Lilienfeld, Stiftsbasilika, Fidelio – Ludwig van Beethoven, IOCO Kritik, 28.07.2021

Juli 28, 2021 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Oper, Stift Lilienfeld

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 Stiftskirche Lilienfeld © Marcus Haimerl

Stiftskirche Lilienfeld © Marcus Haimerl

Stift Lilienfeld

 Fidelio  –   Ludwig van Beethoven

 – Freiheitsklänge erfüllen die Stiftsbasilika Lilienfeld –

von Marcus Haimerl

Zur Eröffnung der 40. Sommerakademie 28Lilienfeld wurde Ludwig van Beethovens Oper Fidelio in der Stiftsbasilika Lilienfeld halbszenisch aufgeführt. Nach zweimaliger Corona-bedingter Verschiebung konnte doch noch der 250. Geburtstag des Komponisten in Lilienfeld nachgefeiert werden.

Das Zisterzienserstift Lilienfeld, zwischen St. Pölten und dem Wallfahrtsort Mariazell gelegen, geht auf eine Stiftung von Herzog Leopold VI. (1176-1230) aus der Familie der Babenberger zurück. Sie ist heute die größte erhaltene zisterziensische Klosteranlage in Mitteleuropa und beherbergt eine kostbare Kreuzesreliquie.

Ludwig van Beethoven © IOCO

Beethoven in Bonn © IOCO

Die zwischen 1202 und 1263 errichtete romanisch-gotische Kirche gehört mit ihren 83 Metern Länge zu den größten Kirchen Niederösterreichs, die Innenausstattung stammt aus der Barockzeit. Das Stift liegt an der Via Sacra, dem traditionellen Wallfahrerweg zwischen Wien und Mariazell, weshalb das Hauptschiff als heilige Straße gestaltet ist, welche Richtung Hochaltar mehr und mehr an Goldglanz zunimmt.

Im beeindruckenden Bereich dieses Hochaltars wurde die einzige, jedoch zwei Mal überarbeitete Oper Beethovens in Szene gesetzt. Man entschied sich für die 1814 am Kärtnertortheater uraufgeführte Drittfassung und behielt auch die auf angenehme Länge gekürzten Originaldialoge bei. Die Regie dieser halbszenischen Inszenierung von Beethovens Oper über Freiheit und Gattenliebe, welche auch mit wenigen Requisiten auskam, wurde von den Künstlern selbst erarbeitet.  Die Gesamtleitung lag in den Händen der überaus bewährten Dir. Prof. Mag. Dr. h.c. Karen De Pastel. Die unter anderem mit dem Ehrenzeichen in Gold der Stadt Lilienfeld (2019) und dem Ehrenkreuz in Gold vom Stift Lilienfeld (1999) ausgezeichnete Organistin, Komponistin und Geigerin arbeitet seit 2001 mit dem KünstlerOrchester Wien / Lilienfeld und dirigierte neben Kompositionen verschiedenster Epochen fast alle großen Beethoven-Werke in Lilienfeld und Wien.

Stiftskirche Lilienfeld / Fidelio - hier: Kirchenvertreter, Ensemble uam   © Michaela Haimerl

Stiftskirche Lilienfeld / Fidelio – hier: Kirchenvertreter, Ensemble uam   © Michaela Haimerl

In der Partie des Fidelio, beziehungsweise Leonore brillierte Magdalena Renwart-Kahry, die eben diese Partie bereits im Rahmen ihres Engagements an der Opera di Firenze mit Zubin Mehta erarbeiten konnte und verkörperte diese Partie sowohl in der Premierenserie im Stadttheater Baden als auch in der Oper Burg Gars. Magdalena Renwart-Kahry verfügt über einen schönen, intensiven Sopran mit kraftvoller Höhe und gestaltete die kämpferische, liebende Ehefrau zutiefst berührend. Ihre Arie Abscheulicher, wo eilst Du hin zählte ohne Zweifel zu den Höhepunkten des Abends.

