Reichenau an der Rax, Schloss Wartholz, I Pagliacci – Ruggero Leoncavallo, IOCO Kritik, 18.08.2020

Schloss Wartholz / Eingang  in Reichenau an der Rax © Marcus Haimerl

Schloss Wartholz / Eingang in Reichenau an der Rax © Marcus Haimerl

Schloss Wartholz

I Pagliacci  –   Literatursalon von Schloss Wartholz

Klassikfestival  –   SommerSalon Wartholz 2020

von Marcus Haimerl

Auf Schloss Wartholz  wurde nicht nur der letzte Kronprinz von Österreich-Ungarn, Otto von Habsburg-Lothringen, 1912 geboren, sondern 2020, rund 100 Jahre später, ein neues Musikfestival aus der Taufe gehoben.

Weder er noch seine Eltern, das letzte österreichische Kaiserpaar Karl und Zita, hätten es sich – als sie kurz vor Ausbruch des I. Weltkriegs hier in Reichenau an der Rax im Schwarzatal in Österreich, in dem 1872 von Erzherzog Karl Ludwig, dem Bruder von Kaiser Franz Josef, erbauten Schloss lebten –  träumen lassen, dass man auf ihrem Anwesen dereinst zu einem der wenigen niederösterreichischen Klassikfestivals im Juli und August 2020 laden würde.

Selbstverständlich weniger hart als in Kriegszeiten, aber im dennoch durch Corona deutlich beeinträchtigten Sommer 2020, gelang es dem neuen Intendantenteam, in ihrem SommerSalon Wartholz 2020 ein vielseitiges Programm mit Liederabenden, Klavierkonzerten (Leonskaja, Lehrbaumer, Kutrowatz), Musical (My fair Lady) und schließlich Oper auf die Beine zu stellen.

Der an den Musikuniversitäten Graz und Wien ausgebildete österreichische Bariton Peter Doss, der seit 2002 an der Wiener Privatmusikuniversität MUK lehrt, und seine Gattin, die Sopranistin Ekaterina Doss-Hayetskaya schafften mehr als das.

Schloss Wartholz / I Pagliacci  - hier:  Ensemble © Marcus Haimerl

Schloss Wartholz / I Pagliacci – hier: Ensemble © Marcus Haimerl

Um den Coronabestimmungen gerecht zu werden, musste eine Oper von kurzer Spieldauer gewählt werden.  Damit bot sich Ruggero Leoncavallos größter Erfolg und sein einziges Werk, das noch heute Teil des Standard-Opernrepertoires ist, an: Die zweiaktige Oper I Pagliacci (deutscher Titel: Der Bajazzo, wörtlich: ‚Die Bajazzos’). Das durch eine Intrige zum tödlichen Ende geschürte Eifersuchtsdrama in einer Theatertruppe wurde 1892 unter Arturo Toscanini in Mailand uraufgeführt. Da Pagliacci in Kalabrien am Himmelfahrtstag 1865 spielt, konnte auch ein Bezug zum diesjährigen Premierendatum hergestellt werden, nämlich der 14.8.2020, also nur einen Tag vor Mariä Himmelfahrt und 155 Jahre später.

Das Künstlerehepaar Doss, das bereits mit seinem 2015 gegründeten Musikverein „Dream Opera“ mehrere Produktionen (Der Wildschütz, Die lustigen Weiber von Windsor, Le nozze di Figaro, Kiss Me Kate) im südlichen Niederösterreich verwirklichte, wirkt nicht nur hinter, sondern auch auf der Bühne mit.

So fungierte Ekaterina Doss-Hayetskaya als Regisseurin, Kostümausstatterin und Organisatorin; in der Leoncavallo-Oper I Pagliacci (Der Bajazzo) übernahm sie die Rolle der Nedda.

Intendant Peter Doss gab den Tonio und straft sich mit den laut Originalmanuskript letzten Worten seiner Rolle „La comedia è finita“ (Das Spiel ist aus), selbst Lügen, denn nach der Premiere vom 14.8.2020 gibt es mehr als Anlass zu hoffen, dass das 2020 begonnene Spiel im Sommer 2021 seine Fortsetzung findet und der Kartenverkauf für die restlichen Vorstellungen diesen Sommer, trotz der vom Veranstalter, der Gärtnerei Blazek geforderten, sehr hohen Eintrittspreise (bis zu EUR 85,00), nach der Premiere nicht abnehmen möge.

Schloss Wartholz / I Pagliacci  - hier:  Ensemble © Marcus Haimerl

Schloss Wartholz / I Pagliacci – hier: Ensemble © Marcus Haimerl

So könnte es gelingen, dass Reichenau, das sich seit der 1842 erfolgten Eröffnung der Südbahnstrecke zu einer mondänen Sommerfrische der Wiener Gesellschaft entwickelt hatte, in dem sich damals die Kaiserfamilie, der Adel, das Bürgertum, Künstler und Gelehrte trafen, neben Grafenegg, Altenburg, Gutenstein, Gaming, den Siften Melk und Zwettel sowie Langenlois zu einem weiteren niederösterreichischen Brennpunkt klassischer Musik entwickeln kann.

An den künstlerischen Voraussetzungen mangelt es jedenfalls nicht: Der griechische Dirigent Pantelis Kogiamis, der seit zehn Jahren in Österreich lebt und an der Athener und der Wiener Musikuniversität sein Handwerk ganz offenkundig hervorragend gelernt hatte, dirigiert das beachtlich musizierende und hoch motivierte zehnköpfige Bajazzo-Instrumentalensemble (Aleksander Dvorin und Patrik Zigmund – 1. und 2. Violine, Jose Gabriel Pina  – Viola, Fiorentina Harsako – Cello, Ruben Sanches – Kontrabass, Christopher Schauer – Flöte, Ludovico Asnaghi – Oboe, Emir Radisevic – Klarinette, Sergio Ginestar Ivars – Trompete und Victoria Choi – Klavier) sowie das einwandfrei singende achtköpfige Vokalensemble (Ayaka Ishizaka, Irina Seisl – Sopran, Ursula Brandstätter, Tatiana Gonzales – Mezzosopran, Yuta Kimura, Harald Rella – Tenor, Bertfried Salem, Denis Iuros – Bass) mehr als souverän. Er bewies, dass es bei derart minutiöser Einstudierung des Werkes weder einen großen Chor noch ein großes Orchester braucht, um authentisch zu klingen.

