Mannheim, Musikalische Akademie, 7. Akademiekonzert – Berg, Haydn, Mahler, Schreker, IOCO Kritik, 08.06.2021

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Der Rosengarten von Mannheim, Spielstaette der Musikalischen Akademie © Ben van Skyhawk

Der Rosengarten von Mannheim, Spielstaette der Musikalischen Akademie © Ben van Skyhawk

Musikalische Akademie Mannheim

7. AKADEMIE-KONZERT  –  Musikalische  Akademie
des Nationaltheater Orchester Mannheim  –
31.5. – 2.6.2021 – livestream aus dem Mannheimer Rosengarten

von Uschi Reifenberg

Allmählich entspannt sich die Corona Situation im Land, erste Öffnungen von Theatern und kulturellen Einrichtungen mit Live Publikum zeigen endlich Licht am Ende des Tunnels.

Werke von  –  Alban Berg (1878-1935), Joseph Haydn (1732-1809)
Gustav Mahler (1860-1911), Franz Schreker (1878-1934)

Die Musikalische Akademie des Nationaltheater Orchesters Mannheim konnte auch in ihrem 7. Akademiekonzert wieder mit einem spannenden und klug zusammengestellten Konzertprogramm im Livestream-Format überzeugen, das rundum Freude bereitete.

Auf große Orchesterbesetzungen und entsprechende Literatur muss zur Zeit noch verzichtet werden, einzelne Orchestermusiker und Solisten aus den eigenen Reihen können wieder in Kammerbesetzungen ihre herausragende Qualität unter Beweis stellen.

Darüberhinaus kommt das Publikum in den Genuss, eher selten gespieltes Repertoire in besonderen Konstellationen kennenzulernen.

Gustav Mahler Gedenken vor der Hamburger Staatsoper © IOCO

Gustav Mahler Gedenken vor der Hamburger Staatsoper © IOCO

GMD Alexander Soddy hatte mit Joseph Haydn,  Gustav Mahler, Franz Schreker und Alban Berg Komponisten ausgewählt, die eine Klammer setzen von Haydn als Repräsentanten der ersten Wiener Schule bis zu Alban Berg, zur zweiten Wiener Schule im 20. Jahrhundert. Die Werke sind -bis auf Haydns Trompetenkonzert – alle in einem engen Zeitraum, von 1916 bis 1928 entstanden. Diese Komponisten verbindet nicht nur eine gemeinsame Tradition, sie standen auch in engem Kontakt zueinander, inspirierten sich gegenseitig und entwickelten ihre ästhetischen Konzepte weiter. Gleichzeitig verbindet sie Wien als Wirkungsstätte, das in dieser Zeit der Aufbruchsstimmung kulturelles Zentrum und einzigartiger künstlerischer Kristallisationspunkt von Musikern, Malern und Literaten war.

Musikalische Akademie Mannheim © Christian Kleiner

Musikalische Akademie Mannheim © Christian Kleiner

Als „kleines Denkmal einer großen Liebe“ bezeichnete Alban Bergs seine „Lyrische Suite“ für Streichquartett, von dem er 1928 drei Sätze für Streichorchester bearbeitete. Dieses Stück wurde  zu einem seiner Meisterwerke, voller geheimer Programmatik und opernhafter Bezüge, aufgrund der autobiografischen Verflechtungen, die Berg in dieses Stück hineinwebte. Berg thematisiert seine Liebe zur verheirateten Hannah Fuchs-Robettin, einer Schwester des Dichters Franz Werfels. Das Werk spiegelt die Zerrissenheit von Bergs Seelenzuständen und die Aussichtslosigkeit dieser Beziehung, das Tristan Zitat im letzten Satz des Streichquartetts verweist in tragischer Weise auf die Liebe-Tod Thematik.

Alban Berg verwendet hier die Zwölftontechnik Schönbergs zum ersten Mal und erzielte damit ein Maximum an Dichte und Expressivität. Es entstehen starke Spannungsmomente und  verblüffende, sinnliche Streicher- Klangfarben.

Soddy arbeitete die komplizierten Strukturen dieses atonalen Machwerks sorgfältig heraus,  verblieb jedoch nie im Abstrakten, sondern setzte den hochemotionalen Gehalt dieser Musik frei und erzeugte ein Höchstmaß an Ausdruck. Die rondohaft wiederkehrenden Themen im „Andante amoroso“ erklangen verhalten, mit äußerster Zartheit, die Soddy mit Hingabe zelebrierte.

Das „Allegro misterioso“ geht unter die Haut mit seinen aufregenden Streicher-Spieltechniken, flirrenden, rastlosen  Sechzehntelbewegungen, die eine unterschwellige brodelnde Unruhe transportieren, fast durchweg im piano gehalten. Tragik vermittelt Soddy im „Adagio appassionato“, das als tönendes Abbild eines leidenschaftlichen Liebesdialogs gedacht ist. Schwermütiges Melos in den tiefen Streicherlagen, jähe Aufschwünge, dazwischen einsame Zitate der Solobratsche und -violine. Der Schluss verhaucht ins Leere…

Mit Joseph Haydns Trompetenkonzert in Es-Dur setzte Lukas Zeilinger, Solotrompeter im Nationaltheater Orchester, einen ersten strahlenden Höhepunkt.

Dieses Instrumentalkonzert, das als eines der Standardwerke für Trompete gilt, schrieb Haydn 1786 für die von Anton Weidinger neu erfundene Klappentrompete, welche die frühere Naturtrompete ablöste, mit der man nur die Naturtöne, nicht aber chromatische Töne blasen konnte.

