Essen, Aalto-Theater, Cosi fan tutte – Wolfgang A. Mozart, IOCO Kritik, 19.06.2019

Juni 20, 2019 by  
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Aalto Theater Essen

Aalto-Theater-Essen © IOCO

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Cosi fan tutte – Wolfgang A. Mozart

– Allgegenwärtiges Lügen  wird  Zur Lehrstunde  des Lebens –

von Viktor Jarosch

Wolfgang Amadeus Mozart und Antonio Salieri (1750-1825) kannten einander sehr gut; begegneten sich in Wien wie in ihren Werken immer wieder. Lorenzo da Ponte (1749 – 1838), von Salieri aus Venedig nach Wien vermittelt, wiederum schrieb Libretti für Mozart und Salieri: 1788 das Libretto zu Antonio Salieris tragisch-komischer Oper Axur, re d’Ormus und 1786, 1787, und 1789 die Libretti zu Mozarts Opern Figaros Hochzeit, Don Giovanni und Cosi fan tutte. Erste Texte von da Ponte, gedacht für Antonio Salieris Werk La scuola degli amanti (Die Schule der Liebenden), „landeten“ so bei Wolfgang Amadeus Mozart, der die Komposition Cosi fan tutte (So machen´s alle) benannte; seiner Oper Le Nozze di Figaro entlehnt, wo Don Basilio den vermeintlichen Betrug der Susanna mit den Worten „So machen´s alle (Frauen)“ beschreibt.

Das Sujet der Oper Cosi fan tutte, weibliche Untreue, fasziniert denn seit Ovids Metamorphosen Werke und Gedanken zahlloser männlicher Schriftsteller. Männliche Untreue fasziniert SchriftstellerInnen weniger; wohl weil diese so alltäglich ist. Die Dramaturgin des Aalto-Theater meinte denn auch zur Einführung der Premiere, Cosi fan tutte sollte eher Cosi fan tutti (Männer und Frauen einschließend) heißen.

Cosi fan tutte –  Wolfgang A. Mozart
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Mozart komponierte Cosi fan tutte 1787, von Geldnöte geplagt; seine letzte Uraufführung, Don Giovanni, lag bereits etwas zurück. Angeblich, unbelegt, hat Kaiser Joseph II Mozart zu der Komposition beauftragt. Mit Lorenzo da Ponte eng verbunden entstand die Oper in kurzer Zeit, im Herbst 1789. Im Januar 1790 wurde sie im Burgtheater uraufgeführt; seither wird sie auf allen Bühnen der Welt regelmäßig gespielt: Mozarts lebendig komplexe Komposition belebt, beschwingt schon auf dem Weg zur Vorstellung. Das von männlichen Träumen beschwerte oft überzeichnetes Verwirrspiel dagegen nötigt zur Gelassenheit,es  ist eine musikalische Komödie; geschrieben zu einer Zeit, in welcher die beginnende Französische Revolution verunsicherte.

Die Handlung: In Cosi fan tutte will „Dunkelmann“ Don Alfonso, den aufrechten, leicht beeinflussbaren   Ferrando und Guglielmo, beweisen, dass die Treue ihrer Liebsten, der Schwestern Dorabella und Fiordiligi unbeständig ist; „dass Lieb ein unstet Ding ist“. Ferrando und Guglielmo lassen sich von Alfonso verführen und ein schräges Spiel von Verwandlung, Täuschung, Verwirrung läuft ab: Die Männer gaukeln vor, in einen Krieg zu ziehen; kehren als Albaner verkleidet zu ihren Liebsten zurück; drohen, sich das Herze zu durchbohren und zu vergiften, wenn Dorabella und Fiordiligi  ihre Liebe nicht erwidern.

