Bad Salzuflen, Nordwestdeutsche Philharmonie, Wunschkonzert – Experiment mit starkem Ausgang, IOCO Kritik, 15.06.2018

Konzerthalle Bad Salzuflen am Sommerabend © Karin Hasenstein

Konzerthalle Bad Salzuflen am Sommerabend © Karin Hasenstein

Konzerthalle Bad Salzuflen

Nordwestdeutsche Philharmonie

Nordwestdeutsche Philharmonie  –  Wunschkonzert

 „Publikumswünsche werden wahr!”

Von Karin Hasenstein

Das Leben ist kein Wunschkonzert! Im Allgemeinen stimmt das: Aber Ausnahmen bestätigen die Regel und eine solche Ausnahme fand am 09.06.2018 in der Konzerthalle  Bad Salzuflen statt.

Die Nordwestdeutsche Philharmonie – die NWD – ist ein Verbundorchester, finanziell getragen durch mehrere Städte und Gemeinden, und hat ihren Sitz in Herford in Nordrhein-Westfalen.

Die NWD wurde 1950 als Städtebundorchester mit dem Auftrag gegründet, die Musiklandschaft in der Region Ostwestfalen-Lippe zum Blühen zu bringen. Heute spielen die 78 Musikerinnen und Musiker nicht nur in Konzertsälen zwischen Minden, Paderborn, Gütersloh und Detmold, sondern treten darüber hinaus bei zahlreichen Gastspielreisen im In- und Ausland in berühmten Häusern wie dem Concertgebouw in Amsterdam, der Tonhalle Zürich und dem Großen Festspielhaus in Salzburg auf. Neben Dänemark, Österreich, den Niederlanden, Italien, Frankreich, Spanien und Polen sorgte das Orchester mehrfach auch in Japan und den USA für ausverkaufte Konzertsäle.

Nordwestdeutsche Philharmonie © Sandra Kreutzer

Nordwestdeutsche Philharmonie – NWD © Sandra Kreutzer

Kein Wunder also, dass sich das Orchester seit seiner Gründung in seiner bald 70-jährigen Geschichte eine hervorragende Reputation in der Fachwelt und beim Publikum erarbeitet hat. Besonders die Jahre unter der künstlerischen Leitung des lettischen Dirigenten Andris Nelsons gaben dem Orchester vielfältige Impulse.

Rund 800 Musiktitel, vom Orchester eingespielt, finden sich im Archiv des Westdeutschen Rundfunks. Die NWD ist zu hören auf mehr als 200 Schallplatten- und CD-Einspielungen, so z.B. in einer eigenen CD-Edition mit Live-Aufnahmen aus großen internationalen Konzertsälen.

Aus Besuchern werden Freunde

In Zeiten knapper werdender öffentlicher Mittel stiegen einzelne Mitglieder aus dem Verbund aus, mit jedem Ausstieg wurde die Sorge um den Bestand des Orchesters größer, die Gefährdung des hohen künstlerischen Niveaus aber auch der Arbeitsplätze bedrohten die Existenz des Klangkörpers.

Damit genau das nicht geschah, engagierten sich treue Konzertbesucher für ihr Orchester. Mit 29 Gründungsmitgliedern gingen die NWD-Freunde 2012 an den Start, heute zählt der Freundeskreis 668 Mitglieder – Abonnenten, Konzertbesucher und Bürger aus ganz Ostwestfalen-Lippe, die begeistert hinter ihrem Orchester stehen und sich bei den Entscheidungsträgern der kommunalen Kulturpolitik für eine dauerhafte Existenz der NWD einsetzen.  Wer so gute Freunde hat, der gibt gerne etwas zurück. So entstand die Idee, sich beim Freundeskreis für dessen Unterstützung mit einem Konzert zu bedanken.

 Das NWD Orchester bereitet sich vor © Wilfried Brokmeier

Das NWD Orchester bereitet sich vor © Wilfried Brokmeier

Nun ist ein Wunschkonzert an sich auch nichts Spektakuläres. Das Besondere hierbei ist jedoch, dass das Programm für diesen Abend erst unmittelbar vor dem Konzert, buchstäblich Minuten vor Beginn, zusammengestellt wurde.

Das Publikum konnte aus über 50 Werken, darunter allein 46 Symphonien, auswählen. Die Punktevergabe wurde teils amüsiert, teils besorgt von Mitgliedern des Orchesters beobachtet, wusste doch keiner, was er gleich auf dem Pult liegen haben würde!

Die Auswahl aus den so ermittelten Wunschnummern wurde von Dirigent Frank Beermann und Mitgliedern des Orchesters auf ein Maß zusammengeführt, das schon allein zeitlich über den Rahmen eines „normalen” Symphoniekonzertes hinausging. Damit trotzdem möglichst viele der Publikumswünsche erfüllt werden konnten, wurde aus jeder Symphonie ein Satz ausgewählt.

Die Spannung im Orchester und im Publikum war im Saal deutlich zu spüren, als Frank Beermann ans Pult trat. Beermann studierte an der Hochschule für Musik in Detmold und war als Kapellmeister am Staatstheater Darmstadt und am Theater Freiburg tätig. Von 1997 bis 2002 hatte er einen Residenzvertrag mit der Hamburgischen Staatsoper und war als Gast an der Deutschen Oper Berlin, der Königlichen Oper Stockholm, der Oper Bonn und der Oper Marseille tätig.