Der slowenische Tenor David Jagodic sang ihren Gatten Florestan mit der Strahlkraft seines klaren, jugendlichen Tenors und meisterte seine Arie Gott! Welch Dunkel hier! mit Leichtigkeit und harmonierte auch wunderbar mit seiner Leonore Magdalena Renwart-Kahry im Duett O namenlose Freude.

Als ihren Gegenspieler, den Gefängnisgouverneur Don Pizarro erlebte man den charismatischen Bassbariton Florian Pejrimovsky, den das Wiener Publikum bereits in Rollen wie Giorgio Germont, dem Rigoletto oder Scarpia in Puccinis Tosca kennengelernt hat. Die Partie des Don Pizarro gestaltete Florian Pejrimovsky nicht nur in seiner Darstellung abgrundtief böse, vielmehr konnte er auch mit seinem dunklen Bassbariton stimmlich überzeugen.

Stiftskirche Lilienfeld / Fidelio hier das Ensemble © Michaela Haimerl

Stiftskirche Lilienfeld / Fidelio hier das Ensemble © Michaela Haimerl

Auch der österreichische Bass Josef Ruppert konnte das Publikum als Rocco beeindrucken. Mit seiner unglaublich tiefen, kräftigen und vollen Bassstimme gestaltete er die Partie des zwischen Pflicht und Mitgefühl zerrissenen Kerkermeisters. Als seine Tochter Marzelline überzeugte die polnische Sopranistin Izabela Kopec. Mit Leichtigkeit erstrahlte ihr heller Sopran, aber auch darstellerisch wußte sie zu begeistern und verstand mit ihrer Mimik und einer wohldosierten Portion Humor dieser Rolle Profil zu verleihen.

Als Jaquino hörte man den jungen koreanischen Tenor Namil Kim, der bereits den Alfredo Germont in der Krypta der Wiener Peterskirche sang.

Besonders beeindruckend ist die Leistung des Wiener Baritons Philip Landgraf als Minister Don Fernando. Mit einer unglaublichen Bühnenpräsenz und seinem kräftigen, schönen Bariton wurde das Finale der Oper zu einem weiteren Glanzstück des Abends.

Als Wachsoldaten, Staatsgefangene und Volk agierte der Projektchor Wien/Lilienfeld, welcher im Finale als gemischter Chor erst richtig aufblühte. Eine bemerkenswerte Leistung auch von Alexander Blechinger (Erster Gefangener) und Josef Krenmair (Zweiter Gefangener).

Professor Werner Hackl leitete das KünstlerOrchester Wien/Lilienfeld, welches unter seinem dynamischen Dirigat zu Höchstform auflief. Bedauerlicherweise machte es die Akustik der Kirche den Sängern nicht leicht, gegen das Orchester anzusingen. Schon nach dem Ende der Oper zeigte sich das anwesende Publikum in der ausverkauften Kirche von dem Abend zu Recht begeistert. Als Zugabe wurde das Publikum nicht nur mit der Ode an die Freude aus Beethovens 9. Sinfonie verwöhnt, sondern erhielt auch die Möglichkeit mitzusingen, was jedoch wahrscheinlich teils aus Ehrfurcht vor der zuvor dargebotenen Sangeskunst teils sicherlich auch aus dem Wunsch, diesen besonderen, emotionalen Ausklang des Abends voll genießen zu können, kaum angenommen wurde.

—| IOCO Kritik Stift Lilienfeld |—


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Linz, Landestheater Linz, Das Land des Lächelns – Franz Léhar, IOCO Kritik, 09.06.2021

