Magdeburg, Theater Magdeburg, Anna Skryleva – Magdeburger Philharmonie, IOCO Kritik, 23.09.2019

September 23, 2019 by  
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Theater Magdeburg

Theater Magdeburg © Theater Magdeburg / Hans Ludwig Boehme

Theater Magdeburg © Theater Magdeburg / Hans Ludwig Boehme

Anna Skryleva – Neue Generalmusikdirektorin am Theater Magdeburg

Einführungskonzert – Leokadiya Kashperova, Alexander Skrjabin

von Thomas Thielemann

Der Umstand, dass die Generalintendantin Karen Stone bevorzugt weibliche Führungskräfte an das Haus bindet, scheint dem Niveau und der Kreativität der Musiksparten des Theater Magdeburg zunehmend gut zu tun. Seit Beginn der Spielzeit 2019/20 ist die 1975 in Moskau geborene Pianistin und Dirigentin Anna Skryleva die Generalmusikdirektorin am Theater Magdeburg. Zunächst ausgebildet am Tschaikowski-Konservatorium lebt sie seit 1999 in Deutschland und komplettierte ihre Ausbildung unter anderem auch bei Simone Young in Hamburg. Ihre Erfolge in  Schleswig-Holstein und Darmstadt haben sie für die Position der Generalintendatin des Theater Magdeburg sehr empfohlen.

Mir ihrer Friedensinitiative „Classic for Peace“ wendet sie sich an Künstler aller Sparten, mit gemeinsamen über vermeintliche Grenzen hinwegsetzenden Projekten gegen Hass und Aggressionen vorzugehen.

 Magdeburger Philharmonie / Anna Skryleva neue Generalmusikdirektorin © Niels Böhme

Magdeburger Philharmonie / Anna Skryleva neue Generalmusikdirektorin © Niels Böhme

Anna Skrylevas Programm ihres 1. Sinfoniekonzertes war so interessant und verheißungsvoll, dass wir es nicht versäumen durften.

Mit der deutschen Erstaufführung  der Sinfonie h-Moll op. 4 ihrer nahezu vergessenen Landsfrau Leokadiya Kashperova (1872-1940) eröffnete sie das Konzert mit einem Engagement für Komponistinnen.

Geboren in einem musikalischen Familienumfeld begann sie vierjährig mit dem Klavierspiel. In den folgenden Jahren erhielt Sie eine gründliche und breite musikalische Ausbildung unter anderem auch in Harmonielehre und Kontrapunkt. Auch beschäftigte sie sich mit musiktheoretischen Phänomenen. Zu ihren wichtigsten Klavier-Lehrern gehörte Anton Rubinstein. Nach Abschluss ihres Kompositionsstudiums 1895 war sie als Klavierlehrerin in St. Petersburg tätig, gab Klavierkonzerte und versuchte sich als Dirigentin. Nach der Jahrhundertwende bemühte sie sich, als Pianistin ihre eigenen Kompositionen auch außerhalb Russlands bekannt zu machen. Beim von Arthur Nikisch geprägten Leipziger Publikum hatte sie am 8. Oktober 1907, eventuell ob ihres etwas burschikosen Auftretens, keine rechte Zustimmung. Dagegen hatte Leokadiya Kashparova in London als Solistin und Kammermusikerin Erfolge.

Ihre Karriere wurde unterbrochen, als sie 1916 den Klavierstudenten und bolschewistischen Revolutionär Sergej Andropow heiratete, so dass sie vielen Musikfreunden nur noch als Strawinskys Klavierlehrerin bekannt ist.

Viele Kompositionen von Leokadiya Kashperova sind verschwunden oder warten im Moskauer Glinka-Museum auf eine Wiederentdeckung. Auch die Sinfonie in h-Moll wurde erst nach über 100 Jahren von Graham Griffith und 2018 vom BBC Concert Orchestra aufgeführt.

Die Deutsche Erstaufführung der h-Moll-Sinfonie öffnete uns ein Fenster und gab einen Blick auf das kompositorische Schaffen Kashperowas. Handwerklich in Ordnung erwies sich die Musik als melodisch und romantisch und ohne größere Höhepunkte. Jedes Mal, wenn sich Blech und Schlagwerke anschickten, eine Eruption zu entfalten, schränkte sich das Geschehen umgehend wieder ein. Es fehlte eigentlich eine eigene Tonsprache. Zu viele Anklänge anderer Komponisten. Am besten gefiel das Allegretto scherzando, in dem russische Volksmusik sehr frisch eingearbeitet war. Die noch entwicklungsfähige Generalmusikdirektorin machte ihrem Orchester akzentuierte Ansagen, die diszipliniert umgesetzt wurden.

Magdeburger Philharmonie / Das philharmonische Orchester © Stefan Horak

Magdeburger Philharmonie / Das Philharmonische Orchester © Stefan Horak

Vor vier Jahren wurde bei Renovierungsarbeiten in einem Nebenraum des Konservatoriums St. Petersburg ein nichtkatalogisierter Stimmensatz aus der Feder Igor Strawinskys gefunden. Nachdem am 21. Juni 1908 sein Lehrer Nikolai Rimsky-Korsakov verstorben war, komponierte Strawinsky für ein Gedenkkonzert im Großen Saal des Konservatoriums ein „Chant funèbre“, ein Begräbnislied. Das bis zur Wiederentdeckung nur einmal aufgeführte Werk ist nach 107 Jahren unter dem Dirigat von Valery Gergiev im Mariinsky Theater erstmals wieder gespielt worden. Für die Musikwissenschaft schließt dieses Opus Nr. 5 eine Lücke in Strawinskys „russischer Phase“.

