Il trittico
Puccinis „Il trittico“ (1918) vereint drei kontrastierende Einakter zu einem Abend: die veristische Eifersuchtstragödie „Il tabarro“, das mystische Klosterdrama „Suor Angelica“ und die Florentiner Erbschleicher-Komödie „Gianni Schicchi“. Puccini wollte sie stets gemeinsam aufgeführt sehen; das Triptychon spannt einen Bogen von düsterem Mord über stillen Schmerz bis zum befreienden Gelächter.
Fakten zu „Il trittico“
| Komponist | Giacomo Puccini (1858–1924) |
|---|---|
| Libretto | Giuseppe Adami („Il tabarro“) sowie Giovacchino Forzano („Suor Angelica“, „Gianni Schicchi“) |
| Uraufführung | 14. Dezember 1918, Metropolitan Opera, New York |
| Sprache | Italienisch |
| Aufbau | Drei Einakter („Il tabarro“, „Suor Angelica“, „Gianni Schicchi“) |
| Spieldauer | ca. 2 Std. 45 Min. (mit Pausen) |
| Gattung | Drei Einakter (Trittico) |
| Bedeutung | Puccinis Versuch eines vielgestaltigen Opernabends, der Tragödie, Andacht und Komödie systematisch gegeneinanderstellt. |
Handlung
Il tabarro
Auf einem Lastkahn an der Seine in Paris lebt der alternde Schiffer Michele (Bariton) mit seiner jungen Frau Giorgetta (Sopran). Seit dem Tod ihres Kindes ist die Ehe erkaltet; Giorgetta sehnt sich nach dem Festland und nach Leben. Heimlich hat sie eine Affäre mit dem jungen Hafenarbeiter Luigi (Tenor) begonnen. Die beiden verabreden ein nächtliches Zeichen: Luigi soll zurückkehren, wenn Michele ein brennendes Streichholz zeigt. Michele, von dunkler Ahnung und Eifersucht zermürbt, erinnert Giorgetta an glücklichere Zeiten, als er sie unter seinem weiten Mantel, dem „tabarro“, barg. Als er allein seine Pfeife anzündet, deutet Luigi das Aufflackern als Signal und kommt an Bord. Michele überwältigt den Rivalen, presst ihm das Geständnis ab und erwürgt ihn. Den Toten verbirgt er unter seinem Mantel. Ahnungslos kehrt Giorgetta zurück; Michele schlägt den Mantel auf und zwingt sie auf die Leiche ihres Geliebten.
Suor Angelica
In einem italienischen Frauenkloster des 17. Jahrhunderts lebt Schwester Angelica (Sopran), die vor sieben Jahren von ihrer adligen Familie hierher verbannt wurde, weil sie ein uneheliches Kind geboren hatte. Sehnsüchtig wartet sie auf Nachricht von draußen. Da besucht sie ihre eiskalte Tante, die Fürstin (Alt/Mezzosopran), die Angelicas Verzicht auf das Erbe zugunsten der jüngeren Schwester verlangt. Beiläufig und grausam teilt die Fürstin mit, dass Angelicas kleiner Sohn vor zwei Jahren gestorben ist. Allein zurückgeblieben, beklagt Angelica in „Senza mamma“ den Tod ihres Kindes, das ohne Mutter sterben musste. In Verzweiflung bereitet sie aus Kräutern einen Gifttrank und nimmt sich das Leben. Zu spät erkennt sie, mit dem Selbstmord eine Todsünde begangen zu haben, und fleht die Madonna um Gnade an. In einer mystischen Vision erscheint ihr die Gottesmutter und führt ihr das Kind entgegen.
Gianni Schicchi
Florenz, 1299: Am Sterbebett des reichen Buoso Donati trauert die habgierige Verwandtschaft nur zum Schein. Als bekannt wird, dass Buoso sein Vermögen einem Kloster vermacht hat, bricht Panik aus. Der junge Rinuccio (Tenor) schlägt vor, den schlauen Außenseiter Gianni Schicchi (Bariton) um Rat zu fragen; zugleich liebt er dessen Tochter Lauretta (Sopran), die in „O mio babbino caro“ ihren Vater rührend um Hilfe bittet. Schicchi ersinnt einen kühnen Plan: Da Buosos Tod noch niemand kennt, legt er sich selbst in dessen Bett und diktiert dem herbeigerufenen Notar ein neues Testament. Listig vermacht er die wertvollsten Güter jedoch nicht der Familie, sondern sich selbst. Die Verwandten sind machtlos, denn auf Testamentsfälschung steht im Florenz der Zeit das Abhacken der Hand und Verbannung. So gewinnt Schicchi Haus und Vermögen und ermöglicht zugleich die Heirat von Lauretta und Rinuccio.
