Bremen, Theater Bremen, Ein Maskenball – Giuseppe Verdi, IOCO Kritik, 03.11.2018

November 4, 2018 by  
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Theater Bremen

Theater Bremen / Theater am Goetheplatz © Jörg Landsberg

Theater Bremen / Theater am Goetheplatz © Jörg Landsberg

Ein Maskenball – Giuseppe Verdi

 Opulenz, Liebe, Leidenschaft und Tod an der Weser

Von Michael Stange

Verdis Maskenball ist die typische Dreiecksgeschichte der Oper des 19. Jahrhunderts. Ein Graf (Gustavo) liebt die Frau (Amelia) seines besten Freundes und Sekretärs (Renato). Dies stürzt alle Beteiligten ins Unglück. Liebe, Hass und Leidenschaft, unauflösliche Emotionen und der musikalische Reichtum der Oper sind die Zutaten, die das Publikum auch heute fesseln können.

Theater Bremen / Ein Maskenball - hier : Olivares Sandoval als Gustavo, Dziashko als Oscar, Stephen Clark als Graf Ribbing und Ensemble © Jörg Landsberg

Theater Bremen / Ein Maskenball – hier : Olivares Sandoval als Gustavo, Dziashko als Oscar, Stephen Clark als Graf Ribbing und Ensemble © Jörg Landsberg

Michael Talkes Inszenierung begreift den Gustavo als Spieler. Ihm gleiten im Verlauf des Dramas die Fäden aus der Hand und er wird Opfer seines eigenen Leichtsinns. Der Hofstaat Gustavos kämpft schon im Vorspiel weiß geschminkt und in höfischen Kostümen der Renaissance gekleidet mit den Verschwörern um eine schwarze Krone. Die weiteren Bilder bei der Wahrsagerin Ulrica und das Feld der Kräuter zeigen tiefes Schwarz. Grünes morbides Licht sowie ein Totenschädel prägen das Kabinett Renatos. So wird die Geschichte mit wirkungsvollen Bühnenbildern und packender Personenführung suggestiv erzählt. Talke paart Dramatik mit brillanten Einfällen uneitel und kundig im Dienst des Werks.

Verbundene wird diese plastische Ausleuchtung mit einer musikalischen Darbietung auf höchstem Niveau.

Theater Bremen / Ein Maskenball - hier : Iryna Dziashko, Luis Olivares Sandoval, Birger Radde © Jörg Landsberg

Theater Bremen / Ein Maskenball – hier : Iryna Dziashko, Luis Olivares Sandoval, Birger Radde © Jörg Landsberg

Marco Comin ist Verdi-Dirigent der Extraklasse. Er leitet die Bremer Philharmonie mit schwebendem silbernem Klang. Sein Konzept beginnt mit er mit gleichsam tastenden Eintauchen im Vorspiel. Dies paart er später mit loderndem Feuer und lyrischer Innigkeit. Die Partitur ist bei ihm in den besten Händen und die Aufführung zeichnet sich insbesondere auch durch ihr exzellentes und akzentuiertes Klangbild aus. Die Bremer Philharmoniker folgen ihm mit phänomenaler Spielfreude und üppigen orchestralen Farben.

Gemeinsam mit den erlesenen Solisten und dem hervorragenden Chor gelingt eine musikalische Interpretation, die keine Wünsche offen lässt. Birger Radde ist ein Renato mit italienischem Timbre und vollendeter Gesangskunst. Von tiefer Schwärze bis zur glänzenden Höhe verbindet er mühelos alle Register seiner ausgeglichenen, klangschönen und mitreißenden Stimme. Ein ausgezeichneter Renato, wie er selten zu hören ist. Luis Olivares Sandoval ist ein Gustavo mit bronzenem Timbre, bestrickendem Piano und durchschlagskräftiger hoher Lage. Durch seine Gestaltungsfähigkeit liefert er ein glutvolles Portrait und entwickelt Gustavo mit stimmlicher Potenz und berührenden Momenten vom leichtsinnigen Lebemann zum fürsorglichen Landesvater im Angesicht des Todes.

Patricia Andress setzt als Amelia subtile Akzente. Höhepunkt ist ihre Arie im 3. Akt. Romina Boscolo erreicht mit ihrem Mezzosopran tiefste Altlagen. Mit abgründigen, tiefen schattigen Farben gestaltet sie eine furchteinflößende Wahrsagerin Ulrica. Iryna Dziashko ist als Oscar mit leuchtenden Koloraturen, präziser Geläufigkeit in den hohen Lagen und stetiger Spielfreude als Oscar ein fulminantes Pendant zu Gustavo.

