Heidelberg, Stadthalle, Heidelberger Frühling – Thomas Hampson, IOCO Kritik, 28.04.2018

April 27, 2018 by  
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Heidelberger Stadthalle © studio visuell

Heidelberger Stadthalle © studio visuell

Stadthalle Heidelberg

Thomas Hampson und Wolfram Rieger  – Heidelberger Frühling

 Lieder im Geist des Humanismus

Von Uschi Reifenberg

Mit ihrem programmatischen Postulat „Freiheit!“ nahmen der Bariton Thomas Hampson und der Pianist Wolfram Rieger mit ihrer Liederauswahl Bezug auf das diesjährige Motto des Heidelberger Frühling: Eigen-Arten. Fragen und Themen zu Identität, Menschenrechten, Demokratie und Freiheit folgen dem ersten Teil des Heidelberger Leitgedankens von 2017: In der Fremde. Dieser setzte sich mit der Aufklärung auseinander, mit Toleranz und dem Kampf gegen Vorurteile.

„Der Blick auf uns selbst, wer wir sind und was uns ausmacht, wirft auch einen Blick auf uns als Europäer, sowie auf unser sich stets wandelndes Verständnis von Identität“, so der Intendant des Heidelberger Frühling, Thorsten Riehle. Identitätsstiftend ist für die Universitätsstadt Heidelberg auch die Kunstform Lied mit einer Tradition, die sich vom Codex Manesse im Mittelalter über die Veröffentlichung der Liedsammlung Des Knaben Wunderhorn im 19. Jahrhundert bis zur 2018 gegründeten Festival-Akademie Neuland.Lied  erstreckt.

Lieder sind nicht nur dem „Kunst-Bereich“ zuzuordnen, sie erzählen von den verschiedensten Bereichen menschlichen Lebens in unterschiedlichen Stilen und in allen Kulturen. Weltweit.

Heidelberger Frühling / Liederabend mit Thomas Hampson © studio visuell

Heidelberger Frühling / Liederabend mit Thomas Hampson und Wolfram Rieger © studio visuell

Thomas Hampson und Wolfram Rieger haben sich auf die Suche nach Liedern von der Romantik bis in die Gegenwart begeben, die von der Sehnsucht des Menschen nach einem freien und selbstbestimmten Leben handeln. Das preisgekrönte Lied-Duo, das mittlerweile eine fünfundzwanzig-jährige Zusammenarbeit verbindet, hat mit seinem breit gefächerten Repertoire, weltweiten Konzertauftritten und CD- Einspielungen Maßstäbe gesetzt. Auch in der Nachwuchsförderung sind die beiden Weltstars unermüdlich unterwegs. Hampson leitet seit 2011 die Heidelberger Lied-Akademie, Rieger ist Professor an der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin.

Im ersten Teil des Programmes “Freiheit!“ kommen in erster Linie deutsche, im zweiten Teil amerikanische Lieder zur Aufführung. Einen Höhepunkt bildet der Liederzyklus „Civil Words“ der amerikanischen Komponistin und Pulitzer Preisträgerin Jennifer Higdon (*1962). Er entstand anlässlich des 150. Gedenktages des amerikanischen Bürgerkrieges (2015) und ist dem Lied- Interpreten Thomas Hampson gewidmet. Thomas Hampson innerstes Anliegen ist es, die verschiedenen Spielarten von Freiheit in seinen Liedern zu beleuchten, sei es die persönliche Freiheit des Einen, die dort endet, wo die Freiheit des Anderen beginnt, die Freiheit der Gedanken, die Sehnsucht der Unterdrückten nach Freiheit, oder auch die politische Freiheit.

Mit der Kraft des Liedes, das lebendiger und allgemeingültiger Ausdruck menschlicher Empfindungen ist, die Welt besser zu machen, die Menschen zueinander zu führen, das ist die Botschaft des Humanisten und Sänger-Philosophen Thomas Hampson. Diese Erkenntnis bestätigte sich im Laufe des zutiefst bewegenden Abends. Hampson verlieh dieser Maxime mit seiner Stimme, seinem Charisma und seiner Wahrhaftigkeit in imponierender Weise Ausdruck.

Als kongenialer Partner stand ihm der grandiose Wolfram Rieger zur Seite und in perfekter Symbiose verwandelten  die beiden Ausnahme -Künstler das Podium der Heidelberger Stadthalle in einen Ort der Intimität und der Erschütterung.

