Arabella
„Arabella“ ist eine lyrische Komödie in drei Akten von Richard Strauss auf ein Libretto von Hugo von Hofmannsthal, ihre letzte gemeinsame Arbeit. Die Uraufführung fand am 1. Juli 1933 in Dresden unter Clemens Krauss statt. Im verarmten Wiener Adel von 1860 wartet Arabella auf „den Richtigen“ und findet ihn im fremden Gutsbesitzer Mandryka. Ein nostalgisches Spiel um Liebe, Geld und Wahrhaftigkeit.
Fakten zu „Arabella“
| Komponist | Richard Strauss |
|---|---|
| Libretto | Hugo von Hofmannsthal (letzte Zusammenarbeit) |
| Uraufführung | 1. Juli 1933, Sächsisches Staatstheater (Semperoper), Dresden |
| Sprache | Deutsch |
| Aufbau | 3 Akte |
| Spieldauer | ca. 2 Std. 35 Min. |
| Gattung | Lyrische Komödie |
| Bedeutung | Strauss' und Hofmannsthals letzte Oper, ein wehmütiger Abgesang auf das alte Wien und ein später Nachklang des „Rosenkavalier“. |
Handlung
1. Akt
Im Hotelzimmer der verarmten Familie Waldner in Wien, um 1860: Graf Waldner (Bass), ein spielsüchtiger Kavallerieoffizier a. D., und seine Frau Adelaide setzen alle Hoffnung auf die reiche Heirat ihrer schönen Tochter Arabella (Sopran). Geldnot zwingt sie, die jüngere Tochter Zdenka (Sopran) als Knaben „Zdenko“ zu verkleiden, da man sich nur eine Tochter „leisten“ kann. Zdenka liebt heimlich den Offizier Matteo (Tenor), der wiederum vergeblich um Arabella wirbt; um ihn zu halten, schreibt Zdenka ihm Liebesbriefe in Arabellas Namen. Arabella weist ihre drei adligen Verehrer, darunter Graf Elemer, ab: Sie wartet auf den einen Richtigen. Da entdeckt sie auf der Straße einen fremden, fesselnden Mann. Waldner hat in seiner Not einen alten Regimentskameraden um Hilfe gebeten; dessen reicher Neffe Mandryka erscheint statt seiner. Die Weichen für Arabellas Schicksal sind gestellt.
2. Akt
Auf dem Fiakerball, dem Höhepunkt der Wiener Faschingssaison, begegnen sich Arabella und der gutsbesitzende Kroate Mandryka (Bariton) zum ersten Mal. Beide erkennen augenblicklich, dass sie füreinander bestimmt sind; in einem innigen Duett verloben sie sich nach Mandrykas slawischem Brauch. Arabella nimmt Abschied von ihrer Mädchenzeit und ihren Verehrern. Die ausgelassene Ballkönigin Fiakermilli (hoher Koloratursopran) feiert das Paar. Doch das Glück trübt sich: Matteo erhält von „Zdenko“ einen Brief samt Zimmerschlüssel, angeblich von Arabella, der ihm ein nächtliches Stelldichein verheißt. In Wahrheit hat Zdenka die Falle gestellt, um Matteo selbst im Dunkeln zu empfangen. Mandryka belauscht das Gespräch, missdeutet es als Untreue Arabellas und stürzt sich, von Eifersucht und Wein getrieben, in einen Taumel aus Trinken und Werben um andere Frauen. Das Missverständnis treibt die frisch Verlobten auseinander.
3. Akt
In der Hotelhalle steigt Matteo, überzeugt, soeben eine Liebesnacht mit Arabella verbracht zu haben, die Treppe herab und trifft verwirrt auf die unberührte, eben heimgekehrte Arabella. Mandryka kommt hinzu und sieht seinen Verdacht bestätigt; es droht ein Duell, die Familie ist entehrt. Da tritt Zdenka in Frauenkleidern verzweifelt hervor und gesteht alles: Sie selbst war es, die Matteo im Dunkeln empfing, aus Liebe und um sein Leben zu retten. Das Missverständnis löst sich auf. Matteo erkennt nun Zdenkas wahre Liebe und wendet sich ihr zu. Mandryka bittet Arabella beschämt um Verzeihung. Sie reicht ihm zur Versöhnung ein Glas frischen Wassers als Zeichen reiner Treue und steigt im berühmten Schlussduett die Treppe zu ihm hinab. Zwei Paare finden zueinander, und das alte Wien feiert ein letztes nostalgisches Glück.