Selbst die kleinen Rollen sind luxuriös besetzt. Herausragend singt Stephen Clark den Grafen Ribbing mit wohltönendem, profundem Bass und mächtiger Attacke in der Höhe. Dongfang Xie ist ein glänzender Christiano und Daniel Ratchev ein dämonischer Graf Horn.

Theater Bremen / Ein Maskenball - hier : Patricia Andress als Amelia, Luis Olivares Sandoval ist Gustavo © Jörg Landsberg

Theater Bremen / Ein Maskenball – hier : Patricia Andress als Amelia, Luis Olivares Sandoval ist Gustavo © Jörg Landsberg

Eine derartig berückende und gelungene Vorstellung ist ein Glücksfall. Bremens Maskenball stellt mit theatralischem und musikalischem Feuer sowie opulenter Besetzung einen Verdi auf die Bühne, der in dieser Qualität sehr selten zu hören ist. Ein gebanntes Publikum aller Altersklassen von Schülerinnen bis Senioren bejubelte zu Recht frenetisch die hochkarätige Aufführung.

So ist Oper lebendig. Das Bremer Theater zeigt, dass musikalische Wunder nicht nur auf dem Papier sondern auch auf der Bühne möglich sind. Sie beginnen bei der kundigen und durchdachten Auswahl des Ensembles und sie gelingen mit gemeinschaftlichem, hingebungsvollem Zusammenwirken aller Beteiligten.

Ein Maskenball am Theater Bremen; weitere Vorstellungen am  07.11.2018, 19:30 – 22:00 Uhr,  17.11. 2018, 19:30 – 22:00 Uhr,  25. 11. 2018, 18:00 – 21:30 Uhr, 05. 12.2018, 19:30 – 22:00 Uhr, Sonntag, 23. 12. 2018, 15:30 – 18:00 Uhr,  25.12. 2018, 18:00 – 20:30  19.1.2019, 19:30 – 22:00 Uhr

 

—| IOCO Kritik Theater Bremen |—

Duisburg, Deutsche Oper am Rhein, Premiere Otello – Giuseppe Verdi, 15.11.2018

November 2, 2018 by  
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Deutsche Oper am Rhein

Theater Duisburg © IOCO

Theater Duisburg © IOCO

  Otello  –  Giuseppe Verdi

Inszenierung Michael Thalheimer

Premiere am 15. November im Theater Duisburg: Opernwerkstatt am Freitag, 2. November, um 18.00 Uhr mit Gespräch und Probenbesuch

Am Donnerstag, 15. November, um 19.30 Uhr ist Premiere im Theater Duisburg: Die Deutsche Oper am Rhein bringt Giuseppe Verdis Oper Otello in der Inszenierung von Michael Thalheimer auf die Bühne. Gerade in Duisburg ist der vielfach ausgezeichnete Theaterregisseur eine bekannte Größe: Sieben seiner Schauspiel-Inszenierungen waren seit 2003 bei den Duisburger Akzenten vertreten, zuletzt Die Perser (2018) in einem Gastspiel des Wiener Burgtheaters und Penthesilea (2017) in einer Aufführung des Schauspiels Frankfurt. Nun stellt sich Michael Thalheimer erstmals mit einer Opernproduktion im Theater Duisburg vor. IOCO berichtete kürzlich über eine Thalheimer Inszenierung am Wiener Burgtheater:  Glaube liebe Hoffnung von Ödön von Horvath.

Deutsche Oper am Rhein / Otello - Zoran Todorovic (Otello) und der Chor der Deutschen Oper am Rhein © Hans Jörg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Otello – Zoran Todorovic (Otello) und der Chor der Deutschen Oper am Rhein © Hans Jörg Michel

Otello, General der Republik von Venedig, ist auf dem Höhepunkt seines Ruhms, als der Fähnrich Jago sein vernichtendes Werk beginnt. Er beneidet Otello um alles, was er nicht besitzt: seine Macht, sein Charisma und seine Liebe zu Desdemona. Doch er erkennt, dass Otello kein strahlender Held, sondern ein in sich gefangenen ist, verwundbar durch den Stachel der Eifersucht – ein Gift das ihm jede Kontrolle entzieht. Am Ende tötet Otello Desdemona, den einzigen Menschen, der ihn aufrichtig liebt, als müsste er sich damit von seinen Ängsten, Zwängen und Selbstzweifeln befreien.

