Berlin, Staatsoper Unter den Linden, Digitales BAROCKTAGE-Wochenende, 20. – 22.11.2020

Staatsoper unter den Linden

Staatsoper Unter den Linden - Im Traum © Max Lautenschläger

Staatsoper Unter den Linden – Im Traum © Max Lautenschläger

20. bis 22. November: Digitales BAROCKTAGE-Wochenende als Ersatz für die abgesagten dritten BAROCKTAGE, die im November mit 28 Veranstaltungen stattgefunden hätten

Die dritte Ausgabe des zehntägigen Opern- und Konzertfestivals BAROCKTAGE das vom 13. bis 22. November mit 28 Veranstaltungen stattgefunden hätte, darunter die Premiere von Mozarts MITRIDATE, RE DI PONTO, zwei Musiktheaterwiederaufnahmen sowie zahlreiche Konzerte, musste aufgrund des beschlossenen Teil-Lockdowns komplett abgesagt werden (siehe hier zum Download). Derzeit werden Nachholtermine für die Premiere von Mozarts MITRIDATE, RE DI PONTO geprüft, die in Kürze bekannt gegeben werden. Inszeniert wird die Neuproduktion, die kurz vor den Endproben stand, von Satoshi Miyagi, mit Marc Minkowski am Pult der Musiciens du Louvre und mit u.a. Pene Pati in der Titelrolle, Julie Fuchs, Elsa Dreisig, Jakub Józef Orlinski und Anna Prohaska.

Vom 20. bis 22. November wird es als Ersatzprogramm ein digitales BAROCKTAGE-Wochenende auf der Website der Staatsoper Unter den Linden geben, innerhalb dessen drei Produktionen sowie eine Dokumentation der vergangenen Jahre jeweils um 19.30 Uhr online gehen und für 24 Stunden zu erleben sein werden – wir danken hierfür unseren Produktionspartnern Naxos und EuroArts:

Freitag, 20. November:  Henry Purcells KING ARTHUR, ML: René Jacobs, Inszenierung: Sven-Eric Bechtolf und Julian Crouch, mit u.a. Anett Fritsch, Robin Johannsen, Mark Milhofer, Michael Rotschopf, Meike Droste, Akademie für Alte Musik Berlin, Premiere 2017.

Samstag, 21. November: Jean-Philippe Rameaus HIPPOLYTE ET ARICIE, ML: Simon Rattle, Inszenierung : Aletta Collins, Lichtkonzept, Bühne, Kostüme: Ólafur Elíasson, mit u.a. Magdalena Kožená, Anna Prohaska, Elsa Dreisig, Reinoud Van Mechelen, Gyula Orendt, Peter Rose, Roman Trekel, Freiburger Barockorchester, Premiere 2018, sowie die Making-Of Dokumentation des ZDF: BÜHNENZAUBER – HINTER DEN KULISSEN DER BERLINER STAATSOPER von Roland May.

Sonntag, 22. November: Georg Friedrich Händels IL TRIONFO DEL TEMPO E DEL DISINGANNO, ML: Sébastien Rouland, Inszenierung: Jürgen Flimm, mit Hélène Le Corre, Sara Mingardo, Inga Kalna, Charles Workman, Staatskapelle Berlin, Berliner Premiere 2015.

Unter dem Titel NEVER LOOK BACK hatte die Staatsoper Unter den Linden in Kooperation mit der Universität der Künste Berlin (Studiengang »Bühnenbild« und »Institut Kunst«), der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch sowie dem Hochschulübergreifenden Zentrum Tanz Berlin (Studiengang »Choreographie«) Studierende der Berliner Kunsthochschulen dazu eingeladen, im Rahmen der diesjährigen BAROCKTAGE und LINDEN 21 ein »Orpheus-Festival« zu entwickeln. Die vier daraus entstandenen Performances werden nun filmisch begleitet und am 28. November auf dem YouTube-Kanal der Staatsoper Unter den Linden veröffentlicht.