Rollen & Stimmfächer
| Rolle | Stimmfach | Bedeutung |
|---|---|---|
| Arabella | Sopran | Ältere Waldner-Tochter, die auf „den Richtigen“ wartet und ihn in Mandryka findet. |
| Mandryka | Bariton | Reicher kroatischer Gutsbesitzer, Arabellas Bestimmung, eifersüchtig und großherzig zugleich. |
| Zdenka | Sopran | Als Knabe „Zdenko“ verkleidete jüngere Schwester, die Matteo heimlich liebt. |
| Matteo | Tenor | Offizier, der vergeblich um Arabella wirbt und am Ende Zdenka gewinnt. |
| Graf Waldner | Bass | Verarmter, spielsüchtiger Vater, der auf eine rettende Heirat hofft. |
| Fiakermilli | Koloratursopran | Ausgelassene Ballkönigin des Fiakerballs mit virtuoser Glanznummer. |
Berühmte Arien
| Arie | Stimme | Szene |
|---|---|---|
| „„Aber der Richtige, wenn's einen gibt für mich““ | Arabella (Sopran) und Zdenka (Sopran) | 1. Akt – Schwesterduett über die Sehnsucht nach dem einen wahren Mann. |
| „„Und du wirst mein Gebieter sein“ (Verlobungsduett)“ | Arabella (Sopran) und Mandryka (Bariton) | 2. Akt – inniges Liebesduett, in dem sich die beiden nach slawischem Brauch verloben. |
| „Fiakermilli-Auftritt „Die Wiener Herrn verstehn sich““ | Fiakermilli (Koloratursopran) | 2. Akt – virtuose, jodelnde Glanznummer der Ballkönigin. |
| „Schlussduett „Das war sehr gut, Mandryka““ | Arabella (Sopran) und Mandryka (Bariton) | 3. Akt – Versöhnung mit dem Glas Wasser, krönender Abschluss der Oper. |
Themen & Kontext
Worum es wirklich geht
„Arabella“ erzählt von der Suche nach Wahrhaftigkeit in einer Welt, die von Geld, Schein und Konvention bestimmt ist. Arabella wartet, statt zu rechnen, auf den einen Richtigen und erkennt ihn ohne Berechnung. Das Glas Wasser am Ende symbolisiert Reinheit und vorbehaltlose Treue: Liebe gründet auf Vertrauen, nicht auf Beweisen. Daneben steht Zdenkas selbstlose Liebe, die durch Verkleidung und Lüge zur Wahrheit findet. Beide Frauen behaupten Aufrichtigkeit gegen die Verlogenheit ihrer Verhältnisse. Das Lustspiel verhandelt damit ernsthaft, wie echte Bindung in einer berechnenden Gesellschaft überhaupt möglich ist.
Historischer Hintergrund
Hofmannsthal starb am 15. Juli 1929, wenige Tage nach Vollendung des Librettos; sein letztes Telegramm an Strauss kreuzte sich mit dem Tod des Sohnes. Strauss komponierte zu Ende, ohne die übliche Überarbeitung des Textes. Die Uraufführung am 1. Juli 1933 in Dresden fiel in die ersten Monate der NS-Diktatur. Der vorgesehene Dirigent Fritz Busch und Intendant Alfred Reucker waren wegen ihrer Haltung zu jüdischen Künstlern vertrieben worden; an Buschs Stelle trat Clemens Krauss. Die Oper beschwört ein idealisiertes Wien von 1860 und wirkt so als wehmütiger Rückblick in eine Zeit politischen Umbruchs.
Warum Experten es wichtig finden
„Arabella“ gilt als der Schlussstein der legendären Partnerschaft von Strauss und Hofmannsthal und als bewusster Versuch, an den Erfolg des „Rosenkavalier“ anzuknüpfen: wieder Wien, wieder Walzer, wieder ein gefeierter Frauensopran und ein silberglänzendes Schlussbild. Fachleute schätzen die ebenmäßige, konversationsnahe Melodik und die anspruchsvolle Titelpartie, die Größe, Wärme und Noblesse verlangt. Zugleich diskutiert die Forschung kritisch das ungewöhnliche Entstehungs- und Uraufführungsumfeld. Trotz mancher dramaturgischer Schwächen des dritten Akts behauptet sich das Werk als eine der gehaltvollsten lyrischen Komödien des 20. Jahrhunderts.
Aufführungsnoten
Regie-Ansätze
Die Uraufführung dirigierte Clemens Krauss; Josef Gielen führte Regie, Viorica Ursuleac sang die Titelpartie. Spätere Inszenierungen schwanken zwischen historischem Wien-Bilderbogen und zugespitzten Deutungen der Geld- und Geschlechterthematik.
Bekannte Aufnahmen & Produktionen
Maßstäbe setzten die Einspielungen unter Georg Solti (mit Lisa della Casa) und Wolfgang Sawallisch; auch Clemens Krauss und Rudolf Kempe hinterließen viel beachtete Aufnahmen.
Was zwischen Inszenierungen variiert
Die Lesarten reichen vom nostalgisch-festlichen Ballbild bis zu kritischen Inszenierungen, die das Heiratsgeschäft und die Verkleidungsthematik gesellschaftskritisch ausstellen.
„Arabella“ bei IOCO
Häufige Fragen
Wer hat „Arabella“ komponiert?
„Arabella“ stammt von Richard Strauss. Uraufführung: 1. Juli 1933, Sächsisches Staatstheater (Semperoper), Dresden.
Wovon handelt „Arabella“?
„Arabella“ ist eine lyrische Komödie in drei Akten von Richard Strauss auf ein Libretto von Hugo von Hofmannsthal, ihre letzte gemeinsame Arbeit. Die Uraufführung fand am 1. Juli 1933 in Dresden unter Clemens Krauss statt. Im verarmten Wiener Adel von 1860 wartet Arabella auf „den Richtigen“ und findet ihn im fremden Gutsbesitzer Mandryka. Ein nostalgisches Spiel um Liebe, Geld und Wahrhaftigkeit.
Welche berühmten Arien gibt es in „Arabella“?
Zu den bekanntesten Arien zählen „„Aber der Richtige, wenn's einen gibt für mich““, „„Und du wirst mein Gebieter sein“ (Verlobungsduett)“, „Fiakermilli-Auftritt „Die Wiener Herrn verstehn sich““.
Welche Stimmfächer singen die Hauptrollen in „Arabella“?
Arabella (Sopran), Mandryka (Bariton).
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