Wien, Theater an der Wien, Der Besuch der alten Dame – Gottfried von Einem, IOCO Kritik, 10.04.2018

April 10, 2018 by  
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Theater an der Wien

Theater an der Wien / Linke Wienzeile © IOCO

Theater an der Wien / Linke Wienzeile © IOCO

Der Besuch der alten Dame  – Gottfried von Einem

Von Marcus Haimerl

Das Schöne an Jubiläen ist, dass lange nicht gespielte Werke wiederentdeckt werden können. So auch anlässlich des 100. Geburtstags Gottfried von Einems. Das Theater an der Wien entschied sich für die am 23. Mai 1971 an der Wiener Staatsoper uraufgeführte Oper Der Besuch der alten Dame.

Egon Hilbert und Friedrich Dürrenmatt: Das Ringen um “Den Besuch der…”

Die Wiener Staatsoper hatte wesentlichen Anteil der Entstehung der Oper. Obwohl ihm sein Lehrer Boris Blacher abriet, Werke lebender Autoren zu vertonen, war Gottfried von Einem von der Idee besessen aus Friedrich Dürrenmatts Theaterstück eine Oper zu machen. Doch Dürrenmatt lehnte ab. Er habe schon Aufführungen von Fidelio und Così fan tutte erlebt und diese grauenhaft empfunden. Auch eine Aufnahme von Dantons Tod als Beweis des Könnens Gottfried von Einems kam nicht in Frage, eine Live-Aufführung hingegen wäre eine Möglichkeit. Nun spielte es zwar Dantons Tod noch an den Theatern, nicht jedoch zu den Terminen an denen Friedrich Dürrenmatt Zeit gehabt hätte. Retter in der Not war schließlich Egon Hilbert, Direktor der Wiener Staatsoper. Kurzerhand wurde eine Vorstellung von Don Giovanni mit Dantons Tod ersetzt. Und Dürrenmatt zeigte sich so begeistert, dass er nicht nur seine Zustimmung gab, sondern auch gleich das Libretto selbst verfasste.

Theater an der Wien / Der Besuch der alten Dame © Werner Kmetitsch

Theater an der Wien / Der Besuch der alten Dame © Werner Kmetitsch

Der britische Regisseur Keith Warner setzte im Theater an der Wien den Besuch der alten Dame eindrucksvoll und schlüssig in Szene. Friedrich Dürrenmatt bemerkte, dass dieses böse Stück, welches nicht böse, sondern aufs humanste wiedergegeben werden sollte, ebenso mit Trauer, nicht mit Zorn und auch mit Humor. Nichts schade dieser tragisch endenden Komödie mehr als tierischer Ernst. Und dies ist Keith Warner weitestgehend auch gelungen.

Grau und farblos zeigt sich nicht nur das heruntergekommene Städtchen Güllen, sondern auch seine Bewohner, während sie auf die Ankunft der Milliardärin Claire Zachanassian warten. Diese war früher selbst Einwohnerin, von Alfred Ill geschwängert und verleumdet, wurde sie aus dem Dorf verjagt. Sie entsteigt einem Schnellzug, welchen sie mit der Handbremse zum Halt in Güllen gezwungen hat. In ihrem Gefolge ein schwarzer Panther, Gatte VII, ein Butler, Sänftenträger und zwei ältere, blinde Herren in himmelblauen Kleidchen mit Rosa Schleife, welche sich als jene bestochenen Zeugen handelt, die Mitverantwortung für die Vertreibung von Claire trugen. Auch ein Sarg ist im Gepäck. Der Einfachheit halber wird der Sarg im Pappkarton mit der Aufschrift Åmen zum Selbstzusammenbau transportiert. Eine Milliarde soll Güllen erhalten, allerdings nur unter der Bedingung, dass man ihr die Leiche Alfred Ills übergibt. Mit dieser Milliarde möchte sie sich Gerechtigkeit für die Verleumdung vor Gericht erkaufen. Obwohl dies vehement abgelehnt wird, kaufen die Bürger im Krämerladen Alfred Ills teuer ein und lassen anschreiben.

Theater an der Wien / Der Besuch der alten Dame © Werner Kmetitsch

Theater an der Wien / Der Besuch der alten Dame © Werner Kmetitsch

Claire Zachanassian  –   “Recht und Gerechtigkeit kauft man!”

