Hagen, Theater Hagen, ÖFFNET SEINE TÜREN – Die Winterreise, 30.05.2020

Mai 29, 2020 by  
Filed under Pressemeldung, Theater Hagen

theaterhagen_seit1911_2

Theater Hagen

Theater Hagen bei Nacht © Stefan Kuehle

Theater Hagen bei Nacht © Stefan Kuehle

THEATER HAGEN ÖFFNET WIEDER SEINE TÜREN

Die Winterreise

Endlich dürfen wir wieder spielen! – Mit großer Freude hat das Theater Hagen auf die so ersehnte Entscheidung des Krisenstabs der Stadt Hagen reagiert, neben dem Lutz nun auch wieder Vorstellungen im Großen Haus anbieten zu können.

Unter den aktuellen Sicherheitsauflagen und Hygienemaßnahmen für die Menschen im Zuschauerraum, in den Foyers sowie auf und hinter der Bühne (Abstandsregelungen, Tragen eines Mund-Nasenschutzes auf dem Weg zum Sitzplatz, geregelter Einlass, maximal 100 Zuschauer*innen pro Vorstellung) wird der Spielbetrieb wieder aufgenommen.

Das Theater Hagen hat sich in den letzten Wochen auf diese Situation vorbereitet, ein neues, allen Vorgaben gerecht werdendes Programm erarbeitet und kann bereits am 30. Mai (19.30 Uhr, Großes Haus) das Publikum zu einer Premiere begrüßen:

Die Winterreise Erster Teil“ – Eine szenische Aufführung des ersten Teils des berühmten Liederzyklus‘ von Franz Schubert „Die Winterreise“ auf Gedichte von Wilhelm Müller. Als szenische Konfrontation eines männlichen Ich mit einem weiblichen Gegenüber begegnet der Bariton Kenneth Mattice als singend-erzählender Wanderer mit dem Pianisten Dan K. Kurland als sein nicht nur musikalischer Begleiter dem Fremden wie Vertrauten unserer Welt – und einer Frau, die sich in der Verkörperung von Schauspielerin Lucia Schulz eine ebenso starke lyrische Stimme leiht (Inszenierung: Francis Hüsers; weitere Vorstellungen: 1.6., 15 Uhr, 7.6., 15 Uhr).

Als zweite Premiere findet mit dem Ballett Hagen eine Uraufführung statt (20.6., 19.30 Uhr, Großes Haus): „Schwanensee – Aufgetaucht – Prolog“. Marguerite Donlon kreiert einen Prolog zu ihrer Choreographie des Ballettklassikers „Schwanensee“ mit Musik von Peter Tschaikowsky, Sam Auinger und Claas Willeke. Konzentriert auf die Protagonisten, wie in einem Psychogramm, erforscht sie choreographisch die Umstände und Voraussetzungen der einzelnen Charaktere. Diese Produktion wird live begleitet von Musiker*innen des Philharmonischen Orchesters Hagen (weitere Vorstellungen: 21.6., 15 Uhr, 25.6., 19.30 Uhr, 26.6., 19.30 Uhr).

Dieses Programm wird durch Liederabende und Konzerte ergänzt, deren genaue Ankündigung folgt.

Informationen und Termine unter www.theaterhagen.de

—| Pressemeldung Theater Hagen |—

Münster, Theater Münster, Öffnung – 30.05 bis 14.06.2020, IOCO Aktuell

Mai 25, 2020 by  
Filed under IOCO Aktuell, Pressemeldung, Theater Münster

theater_muenster_logo_50

Theater Münster

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Öffnung des Hauses – 30. Mai bis 14. Juni 2020

Das Theater Münster spielt wieder!

Das Theater Münster öffnet wieder! Wenn auch nur für 2 Wochen und unter strengen Sicherheits- und Hygienevorschriften sind vom Samstag, 30. Mai bis Sonntag 14. Juni wieder Aufführungen im Großen Haus hautnah zu erleben.