Zu den herausragenden Protagonisten des Abends zählen zweifelsfrei der in Bayern geborene Tenor mit mazedonischen Wurzeln, Miki Stojanov, der nicht nur bei „Ridi, pagliaccio“ seine große tenorale Kraft mühelos einsetzt und das herzzerreißende Schicksal des betrogenen Ehemanns Canio musikalisch erstklassig und glaubhaft über die Rampe bringt.  Assistiert wird ihm dabei gekonnt vom jungen österreichischen Tenor Thomas Reisinger als Beppe.

Im Eifersuchtsrausch ersticht Canio bekanntermaßen seinen Rivalen Silvio.Eigentlich viel zu früh!“, denkt man. Denn man wünscht sich als Zuhörer, vom Niederösterreicher Thomas Weinhappel, der mit seinem wunderbar strahlenden Bariton sowohl die dramatischen wie die zarten lyrischen Momente stimmtechnisch wie schauspielerisch meisterhaft beherrscht, nicht nur das von ihm beeindruckend gestaltete Duett zu hören, sondern wenigstens noch eine Arie, die Leoncavallo aber leider nie komponiert hat.

Das im Literatursalon der Wartholzer Liegenschaft vor dem Regen und durch bedeutende Abstände der Sitzplätze auch vor Corona geschützte Publikum goutierte die künstlerischen Leistungen zu Recht bereits nach dem ersten Akt mit viel Applaus und Bravo-Rufen. Es entließ die Künstlerinnen und Künstler erst nach mehreren „Vorhängen“ mit größter Anerkennung für den gelungenen Abend.  Man darf den weiteren Vorstellungen besseres Wetter wünschen, damit sie unter freiem Himmel auf der Wartholzer Blumenterrasse im Schlosspark stattfinden können.

—| IOCO Kritik Sommer Salon Wartholz |—

Wien, Wiener Staatsoper, Neues Management – Spielplan 2020/21, IOCO Aktuell, 09.05.2020

wien_neu.gif

Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Spielplan 2020/21 der Staatsoper – Mit neuem Management

Roscic, Schläpfer, Jordan – folgen – Meyer, Legris

von Marcus Haimerl

Das neue Management der  Wiener Staatsoper hatte Pech in seinem ersten Auftritt:  Am 26. April 2020 sollte die Spielzeit 2020/21, in neuer Aufmachung, erstmals vor großem Publikum auf der Bühne der Wiener Staatsoper mit ausgewählten Sängern präsentiert werden statt, wie zuvor über viele Jahre praktiziert, vor der ausgewählten internationalen Presse. Aber die Corona-Pandemie beendete schon die erfolgreiche 10-jährige Amtszeit von Staatsoperndirektor Dominique Meyer und Ballettdirektor Manuel Legris Mitte März 2020 ohne großen Abschied und eher zufällig kurz nach dem Opernball. Die Pandemie  zwang auch den neuen Staatsoper-Direktor Bogdan Roscic,  seine Absichten und Ideen  zur Spielzeit 2020/21 anders als geplant, vor leerem Haus auf der Bühne der Staatsoper, vorzustellen. Die weiteren neuen Manager wurden dort per Video zugeschaltet.

Bogdan Roscic stellt sich vor
youtube Trailer Wiener Staatsoper
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

Der designierte Staatsoperndirektor Bogdan Roscic, * 1964, präsentierte dort, im Interview mit ORF III Moderator Peter Fässlacher, seine Pläne für die  Spielzeit 2020/21 und die Zukunft des Hauses unter seiner Leitung. Roscic leitete zuletzt die Klassik-Sparte von Sony Music; Führungserfahrung oder Erfolge  in der Leitung von Musiktheater besitzt er nicht.  Das  weitere neue Management der Staatsoper, Jordan und Schläpfer, wurde während der Präsentation per Video zugeschaltet:  Philippe Jordan, *1974,  bisheriger Chefdirigent der Wiener Symphoniker übernimmt die seit 2014, dem Abgang von Franz Welser-Möst, vakante Position als zukünftiger Musikdirektor der Staatsoper.  Martin Schläpfer, *1959, ehemals Ballettdirektor der Deutschen Oper am Rhein, Düsseldorf, löst in Wien den bisherigen Ballettdirektor Manuel Legris  ab.

Der Fokus der ersten Spielzeit mit 10 Premieren von Direktor Bogdan Roscic liegt in einer raschen musikalischen und szenischen Erneuerung des Kernrepertoires. In den kommenden fünf Jahren soll es zumindest eine Neuproduktion von Wolfgang Amadeus Mozart, Richard Wagner und einer Oper der klassischen Moderne des 20. Jahrhunderts. Auch die Öffnung des Hauses für alle, auch für junges Publikum liegt Roscic am Herzen.  Vorsatz oder Dilettantismus: in jedem Fall auffällig:  Die Präsentation Bogdan Roscic enthielt, mit Ausnahme eines, wenn auch  dezenten  Seitenhiebes („Auslastungsstreber“), keine Würdigung oder Verpflichtung  der höchst erfolgreichen Tätigkeit der Vorgänger Dominique Meyer oder Manuel  Legris. Ebenso auffällig ist für neutrale  Beobachter, dass auch der zuständige Bundesminister bzw. Staatssekretär/in öffentlich keinen optisch wie  sprachlich geordneten Übergang auf „die Neuen“  in diese für ganz Österreich so populäre Position moderierte.

So passten die von  der Corona-Krise verursachten Unebenheiten bestens in die weitere denkwürdige Choreographie der Vorstellung des Spielplanes 2020/21 der Wiener Staatsoper.