Die Häuser des Ortes und auch die Kleidung der Bevölkerung werden mit steigenden Geldfluss immer bunter und selbst der Pfarrer hat sich eine neue Glocke gekauft. Alle Versuche Claire Zachanassian zu überzeugen von dem Mord abzulassen schlagen fehl, sie erfahren vielmehr, dass die Milliardärin die ganze Stadt sukzessive aufgekauft und die Fabriken geschlossen hat, um die Stadt für sie erpressbar zu machen. Mittlerweile hat sich auch Ills Familie dem allgemeinen Wohlstand ohne finanzieller Deckung angeschlossen. Aus dem einfachen Krämerladen ist ein moderner Supermarkt geworden, welcher Luxusartikel von Hummer bis Champagner im Angebot hat. In einer grellen Halle findet die einberufene Gemeindeversammlung statt. Hier wird Alfred Ill vor laufender Kamera die Zustimmung abgezwungen, alles, was beschlossen wird, um das Milliardengeschenk zu erhalten, zu akzeptieren. Die Bevölkerung sieht ihr Handeln als moralisch gerechtfertigt: handelt es sich hier ja lediglich um Gerechtigkeit. Man übergibt Claire Zachanassian den Leichnam Ills, sie übergibt der Stadt einen Scheck, welcher auf dem Zug befestigt ist, welcher die hintere Wand des Raums zum Einsturz bringt und die Milliardärin wieder aus Güllen fortführen wird.

Die Bilder (Ausstattung David Fielding) wechseln von der Ästhetik schwarzweißer Nachkriegsfotos bis hin zu den goldglitzernden Kostümen der Bewohner und dem hellen, nahezu grellen, sterilen Festsaal am Ende der Oper.

Theater an der Wien / Der Besuch der alten Dame © Werner Kmetitsch

Theater an der Wien / Der Besuch der alten Dame © Werner Kmetitsch

Aber auch die musikalischen Leistungen sind beachtlich. Katarina Karnéus bewältigt die fordernde Partie der Claire Zachanassian vokal und darstellerisch mit der gebotenen Verbitterung, aber auch beängstigender Belustigung. In Russel Braun findet sie einen intensiven Alfred Ill, dem es gelingt dem Publikum Mitgefühl für sein Schicksal abzuringen. Raymond Very als Bürgermeister und Adrian Eröd als Lehrer beindrucken auf höchstem Niveau. Auch das restliche, große Ensemble, darunter Mark Milhofer als Butler Boby, Cornelia Horak als Ills Gattin und Anna Marshania als Tochter Ottilie um einige zu nennen, leisten ebenso Großartiges wie auch der Arnold Schönberg Chor unter der Leitung von Erwin Ortner. Und auch Michael Boder und das ORF Radio-Symphonieorchester Wien meistern Gottfried von Einems komplexe Musik scheinbar mühelos.

Das Publikum, im ausverkauften Haus, zeigte sich, bei diesem zeitgenössischen Werk beinahe ungewöhnlich, unglaublich begeistert. Besser kann man den 100. Geburtstag Gottfried von Einems kaum feiern.

Wien, Wiener Staatsoper, Olymp der Musiktheater – Olympische Zahlen, IOCO Aktuell, 01.02.2018

Februar 2, 2018 by  
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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Olymp der Musiktheater: Die Wiener Staatsoper

Geschäftsbericht 2015/16, Zwischenbilanz 2017/18 – Wiener Staatsoper GmbH

Von Viktor Jarosch

Die Wiener Staatsoper ist der Olymp der Musiktheater, weltweit. Die Weltgeltung der Wiener Staatsoper, von dem kantigen Ioan Holender bis 2011 geformt, hält der Franzose Dominique Meyer seither erfolgreich auf hohem Niveau. Über 600.000 Besucher jährlich, eine Auslastung von 98 – 99% auf 2.284 Plätzen: Normalität in Wien, Weltweit einzigartig. Intendant Dominique Meyer: Ich lasse mir die Auslastungszahlen jeden Morgen vorlegen. Sind diese unter 99% werde ich unruhig“.

Die Spielzeit 2017/18 begann am 4.9.2017 mit Il Trovatore, Regie Daniele Abbado, Anna Netrebko als Leonora und Marcelo Alvarez als Manrico.

