Zürich, Opernhaus Zürich, Online-Spielplan – Januar 2021

Januar 7, 2021 by  
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Opernhaus Zürich

Opernhaus Zürich © Dominic Büttner

Opernhaus Zürich © Dominic Büttner

Un ballo in maschera –  Pique Dame – und mehr

Weniges war geplant und doch können auch im Januar 2021weiterhin keine Live-Erlebnisse stattfinden. Da Sie, liebe Zuschauerinnen und Zuschauer, weiterhin Kultur nur Zuhause erleben können, erweitern wir unseren Online-Spielplan mit den unterschiedlichsten Formaten. Ab dem 9. Januar erleben Sie die finale Folge unserer Konzertreihe Curtain Call mit Thomas Hampson und dem Internationalen Opernstudio. An den folgenden Wochenenden dürfen Sie sich ausserdem auf zwei Online-Erstausstrahlungen freuen: Erleben Sie Verdis Un ballo in maschera und Tschaikowskis Pique Dame kostenlos im Stream auf unserer Website. Alle Termine und weitere Informationen finden Sie unter www.opernhaus.ch/digital.

Un ballo in maschera – Giuseppe Verdi – am Opernhaus Zürich
youtube Trailer Opernhaus Zürich
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Curtain Call mit  Thomas Hampson

Ab Samstag, 9. Januar erfolgt die Ausstrahlung eines Konzertes mit Thomas Hampson und den Nachwuchssänger*innen des Internationalen Opernstudios sowie einer Dokumentation aus einem gemeinsamen Workshop. Mit Szenen und Arien aus Mozarts Così fan tutte und ausgewählten Liedern von Haydn, Mozart, Beethoven und Schubert, wurde das Konzert unter dem Titel Curtain Call anlässlich des 60. Jubiläums des Opernstudios im Dezember auf der Opernhausbühne aufgezeichnet. In einer kurzen Dokumentation können Sie ausserdem hinter die Kulissen des Workshops mit Thomas Hampson blicken: Als einer der wichtigsten Liedinterpreten seiner Generation arbeitet der amerikanische Bariton mit den jungen Künstlerinnen und Künstlern an Ausdruck und Präsenz und ist zudem selbst als Don Alfonso, eine seiner Paraderollen, zu erleben.

Kostenlos streamen bis zum 17 Jan 2021

Alle Curtain Call-Konzerte kostenlos online

In der Konzertreihe Curtain Call sind ausserdem Diana Damrau, Anna Bonitatibus und Benjamin Bernheim gemeinsam mit den jungen Talenten des Internationalen Opernstudios zu erleben. Bis zum 17. Januar sind alle Curtain Call-Konzerte sowie die dazugehörigen Workshop-Dokumentationen über die Zusammenarbeit der etablierten Sänger*innen mit den angehenden Profis kostenlos auf unserer Website abrufbar.

Kostenlos streamen bis zum 17 Jan 2021

Un ballo in maschera Giuseppe Verdi

Der für seinen schwarzen Humor bekannte britische Regisseur David Pountney inszenierte Un ballo in maschera als tödliches Spiel im Spiel: Gustavo scheint die Weltpolitik mit einer gigantischen Theateraufführung verwechselt zu haben, wobei ihm zunehmend die Regie entgleitet. Unter der musikalischen Leitung des Generalmusikdirektors Fabio Luisi agieren hin und hergerissen zwischen Leidenschaft und Drama: Otar Jorjikia als schwedischer Monarch Gustavo III, George Petean als sein Rivale Renato, Sondra Radvanovsky als Gustavos heimliche Geliebte Amelia und Marie-Nicole Lemieux als Strippenzieherin Ulrica.

Die Vorstellung wurde im Rahmen von Oper für alle live auf dem Sechseläutenplatz gestreamt. Sie sehen diesen Livemitschnitt aus dem Jahre 2017.

Kostenlos streamen vom 16 bis 17 Jan 2021

 


Pique Dame Pjotr Tschaikowski

Der deutsche Offizier Hermann ist in der Peters­­burger Gesellschaft ein Aussenseiter: Er hat näm­lich kein Geld. Deshalb ist auch Lisa, in die er sich unsterblich verliebt hat, für ihn uner­reich­bar. Lisa ist die Enkelin einer steinreichen Gräfin und mit dem Fürsten Jeletzki verlobt. Zufällig erfährt Hermann, dass die Gräfin ein Geheimnis hütet: Sie weiss, mit welchen drei Kar­ten sich im Spiel ein Gewinn erzielen lässt, der Hermann ein neues Leben ermöglichen wür­de. Von nun an wird das Glücksspiel für Hermann zur Obsession, über der er nicht nur Lisa, sondern schliesslich auch sein Leben verliert.