Musikalische Akademie / Solotrompeter Lukas Zeilinger © Zeilinger

Musikalische Akademie / Solotrompeter Lukas Zeilinger © Zeilinger

Lukas Zeilinger brillierte mit einem schwebenden und warmen Trompetenklang, idealer Technik und viel stilsicherem Feingefühl. Unprätentiös und mit innerer Freude gestaltete er das Thema des ersten Satzes mit seinen Verzierungen und feinen dynamische Abstufungen. Stets spürte er sensibel und mit elastischer Tongebung dem Haydn‘schen Melos nach, in der Kadenz erfreute er mit seinem glasklaren, leichten Ansatz, mühelosen Koloraturen, und strahlenden Spitzentönen. Das NTO und Lukas Zeilinger befanden sich in bestem Dialog, Alexander Soddy sorgte jederzeit für die perfekte klangliche Balance.

Dem  wiegenden Charakter des Andante Themas gab er weichen Schmelz, ließ die Kantilenen schön aufblühen und beeindruckte mit seiner ausgereiften Phrasierungskunst.

Den Rondo- Satz ging er leichtfüßig und tänzerisch an, schwungvolle Läufe, Intervallsprünge und schmetternde Fanfaren setzten im Finalsatz einen virtuosen Schlusspunkt.

In der längeren Umbaupause interviewte die Harfenistin des NTO, Nora von Marschall, den Solisten Lukas Zeilinger und GMD Alexander Soddy, was sich im Online- Format als eine hervorragende Gelegenheit erweist, die Künstler hautnah im Anschluss an ihre Auftritte zu erleben. Das Publikum lernt auf diese Weise „seine“ Musiker näher kennen und erfährt beispielsweise manch interessantes Detail über deren Werdegang oder zukünftige Pläne.      Eine wunderbare Bereicherung der Programmgestaltung.

Gustav MahlersLieder eines fahrenden Gesellen“ in der reduzierten Bearbeitung von Arnold Schönberg von 1920 für Streichquartett, Flöte, Klarinette, Klavier, Harmonium und Schlagwerk, fügt sich perfekt in die Dramaturgie des Konzertabends ein.

Mahler verarbeitet in diesen vier Liedern eine eigene unerfüllte Liebe und schrieb selbst den Text, der an die Sammlung „Des Knaben Wunderhorn“ angelehnt ist. In diesen autobiografisch aufgeladenen Liedern sublimiert Mahler nicht nur seine unbewältigten Erfahrungen, sie sind auch eine Huldigung an die Natur, die hier als Gegenwelt und Sehnsuchtsort erscheint. Das Thema des 2. Liedes „Ging heut morgen übers Feld“ verwendete Mahler in seiner 1. Sinfonie, die wenig später entstand. Er überschrieb sie mit „Wie ein Naturlaut“. Die intime Instrumentierung intensiviert die Innenschau des zwischen Hoffnung und Aussichtslosigkeit, Realität und Traum getriebenen Gesellen und wirft ein eher indirektes Licht auf die einzelnen Stationen.

Musikalische Akademie / Bariton Thomas Berau © Desirèe Schmitt

Musikalische Akademie / Bariton Thomas Berau © Desirèe Schmitt

Der Bariton Thomas Berau, ebenfalls ein renommierter hauseigener Solist, nahm sich den Liedern des unglücklich liebenden Wanderers an und wurde dessen wechselvollen Seelenzuständen mit seiner suggestiven Gestaltungskraft in höchstem Maße gerecht. Mit klarer Diktion und vorbildlicher  Textausdeutung füllte er jede Phrase mit Leben, sein Bariton überzeugt sowohl in den lyrischen Naturbetrachtungen als auch in den heldischen, opernhaften Aufschwüngen.

Beklemmend gerieten im 3. Lied „Ich hab ein glühend Messer in meiner Brust“ die „Oh weh!“ Rufe, hochexpressiv und mit ausladender Gebärde. Stärker könnte der Kontrast nicht sein beim Wechsel von der ersten zur zweiten Strophe „Wenn ich in den Himmel seh“. Hier verleiht Thomas Berau  seiner Stimme zarten Schmelz und Innigkeit, wird die Phrase in matten Klang getaucht, schmerzerfüllt und anrührend.

Die  selten aufgeführte Kammersinfonie von Franz Schreker ist eine wahre Entdeckung. Der österreichische Komponist war vor allem bekannt geworden durch seine Oper „Der ferne Klang“, von 1912. Seine Kammersinfonie für 23 Musiker schrieb er mitten im Ersten Weltkrieg 1916, ein spätromantisch anmutendes Werk voller Farbenreichtum und Klangsinnlichkeit. Schreker war neben Richard Strauss wohl einer der wichtigsten und außergewöhnlichsten Opernkomponisten, zu Beginn des 20. Jahrhunderts, der die Linie von Gustav Mahler fortführte und zwischen Moderne und Tradition vermittelte. Die Nazis verhinderten 1934 seinen weiteren beruflichen Aufstieg, woran er kurze Zeit später zerbrach. Noch 1938 wurde er auf die Liste der verfemten Komponisten gesetzt.

Franz Schreker ist ohne Zweifel ein Meister der Instrumentierung. Alexander Soddy und das Nationaltheater Orchester tauchten in die erotisch aufgeladene Musik Schrekers ein, die mit ihrem umarmenden Klang betörende Stimmungen evozierte.

Soddy kontrollierte mit idealer Balance die verführerischen Klangbilder und ließ magische Momente entstehen. Die Orchestermusiker setzten solistische Glanzpunkte, wunderbare Flöten- und Oboensoli kontrastierten mit süffigen Streicherwogen, die fast hypnotische Wirkung entfalteten. Hinreißend die Farbwerte von Klavier, Harfe, Celesta und Harmonium.

Ein hochemotionales Hörerlebnis aus dem Rosengarten von Mannheim!