Wiener Staatsoper / Legris - Meyer - Platzer © IOCO

Wiener Staatsoper / Legris – Meyer – Platzer © IOCO

Kaum ein Theater im deutschen Sprachraum besitzt neben hohen künstlerischen Ansprüchen ähnlich hohe kaufmännische Standards wie die Wiener Staatsoper. Selbst  große Theater werden meist von Schwärmereien verantwortlicher Intendanten zu Inszenierungen dominiert. IOCO – Versuche, Zahlen zu Auslastung, Eigenfinanzierung, Anzahl Besucher der Theater zu erhaschen, sind regelmäßig vergebliche Liebesmüh. Kunst kennt keine Kosten heißt das verstohlen praktizierte Gesetz vieler Theatermanager, welche hinter euphorisch angepriesener Kunst ein gestörtes Verhältnis zu Zahlen, zu objektiver Leistungsmessung verstecken.

Auslastung 98,6%, Eigenfinanzierung 47,3%

Wiener Staatsoper Innen © Wiener Staatsoper / Michael Poehn

Wiener Staatsoper Innen © Wiener Staatsoper / Michael Poehn

Im Folgenden die Pressemeldung der Wiener Staatsoper aktuelle Leistungskennzahlen: Freiwillig, zeitnah, professionell!

Wiener Staatsoper GmbH: Geschäftsbericht 2016/17, Zwischenbilanz 2017/18

Am 1.2.2018 legte die Wiener Staatsoper GmbH den Geschäftsbericht der Saison vor: In der Saison 2016/2017 fanden insgesamt 390 Vorstellungen (Oper, Ballett, Kinderoper, Konzerte) und Eigenveranstaltungen (Matineen, Künstlergespräche etc.) statt, die von 601.624 Besucherinnen und Besuchern gesehen wurden. Bei den 289 Vorstellungen auf der Hauptbühne der Wiener Staatsoper wurde eine Sitzplatzauslastung von 98,83 % erreicht. Neun Premieren (Oper, Ballett, Kinderoper) und 65 verschiedene Werke sowie zwei Gastspiele (Oper und Ballett) wurden auf- beziehungsweise durchgeführt.

Unter Berücksichtigung des Rechnungslegungsänderungsgesetz 2014 ergaben sich für das Wirtschaftsjahr 2016/2017 folgende Ergebnisse. Der Umsatz betrug T. € 51.969, die Basisabgeltung T. € 63.245, die aktivierten Eigenleistungen T. € 592, sonstige betriebliche Ertrage beliefen sich auf T. € 7.204 und das Finanzergebnis T. € 1.230. Ausgabenseitig fielen Personalkosten in Höhe von T. € 80.079, Aufwendungen für Material und sonstige bezogene Herstellungsleistungen von T. € 3.921 und sonstige betriebliche Aufwendungen von T. € 21.222 an. Die Abschreibungen beliefen sich auf T. € 8.149. Daraus resultiert ein Jahresüberschuss von T. € 10.869, nach Abzug der gesetzlichen Rücklage von T. € 1.129 und der freien Rücklage T. € 7.400 verbleibt ein Jahresgewinn in Höhe von T € 2.340. Unter Zurechnung des Gewinnvortrages von T. € 2.743 ergibt sich somit ein Bilanzgewinn von T. € 5.083.

Die Gesamtausgaben 2016/2017 betrugen 113,4 Mio. €, die Subvention durch die Republik Österreich 63,2 Mio. €. Bei den Erlösen durch den Kartenverkauf konnte neuerlich ein Einnahmenrekord von 35,4 Mio. € erzielt werden. Der Eigendeckungsgrad belief sich auf 47,5%.

Zwischenbilanz 2017/2018: Zum 30. Jänner 2018 beträgt die Sitzplatzauslastung (Oper, Ballett, Solistenkonzerte) im Großen Haus 98,62% (nur Oper: 98,81%). Bis zu diesem Zeitpunkt konnten Einnahmen aus dem Kartenverkauf in Höhe von 17.692.485,71 € erzielt werden. Die durchschnittlichen Einnahmen pro Vorstellung belaufen sich auf 122.017,14€. PMWStO

Wien, Wiener Staatsoper, Premiere CINDERELLA FÜR KINDER, 28.01.2018

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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

CINDERELLA – WIENER FASSUNG FÜR KINDER

Uraufführung – 28.1.2018

Uraufführung und Inhalt:  Am Sonntag, 28. Jänner 2018 (11.00 Uhr) feiert Alma Deutschers Oper Cinderella in einer eigens für Wien erstellten Fassung für Kinder Premiere in der KINDEROPER | AGRANA STUDIOBÜHNE | WALFISCHGASSE.

