Brenda Roberts – Diskographie – Teil 1, 15.10.2018

Oktober 16, 2018 by  
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CD Brenda Roberts in Frao ohne Schatten Brenda Roberts in Elektra 1975 HH © Sebastian Sierke

CD Brenda Roberts in Frau ohne Schatten Brenda Roberts in Elektra 1975 HH © Sebastian Sierke

BRENDA  ROBERTS  –  DISKOGRAPHIE  – Teil 1

 Von Rolf Brunckhorst

Am 11. Januar 2019 ist es soweit: BRENDA ROBERTS präsentiert ihren Soloabend mit Werken von Poulenc, Wagner und Richard Strauss in der Kleinen Laeiszhalle in Hamburg.

Wer sich ein bisschen auf diesen Abend vorbereiten will, kann sich anhand einer kleinen Diskographie, die in mehreren Teilen erscheinen wird, über das Wirken von Brenda Roberts informieren.

Beginnen wir mit drei absoluten „must have recordings“ von Brenda Roberts:  Da ist natürlich zuerst ihr Bayreuther Debüt im Jahre 1974 als SIEGFRIED“ – Brünnhilde zu nennen. Man höre sich die letzte halbe Stunde mit dem Duett Siegfried-Brünnhilde an. Nach einem „Heil dir Sonne“, strahlend und ohne jeden Wackler gesungen, zieht Brenda Roberts sich in die Rolle eines scheuen keuschen Mädchens zurück und findet wunderbar innige Töne z.B. in „Ewig war ich“. Dann zeigt Brenda Roberts, dass sie auch für die Schlusspassagen über hochdramatischen Schneid verfügt, und krönt die Szene mit einem sicheren hohen C. Diese Aufnahme zeigt auch sonst „Bayreuth at its best“: Jean Cox ist als Siegfried schon lange geradezu eine Legende, Donald McIntyre beherrscht den Wotan in allen Facetten, Heinz Zednik war ein einzigartiger Mime, Franz Mazura als Alberich ein exzellenter Charakterbass, Marga Höffgen war eine pastose Erda, Heinz Feldhoff ein röhrender Fafner, und als Waldvogel grüßt Yoko Kawahara ihre Hamburger Fangeminde. Dazu das Bayreuther Festspielorchester unter Horst Stein, das Ganze in brillanter Qualität – was will man mehr !

Bayreuther Festspiele 1974 / Siegfried © OperaDepot

Bayreuther Festspiele 1974 / Siegfried © OperaDepot

 Wie auch die SIEGFRIED-Aufnahme, galt auch die Hamburger ELEKTRA jahrzehntelang als verschollen. Gottseidank ist sie wieder in den Umlauf gekommen, und man kann hören, warum so lange nach dieser Aufnahme gefahndet worden ist. Brenda Roberts‘ Gestaltung der Titelpartie ist einzigartig, große Teile der Partie werden von ihr ganz lyrisch gesungen, besonders ergreifend gestaltet sie die Totenklage und dasn Wiedersehen mit Orest. Besonders in der letzteren Szene gibt es Passagen, die zum niederknien schön klingen. Dass Brenda Roberts aber auch einer Martha Mödl (Klytämnestra) Paroli bieten kann, und in dem Finale zu einer wahrlich hochdramatischen Elektra wird, ist ein beeindruckender Beweis für diese singuläre Gestaltung der Titelpartie. Ihr gegenüber steht Martha Mödl als unglaublich differenziert singende und dramatisch unfassbar präsente Klytämnestra. Ebenso einzigartig auf ihre Art gestaltete Arlene Saunders eine etwas naive, mädchenhafte und schließlich emphatisch-freudig agierende Chrysothemis. Die Aufnahme erklärt, warum die Saunders fast zwei Jahrzehnte lang Hamburgs Publikumsliebling im jugendlich-dramatischen Fach gewesen ist. Die Hauptrollen runden der prächtig klingende Tom Krause als Orest und der herrlich hysterische Richard Cassilly als Aegisth ab. Die weiteren Rollen zeugen von dem hohen Standard des Hamburger Ensembles der Ära Horst Stein, der mit dem Hamburger Orchester auch diese Vorstellung mit der nötigen Balance zwischen lyrischem Empfinden und brachialer Wucht gestaltet.

Brenda Roberts in Elektra 1975 HH © OperaDepot

Brenda Roberts in Elektra 1975 HH © OperaDepot

 Schließlich gilt es noch, das New Yorker MET-Debüt von Brenda Roberts als Färbersfrau in der „Frau ohne Schatten“ zu würdigen. Wie in den beiden bisher besprochenen Mitschnitten fällt auch hier auf, wie hell und jugendlich die Stimme der Roberts klingt. Aber zur Gestaltung der Färbersfrau gibt es auch scharfe, schnippische, und sogar keifende Töne, wenn es gilt, die Färbersfrau der ersten beiden Akte zu charakterisieren. Wie schön und strahlend sie aber ihre Stimme einsetzen kann, zeigt sie im Duett des 3. Aktes mit Barak, dem Höhepunkt dieser Aufführung. Kein Wunder, dass das MET-Publikum und die Kritiker begeistert waren. Ihr zur Seite gestaltete Eva Marton eine kühle Kaiserin mit faszinierenden Spitzentönen und nimmer versiegendem dramatischen Fluss. Dazu gesellte sich Gwynn Cornell als Amme, die in dieser Partie ungewohnt hellstimmig wirkte. Franz-Ferdinand Nentwig als Barak führte seinen kernigem Bass-Bariton mit leichten Schwierigkeiten in der Höhe vor, während Gerd Brenneis als Kaiser die Partie zwar brav durchhält, aber etwas eindimensional bleibt. Das MET-Orchester unter Erich Leinsdorf spielt auf gewohnt hohem Standard, was auch für die vielen ungenannten kleinen Rollenträger gilt.

