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Évian les Bains, Église Notre-Dame, RENCONTRES MUSICALES D’ÉVIAN – Teil II, IOCO Kritik, 14.07.2022

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Peter Michael Peters
14. July 2022
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Église Notre-Dame © Peter Michael Peters
Église Notre-Dame © Peter Michael Peters

RENCONTRES MUSICALES D’ÉVIAN – Teil II

Heinrich Schütz : Primo libro de madrigali a cinque voci, Op. 1, SWV 1-19 (1611)

Vokal-Ensemble Les Arts Florissants, Miriam Allan, Sopran, Mathilde Ortscheidt – Alt, Sean Clayton – Tenor, Edward Grint – Bass, Paul Agnew – Tenor & Musikalische Direktion

von Peter Michael Peters

  • SAGITTARIUS UND SEINE UNBESTREITBARE HISTORISCHE ROLLE

  • Così morir debb’io ?
  • Né sarà chi m’ascolti o mi difenda?
  • Così da tutti abbandonata, e priva
  • D’ogni speranza ? accompagnata solo
  • Da un’estrema infelice
  • E funesta pietà che non m’aita ?
  • Battista Guarini: Il pastor fido, VI,5

Schwanengesang

 Heinrich Schütz, Gemälde von Christoph Spätner, um 1607 © Wikimedia Commons
Heinrich Schütz, Gemälde von Christoph Spätner, um 1607 © Wikimedia Commons

1630 kehrte Heinrich Schütz (1585-1672) nach Dresden zurück. Trotz der Rivalitäten und der durch den Krieg verursachten Schwierigkeiten bemühte er sich, dort ein musikalisches Leben aufrechtzuerhalten. 1633 bat er um Urlaub und ging nach Dänemark, das wieder Frieden gefunden hatte. Im Gefolge von König Christian IV. von Dänemark (1577-1648) komponierte er Werke anlässlich der Hochzeit des Kronprinzen Christian von Dänemark (1603-1647) mit der Prinzessin Magdalena Sibylla von Sachsen (1617-1668), der jüngsten Tochter von Kurfürst Johann Georg von Sachsen (1585-1656). 1635 kehrte er nach Dresden zurück und schrieb seine Musikalische Exequien, Op. 7, SWV 279-281, „Konzert in Form einer Deutschen Messe“ für das Begräbnis des Fürsten Heinrich Posthum von Reuss (1572-1635), veröffentlicht 1636. Im Jahre 1637 machte er seinen zweiten Aufenthalt in Dänemark, kehrte krank 1639 nach Deutschland zurück und wohnte für einige Zeit wieder in Weissenfels. Während seiner dritten Reise nach Kopenhagen bekleidete er die Position des Generaldirektors der Musik für den König Christian IV. 1646/47 unternahm er einige kurze Reisen: Der Westfälische Frieden wurde unterzeichnet! Die Arbeitsbedingungen verbessern sich und im selben Jahr schrieb er seine Geistliche Chormusik, Op. 11, SWV 369-397 und 1650 veröffentlichte er der dritten Teil der Symphoniae sacrae, Op. 12, SWV 398-418. Aus Altersbedingungen zieht er sich nach Weissenfels zurück, seine Gesundheit lässt zu wünschen übrig! Er widmet sich der Komposition mystischer und liturgischer Werke: Die Zwölf Geistliche Gesänge, SWV 420-431 (1657), die Historia der freuden und Gnadenreichen Geburth Gottes und Marien Sohnes, Jesus Christi, SWV 435 (1664) die Lukas-Passion, SWV 480 (1663) und die Johannes-Passion, SWV 481 (1665), in 1671 sein Opus Ultimum: Deutsches Magnificat „Meine Seele erhebt den Herren“, zu acht Stimmen auf zwei Chören, SWV 482-494. Er stirbt am 6. November 1672 und wurde unter dem Portalvorbau der alten Frauenkirche bestattet.