Zum Cinderella-Stoff fand das 12jährige Ausnahmetalent – Alma Deutscher ist Komponistin, Geigerin und Pianistin – einen eigenen Zugang, der die Handlung in ein Opernhaus verlegt. Ihre Cinderella ist Komponistin und findet im Prinzen, der in der Oper ein Schriftsteller ist, ihren Seelenverwandten.

Mit der Arbeit an Cinderella begann Alma Deutscher schon als Achtjährige – die Oper wurde schließlich 2015 in Israel aufgeführt und feierte 2016 (in erweiterter Version) Premiere im Casino Baumgarten in Wien. Für die Wiener Staatsoper hat sie nun das abendfüllende Werk in eine eigene Fassung für Kinder umgearbeitet, die aber auch Erwachsene ansprechen soll, wie sie im Interview mit Andreas Láng für das Staatsopern-Monatsmagazin „Prolog“ betont: „Cinderella ist in ihrer inhaltlichen und mehr noch in ihrer musikalischen Struktur so mehrschichtig, sodass sie das gesamte Publikum gleichermaßen ansprechen kann. Sie ist primär nicht für Kinder geschrieben worden, ist aber dennoch eine Oper, die von Kindern verstanden – und wie ich so oft erfahren durfte – auch geliebt wird. Die nun von der Wiener Staatsoper gezeigte eigens erstellte „Wiener Fassung“ wird einem jungen Publikum auf Grund der Kürzung der Gesamtdauer auf lediglich fünfviertel Stunden zusätzlich entgegen kommen. Aber ganz egal ob jung oder älter: Cinderella soll die Zuschauer bewegen, sie glücklich machen sie zum Nachdenken bringen, Spannung erzeugen, die Fantasie anregen.“

Für den Aschenbrödel-Stoff hat sie sich selbst entschieden: „[…] Cinderella war von Anfang an mein Lieblingsmärchen. Allerdings wäre mir ein nettes Mädchen, das den ganzen Tag den Boden aufwischt und deren einziger Vorzug kleine Füße sind, die in die berühmten goldenen Schuhe hineinpassen, als Opernfigur zu wenig tiefgründig gewesen. Also machte ich aus ihr eine Komponistin, die aber von ihrer bösen Steifmutter und den bösen Stiefschwestern gezwungen wird, stupide Notenkopierarbeiten zu erledigen … und auch den Prinzen habe ich zum Poeten aufgewertet. Ein romantisches Paar also, das darüber hinaus auch ein gemeinsames Interesse hat – die Kunst!“


Zum Leading Team und zur Besetzung
Auf die Bühne gebracht wird Alma Deutschers Oper von einem Staatsopern-Team:

Am Dirigentenpult steht Stefano Ragusini. Der aus Italien stammende Dirigent und Pianist ist seit 2015 als musikalischer Assistent der Chordirektion im Haus am Ring tätig. Engagements als Dirigent führten bzw. führen ihn weiters u. a. an die Neue Oper Wien sowie zu Orchestern wie dem Bratislava Symphony Orchestra, den State Philharmonic Plovdiv, dem Orquesta de Cámara de Catalunya, zum Konservatorium Wien Orchester und nach Italien. Zu seinen bisherigen Operndirigaten zählen u. a. Aida, L’elisir d’amore, Così fan tutte, Le nozze di Figaro, Die Zauberflöte.

Inszeniert wird die Produktion von der österreichischen Regisseurin Birgit Kajtna, seit 2007 als Spielleiterin und Regieassistentin an der Wiener Staatsoper. Mit Cinderella gibt sie ihr Regiedebüt am Haus. Über ihre Regiearbeit sagt sie: „Wir haben das Privileg, in der Märchenwelt zu spielen, das bedeutet für mich, dass die Grenzen zwischen Alltäglichem und Zauberhaftem ineinander verschwimmen dürfen. Daher darf man manches schon überzeichnen … Die Figuren aber müssen in dem, was sie ausdrücken, echt bleiben – egal ob Märchen oder Realität.