Regisseur Robert Carsen erzählt die Geschichte ganz aus der Perspektive Hermanns, der das Geschehen kurz vor seinem Tod noch einmal durchlebt. Oksana Dyka als Lisa und Eduard Martynyuk als Hermann gaben ihr Zürcher Debüt. Doris Soffel übernahm die Partie der Gräfin. Die musikalische Leitung lag in den Händen von Stanislav Kochanovsky, der zuletzt auch Tschaikowskis Jewgeni Onegin in Zürich dirigierte.

Die Vorstellung wurde im Rahmen von Oper für alle live auf dem Sechseläutenplatz gestreamt. Sie sehen diesen Livemitschnitt aus dem Jahre 2016.
Kostenlos streamen vom 23 bis 24 Jan 2021
 

—| Pressemeldung Oper Zürich |—

Wien, Wiener Staatsoper, STREAMING-SPIELPLAN 17. – 24.11.2020, IOCO Aktuell

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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

 STREAMING-SPIELPLAN    17. – 24. NOVEMBER 2020

play.wiener-staatsoper.at

Die Wiener Staatsoper freut sich,  hiermit unseren weiteren Streaming-Spielplan ankündigen zu können. Entsprechend der Programmierung unseres regulären Spielplans haben wir dem Werk Richard Strauss‘ einen Schwerpunkt  gewidmet.

Ein historisches Highlight aus unserem Archiv ist eine Aufzeichnung des Rosenkavaliers unter der musikalischen Leitung von Carlos Kleiber aus dem Jahr 1994. Für all jene, die die Wiederaufnahme von Harry Kupfers legendärer Elektra-Inszenierung unter der Leitung von Franz Welser-Möst im vergangenen September versäumt haben, gibt es die Möglichkeit, dies nun online nachzuholen.

Zusätzlich zum Richard Strauss-Schwerpunkt zeigen wir die bildgewaltige Inszenierung von Les Troyens, auf vielfachen Wunsch Peter Konwitschnys französischen Don Carlos mit Jonas Kaufmann in der Titelrolle, sowie einen klassische Schwanensee, choreografiert von Rudolf Nurejew.

Die Streams sind in Österreich wie auch international kostenlos auf der Webseite play.wiener-staatsoper.at verfügbar. Beginn ist jeweils um 19.00 Uhr, die Übertragungen sind 24 Stunden lang abzurufen.

youtube TrailerWiener Staatsoper live at home | Image spot
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Das Programm bis einschließlich 24. November 2020:

Dienstag, 17. November 2020, 19.00 Uhr
Richard Strauss   –   ARABELLA (Vorstellung vom 17. März 2016)
Lyrische Komödie in drei Akten
Musikalische Leitung: Peter Schneider
Inszenierung: Sven-Eric Bechtolf
Mit u.a.: Camilla Nylund, Bo Skovhus, Chen Reiss, Herbert Lippert, Daniela Fally

Mittwoch, 18. November 2020, 19.00 Uhr
Richard Strauss   –   SALOME (Vorstellung vom 24. Jänner 2020)
Musikdrama in einem Akt
Musikalische Leitung: Michael Boder
Inszenierung: Boleslaw Barlog
Mit u.a.: Lise Lindstrom, Michael Volle, Waltraud Meier, Herwig Pecoraro

Donnerstag, 19. November 2020, 19.00 Uhr
Hector Berlioz   –   LES TROYENS (Vorstellung vom 4. November 2018)
Grand opéra in fünf Akten
Musikalische Leitung: Alain Altinoglu
Inszenierung: David McVicar
Mit u.a.: Joyce DiDonato, Brandon Jovanovich, Anna Caterina Antonacci, Adam Plachetka, Jongmin Park, Szilvia Vörös

Freitag, 20. November 2020, 19.00 Uhr
Richard Strauss   –   DER ROSENKAVALIER (Vorstellung von März 1994)
Komödie für Musik in drei Akten
Musikalische Leitung: Carlos Kleiber
Inszenierung: Otto Schenk
Mit u.a.: Felicity Lott, Anne Sofie von Otter, Kurt Moll, Barbara Bonney, Gottfried Hornik, Heinz Zednik

Samstag, 21. November 2020, 19.00 Uhr
Richard Strauss   –   ARIADNE AUF NAXOS (Vorstellung vom 29. November 2017)
Oper in einem Aufzug nebst einem Vorspiel
Musikalische Leitung: Peter Schneider
Inszenierung: Sven-Eric Bechtolf
Mit u.a.: Lise Davidsen, Stephen Gould, Markus Eiche, Rachel Frenkel, Erin Morley, Peter Matic