Meditation ArtsFloSummer No 5 von Heinrich Schütz
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Ein beachtliches Werk

Während seines langen Lebens hörte Schütz nie auf zu komponieren, wie aus der zusammenfassenden Chronologie seiner Werke hervorgeht. Im Jahre 1999, für seinen vierhundertsten Geburtstag, wurden 494 Opus-Nummern rezensiert. Er befasste sich mit vielen Genres: Weltliche Musik ist mit seinen Italienischen Madrigalen und der Oper Dafne vertreten. Im Kontext religiöser Musik – außer dem Beckersche Psalter, Op. 5 (1628 / Psalter-Text von Cornelius Becker / 1561-1604) im Ton-gegen-Ton-Stil, der die Verständlichkeit des Textes begünstigt, was für eine funktionale Musik für den Gottesdienst unerlässlich ist -, hat Sagittarius sehr unterschiedliche Formen genutzt. Die achtstimmigen Psalmen für Doppelchor sind von italienischen Einfluss geprägt. Das Thema Passion, Tod und Auferstehung Christi wird in seiner Historia der Auferstehung Jesu Christi, SWV 50 (1623), in Die sieben Worte Jesu Christi am Kreuz, SWV 478 (1645) und in den drei großen Werken: Lukas-Passion, Matthäus-Passion, SWV 479 (1666) und Johannes-Passion behandelt. Schütz bevorzugt biblische Quellen für seine deutschen oder lateinischen Texte, die er in Form von Motetten in seine Geistliche Chormusik, oder in Form von kleinen Konzerten in seine Kleinen Geistliche Konzerte behandelt und es sind die reinsten freudenvollsten Gesänge in dieser Gattung trotz begrenzter Mittel wegen des unheilvollen Krieges. Seine lutherischen Bindungen werden auch in seine Musikalischen Exequien bestätigt. Sein Werk erscheint als Synthese zwischen dem 16. und 17. Jahrhundert und Schütz qualifiziert sich unbestreitbar als inspirierter Kantor oder als Aristokrat des Geistes.

Schütz war eine sehr liebenswerte Persönlichkeit und nimmt eine herausragende Stellung in der Geschichte der deutschen und europäischen Musik ein. Sein Leben war sehr aktiv: Er reiste viel (Italien, Deutschland und Dänemark). Er kannte die Wechselfälle des Dreissigjährigen Krieges! Er war gleichzeitig Chorleiter, Pädagoge, musikalischer Berater, Komponist und er komponierte über italienische, deutsche und lateinische Texte. Außerdem begann er sich für protestantische (lutherische) Hymnologie zu interessieren. Er repräsentiert ein Bindemitglied zwischen deutschen Musikern, Komponisten der Reformation, des Humanismus und des Barock dar.

Les Arts Florissants / Paul Agnew, rechts, und die Sänger*innen von Les Arts Florissante © Matthieu Joffres
Les Arts Florissants / Paul Agnew, rechts, und die Sänger*innen von Les Arts Florissante © Matthieu Joffres

Ride la primavera…

1609 gewährte Fürst Moritz von Hessen-Kassel (1572-1632) seinem Schützling ein Stipendium, damit er seine Fähigkeiten in Venedig mit dem großen Giovanni Gabrieli (1557-1612) vervollkommnen konnte. Schütz wird schnell zum Lieblingsschüler des ersten Organisten der Basilica San Marco. Während vereinbart wurde, dass er Kassel zwei Jahre fernbleibt, verlängerte jedoch der Stipendiat die Frist für seine Rückkehr und der Aufenthalt in der Stadt der Dogen dauerte  insgesamt vier Jahre. Das unmittelbarste und greifbarste Ergebnis der erhaltenen Lehre ist die Veröffentlichung der Primo libro de madrigali di Henrico Sagittario Allemano. Sie kamen 1611 aus der Druckerei des venezianischen Verlegers Angelo Gardano (1540-1611).

