Frankfurt, Oper Frankfurt, HIGHLIGHTS – AUGUST / SEPTEMBER 2019

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Oper Frankfurt

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO


HIGHLIGHTS IM SPIELPLAN DER OPER FRANKFURT IM OKTOBER 2019


Oper Frankfurt / Manon Lescaut / Lorenzo Viotti © Martin Straka

Oper Frankfurt / Manon Lescaut / Lorenzo Viotti © Martin Straka

Sonntag, 6. Oktober 2019, um 18.00 Uhr im Opernhaus
Premiere
MANON LESCAUT
Dramma lirico in vier Akten von Giacomo Puccini
In italienischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln
Musikalische Leitung: Lorenzo Viotti / Takeshi Moriuchi; Regie: Àlex Ollé
Mitwirkende: Asmik Grigorian (Manon Lescaut), Iurii Samoilov (Lescaut),
Joshua Guerrero (Chevalier Renato Des Grieux), Donato Di Stefano (Geronte de Ravoir),
Michael Porter (Edmondo), Magnús Baldvinsson (Der Wirt), Bianca Andrew (Ein Musiker),
Jaeil Kim (Ein Tanzmeister), Santiago Sánchez (Der Laternenanzünder),
Božidar Smiljani? (Der Sergeant), Pilgoo Kang (Der Kapitän)

Weitere Vorstellungen: 10., 13. (18.00 Uhr), 18., 25., 27. (15.30 Uhr) Oktober,
2., 9. (18.00 Uhr), 15., 23. November 2019

Oper Frankfurt / Manon Lescaut -  Asmik Grigorian © Algirdas Bakas

Oper Frankfurt / Manon Lescaut – Asmik Grigorian © Algirdas Bakas

Mit freundlicher Unterstützung des Frankfurter Patronatsvereins – Sektion Oper
Falls nicht anders angegeben, beginnen diese Vorstellungen um 19.30 Uhr
Preise: € 15 bis 165 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf)
Manon Lescaut von Giacomo Puccini (1858-1924) kam 1893 in Turin zur Uraufführung.

Mit diesem Werk, das rasch internationale Verbreitung fand, legte der italienische Opernkomponist den Grundstein für seinen Erfolg, der sich mit La Bohème, Tosca und Madama Butterfly fortsetzen sollte. Bereits ein Jahrzehnt zuvor hatte sich Jules Massenet des Stoffes angenommen, der auch Puccinis dritter Oper zugrunde liegt: der Roman Histoire du Chevalier Des Grieux et de Manon Lescaut (1731) des Franzosen Abbé Prévost. Nicht weniger als acht Autoren waren an der Entstehung des Textes beteiligt, darunter auch der Komponist selbst, der sich einschneidende Kürzungen vorbehielt. 20 Jahre nach der Inszenierung durch Alfred Kirchner kehrt das Werk nun auf den Frankfurter Spielplan zurück.

Zum Inhalt: Manon, die auf Geheiß ihres Vaters ins Kloster gebracht werden soll, erreicht mit ihrem Bruder Lescaut die Stadt Amiens. Dort verliebt sich der Student Des Grieux augenblicklich in sie. Doch auch der Steuereintreiber Geronte zeigt Interesse an dem Mädchen und plant dessen Entführung. Des Grieux kommt ihm zuvor und ergreift mit Manon die Flucht. Da er aber ihrem Luxusbedürfnis nicht gerecht werden kann, verlässt sie ihn für Geronte. Mit ihm lebt sie in Wohlstand zusammen, bis sie die Sehnsucht nach Des Grieux plagt. Als beide wiedervereint sind, wollen sie abermals fliehen. Manon wird jedoch verhaftet und deportiert. Des Grieux darf sie nach Amerika begleiten. Dort stirbt Manon auf der erneuten Flucht in den Armen des Geliebten. Die musikalische Leitung liegt bei Lorenzo Viotti, der nach Werther und Tosca an den

