Osnabrück, Theater am Domhof, Trouble in Tahiti – Leonard Bernstein, IOCO Kritik, 06.03.2021

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Theater Osnabrück

Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd

Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd

Trouble in Tahiti – Leonard Bernstein

– Berührende Szenen einer Mittelschichts-Ehe –

von Hanns Butterhof

Knapp vier Wochen nach der geplanten Premiere im Theater am Domhof war jetzt coronabedingt Leonard Bernsteins einaktige Oper Trouble in Tahiti von 1952 im Digitalen Theater zu sehen. Entgegen den Erwartungen, die der eher auf schmalzige Melodramatik hinweisende Titel weckt, berührt die Handlung durch die schier trostlosen Szenen einer Mittelschichts-Ehe und fesselt durch ein breites musikalisches Spektrum von arienartigen Melodien bis hin zum Broadway-Jazz.

Die karge Einheitsbühne von Jörg Zysik ist mit einigen Tischen und Stühlen möbliert, die von den beiden Protagonisten Dinah (Susann Vent-Wunderlich) und ihrem Ehemann Sam (Jan Friedrich Eggers) für die sieben Szenen der Oper jeweils neu arrangiert werden. Hinter einer Galerie mit drei Kammern für die Auftritte des Jazztrios (Erika Simons, Mario Lee und Mark Hamman) ist das dahinter postierte Orchester mit An-Hoon Song am Pult zu erahnen.

Trouble in Tahiti – Leonard Bernstein
youtube Trailer Theater Osnabrück
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Das in einfarbige Anzüge gekleidete Jazztrio (Kostüme:Dinah (Susann Vent-Wunderlich) beschreibt dynamisch swingend die Ausgangslage, eine Vorstadtidylle mit dem weißem Eigenheim von Dinah und Sam. Deren Liebe ist irgendwann zerronnen, vielleicht weil sich Dinah nach der Geburt ihres Sohnes in die Mutter- und Hausfrauenrolle und Sam in seine Geschäfte verloren hat: Dinah mit biederem Krägelchen am Kleid schaukelt ihr Baby, während Sam sich in Unterwäsche mit Liegestützen für das Arbeitsleben stählt und dabei irgendwie auf die Liebe seines Lebens wartet.

Jedes ihrer Gespräche selbst um Banalitäten endet in Streit, aus dem es keine Lösung gibt, weil jeder den ersten Schritt zur Versöhnung vom anderen erwartet. So weichen beide dem konfliktträchtigen Zusammensein aus, indem sie einander dringende Termine vortäuschen. Sam bestätigt sich im Job als smarter Gewinnertyp, während Dinah beim Psychiater ein düsteres Bild ihres Innern zeichnet. Ihre verlorene Hoffnung, dass die Liebe zu Harmonie und Anstand führt, lässt der Musical-Film Trouble in Tahiti noch einmal kurz aufflammen, in dessen falsche Idylle sie träumerisch mit Blumenkranz und Federboa eintaucht.

Auch wenn das Jazztrio jetzt noch so eindringlich mahnt, dass es Zeit für eine Aussprache wäre, erreicht es weder Dinah noch Sam. Beide decken ihr wunschloses Unglück mit einem Kinobesuch, ausgerechnet von Trouble in Tahiti, zu.

Theater Osnabrück / Trouble in Tahiti hier nur im Film träumt Dinah, Susann Vent-Wunderlich, vom Glück © Jörg Landsberg

Theater Osnabrück / Trouble in Tahiti hier nur im Film träumt Dinah, Susann Vent-Wunderlich, vom Glück © Jörg Landsberg

Susann Vent-Wunderlich zeichnet mit ihrem kräftigen Sopran im Konflikt mit Sam eine äußerlich starke Frau, die nur in Erinnerungen und Träumen ihre Schwäche berührend zulässt. Jan Friedrich Eggers überzeugt mit hartem Bariton im Streit mit Dinah auf Augenhöhe, lässt aber auch nur, wenn er einmal nachdenkt, seine Stimme weich werden.

Die unaufdringlich den Hygienevorschriften angepasste Regie Guillermo Amayas und das kleine Osnabrücker Symphonieorchester unter An-Hoon Song setzen Bernsteins Oper präzise um. Sie leuchten mit dem modernen, aber nirgends provokanten Klangmaterial die verschiedenen Seelenlagen aus. So versinkt Trouble in Tahiti nicht im Trübsal trostloser Szenen einer Ehe, sondern bietet über eine gute Stunde fesselndes Musiktheater.

Der Theater-Film Trouble in Tahiti  steht als Video on demand (mit Bezahl-Schranke) mit englischem Text und deutschen Untertiteln

HIER! –   Theater  www.theater-osnabrueck.de – HIER!