Teil 2 der Diskographie über Brenda Roberts folgt in Kürze.

—| IOCO CD-Rezension |—

Hamburg, Hamburgische Staatsoper, Luisa Miller – Giuseppe Verdi, IOCO Kritik, 11.10.2018

Oktober 11, 2018 by  
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Staatsoper Hamburg

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

 Luisa Miller – Giuseppe Verdi

Ergreifende Belcanto-Wonnen an der Staatsoper

Von Michael Stange

Die Hamburgische Staatsoper hat mit Luisa Miller eine seltenere Verdi Oper in ihr Repertoire zurückgeholt. Die Werke Verdis, die sich an die deutschen Theaterklassiker anlehnen, haben es auf den deutschen Bühnen eher schwer. Opernvertonungen deutscher Klassiker waren und sind auch heute noch ein wenig verdächtig. Verdis Oper lehnt sich an Schillers Theaterstück an und handelt von der Liebe zwischen dem adeligen Rodolfo und der bürgerlichen Luise Miller.

Die Oper konzentriert sich stärker auf das Verhältnis der Personen als auf die Gesellschaftskritik Schillers. Zum tragischen Tod der Liebenden führen Intrigen, die Feindschaft von Familien unterschiedlicher Stände und eine starre, vorurteilsbehafteten und teilnahmslose Gesellschaft. In dieser Atmosphäre scheitert die Liebe zwischen Luisa und Rodolfo und sie finden den Tod.

Luisa Miller – Giuseppe Verdi
Youtube Trailer  der Hamburgische Staatsoper
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Andreas Homoki hat das Werk in seiner Inszenierung aus dem Jahr 2014 klug und dramatisch packend gedeutet. Er belässt – wie Schiller – alle Szenen in Innenräumen der jeweiligen Häuser und greift so Schillers Vorstellung auf, dass Intoleranz, Enge und gesellschaftliche Zwänge unausweichlich zur Katastrophe führen. Die grellen, mit wenigen Möbeln und großen Gemälde ausgestatteten Räume bilden eine kalte Atmosphäre. Die in der Ouvertüre verwendeten Schicksals und Intrigenmotive nimmt die Inszenierung auf. Die orchestralen Verweise werden durch kurze Bildsequenzen auf der Bühne verstärkt. So wird bildlich schon Zu Beginn auf die Verstrickungen und Katastrophen im weiteren Handlungsverlauf vorgegriffen. In fließender Bewegungen der Bühnenbilder reihen sich auch später die Szenen wie in einer Perlenkette aneinander. Die dramatische Zwangsläufigkeit, in die die Liebenden hineinsteuern, wird so sichtbarer. Entscheidenden Anteil am folgenden Verhängnis haben neben dem Vater Rodolfos, dem Grafen Walter, sein intriganter Gehilfe Wurm, der Luisa gleichfalls liebt. Ein weiterer entscheidender Faktor ist das fehlende Vertrauen der Liebenden zueinander, die sich daher einander nicht über die Intrigen offenbaren.

Mit den Kostümen aus der französischen Revolution schlägt Homoki zwei Fliegen mit einer Klappe. Er bietet einen leichten ästhetischen Kontrast zum kalten Bühnenbild. Gleichzeitig wird aber durch die kalten Farben klar, dass die Poesie der Kostüme nur eine Illusion ist. Dies unterstreicht der teilnahmslose und statisch agierende Chor. Den egoistischen Zielen von Graf Walter und Wurm treten keine äußeren Kräfte entgegen. Alle Akteure sind durch Erziehung, Glaube, Gesellschaft und Zwängen des eigenen Standes so festgelegt, dass die dramatische Entwicklung alternativlos vorgezeichnet ist und die Liebenden keine Chance haben. Die gesellschaftliche und moralische Verwahrlosung spiegeln die zunehmend verkommenen Kostümen und Frisuren der Choristen wieder. Als Schlusspunkt symbolisiert die Guillotine erneut den ständig präsenten Tod.

Nino Machaidze durchlebt die Partie der Luisa mit einem breiten Spektrum an stimmlichen Nuancen vom verschatteten Piano bis zur expressiven Leuchtkraft. Sie gibt ihrer Luisa viel Glut und dramatischen Glanz. Gesanglich und darstellerisch ist sie faszinierend. Dramatische Attacken paaren sich mit berückenden lyrischen Tönen. Ihr gelingt ein präsentes und packendes Portrait. Dafür wurde sie vom Publikum frenetisch gefeiert.

Staatsoper Hamburg / Luisa Miller von Giuseppe Verdi © Monika Rittershaus

Staatsoper Hamburg / Luisa Miller von Giuseppe Verdi © Monika Rittershaus

Joseph Calleja ist als Rodolfo eine Idealbesetzung. Er wartet mit klangschönen, lyrischem Schmelz und großer Durchschlagskraft auf. Den dramatischen Ausbrüchen ist er mühelos gewachsen. Die früher helle, weiche Stimme mit ihrem charakteristischen mediterranen Timbre hat die bezaubernde Klangqualität der jungen Jahre nahezu erhalten. Sie ist aber dunkler, metallischer und intensiver geworden und hat zugleich an Durchschlagskraft in der Höhe gewonnen. Mit dem Rodolfo hat Calleja eine ideale Rolle für seine gegenwärtige stimmliche Entwicklung gefunden. Dass einer der wichtigsten Verdi Tenöre unserer Tage ist, hat er in seinem Hamburger Rollendebut als Rodolfo erneut unter Beweis gestellt.