Main zurückkehrt. Seit 2018/19 fungiert er als Chefdirigent des Orquestra Gulbenkian in Lissabon. 2021/22 wird er in gleicher Position an die Dutch National Opera & Ballet in Amsterdam wechseln. Zu seinen Plänen gehören u.a. Gounods Roméo et Juliette an der Mailänder Scala und La Bohème an der Opéra National de Paris. Àlex Ollé (Regie) gehört zu dem international tätigen katalanischen Künstlerkollektiv La Fura dels Baus und gab 2016/17 sein Frankfurter Hausdebüt mit dem Doppelabend La Damoiselle élue und Jeanne d’Arc au bûcher (Wiederaufnahme 2019/20). 2020 kehrt er für Montemezzis L’amore die tre re an die Mailänder Scala zurück. Nach ihrem überwältigendem Erfolg als Strauss’ Salome 2018 in Salzburg (Wiederaufnahme 2019) gab Asmik Grigorian (Manon) in Frankfurt ihr bejubeltes Debüt als Tschaikowskis Iolanta. Geplant sind Janá?eks Jen?fa am Londoner Covent Garden sowie Bellinis Norma am Theater an der Wien. Der amerikanische Tenor Joshua Guerrero gibt als Des Grieux sein Bühnendebüt in Deutschland. Zu seinen aktuellen Engagements gehören Pinkerton in Madama Butterfly in Glyndebourne (2018) und Rodolfo in La bohème in Toronto (2019). Angeführt von Iurii Samoilov (Lescaut) sind fast alle weiteren Partien mit Angehörigen des Ensembles und des Opernstudios der Oper Frankfurt besetzt.


Oper Frankfurt / Schwergewicht oder Die Ehre der Nation  v.l.n.r. Der Diktator, Evelyne, Gaston und Adam Ochsenschwanz sowie vorne Statisterie der Oper Frankfurt © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / Schwergewicht oder Die Ehre der Nation v.l.n.r. Der Diktator, Evelyne, Gaston und Adam Ochsenschwanz sowie vorne Statisterie der Oper Frankfurt © Barbara Aumüller

Freitag, 11. Oktober 2019, um 19.30 Uhr im Opernhaus
Erste Wiederaufnahme
DREI KURZOPERN
DER DIKTATOR – SCHWERGEWICHT ODER DIE EHRE DER NATION – DAS GEHEIME KÖNIGREICH
von Ernst K?enek
In deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln
Musikalische Leitung: Lothar Zagrosek; Inszenierung: David Hermann
Mitwirkende Der Diktator: Davide Damiani (Der Diktator), Angela Vallone (Charlotte, seine Frau), Vincent Wolfsteiner (Der Offizier), Juanita Lascarro (Maria, seine Frau)
Mitwirkende Schwergewicht oder Die Ehre der Nation: Barnaby Rea (Adam Ochsenschwanz, Meisterboxer), Barbara Zechmeister (Evelyne, seine Frau), Jonathan Abernethy (Gaston, ein Tanzmeister),
Danylo Matviienko (Professor Himmelhuber), Judita Nagyová (Anna Maria Himmelhuber, seine Tochter),
Michael McCown (Ein Journalist / Ein Regierungsrat)
Mitwirkende Das geheime Königreich: Davide Damiani (Der König), Ambur Braid (Die Königin), Sebastian Geyer (Der Narr), Peter Marsh (Der Rebell), Florina Ilie, Julia Moorman, Judita Nagyová (Drei singende Damen), Jonathan Abernethy, Pilgoo Kang (Zwei Revolutionäre)

Weitere Vorstellungen: 19., 26. Oktober, 1. November 2019
Alle diese Vorstellungen beginnen um 19.30 Uhr
Preise: € 15 bis 95 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf)

Oper Frankfurt / Das geheime Königreich - Ambur Braid (Die Königin; oben) und Sebastian Geyer (Der Narr; unten) © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / Das geheime Königreich – Ambur Braid (Die Königin; oben) und Sebastian Geyer (Der Narr; unten) © Barbara Aumüller