In einer hochkonzentrierten, abstrakten Bildsprache schärft Michael Thalheimer den Blick für die Psychologie, Emotionalität und Körperlichkeit der Figuren und setzt das Eifersuchtsdrama unter geradezu atemlose Spannung. Ein schwarzer Bühnenraum mit wenigen Requisiten und minimalistischen Lichteffekten genügt Thalheimer, um aus dem Dunkel in Otellos Psyche einen dramatischen Sog zu entwickeln. Große Erfolge feierte seine mit Henrik Ahr (Bühnenbild), Michaela Barth (Kostüme) und Stefan Bolliger (Licht) entwickelte Inszenierung bereits in Antwerpen, Gent und Düsseldorf.

Im Theater Duisburg übernimmt Antonino Fogliani die musikalische Leitung der Duisburger Philharmoniker und des neu besetzten Sänger­ensembles: Gustavo Porta, ein Spezialist für die großen italienischen Tenor­partien, ist Otello. Simon Neal, der in Düsseldorf zuletzt als Wotan gefeiert wurde, verkörpert Otellos Gegenspieler Jago. Brigitta Kele, Ensemblemitglied von 2012 bis 2016, kehrt als Desdemona an den Rhein zurück.

In der Opernwerkstatt am Freitag, 2. November, um 18 Uhr geben Antonino Fogliani, Gustavo Porta und Simon Neal im Gespräch mit Chefdramaturgin Hella Bartnig Einblick in die Produktion, bevor die Besucher im Theater Duisburg den ersten Teil der Bühnenorchesterprobe miterleben dürfen. Der Eintritt ist frei.

Otello im Theater Duisburg: Do 15.11., 19.30 Uhr (Premiere) / Di 20.11., 19.30 Uhr / Fr 23.11., 19.30 Uhr   Sa 01.12., 19.30 Uhr / So 09.12., 15.00 Uhr / Mi 12.12., 19.30 Uhr

—| Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein Duisburg |—

Baden-Baden, Festspielhaus, Herbstfestspiele Baden-Baden, 2018, 23.11. – 02.12.2018

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Festspielhaus Baden – Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

Herbstfestspiele Baden-Baden 2018

Offenbach trifft Beethoven in Baden-Baden

Die Baden-Badener Herbstfestspiele 2018 (23. November bis 2. Dezember) feiern zwei Komponisten, die auf den ersten Blick wenig verbindet: Ludwig van Beethoven und Jacques Offenbach. An beide Genies wird in Kürze erinnert – Offenbachs 200. Geburtstag wird 2019 begangen, und das große Beethoven-Jahr (250. Geburtstag) steht 2020 an. Ihre Visionen veränderten die Musikwelt: Ludwig van Beethoven definierte sowohl die Sonatenform neu und schuf Sinfonien, die zum Kern des menschlichen Kulturerbes zählen, während Jacques Offenbach die Operette und eben auch die Oper zu neuen Höhen führte – mal gesellschaftlich bissig, mal psychologisch tiefgründig. Große Künstlerinnen und Künstler unserer Zeit interpretieren zentrale Werke dieser Komponisten zwischen dem 23. November und dem 1. Dezember 2018 im Festspielhaus Baden-Baden.

Sonderkonzert mit Anna Netrebko – 29.11.2018

Festspielhaus Baden-Baden / Anna Netrebko und Yusif Eyvazov (Sonderkonzert am 29.11.) © Vladimir Shirokov

Festspielhaus Baden-Baden / Anna Netrebko und Yusif Eyvazov (Sonderkonzert am 29.11.) © Vladimir Shirokov

Im Mittelpunkt der Baden-Badener Herbstfestspiele steht eine konzertante Aufführung der Oper Hoffmanns Erzählungen (Les contes d’Hoffmann) unter der Leitung des französischen Dirigenten Marc Minkowski. Am Sonntag, 25. November, um 17 Uhr versammeln sich dazu Stars wie Olga Peretyatko (Sopran), Luca Pisaroni (Bariton) und Charles Castronovo (Tenor) sowie der Philharmonia Chor Wien und Les Musiciens du Louvre in Baden-Baden. Bei dieser Aufführung sollte das Wort „konzertant“ allerdings nicht zu ernst genommen werden. Marc Minkowski und die Sänger planen, die turbulente Handlung auch durchaus bewegt auf die größte deutsche Opernbühne zu bringen, so dass das Publikum nicht nur die wunderbare Musik dieser Oper genießen kann, sondern auch ihre leicht skurrile Handlung leichter nachvollzieht. Offenbachs einzige Oper zählt zu den intelligentesten Kompositionen der Romantik, wenngleich sie durch Offenbachs Faible für die Operette lange Zeit nicht ernst genommen wurde. Marc Minkowski, der sich als Könner und Kenner im Bereich der historischen Aufführungspraxis viele Meriten verdient hat, möchte das allein schon durch die berühmte „Barcarole“ bekannte Werk durchaus neu befragen.