Sonntag, 22. November 2020, 19.00 Uhr
Giuseppe Verdi   –   DON CARLOS (Vorstellung vom 4. Oktober 2020)
Grand opéra in fünf Akten
Musikalische Leitung: Bertrand de Billy
Inszenierung: Peter Konwitschny
Mit u.a.: Malin Byström, Jonas Kaufmann, Eve-Maud Hubeaux, Igor Golovantenko, Michele Pertusi, Virginie Verrez

Montag, 23. November 2020, 19.00 Uhr
Richard Strauss   –   ELEKTRA (Vorstellung vom 11. September 2020)
Tragödie in einem Akt
Musikalische Leitung: Franz Welser-Möst
Inszenierung: Harry Kupfer
Mit u.a.: Ricarda Merbeth, Camilla Nylund, Doris Soffel, Derek Welton, Jörg Schneider

Dienstag, 24. November 2020, 19.00 Uhr
Piotr. I. Tschaikowski   –   Schwanensee (Vorstellung vom 16. März 2014)
Choreographie: Rudolf Nurejew
Musikalische Leitung: Alexander Ingram
Mit u.a.: Olga Esina, Vladimir Shishov, Eno Peci

Über den weitere Online-Spielplan informieren wir Sie Anfang nächster Woche, nähere Informationen dazu auch laufend auf wiener-staatsoper.at.

 

—| Pressemeldung Wiener Staatsoper |—

Berlin, Staatsoper Unter den Linden, Galaabende – VIVA VERDI!, 9. und 11.10.2020

Staatsoper unter den Linden

Staatsoper Unter den Linden - Im Traum © Max Lautenschläger

Staatsoper Unter den Linden – Im Traum © Max Lautenschläger

  VIVA VERDI!  – Galaabende

 Staatskapelle Berlin – Leitung von Simone Young

Am 4., 9. und 11. Oktober finden in der Staatsoper Unter den Linden drei Galaabende unter dem Titel VIVA VERDI! statt. Es spielt die Staatskapelle Berlin unter der musikalischen Leitung von Simone Young. Als Solistinnen und Solisten sind Liudmyla Monastyrska, Violeta Urmana, Marcelo Álvarez, Alexey Markov, Adrian Sâmpetrean, Sergey Skorokhodov, Vladislav Sulimsky, Alexander Tsymbalyuk und Kwangchul Youn zu erleben. Auf dem Programm stehen die Ouvertüre zu LA FORZA DEL DESTINO sowie Arien, Duette und Ensembles aus MACBETH, DON CARLO, SIMON BOCCANEGRA und IL TROVATORE.

Simone Young © IOCO

Simone Young © IOCO

Simone Young gehört seit vielen Jahren zu den bedeutendsten Dirigenten der Gegenwart. Sie studierte in ihrer Heimatstadt Sydney, kam durch ein Stipendium an die Kölner Oper, wo sie bald auch als Kapellmeister auftrat und wurde dann von Daniel Barenboim an die Staatsoper Unter den Linden Berlin geholt. Gleichzeitig entwickelte sich ihre internationale Karriere, die sie innerhalb weniger Jahre an alle bedeutenden Opernhäuser und zu den wichtigsten Orchestern der Welt führte, bei denen sie nach wie vor regelmäßiger Gast ist. Dazu zählen u. a. die Wiener Staatsoper, die Staatsoper Unter den Linden, die Bayerische Staatsoper, die Opéra national de Paris, die Dresdner Semperoper, das Opernhaus Zürich, das Royal Opera House Covent Garden London, die Metropolitan Opera New York, die Wiener Philharmoniker, Berliner Philharmoniker, Münchner Philharmoniker, das London Philharmonic Orchestra und das New York Philharmonic Orchestra. Seit 2017/18 ist Simone Young Erste Gastdirigentin des Orchestre de Chambre de Lausanne. Von 2001 bis 2003 war sie Künstlerische Leiterin der Australian Opera und führte die Opernhäuser in Sydney und Melbourne. Von 1998 bis 2002 war sie Chefdirigentin des Bergen Philharmonic Orchestra und von 2007 bis 2012 Erste Gastdirigentin des Gulbenkian Orchestra Lissabon. Von August 2005 bis Ende der Saison 2014/2015 war Simone Young Intendantin der Staatsoper Hamburg und Generalmusikdirektorin der Philharmoniker Hamburg. Von Simone Young liegen zahlreiche CD- und DVD-Einspielungen vor.

