Hagen, Theater Hagen, Spielplan April 2020

März 24, 2020 by  
Filed under Oper, Pressemeldung, Schauspiel, Theater Hagen

theaterhagen_seit1911_2

Theater Hagen

Theater Hagen bei Nacht © Stefan Kuehle

Theater Hagen bei Nacht © Stefan Kuehle


Spielplan April 2020


So 19        ZUM LETZTEN MAL
HOFFMANNS ERZÄHLUNGEN (LES CONTES D’HOFFMANN)
Phantastische Oper von Jacques Offenbach
(in französischer Sprache mit deutschen Übertexten)
15.00-17.40 Uhr ·  Großes Haus ·  14.30 Uhr Einführung
Abo N und Freiverkauf 15-36 €

PREMIERE TRANSFORMMATES
Ein digitales Metamorphosen Adventure Game von Anja Schöne frei nach Ovid ·  Ab 11 Jahren
15.00 Uhr ·  Lutz
Eintritt 12 / 6 €, Familienkarte 25 €


Mi 22        TRANSFORMMATES
Ein digitales Metamorphosen Adventure Game von Anja Schöne frei nach Ovid ·  Ab 11 Jahren
10.00 Uhr ·  Lutz
Schulvorstellung

ZAR UND ZIMMERMANN
Komische Oper von Albert Lortzing
(in deutscher Sprache mit Übertexten)
19.30-22.20 Uhr ·  Großes Haus
Abo B und Freiverkauf 15-36 €


Do 23        TRANSFORMMATES
Ein digitales Metamorphosen Adventure Game von Anja Schöne frei nach Ovid ·  Ab 11 Jahren
10.00 Uhr ·  Lutz
Schulvorstellung

Fr 24        PREMIERE
WENN DIE NACHT AM TIEFSTEN (… IST DER TAG AM NÄCHSTEN)
Deutsch-Rock-Punk-Pop-Theater-Party mit Musik von Ton Steine Scherben, Fehlfarben, Einstürzende Neubauten, BAP, Nena, Nina Hagen, Extrabreit, Rio Reiser, Ideal u.a.
19.30-22.00 Uhr·  Großes Haus
Abo C / P und Freiverkauf 19,50-48 €

TREFFEN DES THEATERFÖRDERVEREINS
Gast: Angela Davis, Sängerin am Theater Hagen
19.30 Uhr ·  Kolpinghaus
Eintritt frei


Sa 25        WERKSTATT-PROBE
Einführungsveranstaltung zu Schwanensee – Aufgetaucht
11.00 Uhr ·  Großes Haus
Eintritt frei

CASA AZUL Inspired by Frida Kahlo
Ballett von Marguerite Donlon, Musik von Claas Willeke u.a.
19.30-20.45 Uhr ·  Großes Haus ·  19.00 Uhr Einführung
Abo G / WE 2 und Freiverkauf 16,50-40 €

WOYZECK
Eine LiveMusikKlassikerShow nach dem Drama von Georg Büchner in einer Fassung von Anja Schöne ? Ab 14 Jahren
19.30-21.00 Uhr ·  Lutz
Eintritt 12 / 6 €, Familienkarte 25 €


So 26    8. KAMMERKONZERT
Brahms ? Eckert
Klarinette: Astrid den Daas; Violine: Katharina Eckert, Barbara Wanner; Viola: Ursina Staub; Violoncello: Thorid Brandt-Weigand
11.30 Uhr·  Auditorium im Kunstquartier Hagen
Eintritt 12 / 8 €

ORPHEUS UND EURYDIKE (ORFEO ED EURIDICE)
Oper von Christoph Willibald Gluck
(in italienischer Sprache mit deutschen Übertexten)
18.00-19.25 Uhr ·  Großes Haus ·  17.30 Uhr Einführung
Abo ThR und Freiverkauf 15-36 €