Mit tiefen, düster-elegischen Klängen lässt Anna Skryleva die zehnminütige Komposition als zweites Stück des Konzertes wie ein Defilee der Orchesterinstrumente am Sarg des Verstorbenen spielen. Jedes Instrument legt seine eigene Melodie als Kranz nieder, während im Hintergrund das Orchester grummelt. Die Komposition des jungen Strawinsky trieb die Generalmusikdirigentin nicht an ihre Grenzen. Dem Gast des Hauses erschloss sich aber dank der Struktur des Stückes, über welch gute Solisten und Stimmgruppen die Magdeburger Philharmonie verfügt.

In der klassisch orientierten Musikwelt gilt der russische Komponist Alexander Skrjabin (1871-1915) für viele als ein Verrückter, als ein Egomane mit allerlei mystischen Vorstellungen. Wer sich aber näher mit ihm beschäftigt, erkennt ihn als genialen stilprägenden Komponisten des beginnenden 20. Jahrhunderts. Leider bereits im Alter von 43 Jahren verstorben, hat er sein Schaffen nicht in Ansätzen vollenden können. Dazu kommt, dass Skrjabin ob seiner Freundschaft mit Georgi Plechanow (1856-1918) in Ost und West immer mit einem gewissen Misstrauen gesehen wurde, obwohl er sich in die Auseinandersetzungen  der zwischen-revolutionären Bewegung des zaristischen Russlands nicht eingebracht hatte.

 Theater Magdeburg / Magdeburger Philharmonie hier Lichtinstallationen der Medienkünstler Guido Petzold und Egbert Mittelstädt © Egbert Mittelstädt

Theater Magdeburg / Magdeburger Philharmonie hier Lichtinstallationen der Medienkünstler Guido Petzold und Egbert Mittelstädt © Egbert Mittelstädt

Die Philosophie von Alexander Skrjabin bleibt ungreifbar. Okkultismus, Theosophie, indische Philosophie, Nietzsche, Fichte, Schopenhauer, Symbolismus und Marxismus  baut er zu einem eigenen Denkgebäude, ohne sich einer Tradition verpflichtet zu fühlen. Kunst war für Skrjabin ein Mystisch-religiöser Ritualvorgang, der nur durch Verbindung von Musik, Wort, Licht, Düften, Malerei und Bewegung zur Vollendung gebracht werden könnte. Mit seinen Kompositionen wollte er seine ästhetischen und weltanschaulichen Vorstellungen möglichst vollständig gestalten. Dabei genügten ihm die herkömmlichen Möglichkeiten nicht. Neben Orchester, Chor und Soloinstrumenten bezog er Farben und Bewegungen in seine Kompositionen ein. Zunehmend schafft er sich eine eigene Tonsprache, deren Vollendung sein früher Tod verhinderte.

Die neue Generalmusikdirektorin der Magdeburger Philharmonie gehört zu jenen Kreativen, bei denen sich das Hören von Musik mit Farbempfindungen verbindet. Um ihr Publikum an diesen „synästhetischen Erfahrungen“ zumindest in der Andeutung teilhaben zu lassen, hatte Frau Skryleva die Medienkünstler Egbert Mittelstädt und Guido Petzold eingeladen, um mit Alexander Skrjabins sinfonischer Dichtung op. 60 „Prométhée- Le Poème du Feu“ ( deutsch etwa: Prometheus- Die Dichtung vom Feuer) einen Eindruck zu schaffen. An der Aufführung waren neben dem Magdeburger Opernchor auch die Pianistin und Skrjabin-Expertin Maria Lettberg beteiligt.

Skrjabin komponierte dieses Werk für „großbesetztes Orchester, Soloklavier, Orgel, Chor und Farbenklavier in den Jahren 1909 bis 1910 mit Bezug auf den Gott des Feuers. Auch dachte er an die Einbeziehung von Gerüchen, scheiterte aber an den Möglichkeiten einer Umsetzung seiner Idee. Die Partitur des Komponisten enthält zwei als „Tasteria per Luce“ bezeichnete Stimmen, die den exakten Lichtablauf vorgeben. Die obere Luce-Stimme folgt dem Grundton des Klangzentrums der jeweils sechstönigen Quantenakkorde, während die untere Stimme parallel zum Aufbau der Sinfonie verläuft. Leonid Sabaneev, einem Vertrauten Skrjabins, verdanken wir dazu eine Ton-Farb-Zuordnung. Valery Gergiev stellte das Werk im Rahmen der Dresdner Musikfestspiele 2019 vor und hatte uns mit der ersten vollständigen Begegnung ob der Komplexität der Darbietung ziemlich überfordert. Vor allem die Lichteffekte lenkten vom Klavierspiel und der Harmonik der sechstönigen Klangzentren, eigentlich eine Vorstufe der erst später entwickelten Zwölfton-Musik, ab. Die Wirkung des sogenannten „Mystischen Akkords“ war dem übergroßen Teil der Hörer ohnehin verloren gegangen.

Mit ihrer Magdeburger Interpretation des Prométhée dürfte Anna Skryleva recht nahe den Vorstellungen des Komponisten gekommen sein. Der massive Druck des mit 84 Musikern besetzten Orchester im Zusammenspiel mit der hervorragend. an Skrjabin geschulten Pianistin Maria Lettberg, unterstützt  vom Opernchor und einer Celesta, meisterten die Tücken der Partitur. Beim mehrfachen Hören gelang es auch die Raffinessen der Komposition zu erfassen, wenn man sich nicht zu sehr von den Arbeiten der beiden Medienkünstlern Guido Petzold und Egbert Mittelstädt ablenken lässt. Ihre Lichteffekte (Foto oben) auf einer Bildwand hinter dem Orchester und an den Deckenabhängungen über dem Parkett entfalten eine nahezu berauschende Wirkung, wenn sie nahezu synchron zur Musik ihre Farbenspiele entwickeln. Ob sich die Medienexperten den empfohlenen Ton-Farbzuordnungen Sabaneev gefolgt sind, kann ich nicht beurteilen, wäre aber auch ohne Belang. Schade nur, dass die komplett schwarze Bühne und die schwarzen Zuschauer-Raumwände einen totalen Übergriff des Farbenrauschs auf den gesamten Raum einschränkten. Ansonsten wäre das Publikum komplett im Lichtrausch eingebunden gewesen.