Dementsprechend groß ist die Freude bei allen Mitarbeiter*innen des Stadttheaters, namentlich bei Generalintendant Dr. Ulrich Peters: »Eigentlich unvorstellbar für uns leidenschaftliche Theaterleute: 10 Wochen  ohne eine einzige Vorstellung im Theater Münster, ohne unser Publikum und ohne den Applaus, der ja bekanntlich das ‚Brot des Künstlers‘ ist. Wir sind im wahrsten Sinne des Wortes ausgehungert und freuen uns, dass es nun – zumindest im kleineren Rahmen – wieder losgehen kann. Ich weiß aus Gesprächen, dass viele Zuschauer*innen das Ende der theater- und konzertlosen Zeit herbeigesehnt haben: Theater und Konzert im Fernsehen kann niemals das Live-Erlebnis ersetzen, das, denke ich, ist in der Corona-Zeit klar geworden.«

Theater Münster / Zuschauerraums vom Großen Haus © Oliver Berg

Theater Münster / Zuschauerraums vom Großen Haus © Oliver Berg

»Auftakt!« ist denn auch der erste konzertante Abend überschrieben, mit der sich am Samstag, 30. Mai um 19.30 Uhr das Sinfonieorchester Münster in einer reinen Streicherbesetzung mit Benjamin Brittens Simple Symphony und  Antonín Dvoráks Streicherserenade E-Dur op. 22 unter dem Dirigat von Golo Berg zurückmeldet. (Wiederholung am 31. Mai  und 1. Juni) Die kleine Konzertreihe wird mit Edvard Griegs Aus Holbergs Zeit – Suite für Streicher op. 40 und W.A. Mozarts A-Dur Sinfonie KV 201 als »Auftakt!  2«  am 6. und 7. Juni fortgesetzt. Gustav Holsts St. Paul’s Suite und W.A. Mozarts Jupiter Sinfonie erklingen als »Auftakt! 3« am 13. und 14. Juni.

Generalmusikdirektor Golo Berg zur Rückkehr seines Orchesters auf die Bühne: »Wir sind erleichtert, wieder für unser Publikum auftreten zu dürfen. Kultur ist kein dekorativer Luxus, den man sich nur in guten Zeiten gönnt – das stellte Monika Grütters vor kurzem wieder heraus, und ich bin dankbar, dass dies auch in Münster gilt und unsere Konzerte am Ende dieser dramatischen Saison ermöglicht wurden. Trotz bzw. gerade wegen der Beschränkungen, unter denen sie stehen werden, mögen sie nun den ‚Auftakt!‘ bilden auf dem kontinuierlichen Weg zurück in die Vielfalt des sinfonischen Orchesterklangs. Ihr Zustandekommen ist ein Wunder.«

Tonight! ist das Programm überschrieben, an dem die Ensemblemitglieder des Musiktheaters am 9., 12. und 14. Juni Lieder und  Arien aus Oper, Operette und Musical präsentieren. Musikalische Highlights von Franz Schubert, Franz Lehár, George Gershwin u.v.a. werden für jeden Musikgeschmack etwas bereithalten.

Zwölf tragikomische Monologe über Zeitgenossen und ihre Einrichtungsversuche sind im Beitrag des Schauspiels, dem StückBin nebenan der Dramatikerin und Regisseurin Ingrid Lausund, zu erleben, das am Donnerstag, 4. Juni seine Premiere feiert und noch drei  Mal – am 5., 10. und 11. Juni – aufgeführt wird: Ein Textmarathon, der sich augenzwinkernd sanierungsbedürftigen Innenräumen, monströsem Plüschmobiliar und beängstigenden Gemütlichkeitsattrappen in den heimischen vier Wänden widmet.

