Hamburger Kammeroper, "WINTERREISE", Franz Schubert, IOCO
- Januar 2026
Franz Schuberts „Winterreise“ zählt wohl zu den beliebtesten und am meisten aufgeführten Liederzyklen. Seine „Winterreise“ beschreibt sowohl das Ende einer Liebe als auch das Ende eines Lebens, wobei der Protagonist eine Wanderung durch eine kalte Winterlandschaft unternimmt, begleitet von Einsamkeit, Sehnsucht, unerfüllter Liebe und existenziellen Zweifeln.

Der Zyklus entstand um 1827, in einer Lebensphase, in der Franz Schubert trotz seines jugendlichen Alters (geboren am 31. Januar 1797) mit argen gesundheitlichen Problemen und immer stärker werdenden Stimmungsschwankungen konfrontiert war. Kurz vor der Veröffentlichung dieses Liederzyklus verstarb er am 19. November 1828.
Die Texte stammen von Wilhelm Müller, einem in Dessau lebenden bedeutenden Lyriker in dieser Zeit, dessen Gedichtsammlung „Die schöne Müllerin“ ebenfalls von Schubert 1823 komponiert wurde. Ebenso wie Franz Schubert ward auch Wilhelm Müller nur ein kurzes Leben beschert, er verstarb 32jährig 1827 in Dessau

Schuberts „Winterreise“ ist mehr als eine Reihe von Liedern. Es ist ein Gesamtkunstwerk, in dem Musik, Text und Interpretation zu einer tiefgründigen emotionalen Erfahrung verschmelzen.
Am 29. Januar präsentierte nun der in Hamburg durch seine Auftritte an der Staatsoper, der Kammeroper und dem Opernloft bekannte Bassist Bruno Vargas Schuberts Liederzyklus gemeinsam mit der Pianistin Ekaterina Kausch, die ihm stets eine aufmerksame Begleiterin war und die durch ihre schwebende, leicht fließende Interpretation von Schuberts wunderbarer Musik bestach, ihrerseits eigene emotionale und dramatische Akzente setzen konnte und für eine optimale ausgewogene Balance zwischen Stimme und Klavier sorgte.
Die Grundstimmung dieser 24 Lieder ist meist geprägt von Melancholie und Trauer, beginnend mit „Gute Nacht“ und endend mit dem „Leiermann“, dennoch entdecken wir trotz aller Sentimentalität in manchen Liedern auch so etwas wie Hoffnung, Optimismus und Heiterkeit.
Durch seine prägnante, nuancenreiche Gestaltung und sensible Interpretation stattete Bruno Vargas jedes einzelne Lied mit ganz speziellen Emotionen aus, und so gelang es ihm, jedes dieser 24 Lieder zu einem eigenen kleinen Kunstwerk zu stilisieren.
Lieder wie „Die Wetterfahne“, der sehnsuchtsvolle „Rückblick“, „Der stürmische Morgen“ wirkten gesanglich temperamentvoll und dramatisch, während „Frühlingstraum“, „Die Post“ oder auch „Mut“ eher beschwingt, froh und hoffnungsvoll gerieten. Fast träumerisch erklangen „Täuschung“ und die „Nebensonnen“.
Bei den „Gefrorenen Tränen“ und „Erstarrung“ spürte man die Verzweiflung ebenso wie bei „Einsamkeit“, „Der greise Kopf“ oder „Das Wirtshaus“. Erschöpfend und resignierend wurden „Auf dem Flusse“ und „Irrlicht“ gestaltet, leidvoll pessimistisch „Letzte Hoffnung“ und „Im Dorfe“ dargeboten.
„Der Lindenbaum“ - Am Brunnen vor dem Tore – das bekannteste Lied aus diesem Zyklus, hatte schon bald Volkslied-Status erreicht. Äußerst gefühlsbetont, voller Melancholie und sehr differenziert mit sonorem Tiefenregister gelang Bruno Vargas hier, wie auch bei „Wasserflut“, „Die Krähe“, „Letzte Hoffnung“ und „Der Wegweiser“, eine vollendete, eindrucksvolle Interpretation.
Mit dem „Leiermann“ ging der Abend zu Ende, doch aufgrund der überwältigten Resonanz des Publikums gab es als Zugabe nochmals den „Lindenbaum“. Schließlich kündigte die Pianistin als weitere Zugabe einen nicht klassischen Song an, und so sang Bruno Vargas zum Abschluß einen Song der Rock-Band Type O Negative,“Life is killing me“, komponiert von deren Band-Leader Peter Steele, den er gar nicht Rock-mäßig, sondern hoch emotional und ausdrucksstark präsentierte.
Danach verabschiedeten sich Bruno Vargas und Ekaterina Kausch unter dem Jubel und den Ovationen des dankbaren Publikums für diesen denkwürdigen Abend in der Hamburger Kammeroper.