Ana Skryleva leitete das Spektakel mit bewunderungswerter Übersicht und Präzision und führte so ihr Einstandskonzert zu einem bemerkenswerten Erfolg. Auch wenn sich die Magdeburger nur mit sehr höflichen Applaus und einigen überschaubaren Bravo-Rufen bedankten. Bei den stehenden Ovationen stand ich leider nahezu allein.

—| IOCO Kritik Theater Magdeburg |—

Bonn, Beethovenfest Bonn, 7 Konzerte im Rhein-Sieg-Kreis, 06. – 29. September 2019

Juli 31, 2019 by  
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Beethovenfest

 Beethovenfest Bonn 2019 –  Sieben Konzerte im Rhein-Sieg-Kreis

Zwischen dem 6. und 29. September 2019 veranstaltet das Beethovenfest Bonn im Rhein-Sieg-Kreis sieben Konzerte an sechs Spielorten: Im Rahmen einer Tournee bespielt die Deutsche Streicherphilharmonie nicht nur in der Stadthalle Troisdorf, sondern auch zwei neu dazugewonnenen Spielstätten – die Jungholzhalle Meckenheim und das Stadttheater Rheinbach. Mit zwei Konzerten im Stadtmuseum Siegburg, einem Konzertabend im Steigenberger Grandhotel auf dem Petersberg und einer Aufführung der Kammeroper München in der Rhein-Sieg-Halle Siegburg präsentiert sich das Beethovenfest Bonn zudem an bereits etablierten Spielorten. Das starke regionale Engagement des Beethovenfestes Bonn wird durch regelmäßige Förderung der Kreissparkasse Köln sowie des Rhein-Sieg-Kreises möglich. Erstmals unterstützt auch die Sparkassen-Kulturstiftung Rheinland die Konzerte im Rhein-Sieg-Kreis.

»Auch in diesem Jahr ist es der Intendantin Nike Wagner gelungen, das Festivalmotto Mondschein mit ihrer eigenen künstlerischen Handschrift zu versehen. Entstanden sind sieben exklusive Programme an besonderen Orten im Rhein-Sieg-Kreis mit Künstlern von internationalem Format, die unverwechselbar die Vielfalt des Festivals präsentieren. Die Kreissparkasse Köln unterstützt daher wieder gerne das Beethovenfest im Rhein-Sieg-Kreis  – unser Beitrag, dass die Eintrittspreise für eine möglichst große Anzahl von Musikliebhabern erschwinglich bleiben«, sagt Alexander Wüerst, Vorsitzender des Vorstands der Kreissparkasse Köln.

»Ich freue mich sehr, dass das Beethovenfest auch in diesem Jahr wieder zu Gast im Rhein-Sieg-Kreis ist und wir diese langjährige Tradition aufrecht erhalten. An ausgewählten, teilweise neuen, Spielorten geben wir den Musikinteressierten sicher schon jetzt einen wunderbaren Vorgeschmack auf das große Beethoven-Geburtstagsjahr 2020. Ich bin sehr gespannt darauf, wie das Motto »Mondschein« musikalisch umgesetzt wird«, so Landrat Sebastian Schuster.

»Das Projekt »Beethovens Heimatregion« verbindet zum 250. Geburtstag Ludwig van Beethovens die Geburtsstadt des Komponisten mit der sie umgebenden Region. Das Beethovenfest Bonn führt im Jahr 2019 erstmals eine Konzertreihe im Rhein-Sieg-Kreis durch, die mit Meckenheim und Rheinbach sowie Königswinter (Petersberg), Siegburg und Troisdorf gleichmäßig rechts- und linksrheinisch alle konzertinteressierten Bürgerinnen und Bürger erreicht. Wir freuen uns sehr, an dieser regionalen Stärkung des Beethovenfestes beteiligt zu sein und damit einen Beitrag für das kulturelle Bewusstsein der Region zu leisten«, sagt Dorothée Coßmann, Geschäftsführerin der Sparkassen-Kulturstiftung Rheinland, Düsseldorf

Das Beethovenfest Bonn unter der künstlerischen Leitung von Nike Wagner steht 2019 unter dem Motto »Mondschein«. Was zunächst wie ein kleiner Anspielungs-Scherz auf Ludwig van Beethovens »Mondscheinsonate« wirkt, entpuppt sich als ein programmatisch fruchtbares Gelände. Dem silbernen Schimmer des Erd-Trabanten konnten weder die Dichter je widerstehen noch die Komponisten, er verzaubert die Konturen der Welt – oder macht sie bizarr und unheimlich. »Mondschein« ist ein extrem romantisches Thema, wie gemacht für die neue Subjektivität eines Erlebens, wie es um 1800 heraufdämmerte und im Lauf des 19. Jahrhundert zu schmerzlich-süßen Entfaltungen der Gefühle und Orchesterfarben führte.

Nike Wagner, Intendantin des Beethovenfestes Bonn: »Wir freuen uns, auch 2019 wieder im Rhein-Sieg-Kreis zu Gast zu sein. Gleich zwei neue Orte sind diesmal mit dabei – die Jungholzhalle Meckenheim und das Stadttheater Rheinbach. Unter dem Motto »Mondschein« bringen wir ein breit gefächertes, hervorragendes Programm – von drei Auftritten der Deutschen Streicherphilharmonie über Originalklang- und Preisträger-Konzerte bis hin zu Joseph Haydns komischer »Mond«-Oper. Die Spielstätten dieser kulturell aufgeschlossenen Region tun ein übriges, um das Publikum herzlich zu empfangen.«

Ein weitgespanntes musikalisches Panorama bietet die Deutsche Streicherphilharmonie auf ihrer kleinen Tournee durch den Rhein-Sieg-Kreis, auf der nicht nur die Stadthalle Troisdorf, sondern auch die beiden neu erschlossenen Konzertorte – die Jungholzhalle Meckenheim und das Stadttheater Rheinbach – bespielt werden. Neben Mozarts legendärer »Kleiner Nachtmusik« steht Max Bruchs posthume »Serenade«, und neben der hinreißenden »Capriol Suite« (1926) des Briten Peter Warlock nach Tänzen aus dem 16. Jahrhundert ertönt aus Beethovens letztem Streichquartett der langsame Variationensatz, in einer Skizze als »Süßer Ruhegesang oder Friedensgesang« bezeichnet. Schließlich Schostakowitsch: die populäre Orchesterfassung seines achten Streichquartetts – eines der persönlichsten und eindringlichsten Werke des russischen Komponisten (12./14./15.9).