Roberto Frontalis dramatischer Miller bot durch seine gesangliche Intensität ein imposantes Gegenstück zum Conte di Walter von Vitalij Kowaljow mit seinem schwarzen Bass ist für diese schwere Belcantorolle wie geschaffen. Nadezhda Karyazina als Federica war mit ihrem blühenden Mezzosopran und ihren mühelosen, leuchtenden Spitzentönen ein weiterer wesentlicher Faktor dieser ganzvollen Gesamtleistung. Ramaz Chikviladze verlieh dem Wurm stimmliche Potenz und perfide Bösartigkeit.

Das Dirigat von Alexander Joel war ein wesentlicher Faktor dieses großen Verdiabends. Ihm gelang ein packendes, mitreißendes Dirigat. Verdis Spannungsbögen Verdis entfesselte er mit Dramatik und lyrischen Klängen. Das Orchester folgte ihm mit Feuer, Elan, Spielfreude und großer Präzision. Die balancierte und präzise Koordination zwischen Orchester, Solisten und Chor ermöglichte allen Beteiligten, sich an entscheidenden Stellen zu steigern, zu ergänzen und gemeinsam eine packende Gesamtdarbietung zu leisten. Die Besucherinnen und Besucher belohnten diese Glanzleistung mit tosendem Applaus. Dieser Abend war eine der Sternstunden der bisherigen Spielzeit.

Luisa Miller an der Hamburgischen Staatsoper; weitere Termine der Spielzeit 2018/19 –  11.10.2018

—| IOCO Kritik Staatsoper Hamburg |—

Hamburg, NDR, Deutscher Radiopreis 2018 – Gala, IOCO Aktuell, 07.09.2018

September 8, 2018 by  
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Deutscher Radiopreis 2018 © radiopreisaward118

Deutscher Radiopreis 2018 © radiopreisaward118

Deutscher Radiopreis

 Deutscher Radiopreis 2018 

Verleihung in Hamburg im „Schuppen 52“ – Stargast Lenny Kravitz 

Patrik Klein berichtet für IOCO von der Gala am 6.9.18

Dr. Peter Tschentscher, erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg eröffnet mit freundlichen Worten die Gala des Deutschen Radiopreises 2018, übergibt die Moderation der Show in die bewährten Hände der Moderatorin Barbara Schöneberger, die mit viel Humor, der manchmal die Grenzen des guten Geschmacks tangiert, durch die gut zweistündige Veranstaltung führt.

Deutscher Radiopreis 2018 / Joachim Knuth, NDR Programmdirektor, links, Dr Peter Tschentscher und Gattin © Patrik Klein

Deutscher Radiopreis 2018 / Joachim Knuth, NDR Programmdirektor, links, Dr Peter Tschentscher und Gattin © Patrik Klein

Ein absoluter Weltstar kam zum Deutschen Radiopreis 2018: Lenny Kravitz war mit dabei, als in Hamburg die besten Radiomacher Deutschlands ausgezeichnet wurden.

Nicht nur für die Nominierten war die Gala-Nacht eine ganze besondere. Sondern auch für Lenny Kravitz. Er kam am Vorabend der Veröffentlichung seines neuen Albums „Raise Vibration“ nach Hamburg. Die erste Single daraus, „Low“, ist seit Wochen im deutschen Radio zu hören. Im Refrain überrascht sie mit dem markanten Schrei von Michael Jackson. Der King of Pop hatte den Part vor seinem Tod extra für Lenny Kravitz aufgenommen. „Es ist eine große Ehre, ihn auf diesem Track zu wissen“, sagt Lenny Kravitz und würdigte den Super-Star damit auf seine Weise. Die Radiopreis-Gala wurde mit diesem Song „Low“ live eröffnet.

Deutscher Radiopreis 2018 / Lenny Kravitz © Philipp Szyza

Deutscher Radiopreis 2018 / Lenny Kravitz © Philipp Szyza

Der Deutsche Radiopreis ist eine seit 2010 verliehene Auszeichnung für in Deutschland produzierte Hörfunkprogramme und deren Macher. Laut den Statuten wird sie für Leistungen vergeben, „die in besonderer Weise durch ihre Qualität die Stärken und Möglichkeiten des Mediums vorführen und hervorheben und die damit auch beispielhaft wirken“.

Gestiftet wird der deutsche Radiopreis von den Hörfunkprogrammen der ARD, des Deutschlandradios und den Privatradios in Deutschland. Zu den Kooperationspartnern zählen das Grimme-Institut in Marl, die Freie und Hansestadt Hamburg, die Radiozentrale sowie die Radio-Vermarkter AS&S Radio GmbH und RMS. Die Federführung liegt beim Norddeutschen Rundfunk, NDR.

Die elfköpfige Jury, vom Grimme-Institut berufen, besteht aus Journalisten, Programm-chefs und Fachexperten. Sie ist sowohl für die drei Nominierungen in jeder Kategorie als auch für die Ermittlung der Preisträger zuständig. Sie vergibt Preise in zehn bis elf Kategorien (beste Moderatorin, bester Moderator, bester Newcomer, beste Morgensendung, beste Comedy, bestes Nachrichten- und Informationsformat, beste Reportage, bestes Interview, beste Programmaktion, beste Innovation, beste Sendung).

Alle Preise sind nichtdotierte Ehrenpreise. Der ebenfalls elfköpfige Beirat des Deutschen Radiopreises hat von 2010 bis 2014 einen Sonderpreis für das Lebenswerk eines Radiomenschen (z.B. Udo Lindenberg, 2012) und von 2010 bis 2016 einen „Sonderpreis Musik“ (z.B. Sting, 2016) vergeben.

Der Deutsche Radiopreis wird im Rahmen einer Galaveranstaltung verliehen, die live von öffentlich-rechtlichen und privaten Radiosendern sowie als Videostream im Internet übertragen wird. Die dritten Fernsehprogramme der ARD senden sie zeitversetzt. Die Gala findet seit 2010 im Schuppen 52 im Hamburger Hafen statt, mit Ausnahme in 2017, wo sie einmalig in der Elbphilharmonie Hamburg durchgeführt wurde. Moderiert wird die Veranstaltung seit 2011 von Barbara Schöneberger.