Intendant Dominique Meyer © IOCO

Intendant Dominique Meyer © IOCO

IOCO dankt Dominique Meyer für seine Jahre an der Staatsoper

Die Wiener Staatsoper unter Dominique Meyer  und Manuel Legris setzte in vielen Produktionen künstlerische Maßstäbe für Musiktheater weltweit. 620.000 Besucher füllten   alle Vorstellungen der Staatsoper nahezu bis auf den letzten Platz.  Dazu lag die Auslastung sowohl in den Sparten Oper und Ballett bei mehr als 99%. Die höchste dauerhafte Auslastung aller großen Musiktheater weltweit.
Erinnerlich: Direktoren normal oder schlecht besuchter Theater begründen niedrigen Publikumszuspruch regelmäßig selbsterhöhend – mit den besonderen Ansprüchen ihrer Produktionen, siehe unten.

Der künftige Staatsoperndirektor, der sich selbst als unbeschriebenes Blatt in der Funktion als Theaterdirektor bezeichnet, stellte den Spielplan 2020/21 mit der ungewöhnlichen Ansicht vor,  die unter seinem Vorgänger Dominique Meyer stetig erzielten  hohen Auslastungen seien „für ihn“ keine Vorgaben:  „Die Wiener Staatsoper ist da um großartig zu sein, um Erlebnisse zu bieten auf absolutem Spitzenniveau, die sonst nirgendwo geboten werden können und ohne die das Leben arm wäre. Wenn sie das tut wird sie auch immer brechend voll sein.“, so Bogdan Roscic.  Der  von der Rheinoper Düsseldorf kommende  neue Ballettdirektor Martin Schläpfer wurde in Düsseldorf nie heimisch. Die unter seinem Vorgänger, Ballettdirektor Youri Vamos bis 2011 stets prall gefüllte Rheinoper erreichte Martin Schläpfer nur selten; mit neuen Choreographien  erzielte er über Jahre nur wenig Breitenwirksamkeit und nur durchschnittliche Gesamt-Auslastungen von 75%. So weigerte sich Schläpfer in Düsseldorf bei IOCO-Nachfragen konstant über Auslastung zu sprechen („über Auslastung rede ich nicht“). Das benachbarte Aalto Ballett Essen ist deutlich beliebter: seine Auslastung liegt seit Jahren bei 85%.

Bogdan Roscic – Paradigmen der kommenden Spielzeit

Im Zeichen der Auseinandersetzung und Erneuerung des Kern-Repertoires

In zehn Premieren werden zehn auf ihre Art absolut zentrale Opern neu auf die Bühne gebracht, darunter einige der meistgespielten Werke des Repertoires. Die Arbeit an diesen Projekten ist stark durch die Wiedereinführung der Position des Musikdirektors bestimmt: Philippe Jordan ist nicht nur wesentlicher Teil des neuen künstlerischen Führungsteams, sondern wird, auch an vielen Abenden am Dirigentenpult stehen – so bereits bei der Eröffnungspremiere der Saison.

Ein zentraler Schwerpunkt der neuen Direktion liegt neben der Beschäftigung mit Fragen des musikalischen Bereichs vor allem im Dialog und der Balance zwischen musikalischer Arbeit und szenischem Anspruch. Daher wird das Führungsteam seine Vorhaben der ersten Spielzeit gemeinsam mit den wichtigsten Regisseuren der Opernwelt umsetzen. Fast alle von ihnen arbeiten zum ersten Mal an der Wiener Staatsoper. Durch die ungewöhnlich hohe Anzahl von Premieren gehen auch einige ihrer bereits legendär gewordenen, stilbildenden Inszenierungen innerhalb einer Saison neu erarbeitet in das Repertoire der Wiener Staatsoper ein.

Programmatisch werden von der neuen Direktion drei Schwerpunkte gesetzt: Mozart, Wagner sowie jene klassisch gewordenen Opern des 20. Jahrhunderts, die eine Brücke zwischen Tradition und zeitgenössischer Komposition bilden. Diese drei Schwerpunkte werden sich in jeder der von der neuen Direktion verantworteten Spielzeiten wiederfinden. Parallel zu den zehn neuen Projekten widmet sich die Wiener Staatsoper einer Reihe von klar als solchen gekennzeichneten Wiederaufnahmen. Neben den bekanntesten Namen der Opernwelt werden an der Spiel-zeit viele für die Staatsoper neue Künstlerinnen und Künstler in ihren Haus-Debüts mitwirken, vokal ebenso wie am Dirigentenpult. An dieses kehren in Folge aber auch vertraute, wichtige Namen wie Christian Thielemann, Franz Welser-Möst oder Bertrand de Billy zurück. Die Wiener Staatsoper ist für alle da. Sie auch konsequent für alle zu öffnen, ist ein weiteres Ziel, das sich die neue Direktion vorgenommen hat. Eine dafür zentrale Maßnahme ist die intensive Weiterführung des Kinderoper-Programms, das stärker ans Haus selbst gebracht wird. Mozarts Entführung wird für Kinder als Wander-Theater an besonderen Plätzen der Staatsoper gezeigt, auch ein verdichteter, auf Deutsch neu erzählter, Barbier von Sevilla wird im Großen Haus zu sehen sein. Die Saison 2020/21 ist auch der Beginn einer neuen Ära für das Staatsballett. Der Schweizer Choreograph Martin Schläpfer übernimmt die Führung der Compagnie.

Elektra – 2020/21 – ab 8.9.2020 wieder auf dem Spielplan
youtube Trailer Wiener Staatsoper
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

Zehn Opern-Premierenproduktionenin der Saison 2020/21

– 7. September 2020 – MADAMA BUTTERFLY   von Giacomo Puccini

Musikalische Leitung Philippe Jordan, Inszenierung Anthony Minghella, Regie & Choreographie Carolyn Choa,

Mit: Cio-Cio-San Asmik Grigorian, Pinkerton Freddie De Tommaso, Sharpless Boris Pinkhasovich

Diese poetische, aufsehenerregende Inszenierung des Oscar-Preisträgers Anthony Minghella (Der englische Patient, Der talentierte Mr. Ripley), wird als erste Premiere in Wien von Carolyn Choa, die sie als Choreographin gemeinsam mit ihrem im Jahr 2008 verstorbenen Ehemann und Regisseur Minghella erarbeitet hat, neu einstudiert. Asmik Grigorian gibt ihr Staatsoperndebüt in der Rolle der Cio-Cio-San. Ebenso erst-mals am Haus zu sehen: Freddie De Tommaso als Pinkerton. Philippe Jordan nimmt mit diesem Dirigat seine Arbeit als Musikdirektor auf und übergibt in der dritten Aufführungsserie an Hausdebütantin Joana Mallwitz. Unter ihrer Leitung gibt Roberto Alagna nach fast 100 Auftritten in 15 unterschiedlichen Opern mit dem Pinkerton ein wichtiges Rollendebüt an der Wiener Staatsoper.