Ernst K?enek (1900-1991) vertonte seine Drei Kurzopern in unterschiedlichen musikalischen Stilen: den Diktator als tragische Oper mit veristischen Anklängen, das Schwergewicht als burleske „Operette“ mit den Modetänzen der Zeit und das Königreich als schillernde Märchenoper à la Schreker. Wie schon bei ihrer Uraufführung 1928 in Wiesbaden verfehlten die an der Oper Frankfurt neu inszenierten Werke anlässlich ihrer Premiere am 30. April 2017 ihre Wirkung nicht: „Den großen, allerdings orchestral auch ziemlich druckvollen Bogen spannt das Frankfurter Opern- und Museumsorchester über alles, mit Lothar Zagrosek als Dirigent, der diese hoch intelligente, witzige, manchmal alberne und skurrile, dabei plötzlich immer wieder auch tief beklemmende Wiederentdeckung musikalisch aufwertet“ (Wiesbadener Kurier). Und die Radiokritikerin von SWR2 / Kultur aktuell berichtete: „Regisseur David Hermann (…) sucht in K?eneks Kurzopern die roten Fäden zusammen und verknotet sie gemeinsam mit einer hervorragenden Sänger-Schauspieler-Riege zum schlüssigen Ganzen.“ Auch die Berichterstattung der Süddeutschen Zeitung ging in diese Richtung: „Auf der Frankfurter Bühne wird dies alles von einem engagierten Sängerensemble in der fantasievollen Regie von David Hermann liebevoll umgesetzt. Vor allem Davide Damiani als Diktator und König und Ambur Braid als absinthgrün gekleidete, feengleiche Königin, die wie ein perfekt funktionierender Koloraturenautomat durch den Zauberwald geistert, gelingen eindrucksvolle Rollenporträts.“ 2018 wurde die Frankfurter Produktion bei den International Opera Awards als „Wiederentdeckung des Jahres“ ausgezeichnet.

Zum Inhalt: Der Diktator begehrt Maria. Sie ist zu ihm gekommen, um Rache für ihren Ehemann zu nehmen, der als Offizier im Krieg sein Augenlicht verloren hat. Daraufhin schießt Charlotte, die eifersüchtige Frau des Herrschers, auf ihren Mann und tötet dabei die vermeintliche Rivalin. Im Glauben, das Attentat sei geglückt, verrät der blinde Soldat den mörderischen Plan. – Meisterboxer Adam Ochsenschwanz ist ein wahres Schwergewicht. Als er bemerkt, dass seine Frau Evelyne ihn mit ihrem Dauertanzpartner Gaston betrügt, schlägt er das Inventar seines Ateliers kurz und klein. Bevor Evelyne und Gaston das Weite suchen, setzen sie Adams Trainingsapparat unter Strom… – In einem geheimen Königreich streiten die Frau des resignierten Herrschers und ein Rebell um die Macht. Als das Volk den Palast stürmt, tauscht der König mit dem Narren die Kleider und flieht, wie die Königin und der Aufrührer, in den nahegelegenen Zauberwald. Dort kommt es zu einer erotischen Begegnung zwischen Rebell und Herrscherin, woraufhin sie in einen Baum verwandelt wird. An dessen Ästen will sich der entmutigte König erhängen. Gerade noch rechtzeitig wird er durch die Stimme seiner Frau in Schlaf versetzt, wodurch er die Schönheit seines Reiches erkennt. Das Stück schließt mit dem Epilog des Narren.