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Landestheater Linz

Landestheater Linz / Neues Musiktheater Volksgarten © Sigrid Rauchdobler

Landestheater Linz / Neues Musiktheater Volksgarten © Sigrid Rauchdobler

Das Land des Lächelns –  Franz Lehár

– eine träumerische Hommage an Richard Tauber und Franz Léhar –

von Marcus Haimerl

Das Landestheater Linz feierte mit einer Inszenierung von Das Land des Lächelns, link HIER,  den 150. Geburtstag von Franz Lehár. Die Premiere fand am 9. Oktober 2020 statt und wurde nach der pandemiebedingten Schließung im Mai planmäßig wieder aufgenommen. Noch mit einem Happy End und unter dem Titel Die gelbe Jacke wurde die Operette am 9. Februar 1923 im Theater an der Wien uraufgeführt. Unter dem Titel Das Land des Lächelns feierte die überarbeitete Fassung, mit eigens auf den großen Tenor Richard Tauber zugeschnittenen Liedern und ohne glückliches Ende, ihre Uraufführung am 10. Oktober 1929 im Berliner Metropol-Theater. Naheliegend, den in Linz geborenen Tenor auch in der aktuellen Inszenierung auftreten zu lassen.

Das Land des Lächelns – Interview mit Regisseur Andreas Bauermann
Youtube
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

Die neue Textfassung für das Landestheater Linz stammt von Regisseur Andreas Beuermann unter dem Pseudonym Simon W. Alexander. Der erste Teil spielt in einem Wiener Museum im Winter 1929/1930 (Ausblick und Ambiente lassen vermuten, dass es sich hier wohl um das 1928 gegründete alte Völkerkundemuseum in der Neuen Hofburg, Wien, handeln könnte), in dem eine China Ausstellung eröffnet wird. Für geladene Gäste und Förderer des Museums singt Startenor Richard Tauber mit seiner Bühnenpartnerin Hella Kürty Ausschnitte aus der jüngst in Berlin uraufgeführten Operette Das Land des Lächelns. Der Auftritt ist der Großzügigkeit der Kunstmäzenin Gräfin Lichtenfels zu verdanken, die ihrer Nichte Lisa damit den Herzenswunsch erfüllt, den Tenor persönlich kennenzulernen.

Richard Tauber gibt Autogramme und unterhält sich mit Gästen, zieht sich aber dann zurück, um die Bekanntschaft mit Lisa bei einer Tasse Tee (mit den 1929 erfundenen Teebeuteln) zu vertiefen. Schließlich geben er und Hella Kürty eine Gesangsprobe zum Besten. Mit dem Chrysanthemen-Lied verführt sie die anwesenden Herren. Schließlich verabschiedet sich der Tenor mit dem Hinweis, zu geplanten Filmaufnahmen nach China reisen zu müssen. Lisa ist fest entschlossen, Richard Tauber nach China zu folgen. Sie schläft ein und der Museumsraum verwandelt sich in einen chinesischen Palast. Aus dem Museumsdirektor wird Tschang, der Onkel Sou-Chongs, Tauber geht in seiner Rolle als chinesischer Prinz auf, Hella Kürty fügt sich in ihre Rolle als Mi und die Gräfin von Lichtenfels tritt als Oberhofdame auf. Lisas Traum folgt nun inhaltlich Lehárs Operette. Die Europäerin ist Onkel Tschang ein Dorn im Auge. Sou-Chong wird mit der „gelben Jacke“ geehrt, Lisa bedauert jedoch von der Zeremonie ausgeschlossen worden zu sein. Ihr Jugendfreund Gustl, dessen Heiratsantrag sie ihm Museum abgelehnt hatte, ist mit seinem Sekretär auf der Suche nach Lisa in China angekommen. Sie erfahren von der Oberhofdame, dass alten Traditionen nach, das Familienoberhaupt Sou-Chong noch am selben Tag vier Mandschu-Frauen heiraten muss. Lisa hält an ihrer europäischen Sichtweise fest und will gemeinsam mit Gustl fliehen. Sie werden von Sou-Chong überrascht, nachdem Lisa ihm erklärt die Fremde nicht länger zu ertragen, gibt er sie frei.

Landestheater Linz / Das Land des Lächelns hier Franziska Stanner und Theresa Grabner © Michaela Haimerl

Landestheater Linz / Das Land des Lächelns hier Franziska Stanner und Theresa Grabner © Michaela Haimerl

Langsam scheint Lisa aus ihrem Traum zu erwachen und auch Sou-Chong und Mi verwandeln sich zurück in Richard Tauber und Hella Kürty.