Di 28        8. SINFONIEKONZERT
J. S. Bach ? C. P. E. Bach ? Tschaikowsky ? Strawinsky
Leitung, Violine und Violoncello da spalla: Sergey Malov
19.30 Uhr· Stadthalle ? 18.45 Uhr Einführung ? 18.45 Sinfonikus
Konzertabo und Freiverkauf 15,50-31 €


Mi 29        DIE MEERJUNGFRAU IN DER BADEWANNE
Ein Erzähltheater von Tim Sandweg mit Musik nach dem Kinderroman von Koos Meinderts ? Ab 7 Jahren
10.00-11.15 Uhr ?  Lutz
Schulvorstellung

WERKSTATT-PROBE
Einführungsveranstaltung zu Ovids Geschichten
17.30 Uhr ·  Lutz
Eintritt frei

—| Pressemeldung Theater Hagen |—

Wolfsburg, Scharoun-Theater Wolfsburg, SCHWANENSEE – Ukrainische Staatsoper „Taras Schetschenko“, IOCO Kritik, 25.02.2020

Februar 25, 2020 by  
Filed under Ballett - Tanz, Hervorheben, Kritiken, Scharoun Theater

Theater Wolfburg

Scharoun Theater Wolfsburg © Stadt Wolfsburg / Lars Landmann

Scharoun Theater Wolfsburg © Stadt Wolfsburg / Lars Landmann

 Schwanensee  – Ukrainische Staatsoper „Taras Schetschenko“

Kein sterbender Schwan – aber Happy End für Alle

von Christian Biskup

Jedes Jahr touren zahlreiche Ensembles mit dem Stück durch Deutschland – Schwanensee! Ob mit oder ohne Orchester, die Ballettgruppen kommen meist aus Osteuropa, denn dort wird der Spitzentanz, anders als an den meisten deutschen Häusern, traditionell noch an den verschiedensten Theatern der Länder auf die Bühne gebracht. Das Ballett und Orchester der Ukrainischen Staatsoper „Taras Schetschenko“ Kiew folgte der Einladung ins Scharoun-Theater Wolfsburg und führte dem Publikum die ganze Kunst des Spitzentanzes vor.

Schwanensee von Pjotr Ijitsch Tschaikowsky  ist ein Klassiker der Ballettliteratur. 1877, bei der Uraufführung im Bolschoi-Theater von Moskau war das Stück kein Erfolg. Damals was das Bolschoi-Theater noch nicht das Bolschoi von heute. Mangelnde Vorbereitung, zu schwierige Musik und eine schlechte Ausstattung ließen das Stück schnell vom Spielplan verschwinden. Erst 1895 wurde mit der Choreografie von Marius Petipa (1818-1910) und Lew Iwanow (1824-1901) ein Siegeszug eingeleitet, der bis heute anhält. Und auf jene Choreografie, sowie auf die Wiederaufführungen von Alexander Gorsky (1871-1924), Fjedor Lopuchow (1886-1973) und Vladimir Burmeister (1904-1971) beruft sich die Choreografie von Valerie Kovtun (1944-2005), die bereits 1986 Premiere hatte und bis zum 23.02 auf Deutschland-Tournee war. Wer auf den sterbenden Schwan wartete, wartete jedoch vergeblich. In Tschaikowskys Schwanensee gibt es kein Sterbesolo, dieses wurde 1905 erst zu Camille Saint-Saens Schwanenmusik aus dem Carneval der Tiere für Primaballerina Anna Pawlowa choreografiert. Tatsächlich gibt es jedoch für Tschaikowskys Schwanensee verschiedene Finalversionen, die ein Sterbesolo erlauben würden. Doch die Inszenierung der Ukrainischen Staatsoper „Taras Schetschenko“ spielt die Version mit „Happy End“ für die Hauptprotagonisten:

Scharoun Theater Wolfsburg / SCHWANENSEE © Staatsoper Kiew

Scharoun Theater Wolfsburg / SCHWANENSEE © Staatsoper Kiew

Prinz Siegfried feiert mit Freunden seinen 21. Geburtstag. Von seiner Mutter erhält er eine wertvolle Armbrust versehen mit der Erinnerung, dass er beim Hofball am nächsten Tag aus vier potenziellen Bräuten eine auszuwählen habe. Als der Abend anbricht und der Prinz weiße Schwäne vorüberziehen sieht, entschließt er sich auf die Jagd zu gehen. Am See angekommen, sieht er, dass sich die Schwäne in schöne Schwanenmädchen verwandeln. Odette, die Prinzessin, berichtet, dass der böse Zauberer Rothbart sie in Schwäne verwandelt hat und er nur zur Mitternachtszeit keine Macht mehr über sie hat, weshalb sie in ihrer menschlichen Gestalt erscheinen. Erlösung vom Fluch gibt es nur, wenn ihnen jemand ewige Treue schwört. Wird der Schwur gebrochen, bleiben sie für immer Schwäne. Bezaubert von ihrer Schönheit schwört Siegfried Treue und bittet sie zum Ball zu kommen. Doch sie kann nicht. Rothbart, der den Schwur beobachtet hat, schmiedet derweil schon Pläne, wie er sie in seiner Macht behalten kann.

Beim Hofball im Festsaal des Schlosses am nächsten Tag lehnt Siegfried alle potenziellen Bräute ab – seine Gedanken gelten nur Odette. Erst als Rothbart mit seiner Tochter Odile erscheint, die vom Vater die Gesichtszüge Odettes erhalten hat, ist Siegfried entflammt, glaubt er doch Odette zu sehen. Seiner Mutter berichtet er, dass sie seine Braut sein soll. Rothbart und Odile verlassen daraufhin triumphierend den Saal. Als an einem Palastfenster die traurige Odette erscheint, erkennt er den Betrug und eilt schnell zum See der Schwäne. Er erklärt Odette den Betrug und beteuert, dass sein Treueschwur nur ihr gegolten habe. Doch Rothbart gibt so schnell nicht auf – er entfesselt die Elemente und beginnt mit Siegfried zu kämpfen. Dieser verletzt ihn so schwer, dass Rothbart seine Zauberkraft verliert – die Schwanenmädchen sind erlöst!

Die Ausstattung von Maria Lewitskaja ist konventionell-konservativ aber sehr poetisch. Gemalte Bühnenprospekte, von denen der Schwanensee in seinen blau-schimmernden Tönen besonders hervorsticht, sowie die prachtvolle Ausstattung des Festsaales mit Thronsessel sind mit den prächtigen Kostümen ein Genuss für die Augen. Eine kluge Lichtregie verstärkt die jeweilige Stimmung. Hier wird nur erzählt, nichts gedeutet, was den Gegnern von jeglicher Art von Regietheater sicher entgegen kommt. Trotzdem oder deshalb ist der Abend nicht langweilig, was an den starken Leistungen der Tänzer liegt. Den größten Erfolg konnte Daniil Silkin und das Corps de Ballet im neapolischen Tanz der Tanzfolge im dritten Akt erringen. Sein zahlreichen schwindelerregenden Fouettés en tournant sowie das perfekte Timing zur Musik machten ihn – trotz der Kürze des Auftritts – zum Publikumsliebling des Abends.

Scharoun Theater Wolfsburg / SCHWANENSEE hier die Primaballerina Anastasia Schewtschenko als weißer Schwan © Staatsoper Kiew

Scharoun Theater Wolfsburg / SCHWANENSEE hier die Primaballerina Anastasia Schewtschenko  © Staatsoper Kiew