– 12. Oktober 2020 – Die Entführung aus dem Serail – Wolfgang Amadeus Mozart

Musikalische Leitung Antonello Manacorda, Inszenierung Hans Neuenfels

Konstanze Lisette Oropesa, Blonde – Regula Mühlemann, Belmonte – Daniel Behle, Pedrillo – Michael Laurenz, Osmin – Goran Juric, Bassa Selim – Christian Nickel

Ein Klassiker der Musiktheaterregie ist Hans Neuenfels’ nun für Wien weiterentwickelte, ebenso poetische wie skurrile, existentiell anrührende wie heiter skeptische Meditation über das Gegen- und Miteinander von Gesang und Schauspiel. Neuenfels, der demnächst seinen 79. Geburtstag feiert, besetzt alle solistischen Gesangsrollen noch einmal mit Schauspielern. Seine Neufassung des Librettos behält alle Handlungsmomente des Originals bei, zugleich reflektieren sich Schauspiel und Gesang in Spiegelungen und Verflechtungen. Unter der Leitung von Antonello Manacorda singen und spielen unter anderem die Koloratursopranistin Lisette Oropesa in der Rolle der Konstanze sowie das langjährige Burgtheater- und heutige Theater in der Josefstadt-Ensemblemitglied Christian Nickel in der Rolle des Bassa Selim. In der zweiten Serie singt – erstmals am Haus – Brenda Rae die Partie der Konstanze.

– 25. Oktober 2020 – EUGEN ONEGIN von Piotr I. Tschaikowski

Musikalische Leitung Tomáš Hanus, Inszenierung Dmitri Tcherniakov

Mit: Tatjana – Tamuna Gochashvili, Eugen Onegin – Andrè Schuen, Lenski – Bogdan Volkov, Fürst Gremin – Dimitry Ivashchenko,

Die 2006 am Bolschoi Theater Moskau herausgebrachte Inszenierung von Regisseur und Bühnenbildner Dmitri Tcherniakov ist rund um die Welt gegangen und bis heute eine seiner wichtigsten geblieben. Tcherniakov schuf einen hermetisch anmutenden, klassizistischen Speisesaal, in dem sich ein zeitloses inneres Geschehen abspielt. Zentrales Gestaltungselement ist ein langer Tisch, der als Ort des geteilten festlichen Lebensgenusses die unaufhebbare Entfremdung der Figuren umso fühlbarer macht. In nahezu allen solistischen Rollen geben Vertreter einer jungen Sängergeneration, angeführt vom neuen Ensemblemitglied Tamuna Gochashvili als Tatjana und Andrè Schuen als Onegin, ihr jeweiliges Hausdebüt. Dirigent der Neuproduktion ist Tomáš Hanus, der das Werk hier erstmals dirigiert.

Das verratene Meer – hier von Wieler, Morabito vorgestellt
youtube Trailer Wiener Staatsoper
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

– 13. Dezember 2020 – DAS VERRATENE MEER von Hans Werner Henze

Musikalische Leitung Simone Young, Inszenierung Jossi Wieler & Sergio Morabito,

Mit: Fusako Kuroda – Vera-Lotte Boecker, Noboru – Josh Lovell – Ryuji Tsukazaki – Bo Skovus

Die Vorlage zu Das verratene Meer stammt aus der Feder des »enfant terrible« der japanischen Nachkriegsliteratur, Yukio Mishima, dessen Roman Gogo no Eiko (auf Deutsch erschienen unter dem Titel Der Seeman, der die See verriet) der Oper zugrunde liegt. Hans Werner Henze lässt den subtilen Horror der Vorlage Klang werden – beunruhigend und verführerisch zugleich. Die Staatsoper bietet eine grandiose Riege von Sängerdarstellern auf, darunter, neu im Ensemble, die Sopranistin Vera-Lotte Boecker als Fusako, Josh Lovell, seit der Saison 2019 / 20 im Ensemble, als Noboru oder Bo Skovhus mit seinem Rollendebüt als Ryuji. Die für einen großen Orchesterapparat konzipierte Partitur wird von Simone Young dirigiert, die das Publikum wie kaum eine Zweite für die klassische Moderne zu begeistern weiß. Sein Regiedebüt an der Wiener Staatsoper gibt das Regieteam Jossi Wieler und Sergio Morabito (letzterer ab Beginn der neuen Spielzeit auch Chefdramaturg im Haus am Ring). Gemeinsam mit Anna Viebrock, die für Bühnenbild und Kostüme verantwortlich zeichnet, haben sie weltweit schon über 20 Opern inszeniert.

Die weiteren Premieren der Spielzeit 2020/21 – links HIER!