Regisseur Andreas Beuermann zeigt in seiner Inszenierung eine interessante Deutung im Entstehungsjahr der Operette, in dem auch dem Tanz (Choreografie Kevin Schmid) eine bedeutende Rolle zukommt.  Dazu Andreas Beuermann: „Ergänzend dazu bekommt der Tanz eine stärker integrierte Bedeutung durch die Figuren „Lóng“ (Drache) und „Fenghuáng“ (Phoenix), die als chinesische Symbole des Männlichen und Weiblichen auf den Konflikt der Hauptfiguren widerspiegeln und in die Handlung eingreifen.“

Das ansprechende Bühnenbild von Bernd Franke zeigt einen Museumssaal mit chinesischen Artefakten, der sich mit geringfügigen Umbauten in einen chinesischen Palast verwandeln lässt. Zu erwähnen ist hier auch das Videodesign von Daniël Veder welches entweder den Ausblick aus dem Museumsfenster mit Blick auf das Palmenhaus, Dämmerung und Schnee inklusive, oder chinesische Bilder im Palast zeigen.

Als Gräfin Lichtenfels und Oberhofdame begeistert Franziska Stanner das Publikum ebenso mit unglaublicher Komik als auch mit der einen oder anderen Weisheit. Besser könnte man diese Partie, welche normalerweise der Obereunuch wäre, nicht besetzen.

In der Partie der Lisa überzeugt Regina Riel mit schönem, an manchen Stellen dramatischen Sopran und überzeugendem Spiel.

Matthäus Schmidlechner, langjähriges Ensemblemitglied in Linz, kann nicht nur stimmlich, sondern auch mit viel Witz und tänzerischen Talent die Rolle des Gustav von Pottenstein („Gustl“) perfekt ausfüllen. Auch die Partie des Richard Tauber / Sou-Chong ist mit Marco Jentzsch hervorragend besetzt. Mit luxuriösem Tenor und berührender Gestaltung kann er nicht nur die Rolle des chinesischen Prinzen ausfüllen, sondern wird auch dem Tenor der Rahmenhandlung mehr als gerecht.

Landestheater Linz / Das Land des Lächelns hier das Ensemble, mittig Marco Jentzsch als Richard Tauber © Michaela Haimerl

Landestheater Linz / Das Land des Lächelns hier das Ensemble, mittig Marco Jentzsch als Richard Tauber © Michaela Haimerl

Eine ideale Besetzung ist auch die Partie der Hella Kürty und Mi mit Theresa Grabner. Nicht nur mit ihrem entzückenden lebendigen Spiel und der tänzerischen Begabung, sondern auch ihrem schönen, klaren Sopran gelingen ihr einige der berührendsten Momente dieses Abends.

Aber auch mit Markus Raab als Tschang und Domen Fajfar als Sekretär sind die kleineren Rollen gut besetzt. Beeindruckend auch die Tänzerin Bianca Bauer (Kellnerin / Fenghuáng) und Tänzer Filip Löbl (Museumswärter/Lóng).

Das Bruckner Orchester Linz unter der Leitung von Marc Reibel zeigt, wie Operette auch klingen kann: dynamisch, präzise und mit viel Gefühl.

Wie schön Operette auch sein kann, bewies der Applaus des begeisterten Publikums. Noch bis Juli zu sehen im Musiktheater. Unbedingt noch ansehen!