Beethovemfest Bonn / Dorothee Oberlinger © Dorothee Oberlinger

Beethovemfest Bonn / Dorothee Oberlinger © Dorothee Oberlinger

Dorothee Oberlinger hat der »Einfachheit« der Blockflöte ungeahnte neue Ausdrucksqualitäten erschlossen. Begleitet vom Barockensemble Sonatori de la Gioiosa Marca, bringt sie eine Auswahl aus ihrem aktuellen Repertoire. Vivaldi ist dabei mit seinem berühmten Konzert »La notte«, zwei Nachtstücke des blinden Flötenvirtuosen Jacob van Eyck und die Serenade des Salzburger Hofkapellmeisters Biber mit dem »Nachtwächterlied«. Das Programm wird abgerundet von dem Modern-Jazz-Musikstück, dem der Abend seinen Titel

verdankt: »Round midnight« aus der Feder von Thelonious Monk (15.9.).

Der junge Pianist Tomoki Kitamura konnte sich dem Klassikpublikum bereits 2017 als Preisträger der International Telekom Beethoven Competition Bonn empfehlen. In seinem Konzert im Stadtmuseum Siegburg spannt er einen Bogen von György Kurtágs acht kurzen Klavierstücken, Robert Schumanns »Vier Fugen für Klavier« über Franz Liszt und Alban Bergs Klaviersonate hin zu Beethovens monumentaler »Hammerklavier-Sonate« (21.9.).

Obwohl der aus den Niederlanden stammende Ronald Brautigam auch auf modernen Flügeln konzertiert, gilt er als führender Virtuose auf dem Hammerklavier. Wenn er nun Beethovens »Hammerklavier-Sonate« im Rahmen des Beethovenfestes 2019 vorträgt, so in einem historisch eindrucksvollen Rahmen: 2019 ist der 200. Jahrestag der Erstausgabe der »Hammerklavier-Sonate«. Aus diesem Grund findet in Siegburg eine Beethoven-Tagung statt. Für Ronald Brautigam, der sich stets auch für den geschichtlichen Hintergrund seines Repertoires interessiert, die perfekte Gelegenheit für einen neuen Auftritt mit diesem grandiosen Klavierwerk (22.9.).

»Die Welt auf dem Monde« ist eine komische Oper auf ein Libretto des gewitzten Carlo Goldoni und mit der Musik des nicht minder gewitzten Joseph Haydn – eine einzige köstliche Narretei mit tieferer Bedeutung. Da sind zwei Töchter, zwei Liebhaber und ein störrischer alter Vater … Was tun, um ihn herumzukriegen? Die Herren lassen sich etwas einfallen … Haydns Oper, uraufgeführt 1777 auf Schloss Esterházy, entfaltet einen märchenhaften Zauber, der in der Bearbeitung durch die Kammeroper München frische Konturen erhält. Freche, gesprochene Texte und eine Kammermusikfassung machen aus der »Welt auf dem Monde« eine flotte Nummernrevue … (27.9.).

Beim Beethovenfest Bonn 2019 sind 27.000 Eintrittskarten für ein Hauptprogramm von 46 Veranstaltungen an 24 Spielstätten in Bonn und Umgebung im Verkauf. Ermöglicht wird dies durch öffentliche Zuwendungen der Bundesstadt Bonn, des Bundes, des Rhein-Sieg-Kreises und durch die projektbezogene Förderung des Landes Nordrhein-Westfalen. Weitere Finanzmittel werden durch die Gesellschaft der Internationalen Beethovenfeste Bonn gGmbH von Sponsoren und Stiftungen sowie durch Spenden, den Verkauf von Eintrittskarten und Medienverwertung eingeworben.

—| Pressemeldung Beethovenfest Bonn |—

Berlin, Berliner Philharmoniker, Andris Nelsons – Skrjabin, Schostakowitsch, IOCO Kritik, 13.07.2019

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Berliner Philharmoniker

Berliner Philharmonie © Reinhard Friedrich / Berliner Philharmoniker

Berliner Philharmonie © Reinhard Friedrich / Berliner Philharmoniker

Berliner Philharmoniker – Andris Nelsons

Skrjabin, Schostakowitsch – Mit Artist in Residence Daniil Trifonov

von Julian Führer

In der Berliner Philharmonie dirigierte Andris Nelsons am 22.6.2019 ein rein russisches Programm. Daniil Trifonov (voller Name Daniil Olegowitsch Trifonow), in der Saison 2018/19  Artist in Residence bei den Berliner Philharmonikern, präsentierte sich mit einer eindringlichen Interpretation des Klavierkonzerts in fis-Moll opus 20 von 1894/1895, das Alexander Skrjabin mit Anfang 1920 komponierte. Der junge Pianist Daniil Trifonov (Jahrgang 1991) näherte sich dem eher selten gespielten Werk in einer zurückhaltenden Weise und hielt über weite Strecken seinen Part im Piano oder weiter abgestuften Pianissimo-Bereichen, womit er seinen raffiniert perlenden Anschlag besonders zur Geltung bringen konnte. Der Dialog zwischen Orchester und Solopart erfordert gerade im ersten Satz (Allegro – Più mosso, scherzando – Tempo primo) und im zweiten, aus Thema und vier Variationen bestehenden Mittelsatz ein wechselseitiges Leiserwerden. Im Kopfsatz war hier allerdings die Abstimmung nicht optimal – das Orchester war tendenziell zu laut und blieb es auch, als der Solist sich nicht beirren ließ und seine sehr zurückhaltende Dynamik beibehielt.