Beste Comedy

Ausgezeichnet werden können originär für das Radio entwickelte und gestaltete Formate mit Witz und Humor, die alles bieten, was Spaß macht: Das Spektrum reicht von Primetime-Comedy, politischer Satire und Sketches über humoristische Aktionen bis hin zu humoristischen Serien.

Laudator Heikko Deutschmann hat auf jeden Fall eine „Radiostimme“ und präsentierte den Gewinner in dieser Kategorie, Die Radio Hamburg NEWSSHOW. Der in Innsbruck geborene Schauspieler gehört zu den beliebtesten Hörbuchsprechern Deutschlands. Bekannt geworden ist Deutschmann, der selbst auch Drehbücher schreibt, als Bühnenschauspieler im Hamburger Thalia Theater und in Film- und Fernseh-produktionen wie der dreiteiligen Literaturverfilmung Der Laden„, die 1999 mit dem Grimme-Preis in Gold ausgezeichnet wurde.

Mit der Daily Comedy „Die Radio Hamburg NEWSSHOW lassen sich Lokales und Aktualität – die großen Stärken des Radios – perfekt abbilden. Als News Anchor Peter von Rumpold ist Radio Hamburg Comedy-Chef Dietmar Simon zu hören. Fast alle Figuren, darunter News-Assistentin „Jessica Burmeister„, spricht der Hamburger YouTube-Star Buddy Ogün. Die NEWSSHOW nimmt die aktuellen Themen des Tages aus Politik, Sport und Gesellschaft auf die Schippe. Die Top-Themen im vergangenen Jahr: natürlich die Bundestagswahl, G20, den Dieselskandal und die #MeToo-Debatte.

Beste Innovation

Ausgezeichnet werden können Initiativen und Realisierungsformen eines redaktionell gestalteten Radioprogramms, die moderne Möglichkeiten medialer Darstellung innovativ und kreativ nutzen. Hierbei kann es sich um eine besonders gelungene Verknüpfung von Programm und digitaler Technik, um crossmediale Angebote oder die intelligente Nutzung sozialer Netzwerke handeln. Die Angebote zeichnen sich insbesondere dadurch aus, dass sie digital sozialisierte Zielgruppen in deren Nutzungsgewohnheiten zu erreichen und für das Medium Radio zu begeistern wissen.

Laudatorin ist Jasmin Tabatabai, die den Gewinner in dieser Kategorie vorstellt. Es ist N-JOY vom NDR mit dem „Night Lab“ . In „Letzte Spur Berlin“ spielte Jasmin Tabatabai die erste iranisch-stämmige Kommissarin im deutschen Fernsehen, hat aber auch schon die Kriemhild bei den Wormser Nibelungenfestspielen gegeben. Als Tochter einer Deutschen und eines Iraners verbringt Jasmin Tabatabai ihre Kindheit in Teheran, bevor sie mit zwölf Jahren das von Unruhen erschütterte Land verlässt und mit ihrer Familie nach Deutschland geht. Sie studiert an der Staatlichen Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Stuttgart und wird 1997 in Katja von Garniers Musik-Road-Movie „Bandits“ mit einem Schlag als Schauspielerin und Musikerin zugleich berühmt.

Radio braucht ständig neue Stimmen und Impulse. Um systematisch Talente zu entwickeln hat N-JOY vom NDR das „Night Lab“ geschaffen. Newcomer bekommen die seltene Chance, eigene Sendungen „on air“ zu moderieren. Mitmachen können alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des NDR. Sie brauchen keine Moderationserfahrung, müssen sich aber mit einer kreativen Idee für ihre Show bewerben. Intensives Coaching inklusive.

Musikalisch wird die Show nun mit Max Giesinger und Michael Schulte weitergeführt. Im ersten Song bringt Max Giesinger „Legenden“ und danach der erfolgreichen Grand Prix Teilnehmer Michael Schulte das Stück „Don´t let me be alone“. Die Stimmung im Publikum, das meist an Tischen zu sechst platziert ist und mit allerlei feinen Getränken und Snacks verwöhnt wird, erscheint gelöst und erwartungsvoll.

Beste Programmaktion

Ausgezeichnet werden können herausragend realisierte Interaktionsinitiativen – von Call-in- Aufrufen bis zu Hörerrunden und Off-Air-Aktionen – sowie besondere Ideen, mit denen Radio die Hörer zu Wort kommen lässt, mit ihnen in Dialog tritt, sie selbst zum Teil der Sendung werden lässt und an das Programm bindet.

Laudatorin Laura Ludwig, Weltmeisterin im Beach Volleyball stellt den Gewinner in dieser Kategorie vor. Es ist Radio Fritz (rbb); Karen Schmied und Momo Faltlhauser mit dem MottoFritz Abbechern – Kampf den Pappbechern“. 420.000 Pappbecher wandern in Berlin täglich in den Müll. Ein riesiges Müll- und Ressourcenproblem. Also hat Fritz etwas unternommen. Zusammen mit den Hörerinnen und Hörern. Das Ziel: den ganzen Oktober lang „Abbechern“ und dabei eine Million Pappbecher einsparen. Spielerisch, ohne Zeigefinger. „Das klappt nie“, hallte es durch die Redaktion. Aber das Fritz-Publikum ist großartig, hat sich die FritzApp aufs Handy geladen und darin jeden gesparten Becher dokumentiert. Im Programm wurden die Zwischenstände dokumentiert. Um das Sparen zu erleichtern, hat Fritz Thermobecher verschenkt. Reportagen, Töne, Interviews verleihen der Aktion Tiefe.