Verwaltungsdirektorin Rita Feldmann sieht das zweiwöchige Vorstellungsprogramm als Probelauf für den Spielzeitbeginn in wenigen Monaten: »Die Zwischenöffnung wird für uns alle, die Theatermitarbeiter*innen und die Zuschauer *innen, ein Test für die Öffnung ab September sein.«

Das Theater Münster weist darauf hin, dass für die – jeweils 60-minütigen – Veranstaltungen (ohne Pause) im Großen Haus  an jedem Abend maximal 84 Plätze (18 Einzelplätze und 66 Doppelplätze) im Parkett zur Verfügung stehen. Der Kartenverkauf erfolgt ab Mittwoch, 27. Mai, 12.00 Uhr ausschließlich online oder per telefonischer Bestellung auf Rechnung (Tel.: 5909-100). Dabei können nur Karten für eine Reihe, nicht für einen bestimmten Sitzplatz erworben werden. Der zeitlich vorgegebene Einlass erfolgt in kleinen Gruppen maximal 30 Minuten vor Veranstaltungsbeginn. Ein Überblick über Daten und Uhrzeiten unter www.theater-muenster.com.

—| Pressemeldung Theater Münster |—

Krefeld, Theater Krefeld Mönchengladbach, WILHELM TELL @ Live-Stream, 16.05.2020

krefeld_2.jpg

Theater Krefeld Mönchengladbach

Theater Krefeld © Matthias Stutte

Theater Krefeld © Matthias Stutte

WILHELM TELL @ Live-Stream

Erleben Sie am Samstag um 19:30 Uhr eine besondere Live-Übertragung: WILHELM TELL @ Live-Stream. Für den ursprünglichen Premierenabend hat Regisseur Matthias Gehrt mit dem Ensemble eine szenische Lesung unter Coronabedingungen vorbereitet. Von fünf Kameras aus unterschiedlichen Perspektiven begleitet werden die 11 Schauspielerinnen und Schauspieler den Klassiker von Friedrich Schiller lesen – vor leeren Zuschauerrängen.

Regisseur Matthias Gehrt empfiehlt, die 75-minütige Lesung mit Kopfhörern zu genießen: „Dadurch kommt vor allem der Sound, den Musiker Jörg Ostermayer kreiert hat, gut rüber“.

WILHELM TELL @ Live-Stream – Szenische Lesung unter Coronabedingungen
youtube Trailer Theater Krefeld und Mönchengladbach
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

Der Live-Stream der szenischen Lesung ist am Samstag, 16. Mai ab 19:30 Uhr auch direkt auf der Startseite der Theater-Website www.theater-kr-mg.de abrufbar.

Hinweis zur Bearbeitung:
Schillers gekürztem Schauspiel Wilhelm Tell wurden Texte hinzugefügt und teilweise nachgedichtet. Diese Texte sind inspiriert von Veröffentlichungen von Greta Thunberg, Carola Rackete, extincion rebellion, Unsichtbares Komitee, Jean Ziegler, Philipp Blom, Charles Eisenstein, Nathaniel Rich und Friedrich Hölderlin sowie von zahlreichen aktuellen Zeitungs- und Internetartikeln über die internationale Klimaschutzbewegung und solchen über den Umgang der Politik und der Wissenschaften mit den Themen Kapitalismus und Klimawandel.

Als Bühnenfassung soll „Wilhelm Tell“in der Spielzeit 2020/21 nachgeholt werden, wenn ein regulärer Vorstellungsbetrieb wieder möglich ist.

WILHELM TELL @ Live-Stream
Szenische Lesung unter Corona-Bedingungen

Friedrich Schillers Schauspiel Wilhelm Tell
in einer Bearbeitung von Matthias Gehrt und Thomas Blockhaus., Musik von Jörg Ostermayer.