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Dresden, Semperoper, Daniel Harding und Sächsische Staatskapelle, IOCO Kritik, 25.04.2021

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Sächsische Staatskapelle Dresden

Semperoper

Semperoper © Matthias Creutziger

Semperoper © Matthias Creutziger

 

Daniel Harding und die Sächsische Staatskapelle  – MDR Konzert

 Gustav Mahler –  Fünfte Symphonie

von Thomas Thielemann

Am 13. Februar 2020 wollte sich Daniel Harding im Festkonzert der Sächsischen Staatskapelle eigentlich mit Gustav Mahlers Zehnter Symphonie von den Dresdner Musikern zu einem Sabbatjahr verabschieden.

Der mehrfach und gern erlebte Gastdirigent Daniel Harding hatte keine Konzertverpflichtungen in der Saison 2020/21 übernommen und wollte sich einen Kindheitstraum erfüllen. Nachdem er eine Lizenz als Verkehrspilot erworben und bereits Erfahrungen als Co-Pilot gesammelt hatte, wollte er ein Jahr bei der Air France neue Erfahrungen und Eindrücke sammeln.

Sächsische Staatskapelle / Daniel Harding und die Staatskapelle mit Gustav Mahler 10. Symphonie © Matthias Creutziger

Sächsische Staatskapelle / Daniel Harding und die Staatskapelle mit Gustav Mahler 10. Symphonie © Matthias Creutziger

Wie so Viele, hat Corona aber auch Harding zur Notlandung gezwungen und ihn im Frühjahr 2021 zu seiner nächsten Mahler-Interpretation mit den Dresdner Musikern der Sächsischen Staatskapelle geführt. Hatte Daniel Harding, vor der Zehnten, im 4.Symphoniekonzert der Saison 2017/18 in Dresden bereits die 4. Symphonie Gustav Mahlers interpretiert, so dirigierte er im 9. Symphoniekonzert der Saison 2020/21 die MDR-Rundfunkproduktion Mahlers Fünfte.

Sächsische Staatskapelle / Daniel Harding und die Staatskapelle © Matthias Creutziger

Sächsische Staatskapelle / Daniel Harding und die Staatskapelle © Matthias Creutziger

Die Komposition der 5. Symphonie Gustav Mahlers ist in den Urlaubs-Sommermonaten der Jahre 1901 und 1902 mit ihrem polyphonen Reichtum und innigen Wendungen entstanden. Die Flut an Ideen erforderte in den Folgejahren Schritte der Reduzierung. Noch wenige Monate vor seinem Tode habe Mahler Instrumentierungen  der Fünften geändert.

Für uns war es eine Freude, im Rahmen des MDR-Konzerts vom 23. April die Sächsische Staatskapelle endlich wieder „unkonserviert“ in der Semperoper zu hören, auch wenn das Klangbild wegen der breiteren Staffelung der Musiker etwas zerfasert erschien.

Den Kopfsatz dirigierte Harding betont lyrisch, klagend, fast schleppend und brillierte dabei mit gekonnter Präzision. Damit erlaubt er dem Hörer, detailliert die Schönheit des Orchesterspiels zu verfolgen. Harding und das Orchester erfassten in der Folge die Details mit faszinierender Klarheit: das dramatische Blech des zweiten Satzes, die entzückenden Pizzicato und Fagott-Stellen im zentralen Scherzo. Das Solo-Horn spielte großartig und das Scherzo profitierte von Hardings Fähigkeit, wunderbare Streicher-Texturen zu gestalten.

Sächsische Staatskapelle / Daniel Harding und die Staatskapelle © Matthias Creutziger

Sächsische Staatskapelle / Daniel Harding und die Staatskapelle © Matthias Creutziger

Dem Adagietto des Konzertes kam die besondere Bedeutung einer Erinnerung an den 20. Todestag von Giuseppe Sinopoli. Der Italiener war von 1992 bis zum Jahre 2001 Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle gewesen. Auch wollte das Orchester mit einem besonders lichten und warmen Adagietto den Verstorbenen der Corona-Pandemie gedenken. Damit entwickelte sich der vierte Satz der Symphonie zu einer zurückhaltenden vom Inneren nach außen transparenter Darbietung.

Sächsische Staatskapelle / Daniel Harding und die Staatskapelle © Matthias Creutziger

Sächsische Staatskapelle / Daniel Harding und die Staatskapelle © Matthias Creutziger

Der Finalsatz war lebendiger, rhythmischer und auf das Wunderbarste zu herrlichem Höhepunkt geführt. Möglicherweise war das dem ungewöhnlichen Umstand geschuldet, dass Harding für die Rundfunkproduktion den Schluss-Satz zu Beginn der Aufzeichnung in der Semperoper   ließ.

Das Konzert wurde am Freitag, den 23. April 2021 ab 20.05 Uhr von MDR-Kultur und MDR-Klassik gesendet und kann in den Mediatheken von MDR-Kultur und MDR-Klassik abgerufen werden.

Den ferngehaltenen Konzertfreunden:geben die hier gezeigten Bilder auch einen optischen Eindruck des MDR – Konzerts.