Neben den bereits erwähnten Künstlern Davide Damiani (Diktator, König) und Ambur Braid (Königin) sind auch weitere premierenbewährte Sänger wie Vincent Wolfsteiner (Offizier), Sebastian Geyer (Narr) und Peter Marsh (Rebell) wieder mit von der Partie. Alle Neubesetzungen wurden vorwiegend aus dem Ensemble und dem Opernstudio der Oper Frankfurt vorgenommen: So singt z.B. im Diktator Angela Vallone die Charlotte, während Juanita Lascarro, die diese Partie in der Premiere verkörpert hatte, nun deren Rivalin Maria übernimmt. Im Schwergewicht verkörpert Barnaby Rea den Adam Ochsenschwanz neben Jonathan Abernethy (Gaston), Danylo Matviienko (Professor Himmelhuber) und Judita Nagyová (Anna Maria Himmelhuber).


Oper Frankfurt / Pretty Yende © Gregor Hohenberg / Sony Classic

Oper Frankfurt / Pretty Yende © Gregor Hohenberg / Sony Classic

[Von Pretty Yende wurden verschiedene Aufnahmen bei Sony Classic veröffentlicht.]

Dienstag, 29. Oktober 2019, um 19.30 Uhr im Opernhaus
Liederabend
PRETTY YENDE, Sopran
MICHELE D’ELIA, Klavier
Lieder von Robert Schumann, Gaetano Donizetti, Paolo Tosti, Richard Strauss und
Johann Strauß Sohn
Preise: € 15 bis 95 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf)

Ihre Geschichte klingt wie ein Opernmärchen: Geboren in einer südafrikanischen Kleinstadt, hörte Pretty Yende mit 16 Jahren das berühmte Blumenduett aus Delibes Lakmé in einem Werbespot und war seitdem davon besessen, eines Tages selbst zu singen. Sie hatte Glück, gewann ein Stipendium für ein Studium in Kapstadt und eroberte in Rekordgeschwindigkeit die Bühnen dieser Welt. Als erste Künstlerin überhaupt gewann sie 2009 erste Preise in sämtlichen Kategorien des Belvedere-Gesangswettbewerbs in Wien; bei Plácido Domingos Operalia-Wettbewerb 2011 war sie ebenfalls Gewinnerin aller Kategorien. 2010 wurde sie in die Akademie der Mailänder Scala aufgenommen und gab ihr Debüt als Berenice (L’occasione fa il ladro). Mit ihrem sensationellen Debüt 2013 in einer anderen Rossini-Partie, als Comtesse Adèle (Le comte Ory) an der MET in New York gelang der internationale Durchbruch. Ihr klarer lyrischer Sopran klingt blitzsauber, strahlend in den Höhen und virtuos in den Koloraturen.
Karten für die genannten Veranstaltungen sind bei unseren bekannten Vorverkaufsstellen, online unter www.oper-frankfurt.de oder im telefonischen Vorverkauf 069 – 212 49 49 4 erhältlich.

Zur Absprache der Vorberichterstattung, Bestellung von Fotomaterial und Reservierung von Pressekarten ist Holger Engelhardt (Leitung Pressereferat) unter der Telefonnummer 069 – 212 46 727 erreichbar. Seine Faxnummer lautet 069 – 212 37 164, oder senden Sie eine E-Mail an holger.engelhardt@buehnen-frankfurt.de.

—| Pressemeldung Oper Frankfurt |—

Rendsburg, Stadttheater Rendsburg, Manon Lescaut – Giacomo Puccini, IOCO Kritik, 27.05.2019

Stadttheater Rendsburg © Stadttheater Rendsburg

Stadttheater Rendsburg © Stadttheater Rendsburg

Schleswig-Holsteinisches Landestheater

Manon Lescaut  –  Giacomo Puccini

Puccini entspannt – An einem Nachmittag

von Hartmut Kühnel

Geschätzte 150 Zuschauer verliefen sich an diesem Sonntagnachmittag (Vorstellungsbeginn 16 Uhr) im Rendsburger Stadttheater. Das ist schon frustrierend für diejenigen, die da auf der Bühne und im Orchestergraben ihre Arbeit machen. Aber sie ließen es sich zumindest nicht anmerken und gingen mit einem Engagement zu Werke, als sei das Haus bis auf den letzten Platz ausverkauft. Und die Anwesenden dankten es ihnen am Ende mit lang anhaltendem Applaus.