Landestheater Linz;  Das Land des Lächelns die nächsten Vorstellungen 8.6.; 14.6.; 18.6.;  23.6.; 29.6.2021 und mehr

—| IOCO Kritik Landestheater Linz |—


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Breitensee, Pfarrkirche St Laurentius, Geistliche lettische Musik – Unabhängigkeitskonzert, IOCO Kritik, 03.06.2021

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Pfarrkirche St. Laurentius Breitensee bei Wien © Wikimedia Commons

Pfarrkirche St. Laurentius Breitensee bei Wien © Wikimedia Commons

Geistliche lettische Musik –  Zur Unabhängigkeit von Lettland

Konzert zu Ehren der Wiederherstellung der Unabhängigkeit der Republik Lettland am 4. Mai 1990

von Marcus Haimerl

Anlässlich des 31. Jahrestages der Wiederherstellung der Unabhängigkeit der Republik  Lettland (4. Mai 1990) und des 100. Jahrestages der diplomatischen Beziehungen zwischen Lettland und Österreich lud  i.E. Veronika Erte, österreichische Botschafterin der Republik Lettland zu einem Konzert geistlicher lettischer Musik in die Pfarrkirche St Laurentius,  in Breitensee bei Wien.

 Pfarrkirche St Laurentius / Geistliche lettische Musik _ hier vl Ilze Kroya, Botschafterin Veronika Erte, Monika Harrer (Pastoralassistentin), Helena Sorokina © Society / Pobaschnig

Pfarrkirche St Laurentius / Geistliche lettische Musik _ hier vl Ilze Kroya, Botschafterin Veronika Erte, Monika Harrer (Pastoralassistentin), Helena Sorokina © Society / Pobaschnig

Auf dem Programm standen Werke von Peteris Vasks (*1946), Bruno Skulte (1905-1976), Pauls Dambis (*1936), Helena Sorokina (*1989) und Imants Zemzaris (*1951).

Das Programm beinhaltete neben drei Orgelstücken auch gesungene Stücke, unter anderem ein Liedzyklus aus sechs Liedern, komponiert von der Mezzosopranistin Helena Sorokina, die neben der Organistin Ilze Kroja musikalisch den gesamten Abend bestritt.

Die drei Orgelstücke spannen einen emotionalen Erinnerungsbogen über die 31 Jahre zurück zur lang ersehnten Wiedererlangung der Unabhängigkeit der Republik Lettland. Neben der Republik Lettland feiern auch die Komponisten Jubiläen.

Ein Wechsel außerordentlicher Ernsthaftigkeit, Entschlossenheit und innerlicher Hoffnung erklingt im Te Deum Peteris Vasks, einem der bekanntesten lettischen Komponisten der Gegenwart, der heuer seinen 75. Geburtstag begeht.

Die Tokkata aus dem Jahr 1993 von Pauls Dambis, der mit 85 Jahren die älteste Komponistengeneration des Konzerts vertritt, strotzt vor Kraft und Zielstrebigkeit bis hin zu Pathos, kann aber auch durch die wiederkehrenden träumerischen Entwürfe bezaubern.

Ein Sommertag, vom Erwachen des Morgenwindes und den ersten Vogelstimmen bis hin zur Vielfarbigkeit des Mittags, majestätischer Wolkenlandschaft, aber auch ein inniger Ausdruck der menschlichen Seele ist erkennbar im sechsteiligen Zyklus aus dem Jahr 1986 unter dem Titel Pastoralen für die Sommerflöte (Pastorales vasaras flautai) in der minimalistischen Kompositionshandschrift von Imants Zemzaris, der heuer seinen 70. Geburtstag feiert.

 Dom in Riga, Lettland, Kathedralkirche der Evangelisch-Lutherischen Kirche Lettlands © Wikimedia Commons / Stuart Edwards

Dom in Riga, Lettland, Kathedralkirche der Evangelisch-Lutherischen Kirche Lettlands © Wikimedia Commons / Stuart Edwards

Im Dom von Riga, Evangelisch-Lutherisch, Foto, die größte baltische Kirche, gelegen in Riga, der Haupstadt Lettlands ist die weltberühmte 4 manualige historische Walcherorgel Inspirationsquelle und gleichzeitig Klangideal vieler lettischer Komponisten. Diese Orgel findet auf wunderbare Weise einen Widerklang in dem späteren 2 manualigen Instrument der Pfarrkirche  St. Laurentius, Foto oben.