Festspielhaus Baden-Baden / Olga Peretyatko („Hoffmanns Erzählungen) © Ali Khan

Festspielhaus Baden-Baden / Olga Peretyatko („Hoffmanns Erzählungen) © Ali Khan

Schließlich galt Offenbach wie Beethoven als Komponist, der bekannte Grenzen überschritt und das Publikum seiner Zeit dadurch vor so manches Rätsel stellte, es aber auch brillant unterhielt. Minkowski, zurzeit Opernchef in Bordeaux, bringt zur Baden-Badener Aufführung sein famoses Spezialensemble Les Musiciens du Louvre mit. Die Solisten sind in Baden-Baden wohlbekannt. Olga Peretyatko brillierte hier sowohl als Adina in „L’elisir d’amore“ wie als Violetta in „La traviata“. Charles Castronovo war als Faust in Boitos „Mefistofele“ zu hören und sang die Titelpartie in Charles Gounods „Faust“ unter der Leitung von Sir Simon Rattle. Luca Pisaroni ist in Baden-Baden als Leporello unvergessen – gab aber auch schon einige Konzerte mit seinem Schwiegervater Thomas Hampson.

Festspielhaus Baden-Baden / Janine Jansen: Eröffnungskonzert am 23.11. © Harald Hoffmann/Decca

Festspielhaus Baden-Baden / Janine Jansen: Eröffnungskonzert am 23.11. © Harald Hoffmann/Decca

[Von Janine Jansen wurden verschiedene Aufnahmen bei der Decca Classics veröffentlicht.]

Eroica und Missa solemnis
Ludwig van Beethovens dritte Sinfonie, die Eroica wird zum Auftakt der Herbstfestspiele am 23. November 2018, um 20 Uhr vom Swedish Radio Symphony Orchestra unter der Leitung von Daniel Harding aufgeführt. Im gleichen Konzert interpretiert die niederländische Geigerin Janine Jansen das Violinkonzert „Dem Andenken eines Engels“ von Alban Berg. Und nachdem Sir András Schiff am Freitag, 30. November 2018 das erste Klavierkonzert von Ludwig van Beethoven mit dem Budapest Festival Orchestra unter Iván Fischer gespielt hat, leitet der belgische Beethoven-Experte Jan Caeyers am Samstag, 1. Dezember 2018, um 18 Uhr die Missa solemnis aus Beethovens Feder. Caeyers gilt als intimer Kenner des Beethoven-Ouvres und schrieb das viel beachtete Buch „Beethoven: Der einsame Revolutionär“. Auf seine  Interpretationen ist das Konzertpublikum in Baden-Baden besonders gespannt, gründete Caeyers doch extra für seine Lesart der Musik des in Bonn geborenen Komponisten (1770-1827) ein eigenes Orchester: Le Concert Olympique.

 Anna Netrebkos Sonderkonzert ergänzt prominent besetztes Festival.
Das vor kurzem angesetzte Sonderkonzert mit Anna Netrebko und weiteren Opernstars ergänzt das Programm der Herbstfestspiele am Donnerstag, 29. November 2018 um 20 Uhr. Anna Netrebko (Sopran), Yusif Eyvazov (Tenor), Dolora Zajick (Mezzosopran) und Elchin Azizov (Bariton) werden von der Baden-Badener Philharmonie begleitet. Noch gibt es Tickets.

Kammermusik rundet das Programm ab
Aus Baden-Baden nicht mehr wegzudenken sind junge internationale Künstlerinnen und Künstler, die im „Rising Star“-Programm der Organisation ECHO (European Concert Hall Organisation) erste Schritte auf den ganz großen Podien machen. Am Montag, 26. November um 19 Uhr gastiert der „Rising- Star“ und katalonische Bariton Josep-Ramon Olivé bei einem „Konzert hinter den Kulissen“ im Festspielhaus. Besucher des Konzerts erhalten auch eine Eintrittskarte zur aktuellen Ausstellung „Die Brücke“ im Museum Frieder Burda, in dessen Rahmen der Künstler ursprünglich auftreten sollte. ECHO-Rising Star Kian Soltani (Violoncello) spielt mit Freunden und Verwandten am Mittwoch, 28. November 2018 um 20 Uhr europäische und persische Musik im Rahmen eines „Entdeckerkonzertes“ im Festspielhaus Baden-Baden. Das letzte Konzert der Herbstfestspiele 2018 ist eine Sonntags-Matinee. Am 2. Dezember um 11 Uhr spielen Jean-Guihen Queyras (Violoncello) und Alexandre Tharaud (Klavier) Werke von Bach, Scarlatti und Brahm