Intendant Matthias Schulz: „Für uns war es extrem frustrierend, dass wir so jäh unterbrochen wurden. Durch eine solche Schließung werden wir, unsere Künstlerinnen und Künstler und vor allem die zahlreichen Gäste und damit freischaffende Künstlerinnen und Künstler hart getroffen. Wir haben bewiesen, dass wir mit Hygieneplan, Belüftungssystem und disziplinierten Zuschauern ein sicherer Ort sind. Die Entscheidung, Opern bzw. Kultureinrichtungen zu schließen, ist niederschmetternd, auch wenn uns bewusst ist, dass es keine leichte Entscheidung war und es für die schwierige gesamtgesellschaftliche Lage Verständnis aufzubringen gilt. Während Kultur in Deutschland grundsätzlich noch einen politischen Rückhalt findet, sehen wir gerade, wie die Kulturmetropolen in der ganzen Welt schwerstens beschädigt werden und man sich fragt, wie sie sich davon jemals wieder erholen sollen. Kultur ist eine wichtige treibende Kraft für jede Gesellschaft! Eine Welt ohne Kultur möchte ich mir nicht vorstellen – damit müssen wir uns auseinandersetzen.“

Der Probenbetrieb an der Staatsoper Unter den Linden wird fortgesetzt, gerade haben die Proben zu Richard Wagners LOHENGRIN, unter der musikalischen Leitung von Matthias Pintscher und in der Regie von Calixto Bieito, begonnen. Die Premiere, mit Roberto Alagna in der Titelpartie und Sonya Yoncheva als Elsa, ist für den 13. Dezember geplant. Der Kartenvorverkauf für Dezember und Januar beginnt voraussichtlich am 13. November.

Alle Live-Veranstaltungen bis einschließlich 30. November 2020 sind abgesagt. Bereits gekaufte Tickets für Veranstaltungen in diesem Zeitraum verlieren ihre Gültigkeit. Karten können umgetauscht, der Kaufpreis gespendet oder zurückerstattet werden. Alle Informationen zur Rückerstattung gibt es auf der Website: https://www.staatsoper-berlin.de/de/extra/corona-storno/. Besucherinnen und Besucher, die ihre Karten über eine Vorverkaufsstelle (z.B. eventim.de) oder über Besucherorganisationen erworben haben, werden gebeten, sich direkt an diese Stellen zu wenden.

Die Staatsoper dankt den Freunden und Förderern der Staatsoper Unter den Linden und ihren Hauptpartnern BMW und Hilti Foundation herzlich für ihre Unterstützung

—| Pressemeldung Staatsoper unter den Linden |—

Stuttgart, Staatsoper Stuttgart, Livestream – Die Liebe zu drei Orangen, 20.03.2020

März 20, 2020 by  
Filed under Livestream, Oper, Pressemeldung, Staatsoper Stuttgart

Staatsoper Stuttgart

Oper Stuttgart © Matthias Baus

Oper Stuttgart © Matthias Baus

Die Liebe zu drei Orangen  –  Lohengrin

Livestream im Netz zu sehen – kostenlos

Oper trotz Corona: Die Staatsoper Stuttgart setzt ihr digitales On-Demand-Programm mit Prokofjews  Die Liebe zu drei Orangen und Wagners  Lohengrin fort

Auch in Krisenzeiten ins Opernhaus? Die Staatsoper Stuttgart setzt gemeinsam mit ihrem Digitalpartner, der LBBW, das kostenlose Opernprogramm „Oper trotz Corona“ auf ihrer Website fort und bleibt so weiterhin für ihr Publikum präsent – nur nicht auf der Bühne, sondern im Web.

Staatsoper Stuttgart / Die Liebe zu drei Orangen © Matthias Baus

Staatsoper Stuttgart / Die Liebe zu drei Orangen © Matthias Baus

Opernspaß für alle bietet Sergej Prokofjews Die Liebe zu drei Orangen in der gefeierten Inszenierung von Axel Ranisch. Am Freitag, 20.03.2020, wird die Produktion ab 17 Uhr als Live-Aufzeichnung einer vergangenen Aufführung auf der Website zu sehen sein. Die ungekürzte Aufführung in deutscher Sprache ist mit Untertiteln versehen und wird eine Woche lang on demand auf der Website der Staatsoper Stuttgart zur Verfügung stehen.

Ab Freitag, 27.03.2020, folgt ebenfalls ab 17 Uhr Richard Wagners Lohengrin in der Inszenierung von Arpád Schilling. Generalmusikdirektor Cornelius Meister am Pult des groß besetzten Staatsorchesters dirigiert ein „erstklassiges Ensemble“ und den Staatsopernchor Stuttgart „in Höchstform“ (Stuttgarter Zeitung).

Die Staatsoper Stuttgart flankiert dieses Programm in den kommenden Wochen weiterhin mit Online-Aktivitäten und kleinen zusätzlichen Überraschungs-Videoclips aus dem Opernhaus oder aus dem Wohnzimmer ihrer Künstler*innen.

Stand heute wird der reguläre Spielbetrieb ab Montag, 20.04.2020, wieder aufgenommen.