 Gustav Mahler Gedenkplatte an der Hamburger Staatsoper © IOCO

Gustav Mahler Gedenktafel an der Hamburger Staatsoper © IOCO

Das  Konzert begann mit dem Lied des Verfolgten im Turm aus der Sammlung Des Knaben Wunderhorn in einer Vertonung von Gustav Mahler. Diese Sammlung wurde von Achim von Arnim und Clemens Brentano 1806 in Heidelberg veröffentlicht, zwölf Gedichte vertonte Gustav Mahler. Das düstere Lied führte in seiner inneren Zerrissenheit direkt hinein in die Kernbotschaft des Programms, das mit den Versen des Volksliedes beginnt: “Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten…“. Den inneren Dialog eines Gefangenen mit seiner Freiheitssehnsucht verkörperte Hampson mit nuancenreichen Farb- und Gestaltungswechseln seines weichen Baritons und mit plastischer Diktion, sprachlich detailliert ausgeleuchtet mit differenzierter Konsonantenbehandlung.

Alexander Zemlinskys Lied „Mit Trommeln und Pfeifen“ nach einem Gedicht von Detlev von Liliencron führt das Kriegsthema um gebrochene und verwundete Seelen weiter. Mit opernhafter Emphase und heldischen Aufschwüngen ging Hampson an die Grenzen des Ausdrucks und Wolfram Rieger unterstrich am Flügel mit energischen Marschrhythmen, Trillern und klarster Skalen-Trennschärfe den militärischen Gestus,  zarteste pianissimi verhauchten ins Nichts.

„Der Tambour‘gsell„ und „Revelge“, beide aus der Wunderhorn – Sammlung von Mahler, offenbarten alle Facetten unbarmherziger Kriegsszenarien wie Trostlosigkeit, Alptraum, Kampf und Tod. Diese Entwicklungen wurden von Hampson erschütternd dargestellt, jede feine Regung, jeder Gedanke hinter dem Wort fand eine eigene Entsprechung in der klanglichen Ausdeutung, ebenfalls von Wolfram Rieger am Flügel. Bassregister dröhnten in schwärzesten Farben, trügerische Hoffnung strahlte in tenorale Höhen. Der Pianist verstand es, am Flügel das ganze Spektrum orchestraler Klangfarben zu zaubern und jenseits des gewohnten Klavierklangs die dynamische Bandbreite auszuloten von leisesten pianissimi bis zu gewaltigen fortissimo Ausbrüchen, immer in idealer Harmonie mit dem gesungenen Wort.

Paul Hindemiths Hymne „O, nun heb du an, dort in deinem Moor“, geriet zu einer Miniatur der totalen Verinnerlichung und zu einer Feier der piano Kultur, anrührend, weltentrückt. Ebenfalls von tiefster Empfindung durchdrungen, mit hinreißenden Legatobögen zelebriert, war das kurzfristig ins Programm aufgenommene  Lied von Michael Daugherty (* 1954) „Letter to Mrs. Bixby“.

Heidelberger Frühling / Liederabend mit Thomas Hampson und Wolfram Rieger © studio visuell

Heidelberger Frühling / Liederabend mit Thomas Hampson und Wolfram Rieger © studio visuell

Der mit Spannung erwartete, Thomas Hampson gewidmete Liedzyklus anlässlich des 150-jährigem Endes des amerikanischen Bürgerkrieges von Jennifer Higdon „Civil Words“ erzählte in fünf Gedichten von verwundeten Seelen, vom Unrecht des Krieges, von der Trauer der Zurückgebliebenen über die Gefallenen, von Friedenssehnsucht, aber auch vom Glück des Kriegsheimkehrers. Mit dramatischer Gestaltungskraft des Opernsängers und der totalen Identifikation mit den Gequälten, führte Hampson das Publikum in die Abgründe dieses  amerikanischen Traumas. Auch die afro- amerikanischen Themen fehlten nicht, mitreißend interpretiert in den Liedern von Henry BurleighEthiopia Saluting the Colors“ und Margarete BondsThe negro speaks of rivers“, beide mit deutlichen Spiritual Anklängen.

Mit einem Bekenntnis zur Gleichberechtigung der Geschlechter und einem Aufruf zur Toleranz in dem Gedicht von Walt Whitman, vertont von Leonard BernsteinTo what you said“, endete das außergewöhnliche und ergreifende Konzert.