Das 1901 eröffnete Stadttheater Rendsburg ist mit seinen gut 500 Plätzen zwar nicht groß, aber es ist mit seiner in historisierendem Stil erbauten Fassade und dem großen Foyer mit bemalten Fenstern in 1. Rang ein wahres Schmuckstück, das sich erfreulicherweise auch noch in hervorragendem Zustand befindet – und die ganz sicher nicht von 1901 stammenden Toiletten bieten deutlich mehr Platz als in der Elbphilharmonie.

Stadttheater Rendburg / Manon Lescaut - hier : mit Chul-Hyun Kim als Renato des Grieux  © Thore Nilsson

Stadttheater Rendburg / Manon Lescaut – hier : mit Chul-Hyun Kim als Renato des Grieux © Thore Nilsson

Seit Mitte der 70er ist das Stadttheater Rendsburg Teil des Landestheaters Schleswig-Holstein, zu dem auch die Theater in Husum, Ithehoe, Schleswig sowie diverse andere Spielstätten gehören. Das Musiktheater hat seinen Hauptsitz in Flensburg, gastiert aber mit einigen (nicht allen) Produktionen auch anderweitig, die Bühnenbilder müssen also nicht nur überall passen, sondern auch relativ einfach transportabel sein, obendrein ist auf die jeweils vorhandene – oder aus Sicht eines die Gegebenheiten der Hamburgischen Staatsoper gewohnten Besuchers manchmal eher auch nicht vorhandene – Bühnentechnik Rücksicht zu nehmen; aber Not macht ja bekanntlich erfinderisch und „einfach“ kann zwar mitunter schwierig sein, mit ein bisschen Einfallsreichtum und langer Theaterpraxis aber auch sehr wirkungsvoll.

Insofern waren der Regie führende Generalintendant Peter Grisebach mitsamt Ausstatter Michele Lorenzini denkbar simpel zu Werke gegangen; ein Halbrund ansteigender Podeste (als wolle man einen Konzertchor auf der Bühne postieren) dient als Grundaufbau, ein großes, in Falten gelegtes Tuch darüber, dahinter ein Rundhorizont mit Himmel und Wolken, fertig! Die jeweiligen Handlungsorte der ersten drei Akte sind mit ebenso sparsamen Mitteln angedeutet, im letzten Akt reicht allein rotes Licht. Die Kostüme springen ein bisschen durch die Zeiten, vom 18. Jh. des Abbé Prevost im 2. Akt über eine ganze Menge 19. Jh. bis zum in seiner Uniform ziemlich modern aussehenden Schiffskapitän. Aber sie verleihen Personen und Handlung die jeweils passende Atmosphäre und sorgen zusammen mit der Personenführung dafür, dass hier durchgehend eine glaubhafte Geschichte erzählt wird. Allerdings eine, die vielleicht besser „Die Tragödie des Renato des Grieux“ heißen müsste, was durchaus Sinn macht, wenn man weiß, dass der 1731 erschienene Roman des Abbé Prevost, der Puccini als Vorlage diente, eben nicht mit Manons Tod endet sondern eher mit „und die Moral von der Geschicht“, denn der Überlebende des Grieux wird aufgefunden und zurück in ein „sittlicheres“ Leben geführt.

Stadttheater Rendsburg / Malon Lescaut  - hier :  v.l.: Chul-Hyun Kim, Anna Schoeck © Thore Nilsson

Stadttheater Rendsburg / Malon Lescaut – hier : v.l.: Chul-Hyun Kim, Anna Schoeck © Thore Nilsson

Er ist es, der nach und nach seine gesamten moralischen Grundsätze für eine Frau über Bord wirft, die selbst keine Moral hat, denn sie verrät die Liebe von des Grieux für den Luxus genauso gewissenlos wie sie danach Gerontes Großzügikeit für den erotischen Genuss verrät – aber die Klunkern müssen natürlich trotzdem mit…..