Alle Informationen: www.staatsoper-stuttgart.de/oper-trotz-corona

Staatsoper Stuttgart / Lohengrin © Matthias Baus

Staatsoper Stuttgart / Lohengrin © Matthias Baus

Die Livestreams von Die Liebe zu drei Orangen und Lohengrin wurden ermöglicht durch den Digitalpartner der Staatsoper Stuttgart

—| Pressemeldung Staatsoper Stuttgart |—

Wien, Altes Rathaus, Richard Wagner-Verband – Stipendiaten-Konzert, IOCO Aktuell, 15.03.2020

Festspielhaus Bayreuth © IOCO

Festspielhaus Bayreuth © IOCO

Richard Wagner Verband Wien

Richard Wagner-Verband Wien – Altes Rathaus Wien – Barocksaal

– Konzert der Stipendiaten –

von Elisabeth König

Richard Wagner Bayreuth © IOCO

Richard Wagner Bayreuth © IOCO

Bereits zum vierten Mal präsentierte der Richard Wagner-Verband Wien seine Stipendiaten der letzten Jahre seinen Mitgliedern und dem Publikum. Die ersten drei Konzerte waren gemeinsam mit der Wiener Staatsoper in deren Räumlichkeiten präsentiert worden, das aktuelle Konzert wurde erstmals vom Verband selbst organisiert und im Barocksaal des Alten Wiener Rathauses zur Aufführung gebracht. Ehrengast des Verbandes war einer der erfolgreichsten Stars der Wiener Staatsoper, Kammersängerin Olivera Miljakovic, die sich nach dem Konzert über das hohe Niveau der Stipendiaten sehr erfreut zeigte.

Am Beginn des Konzertes stand zur Begrüßung die Hallenarie der Elisabeth („Dich, teure Halle, grüß‘ ich wieder“) aus Richard Wagners Tannhäuser, welche von Rebecca Blanz mit schönem, großem und klarem Sopran dargebracht und einfühlsam von der Pianistin Stella Marie Lorenz begleitet wurde.

Begrüßt wurde das Publikum durch das Vorstandsmitglied Marcus Haimerl, der nicht nur auf die Geschichte des Verbandes, sondern auch auf die langjährige Tradition der Jugendförderung hinwies, die dem Verband eine Herzensangelegenheit ist. Magdalena Hoisbauer, Dramaturgin der Wiener Volksoper und diesjährige Stipendiatin, moderierte den Abend souverän und versorgte das Publikum mit viel positiver Energie und Charme mit Informationen zu den einzelnen Stipendiaten und Stücken. Sowohl Magdalena Hoisbauer als auch Marcus Haimerl zeichneten auch für die anspruchsvolle Programmgestaltung und die – in Grippezeiten umso anspruchsvollere – gelungene Organisation verantwortlich.

Richard Wagner-Verband Wien / Stipendiatenkonzert - hier : Akkordeonist Leo Herzog © Marcus Haimerl

Richard Wagner-Verband Wien / Stipendiatenkonzert – hier : Akkordeonist Leo Herzog © Marcus Haimerl

Der kurzen Ansprache und Einführung zum Konzert folgte ein ganz besonderer musikalischer Moment: der im deutschen Pforzheim geborene Akkordeonist Leo Herzog spielte Domenico Scarlattis Sonate in F-Moll K.19 mit enormer Virtuosität. Auf ebenso hohem Niveau war im zweiten Teil des Konzerts auch seine Darbietung des 1.Satzes „Winter“ aus Antonio Vivaldis Die vier Jahreszeiten. Er bewies dabei gleichzeitig die unglaubliche Vielfalt dieses möglicherweise etwas unterschätzten Instruments wie auch seine Kunstfertigkeit. Ein Solokonzert dieses großartigen jungen Künstlers wäre wünschenswert.

Zu Beginn des zeitgenössischen teils des Konzertes standen zwei Lieder des Komponisten Carl Tertio Druml, der 2019 mit einem Stipendium den Wagner-Verband Wien bei den Bayreuther Festspielen repräsentierte.

Das erste Lied, dargeboten von einem Stipendiaten des Wagner-Verbands Linz, dem in Seoul geborenen Seho Chang, der bereits auf erfolgreiche Auftritte im Musiktheater des Landestheater Linz zurückblicken darf, war die Vertonung des Textes „A Mellow Phantom“ von Koen Kleijn. Seho Chang gestaltete dieses kurze, anspruchsvolle Lied mit kräftigem und sehr tiefem Bariton. Begleitet wurde er von Daniel Strahilevitz, der sich an dem Abend durchwegs als kongenialer Pianist und hervorragender Begleiter präsentieren durfte.