Rollen & Stimmfächer
| Rolle | Stimmfach | Bedeutung |
|---|---|---|
| Michele | Bariton | „Il tabarro“ – alternder Schiffer, eifersüchtiger Ehemann |
| Giorgetta | Sopran | „Il tabarro“ – Micheles junge Frau, Geliebte Luigis |
| Luigi | Tenor | „Il tabarro“ – junger Hafenarbeiter, Giorgettas Liebhaber |
| Suor Angelica | Sopran | „Suor Angelica“ – verbannte adlige Nonne, trauernde Mutter |
| Die Fürstin (La Zia Principessa) | Alt/Mezzosopran | „Suor Angelica“ – kalte Tante, fordert Verzicht auf das Erbe |
| Gianni Schicchi | Bariton | „Gianni Schicchi“ – schlauer Außenseiter, Laurettas Vater |
| Lauretta | Sopran | „Gianni Schicchi“ – Schicchis Tochter, liebt Rinuccio |
| Rinuccio | Tenor | „Gianni Schicchi“ – Neffe der Donati, liebt Lauretta |
Berühmte Arien
| Arie | Stimme | Szene |
|---|---|---|
| „O mio babbino caro“ | Lauretta (Sopran) | „Gianni Schicchi“ – Lauretta fleht ihren Vater um Hilfe an |
| „Senza mamma“ | Suor Angelica (Sopran) | „Suor Angelica“ – Angelica beklagt den Tod ihres Sohnes |
| „Nemico della Patria? … (Firenze è come un albero fiorito)“ | Rinuccio (Tenor) | „Gianni Schicchi“ – Rinuccio preist Florenz und Schicchis Klugheit |
Themen & Kontext
Worum es wirklich geht
Das Triptychon erkundet drei Gesichter von Liebe und Tod. „Il tabarro“ zeigt Eifersucht und Mord in erstickender Enge, „Suor Angelica“ mütterliche Trauer und religiöse Erlösung, „Gianni Schicchi“ befreiende Gerissenheit, mit der die junge Liebe über die Habgier triumphiert. Puccini stellt bewusst Dunkel, Andacht und Heiterkeit nebeneinander, um die ganze Spannweite menschlicher Gefühle in einem Abend zu fassen. Dante lieferte das Stichwort: Die drei Teile lassen sich als Hölle, Fegefeuer und gleichsam komödiantisches Paradies des Lebens lesen.
Historischer Hintergrund
Puccini komponierte die drei Einakter während des Ersten Weltkriegs und vollendete sie 1918. Die gemeinsame Uraufführung fand kriegsbedingt nicht in Italien, sondern an der Metropolitan Opera in New York statt. „Gianni Schicchi“ geht auf eine Episode aus Dantes „Göttlicher Komödie“ zurück. Schon bald wurde der heitere Schlussteil als Publikumsliebling oft losgelöst gespielt, was Puccini erzürnte: Er bestand darauf, dass die drei Werke als geschlossener Zyklus erklingen sollten.
Warum Experten es wichtig finden
„Il trittico“ gilt als Beweis von Puccinis stilistischer Bandbreite und seiner Meisterschaft der knappen Form. In je rund einer Stunde entwirft er drei vollständig unterschiedliche Klangwelten: den düster pulsierenden Verismo der Seine, die schwebende Sakralmusik des Klosters und die spritzige Konversationskomödie des Renaissance-Florenz. „Gianni Schicchi“ zählt zu den wenigen großen komischen Opern des 20. Jahrhunderts. Fachleute schätzen, wie Puccini ohne Wiederholung Atmosphäre, Charaktere und Pointierung in höchster Verdichtung gestaltet.
Aufführungsnoten
Regie-Ansätze
Selten als kompletter Zyklus, oft mit Umstellungen oder in Kombination mit fremden Einaktern; gelungene Produktionen suchen einen verbindenden szenischen Faden zwischen den drei Welten.
Bekannte Aufnahmen & Produktionen
Referenz ist die Gesamteinspielung unter Lorin Maazel; berühmt sind Renata Tebaldis Angelica und Tito Gobbis Schicchi; zahlreiche Live-Mitschnitte u. a. von der Met.
Was zwischen Inszenierungen variiert
Stark variiert, ob alle drei Teile gespielt werden; Regie und Besetzung müssen das extreme Spektrum von Tragödie, Andacht und Komödie an einem Abend tragen.
„Il trittico“ bei IOCO
Häufige Fragen
Wer hat „Il trittico“ komponiert?
„Il trittico“ stammt von Giacomo Puccini. Uraufführung: 14. Dezember 1918, Metropolitan Opera, New York.
Wovon handelt „Il trittico“?
Puccinis „Il trittico“ (1918) vereint drei kontrastierende Einakter zu einem Abend: die veristische Eifersuchtstragödie „Il tabarro“, das mystische Klosterdrama „Suor Angelica“ und die Florentiner Erbschleicher-Komödie „Gianni Schicchi“. Puccini wollte sie stets gemeinsam aufgeführt sehen; das Triptychon spannt einen Bogen von düsterem Mord über stillen Schmerz bis zum befreienden Gelächter.
Welche berühmten Arien gibt es in „Il trittico“?
Zu den bekanntesten Arien zählen „O mio babbino caro“, „Senza mamma“, „Nemico della Patria? … (Firenze è come un albero fiorito)“.
Welche Stimmfächer singen die Hauptrollen in „Il trittico“?
Michele (Bariton), Giorgetta (Sopran).
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