NWD bei der Probe © Wilfried Brokmeier

NWD bei der Probe © Wilfried Brokmeier

Beermann, der dem Orchester seit langem verbunden ist, erklärte den Zuhörern, dass es seines Wissens ein solches Format noch nie gegeben hat, wobei ein Orchester auf die Bühne geht, ohne zu wissen, was es spielen wird und.

Alle Beteiligten erwartete also ein Experiment mit offenem Ausgang. Anstatt wochenlanger intensiver Proben gab es keine Absprachen oder Ansagen hinsichtlich Tempi, Dynamik oder wie viele Wiederholungen gespielt werden. Welches Maß an Konzentration und Disziplin das erfordert, mag der geneigte Leser sich selbst ausmalen.

Beermann hatte elf Nummern ausgewählt. Wie praktisch, dass auch Opern-Ouvertüren auf der Liste standen und so eröffnete er das Konzert mit der Ouvertüre zu Le Nozze di Figaro von Wolfgang Amadeus Mozart.

Noch auf Sicherheit dirigierend versicherte Beermann dem Publikum: „Ich schwöre, nichts ist geprobt! Aber es macht Spaß!” Dieser Spaß war ihm deutlich anzumerken; ob er in diesem Moment für alle Musiker sprach, ließ sich nur erahnen.

Gewiss handelte es sich bei der großen Auswahl um Repertoirestücke, die viele Mitglieder häufig im Konzert gespielt haben, jedoch nicht jeder Einzelne und vielleicht auch der Eine oder Andere schon länger nicht mehr. Selbst Beermann bekannte, dass er an diesem Abend Stücke zum ersten Mal dirigierte – “Welche das sind, verrate ich Ihnen nach dem Konzert. Vor allem dem Orchester sage ich das hinterher…!

Nicht nur die Musiker hatten an diesem Abend Besonderes zu leisten, auch die Arbeit der Orchesterwarte stellte eine logistische Herausforderung dar, mussten doch für über 50 Werke die Noten für alle Musiker transportiert werden. So erklärte sich auch die Auswahl, denn viele Noten werden speziell von den Verlagen entliehen, was mit hohen Kosten verbunden ist. Daher spielte die NWD hier in erster Linie aus Archivmaterial. Für Beermann bedeutete das, dass er “weiße” Partituren vor sich liegen hatte, nicht eingerichtete Noten ohne Markierungen. Eine weitere Besonderheit, auf die sich wohl nicht jeder Dirigent einlassen würde und die ein hohes Maß an Erfahrung erfordert.

Es folgten zwei Stücke aus der Peer-Gynt-Suite Nr. 1von Edvard Grieg, Morgendämmerung und In der Halle des Bergkönigs. Während draußen die Sonne langsam unterging, sorgte die Morgendämmerung im Saal für die ersten zauberhaften Momente, als das berühmte Thema in der Flöte erklang, von der Klarinette aufgenommen wurde und die Naturbeschreibung in der großen Streicherbesetzung den Saal erfüllte. In der Halle des Bergkönigs hört man seine Schritte im Pizzicato der tiefen Streicher, die Violinen nehmen das Thema auf und steigern sich in Tempo und Dynamik beinahe halsbrecherisch. Erste Begeisterungsstürme brechen sich im Publikum Bahn.

Es folgt der 1. Satz aus Beethovens Symphonie Nr. 6 F-Dur op. 68  –  Pastorale

Beermann kommentiert launig: „Es gibt so viele interpretatorische Ansätze, damit kann man sich nur blamieren!” Dass die NWD genau das nicht tut, beweist, auf welch hohem Niveau und mit wie viel Erfahrung hier musiziert wird. Besonders positiv fallen hier die Holzbläser auf. Mit einer einzigen kurzen Ansage „bitte ohne ritardando!” wiederholt Beermann den Anfang, welcher perfekt gelingt.

Felix Mendelssohn Bartholdy © IOCO

Felix Mendelssohn Bartholdy © IOCO

Als folgt der 1. Satz aus der 4. Symphonie von Felix Mendelssohn-Bartholdy, Die Italienische.

Auch hier eine einzige Ansage „ohne Wiederholungen!” und die Holzbläser erfreuen mit großer dynamischer Differenziertheit. Das Thema lässt sich transparent durch die Stimmen verfolgen, die Konzentration bei Dirigent und Orchester ist außerordentlich hoch. Allerdings auch im Publikum, versucht doch jeder, die Musiker wenigstens bei einem klitzekleinen Fehler zu ertappen.

Beermann kommentiert das Abstimmungsverhalten mit viel Humor: „Ich habe Sie beim Kleben (der Punkte) beobachtet. Da klebt einer 10 Punkte bei Bruckner 4 – warum nicht?! Wir machen das schon! An dieser Stelle möchte ich Ihnen ein Kompliment machen für Ihren sehr differenzierten Geschmack!”

Es folgt dann aber nicht Bruckner 4, sondern Schumann 1, B-Dur, op. 38, auch Frühlingssymphonie genannt, der 1. Satz: Andante un poco maestoso – Allegro molto vivace.  Die meisten Punkte erhielt, man ahnte es schon bei der Abstimmung, Antonin Dvoráks Symphonie Nr. 9 e-Moll, op. 95  – Aus der Neuen Welt -.