 Richard Wagner-Verband Wien / Stipendiatenkonzert - hier : die Teilnehmer mit Vorstandsmitglied Marcus Haimerl 2 vr © Elisabeth Koenig

Richard Wagner-Verband Wien / Stipendiatenkonzert – hier : die Teilnehmer mit Vorstandsmitglied Marcus Haimerl 2 vr © Elisabeth Koenig

Besonders interessant erwies sich das zweite Lied, die Vertonung des Gedichts Abschied von Paul Celan. Gestaltet wurde dieses längere und außerordentlich anspruchsvolle Lied von Rebecca Blanz und Stella Marie Lorenz, die sich beide erst vier Tage vor Konzertbeginn bereit erklärt hatten, für eine erkrankte Kollegin einzuspringen und das Lied in nur zwei Tagen zu lernen. Das außerordentliche Talent der beiden Künstlerinnen und das absolute Gehör von Rebecca Blanz ermöglichten, dass dieses Lied zur Aufführung gelangen konnte. Man könnte Paul Celans Gedicht als eine Art Abrechnung mit Ingeborg Bachmann sehen, mit der er ein Verhältnis hatte. Abschiedsbriefe zwischen dem Lyriker und der Schriftstellerin gab es ja mehrere.

Richard Wagner Verband Wien / Stipendiatenkonzert - hier : Rebecca Blanz und Stella Marie Lorenz,am Fluegel © Marcus Haimerl

Richard Wagner Verband Wien / Stipendiatenkonzert – hier : Rebecca Blanz und Stella Marie Lorenz,am Fluegel © Marcus Haimerl

Carl Tertio Druml hebt in seiner Komposition zwei Geschwindigkeiten gegeneinander hervor, ein Tempo für Klavier und eines für Gesang. Nur bei einer einzigen Stelle („Oh falsches Gespiel“) finden sich die beiden Stimmen, die sich ansonsten vollkommen autonom voneinander weg oder aneinander vorbei bewegen. Ein schiefer Walzer als Illusion der Liebe, ein Furioso als ausbrechende Wut und die Rückkehr zu diesem Walzer, Resignation und Abschiednehmen. Die technische Herausforderung dieses Liedes liegt in dem gewünschten Nebeneinander, das trotz plötzlicher gemeinsamer Momente, in denen Klavier und Gesang auf demselben Ton enden, doch nie ein Miteinander wird. Die schwebende Gestaltung der Höhen unterstreicht die Fragilität des Konstrukts und der Emotionen. Ein Abschied mit Wehmut, mit Wut, aber dennoch mit Liebe. Die komplexe, tief berührende Komposition Carl Tertio Drumls wurde durch die virtuose, hochprofessionelle Gestaltung durch Rebecca Blanz und Stella Marie Lorenz am Klavier zu einem musikalischen Hochgenuss.

Der in Bozen geborene Manuel Zwerger war 2015 Stipendiat des Richard Wagner Verbands. Für die lyrische Koloratursopranistin Beata Beck, ebenfalls Wagner-Stipendiatin, komponierte er das Lied „Nacht wird lang sich nicht erhellen“. Beata Beck sang diese frühromantische Komposition mit schönem, schlankem Sopran, begleitet mit großer Präzision und Musikalität vom österreichischen Pianisten und Organisten Stefan Donner.

Mit dem düsteren und dramatischen Lied „Das irdische Leben“ von Gustav Mahler aus seiner Liedsammlung Des Knaben Wunderhorn konnten Rebecca Blanz und Stella Marie Lorenz noch einmal das Publikum für sich einnehmen.

Eine große Bereicherung für den Abend war auch die belgische Sopranistin Anne-Sophie Sevens, die ihr Stipendium 2019 antrat. Dem Publikum im Barocksaal des Alten Rathauses stellte sich die Künstlerin mit Elsas Arie „Einsam in trüben Tagen“ aus dem ersten Akt von Wagners Lohengrin vor und begeisterte mit ihrem großen, ausdrucksstarken Sopran das Publikum. Begleitet wurde sie von Daniel Strahilevitz, der sich auch bei dieser Arie als einfühlsamer Begleiter erwies.

Richard Wagner Verband Wien / Stipendiatenkonzert - hier : Isabella Kuess und Daniel Strahilevitz © Marcus Haimerl

Richard Wagner Verband Wien / Stipendiatenkonzert – hier : Isabella Kuess und Daniel Strahilevitz © Marcus Haimerl

Daniel Strahilevitz konnte sich gleich darauf auch eindrucksvoll als virtuoser Solist vorstellen. Mit dem meisterhaft gespielten Adagio und Presto der 2. Klaviersonate in F-Dur KV 280 von Wolfgang Amadeus Mozart bewies der junge Pianist und Dirigent seine feinsinnige Musikalität und außerordentliche Begabung und begeisterte das Publikum.