Die pure Lebensgier dieser Figur ist mir noch in keiner Inszenierung so deutlich geworden. Vielleicht auch, weil genau dies von Anna Schoeck grandios ausgespielt wird, nachdem sie im ersten Akt noch die Schüchterne war um am Ende als Liebende zu sterben. Das ist wunderbar wandlungsfähig gestaltet und mit einer schon ziemlich dramatischen Stimme (sie hat hier auch schon Senta gesungen), der neben kraftvollen Passagen und voluminösen Spitzentönen auch schöne Pianobögen zur Verfügung stehen, ebenso gesungen. Sicher, es ist vom Klang her eher eine deutsche Stimme und die italienische Diktion ist nicht wirklich idiomatisch, aber das schmälert die Gesamtleistung nicht. Und natürlich kann man sich den extra Sprachcoach hier auch nicht leisten, noch viel weniger die zusätzliche Sopranistin für das italienische Fach (die ja deswegen nicht zwangsläufig besser singen würde). Und die Bandbreite, die gerade viele Sänger der kleinen Häuser draufhaben und draufhaben müssen, macht es ja auch wieder interessant.

Stadttheater Rendsburg / Malon Lescaut - hier  : v.l.: Kai-Moritz von Blanckenburg, Chul-Hyun Kim, Anna Schoeck © Thore Nilsson

Stadttheater Rendsburg / Malon Lescaut – hier : v.l.: Kai-Moritz von Blanckenburg, Chul-Hyun Kim, Anna Schoeck © Thore Nilsson

Das beste Italienisch kommt – wie inzwischen häufiger wenn kein Muttersprachler dabei ist – aus Korea. Der Tenor Chul-Hyun Kim steht erst seit ein paar Jahren auf den Brettern, die die Welt bedeuten und hat bisher vorwiegend Lyrisches gesungen, etlichen Mozart, leichteres italienisches Fach und von Puccini Rinuccio und Rodolfo. Also keiner, der den in Teilen doch deutlich dramatischeren des Grieux mit seiner dafür auch noch extrem hell timbrierten Stimme mal so eben rein über das Material aus dem Ärmel schütteln kann. Aber WIE er ihn singt ist schlichtweg faszinierend. Das Organ sitzt durchgehend perfekt und kann, wenn nötig, ohne zu forcieren so fokussiert werden, dass es in den entsprechenden Passagen eine Durchschlagskraft hat, die man ihm nach dem verhalten gestalteten Beginn nicht zugetraut hätte. Dazu ein tolles Legato, einen langen Atem und sichere Höhen – was will man mehr! Obendrein ist er ein überzeugend verzweifelt Liebender und widerlegt zudem das häufig anzutreffende Vorurteil, dass Asiaten keine Mimik hätten.

Auch nicht rein über das Material prunken konnten GMD Peter Sommerer (der das Theater mit Ende der Spielzeit verlässt) und das Schleswig-Holsteinische Sinfonieorchester. Wie spielt man Manon Lescaut mit etwa 35 Musikern? Schon Harfe und Pauken müssen außerhalb des Mini-Grabens platziert werden, bei den Streichern gibt es gerade mal 2 Celli und 2 Kontrabässe, mehr geht nicht! Aber es funktioniert! Keine Spur von „Schmalspur-Puccini“. Und obendrein noch differenziert und mit ordentlich Schwung, bravo!

Bei den anderen Partien (Lescaut / Marian Müller, Geronte de Ravoir / Markus Wessiack, Edmondo / Christopher Hutchinson, Wirt & Kommandant / In-Tack Liem, Musiker / Eva Eiter, Tanzmeister & Laternenanzünder / Fabian Christen, Sergeant / Dmitri Metkin) ging besonders im ersten Akt doch die ein oder andere Phrase im Orchesterklang unter. Ob das an mangelndem Volumen, einem eventuell doch etwas zu lauten Orchester oder schlicht der Akustik des Hauses auf meinem Platz lag, kann ich nicht beurteilen. Auf jeden Fall wurde durchweg sauber und bombensicher studiert gesungen und überzeugend gespielt; auch am SH-Landestheater müssen kleine Rollen aus dem Chor besetzt werden, der als solcher (samt Extrachor) im ersten und dritten Akt erfreulich homogen klang, ohne störend herausfallende Einzelstimmen (Einstudierung Bernd Stepputtis)

Manon Lescaut am Landestheater Schleswig-Holstein: die beiden letzten Aufführungen am 4.6. und 8.6.2019  19 Uhr 30 im Stadttheater Flensburg.