Sächsische Staatskapelle / Daniel Harding und die Staatskapelle © Matthias Creutziger

Sächsische Staatskapelle / Daniel Harding und die Staatskapelle © Matthias Creutziger

 

—| IOCO Kritik Semperoper Dresden |—


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Wiesbaden, Hessisches Staatsorchester Wiesbaden, Das Lied von der Erde – Gustav Mahler, IOCO Kritik, 07.07.2020

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 Kurhaus Wiesbaden / Friedrich von Thiersch Saal © Ingrid Freiberg

Kurhaus Wiesbaden / Friedrich von Thiersch Saal © Ingrid Freiberg

Hessisches Staatsorchester Wiesbaden

Das Lied von der Erde – Gustav Mahler

Symphonischer Liederzyklus für Soli und Kammerorchester

bearbeitet von Arnold Schönberg, vollendet von Rainer Riehn 1983 –  aus dem Chinesischen übertragen  von Hans Bethge

———————————–

1. Das Trinklied vom Jammer der Erde – nach Li-Tai-Po (Tenor)

2. Der Einsame im Herbst – nach Chang Tsi (Bariton)

3. Von der Jugend – nach Li-Tai-Po (Tenor)

4. Von der Schönheit – nach Li-Tai-Po (Bariton)

5. Der Trunkene im Frühling – nach Li-Tai-Po (Tenor)

6. Der Abschied – Textneuschöpfung von Gustav Mahler  (Bariton)

von  Ingrid Freiberg

Wehmütige Gedanken im schönsten Kurhaus der Welt

In dem Corona-bedingt schon mit nur wenigen Zuhörer*innen ausverkauften Saal sitzend, das prächtige Ambiente bewundernd und sinnend, dass Kaiser Wilhelm II. im Mai 1907 der Einweihung des Kurhauses Wiesbaden beiwohnte, welches als Nachfolger des 1810 fertiggestellten kleineren Cursaals von Friedrich von Thiersch erbaut wurde, enden in wehmütigen Gedanken. Wenig hilfreich ist dabei, dass der Kaiser das Haus überschwänglich als das „schönste Kurhaus der Welt“ würdigte.

Yin und Yang in Gustav Mahlers Musik

Gustav Mahler Grabstätte in Wien © IOCO

Gustav Mahler Grabmal Wien © IOCO

1907 gelang das Insel-Bändchen Die chinesische Flöte in Gustav Mahlers Hände. Alma Mahler erinnert sich: Die Gedichte entzückten mich so sehr, dass ich sie meinem Ehemann vorlas. Hans Bethge, ein Orientalist, hatte die altchinesische Lyrik – knapp 70 Gedichte – ins Deutsche übertragen. Mahler war emotional sehr berührt und entdeckte sich in ihr wieder. Die Lyrik ist gezeichnet von Yin und Yang: vom Tag, der Nacht, dem Frühling, dem Herbst, von hell und dunkel. Jedes Stück wechselt sich im Charakter ab. Der Tenor singt das Lebensbejahende, das Exzessive, die Freude am Leben, der Bariton den Herbst, die Ruhe, den Frieden und zum Schluss den Abschied.

Der Abschied ist eine Textneuschöpfung Mahlers, der zwei Gedichte verschiedener Autoren mit eigenen Verszeilen kombinierte – in der Verbindung von rezitativischen und ariosen Elementen und der gattungsübergreifenden Formanlage eine Mittelposition einräumte. Die Musik gehört zum Berührendsten was Gustav Mahler geschrieben hat: Es ist ein Abschiednehmen von der Erde, ein Wandern in die Berge, wo das einsame Herz Ruhe findet… Damit hat er seinen Abschied vorbereitet. Der Komponist mag in den von ihm ausgewählten Gedichten des 8. und 9. Jahrhunderts, die die Entfaltung und Neige des menschlichen Lebens durch die Abfolge der Jahreszeiten symbolisieren, manches von der Ursprünglichkeit der Wunderhorn-Lyrik wiedergefunden haben.

Kurhaus Wiesbaden / Friedrich von Thiersch Saal © Ingrid Freiberg

Kurhaus Wiesbaden / Friedrich von Thiersch Saal © Ingrid Freiberg

Schicksalhafte Einbrüche

Das Jahr 1907 brachte dem Komponisten schicksalhafte Einbrüche: beruflich die Aufgabe der Wiener Direktorenposition und der Weggang nach New York, privat der plötzliche Tod seiner Tochter Maria Anna und die Diagnose des eigenen schweren Herzleidens. Alma hielt fest: …jetzt überfielen ihn diese maßlos traurigen Gedichte! Er skizzierte auf weiten einsamen Spaziergängen die Orchesterlieder, aus denen ein Jahr später Das Lied von der Erde werden sollte. Mahler war ein sogenannter Sommerkomponist, der sich in jedem Jahr ein Sommerhaus mietete, ein Klavier hineinstellte, um dort seine Symphonien zu schreiben. Das war ihm in seinem Schicksalsjahr 1907 nicht möglich… Während seiner Hauptarbeitsphase im darauffolgenden Sommer 1908 wandelte sich das ursprüngliche Lied-Konzept. Die Arbeit vergrößerte sich. Mahler verband die einzelnen Texte, komponierte Zwischenspiele. Die Lieder trugen der im Jugendstil verbreiteten Asiatica-Mode Rechnung.

Das außerordentliche Werk ließe sich doppelt definieren: als eine zum Symphonischen hin verdichtete Liederfolge oder als eine großangelegte Symphonie mit Singstimmen. Nach Abschluss der ins Oratorische sich öffnenden Achten und vor dem Entschluss zu weiteren, nun wieder rein instrumentalen Symphonie-Projekten, sah Mahler in der Mischgattung Lied von der Erde eine reizvolle Möglichkeit. Die nachfolgende Neunte konnte er vollenden, während es ihm bei der Zehnten nicht mehr möglich war.