Aalto Theater Essen / Così fan tutte © Matthias Jung

Aalto Theater Essen / Così fan tutte © Matthias Jung

Regisseur Stephen Lawless und Bühnenbildner Philipp Schlößmann stellen in ihrer ästhetisch klassizistischen Aalto-Inszenierung Mozarts Komposition, das Ensemble mit seiner Spielfreude in den Vordergrund. Die in der Handlung allgegenwärtige Lüge soll im Aalto-Theater zu einer sichtbaren „Lehrstunde des Lebens“ werden; in zeitlosem Klassizismus auf die Bühne gebracht: Ein hoher, heller, hellenistischer Saal mit antiken Statuen am vorderen Bühnenrand, im Hintergrund italienische Landschaften und der Vesuv: Dieser Raum ist bleibender Schauplatz; und sendet dabei beständig sensible Chiffren an das Publikum, wenn sich Decken und Wände des Saales zur Handlung lösen, brechen, wieder verfestigen; wenn Statuen sich wandeln; wenn im Hintergrund inmitten einer italienischen Landschaft der Vesuv raucht; wenn Fiordiligi, Dorabella ihre Kleider tauschen. Diesen Chiffren, Andeutungen ist oft nur schwer zu folgen, sodaß man sich gerne der Komposition wie Stimmen und Spielfreude des starken Ensembles zuwendet.

Die Akteure agieren meist in gepflegten Kostümen: Don Alfonso, Intriganten-gerecht in barockem dunklem Wams oder in dunkler priesterlicher Soutane mit großem Kreuz auf der Brust; Fiordiligi, Dorabella, Ferrando, Guglielmo stets in dezent gepflegten Rokoko-Kostümen. Despina dagegen treibt die Handlung aktiv: mal als brave Kammerzofe, mal als schriller Quacksalber, mal als trüber Notar. Sie ist die Kupplerin in  einem doppelbödigem Verwirrspiel; polarisiert die Herren-Intrige mit Primadonnen-Theater.

Aalto Theater Essen / Così fan tutte - hier : Martijn Cornet als Guglielmo, Dmitry Ivanchey als Ferrando © Matthias Jung

Aalto Theater Essen / Così fan tutte – hier : Martijn Cornet als Guglielmo, Dmitry Ivanchey als Ferrando © Matthias Jung

Das Theater, so zeigt auch Cosi fan tutte, hat alle Rechte gegen die Wahrscheinlichkeit, denn Dorabella und Fiodiligi fühlen eiskalte Stirnen und den schwachen Puls röchelnder Männer; sie klagen „Poverini! La lor morte, mi farebbe lagrimar.“ (Die Armen! Ihr Tod machte mich weinen)“; und konspiriert weiter: „Weil die Unglücklichen bald sterben müssen, bemüht euch wenigstens, ihnen Mitleid zu bezeigen“, so Despina zu Fiordiligi und Dorabella. Doch als Wunderheiler kuriert Despina die leidenden Ferrando und Guglielmo schnell mit falschem Latein und neumodischem Magnetismus-Apparat (Anspielung auf den zu Mozarts Zeit populären Arzt Anton Meßmer), um anschließend als Notar die schnell gesundeten Ferrando und Guglielmo mit Dorabella und Fiordiligi zu vermählen. Verwicklungen, welche nur komödiantisch, aber nie ernsthaft hinterfragt werden dürfen.

Der Besucher im Aalto-Theater wird zum wahren Genießer, wenn er das Aalto-Ensemble mit seinen wohl timbrierten wie  lyrischen Stimmen, das Aalto-Orchester und  Mozarts Komposition zu seinem Fokus macht; dabei den Sinn der vielen Chiffren des Bühnenbildes „hintanstellt“. Baurzhan Anderzhanow treibt als sympathisch eleganter Don Alfonso die Handlung, die Wette, nimmt den Besucher mit fest timbriertem Bariton wohltuend ein; er ist kein praller Bösewicht, kein dunkler Verschwörer, Don Alfonso im Aalto  vertreibt sich seine Zeit mit einer Wette, welcher die anderen eben folgen.