Hier hat sich Beermann für den Schlusssatz entschieden, Allegro con fuoco. Von großer symphonischer Besetzung wird das marschartige Hauptthema vorgetragen, das von der Neuen Welt kündet. Das folgende Klarinetten-Thema drückt die Sehnsucht des Komponisten nach seinem Vaterland aus. Beermann wählt ein rasantes Tempo, Agogik und Dynamik erfordern wiederum höchste Konzentration im Orchester und mit diesem klanglichen Leckerbissen schickt ein sichtlich glücklicher Dirigent Orchester und Publikum in die Pause.

Die Begeisterung des Publikums ist in den Pausengesprächen allgegenwärtig zu spüren. Selbst weniger erfahrenen Konzertgängern dürfte klar geworden sein, dass sie hier Zeuge einer außergewöhnlichen Leistung sind.

Mit frischem Hemd und in bester Laune tritt Beermann nach der Pause ans Pult und verkündet den Zuhörern: „Meine Damen und Herren, ich hätte nicht für möglich gehalten, dass das hier machbar ist!

Obwohl Bruckners 4. Symphonie die entsprechende Punktzahl erreicht hat, bittet er um Verständnis, dass sie an diesem Abend nicht erklingt: „Allein der erste Satz dauert schon 18 Minuten, dann sitzen wir noch um Mitternacht hier!” Der spontane Beifall im Publikum macht deutlich, dass zumindest der Eine oder Andere nichts dagegen hätte.

Wolfgang Amadeus Mozart in Wien © IOCO

Wolfgang Amadeus Mozart in Wien © IOCO

So aber leitet die Ouvertüre zu Mozarts  Don Giovanni den zweiten Teil des Abends ein. Es folgt aus der Symphonie Nr. 94 in G-Dur Mit dem Paukenschlag von Joseph Haydn der 2. Satz, Andante.

Eine kurze Anfrage aus den Violinen bezüglich etwaiger Wiederholungen bescheidet Beermann zur Freude des Publikums positiv: „Wiederholungen? Sind da drin! Wir müssen die alle spielen!” Dem beinahe kinderliedhaften Anfang im ppp folgt bald der berühmte Paukenschlag. In der Wiederholung wird das Thema in Moll verarbeitet. Auch hier ist zu spüren, dass Beermann auf Sicherheit dirigiert.

Mit Franz Schuberts Symphonie Nr. 8 h-Moll, D 759, genannt Die Unvollendete hat das Publikum ein weiteres Schwergewicht der Konzertliteratur erwählt. Diese Stücke sind so schwer zu spielen, gerade weil sie jeder kennt, beziehungsweise zu kennen glaubt. Die Unvollendete ist eine zweisätzige Symphonie, es existieren nur wenige rudimentäre Bruchstücke zu einem 3. Satz.

Der ruhige zweite Satz, Andante con moto, steht gemäß der Tradition im Kontrast zum dramatischen ersten und steht mit E-Dur in der Dur-Variante der Subdominante, was ihn vom finsteren h-Moll des ersten Satzes abhebt. Das Tempo ist ruhig fließend. Sowohl in dem getupften Pizzicato der Bässe als auch im Thema der Flöten und Hörner erfreuen die Stimmen mit großer Präzision und erstklassiger Intonation. Hier ist das Entscheidende das, was zwischen den Zählzeiten liegt. Das Stück atmet eine große Ruhe.

Das NWD Orchester © Sandra Kreutzer

Das NWD Orchester © Sandra Kreutzer

Ein Wunschkonzert ist immer auch ein bisschen wie Eintopf und so folgt als Kontrast zu Schubert der Schlusssatz (Allegretto grazioso, quasi Andantino) aus der 2. Symphonie von Johannes Brahms, D-Dur, op. 73.  Hier vermittelt sich in der Coda durch die Holzbläser-Dominanz besonders gut die Energie der Komposition.

Wer glaubt, dies sei nicht zu steigern, wird eines Besseren belehrt: Mit dem Rücken zum Publikum „Können Sie mal applaudieren, damit ich weiß, dass Sie noch da sind?” verschafft Beermann sich und dem Orchester eine kleine Verschnaufpause vor dem letzten Stück des Abends.

Als großes Finale erklingt der 3. Satz aus der Symphonie Nr. 6  Pathétique in h-Moll op. 74 von Pjotr Iljitsch Tschaikowsky.

Der für Symphonien ungewöhnliche langsame Schlusssatz ist charakteristisch für dieses Werk, dessen Ende an ein Requiem erinnert. Der Komponist selbst betrachtete die Pathétique als sein wichtigstes Werk. Sie wurde unter seiner eigenen Leitung in St. Petersburg uraufgeführt, neun Tage vor seinem Tod und fand bei der Uraufführung nur wenig Beachtung. Den späteren Siegeszug der Symphonie erlebte Tschaikowsky nicht mehr.

Beermann holt noch einmal alles aus dem Orchester heraus. Die große Streicherbesetzung breitet einen satten Klangteppich unter dem wiederum erfreulich präzisen Blech aus, sämtliche Punktierungen und Synkopen sind exakt zu hören. Die Symphonie endet in einem h-Moll-Akkord der tiefen Streicher.

Nach fast drei Stunden Musik bedankte sich das begeistere Publikum bei „seinem” Orchester mit lang anhaltendem frenetischem Beifall. Es war ein besonderer Abend mit einem sehr besonderen Programm, das in dieser Form so nie wieder in einem Konzert erklingen wird.