 Kurhaus Wiesbaden / vl Klaus Florian Vogt, GMD Patrick Lange, Michael Volle © Ingrid Freiberg,

Kurhaus Wiesbaden / vl Klaus Florian Vogt, GMD Patrick Lange, Michael Volle © Ingrid Freiberg,

Es gelangen mehrere Fassungen des Liedes von der Erde zur Aufführung: neben der großen Orchesterfassung, eine von Mahler selbst stammende Klavierfassung (statt Orchester), die über den Rang eines Klavierauszugs zu Studienzwecken hinausgehend für konzertmäßige Aufführungen gedacht ist, oder die später von Arnold Schönberg und Rainer Riehn erarbeitete kammermusikalische Fassung für 14 Instrumentalisten. Die Idee, in Wiesbaden eine kammermusikalische Fassung zur Aufführung zu bringen, kam von Klaus Florian Vogt. (Juraj Cizmarovic 1. Violine, Maryna Veremeeva, 2. Violine Irene Baiter Viola, Christoph Lambrecht Violoncello, Nicolà von Goetze Kontrabass, Mátyás Bicsák Flöte, André van Daalen Oboe, Franz-Josef Wahle Englischhorn, der sich mit diesem Konzert nach 37 Dienstjahren in den Ruhestand verabschiedet, Adrian Krämer Klarinette, Dörte Sehrer Es-Klarinette, Charlotte Gombert Bassklarinette, Peter Brechtel Fagott, Jens Hentschel Horn, Edzard Locher, Martin Lorenz, Ferdinand Reitberger Schlagwerk, Joachim Enders Klavier, Tim Hawken Harmonium / Celesta).

 Kurhaus Wiesbaden / Klaus Florian Vogt © Ingrid Freiberg,

Kurhaus Wiesbaden / Klaus Florian Vogt © Ingrid Freiberg

Arnold Schönberg und der Verein für musikalische Privataufführungen

Diese Fassung ist hochinteressant und hat eine Vorgeschichte: In Wien gab es in den Jahren 1918 – 1923 einen Verein für musikalische Privataufführungen, den Arnold Schönberg gegründet hat. Ziel des Vereins war es, Musik der Zeit aufzuführen. Damals gab es noch keine Tonträger und damit auch keine Möglichkeit, Musik außerhalb eines Konzertsaales zu hören. So haben Schönberg und Kollegen für Freunde große Stücke klein arrangiert. Leider ist der Verein 1923 Pleite gegangen. Das ist auch der Grund, warum Schönberg Das Lied von der Erde nicht fertig arrangiert hat. Für ein Toblacher Mahler-Festival  im Jahre 1983 führte Riehn Schönbergs Arbeit am Lied von der Erde fort. An der vorgegebenen Besetzung änderte Riehn mit Ausnahme der fakultativen Hinzufügung einer Celesta für den Schluss des Abschieds, die das Ewig… begleitet und deren Kaskaden den Übergang zum Göttlichen herzergreifend beschreiben, nur den Verzicht auf eine 3. Violine. Schönberg hatte bereits die Fülle eines ganzen Orchesters in diese zwei Instrumente mit aufgeteilt und damit einen erstaunlich vollen Klang erreicht. Das ist insofern zu erwähnen, da Mahlers Musik meist als bombastisch gilt. Eine kammermusikalische Fassung kann eigentlich nur eine Essenz von diesem Riesenwerk sein und wird doch durch den höchst virtuosen Klavierpart, ein Harmonium vom Ende des 19. Jahrhunderts, die Celesta und das über die Maßen präzise und mit glühendem Engagement aufspielende Hessische Staatsorchester Wiesbaden zu einem Klangrausch.

Eine bedrückende Zeit wird für Wiesbaden zum Glücksfall

Es ist eine bedrückende Zeit, Corona hat die Kulturszene stark verändert: Die beiden Weltstars Klaus Florian Vogt und Michael Volle wären längst zu Proben in Bayreuth, wo sie als Stolzing und Sachs in der Wiederaufnahme der Meistersinger engagiert waren. Vogt wäre zudem der Siegmund im neuen Ring gewesen. Für Wiesbaden wird dieser für die beiden Künstler schmerzhafte Umstand allerdings zum Glücksfall.

Im Trinklied vom Jammer der Erde begeistert Klaus Florian Vogt mit seinem lyrischen Tenor, indem er wunderbar den Bogen zwischen …einem vollen Becher Weins zur rechten Zeit… und  …dunkel ist das Leben, ist der Tod… spannt. Der Textdichter Li-Tai-Po war, wie sein Übersetzer Hans Bethge schreibt, ein Abenteurer und Trinker. Der Trunkene im Frühling ist auch eine Verbindung mit Mahlers Zeitgenossen Friedrich Nietzsche: Welterkenntnis durch Rauschzustand und Einflüsterungen der Natur. Der Scherzocharakter wird durch die burleske Instrumentation mit Trillern, Pizzicati und lustigen Vorschlägen unterstrichen. Mit Leidenschaft, Seele und Zärtlichkeit verzaubert Vogt mit seiner prachtvollen Stimme das Publikum.

Kurhaus Wiesbaden / Michael Volle © Ingrid Freiberg

Kurhaus Wiesbaden / Michael Volle © Ingrid Freiberg

Mit hingebungsvoller Virtuosität berührt Michael Volle – bis zu Tränen – im Bekenntniswerk über Leben und Tod, über Jugend und Schönheit, über Sehnsucht und Vergänglichkeit. Der Einsame im Herbst ist ein Gleichnis für den Seelenzustand: Der Herbst in meinem Herzen währt zu lange. Der Tod wird als Stätte von Frieden und Heimat herbeigesehnt. Der leidenschaftliche Ausbruch: Sonne der Liebe, willst du nie mehr scheinen ergreift. Einfühlsam gelingt Volle die Interpretation Von der Schönheit der anmutigen jungen Mädchen. Sie wird nur durch einen atemlosen, marschartigen Mittelteil unterbrochen. Der Abschied ist das weitaus längste Lied – ein überwältigender Abgesang, ein zeit- und raumloser Abschied von der Liebe und dem Leben. Ist das überhaupt zum Aushalten? Werden sich die Menschen nicht danach umbringen?, fragte sich Mahler. Alle vorhergehenden Distanzierungen durch Burleske, Ironie oder Exotismus werden aufgehoben. Es ist eine musikalische Erzählung vom Sterben, die sich viel Zeit nimmt. Immer wieder gerät sie ins Stocken, unterbrochen von dem Tam-Tam-Schlägen des Todes: Die Welt schläft ein. Der Komponist fügte Zeilen aus einem eigenen Jugendgedicht ein: Die müden Menschen gehn heimwärts, um im Schlaf vergess‘nes Glück und Jugend neu zu lernen. Die kaum zu ertragende Sehnsucht nach dem Gefährten mündet in einen Trauermarsch. Danach antwortet der Freund sehr weich und ausdrucksvoll. Die erstarrte Trauer weicht einem warm strömenden Gesang, der die Gewissheit des Todes ruhig akzeptiert. Die Farben des Harmoniums und der Celesta kommen hinzu, für Mahler Klangsymbole der Weltentrücktheit. Das mehrfach wiederholte Wort Ewig… steht am Schluss, sich ins Unhörbare auflösend, gänzlich ersterbend. Volle gelingen sensible, privat anmutende Empfindungen.