Doch auch die 1993 geborene Primaballerina Anastasia Schewtschenko konnte in der Doppelrolle der Odette / Odile überzeugen. Grazil und elegant, sowie zu Beginn ihres Auftritts wunderbar scharwenzelnd, gab sie mit fließenden Armbewegungen die begehrenswerte Schwanenprinzessin. Ihre Wandlung zur dunklen Odile gelang spielerisch. Ihr Bühnenpartner Oleksi Tiutiunnyk in der Rolle des Prinzen begeisterte besonders durch seine Grand jetés, die großen Sprünge, die ihn scheinbar schwerelos über die Bühne schweben ließen, wobei sich offenbarte, dass die Wolfsburger Bühne für sein Können eigentlich zu klein ist. Sehr beeindruckend gelang der Kampf zwischen Siegfried und dem Zauberer Rothbart (kraftvoll und energiestrotzend Volodymyr Kutuzov), der temporeich und sehr dynamisch choreografiert wurde. Für viel Beifall sorgte auch der Tanz der kleinen Schwäne (Inna Chorna, Ievgeniia Korshunova, Jateryna Chupina, Kateryna Dehtiarova), welcher in Reihe en croix getanzt wurde und sicher eine der beliebtesten Nummern des Ballettes ist. Das Pas de Trois begleitete viele Nummern – mit wenigen synchronen Unsicherheiten – poetisch und originell choreografiert.

Das Orchester der Staatsoper „Taras Schewtschenko“ unter der Leitung von Mykola Djadjura spielte die Ballettmusik hörbar mit Freude, wobei es schon erstaunlich ist, wie unterschiedlich die Musik mit einem östeuropäischen Orchester klingt. Das ukrainische Orchester spielt die Musik gemäß der russischen Tradition weitaus schroffer und weniger stark romantisierend. Dramatische Elemente werden deutlich hervorgehoben, lyrische Momente entkitscht wo es geht, man spielt in recht flotten Tempi. Dies funktioniert in Verbindung mit der Choreografie ausgesprochen gut, die so stets dynamisch bleibt. Viel Applaus vom Publikum für Dirigent und Orchester!

Nach gut drei Stunden und zwei Pausen, in denen ausschließlich lobende Worte für Ensemble und Inszenierung zu hören waren, endet der Abend mit Standing Ovations für alle Beteildigten. Das ukrainische Ensemble kann auf der ersten Station ihrer Tournee einen großen Erfolg verbuchen.

—| IOCO Kritik Scharoun Theater Wolfsburg |—

Düsseldorf, Ballett am Rhein, Schwanensee – Martin Schläpfer – Fernsehen, 24.12.2019

logo_dor2.jpg

Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

 Schwanensee – Matin Schläpfer – Im Fernsehen

In der Nacht von Heiligabend zum ersten Weihnachtsfeiertag zeigt der deutsch-französische Kultursender arte ab 00:10 Uhr Martin Schläpfers Schwanensee. Unter der Regie von Peter Schönhofer hatten WDR/arte/3sat im Juli dieses Jahres Schläpfers Neukreation für das Ballett am Rhein aufgezeichnet. Die mit Spannung erwartete Schwanensee –Interpretation des preisgekrönten Choreographen fand national und international ein großes Medienecho und wird vom Publikum mit anhaltender Begeisterung aufgenommen. Sämtliche Vorstellungen in Düsseldorf und Duisburg sind in dieser Spielzeit ausverkauft. In der arte-Mediathek ist die Schwanensee-Aufzeichnung nach ihrer Ausstrahlung weitere 30 Tage abrufbar. Anfang März erscheint bei Euroarts eine DVD mit dem Mitschnitt.

Schwanensee Peter Tschaikowski – Eine Einstimmung – HIER
youtube Trailer Deutsche Oper am Rhein
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

Mit seiner extrem physischen und hochexpressiven Tanzsprache lässt Martin Schläpfer in seinem Schwanensee die Tänzerinnen und Tänzer des Balletts am Rhein eine märchenhafte Geschichte über das Erwachsenwerden erzählen. In die geordnete und determinierte Welt am Königshof bricht mit dem Auftauchen der in einem bösen Zauber gefangenen Schwanenfrauen plötzlich die Schwarze Romantik mit all ihren Geheimnissen, Träumen, Sehnsüchten und dunklen Wesen herein. Höfische Etikette, hinter der sich die Charaktere verstecken können, lässt der Schweizer Choreograph aus, in seinem Schwanensee stehen die Protagonisten im steten Kontakt und in direkter emotionaler Konfrontation.