Berliner Philharmonie / Die Berliner Philharmoniker © Stefan Hoederath

Berliner Philharmonie / Die Berliner Philharmoniker © Stefan Hoederath

Der zweite Satz des Konzerts beginnt mit einer sehr elegischen Introduktion des Orchesters (Andante). Diese sparsame Einleitung wie aus einem Streichquartett wird in der Folge von viel Brillanz der Technik erfordernden Variationen des Soloparts ausgeführt. Die stilistische Nähe zu Franz Liszt und Sergej Rachmaninow war deutlich zu hören. Die Klangbalance gelang im zweiten Satz viel besser und erlaubte ein gemeinsames Leisespielen, das keine Aufnahme wiederzugeben in der Lage ist. In der Höhe fand Trifonov zu einem kristallenen, fast harfenartigen Klang.

Im dritten Satz (Allegro moderato – Meno – Melto meno mosso – Maestoso – Più mosso) wurde das Orchester wieder deutlich lauter. In diesem Fall lag das Problem aber wohl eher beim Komponisten selbst, der den Orchesterpart nicht übermäßig raffiniert, vor allem aber sehr üppig instrumentiert hat. Faszinierend war die Konzentrationsleistung des Solisten neben der beeindruckenden Technik. Besteht ein klassisch-romantisches Solokonzert aus einem Dialog zwischen Soloinstrument und Orchester, reden Klavier und Orchester bei Skrjabin mitunter durcheinander – abgesehen von der Einleitung zum zweiten Satz und acht Takten im dritten Satz hat das Klavier eigentlich nie ‚Pause‘. Die technische Perfektion des Orchesters muss bei den Berliner Philharmonikern kaum erwähnt werden; das etwas forsche Auftrumpfen gegenüber dem Solisten im ersten Satz blieb die einzige Irritation.

Berliner Philharmoniker / Daniil Trifonov © Dario Acosta / DG

Berliner Philharmoniker / Daniil Trifonov © Dario Acosta DG

[ Von Daniil Trifonov wurden verschiedene Aufnahmen bei der Deutschen Grammophon veröffentlicht.]

Die elfte Symphonie Opus 103 in g-Moll „Das Jahr 1905“ von Dmitri Schostakowitsch kann im ungünstigen Fall wie eine Filmmusik des sozialistischen Realismus daherkommen. Andris Nelsons hat soeben eine CD-Aufnahme mit dem Boston Symphony Orchestra veröffentlicht, auf der er seine Auffassung dieses monumentalen Werkes dokumentiert.

Beim Berliner Konzert setzte er teilweise andere Akzente, der allgemeine Ansatz der Interpretation lässt sich aber auf der CD gut nachvollziehen. Der erste Satz („Platz vor dem Palast“: Adagio) ist ein Klanggemälde, das vermeintlich musikalischen Stillstand dokumentiert – das im düsteren Winter erstarrte St. Petersburg. Musikalische Bewegung erfolgt nur langsam, tiefe Streicher und Harfenakkorde, die zunächst ‚leere‘ Quinten wie in Beethovens Neunter in den Raum stellen und dann um g-Moll kreisen, allerdings immer wieder die Harmonie durch fahle Halbtöne verzerren. Die Trompetensignale ertönen wie auch die anderen Partien der Bläser im ersten Satz zunächst durchweg gestopft. Die Lautstärke der Trompetensignale war ungewöhnlich laut. Im Vergleich zu anderen Interpretationen und Aufnahmen ging Andris Nelsons den ersten Satz noch etwas langsamer als ohnehin an. Im zweiten Satz hingegen (Der 9. Januar“: Allegro – Adagio – Allegro) setzte er von Beginn an auf Tempo. Beim ersten Fortissimo dieses Satzes ließ er die Posaunen in beeindruckender Weise anschwellen. Nach dieser ersten Aufgipfelung beruhigt sich die musikalische Situation bis fast zum Quasi-Stillstand des Kopfsatzes hin. Bei Nelsons allerdings waren Tempo und Dynamik schon in der Mitte des Satzes so gesteigert, dass es keinen Ruhepunkt gab und das sonst urplötzliche (und viele Zuhörer zusammenfahren lassende) Fortissimo der kleinen Trommel mehr Ziel- als Ausgangspunkt war. Die rhythmische und dynamische Explosion in diesem Satz, der die Schüsse der Soldaten des Zaren gegen Demonstranten in Musik setzt, klingt auf der neuen CD wie eine Horrorvision, ein blitzartig hereinbrechender und nicht aufzuhaltender Alptraum. In der Philharmonie hingegen war es eher ein brillantes Feuerwerk insbesondere des Schlagwerks – was man da gerade gehört hat, merkt der Zuhörer so recht erst, wenn die musikalischen Salven aufhören und das Orchester von fff abrupt zu ppp wechselt und man, sobald die Ohren sich umgestellt haben, wieder die Streicher und die Harfenakkorde hört, diesmal allerdings mit Celesta, und die Streicher sind nicht ruhig, sondern flirren und zittern. Ein Klanggemälde, dessen Wirkung man sich kaum entziehen kann.