Neben den drei Orgelwerken standen aber auch geistliche Lieder auf dem Programm. Der Glaube / Ticiba (Jänis Poruks), Der hohe Geist / Labais gars (Teodors Zeiferts) und Gebet der heiligen Nacht / Svetas nakts lugšana (Ingrida Viksne) des Komponisten Bruno Skulte (1905-1976). Sowohl das Ave Verum, als auch die zum Zyklus „Der Baum des Lebens“ zusammengefassten sechs Gedichte Fricis Bärda aus der Gedichtsammlung „Lieder und Gebete an den Baum des Lebens aus den Jahren 1911 bis 1919 wurden von der Mezzosopranistin Helena Sorokina komponiert.

Ilze Kroja an der Orgel ist nicht nur eine herausragende Solistin, die alle drei Solostücke mit berührender Intensität interpretierte, sondern auch eine besonders einfühlsame Begleiterin der dargebotenen Gesangsstücke.

Helena Sorokina ließ ihren warmen, kräftigen Mezzosopran von der Empore erklingen und beinahe engelsgleich durch den Kirchenraum tragen. Aber nicht nur die großartige Gesangsleistung dieses Abends zeugte von ihrer Qualität als Musikerin. Besonders die von ihr vertonten Gedichte Das erste Grün (Pirmä zäle), Herr des Friedens (Miera Dievs), Im Gotteshaus (Dievnamä), Abendgebet eines kleinen Menschen (Maza cilveka vakara lügšana), Jeden Abend… (Ik vakaru…) und Das Gebet (Lügšana)zeugen von Musikalität, liegen zwischen Jugendkirchenliedern und Musical und bilden einen wunderschönen Abschluss eines beeindruckenden Konzerts, nachdem man sich gerne auch mit lettischen Komponisten näher auseinandersetzen möchte.

Das anwesende Publikum zeigte sich mehr als begeistert und dankte mit langanhaltendem Applaus.

—| IOCO Kritik Pfarrkirche St Laurentius |—


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Strasshof, Kulturzentrum, Fäustling und Margarethl – parodistische Burleske, IOCO Kritik, 01.06.2021

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KUMST Kulturzentrum Machfeld Strasshof © Silvia Ceplichal

KUMST Kulturzentrum Machfeld Strasshof © Silvia Ceplichal

Kulturzentrum Marchfeld Strasshof

Fäustling und Margarethl – parodistische Burleske in alt-wiener Stil

von Marcus Haimerl

Im Kulturzentrum Marchfeld Strasshof, kurz KUMST, der künstlerischen Heimat des Ensembles Oper@Tee (link HIER!) fand aktuell die Premiere der Parodie Fäustling und Margarethl von Julius Hopp statt.
Julius Hopp (1819 in Graz – 1885 in Wien) wurde vor allem durch seine Adaptionen der Operetten von Jacques Offenbach bekannt und sicherte diesen Werken den Erfolg in Wien. Er komponierte aber auch Parodien und Possen, die vorwiegend, wie auch die von ihm bearbeiteten und übersetzten Operetten, im Theater an der Wien, wo Hopp als Kapellmeister tätig war, aufgeführt wurden.
Fäustling und Margarethl, eine Parodie auf Johann Wolfgang von Goethes Faust und Charles Gounods Oper Faust (Margarethe) wurde am 6. Oktober 1862 im Theater an der Wien uraufgeführt und zählte zu den beliebtesten Werken Julius Hopps mit zahlreichen Aufführungen.