Bestes Nachrichten- und Informationsformat

Ausgezeichnet werden können alle Informations- und Nachrichtenformate, die das Zeitgeschehen – so in Gesellschaft und Politik, in der Region und in Deutschland, im nationalen und/oder im internationalen Bezug – aufgreifen, plausibel aufbereiten und formatgerecht vermitteln. Dies soll faktengetreu und sachlich, sorgfältig, kompetent und verständlich geschehen, bei klar erkennbarer Grundierung durch eine moderne, zielgruppenorientierte Präsentation.

Laudator Norbert Blüm erzählt zunächst aus alten Zeiten und findet den Bogen in die aktuelle weltpolitische Lage, in der er sich klar gegen das immer stärker aufkeimende nationalistische Denken in der Welt ausspricht.  „Unverzagt und unverblümt“ ist nicht nur der Titel eines seiner Bücher. Norbert Blüm nimmt als Politiker, Philosoph und Gesellschaftskritiker traditionell kein Blatt vor den Mund. Seine eigene Geschichte macht ihn authentisch. Der Gewinner in dieser Kategorie heißt:

Radio Gong 96.3: Johannes Ott „Der Gong 96.3 Erste Hilfe Crash Kurs“. Richtiges Handeln rettet Leben. Zum ersten Mal strahlt ein Sender einen speziell fürs Radio entwickelten 60-minütigen Erste-Hilfe-Kurs aus, der nur durchs Zuhören die wichtigsten Grundlagen vermittelt. Mit einfachen Eselsbrücken und einprägsamen Geschichten werden den Hörerinnen und Hörern Erste-Hilfe-Grundlagen vermittelt. Dass dieses Format funktioniert, zeigt sich auch auf den Social-Media-Kanälen und durch einen Anstieg der Webradio-Zugriffszahlen.

Die Show wird nun wieder aufgelockert durch den Beitrag von Namika mit dem Song „Je ne parle pas francais“

Beste Moderatorin

Ausgezeichnet werden kann die Radiomoderatorin mit besonderen Moderationsqualitäten, die auch Identifikationsfigur des jeweiligen Senders ist. Sie überzeugt durch professionelle Performance: mit Kompetenz, Kreativität, Spontaneität, Witz, Hörernähe, Emotionalität und gewinnender Stimme; sie schafft Aufmerksamkeit für Themen und hilft, diese einzuordnen. Aufgeschlossen für die Stimmung ihrer Hörer trägt sie wesentlich zur Programmbindung bei und begeistert in der Summe ihrer Fähigkeiten für das Medium Radio.

Laudator Ingo Zamperoni stellt den Gewinner in dieser Kategorie vor. Es ist Antenne Niedersachsen mit Mehr Musik bei der Arbeit“. Die Faszination für die USA zieht sich durch seinen Lebenslauf. Ingo Zamperoni studiert Amerikanistik, Jura und Geschichte in Konstanz, Berlin und Boston. Seit 2005 moderiert er aktuelle Sendungen im NDR Fernsehen. Mehrfach vertritt der gebürtige Wiesbadener die ARD-Korrespondenten in Washington und in London. 2012 wird Ingo Zamperoni fester Vertreter für die Tagesthemen-Moderation, im Februar 2014 Fernsehkorrespondent im ARD-Studio Washington.

Die einstige „Chaos-Kaya“ bei Antenne Niedersachsen hat sich entwickelt – zu einer erwachsenen Allrounderin und unverkennbaren Marke in der deutschen Radiolandschaft! Kaya Laß ist Moderatorin, Sängerin, Texterin, Musikjournalistin und Freundin zugleich und spricht von Herz zu Herz, ist immer authentisch. Mit Mehr Musik bei der Arbeit“ ist sie mitreißend und herzlich, ohne aufdringlich zu sein, bodenständig, norddeutsch und nie um einen Schnack verlegen.

Bester Moderator

Ausgezeichnet werden kann der Radiomoderator mit besonderen Moderationsqualitäten, der auch Identifikationsfigur des jeweiligen Senders ist. Er überzeugt durch professionelle Performance: mit Kompetenz, Kreativität, Spontaneität, Witz, Hörernähe, Emotionalität und gewinnender Stimme; er schafft Aufmerksamkeit für Themen und hilft, diese einzuordnen. Aufgeschlossen für die Stimmung seiner Hörer trägt er wesentlich zur Programmbindung bei und begeistert in der Summe seiner Fähigkeiten für das Medium Radio.

Laudatorin  Mareile Höppner zieht den Gewinner aus dem Briefumschlag. Es ist NDR Kultur mit „Klassisch in den Tag“. Beinahe wird Mareile Höppner Lehrerin für Deutsch und evangelische Religion, dann schlägt sie nach dem Studium doch lieber den Weg Richtung Journalismus ein. Bei Radio NORA und RTL stehen vor allem Wettermoderationen auf dem Plan. Nach nur zwei Jahren gelingt ihr 2002 der Sprung zum ersten eigenen Magazin: „Guten Abend RTL. Seit 2008 moderiert Mareile Höppner für Das Erste „Brisant„.

NDR Kultur „Klassisch in den Tag“. Schnee, Frost, Glatteis: Der Frühlingsanfang 2018 war einer jener Tage, an denen viele lieber den Kopf unter der Decke gelassen hätten. Wer aber das Glück hatte, Philipp Schmid zu hören, dem wurde es von Beginn an etwas leichter ums Herz. Mit Leidenschaft und Humor erinnert er an das, was schön ist im Leben. Er gibt seinem Publikum das Gefühl, dass es persönlich gemeint ist – leise, zärtlich, vergnügt und voller verblüffender Einfälle.

Die Show hat nun mit Dua Lipa sowohl einen optischen als auch musikalischen Hingucker bzw. -hörer. Die hübsche Dame, der über 17 Millionen Instagramm Fans folgen gibt den Song „Thinking about you“ zum Besten.