Diese erste Veröffentlichung krönte den jungen sechsundzwanzigjährigen Schütz und versammelt 19 Madrigale, die Fürst Moritz von Hessen-Kassel gewidmet sind und vom Komponisten als: „Principe e Signore mio clementissimo“ gezeichnet werden. Diese Stücke eröffnen für Schütz eine wichtige Perspektive an, dass er von nun an nur noch als Komponist tätig sein kann. Wenn wir jedoch die Gattung des Madrigals betrachten, sehen wir dass sie eher der Ankunftspunkt sind. Vergessen wir nicht, dass das 5. Madrigalen-buch (1605) von Claudio Monteverdi (1567-1643) bereits den Generalbass enthielt und er uns 1614 seine erste Sammlung konzertanter Madrigale liefern wird, die bereits als dramatisch bezeichnet werden können. Auch dieser a capella Stil dieses Primo libro verbindet die darin enthaltenen Seiten mit der Gattung des 16. Jahrhunderts, die von Luca Marenzio (1563-1599) und Carlo Gesualdo (1566-1613) auf höchstem Niveau getragen wurden.

Sechs Gedichte stammen aus Il pastor fido (1590) von Giovanni Battista Guarini (1538-1612). Sie erfreuen sich am Lamentation-Stil. Traurigkeit, Verzweiflung und Todessehnsucht zurückgewiesener Liebender bewohnen diese Gesänge. Zehn weitere sind von Cavalier Giambattista Marino (1569-1625). Ihre Frische und Lebhaftigkeit kontrastieren mit der Bitterkeit von Guarini. Die anderen Texte sind anonym! Die ersten achtzehn Gesänge erfordern fünf Stimmen und scheinen einen Zyklus zu bilden, dessen Thematik die Natur berührt, unter allen diesen Schönheiten sollten wir die Nr. 3 Selve beate (Gesegnete Wälder) besonders beachten. Dieses expressive Stück mit seinen musikalischen Wendungen erinnert an das 2. Madrigalen-Buch von Monteverdi. Die Nr. 7, Ride la primavera (Der Frühling lächelt uns zu), bewegt sich von einer heiteren und fröhlichen Atmosphäre, die durch die Schwalbe symbolisiert wird, zu einer dunklen finsteren Düsternis, wenn der Dichter sich von der Blume abgestoßen fühlt, die er für die schönste aller Blumen hält. Fiamma ch’allacia (O Flamme, die mich umarmt), die Nr. 10, ist sowohl ein französisches Lied als auch im Deklamationstil von Monteverdi. Die Nr. 12, Mi saluta costei (Sie begrüßt mich), bietet uns Reminiszenzen an den Stil von Marenzio. Andererseits ist die Nr. 13, Io moro, ecco ch’io moro (Ich sterbe, hier sterbe ich), mit ausdrucksvollen Dissonanzen und die melancholische Nr. 15, Dunque addio, cara selve (Lebt wohl, liebe Wälder), durch eine musikalischen Syntax bereichert, die der von Gesualdo vergleichbar ist.

Dieser Zyklus endet mit einem 19. Madrigal, Vasto mar, geschrieben für einen achtstimmigen Chor. Die Verse Stammen von Schütz. Es ist eine an Fürst Moritz von Hessen-Kassel gerichetet Widmung mit den Wörtern mare und Mauritio, spielt er geschickt, indem er sie gekonnt miteinander vertauscht und verdreht.

 Konzert am 29. Juni 2022 – Église Notre-Dame de l‘Assomption

Also verließ Schütz 1609 seine Heimat Deutschland in Richtung Venedig: „Bei meiner Ankunft in Venedig erkannte ich schnell die Bedeutung und die Schwierigkeiten des von mir unternommenen Kompositionsstudiums und den schlechten Start, den ich bisher genommen habe“.

Dieser Auszug eines Briefes nach Deutschland des jungen talentierten 24jährigen zukünftigen Komponisten zeigt ihn als einen uneitlen und stillen Charakter, denn als Lieblingsschüler von Gabrieli hatte er sich in Italien sehr schnell einen Namen in der Musikwelt errungen. 1611, zwei Jahre nach seiner Ankunft in Venedig, veröffentlichte er seinen ersten komponierten Zyklus Il primo libro de madrigali di Henrico Sagittario Allemano MDCXI. Schütz blieb in Venedig bis nach dem Tod seines Lehrers Gabrieli im Jahre 1612. Die Zuneigung und Bewunderung, die Gabrieli für seinen Schüler empfand, spiegelt sich in dem Geschenk wider, das er ihm „aus besonderer Zuneigung und in Erinnerung an Gott“ mit einem Ring überreichte. Schütz zeigt eine besondere Sensibilität für den Zeitgeist und wählt die Texte der modernsten und populärsten Dichter seiner Zeit aus. Seine Vertonung des berühmten Il pastor fido von Guarini offenbart ihn als einen mit starker Intelligenz und dramatischen Feingefühl ausgestatteten Komponisten, dessen Subtilität umso beeindruckender ist, als seine Muttersprache nicht Italienisch ist.