Jeder einzelne Musiker hat an diesem Abend ein Höchstmaß an Konzentration, Disziplin und Musikalität aufgeboten, wodurch dieses außergewöhnliche Format zu einem Erfolg werden konnte.

Das Experiment „Wunschkonzert” ist geglückt!

So entließ die Nordwestdeutsche Philharmonie ein beglücktes und beschwingtes, vor allem aber dankbares Publikum in die laue Sommernacht. Einzig ein Geheimnis hat Frank Beermann nicht mehr gelüftet: welches Stück er an diesem Abend zum ersten Mal dirigiert hat. Aber das war nach diesem musikalischen Marathon auch nicht mehr wichtig.

—| IOCO Kritik Nordwestdeutsche Philharmonie |—

Essen, Philharmonie Essen, Mannheimer Streichquartett Haydn, Bartók und Beethoven, 10.06.2018

Juni 7, 2018 by  
Filed under Konzert, Philharmonie Essen, Pressemeldung

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Philharmonie Essen

Philharmonie Essen / Mannheimer Streichquartett  © Niklas Schwarz

Philharmonie Essen / Mannheimer Streichquartett © Niklas Schwarz

Mannheimer Streichquartett spielt Haydn, Bartók und Beethoven
Konzert im Erich Brost-Pavillon auf Zollverein am Sonntag,

10. Juni 2018, um 17 Uhr

Die Konzerte des Mannheimer Streichquartetts im Erich Brost-Pavillon auf dem Welterbe Zollverein gehören seit vielen Jahren zum Programm der Philharmonie Essen. Am Sonntag, 10. Juni 2018, um  17 Uhr ist die renommierte Formation wieder an diesem außergewöhnlichen Ort auf dem Dach des Ruhr Museums zu Gast. Mit Joseph Haydns Streichquartett D-Dur, op. 76 Nr. 5, Hob. III:79, Ludwig van Beethovens letztem Quartett Nr. 16 F-Dur, op. 135 und Béla Bartóks Quartett Nr. 4 stellen die Musiker die ganze Bandbreite der Gattung vor – vom Ursprung in der Wiener Klassik über die kongeniale Weiterentwicklung durch Beethoven bis hin zur thematischen Brechung bei Bartók.

Drei der vier Musiker des Mannheimer Streichquartetts sind Mitglieder der Essener Philharmoniker: Konzertmeister Daniel Bell (Violine), Solo-Bratscher Sebastian Bürger und Solo-Cellist Armin Fromm. Die Violinistin Shinkyung Kim ist Konzertmeisterin der Dortmunder Philharmoniker. Das Mannheimer Streichquartett wurde 1975 in Mannheim gegründet und erhielt seinen Namen durch den Gründungsort sowie in Anlehnung an die „Mannheimer Schule“, die maßgeblich an der Entstehung der Gattung Streichquartett beteiligt war. Nach Lehrjahren, in denen das Quartett mit vielen Preisen ausgezeichnet wurde, etablierte es sich fest in der deutschen und internationalen Musikszene. Es konzertiert in Deutschland, im europäischen und außereuropäischen Ausland. Eine wichtige Rolle spielen Rundfunkaufnahmen und Einspielungen von CDs, für die das Mannheimer Streichquartett unter anderem mit dem deutschen Schallplattenpreis ausgezeichnet wurde.

—| Pressemeldung Philharmonie Essen |—

München, Bayerische Staatsoper, Ariadne auf Naxos – Richard Straus, IOCO Kritik, 12.04.2018

April 14, 2018 by  
Filed under Bayerische Staatsoper, Hervorheben, Kritiken, Oper

Bayerische Staatsoper München

Nationaltheater München © Wilfried Hösl

Nationaltheater München © Wilfried Hösl

Ariadne auf Naxos – Richard Strauss

Dichtung – Hugo von Hofmannsthal

Von Hans-Günter Melchior

„Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in     das Reich Gottes gelangt“  (Markus 10,25; Lukas 18,25; Mathäus 19,24)

Es ist aber auch möglich, dass ein Reicher das Kamel ist, das durch das Nadelöhr eines musikalischen Kniffs ins Himmelreich der Kunst gelangt.

– Das Nadelöhr der Kunst –

So ereignet es sich in Richard Strauss´ Meisterwerk Ariadne auf Naxos. Dem reichen Hausherrn, der sich das Leichte und Unproblematische zum Tragischen wünscht, wird unversehens gerade im vermeintlich Oberflächlichen etwas Hochkomplexes, äußerste Kunstansprüche Erfüllendes gleichsam untergejubelt. So gelangt er, der für das Höhere im Grunde Ungeeignete und Oberflächliche,  ungewollt ins Himmelreich der Kunst.