—| Pressemeldung Staatsoper unter den Linden |—

Paris, Montmartre, Marie Duplessis – von Fantasien geformt, eine Zueignung, 19.09.2020

September 19, 2020 by  
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 Alphonsine Marie Plessis auf Montmartre, Paris © IOCO

Alphonsine Marie Plessis auf Montmartre, Paris © IOCO

Marie Duplessis – eine Sternschnuppe, von Fantasien geformt

– EIN BESUCH BEI MARIE … BEI ALPHONSINE… –

eine Zueignung – von Peter M. Peters

Fürchten Sie sich nicht!  Sie sind nicht die erste Person, die nach Marie Duplessis fragt; : der Wächter des Pariser Friedhofs von Montmartre wird Ihnen mit blasierter Miene die Allee auf der linken Seite zeigen, dann den linken Weg aufwärts; um zum Grabmal der berühmten Kameliendame zu kommen. Nein, nicht das der Marguerite Gauthier, Romanheldin von Alexander Dumas fils (1824-1885), dessen Grabmal nur in der Erinnerung der Menschen besteht. Auch nicht das der Violetta Valéry, die Giuseppe Verdi (1813-1901) unter allen Himmeln singen ließ, lebendige Marionette, voll von Hoffnung, Ruhm und Niederlage aller großen Operndiven, nein, das Grabmal der wirklichen „Dame“, Inspiration von Dumas, von Verdi. Es ist auf keinen Fall Marguerite, noch Violetta: lesen Sie die gravierten Buchstaben im Stein – Alphonsine, ja, Alphonsine Plessis. Sie änderte später ihren ungeliebten Vornamen in Marie: Der Name der Jungfrau? Nein! Einfach nur der Name ihrer Mutter.

Haben Sie niemals diese sentimentale Pilgerreise unternommen?  Oder waren Sie einfach nur neugierig auf diesen friedlichen und fast poetischen Friedhof, nur einen Steinwurf von den würzigen Gerüchen und den überlauten Gerüchten des Place Clichy entfernt. Wir gehen, wir träumen, die Vergangenheit schnürt uns fast die Kehle zu, hier Alfred Victor de Vigny (1797-1863), Hector Berlioz (1803-1869), Sacha Guitry (1885-1957) „ein verspäteter Liebhaber der schönen Alphonsine“ und zur rechten Seite, feierlich und reich, das Grabmal von Alexandre Dumas fils. Nur etwa hundert Meter von diesem pompösen Grabmal entfernt, befindet sich das fast anonyme Grab unserer Alphonsine. Wir sehen: „Hier ruht Alphonsine Plessis geboren am 15. Januar 1824 und am 5. Februar 1847 gestorben – De Profundis“. Einige bescheidene, aber frische Blumen schmücken das Grab. Darunter auch Kamelien aus Plastik, die die Zeit stark verschmutzt hat, denn echte frische sind wohl zu kostspielig. Aber mitunter findet man auch einige…

Marie Duplessis - hier : ein Gemälde von Camille Joseph Etienne Roqueplan © Wikipedia / Ted Wilkes

Marie Duplessis – hier : ein Gemälde von Camille Joseph Etienne Roqueplan © Wikipedia / Ted Wilkes

Wer war nur diese Marie-Alphonsine Plessis, verstorben an einer Pneumonie im Alter von nur dreiundzwanzig Jahren und hat doch in sehr beschränkter Zeit eine Epoche mit ihrer Aura, mit ihrer Schönheit, mit ihrem Luxus, mit ihren Liebhabern… und nicht zuletzt mit ihren Kamelien die Gesellschaft geblendet? Wer war nur diese strahlende Sternschnuppe, die in einer romantischen Konstellation ihr Licht so schnell verlöschen ließ? Eine dieser Göttinnen, die «le Tout-Paris» – d.h. vielleicht zweitausend Personen – zu jeder Epoche im Flüsterton erfunden haben. Eine Frau, die durch die Fantasien der Männer geformt wurde, die Sie liebten, lobten, verachteten, veränderten… eine jener Kreaturen deren Ruhm eher auf dem beruht, was Sie sind als auf dem, was Sie tun und deren Erinnerungen nur aus der Vorstellungskraft der Menschen beruhen.

Théophile Gautier, Franz Liszt, Alexandre Dumas …

In dieser Truppe von Künstlern in roten oder grauen Westen, die aufgeregten LIONS, oder die weniger lauten Großbürger, durch die Sie, Marie, Ihren großen Ruhm erlangt haben. Mit ihren Zeugnissen haben sie das Gedenken an Sie, Marie, verlängert und in die Weltgeschichte eingetragen. Gabriel-Jules Janin (1804-1874) und Théophile Gautier (1811-1872) waren Ihre Fans und hörten nie auf Ihre Schönheit zu preisen. Janin erinnert sich an Ihr Gesicht: „…eine der schönsten Pariser Kreationen, eine dieser hellen matten Hauttöne voller Sonne und Schatten… der kühne und anständige Gang einer Dame von Welt… ihre aufrechte Haltung reagierte auf ihre Sprache, ihre Gedanken auf ihr Lächeln“. Gautier erzählt von Ihrer qualvollen Agonie und der Einsamkeit des Todes. Ihre Freunde haben Sie verlassen und an Ihren Türen warten nur noch die vielen Gläubiger.