Mit: Nele Jung, Esther Keil, Jannike Schubert; Raafat Daboul, Henning Kallweit, Adrian Linke, Michael Grosse, Michael Ophelders, Paul Steinbach, Ronny Tomiska, Bruno Winzen

—| Pressemeldung Theater Krefeld Mönchengladbach |—

Mainz, Staatstheater Mainz, BEETHOVEN – EIN GEISTERSPIEL, 14.06.2020

staatstheater-mainz-logo_30

Staatstheater Mainz

Staatstheater Mainz © Andreas Etter

Staatstheater Mainz © Andreas Etter

BEETHOVEN – EIN GEISTERSPIEL
Koproduktion von Staatstheater Mainz und ZDF/3sat
Uraufführung am 14. Juni 2020, 11.40 Uhr in 3sat

Zum 250. Geburtstag Ludwig van Beethovens plante das Staatstheater Mainz ein aufwändiges spartenübergreifendes Projekt, Anfang Mai sollte die Uraufführung im Großen Haus sein. Wegen der Coronapandemie mussten die physischen Proben eingestellt, die Premiere abgesagt werden. Das Theater reagierte schnell, Regisseur Jan-Christoph Gockel und Generalmusikdirektor Hermann Bäumer stellten sich der neuen Herausforderung, gestalteten die Proben um und überarbeiteten das Konzept. Die Theaterleitung ging auf das ZDF und auf 3sat zu und fand so einen starken Kooperationspartner. Gemeinsam entwickelten das Theater und die Verantwortlichen im Sender das Projekt weiter, sodass nun die außergewöhnliche Premiere einer Theatervorstellung für das Fernsehen zu erleben sein wird, die inhaltlich und ästhetisch weit über die gewohnten Streaming-Formate hinausgeht.

BEETHOVEN – EIN GEISTERSPIEL
Die Uraufführung   ist am 14. Juni 2020 um 11.40 Uhr in 3sat zu erleben

Als exklusive Vorab-Online-Premiere stellen 3sat und ZDFkultur das Stück bereits am Samstag, 13. Juni um 19.30 Uhr online, auf https://3sat.de und
https://zdfkultur.de.

Im Zentrum des großen biografischen Projekts, das das Staatstheater Mainz gemeinsam mit Jan-Christoph Gockel und Hermann Bäumer seit langer Zeit zum Jubiläum plante, sollten die weniger bekannten Werke Beethovens stehen, um so einen neuen Blick auf den Komponisten zu eröffnen. Zusammen mit dem Puppenbauer Michael Pietsch entstand eine Konzeption, die das schöpferische Werk, den Verlust des Gehörs und die damit verbundene Isolation des Künstlers ebenso wie die beispiellose Vermarktung Beethovens beleuchtet.
Nachdem die laufenden physischen Proben eingestellt werden mussten, blieb für das Theater die Frage: Wie können wir Gemeinschaft und Öffentlichkeit trotz aller Einschränkungen wiederherstellen?

Befeuert durch die Sehnsucht, die gesellschaftlichen und psychologischen Auswirkungen der aktuellen Situation zu reflektieren und künstlerisch zu übersetzen, entschlossen sich Theaterleitung, Produktionsteam und Ensemble, weiterzuarbeiten – per Online-Konferenz zunächst, später auf der Bühne unter Einhaltung aller Hygienevorschriften. Schnell wurde deutlich: Das Motiv von Beethovens Isolation, in der er große Phasen seines Lebens verbracht hat, bietet ein Substrat, aus dem eine fruchtbare Parallele zu dem gesellschaftlichen Zustand gezogenen werden kann, den wir heute mit dem unglücklichen Ausdruck „Social Distancing” belegen. Davon ausgehend entschied das Staatstheater Mainz, die Produktion zu einer außergewöhnlichen Premiere zu bringen. Die Theaterleitung nahm Kontakt zum ZDF auf und schnell entstand der gemeinsame Wille, Beethoven in seinem Jubiläumsjahr die Öffentlichkeit zu geben, die ihm gebührt! Seither arbeitet das Produktionsteam gemeinsam mit der Redaktion und dem Team von 3sat an Beethoven – Ein Geisterspiel, das am 14. Juni ausgestrahlt wird.