Grabstaette Hugo von Hofmannsthal © IOCO

Grabstaette Hugo von Hofmannsthal © IOCO

Die von Hugo von Hofmannsthal erdichtete Handlung spielt im 17. Jahrhundert, einer Zeit, in der die Musik allenfalls Dekor bei gesellschaftlichen Veranstaltungen war. Man plauderte nebenbei, aß und trank, lief herum und begrüßte sich, während gleichzeitig bedeutende Werke der Musikliteratur so gut wie ungehört als Hintergrundskulisse erklangen. Erst als Joseph Haydn später in seinen Quartetten ganz am Anfang bereits die dynamische Vorschrift piano oder gar pianissimo anbrachte, war man gezwungen aufzuhorchen…,

„Moment mal, da war doch gerade was, seid mal still“

(Leider, dies nur nebenbei, feiert die Unsitte der rein dekorativen Musik heute wieder unfröhliche Urständ. Wenn auch ein wenig abgewandelt. Wieviele Steinreiche räkeln sich in den ersten Reihen der Festspielstädte, ohne die geringste Ahnung von dem zu haben, was sich vor ihren Augen und Ohren abspielt. Sie sind nur da, weil sie es sich leisten können und sich zeigen wollen, spielen Kultur, ohne ihrer je habhaft geworden zu sein. Wer aber redet noch von den Reichen, die sich aufplustern wie für die Ewigkeit. Während der Ruhm der zu Lebzeiten verachteten Künstler Jahrhunderte überdauert).

 Bayerische Staatsoper München / Ariadne auf Naxos - hier: Gun-Brit Barkmin als Ariadne © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper München / Ariadne auf Naxos – hier: Gun-Brit Barkmin als Ariadne © Wilfried Hösl

Strauss´ Oper besteht aus einem Vorspiel und der eigentlichen Oper. Es handelt sich um eine Oper in der Oper.

Der reichste Mann Wiens bestellt zu einer Abendveranstaltung eine Opera seria: Ariadne auf Naxos. Diese Aufführung wird im Vorspiel vorbereitet. Nun fällt  aber dem kulturfernen Pfeffersack ein, dass ein Drama seinen mit einem frugalen Mahl gemästeten Gästen zuviel abverlangt. Er ordnet an, dem Drama müsse ein Lustspiel mit Tänzen und allerlei Tingeltangel folgen, um den Tiefsinn aufzulösen und die Gäste zu erheitern. Gun-Brit Barkmin stellte die Ariadne mit dunkler Wärme stimmlich eindrucksvoll und darstellerisch mit tragischer Schönheit vor.  Der Komponist (Angela Brower, die mit Bravour für die erkrankte Daniela Sindram einsprang) empört sich über die seinem Jahrhundertwerk angesonnene Konkurrenz mit einem Werk der leichten Muse. Was hält uns noch hier?, fragt er den Musiklehrer (Martin Gantner) und der zuckt mit den Schultern: was uns hier hält, fragst du? Nun: die 50 Dukaten, von denen wir ein halbes Jahr leben können.

Aber nicht genug damit: der reiche Veranstalter gerät in Zeitnot. Um genau 21.00 Uhr soll ein Feuerwerk stattfinden. Er ordnet deshalb über seinen Haushofmeister (Markus Meyer, eine Sprechrolle) an, dass Opera seria und Lustspiel gleichzeitig aufgeführt werden müssen, um die Einhaltung des Zeitplans zu gewährleisten. Was die Empörung der wahren Künstler steigert, aber letztlich nichts nützt. Wer das Geld hat, hat die Macht. Auch über die Kunst. Schließlich fügt sich der Komponist. Zerbinetta (Brenda Rae), die leichtlebige, nur sich selbst spielende Protagonistin der Lustspiel- und Gauklertruppe überzeugt ihn einigermaßen, dass sich Freude und Leid, Komödie und Drama durchaus in einem Werk vereinen lassen. Wie überhuapt das Komische nahe beim Tragischen steht.

Bayerische Staatsoper München / Ariadne auf Naxos - hier: das Ensemble als Schauspieltruppe © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper München / Ariadne auf Naxos – hier: das Ensemble als Schauspieltruppe © Wilfried Hösl

In der eigentlichen Oper beklagt nun Ariadne  auf einer „wüsten Insel“, von ihrem Geliebten Theseus verlassen, ihr Leid. Zergrübelt wünscht sie sich den Tod und erwartet Hermes als Todesboten, der sie abholen soll, assistiert von den drei Nymphen Najade, Dryade und Echo (Siobhan Stagg, Rachael Wilson, Laura Tatulesen), die an die Rheintöchter Wagners gemahnen. Statt Hermes erscheint jedoch Bacchus, den sie zunächst mit Hermes verwechselt, ihn schließlich aber in seiner Göttlichkeit erkennt. Die beiden verlieben sich, Ariadne wird dem Leben zurückgewonnen.

Dies alles wird umrahmt von Zerbinettas ständige Versuche, Ariadne davon zu überzeugen, dass Liebe und Treue viel zu schwergewichtige Begriffe für die Menschen sind, den Menschen gemäßer sei der Wechsel von einem Liebhaber zum anderen. Wie um das zu beweisen, wird sie ständig umschwärmt von vier Herren, vor denen sie ein ganzes Arsenal erotischer Kunstgriffe darbietet…

Die Besonderheit des Werks besteht darin, dass die Idee des oberflächlichen Lustspiels durch die Komposition von Strauss unterlaufen wird. Das Lustspiel ist ein durchkomponiertes, hochkomplexes Werk eigenen und dem Drama ebenbürtigen Charakters, das in der langen Koloraturarie Zerbinettas seinen Höhepunkt findet. Diese stellt höchste sängerische Anforderungen an einen Sopran. Brenda Rae stemmt tapfer ihre Stimme in die Höhe bis an den Rand des Schreiens – voilà geschafft!, die Höhe gewonnen –, man merkt ihr die Mühe an. Und die Erleichterung nach dem Gelingen. Aber sie macht dies alles mehr als wett durch ihre Ausstrahlung. Wunderbar ihre erotischen Tanzschritte, Drehungen und Gesten, ihre umschmeichelnden und aufreizenden Gebärden, mit denen sie Männer verrückt macht.