PROGRAMM 
Herbstfestspiele
23. November – 2. Dezember 2018
Programmübersicht

Freitag, 23. November 2018, 20 Uhr
Daniel Harding: Eroica –  Janine Jansen & Swedish Symphony Radio Orchestra
Daniel Harding, Dirigent,  Janine Jansen, Violine
Swedish Radio Symphony Orchestra

Programm:
Hector Berlioz
Ouvertüre „Chasse royal et orage“ aus Les Troyens
Alban Berg
Violinkonzert „Dem Andenken eines Engels“
Ludwig van Beethoven
„Eroica“ Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 55

Samstag, 24. November 2018, 18 Uhr
Les Musiciens du Louvre
Marc Minkowski, Dirigent
Programm:
Felix Mendelssohn Bartholdy
„Die Hebriden“ Ouvertüre h-Moll op. 26
„Schottische“ Sinfonie a-Moll op. 56
„Italienische“ Sinfonie A-Dur op. 90

Sonntag, 25. November 2018, 17 Uhr 
Offenbach: HOFFMANNS ERZÄHLUNGEN  –  Konzertante Oper
Marc Minkowski, Musikalische Leitung
Charles Castronovo, Hoffmann
Olga Peretyatko, Olympia, Giulietta, Antonia, Stella
Luca Pisaroni, Lindorf, Coppélius, Dapertutto, Dr. Miracle
Aude Extremo, La Muse, Nicklausse
Mathias Vidal, Andrés, Cochenille, Pitichinaccio, Frantz
Aurelia Legay, Stimme von Antonias Mutter
Marc Mauillon, Hermann, Schlémil
Jean Vincent Blot, Luther, Crespel
Christophe Mortagne, Nathanaél, Spalanzani
Philharmonia Chor Wien (Leitung: Walter Zeh)
Les Musiciens du Louvre

Montag, 26. November 2018, 19 Uhr
Konzert hinter den Kulissen – Lieder und Texte passend zum Expressionismus der „Brücke“- Zeit
Josep-Ramon Olivé, Bariton
Jordi Armengol, Klavier
Programm:
Lieder aus Katalonien von Robert Gehrhard, Eduard Toldra u. a.
Ort NEU: Festspielhaus Baden-Baden

Mittwoch, 28. November 2018, 20 Uhr
Kian Soltani & Shiraz Ensemble – Klassische europäische und persische Musik
Kian Soltani Violoncello, Kamantsche
Shiraz Ensemble:
Khorso Soltani Ney, Duduk
Farshad Soltani Kamantsche, Setar
Sepideh Raissadat Gesang
Fardjam Derakhshani Tar
Mohamad Ghavihelm Tombak, Da

SONDERKONZERT 
Donnerstag, 29. November 2018, 20 Uhr
Arien, Duette und Ensembles aus Opern von Giuseppe Verdi
Mazza . Netrebko . Zajick . Eyvazov . Azizov
Michelangelo Mazza Dirigent
Anna Netrebko Sopran
Dolora Zajick Mezzosopran
Yusif Eyvazov Tenor
Elchin Azizov Bariton
Philharmonie Baden-Baden


Freitag, 30. November 2018, 20 Uhr
Sir András Schiff & Budapest Festival Orchestra
Ivan Fischer dirigiert Dvorak und Beethoven
Ivan Fischer, Dirigent
Sir András Schiff, Klavier
Budapest Festival Orchestra
Antonin Dvorák
Legende op. 59/6
Slawischer Tanz op. 46/5
Opušteny „Der verlassene Liebhaber“ aus Vier Chorlieder op. 29/4
Ludwig van Beethoven
Klavierkonzert Nr. 1 C-Dur op. 15
Antonin Dvorák
Sinfonie Nr. 6 D-Dur op. 60


Samstag, 1. Dezember 2018, 18 Uhr
Beethoven: Missa solemnis
Jan Caeyers, Dirigent
Malin Hartelius, Sopran
Dame Sarah Connolly, Mezzosopran
Steve Davislim, Tenor
Hanno Müller-Brachmann, Bassbariton

Arnold Schönberg Chor (Leitung: Erwin Ortner) Seite 7 von 7
Le Concert Olympique
Ludwig van Beethoven
Missa solemnis D-Dur op. 123