Deutscher Radiopreis 2018 / Dua Lipa © Philipp Szyza

Deutscher Radiopreis 2018 / Dua Lipa © Philipp Szyza

Beste Sendung

Ausgezeichnet werden können Sendestrecken von der Radioshow am Nachmittag, der Sportsendung, dem Wochenendmagazin bis zu den verschiedenen Formen von Musiksendungen, die als moderne Trendsetter und Impulsgeber maßgeblich zum Erfolg des gesamten Programms beitragen. Sie sollen darüber hinaus den Hörer auf inspirierende Weise begleiten und sich durch eine kompetente, hörernahe Moderation auszeichnen.

Laudator Max Giesinger wählt aus dem passenden Umschlag die Gewinnerin in dieser Kategorie, die da heißt: Patrizia Schlosser. Max Giesinger hat immer davon geträumt, seine Hits im Radio zu hören und dieses Ziel hartnäckig verfolgt. Schon als 13-Jähriger spielt er in einer Schulband, nach dem Abitur reist er als Straßenmusiker durch Australien und Neuseeland. 2011 erreicht er den vierten Platz bei der TV-Castingshow „The Voice of Germany“ und tourt durch Deutschland. Mit dem aktuellen Album „Der Junge, der rennt“ übertrifft er seine eigenen Erwartungen: Seine Songs „80 Millionen“ und „Wenn sie tanzt“ werden von Radiosendern nicht nur gern und oft gespielt, sondern auch mehrfach ausgezeichnet.

Patrizia Schlosser ist dem gesuchten RAF-Trio Staub, Klette und Garweg auf der Spur. Seit mehr als 25 Jahren leben die drei letzten Mitglieder der Roten Armee Fraktion im Untergrund und begehen Raubüberfälle. Zusammen mit ihrem Vater, einem ehemaligen Polizisten, macht sie sich auf die Suche. Je tiefer die Journalistin und ihr Vater in die Geschichte der Radikalisierung eintauchen, desto stärker verändert sich auch ihr eigenes Verhältnis. „Im Untergrund“ ist eine Sendung von FluxFM in Kooperation mit Audible unter redaktioneller Leitung von Tim Kehl.

Beste Reportage

Ausgezeichnet werden können Reportagen aus allen Alltagsbereichen, die ihr Thema lebendig und informativ einfangen und dabei eine hohe Intensität und Präsenz aufbauen. Dazu zählen auch herausragende investigative Recherche-Leistungen von Reportern oder Autorenteams. Zugelassen sind sowohl eigenständige Beiträge bis zu einer halben Stunde als auch in Tagesformate und Magazine eingebettete kürzere Formen, die Sachverhalte und Geschehnisse mit dem klassischen Spektrum der Reportageelemente anschaulich und farbig wiedergeben.

Laudatorin Julia Becker lüftet den Gewinner: Es istParadise Papers von NDR Info, NDR Radiokunst und WDR 3. Seit Beginn dieses Jahres ist Julia Becker Verlegerin und Vorsitzende des Aufsichtsrats der Funke Mediengruppe. Die Enkelin des Gründers folgt damit auf ihre Mutter, Petra Grotkamp. Zunehmend Frauen in Führungspositionen zu etablieren, ist ihr ein großes Anliegen. Ein weiteres zentrales Thema, für das sie sich energisch einsetzt, ist die Pressefreiheit. Davon zeugte auch die viel beachtete Rede bei der diesjährigen Goldenen Kamera, die seit mehreren Jahren von der Funke Mediengruppe verliehen wird. „Jeder Journalist, der zu Unrecht in Haft ist, weil er seiner Arbeit nachgeht, ist für uns nicht tolerierbar“, erklärte Julia Becker.

Die Radio- und Podcastserie Paradise Papers von NDR Info, NDR Radiokunst und WDR 3 bietet einen ebenso seltenen wie spannenden Einblick in den investigativen Journalismus: Die beiden Radioreporter Benedikt Strunz und Philipp Eckstein nehmen ihr Publikum mit in die Höhen und Tiefen eines beispiellosen Rechercheprojekts, bei dem NDR, WDR und SZ gemeinsam mit Journalistinnen und Journalisten auf der ganzen Welt die Steuervermeidungs-Strategien von Konzernen und Superreichen aufdecken.

Ein weiterer Showact wird von der Gruppe Glasperlenspiel eingelegt. Mit den beiden Songs „Geiles Leben“ und „Schloss“ sorgen sie für weitere gute Stimmung im prall gefüllten Saal des Schuppen 52 im Hafen Hamburg.

Beste Morgensendung

Ausgezeichnet werden können alle moderierten Sendestrecken in der „Primetime“ des Radios, sofern sie in herausragender Weise beispielhaft sind für eine Kernkompetenz des Mediums: auf kreative und kompetente Art die Hörer zu wecken, zu unterhalten und mit allen wichtigen Informationen für den Tag zu versorgen. Mit der richtigen Mischung aus harten Fakten, guter Laune, Unterhaltung und Comedy, wobei sie das Verhältnis zwischen Distanz und Nähe zum Hörer stets austarieren und damit Glaubwürdigkeit vermitteln.

Laudator Matze Knop beginnt seinen Part mit ein wenig Slapstick, den das Publikum nicht unbedingt aus den Sitzen reißt. Als Gewinner präsentiert er dann „Unser Team für Berlin„. Schon im Alter von fünf Jahren äußert Matze Knop den Berufswunsch, „ich werde Rudi Carrell. Die ersten Schritte in diese Richtung sind eine Ausbildung zum Hörfunkredakteur bei Radio Bielefeld und ein Journalistikstudium an der Universität Dortmund. Der große nationale Durchbruch gelingt Knop 1997 mit der Comedy-Figur „Supa Richie“. Seither liefert Matze Knop reihenweise Parodien – von Sport-Stars wie Franz Beckenbauer, Lothar Matthäus, Cristiano Ronaldo, Jürgen Klopp oder Jogi Löw und Show-Größen wie Dieter Bohlen, Dieter Thomas Heck oder Thomas Gottschalk.