Bayerische Staatsoper München / Ariadne auf Naxos - hier: das Ensemble © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper München / Ariadne auf Naxos – hier: das Ensemble © Wilfried Hösl

Die Regieleistung Robert Carsens verdient hervorgehoben zu werden. Schon der Anfang. Die Zuschauer kommen herein und sehen das Ensemble bei der Arbeit. Werkstattatmosphäre. Eine Ballettgruppe probt in Straßenkleidern, lange bleibt das Licht im Zuschauerraum an. Man begreift: das Vorspiel ist eine Probe, in der um die Aufführung gerungen wird. Das Bühnenbild in der nachfolgenden Oper hat psychologische Tiefe. Die Bühne ist vorwiegend dunkel, nur bestimmte Personen werden vor weißem Hintergrund hervorgehoben. Die mythologische Bedeutung gewinnt dadurch an Einsichtigkeit. Im Schlussbild umarmen sich Ariadne und Bacchus vor grellhellem Hintergrund, der die Gestalten wie Scherenschnitte hervorhebt und dem zeitbedingten Kontext ins Zeitlose und Exemplarische hinein transponiert. Das alles ist einsichtig, klar und schnörkellos genau und ordnet sich sinnvoll dem musikalischen Werk unter.

Über das Bayerische Staatsorchester zu schreiben, ist müßig. Ein brillantes Orchester unter der kundigen Leitung von Lothar Koenigs, das dem Werk bis in die Nuancen hinein gewachsen ist.

Warum nur gibt es in München keine Strauss-Festspiele, die nur dem umfangreichen Werk dieses Komponisten gewidmet sind, wie etwa die Bayreuther Festspiele dem Werk Wagners?

—| IOCO Kritik Bayerische Staatsoper München |—

Bielefeld, Theater Bielefeld, Premiere ORLANDO PALADINO, 27.04.2018

April 3, 2018 by  
Filed under Oper, Premieren, Pressemeldung, Theater Bielefeld

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Theater Bielefeld

Theater Bielefeld / Fassade © Theater Bielefeld

Theater Bielefeld / Fassade © Theater Bielefeld

ORLANDO PALADINO –  JOSEPH HAYDN

PREMIERE : 27.04.2018 – 20:00 Uhr,  weitere Vorstellungen 04.05., 15.05., 27.05., 13.06., 21.06., 29.06., 05.07.2018

„Ja, hat denn die ganze Welt den Verstand verloren?!“

Das wird sich Alcina wohl fragen, als in ihrem Zauberreich mehr und mehr abgehetzte Menschen eintreffen, die vor jemandem weg- oder jemandem hinterherlaufen. Zum Beispiel Angelica, die eigentlich nur romantische Zweisamkeit mit ihrem Medoro genießen will. Aber da auch Orlando sie – im wahrsten Sinne des Wortes – bis zum Wahnsinn liebt, lebt sie immer fluchtbereit in Angst um ihren zarten Liebsten. Daran kann auch das Schutzversprechen des cholerischen Rodomonte nichts ändern, dessen größter Lebenstraum durch ein Duell mit dem rasenden Orlando in Erfüllung ginge. Wenn der nicht bloß immer schon weg wäre, wenn Rodomonte glaubt, ihn endlich gestellt zu haben! Das findet auch Orlandos Diener Pasquale nervig, der lieber einem gebratenen Hühnchen oder der schönen Eurilla hinterherlaufen würde statt seinem liebestollen Herrn. In diesem Emotionschaos muss Alcina zu drastischen Mitteln greifen, damit endlich wieder Ruhe in ihr Reich einkehrt. Mehrmals unterzieht sie Orlando einer Schocktherapie, doch erst das totale Auslöschen seiner Erinnerung durch das Wasser des Letheflusses bringen seine tiefen Gefühle zum Verstummen.

Theater Bielefeld / Orlando Paladino hier Cornelie Isenbuerger, welche Angelica darstellen wird © Philipp Ottendoerfer

Theater Bielefeld / Orlando Paladino hier Cornelie Isenbuerger, welche Angelica sein wird © Philipp Ottendoerfer