CARMEN am 6.2.2021, La Traviata am 4.3.2021, Parsifal am 1.4.2021, FAUST am 23.4.2021, L´Incoronazione di Poppea am 22.5.2021, Macbeth am 10.6.2021

 

—| IOCO Aktuell Wiener Staatsoper |—

Wien, Altes Rathaus, Richard Wagner-Verband – Stipendiaten-Konzert, IOCO Aktuell, 15.03.2020

Festspielhaus Bayreuth © IOCO

Festspielhaus Bayreuth © IOCO

Richard Wagner Verband Wien

Richard Wagner-Verband Wien – Altes Rathaus Wien – Barocksaal

– Konzert der Stipendiaten –

von Elisabeth König

Richard Wagner Bayreuth © IOCO

Richard Wagner Bayreuth © IOCO

Bereits zum vierten Mal präsentierte der Richard Wagner-Verband Wien seine Stipendiaten der letzten Jahre seinen Mitgliedern und dem Publikum. Die ersten drei Konzerte waren gemeinsam mit der Wiener Staatsoper in deren Räumlichkeiten präsentiert worden, das aktuelle Konzert wurde erstmals vom Verband selbst organisiert und im Barocksaal des Alten Wiener Rathauses zur Aufführung gebracht. Ehrengast des Verbandes war einer der erfolgreichsten Stars der Wiener Staatsoper, Kammersängerin Olivera Miljakovic, die sich nach dem Konzert über das hohe Niveau der Stipendiaten sehr erfreut zeigte.

Am Beginn des Konzertes stand zur Begrüßung die Hallenarie der Elisabeth („Dich, teure Halle, grüß‘ ich wieder“) aus Richard Wagners Tannhäuser, welche von Rebecca Blanz mit schönem, großem und klarem Sopran dargebracht und einfühlsam von der Pianistin Stella Marie Lorenz begleitet wurde.

Begrüßt wurde das Publikum durch das Vorstandsmitglied Marcus Haimerl, der nicht nur auf die Geschichte des Verbandes, sondern auch auf die langjährige Tradition der Jugendförderung hinwies, die dem Verband eine Herzensangelegenheit ist. Magdalena Hoisbauer, Dramaturgin der Wiener Volksoper und diesjährige Stipendiatin, moderierte den Abend souverän und versorgte das Publikum mit viel positiver Energie und Charme mit Informationen zu den einzelnen Stipendiaten und Stücken. Sowohl Magdalena Hoisbauer als auch Marcus Haimerl zeichneten auch für die anspruchsvolle Programmgestaltung und die – in Grippezeiten umso anspruchsvollere – gelungene Organisation verantwortlich.

Richard Wagner-Verband Wien / Stipendiatenkonzert - hier : Akkordeonist Leo Herzog © Marcus Haimerl

Richard Wagner-Verband Wien / Stipendiatenkonzert – hier : Akkordeonist Leo Herzog © Marcus Haimerl

Der kurzen Ansprache und Einführung zum Konzert folgte ein ganz besonderer musikalischer Moment: der im deutschen Pforzheim geborene Akkordeonist Leo Herzog spielte Domenico Scarlattis Sonate in F-Moll K.19 mit enormer Virtuosität. Auf ebenso hohem Niveau war im zweiten Teil des Konzerts auch seine Darbietung des 1.Satzes „Winter“ aus Antonio Vivaldis Die vier Jahreszeiten. Er bewies dabei gleichzeitig die unglaubliche Vielfalt dieses möglicherweise etwas unterschätzten Instruments wie auch seine Kunstfertigkeit. Ein Solokonzert dieses großartigen jungen Künstlers wäre wünschenswert.

Zu Beginn des zeitgenössischen teils des Konzertes standen zwei Lieder des Komponisten Carl Tertio Druml, der 2019 mit einem Stipendium den Wagner-Verband Wien bei den Bayreuther Festspielen repräsentierte.

Das erste Lied, dargeboten von einem Stipendiaten des Wagner-Verbands Linz, dem in Seoul geborenen Seho Chang, der bereits auf erfolgreiche Auftritte im Musiktheater des Landestheater Linz zurückblicken darf, war die Vertonung des Textes „A Mellow Phantom“ von Koen Kleijn. Seho Chang gestaltete dieses kurze, anspruchsvolle Lied mit kräftigem und sehr tiefem Bariton. Begleitet wurde er von Daniel Strahilevitz, der sich an dem Abend durchwegs als kongenialer Pianist und hervorragender Begleiter präsentieren durfte.

 Richard Wagner-Verband Wien / Stipendiatenkonzert - hier : die Teilnehmer mit Vorstandsmitglied Marcus Haimerl 2 vr © Elisabeth Koenig

Richard Wagner-Verband Wien / Stipendiatenkonzert – hier : die Teilnehmer mit Vorstandsmitglied Marcus Haimerl 2 vr © Elisabeth Koenig

Besonders interessant erwies sich das zweite Lied, die Vertonung des Gedichts Abschied von Paul Celan. Gestaltet wurde dieses längere und außerordentlich anspruchsvolle Lied von Rebecca Blanz und Stella Marie Lorenz, die sich beide erst vier Tage vor Konzertbeginn bereit erklärt hatten, für eine erkrankte Kollegin einzuspringen und das Lied in nur zwei Tagen zu lernen. Das außerordentliche Talent der beiden Künstlerinnen und das absolute Gehör von Rebecca Blanz ermöglichten, dass dieses Lied zur Aufführung gelangen konnte. Man könnte Paul Celans Gedicht als eine Art Abrechnung mit Ingeborg Bachmann sehen, mit der er ein Verhältnis hatte. Abschiedsbriefe zwischen dem Lyriker und der Schriftstellerin gab es ja mehrere.

Richard Wagner Verband Wien / Stipendiatenkonzert - hier : Rebecca Blanz und Stella Marie Lorenz,am Fluegel © Marcus Haimerl

Richard Wagner Verband Wien / Stipendiatenkonzert – hier : Rebecca Blanz und Stella Marie Lorenz,am Fluegel © Marcus Haimerl

Carl Tertio Druml hebt in seiner Komposition zwei Geschwindigkeiten gegeneinander hervor, ein Tempo für Klavier und eines für Gesang. Nur bei einer einzigen Stelle („Oh falsches Gespiel“) finden sich die beiden Stimmen, die sich ansonsten vollkommen autonom voneinander weg oder aneinander vorbei bewegen. Ein schiefer Walzer als Illusion der Liebe, ein Furioso als ausbrechende Wut und die Rückkehr zu diesem Walzer, Resignation und Abschiednehmen. Die technische Herausforderung dieses Liedes liegt in dem gewünschten Nebeneinander, das trotz plötzlicher gemeinsamer Momente, in denen Klavier und Gesang auf demselben Ton enden, doch nie ein Miteinander wird. Die schwebende Gestaltung der Höhen unterstreicht die Fragilität des Konstrukts und der Emotionen. Ein Abschied mit Wehmut, mit Wut, aber dennoch mit Liebe. Die komplexe, tief berührende Komposition Carl Tertio Drumls wurde durch die virtuose, hochprofessionelle Gestaltung durch Rebecca Blanz und Stella Marie Lorenz am Klavier zu einem musikalischen Hochgenuss.