Aalto Theater Essen / Così fan tutte - hier : Despina als Notar vermählt © Matthias Jung

Aalto Theater Essen / Così fan tutte – hier : Despina als Notar vermählt © Matthias Jung

Dmitri Ivantchey, mit lyrischem Tenor, und Martijn Cornet, als Ferrando, Guglielmo wie als Albaner haben durch das bemühte Libretto ihrer Partie einen schweren Stand gegen eine starke Frauenriege: die Portugiesin Liliana de Sousa überzeugt als vielseitige Despina („Eine Frau kann ohne Liebe leben, aber nicht ohne Liebhaber…“), als Alfonsos leibhaftiges konspiratives Alter Ego, welches sich optisch und darstellerisch beständig wandelt: von einer Zofe in schwarzem Mieder zum Quacksalber zum Notar. Tamara Banjesevic als Fiordiligi und Karin Strobos als Dorabella ergänzen sich in ihren großen Partien als vermeintlich „verführte Frauen“ stimmlich wie darstellerisch, dominieren die Vorstellung. Der seitlich der Bühne positionierte  Aalto-Chor (Einstudierung Patrick Jaskolka) unterlegt das Fest von Stimmen und Klängen. Tomas Netopil leitete dazu die Essener Philharmoniker sängerfreundlich, mit wunderbaren Legatos und  sensibel gefestigtem Klangvolumen.

Das Premierenpublikum im gut gefüllten Aalto-Theater feierte  ihre neue Cosi fan tutte, die Lehrstunde des Lebens, ihr Ensemble, Chor und Orchester mit großem Beifall

Cosi fan tutte im Aalto-Theater; die nächsten Vorstellungen 22.06.; 27.06.; 4.07.; 13.07.2019

—| IOCO Kritik  Aalto Theater Essen |—

Frankfurt, Oper Frankfurt, DIE HOCHZEIT DES FIGARO – W.A. Mozart, 05.04.2019

März 28, 2019 by  
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Oper Frankfurt

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

LE NOZZE DI FIGARO – DIE HOCHZEIT DES FIGARO

Oper  von Wolfgang Amadeus Mozart, Text von Lorenzo Da Ponte nach Pierre Augustin Caron de Beaumarchais

Wiederaufnahme: Freitag, 5. April 2019, 19.00 Uhr

Oper Frankfurt / DIE HOCHZEIT DES FIGARO - v.l.n.r. Basilio, Susanna und Graf Almaviva © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / DIE HOCHZEIT DES FIGARO – v.l.n.r. Basilio, Susanna und Graf Almaviva © Barbara Aumüller

Mit Le nozze di Figaro von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) präsentierte der kanadische Regisseur Guillaume Bernardi in der Spielzeit 2006/07 nach Arbeiten im Bockenheimer Depot erstmals eine Inszenierung im Opernhaus. Publikum und Presse waren von der klassisch gehaltenen Produktion gleichermaßen begeistert, und so war etwa in der Frankfurter Rundschau zu lesen: „Es ist Bernardi gelungen, eine alte Geschichte so zu erzählen, dass sogar der ausgepichteste Kenner wieder einiges Neue in dem (wie alle guten Stücke) unerschöpflichen Werk entdeckt. Dabei geht es ohne Verkrampftheiten ab, ohne ratternde Gags.“ Nun wird die Erfolgsinszenierung, die am 4. März 2007 Premiere feierte, zum sechsten Mal wiederaufgenommen.

Zum Inhalt: Als das Diener-Paar Figaro und Susanna heiraten möchte, pocht deren Dienstherr, Graf Almaviva, auf das „Recht der ersten Nacht“ mit der Braut. Damit bringt er nicht nur die Verlobten, sondern auch die eigene Gattin Rosina und nahezu alle Schlossbewohner gegen sich auf. Was folgt ist ein Tag voller Intrigen, Verkleidungen, Verwirrungen und Irrungen. Am Ende aber siegt die Liebe…

Oper Frankfurt / DIE HOCHZEIT DES FIGARO - Figaro und Marzelline © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / DIE HOCHZEIT DES FIGARO – Figaro und Marzelline © Barbara Aumüller