Der dritte Satz („In memoriam“: Adagio) ist ein Trauergesang auf die Opfer des 9. Januar 1905. Hier wie auch in den anderen Sätzen verwendet Schostakowitsch (ehemals) bekanntes Liedgut, so dass ein russisches oder sowjetisches Publikum unmittelbare Assoziationen hat, die einem westlichen oder jüngeren Zuhörer erst über die Literatur nachvollziehbar werden. Dies gilt auch für die Unisono-Einleitung der Bratschen, die eine bei offiziellen Anlässen verbreitete Trauermusik aufnimmt. Die Vorteile der Philharmonie mit ihrer Akustik, die jeden Huster und jede herabfallende Garderobenmarke auf allen Plätzen hörbar werden lässt, hat hier zur Folge, dass eine Zurückhaltung bei der Lautstärke möglich ist, die andere Säle und andere Orchester als die Berliner Philharmoniker kaum erzielen könnten. Zudem nahm Nelsons das Tempo in diesem Satz sehr zurück. Bei den Ausbrüchen in der zweiten Hälfte des Satzes mit Bläsern und viel Schlagwerk setzte er eigene Akzente: Wo sonst vor allem die große Trommel und das Tamtam dominieren, ließ er hier das Blech die Töne lange aushalten und durch das Schlagzeug eher unterstreichen. Die folgende Reprise des Unisono wirkte noch leiser, noch verdämmernder, nicht von dieser Welt.

Berliner Philharmoniker / Andris Nelsons © Monika Rittershaus

Berliner Philharmoniker / Andris Nelsons © Monika Rittershaus

Irritierend war der Einstieg in den vierten Satz („Sturmgeläut“: Allegro non troppo – Allegro – Moderato – Adagio – Allegro). Entgegen der ausdrücklichen Metronombezeichnung nahm Nelsons das scharf konturierte Bläserthema nicht zügig, sondern bremste spürbar ab; die folgenden aufgeregten Figuren der tiefen Streicher folgten gemäß der eigentlichen Metronomangabe, für das zweite Bläsersignal wenige Takte später (Ziffer 123, Takt 18 mit Auftakt) ging Nelsons dann aber auf das deutlich langsamere Anfangstempo zurück, bevor es wieder zügiger weiterging. Dieses Vorgehen bleibt dem Rezensenten unverständlich. Die Sicht des Dirigenten auf den vierten Satz fiel deutlich subjektiver aus als zuvor, auch ganz am Ende: Das Sturmgeläut (gewaltig laute Glocken, die links und rechts in den Abgängen aufgestellt waren) mündet bei Schostakowitsch in eine lärmende Schlussminute, die wie die fünfte Symphonie des Komponisten abrupt und ohne echten musikalischen Schlusspunkt endet. In Berlin ließ Nelsons die Glocken lange nachhallen, obwohl in der Partitur die Musik in allen Instrumentengruppen abbricht und auch bei den Glocken noch ausdrücklich eine Achtelpause notiert ist. Der Effekt dieser Interpretation ist ohne Zweifel gegeben, bleibt doch der Glockenklang noch lange im Raum, während das Orchester schon längst zu spielen aufgehört hat (und das Publikum mit dem Applaus zum Warten zwingt).

Vor etlichen Jahren wählte an gleicher Stelle auch Sakari Oramo diesen Zugriff. Angesichts der expliziten Partituranweisung wäre ein Abbrechen auch des Glockenklangs aber vielleicht doch zu bevorzugen. Die in den vierten Satz eingewobenen Kampflieder wie die Warschawjanka wurden mit einem breit marschierenden Streicherrhythmus eingeleitet, der in dieser Interpretation fast stampfte. Höhepunkt dieses Satzes ist ein langes Englischhornsolo, das hier betont langsam ausgeführt wurde und das man technisch und interpretatorisch wohl kaum besser machen kann. Überhaupt war die Aufführung dieser Symphonie eine technische Glanzleistung, seien es die exakten Striche der Streichergruppen, seien es die nie kieksenden Hörner, die ein homogenes Pianissimo spielen, das man sonst kaum je zu hören bekommt, seien es die Harfen, die so genau aufeinander achteten, dass nichts ‚nachklapperte‘.

Daniil Trifonov – Klavierkonzert – hier zur Bestellung als Artist in Residence
youtube Trailer Berliner Philharmoniker
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Ist diese Symphonie plakativ?  Vielleicht.  Sozialistische Kampflieder in einer Symphonie lassen diesen Eindruck entstehen. Gleichzeitig ist hinlänglich bekannt, dass Schostakowitsch immer wieder mit doppeltem Boden komponierte und den vordergründigen Kotau vor der Macht mit um so galligerer und dennoch subtiler Kritik verband. Das Stück wurde 1957 uraufgeführt, in einer Zeit, die man außenpolitisch und kulturell allgemein als ‚Tauwetter‘ bezeichnet. Schostakowitsch, gerade fünfzig Jahre alt geworden, war Stalins Bannfluch los, nachdem offiziell verlautbart worden war, dass die gegen den Komponisten in den dreißiger Jahren erhobenen Vorwürfe überzogen und Stalins persönlicher Sicht zu verdanken gewesen seien. Dennoch: In der Literatur maßregelte Chruschtschow persönlich den im Westen alsbald sehr populären Boris Pasternak, was auch in den anderen Künsten als Warnsignal verzeichnet wurde, dass der Stalinismus nicht über Nacht verschwunden war. Schostakowitschs zehnte Symphonie war im Westen begeistert und im Osten mit einigen Reserven aufgenommen worden; mit der Elften war es damals umgekehrt. Heute wurden die Ausführenden in der vollen Berliner Philharmonie gefeiert, teilweise – namentlich Pauke und Englischhorn – wie Rockstars bejubelt. Die Sprache Schostakowitschs und die Interpretation dieses Abends fanden großen Anklang.

 

—| IOCO Kritik Berliner Philharmoniker |—

Mörbisch, Seefestspiele Mörbisch, Das Land des Lächelns – Franz Lehár, 11.07.2019

Seefestspiele Mörbisch

Seefestspiele Mörbisch / Land des Lächelns © Seefestspiele Mörbisch

Seefestspiele Mörbisch / Das Land des Lächelns © Seefestspiele Mörbisch

 Das Land des Lächelns  – Franz Lehár
Lehárs Meisteroperette zieht 2019 das Publikum in seinen Bann

Der Künstlerische Direktor Peter Edelmann bringt nach 18 Jahren Das Land des Lächelns von Franz Lehár wieder auf die Seebühne. Das Publikum nahm die Einladung des Mörbisch-Direktors an und reiste mit ins ferne China.