Einer großen Arie nahm sich im Anschluss Beata Beck an: die Arie der Zerbinetta „Großmächtige Prinzessin“ aus der Oper Ariadne auf Naxos von Richard Strauss. Die Sopranistin bewies in der einigermaßen umfangreichen Arie mit gelungenen Koloraturen Leichtigkeit und wurde dabei erneut von Stefan Donner ausgesprochen feinfühlig begleitet.

Zum Abschluss des ersten Teils lernte das Publikum nochmals zwei neue Künstler kennen: Mit dem kraftvollen hellen Tenor Hans-Jörg Gaugelhofers und der präzisen Begleitung Anton Brezinkas wurde die Romanze des Fenton „Horch die Lerche singt im Hain“ aus der Oper Die lustigen Weiber von Windsor von Otto Nicolai zu einem wunderschönen Abschluss des ersten Programmteils.

Nach der Pause konnte auch Stefan Donner, dessen einfühlsame Begleitung bereits im ersten Teil angenehm auffiel, sein Talent als Solist beweisen. Sein inniger und differenzierter Vortrag von drei Romanzen von Clara Schumann berührte mit zarten Farben.

Mit zwei Liedern aus den vier weißen Liedern Richard Wagners, stellte sich der Tenor Calon Danner, einer der diesjährigen Stipendiaten, dem Publikum vor.

Zu Beginn stand das Lied „Dors, mon enfant“ WWV 53 und im Anschluss „Mignonne“ WWV 57. Calon Danners schöner, eleganter Tenor eignete sich optimal für diese beiden Lieder und hinterließ gemeinsam mit dem intensiven Klavierspiel Anton Brezinkas großen Eindruck.

 Richard Wagner-Verband Wien / Stipendiatenkonzert - hier : Anne-Sophie Sevens und Daniel Strahilevitz   © Marcus Haimerl

Richard Wagner-Verband Wien / Stipendiatenkonzert – hier : Anne-Sophie Sevens und Daniel Strahilevitz   © Marcus Haimerl

Der zweite Auftritt von Anne-Sophie Sevens widmete sich wieder einem Lied Gustav Mahlers:Wo die schönen Trompeten blasen“. Wie schon bei der Arie Elsas im ersten Teil des Konzerts bewies die belgische Sopranistin aufs Neue ihre Eignung für das deutsche Fach, und wurde dabei erneut mit ungeheurer Musikalität und Farbenpracht von Daniel Strahilevitz am Klavier begleitet.

Im nächsten Programmpunkt ehrte die Wiener Sopranistin Isabella Kuëss den Jahresregenten Ludwig van Beethoven zu seinem 250. Geburtstag mit der großen Arie Leonores „Abscheulicher, wo eilst Du hin?“ aus Fidelio. Mit ihrem ausdrucksvollen dramatischen Sopran ist sie im deutschen Fach perfekt besetzt und wurde von Daniel Strahilevitz eindrucksvoll und mit Brillanz begleitet. Ihre nuancenreiche Interpretation und musikalische Gestaltung vermochten Verzweiflung und Wut ebenso auszudrücken wie feingliedrige lyrische Momente treuer Liebe.

 Richard Wagner-Verband Wien / Stipendiatenkonzert - hier : Yasuyo Segawa © Marcus Haimerl

Richard Wagner-Verband Wien / Stipendiatenkonzert – hier : Yasuyo Segawa © Marcus Haimerl

Für eine überwältigende Leistung sorgte auch die japanische Pianistin Yasuyo Segawa, die nach einem Unfall nur noch mit der linken Hand spielen kann. Mit unglaublicher Ausdruckskraft und Intensität gelang es der jungen Künstlerin mit dem „Miserere“ aus Giuseppe Verdis Il Trovatore das Publikum zutiefst zu berühren und zu begeistern.

Ein weiteres Mal bewies auch der koreanische Bariton Seho Chang sein Können und läutete mit der Arie des WolframOh, Du mein holder Abendstern“ aus Richard Wagners Tannhäuser das Finale des Abends ein. Mit seiner imposanten dunklen Stimme wurde diese romantisch-schwelgende Arie Wagners zu einem der vielen musikalischen Höhepunkte des Abends, für deren Begleitung sich erneut Daniel Strahilevitz mit seiner unglaublichen Vielseitigkeit verantwortlich zeigte.