Sonntag, 2. Dezember 2018, 11 Uhr
Jean-Guihen Queyras & Alexandre Tharaud  –  Sonntags-Matinee
Jean-Guihen Queyras, Violoncello
Alexandre Tharaud, Klavier
Johann Sebastian Bach
Suite Nr. 2 d–Moll BWV 1008 für Violoncello solo
Domenico Scarlatti
Auswahl der Klaviersonaten:
Sonate K64, Sonate K132, Sonate K3, Sonate K514, Sonate K481
Johannes Brahms
Sonate für Violoncello und Klavier Nr. 1 e-Moll op. 38

—| Pressemeldung Festspielhaus Baden-Baden |—

Hamburg, Elbphilharmonie, La Traviata – musicAeterna of Perm Opera, IOCO Kritik, 22.10.2018

Oktober 23, 2018 by  
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Elbphilharmonie Hamburg

Elbphilharmonie Hamburg / Prominente Spielstätte - Philharmonisches Staatsorchester Hamburg © Ralph Lehmann

Elbphilharmonie Hamburg / Prominente Spielstätte – Philharmonisches Staatsorchester Hamburg © Ralph Lehmann

 La Traviata  konzertant  – Giuseppe Verdi

 Teodor Currentzis  –  musicAeterna of Perm Opera

Von Patrik Klein

Um kaum einen Dirigenten herrscht dieser Tage so ein Hype wie um Teodor Currentzis. Von den einen wird er als Heilsbringer der Klassik verehrt, der in seinen hochenergetischen Interpretationen immer bis an – oder noch besser über die Grenze hinaus geht nach dem Motto: „Wir spielen Musik, als wäre es der letzte Tag unseres Lebens!“ Die anderen stören sich an seinem exzentrischen Äußeren, seiner musikalischen Effekthascherei, schwarzen Klamotten und klobigen Stiefeln.

Teodor Currentzis  –  Botschafter der Musik

Der Grieche hat es geschafft, im russischen Perm eine treue Schar von Musikern zu versammeln, die ihm bedingungslos folgen und notfalls auch bis nachts um drei proben. „Ich verlange von meinen Musikern, dass sie noch dreimal verrückter sind als ich„.

Lange Probenzeit, intensive Erarbeitung der Musik mit den Musikern und Sängern, das Werk im Fokus statt Ruhm und Geld, dem Geist der Musik auf der Spur und das Aufbrechen von Routinestrukturen beim Spielen und Hören von klassischer Musik sind nur einige der von ihm selbst für sich in Anspruch genommenen Charakterzüge.

Die Elbphilharmonie Hamburg hat ihn nun in der Saison 2018/19 für eine siebenteilige Residenz in die Hansestadt geholt – vier Mal mit seinem Orchester musicAeterna of Perm Opera, zwei Mal mit dem neu formierten SWR Symphonieorchester, dessen erster Chefdirigent er seit Neuestem ist, dazu mit dem Mahler Chamber Orchestra. Auf den Programmen steht natürlich nur Musik der Extreme: Das Requiem von Verdi und Brahms, SchostakowitschsLeningrader“ und die Chor Oper Tristia von Philippe Hersant, die Gedichte von Kriegsgefangenen vertont. Als besonderer Leckerbissen und meistgespielte Oper aller Zeiten nimmt er sich an diesem Abend Verdis  La Traviata vor.

Teodor Currentzis wurde am 24. Februar 1972 in Athen geboren. Er besuchte ab dem Alter von zwölf Jahren Kurse für Violine am Nationalen Konservatorium in Athen. 1987 begann er ein Dirigierstudium in Athen, bevor er von 1994 bis 1999 das Fach am Sankt Petersburger Konservatorium bei Ilja Musin weiter studierte.

In den Jahren von 2004 bis 2010 war Currentzis Chefdirigent am Nowosibirsker Staatlichen Akademischen Opern- und Ballettheater in Nowosibirsk, dem größten Opernhaus in Sibirien. Dort gründete er das musicAeterna Ensemble und den „Neuen Sibirischen Sänger-Kammerchor“ und wurde für seine Arbeit dort mehrfach ausgezeichnet.

Currentzis ist seit Februar 2011 Musikdirektor des Opern- und Ballettheaters in Perm. Dazu war er seit 2011 Erster Ständiger Gastdirigent des SWR Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg. 2017 hat Currentzis erstmals bei den Salzburger Festspielen dirigiert. Mit Beginn der Spielzeit 2018/19 wurde er Chefdirigent des SWR Symphonieorchesters.