Die musikalische Leitung der Produktion liegt anlässlich dieser Wiederaufnahme erstmals bei dem amerikanischen Gastdirigenten Lawrence Foster, der 2012/13 mit Mussorgskis Chowanschtschina an der Oper Frankfurt debütierte. Seit 2013 hat er die Position des Chefdirigenten an der Opéra de Marseille inne und stand dort zuletzt bei Verdis Ernani am Pult; folgen werden Gounods Faust und Verdis Rigoletto. Die Wurzeln des Bassisten Anthony Robin Schneider (Bartolo) liegen in Neuseeland und Österreich. Kürzlich war er in Berlioz’ Les Troyens an der Wiener Staatsoper zu erleben. Sein Debüt an der Oper Frankfurt gibt er als Wirt in Schrekers  Der ferne Klang. Sein kanadischer Fachkollege Iain MacNeil (Figaro) ist seit 2017/18 Mitglied des Opernstudios der Oper Frankfurt und wird 2019/20 ins Ensemble übernommen. Hier war er zuletzt u.a. als Olivier in Strauss’ Capriccio zu erleben. Die Sopranistin Angela Vallone (Susanna) stammt aus Amerika und verstärkt seit 2017/18 das Frankfurter Ensemble. Kürzlich gab sie hier als Pamina in Mozarts Die Zauberflöte ihr Rollendebüt. Kirsten MacKinnon (Gräfin Almaviva) zählt seit 2018/19 zum Ensemble, wo die Kanadierin zuvor als Ines in Meyerbeers L’Africaine – Vasco da Gama begeisterte, gefolgt von Auftritten als Gräfin Madeleine in Strauss’ Capriccio und Hanna Glawari in Lehárs Die lustige Witwe.

Die amerikanische Mezzosopranistin Cecelia Hall verkörperte seit ihrer Zugehörigkeit zum Frankfurter Sängerstamm ab 2016/17 u.a. Mozarts Dorabella (Così fan tutte), Zerlina (Don Giovanni) und Zweite Dame (Die Zauberflöte). Florina Ilie (Barbarina) und Michael Petruccelli (Basilio, Don Curzio) sind seit 2018/19 Mitglieder des Frankfurter Opernstudios. Auch die beiden Alternativbesetzungen Sydney Mancasola (Susanna) und Gordon Bintner (Graf Almaviva) singen erstmals in dieser Produktion. Wie Iurii Samoilov (Graf Almaviva) und Judita Nagyová (Marzelline) gehören sie zum Ensemble, wobei die beiden Letztgenannten bereits mit der Inszenierung vertraut sind.

Musikalische Leitung: Lawrence Foster, Inszenierung: Guillaume Bernardi, Szenische Leitung der Wiederaufnahme: Caterina Panti Liberovici, Bühnenbild: Moritz Nitsche, Kostüme: Peter DeFreitas, Licht: Olaf Winter, Chor: Markus Ehmann, Dramaturgie: Zsolt Horpácsy, Choreografische Mitarbeit: Bernd Niedecken

Mit:  Figaro: Iain MacNeil, Susanna: Angela Vallone / Sydney Mancasola (11., 14. April 2019), Graf Almaviva: Iurii Samoilov / Gordon Bintner (14., 20., 22. April 2019), Gräfin Almaviva: Kisten MacKinnon, Cherubino: Cecelia Hall, Marzelline: Judita Nagyová
Bartolo: Anthony Robin Schneider, Antonio: Franz Mayer, Barbarina: Florina Ilie
Basilio, Don Curzio: Michael Petruccelli u.a., Chor der Oper Frankfurt; Frankfurter Opern- und Museumsorchester

Wiederaufnahme: Freitag, 5. April 2019, 19.00 Uhr, weitere Vorstellungen: 11. (19.00 Uhr), 14., 20., 22. April 2019, Falls nicht anders angegeben, Beginn um 18.00 Uhr

—| Pressemeldung Oper Frankfurt |—

Wien, Wiener Staatsoper, KS Hilde Zadek – Die Staatsoper trauert, IOCO Aktuell, 25.02.2019

Februar 25, 2019 by  
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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

KS Hilde Zadek –  1918 – 2019

Die Wiener Staatsoper trauert um KS Hilde Zadek

Die Wiener Staatsoper trauert um die große österreichische Sopranistin Hilde Zadek, Kammersängerin und Ehrenmitglied der Wiener Staatsoper, die am  21. Februar 2019 im Alter von 101 Jahren in Karlsruhe verstorben ist.

