Hamburg, Operettenhaus, "ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT", Musical, IOCO

Hamburg, Operettenhaus, "ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT", Musical, IOCO
Operettenhaus Hamburg ©Wolfgang Radtke
  1. März 2026

Die Film-Trilogie „Zurück in die Zukunft“ zählt mittlerweile zu den absoluten Kult-Klassikern unter den Science-Fiction-Filmen.

Nun ist daraus, bzw. aus dem ersten Teil, ein Musical entstanden, welches im Hamburger Operettenhaus seine deutsche Erstaufführung hatte, nachdem es bereits in Manchester, wo 2020 die Uraufführung stattfand, in London (2021) und am New Yorker Broadway (2023) erfolgreich lief, einige Auszeichnungen als bestes neues Musical erhielt und volle Kassen bescherte. Weitere Aufführungen gab es mittlerweile auch in Washington, Cleveland, in Tokio und Sydney.

Logo ©Stage Entertainment

Die Geschichte ist bekannt, sie handelt von dem Teenager Marty McFly, der mit seiner Familie in der kalifornischen Kleinstadt Hill Valley lebt, und seinem guten Freund, dem exzentrischen Wissenschaftler Doc Brown, der eine Zeitreise-Maschine in Form eines Sportwagens der Marke DeLorean DMC12 entwickelt hat, in dem Marty versehentlich in das Jahr 1955 zurück katapultiert wird. Dort trifft er auf seine Eltern George und Lorraine in jungen Jahren und gefährdet beinahe deren zukünftige Liebesgeschichte. Er muß verhindern, daß seine Handlungen die Zukunft verändern könnten, und er muß außerdem den damals jungen Doc Brown davon überzeugen, daß er aus der Zukunft stammt, damit dieser ihn wieder in die Gegenwart zurückschickt. Das temporeiche Abenteuer nimmt seinen Lauf und natürlich gelingt ihm alles. Ein Blitz konnte helfen, der in die Rathausuhr einschlug und die nötige Energie für seine Rückreise in die Gegenwart freisetzte. Er wird mit dem DeLorean wohlbehalten in seine Heimatstadt zurück katapultiert und alle sind glücklich.

©Johan Persson

Nun ist die „Zukunft“ auch im Hamburger Operettenhaus eingekehrt, und die Stimmung während der Medien-Premiere am 21. März war überwältigend. Das Regiekonzept stammt von John Rando, entwickelt nach der Filmvorlage von Robert Zemecki und Bob Gale. Letzterer war bei dieser Premiere anwesend und unterhielt das Publikum nach dem Schlußapplaus mit Anekdoten und Erklärungen rund um die Entstehung der Filme und des Musicals.

Taphael Groß als Marty McFly ©Johan Persson

Der Komponist, Grammy-Preisträger Alan Silvestri und der Texter Glenn Ballard, zeichnen verantwortlich für die musikalische Adaption dieses Musicals. Ihre fürs Musical geschriebenen zeitgemäßen Songs (in der Übersetzung von Heiko Wohlgemuth) wie „Pretty Baby“, „21. Jahrhundert“, „Für die Träumer“, „Nur eine Frage der Zeit“, „Future Boy“ wurden aufgepeppt u.a. mit Chuck Berrys „Johnny B. Goode“ , „The Power of Love“ und „Back in Time“ von Huey Lewis, und „Earth Angel“ von den Penguins.

Die Musik-Arrangements (Nick Finlow) und das Sound-Design (Gareth Owen) wurden rockig, rasant und temporeich umgesetzt von den Band-Musikern des Operettenhauses unter der Leitung von Phillipp Gras.

Jan Kersjes/Doc Brown und Raphael Groß/Marty McFly ©Wolfgang Radtke

Die ausgefeilte Bühnentechnik, die Lichtinstallationen (Tim Lutkin, John Vanstone), der rasche Szenenwechsel verblüfften immer wieder. Das faszinierende Bühnenbild sowie die Kostüme wurden von Tim Hatley entworfen. Die große Bühne ist von dunkelblauem Lichtstreifen umrahmt. Das Laboratorium von Doc Brown wirkt zunächst recht chaotisch und unaufgeräumt. Das ikonische DeLorean Sportauto, mit dem die Zeitreise passiert, und die vielen optischen spektakulären Spezialeffekte, die durch galaktische Projektionen, Neon-Farben und halluzinogene Beleuchtung noch verstärkt werden, all dieses riss das erwartungsvolle Premierenpublikum sogleich zu Begeisterungsstürmen hin. Doch nicht nur die ausgefeilten Techniken – auch die phantastischen Sänger-Darsteller wurden von Beginn an bejubelt.

Schlußapplaus ©Wolfgang Radtke

In der Rolle des Marty McFly brillierte Raphael Groß, sympathisch in seiner Bühnenpräsenz, liebenswürdig charmant, gesanglich und tänzerisch phantastisch, er ist eine Idealbesetzung dieser Michael J. Fox - Figur.

In der Rolle des Doc Brown stand Jan Kersjes ihm in nichts nach. Auch er erfüllte die durch die Filmvorlage an ihn gestellten Erwartungen aufs trefflichste als exzentrischer, unorthodoxer Forscher und Wissenschaftler.

Terence van der Loo als Martys wenig selbstbewußter Vater George McFly, der von seinem Chef gemobbt wird wie schon damals von dem machohaften Halbstarken Biff und seinen Kumpels, schließlich von Marty im Flirten angeleitet werden muß, damit es endlich zur Verbindung mit Lorraine kommen kann, war so sehr bemitleidenswert, daß man einfach Sympathien für ihn haben mußte. Immerhin macht er später Karriere und wird ein erfolgreicher Autor. Sandra Leitner als Lorraine gefiel besonders mit ihrem im Girl-Group-Style vorgetragenen Song „Er hat was mir gefällt“.

Terence van der Loo, Bob Gale, Raphael Groß und Jan Kersjes ©Wolfgang Radtke

Auch Hope Maine gefiel in der Rolle des Goldie Wilson, der es schließlich vom Kellner im Imbiss-Lokal zum Bürgermeister der Kleinstadt gebracht hat. Er singt auch die Chuck-Berry-Nummer „Johnny B. Goode“.

Florian Sigmund hatte seine wirkungsvollen Auftritte als Biff und Boss seiner Dreier-Gang, der scharf auf Lorraine ist und aus dem später nur ein kleiner Tankwart geworden ist. In weiteren Partien gefielen ebenfalls Sonya Lachmann als Martys Freundin mit ihrem Song „Ich bin für dich da“, Teresa Krall und Michiel Janssens als Martys Geschwister Linda und Dave, sowie Siegmar Tonk als Schuldirektor Strickland.

Auch die Tänzerinnen und Tänzer, die sich wirkungsvoll in ihren Choreographien (von Chris Bailey) in die Handlung eingebracht haben, sollen hier Erwähnung finden. Sie alle trugen, gemeinsam mit den exzellenten Sänger-Darstellern zum Gelingen dieser Premiere bei.

Raphael Groß als Marty McFly ©Johan Persson

Insgesamt war es eine tolle Show, ein berauschendes, beeindruckendes musikalisches Abenteuer, welches den Klassiker der Kinogeschichte, jedenfalls den ersten Teil der Trilogie, bis auf einige Kleinigkeiten nahezu originalgetreu wiedergegeben hat. Allen an diesem phantastischen Musical-Projekt Beteiligten sei gewünscht, daß es sich recht lange auf der Bühne des Operettenhauses halten möge.

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