška lebt ihr kurzes Leben mit voller Lust nach Freiheit und Liebe; ihr Tod ist kein Drama, sondern ein Glied in einer endlosen Kette. Janáček stellt die menschliche Welt – Förster, Schulmeister, Pfarrer, allesamt von Sehnsucht und Vergänglichkeit gezeichnet – der unbekümmerten Tierwelt gegenüber. Die Oper ist kein Kindermärchen, sondern eine heitere, zugleich abgeklärte Meditation über Endlichkeit. Im Schlussmonolog findet der Förster Trost: Das Leben vergeht nicht, es erneuert sich.

Historischer Hintergrund

Die Vorlage stammt aus einem ungewöhnlichen Medium: Rudolf Těsnohlídek verfasste 1920 für die Brünner Zeitung Lidové noviny einen illustrierten Fortsetzungsroman über die Füchsin Bystrouška, zu Bildern von Stanislav Lolek. Janáček, schon damals über siebzig, entdeckte darin Stoff für eine Oper und schrieb sich das Libretto selbst, indem er die Figuren straffte und das Ineinander von Mensch und Natur betonte. Komponiert zwischen 1921 und 1923, fällt das Werk in die späte, hochproduktive Schaffensphase des Komponisten, beflügelt von seiner Liebe zu Kamila Stösslová. Die Uraufführung am 6. November 1924 im Brünner Nationaltheater unter František Neumann wurde ein Erfolg.

Warum Experten es wichtig finden

Fachleute schätzen „Das schlaue Füchslein“ als Inbegriff von Janáčeks reifem Stil. Sein Kompositionsverfahren der Sprachmelodie – die Übertragung von Tonfall und Rhythmus der gesprochenen tschechischen Sprache, ja sogar von Naturlauten, in die Vokalmelodik – verleiht den Figuren eine ungewöhnliche Unmittelbarkeit. Das Werk ist weitgehend durchkomponiert; statt geschlossener Arien tragen kurze, prägnante Motive und farbige Orchesterzwischenspiele die Handlung. Bemerkenswert ist die Verschmelzung von Mensch- und Tierwelt zu einer einzigen klanglichen Landschaft. Dass eine Oper über eine Füchsin philosophische Tiefe erreicht, ohne je sentimental zu werden, gilt als Janáčeks besondere Leistung – ein Hauptwerk der tschechischen und der modernen Oper überhaupt.

Aufführungsnoten

Regie-Ansätze

Die Inszenierungen schwanken zwischen kindlich-buntem Naturmärchen und ernster Reflexion über Vergänglichkeit; viele Regisseure (u. a. Nikolaus Lehnhoff, Barrie Kosky) betonen die Doppelbödigkeit zwischen heiterer Tierfabel und Todesthematik. Walton Disneys bildhafte Anmutung steht gegen abstrakt-poetische Deutungen.

Bekannte Aufnahmen & Produktionen

Referenzaufnahme ist die Einspielung mit den Wiener Philharmonikern unter Charles Mackerras (Decca, mit Lucia Popp als Füchsin). Weithin geschätzt sind zudem Aufnahmen unter Václav Neumann sowie Simon Rattles Berliner Produktion (Regie Peter Sellars).

Was zwischen Inszenierungen variiert

Janáček gestattet das Zusammenlegen mehrerer Rollenpaare (etwa Pfarrer/Dachs, Schulmeister/Mücke) durch denselben Sänger; einige Tierpartien werden auf seinen Wunsch von jungen Stimmen oder Kindern besetzt. Aufgeführt wird teils tschechisch, teils in Übersetzung (Max Brods deutsche Fassung).

„Das schlaue Füchslein“ bei IOCO

Häufige Fragen

Wer hat „Das schlaue Füchslein“ komponiert?

„Das schlaue Füchslein“ stammt von Leoš Janáček. Uraufführung: 6. November 1924, Nationaltheater (Theater Na Hradbách), Brünn/Brno.

Wovon handelt „Das schlaue Füchslein“?

„Das schlaue Füchslein“ ist Janáčeks Naturoper über die Füchsin Bystrouška, die dem Förster entwischt, in der Wildnis Familie gründet und vom Wilderer erschossen wird. Aus dem Tod erwächst neues Leben. Uraufgeführt am 6. November 1924 in Brünn, verschränkt das Werk Menschen- und Tierwelt zu einem Gleichnis vom ewigen Kreislauf der Natur.

Welche berühmten Arien gibt es in „Das schlaue Füchslein“?

Zu den bekanntesten Arien zählen „Schlussmonolog des Försters „Není to pohádka““, „Liebes- und Werbeszene Bystrouška–Goldstreif“, „Orchestrale Naturbilder und Vorspiele“.

Welche Stimmfächer singen die Hauptrollen in „Das schlaue Füchslein“?

Füchsin Bystrouška (Schlaukopf) (Sopran), Fuchs Goldstreif (Sopran / Mezzosopran).

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