Gustav Mahler HH © IOCO

Gustav Mahler HH © IOCO

Haben Sie eine Ahnung wie man das dirigieren soll? Ich nicht!, fragte der Dirigent und Mahler-Vertraute Bruno Walter den Komponisten, nachdem er die soeben fertiggestellte Partitur von dem mit Der Abschied betitelten letzten Satz studiert hatte. Mahlers Antwort darauf ist nicht überliefert – Walters Reaktion jedoch ist im Hinblick auf die emotionale Tiefe des Werkes nachvollziehbar. GMD Patrick Lange gelingt der enorme Kraftaufwand. Klangzauberisch entlockt er fein ausdifferenziert und nuanciert dem Hessischen Staatsorchester Wiesbaden innigste Soli – zwischen intimen Liebesschmerz und explodierenden Gefühlsausbrüchen verbindend. Die Grenze zwischen Klang und Stille verwischt sich. Leben geht in Tod auf.

Äußerst berührend ist die minutenlange Stille am Schluss – bis sich das Publikum, teilweise mit Tränen in den Augen, spontan zu Standing Ovations erhebt, die fast dreißig Minuten andauern.

—| IOCO Kritik Hessisches Staatsorchester Wiesbaden |—


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Baden-Baden, Festspielhaus, Die Festspiele En Suite – Sommermusiken und Aha-Effekte, 18.07. – 30.08.2020

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Festspielhaus Baden – Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

En suite – Die Festspiele Baden-Baden zu Gast in Hotels und dem Museum Frieder Burda

18. Juli bis 30. August 2020 – Beginn des Vorverkaufs am 1. Juli 2020, 10 Uhr unter www.festspielhaus.de

Die Festspiele Baden-Baden finden im Sommer 2020 in Hotels und dem Museum Frieder Burda statt. Unter dem Motto „En suite“ organisiert Intendant Benedikt Stampa mit und für Hotels ein Konzert-Programm mit internationalen Künstlerinnen und Künstlern sowie fest eingeplanten „Aha-Effekten“ vom 18. Juli bis zum 30. August 2020.

„Wer die Begriffe Baden-Baden, Musik und Hotels zusammenfügt, erzeugt angenehme Bilder in den Köpfen der Menschen“, so Stampa. Der Intendant möchte die durch die Corona-Pandemie erzwungene Spielpause auf diese angenehme Weise beenden. „Wir tasten uns langsam wieder an Live-Veranstaltungen heran – derzeit in kleinem Rahmen, der in Baden-Baden aber auch immer die Begriffe Sicherheit und Wohlergehen mitschwingen lässt“.

Festspielhaus Baden - Baden / Antoine Tamestit à Paris en octobre 2016 © Julien Mignot / harmonia-mundi

Festspielhaus Baden – Baden / Antoine Tamestit à Paris en octobre 2016 © Julien Mignot / harmonia-mundi

Das „En suite“-Festival begrüßt Solistinnen und Solisten wie den französischen Ausnahme-Bratschisten Antoine Tamestit, ein Streich-Trio um den gefeierten österreichischen Geiger Emmanuel Tjeknavorian, die in Baden lebende russische Pianistin Anna Zassimova sowie die international gefeierten Ensembles delian::quartett und das Schumann-Quartett.

Spielorte sind der Maler-Saal des Hotels Maison Messmer, die Orangerie des Brenners Park Hotel sowie das Museum Frieder Burda (in Zusammenarbeit mit dem Hotel „Kleiner Prinz“).

Festspielhaus Baden - Baden / SchumannQuartett © Kaupo Kikkas

Festspielhaus Baden – Baden / SchumannQuartett © Kaupo Kikkas

Die etwa einstündigen Konzerte sind immer mit Erläuterungen zur Musik verbunden. Einige Künstler sprechen selbst über ihre Programme. So setzt die Pianistin und Kunsthistorikerin Anna Zassimova bildende Kunst und Musik zueinander in Beziehung. Zu den Konzerten von Antoine Tamestit, des Trios um Emmanuel Tjeknavorian und des Schumann Quartetts hält Festspielhaus-Dozent Dariusz Szymanski Einführungen.

Der Ferrari der Stradivaris

Den Auftakt des „En Suite“ Festivals macht im Malersaal des Hotels Maison Messmer der international als einer der einzigartigsten Bratschisten Antoine Tamestit. In seinen Konzerten am Samstag 18. Juli, 16 Uhr, und Sonntag 19. Juli, 11 Uhr, stellt er auf reizvolle Weise Werke Johann Sebastian Bachs mit denen seines Zeitgenossen Georg Philip Telemann gegenüber. Festspielhausdozent Dariusz Symanzski wird kurz in das Konzert einführen. Sowohl als Solist, Rezitalist und Kammermusiker ist Antoine Tamestist für seine unübertroffene Technik und die vielgerühmte Schönheit seines farbenreichen Bratschentons bekannt und er erhielt zahlreiche Auszeichnungen bei renommierten Instrumentalwettbewerben, wie bei den New Yorker Young Concert Artists Auditions und dem Internationalen Musikwettbewerb der ARD. Auch sein Instrument ist einzigartig: Antoine Tamestist spielt die vielleicht wertvollste Viola der Welt: Er konzertiert auf der 1672 von Stradivari gebaute „Mahler“-Bratsche, die vermutlich erste Viola, die von Stradivari stammt.