Der in Bozen geborene Manuel Zwerger war 2015 Stipendiat des Richard Wagner Verbands. Für die lyrische Koloratursopranistin Beata Beck, ebenfalls Wagner-Stipendiatin, komponierte er das Lied „Nacht wird lang sich nicht erhellen“. Beata Beck sang diese frühromantische Komposition mit schönem, schlankem Sopran, begleitet mit großer Präzision und Musikalität vom österreichischen Pianisten und Organisten Stefan Donner.

Mit dem düsteren und dramatischen Lied „Das irdische Leben“ von Gustav Mahler aus seiner Liedsammlung Des Knaben Wunderhorn konnten Rebecca Blanz und Stella Marie Lorenz noch einmal das Publikum für sich einnehmen.

Eine große Bereicherung für den Abend war auch die belgische Sopranistin Anne-Sophie Sevens, die ihr Stipendium 2019 antrat. Dem Publikum im Barocksaal des Alten Rathauses stellte sich die Künstlerin mit Elsas Arie „Einsam in trüben Tagen“ aus dem ersten Akt von Wagners Lohengrin vor und begeisterte mit ihrem großen, ausdrucksstarken Sopran das Publikum. Begleitet wurde sie von Daniel Strahilevitz, der sich auch bei dieser Arie als einfühlsamer Begleiter erwies.

Richard Wagner Verband Wien / Stipendiatenkonzert - hier : Isabella Kuess und Daniel Strahilevitz © Marcus Haimerl

Richard Wagner Verband Wien / Stipendiatenkonzert – hier : Isabella Kuess und Daniel Strahilevitz © Marcus Haimerl

Daniel Strahilevitz konnte sich gleich darauf auch eindrucksvoll als virtuoser Solist vorstellen. Mit dem meisterhaft gespielten Adagio und Presto der 2. Klaviersonate in F-Dur KV 280 von Wolfgang Amadeus Mozart bewies der junge Pianist und Dirigent seine feinsinnige Musikalität und außerordentliche Begabung und begeisterte das Publikum.

Einer großen Arie nahm sich im Anschluss Beata Beck an: die Arie der Zerbinetta „Großmächtige Prinzessin“ aus der Oper Ariadne auf Naxos von Richard Strauss. Die Sopranistin bewies in der einigermaßen umfangreichen Arie mit gelungenen Koloraturen Leichtigkeit und wurde dabei erneut von Stefan Donner ausgesprochen feinfühlig begleitet.

Zum Abschluss des ersten Teils lernte das Publikum nochmals zwei neue Künstler kennen: Mit dem kraftvollen hellen Tenor Hans-Jörg Gaugelhofers und der präzisen Begleitung Anton Brezinkas wurde die Romanze des Fenton „Horch die Lerche singt im Hain“ aus der Oper Die lustigen Weiber von Windsor von Otto Nicolai zu einem wunderschönen Abschluss des ersten Programmteils.

Nach der Pause konnte auch Stefan Donner, dessen einfühlsame Begleitung bereits im ersten Teil angenehm auffiel, sein Talent als Solist beweisen. Sein inniger und differenzierter Vortrag von drei Romanzen von Clara Schumann berührte mit zarten Farben.

Mit zwei Liedern aus den vier weißen Liedern Richard Wagners, stellte sich der Tenor Calon Danner, einer der diesjährigen Stipendiaten, dem Publikum vor.

Zu Beginn stand das Lied „Dors, mon enfant“ WWV 53 und im Anschluss „Mignonne“ WWV 57. Calon Danners schöner, eleganter Tenor eignete sich optimal für diese beiden Lieder und hinterließ gemeinsam mit dem intensiven Klavierspiel Anton Brezinkas großen Eindruck.

 Richard Wagner-Verband Wien / Stipendiatenkonzert - hier : Anne-Sophie Sevens und Daniel Strahilevitz   © Marcus Haimerl

Richard Wagner-Verband Wien / Stipendiatenkonzert – hier : Anne-Sophie Sevens und Daniel Strahilevitz   © Marcus Haimerl

Der zweite Auftritt von Anne-Sophie Sevens widmete sich wieder einem Lied Gustav Mahlers:Wo die schönen Trompeten blasen“. Wie schon bei der Arie Elsas im ersten Teil des Konzerts bewies die belgische Sopranistin aufs Neue ihre Eignung für das deutsche Fach, und wurde dabei erneut mit ungeheurer Musikalität und Farbenpracht von Daniel Strahilevitz am Klavier begleitet.

Im nächsten Programmpunkt ehrte die Wiener Sopranistin Isabella Kuëss den Jahresregenten Ludwig van Beethoven zu seinem 250. Geburtstag mit der großen Arie Leonores „Abscheulicher, wo eilst Du hin?“ aus Fidelio. Mit ihrem ausdrucksvollen dramatischen Sopran ist sie im deutschen Fach perfekt besetzt und wurde von Daniel Strahilevitz eindrucksvoll und mit Brillanz begleitet. Ihre nuancenreiche Interpretation und musikalische Gestaltung vermochten Verzweiflung und Wut ebenso auszudrücken wie feingliedrige lyrische Momente treuer Liebe.

 Richard Wagner-Verband Wien / Stipendiatenkonzert - hier : Yasuyo Segawa © Marcus Haimerl

Richard Wagner-Verband Wien / Stipendiatenkonzert – hier : Yasuyo Segawa © Marcus Haimerl

Für eine überwältigende Leistung sorgte auch die japanische Pianistin Yasuyo Segawa, die nach einem Unfall nur noch mit der linken Hand spielen kann. Mit unglaublicher Ausdruckskraft und Intensität gelang es der jungen Künstlerin mit dem „Miserere“ aus Giuseppe Verdis Il Trovatore das Publikum zutiefst zu berühren und zu begeistern.