Entstanden ist jetzt ein Theaterabend, zu dessen Aufführung kein Publikum im Saal sitzen wird und der dennoch die Mittel des Theaters – und die des Films – vielfältig einsetzt.

Ludwig van Beethovens zunehmende Taubheit brachte ihn phasenweise in große Distanz zu seiner Außenwelt. Schon in seinem 32. Lebensjahr verfasst er einen Text, der uns als Heiligenstädter Testament bekannt ist und in dem er die sozialen Folgen der Ausgrenzung und seine Versuche weiterzuleben beschreibt. Er findet dafür nur ein Mittel: die Kunst.

Beethovens Text steht im Zentrum dieser Produktion, in der die Darsteller*innen ebenso getrennt voneinander agieren wie Beethoven es zeitweise von seiner Außenwelt tat. Dem gegenüber steht Beethovens persönliche, aber vor allem künstlerische Suche nach Gemeinschaft. Schillers Ode an die Freude vertonte er in der 9. Sinfonie und verdichtete damit in zwei Versen eine Sehnsucht, die immer wieder, besonders heute, die Seelen der Menschen zu einen scheint: „Seid umschlungen, Millionen! / Diesen Kuß der ganzen Welt!”

Trotz seiner fast vollständigen Gehörlosigkeit komponierte Beethoven weiter und schuf zentrale Werke. Um arbeiten und mit der Außenwelt kommunizieren zu können, nutzte er Hörrohre und Konversationshefte. Wir sind heute mit anderen technischen Möglichkeiten der Kommunikation ausgestattet, die uns erlauben, mit Menschen, denen wir nicht nahekommen dürfen, in Kontakt zu treten. Und hieraus generiert sich auch die Möglichkeit, dass die Zuschauer*innen den Theater-abend sehen können, ohne am gleichen Ort sein zu müssen. Das ist bei allem Phantomschmerz, den die geschlossenen Theater und die dadurch verhinderte Möglichkeit, sich als kritische Öffentlichkeit und in kultureller Gemeinsamkeit zu versammeln, auslösen, auch eine ästhetisch neue Perspektive: Das selbstverständliche Ereignis „Theaterbesuch” ist derzeit nicht möglich, wir können und müssen lernen, Musik neu zu hören und neue Wege in der Produktion und Rezeption von Kunst zu finden, die später kein Ersatz, sondern eine Bereicherung sein können.

„Als Beethoven sein Gehör verlor, machte er sich technische Hilfsmittel zunutze, um sozial und künstlerisch weiter existieren zu können“, unterstreicht Anne Reidt, Leiterin der ZDF-Hauptredaktion Kultur, „diese biografisch-historische Herausforderung spiegelt unsere Corona-Gegenwart. Das Projekt Beethoven – Ein Geisterspiel des Staatstheaters Mainz hat uns inhaltlich sehr überzeugt. Deshalb freuen wir uns, dass wir es dem Publikum im 3sat Programm und in den Mediatheken von 3sat und ZDF präsentieren können.“

3sat-Koordinatorin Natalie Müller-Elmau betont den besonderen Auftrag des öffentlich-rechtlichen Fern-sehens in der aktuellen Situation: „In Zeiten, in denen Kultur im öffentlichen Raum unmöglich ist, ist es unsere Aufgabe, diese in 3sat stärker stattfinden zu lassen. Wir freuen uns, dass wir in Corona-Zeiten gemeinsam mit dem Staatstheater Mainz den Zuschauer*innen diese Premiere im Fernsehen und virtuell präsentieren können.“

Doch noch durch einen weiteren Aspekt ist Beethovens Schaffen mit der aktuellen Situation verbunden: Wie kein zweiter Komponist steht Beethoven symbolisch für das vereinte Europa – zum einen, weil seine Werke schon zu Lebzeiten von London bis Prag gespielt wurden, aber auch, weil sein großer optimistischer Menschheitsappell, der Schlusssatz der Neunten Symphonie, eine beispiellose Rezeptionsgeschichte in der politischen Formierung Europas bis hin zur Erhebung in den offiziellen Hymnenstatus durchlebt hat.