Das macht die Geschichte lebendig und spannend. […] Mir ist es wichtig, dass wir unsere Wiener Cinderella vom Disney Klischee befreien. Almas Oper ist äußerst vielschichtig und spielt an einem ganz besonderen Ort: In einem Opernhaus – womit uns Alma ein großes Geschenk gemacht hat. Die großen Themen unserer Cinderella sind die Suche nach einem Seelenverwandten, der Versuch die Welt zu verbessern – egal ob König oder Künstlerin und Mobbing: Cinderella ist Außenseiterin nicht auf Grund ihrer Patchwork-Situation, sondern auf Grund ihrer Begabung als Künstlerin.“

Die Ausstattung stammt von Christina Feik (Bühnenbild) und Janina Müller-Höreth (Kostüme), die als Dekorationsbetreuerin bzw. Kostümassistentin an der Wiener Staatsoper engagiert sind.

Zu erleben sind in alternierenden Besetzungen Ensemblemitglieder der Wiener Staatsoper: Die Premiere gestalten Bryony Dwyer in der Titelpartie, Caroline Wenborne und Ulrike Helzel als ihre Stiefschwestern Griselda und Zibaldona, Simina Ivan als Stiefmutter, Bongiwe Nakani als Emeline, Leonardo Navarro als Prinz, Dan Paul Dumitrescu als König und Rafael Fingerlos als Minister.

Alma Deutscher wird selbst in einigen Vorstellungen auftreten – sie wird bei der Premiere am 28. Jänner sowie bei einigen Folgeterminen Solovioline spielen


CINDERELLA – WIENER FASSUNG FÜR KINDER

Musik: Alma Deutscher Text: Alma Deutscher, Guy Deutscher, Tsur Ehrlich, Eitana Meidan-Moshe, Elisabeth Adlington Deutsche Übersetzung: Theresita Colloredo, Guy Deutscher, Norbert Hummelt (Gedicht des Prinzen) Dirigent: Stefano Ragusini | Regie: Birgit Kajtna Bühne: Christina Feik | Kostüme: Janina Müller-Höreth

Alternierende Besetzungen
Cinderella: Bryony Dwyer | Ileana Tonca | Andrea Carroll | Maria Nazarova
Griselda: Caroline Wenborne | Regine Hangler | Lydia Rathkolb
Zibaldona: Ulrike Helzel | Miriam Albano | Alexandra Yangel
Stiefmutter: Simina Ivan | Donna Ellen | Fiona Jopson°
Emeline: Bongiwe Nakani | Zoryana Kushpler | Ilseyar Khayrullova
Prinz: Leonardo Navarro | Carlos Osuna | Pavel Kolgatin | Wolfram Igor Derntl
König: Dan Paul Dumitrescu | Ayk Martirossian | Sorin Coliban
Minister: Rafael Fingerlos | Clemens Unterreiner | Marcus Pelz | Igor Onishchenko
Solovioline: Alma Deutscher (28. Jänner, 1., 4., 13., 23., 25. Februar, 18. März, 7., 18. April)
Bühnenorchester der Wiener Staatsoper

° Debüt an der Wiener Staatsoper | Alle Solistinnen und Solisten geben ihr Rollendebüt.
Termine: Jänner: 28. (11 Uhr, Premiere), 30.* | Februar: 1.*, 4. (11 Uhr), 13.*, 17. (15.00 Uhr), 21.*, 23.*, 25. (11 Uhr) | März: 3. (15.00 Uhr), 5.*, 6.*, 7.*, 18. (15.00 Uhr)
April: 7. (15.00 Uhr), 12.*, 16.*, 18.*, 19.* | Mai: 6. (15.00 Uhr), 10. (11 Uhr)
* Vorstellungen für Schulklassen (Beginn jeweils 10.30 Uhr)

—| Pressemeldung Wiener Staatsoper |—

Wien, Wiener Staatsoper, PREMIERE LULU – ALBAN BERG, 03.12.2017

November 23, 2017 by  
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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

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PREMIERE  LULU von  ALBAN BERG