Festspielhaus Baden - Baden / Schumann Quartett © Kaupo Kikkas

Festspielhaus Baden – Baden / Schumann Quartett © Kaupo Kikkas

Roll over Beethoven

Das darauffolgende Wochenende, 25. und 26. Juli, steht ganz im Zeichen des Jubilars des Musikjahres 2020: Ludwig van Beethoven. Nachdem das Schumann Quartett im Festspielhaus im Januar das Baden-Badener Publikum begeisterte, darf man sich nun auf ihr Konzert im Museum Frieder Burda freuen. Seit ihrer frühesten Kindheit spielen die drei im Rheinland großgewordenen Brüder Mark, Erik und Ken Schumann zusammen. 2012 ist die in Tallinn geborene und in Karlsruhe aufgewachsene Liisa Randalu als Bratschistin dazu gekommen. Die Vier genießen die nonverbale Kommunikation beim Musizieren: Ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten treten dabei deutlicher hervor, und gleichzeitig entsteht mit jedem Werk, das sie interpretieren, ein gemeinsamer musikalischer Raum, findet eine geistige Metamorphose statt, zu erleben diesmal im Museum Frieder Burda. Ihre Einspielungen sind mehrfach preisgekrönt, so wurde ihr 2017 erschienenes Album „Landscapes“ mit 5 Diapasons ausgezeichnet, war Editor’s choice beim BBC Music Magazine und gewann den Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik. Ihr aktuelles Album „Intermezzo“ wurde mit dem OPUS Klassik 2019 in der Kategorie „Kammermusikeinspielung des Jahres“ ausgezeichnet.

Festspielhaus Baden - Baden / Anna Zassimova © Victoria Page

Festspielhaus Baden – Baden /
Anna Zassimova © Victoria Page

Terra Ikognita

Im Jahr 2017 debütierte Anna Zassimova beim Klavier-Festival Ruhr und hinterließ einen großartigen Eindruck. Die gebürtige Moskauerin, die zugleich Kunsthistorikerin und promovierte Musikwissenschaftlerin ist, hat sich als Meisterin im Heben pianistischer Schätze erwiesen. Besonders die Wiederentdeckung des russisch-französischen Komponisten Georges Catoire ist eng mit ihrem Namen verknüpft. Anna Zassimova, die inzwischen an der Musikhochschule in Karlsruhe unterrichtet, gilt außerdem als herausragende Chopin-Interpretin. Ihre Konzerte am Samstag 8. und Sonntag 9. August im Rahmen des „En suite“-Festivals in der Orangerie des Brenners Hotel soll die Zuhörer in die ferne „Terra Inkognita“ der Komponisten- und Maler-Bohème des Jugendstil- und Fin de siècle der Russischen Kunst entführen. Dabei wird die Bildende Kunst in einen Dialog mit der Musik eintreten, um den Parallelen dieser Schwesterkünste nachzuspüren. Beispielhaft stehen für diese Entwicklung die moderne atonale Aufbaustruktur und die dichten Harmonien von Nikolai Roslawez oder die Sonate von Nikolaj Medtner, in der die traditionellen harmonischen Prinzipien des Komponierens in erlesenster Form ausgearbeitet sind. In der Bildenden Kunst werden vergleichbare Entwicklungen sowohl in den mystischen Bildern von Michail Wrubel vorgestellt als auch in den märchenhaften Motiven von Alexander Benois oder in den poetisierten Darstellungen der russischen Natur von Isaak Levitan. Eine Veranstaltung, die den Besucher über das Hören und Sehen zu einer außergewöhnlichen Wahrnehmung einlädt.

Festspielhaus Baden - Baden / AUSTRIA - Emmanuel Tjeknavorian / © Julia Wesely

Festspielhaus Baden – Baden /
AUSTRIA – Emmanuel Tjeknavorian / © Julia Wesely

Der „Klassik-Tjek“ hoch Drei

Emmanuel Tjeknavorian gilt als einer der gefragtesten jungen Geiger unserer Zeit. Im Festspielhaus Baden-Baden feierte er einen traumhaften Einstand mit dem Violinkonzert von Jean Sibelius unter der Leitung von Riccardo Chailly. In einer Festspiel-Matinee begeisterte er das Publikum im Museum Frieder Burda. Gemeinsam mit Benedict Mitterbauer (Bratsche) und Jeremias Fliedl (Cello) spielt der Geiger mit der eigenen Radio-Sendung beim ORF („Der Klassik-Tjek“) im Rahmen des Baden-Badener „En-Suite“-Festival im Malersaal des Hotels Maison Messmer am 15. und 16. August das Streichtrio Op. 3 von Ludwig van Beethoven sowie Dohnanyis Serenade für Streichtrio.