Angesichts der sehr offiziellen Feierlichkeiten zum 200. Geburtstag von César Franck (1822-1890) und dem 100. Geburtstag von Iannis Xenakis (1922-2001) muss man erkennen, dass der 350. Todestag von Schütz relativ unbemerkt diesseits des Rheins vorübergegangen ist! Doch der Sagittarius wird das ganze Jahr über mit Recht in Deutschland gefeiert und verdient es wohl auch in Frankreich ein wenig mehr wiederentdeckt zu werden. Und das nicht nur von Liebhabern barocker Musik. „Historisch gesehen ist Schütz grundlegend für das Verständnis aller deutschen Musik. Ohne ihn ist nicht an Bach zudenken und natürlich alle, die noch folgen werden“ so Paul Agnew. Der Dirigent und Sänger, der gerade mit Les Arts Florissants das 1. – und einzige – Buch: Primo libro de madrigali des Dresdner Komponisten und Organisten aufgenommen hat, ist einer der wenigen Barockmusiker in Frankreich, der Schütz besonders in dieser Saison sehr hervorhebt. Bis zu dem Punkt, ihm sogar zwei der drei Konzerte zu widmen, die in diesem Sommer anlässlich der RENCONTRES MUSICALES D’ÉVIAN, der Residenz des Barockensembles am Genfer See in der GRANGE AU LAC endeten. Denn er ist überzeugt: „Bei Schütz haben wir es mit einem der ganz seltenen Musikgenies zu tun. Einer von denen, die die Geschichte zu beeinflussen wussten, weil sie Pioniere waren und ihrer Zeit voraus. Dies drückt sich bei ihm in seinen ebenso subtilen wie avantgardistischen Verständnisses von Text und Musik.“

Les Arts Florissants / Edward Grint, Sänger von Les Arts Florissante © Matthieu Joffres
Les Arts Florissants / Edward Grint, Sänger von Les Arts Florissante © Matthieu Joffres

Diese anerkennenden Äußerungen von Agnew für Schütz fühlt und hört man zweifelslos auch in dieser tiefempfundenen Interpretation mit den Sängern von Les Arts Florissants. Es zeigt uns die gesamte Bandbreite sensibler unterschwelliger Gefühle und Seelenkämpfe von verliebten Paaren und das im Liebeskrieg mit viel Hass, Eifersucht und brutalen Worten oder auch mit Tränen bei Abwesenheit, Untreue und Verlassenheit eines Liebhabers. Die Sänger zeigen dies mit viel dramatischen Effekten in Stimme und Gestik: Jedes der 19 musikalischen Stücke ist ein schillerndes Juwel, manchmal hell strahlend… manchmal dunkel funkelnd… Nach dem Konzert außerhalb der Kirche überkam uns einfach der Gedanke: Es hat sich schon gelohnt zu leben, um nur einmal diese atemberaubende Musik gehört zu haben oder : Jetzt kann ich die Welt mit Wohlgefallen verlassen… Und das war keine religiöse Schnapsidee, sondern einfach nur mystisches Sinnen über das Dasein des Lebens. Es ist wohl einer der wenigen profanen Werke von Sagittario, denn kurz nach seiner Rückkehr aus Venedig fing der grausame Dreissigjährige Krieg an. Als sensibler mitfühlender Künstler haben seine Werke seit Kriegsbeginn nur noch musikalisch versteckte Anklagen in Form von biblischer Sprachgewalt gegen eine fanatische katholische Liga erhoben.