Ein weiteres Mal bewies auch der koreanische Bariton Seho Chang sein Können und läutete mit der Arie des WolframOh, Du mein holder Abendstern“ aus Richard Wagners Tannhäuser das Finale des Abends ein. Mit seiner imposanten dunklen Stimme wurde diese romantisch-schwelgende Arie Wagners zu einem der vielen musikalischen Höhepunkte des Abends, für deren Begleitung sich erneut Daniel Strahilevitz mit seiner unglaublichen Vielseitigkeit verantwortlich zeigte.

Für die letzte Arie kehrte nochmals Isabella Kuëss auf die Bühne zurück. Mit Sentas Ballade „Johohoe! Traft ihr das Schiff im Meere an“ aus Richard Wagners Der fliegende Holländer sprang die Künstlerin nur wenige Stunden vor dem Konzert für eine erkrankte Kollegin ein. Mit nur einer kurzen Probe vor dem Konzert und einer für sie neuen Arie, konnte die Künstlerin das Publikum erneut mit ihrem beeindruckenden Sopran und ihrer Musikalität überzeugen, und sorgte gemeinsam mit ihrem virtuosen Begleiter Daniel Strahilevitz für ein imposantes Finale.

Nach dem eindrucksvollen Schluss des Konzerts stand großer Jubel für die vielen begabten Künstlerinnen und Künstler seitens des Publikums. In der Tat präsentierten sich alle StipendiatInnen auf höchstem Niveau. Mit Freude wird man ihre weitere Karriere verfolgen und es bleibt die Vorfreude auf das nächste Konzert im kommenden Jahr.

—| IOCO Aktuell Richard Wagner Verband Wien |—

Wien, Volksoper Wien, Der Zauberer von Oz – Lyman Frank Baum, IOCO Kritik, 05.02.2020

volksoper_wien.JPG

Volksoper Wien

 Volksoper Wien bei Nacht Foto IOCO

Volksoper Wien bei Nacht Foto IOCO

 Der Zauberer von Oz – Lyman Frank Baum

– Ein Klassiker in Wien – In der Volksoper, als Flash Mob, in Schulen –

von Marcus Haimerl

Das Kinderbuch Der Zauberer von Oz von Lyman Frank Baum stammt aus dem Jahr 1900, internationalen Ruhm erlangte die Geschichte erst mit der Verfilmung aus dem Jahr 1939 mit der damals 16-jährigen Judy Garland. Der Film fügte einige entscheidende Details hinzu, die noch heute untrennbar mit der Geschichte des Zauberers von Oz in Verbindung gebracht werden. So wurden aus den silbernen Schuhen der Buchvorlage – dem damals brandneuen Technicolor-Verfahrens geschuldet- die berühmten roten Schuhe (ruby slippers). Aber auch die im Buch sehr kurz gehaltene Vorgeschichte in Kansas wurde im Film ausgebaut und die handelnden Personen finden sich in einer anderen Rolle auch im Land Oz wieder.

Der Zauberer von Oz – Lyman Frank Baum
youtube Trailer der Volksoper Wien
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

Die Songs von Harold Arlen, darunter der wohl größte Hit des Films „Somewhere over the rainbow“ und die Hintergrundmusik von Herbert Stothart bildeten auch die Grundlage für die an der Volksoper Wien gespielte Fassung, welche von John Kane 1987 für die Royal Shakespeare Company adaptiert wurde und auch um die im Film gestrichene Jitterbug-Szene, an der immerhin drei Wochen gedreht wurde, ergänzt.

Die beinahe filmhafte Umsetzung des Musicals an der Volksoper Wien entspricht auch der Handlung des Films. Mitten in Kansas hat die junge Dorothy Gale Schwierigkeiten. Die gemeine Miss Gulch hat es auf Dorothys Hund abgesehen, da sie in diesem eine Bedrohung sieht. Dorothy läuft davon und trifft auf den Wahrsager Professor Marvel, der ihr weismacht, ihre Tante sei schwerkrank. Dorothy läuft nach Hause, aber es zieht ein Wirbelsturm auf, sie kann aber nicht mehr rechtzeitig Schutz im Erdkeller finden. Sie flüchtet ins Farmhaus, das vom Sturm in das zauberhafte Land Oz getragen wird, in Munchkin City auf der bösen Hexe des Ostens landet und diese zerquetscht. Von der Tyrannin befreit, wird sie von den Munchkins als Heldin gefeiert. Die böse Hexe des Westens erscheint und möchte die roten Schuhe ihrer Schwester, die sich plötzlich an den Füssen von Dorothy befinden. Die gute Hexe Glinda schickt Dorothy in die Smaragdstadt zum Zauberer von Oz, dieser könne ihr sagen, wie sie wieder nach Hause findet. Gemeinsam mit Toto macht sich Dorothy auf dem Goldziegelweg auf in die Smaragdstadt.

Volksoper Wien / Der Zauberer von Oz - hier : Daniel Jeroma als Toto, Peter Lesiak als Hunk / Vogelscheuche, Oliver Liebl als Hickory / Der Blechmann, Franziska Kemna als Dorothy © Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Volksoper Wien / Der Zauberer von Oz – hier : Daniel Jeroma als Toto, Peter Lesiak als Hunk / Vogelscheuche, Oliver Liebl als Hickory / Der Blechmann, Franziska Kemna als Dorothy © Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Auf ihrem Weg schließt sie Freundschaft mit der Vogelscheuche, die sich einen Verstand und dem Blechmann, der sich ein Herz wünscht, sowie auf den Löwen, der nichts anderes als Mut will. Die vier Freunde überwinden die Hindernisse, die die Hexe des Westens ihnen in den Weg legt und sie gelangen in die Smaragdstadt. Als sie schließlich zum Zauberer vorgelassen werden, eröffnet ihnen dieser, die Wünsche zu erfüllen, wenn sie ihm den Besen der bösen Hexe des Westens bringen.