Der größte „Schwätzer“, der über Ihr kurzes Leben berichtete, war wohl Frédérik Romain Vienne (?-?). Zu mindestens behauptete er ein Jugendfreund von Ihnen zu sein. Sie hätten ihm hier und da einige Vertraulichkeiten verraten, aus denen er seine „Wahrheiten“ zog und um den guten Ruf einiger Zeitgenossen zu schützen, verwirrte er Spuren und Namen. Aber es ist wahr, dass er sich um Ihren Nachlass gekümmert hat, auch wenn bei einem Brand der Großteil Ihrer Korrespondenz verloren ging. Er erzählt uns Ihre Witze und Grillen: „…Lügen machen weiße Zähne“  und: „…alles Schöne gefällt mir und alles was mir gefällt möchte ich haben“, „…wir wissen, das ich mit geschlossenen Augen alles verschwende was ich habe, sogar mein Leben und sogar alles was ich nicht habe, das heißt die Zukunft“. Bosheit, Geist, Stolz. Aber Sie konnten mitunter auch sehr bitter oder hart mit sich und Ihrem Schicksal sein. Ihr Gewissen wagte mitunter zu behaupten: „…das die Störungen meines Lebens alleine nur mir zuzuschreiben sind?“ Aber dann wieder: „ …:wenn die Gesellschaft mich verurteilt, beschuldige ich sie – und ich habe das Recht dazu – meine Unwissenheit nicht genug geschützt zu haben“ .Sie sind mir hoffentlich nicht böse, Marie, weil ich die schmeichelhaften Erzählungen erwähnen werde, mit denen Franz Liszt (1811-1886), Ihre letzte große Liebe, sie so reich belohnt hat. Der große alternde Musiker hat in zärtlicher Weise die Erinnerung an Sie geweckt: „Sie war in der Tat die absoluteste Verkörperung der Frau, die jemals existiert hat … sie hatte viel Herz und einen völlig idealen Geist“.

Alexandre Dumas auf Montmartre, Paris © IOCO

Alexandre Dumas Fils auf Montmartre, Paris © IOCO

Dann gibt es und vor allem, Dumas fils, der schrieb, schrieb noch einmal. Dumas fils, der Sie liebte, Marie! Machte eine „Jugendsünde“ zum Best-Seller d.h. zum meist verkauften Roman seiner Zeit. Es folgte auch ein Theaterstück, das Millionen von Tränen vergießen ließ. Sie wollten ihn als Freund erhalten, er jedoch wollte Ihr Liebhaber bleiben. So wird er das Ende Eurer großen Liebe mit einem berührenden aber akademischen Abschiedsbrief besiegeln. Er „verkaufte“ seine Leidenschaft und heiligte Sie gleichzeitig, Marie, indem er Sie formte nach seinen Wünschen. Aber welche Form! Mit seiner Kameliendame schuf er ein prachtvolles Mausoleum für die Ewigkeit für Sie, Marie! Für seinen eigenen Ruhm… und für den Ihren, Marie! Er sagte zu Ihnen: „…schön, einen Atheisten glauben zu machen“ und hielt Sie für: „eine der letzten Kurtisanen mit Herz“. Er hat seine Marguerite Gauthier nach Ihrem Bildnis geformt, aber Sie, Marie! Wer waren Sie wirklich? Wer waren Sie, Alphonsine?

Eine Kindheit

Sie wurden also am 15. Januar 1824 um acht Uhr abends in Nonant (Orne) geboren. Ihr Vater, Marin Plessis (?-?), war ein Hausierhändler und Säufer, sehr brutal. Er hatte Ihre Mutter, die hübsche Marie Plessis-Deshayes (?-?), verführt oder „verhext“ . Stimmt es, dass er den Spitznamen „Marin der Hexer“ trug und versuchte sein Haus mit Ihrer Mutter – die er übrigens jeden Tag gleich einem Hafersack schlug – im Innern niederbrennen wollte? Aber wir wissen, dass er in einer Scheune reduziert auf den Zustand eines Vagabunden an einer Krise des «Delirium Tremens» verstorben ist. Ihre Mutter im Gegenteil war von lieblicher Sanftmut und von großer Schönheit mit einer natürlichen Eleganz, ererbt von einer alten normannischen Familie. Mehr und mehr stellte sich heraus, dass das Leben mit Ihrem niederträchtigen Papa unmöglich war. So beschloss sie die Normandie zu verlassen und sich in Genf anzusiedeln, dort aber verstarb sie kurze Zeit danach. Ihre Schwester Delphine und Alphonsine wurden einer Ihrer Tanten anvertraut, die jedoch nicht lange zögerte, Euch an den Vater zurück zuschieben. Marin Plessis war kein Mann, der ein kleines Mädchen verwöhnte. Im Gegenteil: er verkaufte sie stündlich an die alten lüsternen und geilen Wüstlinge. So wurde das ihre erste Ausbildung in dem ältesten Gewerbe der Menschheit! Sie waren erst elf Jahre, aber sie waren frühreif und lernten schnell, Alphonsine!