Außer der welkenden Zuversicht, in einer noch anstehenden Zukunft könnten die Menschen sich vor ihrer eigenen Natur retten, ginge mit der Verabschiedung der Selbsterlösungsvorstellungen wenig verloren. Begriffen wir die aufeinanderfolgenden Zeiten weniger als Fortentwicklung, denn als Umgestaltung eines sich gleich bleibenden Raumes, so könnten wir, wie bei einem Palimpsest, die jüngsten Ereignisse als die Oberfläche eines vielfach übermalten Gemäldes ansehen. Fleckenweise und dennoch in ihren Konturen erkennbar sähen wir dabei alte Schraffuren durchschimmern, an denen wir entdecken müssten, dass die auf den älteren Schichten sichtbar werdenden Bilder bei aller Unterschiedlichkeit ihrer Formensprache den heutigen mehr, als es wünschenswert erscheint, ähneln.

Jene Verwüstungsszenen, die sich gegenwärtig nicht nur in der Ukraine abspielen, weisen auf die Welt von Schütz zurück. Als Sohn eines sächsischen Gastwirts, in dessen Herberge auch die Kriegsgegner König Gustav Adolf II. von Schweden (1594-1632) und Fürst Albrecht von Wallenstein  (1583-1634) eingekehrt sein sollen, begegnete er von früh an Postreitern, durchziehende Soldaten, Handelstreibenden, fürstliche Herrschaften, ihren Dienern, Knechten und Kurieren, kurz: Einem bunten Volk, das die Gaststube in ein Geschichtenhaus verwandelt hat, durch dessen Gebälk galante und grobe Reden, Geschrei und Gelächter wehten. Als Kind wird er von den Türkenkriegen, von der unweit grassierenden Pest, von Plünderungen und Brandschatzungen gehört haben, und vermutlich hat er, wie es damals üblich war, im Gasthof stattfindende Gerichtsverhandlungen miterleben können.

Viele Jahre später als berühmter und vielbereister, sprachgewandter Komponist zwischen Kopenhagen und Venedig, war er der weltlichen Musik keineswegs abgeneigt. Doch kürte er Martin Luthers (1483-1546) Psalmenübertragung zu seinem verbindlichen, vornehmsten Libretto. Damit zeigt er, dass sein Schaffen nicht dem Ideal einer mit sinnlichen Reizen aufwartenden Tonkunst gehorchen will. Während Monteverdis Gesänge von jenen häufig unsichtbaren, nur zwischen Einzelnen stattfindenden Liebeskriegen handeln, die im Begehren, in der Eifersucht und in der Angst vor Einsamkeit gründen, lebt Schütz, viele Tagreisen vom Licht des Mittelmeers entfernt, nördlich von Böhmen, in einer Welt in der im Namen übersinnlicher Wahrheiten über Jahrzehnte hinweg martialische Schlachten geschlagen werden. Als kurfürstlicher Kapellmeister muss er am Dresdner Hof erleben, wie sein Orchester im Laufe der Jahre zunehmend ausgedünnt wird und ihm immer weniger Mittel zur Verfügung stehen, so dass er seinen Musikern gelegentlich aus der eigenen Tasche Vorschüsse bezahlt, um sie noch eine Weile in dieser Elendsgegend halten zu können. Zum Dank bekommt er dafür den Vorwurf zu hören, zu viele italienische, das heißt: katholische Musiker an seinem papstfeindlichen von Wittenberg nicht weit entfernten Wirkungsort angestellt zu haben.

Obwohl Schütz sich mit seiner Musik dem lutherischen Verkündigungsgedanken verpflichtet fühlt, jedermann auf verständliche Weise die biblische Botschaft nahezubringen, zählt er in keiner Weise zu jenen konfessionellen Kämpfern, die diesen Krieg als gottesgerichtliches Säuberungswerk begreifen.

Anmerkung: Siehe auch den IOCO-Bericht zum 1. Konzert zu Werken von Heinrich Schütz am 28. Juni 2022 – link HIER! (PMP/06.07.2022)

—| IOCO Kritik Évian-les-Bains |—


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