Fernsehpremiere Di 25.12.2018, 00:10 Uhr arte – weitere Informationen und ein Trailer auf der arte-Website

DVD-Veröffentlichung Euroarts Anfang März 2019

—| Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

Baden-Baden, Festspielhaus, Balanchines Ballettschmuckstück Jewels, 27.12.2019

logo_baden_baden

Festspielhaus Baden – Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

Funkelnde Facetten höchster Tanzkunst – Balanchines Ballettschmuckstück „Jewels“

Zum Finale seiner diesjährigen Residenz zeigt das Mariinsky Ballett Balanchines prachtvolles Ballett „Jewels“. Mit dem funkelnden Dreiteiler in den Juwelen-Farben Smaradgrün, Rubinrot und Diamant beenden das Mariinsky Ballett und –Orchester am 27. Dezember 2019 um 19 Uhr, ihr diesjähriges Gastspiel an der Oos.

Festspielhaus Baden-Baden / Rubies by Natasha Razina © State Academic Mariinsky Theatre

Festspielhaus Baden-Baden / Rubies by Natasha Razina © State Academic Mariinsky Theatre

Die Idee zu „Jewels“ entstand, so geht die Legende, bei einem Spaziergang des Choreografen vor den Schaufenstern des berühmten New Yorker Juweliers Van Cleef & Arpels. „Emeralds“, „Rubies“ und „Diamonds“ heißen die drei Teile des Werkes, sie funkeln mit unzähligen Strass-Kristallen auf den Kostümen in Smaragdgrün, Rubinrot und im klaren Weiß der Diamanten. George Balanchine zeigt damit die drei großen Traditionen des klassischen Balletts: den französischen, romantischen Stil, der in langen Tutu-Röcken zu Musik von Gabriel Fauré getanzt wird, dann die amerikanische Neoklassik, die zu jazzigen Rhythmen von Igor Strawinsky frech die Hüften kippt, und schließlich den russischen Klassizismus, der zu Tschaikowskys dritter Symphonie in einer prachtvollen Polonaise des Corps de ballet triumphiert. Abstrakt und doch voller sprechender Bilder ist „Jewels“ das erste abendfüllende Ballett überhaupt, das den Tanz zu seinem Thema macht: Die wunderbaren Tänzer des Mariinsky-Balletts zeigen den Weg des klassischen Tanzes von Paris über St. Petersburg nach New York.

Festspielhaus Baden-Baden / Mariinsky_Diamonds © Razina

Festspielhaus Baden-Baden / Mariinsky_Diamonds © Razina

Die Ausstattung greift die Farben der teuren Schmucksteine auf, sowohl auf den  Hintergrundprospekten wie in den Kostümen, die mit Myriaden funkelnder Strasssteine besetzt sind. George Balanchine aber, der Georgier, der noch am Ballett des Zarenhofes tanzen lernte, der mit den Ballets Russes die Avantgarde nach Europa brachte und schließlich New York zum Zentrum der Ballettmoderne machte, er legte so viel mehr in die drei Teile als nur die Farben Grün, Rot und Weiß. „Jewels“ zeigt die großen Epochen der Ballettgeschichte, es verfolgt, lose angelehnt an Balanchines biografischen Weg, das Ballett von seinen Ursprüngen in der französischen Romantik über den russischen Klassizismus bis zur amerikanischen, jazzigen Moderne.

Festspielhaus Baden-Baden / Rubies by Natasha Razina © State Academic Mariinsky Theatre

Festspielhaus Baden-Baden / Rubies by Natasha Razina © State Academic Mariinsky Theatre

Im ersten Teil „Emeralds“ tragen die Tänzerinnen die langen Tuturöcke des romantischen Balletts, getanzt wird zu Musik von Gabriel Fauré, zu Ausschnitten aus seinen Schauspielmusiken „Pelléas et Mélisande“ und „Shylock“. Der fließende Stil und das rein weibliche Corps de ballet erinnern an die zarten, schwebenden Wesen des romantischen Balletts, gleichzeitig huldigt Balanchine der Eleganz der Franzosen. Die Bilder und die Jagdhörner in Faurés elegischer Musik evozieren verzauberte Wälder, Nymphen, einsame Prinzessinnen und ihre Kavaliere.