—| IOCO Kritik Schleswig-Holsteinisches Landestheater |—

Hamburg, Staatsoper Hamburg, Italienische Opernwochen 2019 – Positive Bilanz, IOCO Aktuell, 10.04.2019

April 10, 2019 by  
Filed under Oper, Operette, Pressemeldung, Staatsoper Hamburg

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Staatsoper Hamburg

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

Italienische Operwochen 2019 – 94% Auslastung

Mit einer Auslastung von 94% vermeldet die Staatsoper Hamburg eine positive Bilanz der diesjährigen Italienischen Opernwochen. Vom 10. März bis zum 6. April 2019 zeigte das Haus an der Dammtorstraße Klassiker des italienischen Repertoires wie Nabucco, La Traviata, Manon Lescaut, Il barbiere di Siviglia, Un ballo in Maschera und mehr (link hier).

Nabucco – Giuseppe Verdi
youtube Trailer der Staatsoper Hamburg
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Allesamt in Starbesetzung: Herausragende Interpreten wie Dimitri Platanias, Alexander Vinogradov, Oksana Dyka, Géraldine Chauvet, Arturo Chacón-Cruz, Markus Brück, Kristina Mkhitaryan, Irina Lungo, Stephen Costello, Simone Piazzola, Kristine Opolais, Jorge de Léon, Vittorio Prato, Antonino Siragusa, Maurizio Muraro, Julia Lezhneva, Franco Vasallo, Ramón Vargas, Carmen Giannatasio oder Judith Kutasi gastierten an der Dammtorstraße.

„Wir freuen uns sehr über den großen Publikumserfolg unserer diesjährigen Italienischen Opernwochen. Er zeigt, dass dieses Format sich bereits im zweiten Jahr etablieren konnte“, sagt Georges Delnon, Intendant der Staatsoper Hamburg. 

Auch in der nächsten Spielzeit 2019/2020 wird es Italienische Opernwochen geben. Eröffnet werden die 3. Italienischen Opernwochen am 8. März 2020 mit Vincenzo Bellinis Norma in der Regie von Yona Kim, am Pult steht Paolo Carignani. Marina Rebeka ist als Norma, Marcelo Puente als Pollione, Liang Li als Oroveso und Diana Haller als Adalgisa besetzt. Vom 8. März bis 2. April 2020 werden die schönsten italienischen Opern des Repertoires mit herausragenden internationalen Sängerinnen und Sängern an der Staatsoper zu hören sein.

Aus dem großen Repertoire stehen Otello, Simon Boccanegra, Toscaund Verdis Messa da Requiem auf dem Spielplan. Plácido Domingo wird als Simon Boccanegra,  Kristine Opolais als Floria Tosca, José Cura als Otello und Krassimira Stoyanova als Desdemona, Marcelo Álvarez und Ambrogio Maestri in Tosca sowie Kwangchul Youn, Ramón Vargas und Evgenia Muraveva an der Seite des Hamburgischen Kammersängers Plácido Domingo in Simon Boccanegra zu erleben sein.