 Elbphilharmonie Hamburg / La Traviata konzertant mit musicAeterna of Perm © Claudia Höhne

Elbphilharmonie Hamburg / La Traviata konzertant mit musicAeterna of Perm © Claudia Höhne

 Mit großer Spannung und hohen Erwartungen lauschen die Zuhörer im prall gefüllte Saal der Elbphilharmonie Hamburg den rund Einhundertfünfzig Musikern auf dem Podium. Auf dem Podium? Nein, dem Dirigenten aus Perm reicht das nicht. Teile des Orchesters für die Ballszenen sind in den oberen Rängen des Hauses platziert. Zudem erklingen im ersten Akt Harfe und Tenor aus der Ferne wie aus einer anderen Welt. Die Orchestermusiker stehen bis auf die Schlagwerker, die Cellisten und einige Bläser vor ihren Notenständern und folgen ihrem Maestro bereitwillig und mit prägnanter hör- und sichtbaren Leidenschaft. Die instrumentenabsuchenden Augen des Zuhörers verwundern sich über den Anblick eines Cimbassos, welches als Kontrabass-Ventilposaune mit guter Mischung zu den übrigen Posaunen zum Einsatz kommt.

Teodor Currentzis dirigiert mit aufgeschlagener Partitur taktstocklos in seinem an einen ordentlich gekleideten Punk erinnernden Outfit. Man gewinnt bereits nach den ersten gespielten Noten den Eindruck, dass er die unzähligen Facetten von Verdis Meisterwerk wie durch einen Psychologen offenlegen und transparente, auch neue ungewohnte Klänge erzeugen möchte.

Der Beginn des Vorspiels ist in noch mäßigem Tempo gehalten und klingt fein luftig. Beim ersten Bläsereinsatz und dem Einmarsch der Solisten an die Rampe dreht es erstmals mit rhythmisch besonders akzentuierten trockenen Paukenschlägen voll auf. Durch das kleine Zusatzorchester im oberen Rang gelingt Currentzis, der fast immer lippensynchron lautlos mitsingt und scheinbar mitleidet, eine greifbare Party- und Ballatmosphäre in den Raum zu zaubern. Nicht nur hier, sondern im Laufe des langen Abends klingt das musicAeterna orchestra of Perm Opera  extrem präzise, ungeheuer dynamisch, gelegentlich aufbrausend bis zur Ekstase, oft galoppierend mit halsbrecherischem Tempo, aber nie die Linie verlierend. Im zweiten Akt beispielsweise, wenn Alfredo sein „Ogui sua aver tal femmina“ („Alles was diese Frau besaß“) gesungen hat, erklingen Crescendos wie Vulkanausbrüche, die Cellobögen kratzen über die Saiten, die Paukenschläge knallen trocken und wie Blitze zucken die Bläsersalven. Zum Ende des zweiten Aktes nimmt Currentzis das Tempo extrem langsam und lässt das Orchester fast unhörbar leise erscheinen. Das klingt alles etwas ungewohnt, erzeugt aber eine enorme Spannung und genussvolle Aufmerksamkeit.

Mit dem musicAeterna chorus of Perm Opera, den Currentzis selbst und sein erster Chorleiter Vitaly Polonsky leitet, steht zudem ein 60 köpfiger Chor der Spitzenklasse auf dem Podium der Elbphilharmonie Hamburg. Präzise, dynamisch, textverständlich, wohlklingend, auswendig und mitreißend gestalten sie ihre Rolle, wobei sie ihrem Dirigenten blind folgen. Besonders plastisch erklingt im dritten Akt die Karnevalsszene aus dem Backstagebereich des großen Saales bei offenen Türen.

Bei den solistischen Höhepunkten der meistgespielten Oper der Welt steigt Currentzis von seinem kleinen Podium herab und kommt mit zitternden Händen direkt zu den singenden Protagonisten, um mit ihnen Blickkontakt aus allernächster Nähe einzunehmen, die gewünschten Farben in der Musik erstrahlen zu lassen und sie zu noch größeren Höchstleistungen einzupeitschen; begleitend, fordernd, führend. Ist das nur Show oder hilft es auch? Das Publikum hat es am Ende mit unglaublichen Jubelsalven klar entschieden.

Elbphilharmonie Hamburg / La Traviata konzertant hier Nadazhda Pavlova als Violetta Valery © Claudia Höhne

Elbphilharmonie Hamburg / La Traviata konzertant hier Nadazhda Pavlova als Violetta Valery © Claudia Höhne