Für Haydns Publikum 1782 war die Oper ein Wiedersehen mit alten Bekannten, basiert Orlando Paladino doch auf der Mutter aller Fantasy- Romane, dem vielrezipierten Ritterepos Orlando Furioso des Renaissance-Dichters Ludovico Ariost. Sämtliche Einheiten von Raum, Zeit und Handlung sprengend, erzählte Ariost hier von äußerlich zwar unverletzlichen, innerlich aber zerrissenen Superhelden, liebenden, aber durchaus gleichberechtigt kampfbereiten Frauen, Monstern, Fabelwesen und Außerirdischen, Zauberern mit den neuesten technischen Errungenschaften, Überschallgeschwindigkeit erreichenden Fortbewegungsmitteln und sogar von einer Reise zum Mond. Nichts ist unvorstellbar in diesem gleichermaßen ernsten wie komischen Epos, das damit eine ideale Fundgrube bildete für Haydns auf Schloss Esterházy entwickelter Vision einer Oper, die heitere und ernste, heroische und pastorale Elemente in sich vereinen sollte. Immer wieder drängen sich – in Hinblick auf die Figuren wie auch die Musiksprache – Vergleiche mit Mozarts Zauberflöte oder Don Giovanni auf, die wohlgemerkt beide nach Haydns Orlando Paladino entstanden. Mehrere Figuren in emotionalen Extremzuständen entnahm der Librettist Nunziato Porta dem Epos, versetzte sie aber in eine neue Grundkonstellation und alle gemeinsam in das Reich der Zauberin Alcina. Der von allen als wahnsinnig geschmähte und in seiner verzweifelten Raserei gefürchtete Orlando wirkt hier lediglich wie ein Primus inter Pares. Während Orlandos verlorener Verstand bei Ariost auf dem Mond wiedergefunden und somit wiederhergestellt wird, müssen seine tiefen Gefühle in der Oper vollständig ausgelöscht
werden, da sie – im Gegensatz zu denen der anderen – unstillbar und damit nicht mit irdischen Mitteln »heilbar« sind. Wie diese ihren Empfindungen unmittelbar ausgelieferten Menschen durch Alcinas Eingreifen nach und nach zu einem kontrollierten und damit gesellschaftskonformen Gefühlshaushalt gebracht werden, stellt das Team um Regisseurin Felicitas Brucker in den Mittelpunkt ihrer Deutung, bei der gleichermaßen die komischen wie auch die ernsthaften Seiten von Haydns Dramma eroicomico beleuchtet werden.

Auch wenn eine friedliche Koexistenz zwischen gleichgeschalteten und gleichmütigen Wesen sicherlich leichter zu erreichen ist als zwischen radikal subjektiven und unbeherrschten Individuen – würde der Welt nicht etwas fehlen? Unter der musikalischen Leitung von Merijn van Driesten steht Daniel Pataky als liebeskranker Orlando auf der Bühne. Cornelie Isenbürger leiht seinem Objekt der Begierde, Angelica, ihren koloratursicheren Sopran. Aufopferungsbereit und doch ein wenig hasenfüßig steht Medoro, gesungen von Lianghua Gong, Angelica zur Seite. Voll baritonalem Testosteron sucht Rodomonte, alias Caio Monteiro, den Kampf mit dem rasenden Orlando. Lieber als den Befehlen seines Herrn folgt Lorin Wey als Orlandos Diener Pasquale den Verlockungen der süßen Eurilla, dargestellt von Nienke Otten. Gemeinsam mit Yoshiaki Kimura als Licone/Charon versucht Alcina, gesungen von Hasti Molavian, die Emotionen der Beteiligten unter Kontrolle zu bringen. Es spielen die Bielefelder Philharmoniker.

Musikalische Leitung :  Merijn van Driesten, Inszenierung : Felicitas Brucker, Bühne : Marlene Lockemann, Dramaturgie : Anne Christine Oppermann
Mit Lianghua Gong // Cornelie Isenbürger // Yoshiaki Kimura // Hasti Molavian // Caio Monteiro // Nienke Otten // Daniel Pataky // Lorin Wey // Bielefelder Philharmoniker


INSZENIERUNG
Felicitas Brucker wurde 1974 in Stuttgart geboren und absolvierte von 1995 bis 2001 ein Studium der Theaterwissenschaften, Kommunikationswissenschaften und der Neueren Deutsche Literatur an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Im Anschluss studierte sie Regie am Goldsmith College der University of London via DAAD Postgraduiertenstipendium.

Während des Aufenthaltes in London bis 2003 entstanden erste eigene Projekte. Bisher inszenierte sie u. a. an den Münchner Kammerspielen, am Theater Freiburg, am Schauspiel Hannover, am Maxim Gorki Theater Berlin und am Thalia Theater Hamburg. Von 2009 bis 2014 war sie Hausregisseurin am Schauspielhaus Wien, wo sie u. a. für die Uraufführungen von Ewald Palmetshofers hamlet ist tot. keine schwerkraft (2007), faust hat hunger und verschluckt sich an einer grete (2009) sowie die österreichischen Erstaufführungen von tier. man wird doch bitte unterschicht (2011) und Körpergewicht. 17% (2011) verantwortlich war. Am Schauspielhaus Wien inszenierte sie zudem Kassandra oder die Welt als Ende der Vorstellung von Kevin Rittberger (UA 2010), Karaoke-Box von Iwan Wyrypajew (UA 2010 im Rahmen der Serie Die X Gebote), Der Garten von Anja Hilling (UA 2011), Gier von Sarah Kane und Illusionen von Iwan Wyrypajew (ÖEA 2013) sowie Aller Tage Abend nach dem Roman von Jenny Erpenbeck (UA 2014, Dramatisierung für das Schauspielhaus Wien von Andreas Jungwirth in Zusammenarbeit mit Felicitas Brucker). Gemeinsam mit Anne Habermehl war sie als Projektleiterin für die Theaterserie Die Welt von gestern nach Stefan Zweig verantwortlich.

In der Spielzeit 2015/16 inszenierte sie am Theater Freiburg ihre Antiken-Bearbeitung Ödipus (nach Sophokles, Euripides und Aischylos) und stellte sich mit Wolfgang Amadeus Mozarts Così fan tutte erstmals als Opernregisseurin vor. Zuletzt inszenierte sie am Theater Basel die Uraufführung von Darja Stockers Stück Nirgends in Friede. Antigone, (eingeladen zu den Autorentheatertagen 2016) sowie die Schweizer Erstaufführung von Ewald Palmetshofer die unverheiratete (2017) und die Uraufführung von Dominik Buschs Das Recht des Stärkeren (2018).