–| Pressemeldung Staatsoper Hamburg |—

Zürich, Opernhaus Zürich, Premiere Manon – Piotr Beczala, 07.04.2019

März 22, 2019 by  
Filed under Oper, Opernhaus Zürich, Premieren, Pressemeldung

Opernhaus Zürich

Opernhaus Zürich © Dominic Büttner

Opernhaus Zürich © Dominic Büttner

  Manon – Jules Massenet
So, 07. April 2019, 19 Uhr

Die nächste Premiere des Opernhaus Zürich wartet am 7. April 2019 mit einer Traumbesetzung auf. In der Neuproduktion von Jules Massenets Manon, die seit über 30 Jahren nicht mehr in Zürich zu sehen war, feiert der Shootingstar Elsa Dreisig ihr Rollendebüt in der Titelpartie. Manons Liebhaber Des Grieux, wird von Piotr Beczala verkörpert. Marco Armiliato leitet die Philharmonia Zürich. Für die Inszenierung zeichnet der holländische Regisseur Floris Visser verantwortlich.

Die Geschichte dreht sich um den Aufstieg und Fall der jungen Manon: von Kopf bis Fuss auf Liebe und Luxus eingestellt, versucht sie für sich ein besseres Leben zu erreichen. Bei dem Versuch geht sie am Ende doch zu Grunde.

Einführungsmatinee i : Am Sonntag, 24. März um 11.15 Uhr im Bernhard Theater. Das Produktionsteam um Regisseur Floris Visser sowie die Solisten Elsa Dreisig und Piotr Beczala geben im Gespräch mit Dramaturgin Kathrin Brunner Auskunft über ihre Arbeit an Massenets Oper.


Am 7. April 2019 feiern wir die Premiere unserer Neuproduktion von Massenets Oper Manon in der Inszenierung von Floris Visser und mit Elsa Dreisig und Piotr Beczala in den Hauptpartien. Unheilvolle Liebe erleben Sie auch im Geistermärchen Giselle, getanzt vom Ballett Zürich ab dem 11. April. Sie wollten schon immer einmal wissen, wie das Leben eines Spitzenschuhs aussieht? Wir verraten es Ihnen in der neuesten Episode von Was Sie schon immer über das Opernhaus wissen wollten, aber nie zu fragen wagten. Als Mrs. Lovett war Angelika Kirchschlager im Dezember in Sweeney Todd zu erleben; am 1. April zeigt sie sich mit einem Liederabend wieder von einer anderen Seite. In unserer Konzertreihe spielt das Orchestra La Scintilla unter Riccardo Minasi die berühmten Vier Jahreszeiten von Antonio Vivaldi und vier weniger bekannte «Jahreszeiten» von Giuseppe Verdi. Und am 27. April begrüssen wir das Gastspiel Eine Frau, die weiss, was sie will! aus der Komischen Oper Berlin auf unserer Bühne.


Manon
Oper in fünf Akten und sechs Bildern von Jules Massenet (1842-1912)
Libretto von Henri Meilhac und Philippe Gille
nach einer Vorlage von Abbé Prévost

Musikalische Leitung Marco Armiliato Inszenierung Floris Visser Bühnenbild und Kostüme Dieuweke van Reij Choreografie Pim Veulings Lichtgestaltung Alex Brok Choreinstudierung Ernst Raffelsberger Dramaturgie Kathrin Brunner

Manon Lescaut : Elsa Dreisig
Le Chevalier des Grieux : Piotr Beczala
Lescaut : Yuriy Yurchuk
Le Comte des Grieux : Alastair Miles
Guillot de Morfontaine : Eric Huchet
De Brétigny : Marc Scoffoni
Poussette : Yuliia Zasimova
Javotte : Natalia Tanasii
Rosette : Deniz Uzun
L’Hôtelier : Cheyne Davidson
Deux Gardes : Jamez McCorkle , Omer Kobiljak
Le Portier du Séminaire, Un Sergent : Henri Bernard Guizirian
La Servante : Caroline Fuss
Premier Joueur : Omer Kobiljak
Deuxième Joueur : Juan Etchepareborda
Tänzer : Tänzerinnen und Tänzer
Philharmonia Zürich
Chor der Oper Zürich
Statistenverein am Opernhaus Zürich

—| Pressemeldung Oper Zürich |—

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