Auf ihrem Weg in den Westen erwarten die Freunde wieder Prüfungen, denn die Hexe schickt alle, die unter ihrem Kommando stehen aus, um Dorothy und ihre Gefährten aufzuhalten. Neben ihren fliegenden Affen und dem versklavten Volk der Winkies schickt die Hexe auch die Jitterbugs. Wird man von diesen Käfern gebissen, muss man bis zur Erschöpfung tanzen. Dorothy und Toto werden von den fliegenden Affen schließlich zum Schloss der Westhexe gebracht, doch gelingt es ihr nicht die roten Schuhe an sich zu reißen. Auch Vogelscheuche, Blechmann und Löwe haben es, mit Uniformen der Winkie-Armee verkleidet, geschafft ins Schloss zu gelangen. Als die Hexe die Vogelscheuche mit Feuer bedroht, übergießt Dorothy sie mit Wasser. Die Hexe schmilzt und ist tot. Zurück in der Smaragdstadt müssen die Freunde erkennen, dass der Zauberer nur ein normaler Mann ist und sein Zauber nur Illusion. Aber sie erfahren von ihm, dass sie das, was sie sich wünschen, bereits in sich tragen. Als äußeres Zeichen ihrer Attribute erhalten die Vogelscheuche ein Diplom für seine Klugheit, der Löwe einen Orden für seine Tapferkeit und der Blechmann einen Preis für seine Nächstenliebe. Glinda schließlich zeigt Dorothy, dass sie jederzeit aus eigener Kraft nach Hause zurückkehren kann. Schließlich ist es nirgends so schön wie zu Hause.

Volksoper Wien / Der Zauberer von Oz - hier : Peter Lesiak als Hunk/ Die Vogelscheuche, Juliette Khalil als Dorothy, Ensemble © Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Volksoper Wien / Der Zauberer von Oz – hier : Peter Lesiak als Hunk/ Die Vogelscheuche, Juliette Khalil als Dorothy, Ensemble © Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Regisseur Henry Masons filmische Umsetzung des Musicals wird vor allem im ersten Teil von großen Postkarten (Bühne und Kostüme: Jan Meier) dominiert. Nicht nur das Musical aus den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts ist nostalgisch, sondern auch die Postkarten sind ein Objekt der Nostalgie und stehen für das Spannungsfeld zwischen Fern- und Heimweh. Für Dorothys Wunsch nach dem Land hinter dem Regenbogen, ebenso wie den Wunsch nach Hause zurückzukehren. Dazu sagt Henry Mason: „Der Schlusssatz ‚Es ist nirgends so schön wie zu Hause‘ bedeutet vielleicht, dass Dorothys Zuhause das vorher sehr grau ausgesehen hat, nun keine Grenze mehr hat, an der die Welt für sie aufhört. Es ist vielmehr ein Ort, an dem sie auftanken kann, um wieder wegzugehen. Dorothy lernt, wo ihre Wurzeln sind, und kann das, was sie vorher als Enge erlebt hat, nun als Liebe erfahren.“ Die erwähnten Postkarten dienen auf der Bühne als eindimensionale Kulisse, um die sich die Handlung farbenreich entwickelt.

Wolfram-Maria Märtig am Pult des Orchesters der Wiener Volksoper sorgt mit viel Schwung für einen hervorragenden und mitreißenden Hollywood Sound.

Mit Juliette Khalil ist die Rolle der Dorothy Gale ideal besetzt und sie begeistert nicht nur gesanglich mit ihrem Hit „Somewhere over the rainbow“, sondern vielmehr auch mit der intensiven schauspielerischen Gestaltung. Erstklassig besetzt sind aber auch ihre drei Freunde. Als Vogelscheuche auf der Suche nach Verstand (und als Farmarbeiter Hunk) erlebt man Peter Lesiak, der vor allem durch seine Darstellung und seinen akrobatischen Körpereinsatz zu überzeugen weiß. Oliver Liebl berührt als einfühlsamer Blechmann (sowie als Farmarbeiter Zeke). Eine sensationelle Leistung erlebt man von Christian Graf, der all sein Können in die Rolle der bösen Hexe des Westens (und Almira Gulch) wirft. Aber anders als Margaret Hamilton in der Musicalverfilmung bringt Christian Graf ausreichend Humor in die Partie ein und verhilft der Hexe damit auch zu einigen Sympathiewerten des Publikums. Mit verlässlich guter Leistung in Gesang und Darstellung gestaltet Regula Rosin die Rolle der Glinda, der guten Hexe des Nordens und Dorothys Tante Em. Als Onkel Henry und Wächter in der Smaragdstadt überzeugt Wolfgang Gratschmaier, ebenso wie Boris Eder in der Partie des Professor Marvel und des Zauberer von Oz.

Der Zauberer von Oz – Lyman Frank Baum
youtube Trailer ein Schulprojekt der der Volksoper Wien
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

Eine besondere Darbietung auch von Rafael Schuchter der der Puppe von Dorothys Hund, Toto, meist in der Hocke verweilend, Leben einhaucht. Besonderes Lob muss hier auch an den Kinderchor und den Jugendchor der Volksoper Wien gehen, die hier als kleines Volk der Munchkins ganz Großes leisten und dem Wiener Staatsballett, die hier einen wunderbaren Tanz zwischen Mohnblumen und Schneeflocken aufs Parkett legen und damit die Szene im Mohnblumenfeld optisch auf besondere Weise gestalten.

Obwohl die Premiere bereits am 6. Dezember 2014 stattfand, ist das Haus nach mehr als 60 Vorstellungen immer noch restlos ausverkauft. Mit diesem Musical verfügt die Volksoper über eine Erfolgsproduktion, die hoffentlich noch viele Jahre Jung und Alt erfreuen wird.

—| IOCO Kritik Volksoper Wien |—

Nächste Seite »

Diese Webseite benutzt Google Analytics. Die User IPs werden anonymisiert. Wenn Sie dies trotzdem unterbinden möchten klicken Sie bitte hier : Click here to opt-out. - Datenschutzerklärung