Festspielhaus Baden-Baden / Emeralds by Natasha Razina © State Academic Mariinsky Theatre

Festspielhaus Baden-Baden / Emeralds by Natasha Razina © State Academic Mariinsky Theatre

Frech kippt danach „Rubies“ die Hüften nach vorne, die Ballerina fällt in einen Cakewalk und ihr Partner liefert sich mit seinen Freunden eine flotte Jagd, selbstbewusst thront eine Amazone über den Männern. Ironisch, flott und sexy ist der rote Mittelteil mit seinem kantigen Charme und seiner Broadway- Sinnlichkeit eine Liebeserklärung an das jazzige Amerika. „Rubies“ enthält das modernste Bewegungsvokabular der drei Stücke, passend zu den starken, synkopierten Rhythmen von Igor Strawinskys Capriccio für Klavier und Orchester. Die Kleidung der Tänzer ist rot, die Tutus sind auf die Kürze von Miniröcken geschrumpft.

Festspielhaus Baden-Baden / Emeralds by Valentin Baranovsky © State Academic Mariinsky Theatre

Festspielhaus Baden-Baden / Emeralds by Valentin Baranovsky © State Academic Mariinsky Theatre

Im majestätischen „Diamonds“ schließlich lässt George Balanchine den Glanz  des imperialen St. Petersburger Balletts von Marius Petipa wiederauferstehen, wozu natürlich Musik von Peter Tschaikowsky gehört. Zu dessen Dritter Sinfonie, genannt „Die Polnische“, steht ein stolzes Solistenpaar im Mittelpunkt, das rein klassisch choreografierte Stück endet mit einer prächtigen Polonaise des gesamten Ensembles. Die Damen tragen die geschmückten Tellertutus, die man aus „Dornröschen“ oder „Schwanensee“ kennt, „Diamonds“ führt auch die russische Ensemble-Hiercharchie in Vollendung vor, mit der Primaballerina als Königin des Abends. Natürlich liebt man in St. Petersburg diesen letzten Teil besonders, beschließt doch die russische Klassik triumphierend den Abend. Balanchine choreografierte alle drei einzelnen Stücke in seinem bekannten neoklassischen Stil, variierte aber die Bewegungen in Details und näherte sich so der Romantik, der jazzigen Moderne und der akademischen Klassik. Prisma- Formationen oder Reihungen wie eine Edelsteinkette zeigen das Juwelen-Thema auch direkt in den Schrittfolgen. Der Dreiklang der Farben, vom sanften Schein der Smaragde über das dunkle Feuer der Rubine bis zum strahlenden Glanz der Diamanten, spiegelt sich in der Ballett-Geografie ihres Choreografen: „Emeralds“ steht für Paris, „Rubies“ für New York und „Diamonds“ für St. Petersburg. „Jewels“ entstand 1967 mitten im Kalten Krieg und symbolisierte mit seinen drei Kulturen und drei Ballettschulen auch eine Entente Cordiale, eine getanzte Völkerverständigung. Das Mariinsky-Ballett übernahm das Stück 1999, sehr früh nach der Öffnung seiner zuvor stark sowjetisch geprägten Ballettästhetik. Seitdem gehört der Balanchine-Klassiker fest zum Repertoire der St. Petersburger Kompanie.

Weitere Informationen und Tickets: www.festspielhaus.de
Persönliche Beratung und Reservierungen: Tel. 07221 / 30 13 101

—| Pressemeldung Festspielhaus Baden-Baden |—

Nächste Seite »

Diese Webseite benutzt Google Analytics. Die User IPs werden anonymisiert. Wenn Sie dies trotzdem unterbinden möchten klicken Sie bitte hier : Click here to opt-out. - Datenschutzerklärung