Seefestspiele Mörbisch / Panorama © Seefestspiele Moerbisch / Jerzy Bin

Seefestspiele Mörbisch / Panorama © Seefestspiele Moerbisch / Jerzy Bin

Mit der romantischen Operette von Franz Lehár folgt Peter Edelmann in seiner zweiten Saison am Neusiedler See seinem Vorhaben, die „erste Garde“ der Operetten auf die weltweit größte Operettenbühne der Welt zu bringen. Eine berührende Liebesgeschichte, die Dichte an unvergesslichen Melodien wie „Dein ist mein ganzes Herz“ oder „Immer nur lächeln“ und die imposante Seebühne inmitten der atemberaubenden Naturkulisse des Neusiedlersees sind die Zutaten für einen Operettenabend, der lange in Erinnerung bleibt.

Seefestspiele Mörbisch / Peter Edelmann © Seefestspiele Moerbisch / Jerzy Bin

Seefestspiele Mörbisch / Peter Edelmann © Seefestspiele Moerbisch / Jerzy Bin

Das Land des Lächelns ist die emotionalste aller Operetten, die keinen Besucher ungerührt lässt“, ist sich Peter Edelmann gewiss, „wir haben einen Abend voll Romantik und großer Gefühle erlebt! Gerade mit der heurigen Inszenierung ist es uns gelungen, das Publikum in jeder Hinsicht zu überraschen: Sei es mit den spektakulären Kulissen und technischen Raffinessen, mit traumhaften Kostümen für das gesamte Ensemble, aber ebenso mit einer Orchesterdarbietung und Klangqualität auf höchstem Niveau und nicht zuletzt mit einer hervorragenden Besetzung.“

„Die Seefestspiele Mörbisch sind für die Festivalregion rund um den Neusiedler See, die Kultur sowie für den Tourismus von großer Bedeutung und ein starker Partner. Peter Edelmann hat mit seinem Team mit einer spannenden Inszenierung und spektakulären Bühnenbildern Gespür für die Erwartungen des Publikums bewiesen. Diese Produktion von Das Land des Lächelns ist ein einzigartiges Festival-Highlight in diesem Sommer“, so Landeshauptmann Hans Peter Doskozil.

Seefestspiele Mörbisch / Tribüne - Anatevka © Seefestspiele Moerbisch / Jerzy Bin

Seefestspiele Mörbisch / Tribüne – Anatevka © Seefestspiele Moerbisch / Jerzy Bin

Zahlreiche prominente Gäste besuchten die heutige Premiere: Bundesminister Thomas Starlinger, die Landeshauptleute Hans Peter Doskozil, Michael Ludwig und Hermann Schützenhöfer, LH-Stv. Franz Schnabel, die Landesräte Verena Dunst, Astrid Eisenkopf, Christian Illedits, Alexander Petschnig und Daniela Winkler, Helmut Bieler, Hans Niessl, Dr. Franz Vranitzky, Franko Foda, Alfons Haider, Richard Lugner, Eva Maria Marold, Opernstars Martina Serafin und Ulrike Steinsky u.v.a.

Exotisches Flair am Neusiedlersee

Das Land des Lächelns mit der weltberühmten Arie „Dein ist mein ganzes Herz‘‘ sorgt nach 18 Jahren Abwesenheit mit fernöstlichem Zauber, großen Gefühlen und mit Lehárs großartiger Musik für ein Lächeln auf den Gesichtern der Besucher und jede Menge Gänsehaut-Feeling. Bei den Seefestspielen Mörbisch ist das Bühnenbild ein wichtiger Anziehungspunkt. Das Publikum zeigt sich von der Lage direkt am Rande des
Neusiedlersees ebenso beeindruckt, wie von den gigantischen Maßen der Kulissen. Heuer insbesondere von einem 14 Meter hohen und knapp 16 Tonnen schweren chinesischen Drachenkopf, der sich schnaubend über die Bühne bewegt und alle in seinen Bann zieht. Regie geführt und choreografiert hat bei dieser spektakulären Produktion der in Südafrika geborenen Leonard C. Prinsloo.

Seefestspiele Mörbisch / Das Land des Lächelns - Koichi Okugawa, Ballett © Seefestspiele Moerbisch / Jerzy Bin

Seefestspiele Mörbisch / Das Land des Lächelns – Koichi Okugawa, Ballett © Seefestspiele Moerbisch / Jerzy Bin

Inhalt
In Das Land des Lächelns treffen zwei junge Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen aufeinander: Während seines Aufenthaltes in Wien lernt der chinesische Diplomat Prinz Sou-Chong die aus einer adeligen Familie stammende Lisa kennen. Die beiden fühlen sich zueinander hingezogen und verlieben sich. Als Sou-Chong zum chinesischen Ministerpräsidenten ernannt wird, folgt ihm Lisa nach Peking. Dort wird sie mit fremden Sitten und uralten Traditionen konfrontiert, die ihre Liebe zu Sou-Chong auf den Prüfstand stellen

Seefestspiele Mörbisch / Das Land des Lächelns - Ballett © Seefestspiele Moerbisch / Jerzy Bin

Seefestspiele Mörbisch / Das Land des Lächelns – Ballett © Seefestspiele Moerbisch / Jerzy Bin

Inszenierung   –   Der Reiz des Fremden
Nach 2014 (Anatevka) und 2015 (Eine Nacht in Venedig) hat Walter Vogelweider heuer erneut das Bühnenbild entworfen. Die Kulissen entführen die Besucher mit technischen Highlights und optischen Raffinessen in die gegensätzlichen Welten von Wien und Peking. Die Seefestspiele Mörbisch überzeugen auch heuer (2019!) wieder mit großen Dimensionen auf der Bühne. Der erste Teil des Stücks ist im Wiener Prater angesiedelt, wo sich Lisa und Sou-Chong bei einem Pferderennen kennenlernen. Das Bühnenbild verwandelt sich im zweiten Teil in die mystische Welt des Orients, wenn Lisa mit ihrem Prinzen nach China reist.