Für die letzte Arie kehrte nochmals Isabella Kuëss auf die Bühne zurück. Mit Sentas Ballade „Johohoe! Traft ihr das Schiff im Meere an“ aus Richard Wagners Der fliegende Holländer sprang die Künstlerin nur wenige Stunden vor dem Konzert für eine erkrankte Kollegin ein. Mit nur einer kurzen Probe vor dem Konzert und einer für sie neuen Arie, konnte die Künstlerin das Publikum erneut mit ihrem beeindruckenden Sopran und ihrer Musikalität überzeugen, und sorgte gemeinsam mit ihrem virtuosen Begleiter Daniel Strahilevitz für ein imposantes Finale.

Nach dem eindrucksvollen Schluss des Konzerts stand großer Jubel für die vielen begabten Künstlerinnen und Künstler seitens des Publikums. In der Tat präsentierten sich alle StipendiatInnen auf höchstem Niveau. Mit Freude wird man ihre weitere Karriere verfolgen und es bleibt die Vorfreude auf das nächste Konzert im kommenden Jahr.

—| IOCO Aktuell Richard Wagner Verband Wien |—

Erfurt, Theater Erfurt, Lohengrin – Richard Wagner, IOCO Kritik, 12.02.2020

Februar 11, 2020 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Oper, Theater Erfurt

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Theater Erfurt

Theater Erfurt @ Lutz Edelhoff

Theater Erfurt @ Lutz Edelhoff

Lohengrin – Richard Wagner

Heilsbringer für einen Tag enttäuscht – Bühnenbild beeindruckt in Wagners romantischer Oper

von Hanns Butterhof

Richard Wagner Bayreuth © IOCO

Richard Wagner Bayreuth © IOCO

Am Theater Erfurt hat Regisseur Hans-Joachim Frey Richard Wagners 1850 uraufgeführte romantische Oper Lohengrin in eine unbestimmte Zukunft verlegt. Diese sieht in dem eindrucksvollen Bühnenbild Hartmut Schörghofers unserer Gegenwart noch ziemlich ähnlich, und auch die mittelalterliche Lohengrin-Handlung ist unserer Zeit nicht ganz fremd. Das pessimistische Regie-Konzept läuft darauf hinaus, dass auch die Zukunft nicht besser wird, als die Vergangenheit war, und wir Gegenwärtigen keine großen Hoffnungen auf irgendwelche Heilsbringer setzen und Veränderung durch sie erwarten sollten. Mit Paukenschlägen und viel Blech verleiht Myron Michailidis am Pult des Philharmonischen Orchesters Erfurt dieser Botschaft Nachdruck.

Lohengrin – Richard Wagner
youtube Trailer des Theater Erfurt
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Zum matten Silberglanz der Streicher ist zur Ouvertüre eine von der Regie erdachte Vorgeschichte des Lohengrin zu sehen. Hinter einem blauen Gazevorhang spielt sich ein Traum der Elsa von Brabant ab, in dem Graf Telramund und seine Frau Ortrud ihr Gottfried entwenden, den kleinen Bruder und Erben des Herzog-Throns; tröstend aber erscheint Lohengrin und segnet sie beruhigend. Es irritiert schon etwas, dass Telramund hier als an der Tat beteiligt gezeigt wird, stempelt ihn dies doch für seinen ganzen restlichen Auftritt grundlos zum Lügner.

Dann öffnet sich zum Auftritt König Heinrichs (Kakhaber Shavidze) die dreiteilige spektakuläre Bühne. Vorn erstreckt sich als schmale Spielfläche ein Platz mit laserblau blühenden Bäumen. Nach hinten wird er durch zwei gegeneinander verschobene hohe Wände abgetrennt, auf deren schrägen Seiten Auf- und Abgänge möglich sind. In der Tiefe des Raums wird in Video-Endlosschleife eine Megacity sichtbar, deren mehrfach übereinander geführte Autobahnen so voll sind wie die unsrigen und durch deren Hochhausschluchten in eleganten Schwüngen glänzende Raumgleiter flitzen. Getoppt wird dieses Bild noch bei der Ankunft Lohengrins (Uwe Sickert). Langsam und bedrohlich senkt sich ein riesiges Raumschiff über den Platz (Projektion: Marc Löhrer), auf einem blaue Blitze schießenden Fallreep steigt beeindruckend der silbergewandete Held herab. Dass sich sein Raumschiff auf Lohengrins „Leb wohl, mein lieber Schwan“ nicht folgsam entfernt, sondern noch tief in den zweiten Akt hinein über der Szene schwebt, irritiert auch etwas.