Das restlos begeistere Publikum entlockte den Künstlern drei Zugaben und Thomas Hampson und Wolfram Rieger ließen keinen Zweifel, dass das Lied auch im 21. Jahrhundert „Ein Fest der Feier des menschlichen Geistes“ und „Spiegel der Welt ist“.

Würzburg, Mainfranken Theater, Mozartfest Konzert mit Waltraud Meier, 02.07.2016

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Mainfrankentheater Würzburg

Mainfranken Theater Würzburg © Nico Manger

Mainfranken Theater Würzburg © Nico Manger

Waltraud Meier (Mezzosopran) | Joseph Breinl (Klavier)
Konzertgala im Rahmen des Mozartfests | www.mozartfest.de

Termin Sa., 2. Juli 2016 | 19.00 Uhr | Mainfranken Theater Würzburg | Großes Haus
Karten sind ausschließlich über das Mozartfestbüro erhältlich: Tel. (0931) 37 23 36

Programm des Abends:

Mahler Kindertotenlieder,  Wagner Fünf Gedichte für eine Frauenstimme und Klavier WWV 91  Wesendonck-Lieder, Mahler   Des Knaben Wunderhorn (Auswahl)Mahler Fünf Lieder nach Friedrich Rückert

Wiedersehen mit Waltraud Meier

Würzburg, 23. Juni 2016 – Gerade 20 Jahre alt war Waltraud Meier, als sie in ihrer Heimatstadt Würzburg das erste Mal auf der Opernbühne stand. Ein Traumstart für eine junge Sängerin, die sich mit atemberaubender Geschwindigkeit auf den internationalen Bühnen vor allem mit den Werken Richard Wagners etablierte. Dabei ist ein überstürztes Tempo gar nicht ihre Sache. Im Gegenteil: Die Besonnenheit und Gewissenhaftigkeit, mit der sie ihre Stimme und Karriere hat reifen lassen, machen sie seit Jahrzehnten zur wohltuenden Ausnahmeerscheinung in der Musikwelt.

Auf Einladung des Mozartfestes und des Mainfranken Theaters feiert die Mezzosopranistin ihr 40-jähriges Bühnenjubiläum an der Stätte, wo ihre überragende Weltkarriere ihren Ausgang nahm. Mit Wagner und Mahler stellt sie dabei zwei jener Komponisten in den Fokus, zu denen sie ein besonders intensives Verhältnis aufgebaut und mit deren Interpretation sie Maßstäbe gesetzt hat.

Im Anschluss an das Konzert auf der Bühne des Mainfranken Theaters findet ein Künstlergespräch statt – moderiert von Sir Peter Jonas, dem ehemaligen Intendanten der Bayerischen Staatsoper München. Weitere Überraschungen und ein Sektempfang erwarten die Künstlerin und die Besucher.

Mainfranken Theater Würzburg – Karten Hier:
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Pressemeldung Mainfranken Theater Würzburg

Berlin, Deutsche Oper Berlin, Premiere: AIDA, 22.11.2015

November 12, 2015 by  
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deutscheoperberlin

Deutsche Oper Berlin

Deutsche Oper Berlin © Leo Seidel (Kontakt: leoseidel@googlemail.com)

Deutsche Oper Berlin © Leo Seidel (Kontakt: leoseidel@googlemail.com)

  AIDA von Giuseppe Verdi (1813 – 1901)

Libretto von Antonio Ghislanzoni nach einem Entwurf von Auguste Mariette,
ausgearbeitet von Camille Du Locle in Zusammenarbeit mit Giuseppe Verdi.

Premiere am So 22. November 2015, 18:00 Uhr, Weitere Vorstellungen:
Mi 25. November 2015 19:30 Uhr, Sa 28. November 2015 19:30 Uhr
Do 3. Dezember 2015 19:30 Uhr, So 6. Dezember 2015 18:00 Uhr
Do 10. Dezember 2015