Sie sind gerade drei Jahre älter, als Ihr „lieber Papa“ beschließt, Sie einer Zigeunertruppe anzuvertrauen, die Sie nach Paris führen wird. Andere Augenzeugen behaupten, dass er Sie selbst in die Hauptstadt begleitete und Sie entfernten Verwandten anvertraute, die ein kleines Obst- und Gemüsegeschäft in der Rue des Deux-Écus betrieben. Wie es auch immer sei, jedenfalls Sie sind in Paris! Noch ein wenig wild, scheu, aber schon recht verdorben, jedoch hatten sie ein niedliches Gesichtchen und ein gewisse Erfahrung in der käuflichen Liebe. Vielleicht sagten Sie sich wie einer Ihrer Zeitgenossen: «À Nous deux, Paris!» Aber in acht Jahren werden Sie schon sterben, aber das wissen Sie noch nicht. Alles wird sehr schnell gehen, sehr schnell und eines Tages werden sie sagen: „Ich tanze nicht zu schnell, es sind die Geigen, die zu spät spielen!“

Sie haben bereits Hunger nach allem, was Leben ist. Sie arbeiten? Ja, ein wenig! Ein Korsettmacher in der Rue de l’Échiquier und ein Hutmacher in der Rue Saint-Honoré stellen Sie ein. Sie führen ein lustiges Leben und mit Ihren Freunden und Begleitern und stürzen sich von einem populären Ball zum andern, lassen keine Taverne aus. Sie runden sich im Bett eines Passanten Ihren Notgroschen auf. Es ist nicht jeden Tag alles rosig, Elend, Ekel, Angst vor einer Geschlechtskrankheit, die in Ihrer Zeit grausam und unerbittlich zuschlägt. Aber noch sind Sie jung und Sie sagen sich: „Leben ist gewinnen!“.

Théophile Gautier Grabmal in Montmartre © IOCO

Théophile Gautier Grabmal in Montmartre © IOCO

Agénor de Gramont, Prince de Guiche – Graf Edouard de Perrégaux

Sie schworen sich selbst, das dieses miserable Leben nicht so weiter gehen kann. Mit einem Mittfünfziger, einem Restaurator der Galerie Montpensier fing Ihr gesellschaftlicher Aufstieg an. Dieser nette Herr installierte Sie in Ihre erste eigene Wohnung in der Rue de l’Arcade. Ab jetzt ging es schnell aufwärts, Alphonsine! Denn eines Abends am Ende des Prado-Balles wartet die Vorsehung auf Sie: Agénor de Gramont, Prince de Guiche (1819-1880), einer der schönsten Dandies der Zeit – er ist ganze fünf Jahre älter als Sie – bietet Ihnen seinen Arm an. Ein großer Name, ein großes Vermögen zum „knabbern“. Er ist intelligent, ohne Vorurteile, er liebt Sie, Sie lieben ihn. Auf Wiedersehen Rue de l’Arcade und der Restaurator! Sie sind gerade sechzehn Jahre alt und Guiche wird Ihr Pygmalion. Eine Wohnung in der Rue du Mont Thabor 28, eine Kalesche, ein Tanzmeister, ein Lehrer für gute Manieren, die schönsten Kleider. Sie lernen mit viel Talent sehr schnell: lesen, schreiben, klavierspielen. Sie sind immer auf dem Stand der neuesten Skandale der Pariser Gesellschaft. Ja, Alphonsine! Sie haben es geschafft! Guiche präsentiert Sie seinen Freunden aus dem JOCKEY CLUB… Sie werden Ihre Freunde. Man kämpft regelrecht um Sie und führt Sie zum Ball oder ins Theater. Verwöhnt Sie mit Schmuck, kostbaren Möbeln, reichen Roben und Kamelien…. ja, diese seltene Blume ohne Duft wird Ihr „Emblem“. Ein Symbol für Luxus, Schönheit und Schwelgerei.