Wer mit Simone Panteleit und Ron PerdussUnser Team für Berlin“ aufsteht, der bekommt: Berlin wie es ist, wie es tickt, was es liebt und lieber lässt – und das jeden Morgen direkt, ehrlich und echt. Hier ist die Stadt der Star der Show. Simone, Ron und ihr Team kennen und lieben Berlin mit all seinen Facetten, den Menschen, Meinungen und Marotten. Wer morgens Berliner Rundfunk 91.4 hört, kann mitreden und mitmachen, ist immer auf dem neuesten Stand und einfach besser informiert.

Auflockerung der manchmal doch etwas starr wirkenden Präsentationen der Gewinner und deren artiges „Dankeschön Sagen“ erfolgt nun durch die deutsche Popband Revolverheld feat. Antje Schomaker mit „Liebe auf Distanz

Bester Newcomer

Ausgezeichnet werden können jüngere Radio-Talente in den ersten fünf Jahren ihrer beruflichen Tätigkeit, die sich als Moderator(inn)en, Reporter(innen) oder „on air“ hörbare Autor(inn)en, allein oder im Team, durch besondere Qualitäten wie Kreativität, Spontaneität, Hörernähe, Emotionalität, Witz bzw. besonders guten Einsatz von Stimme und Sprache auszeichnen und somit als Hoffnungsträger ihrer Sender gelten.

Johannes Strate, Sänger und Frontmann der Band Revolverheld, zieht als Laudator den Gewinner. Es ist Helena Daehler, die als Reporterin nicht nur live und aktuell aus Berlin (Berliner Rundfunk 91.4) berichtet, sie verbringt auch die kälteste Nacht des Jahres draußen zusammen mit den Obdachlosen der Hauptstadt, begleitet den Berliner Senat zu Gesprächen mit der EU-Kommission in Brüssel und lässt das Publikum an der königlichen Hochzeit in Windsor teilhaben. Mit ihrer empathischen Art schafft sie es immer wieder, ihren Interviewpartnerinnen und -partnern die überraschendsten Antworten zu entlocken, auch wenn es um schwierige Themen geht.

Bestes Interview

Ausgezeichnet werden können sämtliche Gesprächsformen im Radio. Die Formen können kurz oder lang sein, vom Entertainment-Talk bis zum hintergründigen Interview reichen, die Themen können alles umfassen – von Pop bis Politik. Der Hörer erfährt nicht nur thematisch Neues, sondern erhält auch Einblicke in das Handeln und Denken des Gesprächspartners.

Laudatorin Esther Schweins spricht über die Unverzichtbarkeit des Radios und präsentiert den Sieger Bremen Zwei mit der Sendung „Zwei nach Eins“. Mehr als zehn Jahre lang hat Dominik Bloh auf Parkbänken und unter Brücken geschlafen; und versucht, trotz Hunger und Einsamkeit ein Mindestmaß an Normalität aufrechtzuerhalten. Im Gespräch mit der Bremen-Zwei-Moderatorin Kristin Hunfeld spricht das ehemalige Hamburger Straßenkind über die ständige Angst vor Nässe, Kälte und Gewalt. Ein Gespräch, das betroffen macht, weil Erfahrungen und Gefühle ohne Wertung bleiben und eben deshalb persönlich nachhallen.

Deutscher Radiopreis 2018 © Philipp Szyza

Deutscher Radiopreis 2018 © Philipp Szyza

Zum musikalischen Höhepunkt des Abends tritt noch einmal Lenny Kravitz mit den beiden Songs „Johnny Cash“ und „Fly away“ auf. Das geladene Publikum und die zahlreichen Vertreter aus Kultur und Presse zeigt sich begeistert und hat nach der gut zweistündigen Show noch viel Gelegenheit bei Musik und kulinarischen Genüssen bis tief in die Nacht zu feiern.

—| IOCO Aktuell Deutscher Radiopreis NDR Hamburg |—

Hamburg, St. Pauli Theater, MOTOWN – The Music Show, IOCO Kritik, 04.09.2018

September 4, 2018 by  
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St. Pauli Theater Hamburg / MOTOWN - The Music Show © Stefan Malzkorn

St. Pauli Theater Hamburg / MOTOWN – The Music Show © Stefan Malzkorn

MOTOWN – The Music Show

“STOP!“ – drei Handflächen strecken sich zum Publikum – “In the Name of Love!”

Von Rolf Brunckhorst

Drei zappelige Schultern bewegen sich fingerschnipsend nach unten, der Anfang eines genialen Motown-Songs und seiner verblüffend einfachen aber wirkungsvollen Choreographie. Dieses Rezept hat, wie der Moderator dem Publikum später erklären wird, unzählige Male in den Hitparaden der 60er Jahre eingeschlagen. Berry Gordy, oberster Chef der Plattenfirma Tamla-Motown, erklärt sein Erfolgsrezept ähnlich: Man nehme eine eingängige Melodie, einen Text, der eine kurze Geschichte erzählt, kreiere einen Sound, der in den leicht basslastigen Transistorradios der Detroiter Kids und den Autoradios ihrer Eltern mitreißend wummert, und nehme dieses Produkt mit den besten Studiomusikern der Welt auf. Finaler Test: Jugendliche aus Detroit werden gefragt, ob sie für einen geschenkten Dollar lieber eine Tüte Eis oder die neueste Motown-Scheibe kaufen würden. Die meisten Jugendlichen werden zur Platte gegriffen haben, denn Motown war in den 60er Jahren eben der „Sound of Young America“.