„In diesen Wochen müssen wir beobachten, wie das europäische Ideal immer prekärer wird, Grenzen sind wieder geschlossen, es regieren die Nationalstaaten, die Autokraten nutzen die Situation dafür, demokratische Rechte weiter abzuschaffen, die Europäische Union erscheint machtlos“, betont Intendant Markus Müller, „und so lenkt das Jahr, das als große Feier für den berühmtesten Tonsetzer der Welt gedacht war, den Blick auf eine Frage, die der Basis von Beethovens Schaffen vielleicht viel näherkommt als jedes laut tönende Festival: Wie nah können wir einander sein — und wie können wir Solidarität im plötzlich über uns herein gebrochenen Zeitalter der Distanz neu definieren? — Auch darum bin ich sehr froh, dass wir diesen besonderen Theaterabend gemeinsam mit 3sat realisieren können!“

Der Theaterabend findet ohne Publikum im Staatstheater statt, vorproduziertes Film- und Tonmaterial sind in die Performance eingebettet. Auf der großen Bühne des Staatstheaters erwartet die Zuschauer*innen an den Bildschirmen ein gigantischer Beethoven-Vergnügungs- park, der ohne Besucher*innen auskommen muss. Ge- leitet wird er von Beethovens erstem Biografen, dem als Fälscher entlarvten ‚Geheimsekretär‘ Anton Schindler. Dieser führt durch den Abend und lenkt uns durch Beethovens Biografie. In getrennten Räumen auf der großen Bühne spielen und singen Ensemblemitglieder miteinander. Musik, Schauspiel, Film und das Puppenspiel von Michael Pietsch begegnen einander über Kunstgattungsgrenzen hinweg. Hermann Bäumer wird das Philharmonische Staatsorchester dirigieren, ohne dass die Musiker*innen in einem Raum sind. Große Orchesterstücke spielen die Musiker*innen getrennt voneinander ein und die Zuschauer*innen erleben, wie sich aus den Einzelstimmen ein großes Ganzes ergibt.

Bis sich, dank einer fruchtbaren Zusammenarbeit von Theater und Fernsehen schließlich aus allen musikalischen, darstellerischen und bildnerischen Versatzstücken eine Gesamterzählung zusammenfügt, die vor der Folie unserer bemerkenswerten Gegenwart eine völlig neue Dimension gewinnt.

BEETHOVEN – EIN GEISTERSPIEL
Ein Projekt des Staatstheater Mainz und von 3sat
Musikalische Leitung: Hermann Bäumer
Inszenierung und Fernsehregie: Jan-Christoph Gockel
Redaktion ZDF/3sat:
Jule Broda und Dietmar Klumm
Bühne: Julia Kurzweg
Kostüme: Sophie Du Vinage
Puppenbau und –spiel: Michael Pietsch
Video: De-Da Productions
Dramaturgie: Ina Karr, René Michaelsen und Jörg Vorhaben

Mit: Annika Baumann, Fiona Macleod;
Michael Dahmen, Vincent Doddema, Rüdiger Hauffe, Michael Pietsch
Mitglieder des Opernchors und des Philharmonischen Staatsorchesters Mainz

—| Pressemeldung Staatstheater Mainz |—

Nächste Seite »

Diese Webseite benutzt Google Analytics. Die User IPs werden anonymisiert. Wenn Sie dies trotzdem unterbinden möchten klicken Sie bitte hier : Click here to opt-out. - Datenschutzerklärung