Land des Lächelns – Franz Lehár
youtube Trailer Seefestspiele Mörbisch
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„In Zeiten, als Fernreisen gefährlich, unerschwinglich teuer und sehr zeitaufwendig waren, bot das Fremde eine große Projektionsfläche für romantisierende Ideen und Vorstellungen. Der Reiz des Exotischen wurde in allen Kunstrichtungen aufgenommen, in der Literatur, der Malerei, der Architektur, in der Musik und natürlich auch in den Operetten, Filmen, Werbung und, wie könnte es anders sein, im Prater. Von der romantisierten Vorstellung von Fortschritt und Industrialisierung, wechseln wir in die mystische Welt des Orients. So groß und unbedarft die Sehnsucht zu Anfang war, so dominant zeigt sich der 2. und 3. Akt. Ein überdimensionaler Drache beherrscht das Bühnenbild.“ (Walter Vogelweider)

Seefestspiele Mörbisch / Das Land des Lächelns - Elissa Huber, Benno Schollum, Won Whi Choi, Statisterie © Seefestspiele Moerbisch / Jerzy Bin

Seefestspiele Mörbisch / Das Land des Lächelns – Elissa Huber, Benno Schollum, Won Whi Choi, Statisterie © Seefestspiele Moerbisch / Jerzy Bin

Genialer Melodiker
Mit dem gebürtigen Wiener Thomas Rösner steht ein international erfahrener Dirigent am Pult. Er ist Gründer und Leiter der österreichischen Beethoven Philharmonie und auch als Konzertdirigent weltweit gefragt.

„Lehár ist aus meiner Sicht mit seinem Land des Lächelns die einzigartige Meisterleistung gelungen, die Eingängigkeit der Melodien, die von einer Operette erwartet werden, mit der Eleganz, Klangschönheit und Differenzierung großer Oper in Einklang zu bringen. Lehar war ein großer Freund und Bewunderer Puccinis. In diesem Werk wird diese Nähe ganz besonders spürbar. So wie Puccini schreibt auch Lehár sehr anspruchsvoll und mit großer Schönheit für die menschliche Stimme. Beide sind Meister darin, das Orchester mit vielen Farben wirkungsvoll einzusetzen und dadurch auch den ganz unterschiedlichen Klangkolorit Chinas und Wiens zum Klingen zu bringen.“ (Thomas Rösner)

Seefestspiele Mörbisch / Das Land des Lächelns - Elissa Huber, Maximilian Mayer, Benno Schollum, Statisterie © Seefestspiele Moerbisch / Jerzy Bin

Seefestspiele Mörbisch / Das Land des Lächelns – Elissa Huber, Maximilian Mayer, Benno Schollum, Statisterie © Seefestspiele Moerbisch / Jerzy Bin

Farbenprächtige exotische Welt
Christof Cremer, freischaffender Kostüm- und Bühnenbildner, lebt in Wien und arbeitet international. Neben seiner Tätigkeit für das Theater konzipiert und kuratiert er Ausstellungen und arbeitet als Szenograph. Bereits fünf Mal hat Christof Cremer die Kostüme der Balletteinlagen des Neujahrskonzerts gestaltet.

„Das Land des Lächelns lebt vom großen Gegensatz der Welten. Einerseits die westliche Welt, die westliche Monarchie und andererseits eine exotische fernöstliche Welt. Dieser Gegensatz galt vor allem für die Zeit der Uraufführung. Heute ist dem Betrachter durch Bilder oder eigenes Erleben die chinesischen Kultur und Folklore vertraut. Deshalb sind die Kostüme des 2. und 3. Aktes abstrahierte, von der chinesischen Kunst und Mode inspirierte Kostüme. Die einzelnen Silhouetten erzählen etwas über die Figuren. So etwa, wenn von einer Frau als Braut nur das Gesicht sichtbar bleibt und dies noch unter einem Schleier. So erzählt das viel über den Wert der Frau in dieser Gesellschaft. Die Hauptfiguren finden sich im 2. und 3. Akt in einer umfassenden Spannung in Bezug auf die sehr unterschiedlichen gesellschaftlichen Strukturen. Die Kostüme unterstützen und unterstreichen das. In den Ballettkostümen sind auch Referenzen an den modernen Ausdruckstanz aus der Zeit der Uraufführung der Operette eingewoben. Vor allem im Akt 2 und 3 arbeiten wir mit großen graphischen Motiven und Mustern. Diese Ornamente entspringen der chinesischen Kunst oder den Stickereien der historischen Gewänder. So entsteht durch die Kostüme eine eigene farbenprächtige exotische Welt.“ (Christof Cremer)

Seefestspiele Mörbisch / Feuerwerk © Seefestspiele Moerbisch / Jerzy Bin

Seefestspiele Mörbisch / Feuerwerk © Seefestspiele Moerbisch / Jerzy Bin

Premierenbesetzung
Elissa Huber als Lisa, Won Whi Choi als Prinz Su-Chong, Katerina von Bennigsen als Mi, Maximilian Mayer als Graf Gustav von Pottenstein, Benno Schollum als Graf Ferdinand Lichtenfels, Gernot Kranner als Sekretär Fu Li, Koichi Okugawa als Onkel Tschang und Harald Serafin als Obereunuch.

Seefestspiele Mörbisch 2019 – 11. Juli bis 24. August: Tickets – Infos: www.seefestspiele.at, tickets@seefestspiele.at und Telefon +43 (0)2682 / 66210

 

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