Festspielhaus Baden - Baden / Delian Quartett © Julia Wesely

Festspielhaus Baden – Baden /
Delian Quartett © Julia Wesely

Kulturbotschafter bis Afrika

Bereits im Jahr seiner Gründung 2007 öffneten sich dem delian::quartett die Türen der großen Häuser und bedeutenden Festspiele. Das Echo auf jene ersten Konzerte katapultierte es praktisch über Nacht mitten in die internationale Konzertwelt. Das Debüt des delian::quartetts 2009 in der Berliner Philharmonie entfachte wahre Begeisterungsstürme und wurde schon nach dem Eröffnungsstück mit stehenden Ovationen aufgenommen. Seither verzeichnet das Ensemble von Publikum und Presse gleichermaßen gefeierte Auftritte in ganz Europa und – als Kulturbotschafter des Goethe-Instituts – bis nach Afrika. Für das Baden-Badener „En suite-Festival“ bereiten Adrian Pinzaru (Violine), Andreas Moscho (Violine), Lara Albesano (Viola) und Hendrik Blumenroth (Violoncello) zwei verschiedene Programme vor: Am Samstag, 29. August 2020 um 16 Uhr stehen Werke von Schostakowitsch, Schnittke und Haydn auf dem Programm. Am Sonntag, 30. August um 11 Uhr entführen die Musikerinnen und Musiker musikalisch auch nach England, wenn Sie Werke von Byrd und Purcell neben Haydns Streichquartett Op. 33 No. 2 „Der Witz“ stellen und damit das kleine Sommerfestival beenden. Die Mitglieder des delian::quartetts moderieren ihre Konzerte selbst.

Weitere Informationen und Tickets (ab 1.Juli): www.festspielhaus.de

Persönliche Beratung und Reservierungen: Tel. 07221 / 30 13 101


En Suite – Sommermusiken und Aha-Effekte

Die Festspiele Baden-Baden zu Gast in den Hotels und Museen der Stadt

18. Juli bis 30. August 2020


Samstag, 18.07.2020, 16 Uhr
Maison Messmer Malersaal
Antoine Tamestit
Telemann, Fantasia Nr. 2 C-Dur (Original für Violine: G-Dur), Bach, Cello-Suite Nr. 2 d-Moll, Telemann, Fantasia Nr. 1 Es-Dur (Original für Violine: B-Dur) und Bach, Cello-Suite Nr. 1 G-Dur


Sonntag, 19.07.2020, 11 Uhr
Maison Messmer Malersaal
Antoine Tamestit
Telemann, Fantasia Nr. 2 C-Dur (Original für Violine: G-Dur); Bach, Cello-Suite Nr. 2 d-Moll, Telemann, Fantasia Nr. 1 Es-Dur (Original für Violine: B-Dur)
Bach, Cello-Suite Nr. 1 G-Dur


Samstag, 25.07.2020, 19:30 Uhr
Museum Frieder Burda  – in Kooperation mit dem Hotel Der Kleine Prinz Schumann Quartett
Beethoven, Streichquartett Nr. 3 D-Dur op. 18/3, Beethoven, Streichquartett Nr. 14 cis-Moll op. 131


Sonntag, 26.07.2020; 19:30 Uhr
Museum Frieder Burda  – in Kooperation mit dem Hotel Der Kleine Prinz
Schumann Quartett
Haydn, Streichquartett B-Dur op.1/1 „La chasse“ (Jagdquartett), Beethoven, Streichquartett Nr. 7 F-Dur op. 59/1 „Rasumowsky“


Samstag, 08.08.2020, 17 Uhr
Brenners Hotel, Orangerie
Anna Zassimova
Wassili Kalinnikow, Elégie, Georgy Catoire, Quatre Préludes op. 17, Alexander Skrjabin, Deux Poèmes op. 32, Nikolai Roslawez, Cinque Préludes, Nikolai Medtner, Sonata-Reminiscenza o (Nr. 1 aus: Vergessene Weisen op. 38)
In Verbindung mit bildender Kunst


Sonntag, 09.08.2020, 11 Uhr
Brenners Hotel, Orangerie
Anna Zassimova
Brahms, Fantasien op. 116 , Robert Schumann, Arabeske op. 18, Clara Schumann, Romanze op. 21/1, Liszt, Consolations Nr. 1-3, Chopin, Polonaise, Fantaisie As-Dur op. 61


Samstag, 15.08.2020, 18 Uhr
Maison Messmer, Malersaal
Emmanuel Tjeknavorian, Benedict Mitterbauer Jeremias Fliedl
Dohnanyi, Serenade C-Dur op. 10 für Streichtrio; Beethoven, Streichtrio Es-Dur op. 3


Sonntag, 16.08.2020, 11 Uhr
Maison Messmer, Malersaal
Emmanuel Tjeknavorian, Benedict Mitterbauer Jeremias Fliedl
Schnittke, Polka (Fassung für Streichquartett), Haydn, Streichquartett G-Dur op. 77/1


Samstag, 29.08. 2020,
Brenners Hotel, Orangerie
delian:.quartett
Schostakowitsch, „Theater-Suite“ für Streichquartett aus den Bühnenmusiken op. 32 zu Shakespeares „Hamlet“ und op. 37 zu „Die menschliche Komödie“ nach Balzac, Schnittke, Polka (Fassung für Streichquartett), Haydn, Streichquartett G-Dur op. 77/1


Sonntag, 30.08.2020, 11 Uhr
Brenners Hotel, Orangerie
delian:.quartett
William Byrd „Sing joyfully“ aus Cathedral Music, Volume 2, p. 34 in der Fassung für Streichquartett, „Ave verum corpus“ aus Gradualia I, no. 37 in der Fassung für Streichquartett, Henry Purcell Fantazias Nr. 6 und Nr. 10, Pavane g-Moll in der Fassung für Streichquartett, Klage der Dido „When I am laid in Earth” aus „Dido und Aeneas” in der Fassung für Streichquartett, Chaconne g-Moll in der Fassung für Streichquartett,Joseph Haydn Streichquartett Es-Dur op. 33 Nr. 2 Hob. III: 38 „Der Witz“


Weitere Informationen und Tickets: www.festspielhaus.de
Persönliche Beratung und Reservierungen: Tel. 07221 / 30 13 101

—| Pressemeldung Festspielhaus Baden-Baden |—


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