 Kommen wir zum Höhepunkt des Abends. Viele Violettas, bekannte, berühmte und weniger berührende durfte man bereits hören,  hat oft genossen, mit gelitten oder auch manchmal geweint. Mit Nadezhda Pavlova, die als Solistin an der Oper in Perm wirkt, hat man geradezu eine Idealbesetzung erleben können. Bereits im Duett mit Alfredo und spätestens in ihrer ersten Arie „E strano! E strano! In core“ („es ist seltsam im Herzen“)  und dem „Sempre libera…“ lässt sie ihren fein abgedunkelt timbrierten Sopran leuchten. Mit enormer Flexibilität, kristallklarer Strahlkraft, traumwandlerisch sicheren Koloraturen und mit den feinsten, zartesten und beinahe unhörbaren Pianissimi, die ich je zu hören bekam, singt sie sich in die Herzen der Zuhörer, die ihr am Ende zu Füßen liegen. Ganz vorsichtig und feinfühlend beginnt sie mit sicher sitzender Stimme mal wie ein zwitschernder Vogel, dann aber auch ganz wild mit glühender Eruption. Im zweiten Akt in der Szene mit Giorgio Germont haucht sie ihr „Ah no! Giammai! No! No!“ zunächst kaum hörbar und tupft dann die Spitzentöne wie Blumen auf einer Sommerwiese in das Rund des großen Saales der Elbphilharmonie Hamburg, bevor sie sich ins hochdramatische steigert ohne auch nur den Hauch einer Unsicherheit. Zu Beginn des dritten Aktes sitzt sie zunächst ganz rechts auf dem Boden des Orchesterpodiums bevor sie mit „Teneste la promessa- la disfida ebbe luogo“ („das Versprechen habt ihr gehalten; das Duell fand statt“) als mittlerweile dem Tod geweihte Kameliendame noch berührender, glaubhaft leidender in berührenden Sprechgesang übergeht. Die Zuhörerschaft erstarrt förmlich vor Ergriffenheit und dankt es der Sängerin am Ende mit nicht enden wollenden Ovationen.

Ihr zur Seite stehen zwei weitere bestens disponierte Solisten, die den Abend insgesamt zu einem musikalischen Erlebnis machen. Airam Harnández gibt den feurigen Liebhaber Alfredo Germont und Dimitris Tiliakos den die Etikette wahren wollenden Vater Giorgio Germont.

Der aus Teneriffa stammende Tenor Airam Harnández singt sich nach wenigen Momenten frei beim „Libiamo, ne´ lieti calici“ („Auf, schlürfet in durstigen Zügen„) mit baritonalem Klang, sicherer Stimmführung, einem sehr nuancierten Legato, präziser Höhe und fein dosierter Abstimmung mit seiner Partnerin Violetta. Man nimmt ihm gerne den verliebten, um Violetta kämpfenden Draufgänger ab.  Im zweiten Akt gerät sein „Lunge da lei per me“ („Entfernt von mir ist kein Glück für mich“) besonders gefühlvoll, mit fein dosierter sauberer Stimmführung, Strahlkraft und Glanz in den Höhen und beschenkt das Publikum mit dem nicht immer von allen Alfredos gesungenen sauberen „Hohen C“.

Sein Vater Giorgio Germont alias Dimitris Tiliakos, der auf der Insel Rhodos geborenen Grieche, gibt den mahnenden Entscheider über moralische Grundsätze beim „Si! Pura siccome un angelo“ (“ Rein wie ein Engel…„) mit schlankem Bariton, sauberer Stimmführung,  kerniger Höhe und bestechender Ausdruckskraft. Er leidet glaubhaft wie ein Hund bei der Verkündung seiner Entscheidung an seinen Sohn.

Mit Natalia Liaskova (Flora Bervoix), Elena Lurchenko (Annina), Nikolai Fedorov (Gastone, Vicomte de Letorières), Viktor Shapovalov (Barone Douphol), Aleksei Svetov (Marchese d’Obigny), Vladimir Taisaev (Dottore Grenvil), Konstantin Pogrebovskii (Giuseppe), Timofei Suchkov (Ein Diener Floras) und Arsenii Atlantov (Ein Dienstmann) steht ein solides, geschlossenes Ensemble eines bislang in unseren Breiten weniger bekannten Opernhauses aus Perm auf dem Podium der Elbphilharmonie Hamburg.

Elbphilharmonie Hamburg / La Traviata konzertant mit musicAeterna of Perm © Claudia Höhne

Elbphilharmonie Hamburg / La Traviata konzertant mit musicAeterna of Perm © Claudia Höhne

Das Publikum feiert alle Musiker mit frenetischem Beifall, Bravostürmen und Standing Ovations. Man darf gespannt sein auf die weiteren Auftritte an diesem magischen Ort der Freien und Hansestadt Hamburg.

musicAeterna of Perm Opera spielt erneut am 26.10.2018 in der Elbphilharmonie Hamburg: Tristia, eine Choroper von Philippe Hersant  –  AUSVERKAUFT

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