Arena die Verona / AIDA Applaus und letztes Bild Grab © IOCO

Arena die Verona / AIDA  © IOCO

„Amore, sommissione, dolcezza“ – das sind die Attribute, die Giuseppe Verdi seiner Titelfigur Aida zugeschrieben hat: eine Frau, die für eine reine Liebe, Fügsamkeit und Zartheit steht. Aida fügt sich damit ein in die Reihe jener weiblichen Kunstfiguren des 19. Jahrhunderts, die weniger reale Wesen als vielmehr Sehnsuchtsobjekte und Projektionsflächen chauvinistischer Männerträume waren und unweigerlich im Sterben aus Liebe ihre Bestimmung fanden. Auch Aida ist dieser Weg vorgezeichnet. Doch anders als in Verdis vorhergehenden Opern gibt es in AIDA einen Gegenentwurf zur todgeweihten Liebe: Amneris. Mit „molto vivacità“ charakterisiert Verdi sie in seinem Personenverzeichnis: Bei Amneris pulsiert das Leben. Wie eine Löwin kämpft sie um ihre Liebe, mit ihr wäre eine handfeste Beziehung möglich. Radames jedoch, der Mann zwischen Aida und Amneris, kann sich nicht für ein realistisches Leben entscheiden. Er verliert sich in Fantasien von Aida, der „exotischen“, fernen Frau. Aus Liebe zu diesem weiblichen Engel wird Radames in seinen Träumen zum Helden im Kampf gegen Unterdrückung und Leid, das jedoch ebenfalls in exotischen, anderen Welten, also fern der eigenen Wirklichkeit existiert. Vor den Augen der Öffentlichkeit inszeniert Radames sein Heldentum und leidet gleichzeitig am Scheitern des eigenen Anspruchs, die utopische Liebe und die politische Utopie miteinander vereinbaren zu können. Denn seine Traumfigur Aida ist ohnehin zum Sterben bestimmt, und die Rettung aller Gefangenen und Unterdrückten sowohl aussichtslos als auch ihrerseits mit Gewalt verbunden. So steht ein realitätsferner, am eigenen Weltschmerz leidender Held im Zentrum einer Oper, die die vielleicht pessimistischste von Giuseppe Verdi ist. Denn sie endet mit der Flucht vor der Welt und mit dem völligen Rückzug in ein steinernes Mausoleum. Am Schluss steht der Tod Aidas auch für den Tod der Utopie.

Regisseur Benedikt von Peter versteht in diesem Sinne Verdis „Grand Opéra“ AIDA als ein „Requiem auf die Utopie“, das von unzähligen Augenpaaren der Öffentlichkeit permanent verfolgt wird, und bespielt in seiner Inszenierung den gesamten Zuschauerraum der Deutschen Oper Berlin. Benedikt von Peter hat mit seinen Regiearbeiten und oft ungewöhnlichen Raumlösungen in den letzten Jahren auf sich aufmerksam gemacht, u.a. Verdis I MASNADIERI an der Oper Frankfurt, an der Komischen Oper Berlin Händels THESEUS, FIDELIO und IDOMENEO, am Theater Basel LES DIALOGUES DES CARMELITES und PARSIFAL sowie an der Staatsoper Hannover Luigi Nonos INTOLLERANZA 1960, LA TRAVIATA und DON GIOVANNI. Benedikt von Peter wurde für seine Inszenierungen in den letzten Jahren mehrfach ausgezeichnet: Für CHIEF JOSEPH am Theater Heidelberg erhielt er 2007 den Götz-Friedrich-Preis, für INTOLLERANZA 1960 im Jahr 2011 den Deutschen Theaterpreis DER FAUST. 2012 – 2015 war er als Leitender Regisseur Musiktheater in Bremen engagiert. 2014 wurde er für seine Inszenierungen am Theater Bremen (u. a. AUFSTIEG UND FALL DER STADT MAHAGONNY, LA BOHEME, MAHLER III, MEISTERSINGER) sowie für die Gesamtleistung der Musiktheatersparte mit dem Kurt-Hübner-Preis ausgezeichnet. Ab der Spielzeit 2016/2017 wird Benedikt von Peter Intendant des Luzerner Theaters.

Musikalische Leitung Andrea Battistoni, Inszenierung Benedikt von Peter
Bühne Katrin Wittig, Kostüme Lene SchwindVideo,  Bert Zander
Chöre William Spaulding, Dramaturgie Dorothea Hartmann

BESETZUNG:, Der König: Ante Jerkunica, Amneris: Anna Smirnova
Aida: Tatiana Serjan, Radames: Alfred Kim, Ramfis: Simon Lim
Amonasro: Markus Brück, Ein Bote: Attilio Glaser
Eine Priesterin: Adriana Ferfezka
Chor: Chor der Deutschen Oper Berlin
Orchester: Orchester der Deutschen Oper Berlin

 

—| Pressemeldung Deutsche Oper Berlin |—

Dortmund, Konzerthaus Dortmund, Gewandhausorchester – Julian Rachlin, IOCO Kritik, 21.02.201

Februar 23, 2015 by  
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Konzerthaus Dortmund

Gewandhausorchester Leipzig mit Riccardo Chailly
Julian Rachlin, Violine

Konzerthaus Dortmund / Wien / Julian Rachlin © Julia Wesely

Konzerthaus Dortmund / Wien / Julian Rachlin © Julia Wesely

Zum wiederholten Male war das Leipziger Gewandhausorchester zu Gast im Dortmunder Konzerthaus. Der Andrang war groß, das “älteste bürgerliche Sinfonieorchester der Welt“ wieder zu erleben. Das Haus war nahezu ausverkauft.