Jetzt ändern Sie Ihren Namen und aus Alphonsine Plessis wird Marie Duplessis. Sie sind achtzehn Jahre und verlassen die Rue du Mont Thabor in Richtung Rue d’Antin, 22. In diesem Jahr lernen Sie Graf Edouard de Perrégaux (1815-1898) kennen. Ein weiterer LION aus dem JOCKEY CLUB. Sie werden ihn eine Weile lieben, er ruiniert sich für Sie. Zusammen unternehmen Sie lange Reisen als ein verliebtes Paar, darunter eine romantische Fahrt durch Deutschland. Hat er Ihnen wirklich ein Haus in Bougival angeboten? Hatten Sie, Marie, wirklich ein Kind von ihm? Der „Schwätzer“ Frédérik Romain Vienne behauptet es, aber nur wenige glaubten es!

Ihr sozialer Aufstieg ist noch nicht vorbei, Marie! Ein edler Fremder wird sie weiter zum Erfolgsgipfel führen. Der Graf Gustav Ernst von Stackelberg (1766-1850) – der mit Titeln und Löhnung vom russischen Zarenhof reich belohnt war – bietet ihnen seine achtzig Jahre und seine unerschöpflichen Renten an. Er installiert Alphonsine am Boulevard de la Madeleine, 11 und bietet Ihnen ein großes reiches Leben an. Sie werden eine der Königinnen von Paris, von denen, die Mode machen und „sie sind erst zwanzig Jahre alt, Marie!“ Sie reiten, gehen jeden Tag ins Theater, speisen in der Maison Dorée und verschwenden lässig Unsummen beim Spielen im Kasino. Sie verdoppeln Ihre Launen, Ihre Anmut, Ihre Eleganz. Ein besonderer Luxus, Sie machen Wohltätigkeit, denn Ihre eigene elende Kindheit macht Sie mitfühlend. Ihr Salon ist immer voll, weil Sie in der Tat nie wirklich Ihre Liebhaber verlassen haben, man geht ein und aus, um sich bei einem Stelldichein den neuesten Klatsch anzuhören. Das hat der kleine Dumas nie verstanden: er wollte Sie ganz alleine nur für sich, der Unschuldige! Sie sind ihm auf dem Höhepunkt Ihrer Herrlichkeit begegnet, er ist zwanzig Jahre wie Sie selbst und trägt einen großen Namen. Er wird nur eine kurze Episode in Ihrem Dasein sein. Dumas fabelhafter Vater, hätte sie mehr amüsiert, aber Ihre Beziehungen zum Autor der Trois Mousquetaires wird sich nur auf ein verstohlenes Treffen in einer Theaterloge beschränken. Es ist wahr, dass Sie mit Ihm einen Kuss austauschten, der sinnlicher als keusch war aber jedoch ohne folgenden Tag.

Krankheit

Aber jede Medaille hat ihre Kehrseite. Es wird gesagt, das dieses einsame Leben einer ausgehaltenen Frau – einer Kurtisane – Sie schwer belastet. Dazu hängt auch schon längere Zeit ein dunkler unheilverheissender Schatten über Ihr Dasein, das nur aus modischer Langweile und Vergnügen besteht: Sie sind krank, Marie! Und sie wissen es! Ist das der Grund, dass Sie sich in diesen schwindelerregenden Vergnügungswirbel stürzen um einen kurzen Moment zu vergessen? Seit langem schon kennen Sie diesen trockenen Husten und diesen fiebrigen Zustand. Ist es dieses Fieber, Marie? Das Sie so viel Champagner trinken müssen und das dann dadurch Ihr überlautes und schrilles Lachen verursacht wird? Wobei Sie fast ersticken und viel Blut spucken müssen.