MOTOWN
Youtube Trailer St.Pauli Theaster Hamburg
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Die Kreativität der MotownMusiker läßt sich erahnen, wenn man liest, daß in einer Woche des Jahres 1968 die Top-Ten allein aus fünf Motown-Nummern bestand. Die Plätze 1 bis 3 waren für Motown reserviert. Im Jahre 1966 hat Berry Gordy ca. 65 % all seiner Single-Veröffentlichungen in den „Hot Hundred“ untergebracht. Andere Firmen bewegten sich vergleichsweise bei 10 % Trefferquote. Seine Künstler waren Superstars spätestens dann, wenn sie von ihrer Gruppe gelöst eine Solokarriere angefangen hatten. Die wichtigsten bzw. bekanntesten Künstler waren zweifellos die Supremes, aus denen  Diana Ross hervorgegangen ist. Innerhalb der nächsten fünf Jahre sollte sie sich als Superstar profilieren. Nicht nur auf dem ihr eigenen Felde der Musik setzte sie Maßstäbe, auch als Schauspielerin war der Lohn für ihre brillante Leistung in „Lady  sings the Blues“ eine Oscar-Nominierung. Eine ganze Reihe von späteren Solosängern entsprangen den

St. Pauli Theater Hamburg / MOTOWN-The Music Show hier Ensemble © Andy Juchli, inkognito.ch

St. Pauli Theater Hamburg / MOTOWN-The Music Show hier Ensemble © Andy Juchli, inkognito.ch

Temptations, z.B. David Ruffin, Eddie Kendricks, Dennis Edwards, und Ali-Olli Woodson. Der Harmonie-Gesang der Temptations galt als unvergleichlich. Die Four Tops hatten den einzigartigen Levi Stubbs als stimmliches Flaggschiff, dessen brodelnde Intensität von keinem seiner Kollegen erreicht wurde. Marvin Gaye und Stevie Wonder wetteiferten um den Titel als musikalisches Genie, während Martha Reeves & the Vandellas und die Marvelettes mit ihren brillanten Gesangsarrangements die Fans in die Plattenläden trieben. Niemand will Michael Jackson  und seine Brüder vergessen, aber man könnte tagelang weiter tippen, wenn man alle MotownGesangsgruppen und Solisten würdigen wollte.

Diese kurze Motown-Biographie hätte nun auch Gegenstand der Motown-Show sein sollen, aber wie soll man mit drei Sängern und zwei Sängerinnen und neun Instrumentalisten diese Geschichte auf die Bühne bringen? Es ging, es ging sogar sehr gut, weil die Macher dieses Musicals ein paar richtige Grundsatzentscheidungen getroffen hatten: Es wurde keine der Motown-Solokünstler oder –Gruppen direkt imitiert, sondern fünf hochindividuell timbrierte, stimmlich ausgezeichnete Künstler interpretierten die Motown-Songs mit wechselnden Soloaufgaben und zum Teil eigenwilliger Instrumentierung der Songs. Dabei konnte es passieren, daß nur drei Temptations auf der Bühne standen, oder Solonummern zu Duetten umgeformt wurden. Das alles funktionierte so selbstverständlich, daß es dem Publikum fast den Atem verschlug, es reagierte aber nicht still, sondern vom ersten Song an wurde mittaktiert, mitgeklatscht, getanzt und mitgesungen. Das Publikum war mit den meisten Songs vertraut, Texthilfe vonseiten der Sänger wurde selten benötigt. Als im zweiten Teil die ersten Takte von „I can‘t help myself“ ertönten, kippte die Publikumsstimmung von begeistert auf frenetisch; die beiden oberen Ränge verwandelten sich dank er großzügigen Raumfreiheit in einen Tanzpalast. An welcher Stelle das Stück zuende war und der Zugabenteil begann, konnte man nicht mehr auseinander halten, zu sehr waren alle damit beschäftigt, genügend Stimmung zu entfachen, um weitere Zugaben zu erzwingen.

St. Pauli Theater Hamburg / Motown - hier :Trevor Jackson, Taryn Anne Nelson © Gío Löwe / gio-lowe.com

St. Pauli Theater Hamburg / Motown – hier :Trevor Jackson, Taryn Anne Nelson © Gío Löwe / gio-lowe.com

Geduldig bezog die Band mehrfach wieder ihre Plätze und lieferte noch ein paar Kostproben des geliebten Motown-Sounds, den Sänger und Musiker zweieinhalb Stunden zelebriert haben. Ein besonderes Dankeschön gebührt dem Choreographen Andrew Hunt, der so gut mit der Materie vertraut war, daß er bei verschiedenen Songs Teile der Original-Choreographie einarbeitete. So konnte das immer wieder aufjuchzende Publikum Smokey Robinsons berühmten Monkey-Dance beim Song „Mickey’s Monkey“ der Miracles, das berühmte Schulterzappeln der Four Tops und natürlich die eingangs erwähnte „Stop! In the Name of Love“-Choreographie der Supremes wiedererkennen und sich an die seligen Jahre erinnern, als diese Auftritte noch Bestandteil der wöchentlichen Fernsehshows waren. Großer Dank gilt den fünf hoch-engagierten Stimm-Akrobaten Siggy Davis, Taryn Nelson di Capri, Wilson Michaels, David Johnson und Koffi Missah, sowie den neun Bandmitgliedern.

Eine Frage bleibt zum Schluß allerdings offen: Warum mußten, besonders zu Beginn des zweiten Teils so viele Nicht-Motown-Nummern in das Stück geschummelt werden? Es gäbe noch Hunderte von Motown-Hits, die besser in diesen Rahmen gepaßt hätten, und dann hätte man seine Referenz auch Künstlern wie Edwin Starr, Chris Clark oder den Velvelettes erweisen können. Dieses wäre ein Wunsch für hoffentlich weitere zukünftige  Auftritte in Hamburg.

—| IOCO Kritik St. Pauli Theater Hamburg |—                                                                            

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