Staatsoperndirektor Dominique Meyer: „Gerade heute nach unserer Trauerfeier für KS Wilma Lipp habe ich die traurige Nachricht vom Tod von KS Hilde Zadek erhalten. Mit ihr hat uns nun eine weitere Staatsopernikone des 20. Jahrhunderts verlassen, eine bedeutende Künstlerin, die das Nachkriegsensemble der Staatsoper repräsentierte wie wenige, eine legendäre Pädagogin,die Generationen prägte. Vor einigen Jahren habe ich sie auch persönlich kennenlernen und mich von ihrer warmherzigen, angenehmen Art begeistern lassen dürfen – vor einem Jahr haben wir in der Staatsoper gemeinsam ihren 100. Geburtstag gefeiert. Wir werden Hilde Zadek – unseren Sonnenschein, wie ich sie nennen durfte– vermissen. “

Wiener Staatsoper / Hilde Zadek © Poehn

Wiener Staatsoper / Hilde Zadek © Poehn

Die Wiener Staatsoper hisst zum Zeichen der Trauer die schwarze Fahne.

Hilde Zadek wurde am 15. Dezember 1917 in Bromberg (Provinz Posen) geboren und verbrachte ihre Kindheit und Jugend in Stettin. Sie ließ sich zunächst in Berlin zur Kinderkrankenschwester ausbilden,1935 musste sie, jüdischstämmig, nach Palästina emigrieren. Am Konservatorium in Jerusalem absolvierte sie eine umfassende Musik- und Gesangsausbildung. Zu Ihren Lehrern gehörten der Komponist Josef Grünthal und die Sängerin Rose Pauly.

Sie debütierte am 3. Februar 1947 als Aida in einer Aufführung der Wiener Staatsoper im Theater an der Wien und wurde rasch zu einer wichtigen Säule des Ensembles. Zwischen 1947 und 1971 sang Hilde Zadek 39 Rollen in 37 verschiedenen Opern in 786 Staatsopernvorstellungen. Zu ihren wichtigsten und meistgesungen Rollen zählen u.a. die Titelrolle der Aida (71 Mal), Contessa d’Almavia (Le nozze di Figaro–59 Mal) oder Marschallin im Rosenkavalier (58 Mal). Weitere wichtige Partien waren etwa Donna Anna (Don Giovanni), Ariadne (Ariadne auf Naxos), Eva (Die Meistersinger von Nürnberg), Santuzza (Cavalleria rusticana) oder Elisabetta (Don Carlo).

KS Hilde Zadek war auch Ensemblemitglied in Düsseldorf, sang bei den Salzburger Festspielen und gastierte u.a. an der Mailänder Scala, am Teatro National de São Carlos in Lissabon, am Royal Opera House in London, beim Glyndebourne Festival, an der New Yorker Met, am Teatro Colón in Buenos Aires, in Paris, Amsterdam, Brüssel, Rom, San Francisco und an der Bayerischen Staatsoper in München. Ihren letzten Staatsopernauftritt absolvierte sie am 3. Jänner 1971 in der Walküre und zog sich in der Folge von der Bühne zurück.

Seitdem war sie in Österreich und international als Gesangslehrerin tätig, leitete u.a. bis 1978 die Gesangsabteilung am Konservatorium der Stadt Wien. 1951 wurde ihr der Titel Österreichische Kammersängerin verliehen, 1977 wurde sie Ehrenmitglied der Wiener Staatsoper. Darüber hinaus war sie u. a. Trägerin des Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst sowie der Wiener Ehrenmedaille und erhielt das Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreichs.