Theater Erfurt / Lohengrin - hier : die Ankunft Lohengrins © Lutz Edelhoff

Theater Erfurt / Lohengrin – hier : die Ankunft Lohengrins © Lutz Edelhoff

Lohengrin kommt gerade recht, um Elsa (Margrethe Fredheim) gegen die Anklage Telramunds zu verteidigen, sie habe ihren Bruder getötet, um danach als Erbin des Herzog-Throns ihn, den untergebenen Lehnsmann, als Bewerber zugunsten eines noch unbekannten Liebhabers zurückweisen zu können. Bei allem technischen Fortschritt scheint die Bevölkerung – oder sind es nur die herrschenden politischen Figuren? – noch recht mittelalterlich zu denken. So schlägt Telramund als Test für die Wahrheit seiner Anklage ein von allen akzeptiertes Gottesgericht vor, das als Kampf merkwürdigerweise auf den Särgen früherer Herzöge stattfindet. Als Lohengrin dann in einem Schwertkampf siegt, dessen Raffinesse einzig darin besteht, dass er mit Laserschwertern ausgetragen wird, glaubt Telramund sich in Übereinstimmung mit allen tatsächlich auch widerlegt.

Telramund und seine Frau Ortrud, beide in finsteres Schwarz gekleidet, sind die Einzigen in der Oper, mit denen sich die Regie eingehender befasst zu haben scheint. Der Telramund von Máté Sólyon-Nagy ist ein Würstchen, ein Spielball in der Hand seiner Frau, die ihn buchstäblich nach vorn schubst. In ihren Augen sucht er Lob und Zustimmung und kuscht vor jeder Autorität, selbst vor der kräftigen Figur des rangniedrigeren Heerrufers (Siyabulela Ntlale). Es ist schwer vorstellbar, dass er „aller Tugend Preis“ sein soll oder dass er in wildem Kampf die Dänen besiegt hat. Wenn er in Wut und Enttäuschung über seine Niederlage und den Ehrverlust seinen Vorfahr aus dem Schneewittchen-Sarg zerrt und sich hineinlegt, ist er nur komisch. Doch ehrpusselig, wie er ist, ist er definitiv nicht an der Beseitigung Gottfrieds beteiligt, sondern hat seine Anklage ausschließlich auf die Behauptungen seiner Frau gebaut.

Theater Erfurt / Lohengrin - hier : Klare Machtverhältnisse bei Ortrud und Telramund (Anne Derouard und Máté Sólyon-Nagy © Lutz Edelhoff

Theater Erfurt / Lohengrin – hier : Klare Machtverhältnisse bei Ortrud und Telramund (Anne Derouard und Máté Sólyon-Nagy © Lutz Edelhoff

Ortrud (Anne Derouard) ist da von anderem Schlag. Sie brennt als Nachfahre des alten, vorchristlichen Herrscherstamms vor Ehrgeiz, mit ihrem Stammesgott Wotan und ihrem Werkzeug Telramund wieder als Herzogin zu Macht zu kommen. Anne Derouard in ihrem schwarzen Umhang ist wie ein böser großer Vogel in ihrer ungebrochen skrupellosen Zielstrebigkeit die überzeugendste Figur der Oper.

Dagegen haben es Margrethe Fredheim und Uwe Sickert schwer, Statur zu gewinnen. Zwischen beiden funkt es nicht, sie kommen sich nicht nahe, zumal Lohengrin in seine unvorteilhafte Raumfahrer-Rüstung eingezwängt ist wie zur Hochzeitsnacht auch Elsa in steif-metallischer Rauschgoldengel-Pracht. Es ist, als arbeiteten sie mehr oder weniger mechanisch Elsas Traum ab, ohne ihm Leben einzuhauchen. So ist Lohengrins überzeugendste Szene sein Abschied; die Offenbarung seines Namens und seiner hohen Abstammung in der Gralserzählung bringt sogar den Verkehr in der Megacity zum Erliegen. Dass der Heilsbringer für einen Tag Elsa mit ins Raumschiff nimmt, irritiert auch ein wenig, herrscht in Montsalvat, dem Ziel der Rückreise, doch der Zölibat. Viel Irritierendes gibt es in der Inszenierung von Hans-Joachim Frey, und viel bloß Verwunderliches.