Dann zeigen Sie sich von Ihrer melancholischen Seite, was zu Ihrem Charme beiträgt. Alles schärft sich bei Ihnen zu klaren Kontrasten: Ihre Schönheit und Ihre Morbidität, Ihre Fröhlichkeit und die schon geahnte Verdamnis…, das Verlöschen Ihres Lebens. Ihr „Gewerbe“ wird durch Ihr natürliches Feingefühl korrigiert, indem schmerzliche Niederwerfungen durch schwärmerische Erhöhungen Ihre Seelenqualen lindern. Alles an Ihnen wirkt übertrieben und exzentrisch: die Faszination die Sie ausüben, Ihre extreme Magerkeit, Ihr andauerndes Fieber, Ihre unnötigen Ausgaben, Ihre atemlose Stille, Ihr ständiges Geheimnis. Das Leben verlässt Sie langsam wie die verrinnenden Blutstreifen im gefleckten Wasser Ihrer Silberschalen. Die vielen Kuren, die Heilmittel der Epoche: Quinine oder isländisches Moos erbringen keinerlei Linderung noch etwa Heilung. Ihre letzten zwei Launen, oder auch besser gesagt zwei letzte Freuden im Leben haben Sie erreicht. Ein Jahr vor Ihrem Tode bietet Prince Édouard de Perrégaux Ihnen seinen großen Namen an. Ihre seltsame Hochzeit wird in England registriert, wird aber nach französischem Recht niemals anerkannt. Drei Tage nach der Zeremonie fahren Sie getrennt jeder für sich alleine zurück nach Frankreich. Von da an „erblühen“ die Kronen der Gräfin auf Ihrer Bettwäsche, Ihrem Silberbesteck und Ihrem Schreibpapier. Sie werden Perrégaux niemals wiedersehen, aber er wird Ihnen ein allerletztes Geschenk überreichen. Ja, Marie! Hier auf dem Friedhof der Künstler und Großbürger am Montmartre wird er Ihnen ein Grabmal für die Ewigkeit seiner großen Liebe bauen lassen.

Trotz Ihrer hohlen Wangen und Ihrer tiefen dunklen Augenränder wird der große Musiker Franz Liszt Ihnen eine letzte ultimative prestigeträchtige Hommage darbieten, die Sie noch einmal von Liebe träumen lässt. Aber die Einsamkeit nimmt ihr Recht und umringt Sie wieder mit dunkler Nacht. Die Männer, die käufliche Liebe erwerben, möchten nicht mit einer Krankheit Ihr Bett teilen und so wird es unaufhaltsam stiller und stiller um Sie, Marie! Langeweile, Angst und Schulden verzehren Sie. Jeden Tag gehen Sie auf den Schlachthof, um frisches Blut zu trinken und schlafen auf einer Rosshaardecke, verschrieben von Ihrem Doktor. Aber all das hilft nichts mehr, Marie! Sie werden sterben!

Marie Duplessis auf Ihrer Grabstätte © IOCO

Marie Duplessis auf Ihrer Grabstätte © IOCO 

…. es ist schon alles vorbei

Im Januar 1847 möchten Sie dieser undankbaren Gesellschaft noch einmal eine letzte Vision des Idols bieten, zudem Sie geworden sind. War es einfach instinktiv oder war es reiner Hohn? Wir wissen es nicht! Sie lassen sich zum Théâtre du Palais-Royal fahren. Ihre Erscheinung! Ein Gletscherauftritt! Ihre durchsichtige Silhouette gleich einem Spektrum, verhüllt in weißen Satin und kostbaren Spitzen und geschmückt mit den letzten Juwelen, die noch nicht am Mont-de-Piété verpfändet wurden. Danach fahren Sie nach Hause zurück, um nie mehr die Öffentlichkeit zu betreten. Die vielen Gläubiger klingeln ohne Unterlass an Ihre Tür, ein letztes Blutgerinnsel erstickt Sie und der Tod umarmt Sie, als Ihr allerletzter Liebhaber, Marie! Während unter Ihrem Fenster im Boulevard de la Madeleine der Karneval im vollen Gange ist.

Ihr Tod wird für die kleine Pariser Gesellschaft ein sogenanntes „Ereignis“. Man kauft alles, man verkauft Ihren gesamten Nachlass. Ihre Wohnung ist überfüllt von sittlichen Damen der Gesellschaft… aber auch einige andere. Alles wird verkauft: Ihre unzähligen Kleider, Ihren Schmuck, Ihre kostbaren Möbel und sogar die trivialsten Gegenstände. Einige Fetischisten reißen sich um Ihre Petticoats and sonstige Unterwäsche, ja sogar Ihre Haarsträhnen werden gehandelt, so sagt man. Marie! Aber was bleibt Heute von Ihnen, Marie Duplessis? Nur die verzehrten Erinnerungen, die Sie mit der Romanfigur Marguerite Gauthier teilen müssen und die Sie in die gleichen Fußschritte der Geschichte lenkt. Sonst nichts! Zerstreut, zerstört, verloren, Ihre Relikte sprechen nicht. Ein Fächer hier, ein Rosenkranz, ein Schmuckstück dort, oder eine Miniatur sind selten unter dem Hammer eines Auktionär gefallen. Unbezahlbar dieses wunderschöne Porträt, gemalt von Edouard Vienot (1804-1884). Alles ist still, alles ist geheimnisvoll um Sie. Wir haben Stimmen, Gesichter, mehrere Inkarnationen ihres schönen Phantomes… ultimative Beschwörungen Ihres Geheimnisses.

Aber von Ihnen, Marie? Fast nichts! Wer waren Sie wirklich, Marie Duplessis?

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