TEXT ALBAN BERG NACH FRANK WEDEKIND

Premiere:  Sonntag, 3. Dezember 2017, 17.00 Uhr

Am Sonntag, 3. Dezember 2017 feiert Alban Bergs Lulu in der dreiaktigen, von Friedrich Cerha komplettierten, Fassung Premiere an der Wiener Staatsoper. Die Inszenierung von Willy Decker ist dem Staatsopernpublikum seit ihrer Premiere am 12. Februar 2000 bekannt – diese stand bis 2005 insgesamt 21 Mal auf dem Spielplan des Hauses am Ring, allerdings in der zweiaktigen Version. Lulu, basierend auf Frank Wedekinds Tragödien Erdgeist und Die Büchse der Pandora, konnte von Alban Berg nicht fertiggestellt werden und gelangte erst nach seinem Tod 1937 in Zürich zur Uraufführung. Es etablierte sich die Aufführungstradition, das Stück als zweiaktiges Fragment zu zeigen, bei der den ersten beiden Akten die letzten zwei Teile von Bergs Symphonischen Stücken angehängt wurden. Auch die Wiener Premiere 2000 folgte dieser Tradition. Zum ersten Mal wurde Lulu an der Wiener Staatsoper 1968 aufgeführt; in einer Inszenierung von Otto Schenk, Karl Böhm am Dirigentenpult und KS Anja Silja in der Titelpartie.

Die Orchestrierung des 3. Aktes vervollständigte schließlich Friedrich Cerha, die Weltpremiere der dreiaktigen Fassung fand 1979 in Paris statt. Am 24. Oktober 1983, unter der musikalischen Leitung des damaligen Direktors Lorin Maazel und mit Julia Migenes als Lulu, kam die dreiaktige Version zur Erstaufführung im Haus am Ring. Für die kommende Premiere kehrt Willy Decker zurück an die Wiener Staatsoper, um seine gefeierte Lulu-Inszenierung in der dreiaktigen Fassung zu präsentieren. Für das Haus am Ring schuf der international gefragte deutsche Regisseur noch Inszenierungen von Billy Budd, Die Tote Stadt und Idomeneo (im Theater an der Wien). Weitere Regiearbeiten führten ihn u. a. nach Amsterdam, Berlin, zu den Salzburger Festspielen und an die Dresdner Semperoper.

Seine Gedanken zu Lulu erläuterte Willy Decker im Programmheft für die Premiere 2000: „Lulu provoziert Unsicherheit – alles und jeder um sie herum verliert unter ihrem Einfluss Boden unter den Füßen, strauchelt und stürzt. Lulu, die Person, und Lulu, das Stück, sind auf Verunsicherung angelegt. […] das Stück beschreibt die Grundspannung zwischen Männlich und Weiblich als einen immerwährenden Kampf – der Ort dieses Kampfes und damit der Ort des Stückes ist die Arena.

Musikalisch geleitet wird die Premierenserie von Ingo Metzmacher. An der Wiener Staatsoper debütierte er 2009 mit der Neuproduktion von Lady Macbeth von Mzensk und leitete hier in weiterer Folge noch Vorstellungen von Parsifal; zuletzt wieder Lady Macbeth von Mzensk im Mai 2017. Der deutsche Dirigent ist gegenwärtig Intendant der KunstFestSpiele Herrenhausen in Hannover.

Die Ausstattung der Produktion stammt von Wolfgang Gussmann. Lulu ist neben Billy Budd und Die Tote Stadt die dritte Zusammenarbeit für die Wiener Staatsoper des deutschen Bühnen- und Kostümbildners mit Willy Decker; außerdem kreierte er die Ausstattungen von Moses und Aron sowie Lohengrin.

Die Sängerbesetzung – durchgehend Rollendebüts an der Wiener Staatsoper Bei der Sängerbesetzung gibt es vorwiegend Rollendebüts am Haus: In der Titelpartie stellt sich Agneta Eichenholz dem Staatsopernpublikum vor. Die aus Malmö (Schweden) stammende Sopranistin studierte in Stockholm und feierte bisher u. a. am Londoner Royal Opera House, Covent Garden, am Teatro Real in Madrid, an der Komischen Oper Berlin, der Oper Frankfurt, in Barcelona, Kopenhagen, Genf, Amsterdam und Basel Erfolge. Zu ihrem vielfältigen Repertoire zählen neben Lulu u. a. Alcina, Fiordiligi (Così fan tutte), Konstanze (Die Entführung aus dem Serail), Gilda (Rigoletto), Juliette (Roméo et Juliette), Violetta (La traviata), Daphne. 2015 debütierte sie als Ellen Orford (Peter Grimes) im Theater an der Wien.