Konzerthaus Dortmund / Riccardo-Chailly © Gert-Mothes / Decca

Konzerthaus Dortmund / Riccardo-Chailly © Gert-Mothes / Decca

Seit 10 Jahren ist der italienische Dirigent Riccardo Chailly Chef des Orchesters. Er folgte Kurt Masur in der Position des Gewandhaus-kapellmeisters.

Chailly und “sein“ Orchester waren zum ersten mal im Dezember 2010 mit Werken von Tschaikowsky und Respighi in Dortmund zu erleben. Das aktuelle Gastspiel beinhaltete Werke von Rachmaninow und Tschaikowsky. Am zweiten Abend am 22.2.2015 werden Mendelssohn und Mahler zu hören sein. An beiden Tagen ist der litauisch/oestereichische Geiger Julian Rachlin der Solist. [Von Riccardo Chailly wurden verschiedene Aufnahmen bei DECCA veröffentlicht.]

Der gestrige Abend (21.02.2015) begann mit dem “Konzert für Violine und Orchester in D-Dur op. 35“ von Tschaikowsky. Es ist nach wie vor eines der beliebtesten Stücke der Streicher-Literatur. Es vereint technische Virtuosität mit musikalischer Finesse sowie melodischer Vielfalt.

Konzerthaus Dortmund / Julian Rachin Riccardo Chailly - Gewandhausorchester © Pascal Rest

Konzerthaus Dortmund / Julian Rachin Riccardo Chailly – Gewandhausorchester © Pascal Rest

Wie stets bei Rachlin, so ist auch diesmal alles Technische atemberaubend perfekt.

Es gibt im ersten Satz Passagen, die man selten so lupenrein und in derart akribischer Prägnanz hat hören können. Der immer wieder gerühmte schlanke und süße Ton war da, kurz, das Geigerische war eine wahre Wonne. Was etwas auf der Strecke blieb, ist ein wenig aus der Reserve zu kommen, con Anima sozusagen und nicht nur Brillanz. Chailly und des Orchester begleiteten mit einer stupenden Durchsichtigkeit. Der frenetisch gefeierte Geiger gewährte bereitwillig eine Zugabe (ein technisch kniffeliges Stück von Eugene Yysaye).

Nach der Pause stand mit der “Sinfonie Nr. 2 in E-Moll, op.27“ monumentales auf dem Programm. Nach wie vor  wird Rachmaninows kompositorisches Schaffen zwiespältig beurteilt, zumal bei den vier Sinfonien. Er selbst war zum Beispiel mit seiner 1. Sinfonie restlos unzufrieden, sodass er sie nach der Uraufführung 1897 in St. Petersburg vernichtete. Sie wurde später aus den erhalten gebliebenen Orchesterstimmen rekonstruiert. Manche Puristen bemängeln noch heute ihre formale Unausgegorenheit.

Konzerthaus Dortmund / Riccardo Chailly - Gewandhausorchester © Pascal Rest

Konzerthaus Dortmund / Riccardo Chailly – Gewandhausorchester © Pascal Rest

Die 2. Sinfonie ist viel geschlossener. Immerhin gewann er mit ihr den Glinka -Preis bei der Uraufführung 1908 in St. Petersburg. In ihr hat der einfallsreiche Melodiker viel “untergebracht“.

Es ist ein rauschhaftes Werk, das von seinen Interpreten, bedingt durch die klangselige Opulenz, größte Dezenz verlangt. Riccardo Chailly und das Orchester wurden dieser voll gerecht. Insbesondere konnte Chailly im Adagio durch größtmögliche Differenzierung jegliche Süße vermeiden.

Beim finalen “Allegro vivace“ ließ Chailly die Zügel locker. An allen Pulten entfaltete sich ein entfesselter Klangrausch. Das Publikum im so gut wie ausverkauften Saal dankte dem Orchester und seinem charismatischen Dirigenten mit nicht enden wollendem Beifall.

IOCO / UGK 21.02.2015

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