Dazu gehört die nahezu fehlende Personenführung bei viel unmotiviertem Herumstehen, Hinlegen und Wiederaufstehen der Brabanter auf der zu engen Spielfläche. Die Choristen sind weitestgehend einheitlich in mönchartige Kutten gekleidet und tragen wie die eigenartig vergitterten Choristinnen silberne, helmartige Perücken wie Playmobil-Figuren. Ihre Bewegungen sind meist mechanisch und ohne individuelle Motivation, die vier Mannen Telramunds agieren wie ferngesteuert. Wenn sie auch dem Bild heutiger Mandatsträger entsprechen, die ihren freien Willen an die jeweilige Autorität oder das Idol ausgelagert haben, von denen sie sich, und sei es nur einen Tag lang, Heil und Vorwärtskommen versprechen, so ist das nur wenig originell.

König Heinrich ist auch eher Mönch als König. Wenn er im Schneidersitz dem Geschehen beiwohnt und stoisch die Gebetskette durch die Finger gleiten lässt, vergisst man fast, dass er am Ort ist, um ein Heer für den Kampf gegen die Ungarn auszuheben. Dass er am Ende vor dem Knaben Gottfried niederkniet, der wie ein kleiner Klon Lohengrins aus dem Raumschiff steigt, irritiert.

Theater Erfurt / Lohengrin - hier : Elsa und Lohengrin kommen sich nicht nahe (Margrethe Fredheim, Uwe Sickert und Chor) © Lutz Edelhoff

Theater Erfurt / Lohengrin – hier : Elsa und Lohengrin kommen sich nicht nahe (Margrethe Fredheim, Uwe Sickert und Chor) © Lutz Edelhoff

Die Regie ist insgesamt unausgegoren, bietet zu viel Ungenaues und zu wenig Richtung. Die Aussage, dass sich die Geschichte und ihr herrschendes Personal selbst bei höchstem technischen Fortschritt nicht ändern, trägt die Ausstattung fast ganz allein. Der Pessimismus der Regie-Idee berührt nicht, wenn sie nicht auf dem Hintergrund der Beziehung Elsas und Lohengrins als Schrecknis erlebt wird. Das ist in diesem Lohengrin definitiv nicht der Fall.

Gesanglich ist der von Andreas Ketelhut einstudierte Chor von starker Wucht, und Anne Derouard entspricht mit ihrem großen, dunklen Mezzo, den sie mit hoher Anstrengung zu Geltung bringen musste, voll ihrer Rolle. Auch Margrethe Fredheim hat mit ihrem klaren, strahlenden Sopran bei einigem Vibrato die passende Stimme für Elsa. Uwe Sickert führt seinen fast knabenhaft hellen Tenor gepflegt durch die anstrengende Partie, spart die Kraft für die Gralserzählung, kann aber seine Liebe nicht glaubhaft machen. Máté Sólyon-Nagy charakterisiert mit seinem hellen, beweglichen Bariton passend den Pantoffelhelden, zu dem ihn die Regie verdammt, und Kakhaber Shavidze als Heinrich und Siyabulela Ntlale als sein Heerrufer geben ihren Rollen die angemessene Bass-Tiefe.

Myron Michailidis am Pult des Philharmonischen Orchesters Erfurt, verstärkt von der Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach, verleiht der Botschaft der Regie Nachdruck, dass sich seit Lohengrins Zeiten nichts geändert hat und nichts sich ändern wird. Von kräftigen Trommelschlägen gestützt wird es immer laut, wo es um Gott geht, und die Blechbläser dröhnen bei jedem Anflug von Patriotismus, übertönen gelegentlich auch die Sänger. Bei manchmal recht hohem, dann wieder schleppendem Tempo kommt die unendlich fließende Melodie nicht zum Tragen, der Wagner-Sog bleibt aus.

In den Pausen zwischen den Akten wird einmal eine Briefstelle Adolf Hitlers einer Textpassage Björn Höckes, auf den Vorhang projiziert, gegenübergestellt, dann ein Zitat aus Heinrich Manns Roman Der Untertan. Wenn damit die Richtigkeit der Regie-Idee belegt werden soll, so ist es auch das Eingeständnis, ästhetisch die überzeugende Umsetzung dieser Idee mit dem Lohengrin nicht geleistet zu haben.

Das Premierenpublikum zollte nach vier langen Stunden dem Sänger-Ensemble, besonders Anne Derouard und Margrethe Fredheim, kräftigen Beifall. Auch der Chor und vor allem Myron Michailidis mit seinem Orchester wurden begeistert beklatscht, während das Regieteam einem heftigen Buh-Sturm ausgesetzt war.

Lohengrin am Theater Erfurt, die nächsten Termine: 26.2. und 14.3. um 18.00 Uhr, am 1.3. um 16.00 Uhr

—| IOCO Kritik Theater Erfurt |—

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