Die Gräfin Geschwitz gibt KS Angela Denoke. Seit ihrem Staatsoperndebüt 1997 als Marschallin (Der Rosenkavalier) ist sie dem Haus am Ring eng verbunden und war bisher in 16 Partien an rund 120 Abenden zu erleben, darunter u. a. in Premierenproduktionen von Lady Macbeth von Mzensk (als Katerina Ismailowa), Parsifal (als Kundry), Die tote Stadt (als Marietta) und Jen?fa (in der Titelpartie).
Als Dr. Schön/Jack the Ripper kehrt KS Bo Skovhus zurück an die Wiener Staatsoper, auch er ist seit seinem Debüt 1991 als Silvio (Pagliacci) ein gern gesehener Gast auf der Bühne des Hauses am Ring. Lulu ist seine 9. Premiere an der Wiener Staatsoper nach den Titelpartien von Jonny spielt auf und Billy Budd, Graf (Capriccio), Danilo (Die lustige Witwe), Barbier (Die schweigsame Frau), Guglielmo (Così fan tutte) und Fritz/Frank (Die Tote Stadt).

KS Franz Grundheber, der bei der Premiere 2000 den Dr. Schön/Jack the Ripper verkörperte, singt erstmals am Haus den Schigolch. Der deutsche Bariton feiert mit dieser Premierenproduktion bereits seine 41jährige Zugehörigkeit zum Haus am Ring, wo er am11. Dezember 1976 als Figaro (Le nozze di Figaro) debütierte und an bisher rund 250 Abenden zu erleben war. Zu seinen meistgesungenen Rollen an der Wiener Staatsoper zählen die Titelpartien von Wozzeck, Der fliegende Holländer, Amfortas (Parsifal), Scarpia (Tosca), Orest (Elektra) sowie Dr. Schön/Jack the Ripper. 2010 wurde er zum Ehrenmitglied der Wiener Staatsoper ernannt. Den Alwa singt – ebenfalls erstmals an der Wiener Staatsoper – Herbert Lippert. Er trat bzw. tritt seit über 30 Jahren im Haus am Ring, dessen Ensemblemitglied er ist, in bisher mehr als 30 Partien auf, so in den Titelpartien von Lohengrin, Peter Grimes, als Siegmund (Die Walküre), King of Naples (The Tempest), Matteo (Arabella), Tenor/Bacchus (Ariadne auf Naxos), Erik (Der fliegende Holländer), Eisenstein (Die Fledermaus), Paul (Die Tote Stadt), Tambourmajor (Wozzeck).

In den weiteren Partien geben die Staatsopern-Ensemblemitglieder Donna Ellen als Theatergarderobiere/Mutter, Ilseyar Khayrullova als Gymnasiast/Groom, Jörg Schneider als Maler/Neger, Carlos Osuna als Prinz/Kammerdiener/Marquis, Alexandru Moisiuc als Theaterdirektor/Bankier, Maria Nazarova als Fünfzehnjährige, Bongiwe Nakani als Kunstgewerblerin, Manuel Walser als Journalist und Ayk Martirossian als Diener ihre Rollendebüts am Haus. KS Wolfgang Bankl verkörpert wie bereits 2000 den Tierbändiger/Athleten.

Dirigent: Ingo Metzmacher | Regie: Willy Decker, szenische Einstudierung: Ruth Orthmann | Ausstattung: Wolfgang Gussmann, Kostümmitarbeit: Susana Mendoza

Mit: Lulu Agneta Eichenholz°, Gräfin Geschwitz Angela Denoke*, Theatergarderobiere / Mutter Donna Ellen*, Gymnasiast/Groom Ilseyar Khayrullova*, Medizinalrat Konrad Huber, Maler/Neger Jörg Schneider*, Dr. Schön/Jack the Ripper Bo Skovhus*, Alwa Herbert Lippert*, Schigolch Franz Grundheber*, Tierbändiger/Athlet Wolfgang Bankl, Prinz/Kammerdiener/Marquis Carlos Osuna*, Theaterdirektor/Bankier Alexandru Moisiuc*, Fünfzehnjährige Maria Nazarova*, Kunstgewerblerin Bongiwe Nakani*, Journalist Manuel Walser*, Diener Ayk Martirossian*, Orchester der Wiener Staatsoper, Bühnenorchester der Wiener Staatsoper

° Debüt an der Wiener Staatsoper | * Rollendebüt an der Wiener Staatsoper

Premiere:  Sonntag, 26. November 2017, 11.00 Uhr: Einführungsmatinee mit Mitwirkenden der   Reprisen: 6., 9., 12. ?, 15. Dezember 2017 ( WIENER STAATSOPER live at home) Die Premiere am 3. Dezember wird ab 19.30 Uhr live-zeitversetzt auf Radio Ö1 übertragen. PMWStO

 

 

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