—| Pressemeldung Wiener Staatsoper |—

Hamburg, Elbphilharmonie, Cecilia Bartoli betört mit Vivaldi, IOCO Kritik, 12.12.2018

Dezember 13, 2018 by  
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Elbphilharmonie Hamburg

 Elbphilharmonie Hamburg / Prominente Kulturstätte © Ralph Lehmann

Elbphilharmonie Hamburg / Prominente Kulturstätte © Ralph Lehmann

Cecilia Bartoli betört mit Vivaldi 

Von Michael Stange

Mit Cecilia Bartoli stand in der Elbphilharmonie am 10.12.2018 eine der beeindruckendsten und wandlungsfähigsten Opernsängerinnen unserer Zeit auf dem Konzertpodium.

Neben ihrem, mit virtuosen, Koloraturarien gespickten Vivaldi-Album, das sie vor zwanzig Jahren veröffentlichte, stellte sie in diesem Jahr den inwendigen, seelenvollen Vivaldi vor.

Antonio Vivaldi Opern bergen immense gesangstechnische Herausforderungen. Ohne die fulminante Gesangs- und Atemtechnik der damals auf den Opernbühnen herrschenden Kastraten sind die Stücke nicht zu bewältigen. Ihre „Knabenstimmen in Männerkörpern“ verfügten über erhebliches Atemvolumen und die Kraft für die virtuos verzierten Arien. Sängerinnen, die dieses Repertoire heute singen, müssen virtuoseste Herausforderungen meistern und benötigen dafür eine stupende Gesangstechnik.

Mit Mezzotiefe, glitzernden, geläufigen Koloraturen, eindrucksvoller seelischer Wandlungs- sowie Darstellungsfähigkeit, immenser Spiel- und Lebensfreude sowie der Sonne im Herzen interpretierte Cecilia Bartoli die verschiedenen Rollen und ihre zahlreiche Zugaben.

Antonio Vivaldi - Denkmal in Wien © IOCO

Antonio Vivaldi – Denkmal in Wien © IOCO

Ihre weitgefächerte stimmlichen Farbpalette, ihre immense Ausdrucksfähigkeit, die superbe delikate Tongebung und ihre Musikalität machen den Abend zu einem Hochgenuss. Neben im neuen Decca Album enthaltenen Arien wurden weitere Raritäten präsentiert.

Am Anfang von Cecilias Bartolis Auftritt stand die Vogel-Arie „Quell’augellin“. Dort singt ein Vöglein in der Gefangenschaft von Freiheit und seiner geliebten Buche. Bartoli gestaltet die Vogelarie in verhaltener Mezzavoce. Koloraturgewandt, kunstvoll und mit melancholischem Ton zeichnet sie ein rührendes Portrait, dass sie in den Textwiederholungen einfühlsam und ausdrucksvoll variiert und steigert.

Wenig später beklagt sie in „Vedro con mio diletto“ aus Giustino mit schmerzerfüllter Stimme das Fernbleiben des Geliebten. Melancholische Stimmfärbung und schwebendes, melancholisches Piano lassen das Publikum an Sehnsucht und Seelenqual teilnehmen. Auch hier wird die Darstellung im Verlauf der Arie immer ausgefeilter und nuancierter. Koloraturen im Piano und Bartolis seelenvoller Gesang lassen ein todesnahes Klagelied ertönen.

In der Rachearie „Se lento ancora il fulmine“ aus Argippo spielt Cecilia Bartoli ihre dramatischen Trümpfe aus. Furchteinflößend ihr Ruf nach Rache, anrührend ihr Angebot an den Geliebten zur Versöhnung. Hier zeigt sie, dass sie auch die feurigen Attacke im Forte meisterlich beherrscht und überaus dramatisch ihre Stimmmittel einsetzen kann.

Georg Friedrich Händel Westminster Abbey © IOCO

Georg Friedrich Händel Westminster Abbey © IOCO

Neben dem mit weiteren Vivaldi-Arien ohnehin schon umfangreichen Programm folgten zahlreiche Zugaben. Am Beginn stand die Rache-Arie der Zauberin Melissa aus Händels Amadigi di Gaula: „Desterò dall‘ empia Dite“. Atemberaubende Koloraturen und ein Wettkampf mit der Trompete waren eine weitere Delikatesse des Konzerts. An die introvertiert vorgetragene Arie Cherubinos „Voi che sapete“ aus Mozarts Le nozze di Figaro reihte sich die italienische Canzone „Non ti scordar di me“.