MUSIKALISCHE LEITUNG
Merijn van Driesten ist Kapellmeister und Studienleiter am Theater Bielefeld. Der gebürtige Niederländer studierte zunächst Klavier in Utrecht und Amsterdam sowie bei E. Koroliov in Hamburg. Nach einer freischaffenden Tätigkeit als Kammermusiker, Liedbegleiter und Dozent am Musikseminar Hamburg studierte er Dirigieren bei Prof. Christoph Prick an der Hamburger Musikhochschule. Seit 2007 arbeitet Merijn van Driesten an verschiedenen Theatern als Kapellmeister und Repetitor, wo er ein großes Repertoire an Bühnenwerken und Konzertliteratur spielte und dirigierte. Sein besonderes Interesse gilt dabei der Aufführungspraxis barocker und klassischer Musik, die er oft am Cembalo begleitet. Am Theater Bielefeld leitete er neben vielen Vorstellungen (z. B. Così fan tutte, Die Fledermaus, Tosca, Madama Butterfly und Die Zauberflöte) viele Kinderkonzerte und Opernproduktionen, darunter Händels Xerxes, die Wiederaufnahme von Tannhäuser, Monteverdis Die Krönung der Poppea und 2016 die erfolgreiche europäische Erstaufführung von Dog Days des amerikanischen Komponisten David T. Little. Außerdem leitet er seit 2011 das Sinfonieorchester Paderborn.


BÜHNE
Marlene Lockemann wurde 1989 in Berlin geboren. Von 2012 – 2017 studierte sie Bühnenraum und freie Kunst an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg bei Professor Raimund Bauer. Vor und während ihres Studiums assistierte sie bei Bühnen- und Kostümbildarbeiten u. a. am Ballhaus Naunynstraße in Berlin und am Thalia Theater in Hamburg. Marlene Lockemann entwickelte Bühnenräume u. a. für Inszenierungen im Deutschen Schauspielhaus, in der Staatsoper und auf Kampnagel inHamburg. Für ihren Bühnenraum für Katzelmacher, 2016 im Münchner Volkstheater in der Regie von Abdullah Kenan Karaca, wurde sie im Rahmen der Kritikerumfrage des Magazins Theater heute als beste Nachwuchsbühnenbildnerin des Jahres 2016 nominiert. Weiterhin verwirklichte sie Rauminstallationen und Performances wie den OXO Inkubator in Zusammenarbeit mit Lea Burkhalter auf dem internationalen Sommerfestival auf Kampnagel 2014 oder die Perfor mance round150 auf dem Brutkastenfestival 2015 der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Sie beteiligte sich an Ausstellungen wie Der hellste Tag 2015 im Elektrohaus Hamburg oder B1 im Rahmen der Lessingtage 2016 im Thalia Theater in Hamburg. Für die performative Installation IM FALL, in Zusammenarbeit mit Lea Burkhalter wurde sie 2017 mit dem Karl H. Ditze-Preis für die beste Abschlussarbeit der Hochschule für Bildende Künste Hamburg ausgezeichnet.


KOSTÜME
Viva Schudt, geboren in Konstanz, studierte von 1994 bis 2000 Freie Kunst, Fachbereich Bühnenbild an der Kunstakademie Düsseldorf. Seit 1999 arbeitet sie als Bühnen- und Kostümbildnerin in den Sparten Schauspiel, Oper und Tanz und an Projekten mit Laien und Experten im öffentlichen Raum, im Gefängnis, in Hörsälen oder im Altersheim. Sie arbeitete u. a. am Luzerner Theater, Schauspielhaus Zürich, Theater Basel, Jungen Theater Basel, Berner Theater, Theater am Neumarkt in Zürich, Schauspielhaus Hamburg, Staatstheater Hannover, Staatstheater Stuttgart, an den Kammerspielen München, am Schauspielhaus Wien, Volkstheater Wien, Schauspiel Köln sowie am Theater Freiburg. Dort übernahm sie von 2006 bis 2007 die Ausstattungsleitung unter der Intendanz von Barbara Mundel. Sie gestaltete mehrere Raumbühnenbilder in Luzern und konzeptionierte 2012 die Ausweichspielstätte des Schauspielhauses Hamburg während des Umbaus des Bühnenhauses. 2016 gründetet sie mit Daniel Wahl U.G.L.E (urban guerilla life entertainment) zur Erforschung von Theater im öffentlichen Raum. Seit 2012 verbindet sie eine regelmäßige Zusammenarbeit mit der Regisseurin Felicitas Brucker, Haydns Orlando Paladino ist ihre zehnte gemeinsame Arbeit und ihre erste am Theater Bielefeld. PMThBi

BESETZUNG
Angelica – Cornelie Isenbürger, Rodomonte – Caio Monteiro, Orlando Daniel Pataky
Medoro Lianghua Gong, Licone Yoshiaki Kimura, Eurilla Nienke Otten. Pasquale Lorin Wey
Alcina Hasti Molavian, Charon Yoshiaki Kimura

—| Pressemeldung Theater Bielefeld |—

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