 Kulturzentrum Machfeld Strasshof / Fäustling und Margarethl, eine porodistische Burleske, hier das Ensemble © Michaela Haimerl

Kulturzentrum Machfeld Strasshof / Fäustling und Margarethl, eine porodistische Burleske, hier das Ensemble © Michaela Haimerl

Während die Wiener Staatsoper nach Monaten der pandemiebedingten Schließung die letzten Wochen der Saison mit Gounods Faust gestartet hat, erlebt man in Strasshof an der Nordbahn die unterhaltsame Variante gleichen Stoffes. Hier beschwört Fäustling, ein alternder Lehrer ohne viel Wissen den Teufel, es erscheint jedoch Christof Mefeles, des Teufels Lehrbub. Er schließt mit ihm einen Pakt, um nochmals ein Jahr lang ein jugendliches Lotterleben führen zu können. Auf dem Kirtag treffen sie auf die jugendlich naive Margarethl, der Fäustling ewige Liebe schwört, sehr zum Missfallen Mefeles und Margarethls Verehrer, dem Schneider Sieberl.

Der Nachbarin Marthe bleibt nicht verborgen, dass Fäustling Margarethl heimlich wertvollen Schmuck geschenkt hat. In der Nacht treffen sich alle zu einem Rendezvous im Mondenschein. Nach langer Abwesenheit versucht Fäustling heimlich zu Margarethl zurückzukehren und wird von ihrem Bruder Valentin zum Duell herausgefordert. Nach einem Jahr des Herumtreibens zeigt Mefeles Fäustling einen Ball in der Vorhölle. Da fällt ihm wieder sein Margarethl ein, die gemeinsam mit Sieberl im Schuldturm sitzt. Er möchte sie befreien, aber sein Vertrag mit Mefeles läuft langsam ab…

Kulturzentrum Machfeld Strasshof / Fäustling und Margarethl, eine burleske Parodie, hier Thomas Reisinger, der Mefeles © Michaela Haimerl

Kulturzentrum Machfeld Strasshof / Fäustling und Margarethl, eine burleske Parodie, hier Thomas Reisinger, der Mefeles © Michaela Haimerl

Die Ausstattung der Produktion ist ebenso einfach wie wirkungsvoll. Drei mit Packpapier ausgestattete Wände, die während der Vorstellung von Mefeles bemalt werden und auch von der Rückseite durch verschiedene Öffnungen bespielt werden, bilden die Umgebung für diese gelungene Parodie. Die Regie lag in den Händen des erfahrenen Schauspielers und Theaterregisseurs Horst Dingens, dessen präzise Personenführung maßgeblich zum Erfolg der Aufführungen beitragen. Hans-Jörg Gaugelhofer ist ein ebenso weiser wie witziger Fäustling und überzeugt mit seinem eleganten hellen Tenor. Eine Idealbesetzung ist Thomas Reisinger in der Partie des Mefeles. Mit unglaublich viel Witz und Charme kann er das Publikum für sich einnehmen und mit seinem schönen Tenor begeistern. Mit ebensolchem komödiantischem Talent und beeindruckendem Sopran ausgestattet ist das Margarethl von Alice Waginger. Als ihr stoischer, ein wenig melancholischer, aber dennoch komischer Bruder Valentin überzeugt Bariton Michael Pinsker. Auf ebenso hohem Niveau kann Ellen Halikiopoulos mit ihrem großen, klaren Sopran und schauspielerischen Talent begeistern. Auch Annamaria Kaszoni als Schneider Sieberl weiß das Publikum mit ihrem unglaublichen Witz zum Lachen zu animieren. In den gemeinsamen Nummern konnte man sich überzeugen, wie das gesamte Ensemble stimmlich hervorragend harmonierte.

Das Publikum dankte diesem mit intensivem Applaus für einen knapp zweistündigen vergnüglichen und unterhaltsamen Abend. Es bleibt zu hoffen, dass dieses Stück bald wieder zu erleben sein wird. Bis dahin steht die Kinderoper Aladin und die Wunderlampe mit Musik von Nikolai Rimsky-Korsakov und die Altwiener Barockkomödie Die Wiener Zauberflöte mit Musik von Wolfgang Amadeus Mozart und Wenzel Müller auf dem Programm. Das vollständige Programm finden Sie hier auf

https://www.wieneroperette.at/.

—| IOCO Kritik Kulturzentrum Marchfeld Strasshof |—


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