Die Krone der Zugaben war dann die Arie „A facile vittoria“ aus Agostino Steffanis Tassilone. Hier liefert sich Bartoli eine weitere urkomische Bataille mit dem Trompeter Thibaud Robinne. Natürlich ging daraus Cecilia Bartoli als virtuose spitzbübische Siegerin hervor. Ihre biegsame in sphärische Höhen aufsteigende Stimme bot der Trompete brillant bei jedem Tempo, jeder Melodie und jeder Tonlänge Paroli. So kapitulierte Robinne für diesen Moment.

Cecilia Bartoli, das gesamte Ensemble und Robinne blieben aber gemeinsame Sieger. Sie überzeugten fulminant und nahmen das Publikum mit einem furiosen Abend für sich ein. Was für eine immense Musikalität, atemberaubende Stimmtechnik und die einzigartige Identifikation mit den portraitierten Rollen! Jede Arie und jedes Orchesterstück waren Kleinode und eine Reise zu den Schätzen Vivaldis.

Ein weiterer Clou war nach der Pause, dass Cecilia Bartoli beim Besingen des Bachs in der Arie „Zeffiretti che sussurrate“ aus: Ercole su’l Termodonte durch die Galerie flanierte, sich auch den hinter ihr sitzenden Besucherinnen und Besucher zeigte und ihre tragfähige Stimme von jeder Stelle in den Saal strömen ließ und während des Singens auf das Podium zurückkehrte.

Wesentlichen Anteil an diesem grandiosen Ereignis hatten die Musiciens du Prince – Monaco unter Gianluca Capuano. Sie begleiteten Bartoli intensiv und spielfreudig. Gesang und Instrumente waren stets in berückendem Dialog und harmonierten betörend.

In den Auszügen aus Vivaldis „Le quattro stagioni“ und den Konzerten für Violine, Streicher und Basso continuo op. 8, Nr. 1-4 hatte das aus 23 Musikern bestehende Ensemble Gelegenheit, seine solistischen Qualitäten zu beweisen. Scharfe, federnde Rhythmen, stürmende Bläser, sinnliche Streicher, eine virtuose Orchesterführung und die immense technische Beherrschung der Instrumente bewiesen die kompositorischen Qualitäten und die blitzenden Inspirationen Vivaldis.

Das Publikum bedankt sich frenetisch mit stehenden Ovationen

Der Abend warf die Frage auf, warum die Wiederentdeckung Vivaldis so lange gebraucht hat. Grund dafür war, dass erst 1927 seine Original Handschriften der Partituren aus Privatbesitz in die Nationalbibliothek Turin überführt wurden. Danach begann eine langsame Reise zu seinem Werk. Partituren waren zuvor allenfalls in wenigen Bibliotheken verfügbar, veröffentlichte Exemplare waren kaum greifbar und daher weitgehend unbekannt. Bis zur Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts war Vivaldis Opernschaffen im Wesentlichen in Deutschland renommierten Musikwissenschaftlern wie Hellmuth Christian Wolff bekannt. Auch die Wiederentdeckung der Orchesterwerke Vivaldis begann mit Bach-Experten des neunzehnten Jahrhunderts Julius Rühlmann. Wolff widmete der venezianischen Oper 1937 seine Dissertation und fasste 1968 in einem Artikel für Acta Musicologica den Forschungsstand zu den Opern Vivaldis zusammen. Durch Schallplatten aus den USA wurde mit der Aufnahme der Oper La Fida Ninfa beim Label VOX 1964 erstmals einem breiten Publikum die Entdeckung Vivaldis als Opernkomponist ermöglicht.

Hoffentlich war dieser Abend auch ein Zündfunke für andere norddeutsche Opernhäuser als die Hamburger Kammeroper das Opernschaffen Vivaldis konzertant oder szenisch in den nächsten Jahren zu beleben.

—| IOCO Kritik Elbphilharmonie Hamburg |—

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