—| IOCO Kritik Theater Osnabrück |—

Prachtgemäuer: Wagner-Orte Zürich, Luzern, Tribschen, Venedig, IOCO Buch-Rezension, 05.03.2021

Prachtgemäuer: Wagner-Orte in Zürich, Luzern, Tribschen und Venedig Buhc ConBrio Verlag © ConBrio Verlag

Prachtgemäuer: Wagner-Orte in Zürich, Luzern, Tribschen und Venedig Buch ConBrio Verlag © ConBrio Verlag

Prachtgemäuer: Wagner-Orte in Zürich, Luzern, Tribschen und Venedig

Buchausgabe – Christian Bührle, Markus Kiesel, Joachim Mildner

 ConBrio Verlag 2020. 288 S., Abb., ISBN 978-3-940768-89-6, 58,00 €

von Julian Führer

Das Leben Richard Wagners ist schon oft erzählt worden, doch selten hat man die Stätten seines Wirkens so schön abgebildet gesehen. Dieser vierte und letzte Band einer Buchreihe, die Wagners Lebensstationen photographisch und mit umfangreichen Begleittexten dokumentiert, widmet sich der Schweiz und Wagners Sterbeort Venedig. Im Großquartformat und in beeindruckender Druckqualität werden Gebäude und deren Interieurs präsentiert, handschriftliche Dokumente abgebildet und transkribiert, und gründlich recherchierte Begleittexte und Auszüge aus Richard Wagners Briefen, Cosima Wagners Tagebüchern und anderen Quellen bereichern dieses Bild.

Am Anfang des Bandes steht ein hier zum Druck gebrachter Vortrag Nike Wagners (Urenkelin Richard und Cosima Wagners und Enkelin Siegfried und Winifred Wagners) „Geretteter Revolutionär oder tobender Asylant? Richard Wagner in seiner ‚neuen Heimat‘ Schweiz“, der kundig und mit viel Humor die damalige Lebenssituation des Komponisten schildert, der als geflüchteter Revolutionär in der Schweiz sich ein neues Leben aufbauen musste. Zudem lebte Wagner nicht allein, denn auch seine Ehefrau Minna und wechselnde Haustiere, dazu ein nicht unbeträchtlicher Hausrat waren zu bedenken, unterzubringen und zu finanzieren.

Den ersten, sehr positiven Eindruck von der Stadt Zürich nach der Flucht aus den deutschen Territorien schilderte Richard Wagner auch in seiner Autobiographie Mein Leben (vgl. in diesem Band S. 30):

„Die Fahrt im Postwagen durch das freundliche St. Gallener Ländchen nach Zürich erheiterte mich ungemein: als ich am letzten Mai, abends gegen 6 Uhr, von Oberstraß hinab nach Zürich einfuhr und zum erstenmal in glänzender Sonnenbeleuchtung die den See begrenzenden Glarner Alpen leuchten sah, beschloß ich sofort, ohne dies deutlich im Bewußtsein zu fassen, allem auszuweichen, was mir hier eine Niederlassung verwehren könnte.“

Festspielhaus Bayreuth © IOCO

Festspielhaus Bayreuth © IOCO

Zumindest war Wagner in Zürich vor der Verhaftung sicher, und er umgab sich schnell mit anderen Exilanten, aber auch mit Persönlichkeiten des Zürcher Lebens. Recht bald zogen Wagner und die alsbald nachgekommene Minna in die sogenannten Escherhäuser am Zeltweg (fußläufig vom damaligen Standort des Theaters gelegen, wenngleich noch außerhalb der frühneuzeitlichen Befestigungsanlagen der Stadt, die erst vor kurzer Zeit geschleift worden waren). Allerdings wurde dort noch mehrmals die Wohnung gewechselt, denn dunkle, kalte oder zu kleine Wohnungen waren für einen Menschen wie Wagner anscheinend noch unangenehmer als für andere. Noch heute ist eine Gedenktafel am heutigen Sitz des portugiesischen Konsulats angebracht, wo Wagner mit Unterbrechungen von 1853 bis 1857 wohnte. In Meilen am Zürichsee bei Familie Wille las Wagner 1852 erstmalig sein Nibelungendrama vor. Das dortige Anwesen ist bis heute im Familienbesitz, und die Autoren des Bandes haben es hier wie andernorts erreicht, auch von privaten Grundstücken und Wohnungen Aufnahmen anfertigen und publizieren zu dürfen. Charakteristisch für die Gründlichkeit des Bandes ist, dass (S. 60/61) nicht nur ein handschriftlicher Brief Wagners vom 18. September 1857 abgebildet ist, sondern auch der dazugehörige Briefumschlag mit Briefmarke (10 Rappen Franco).

Die Villa Otto Wesendoncks in Enge (heute ein Ortsteil Zürichs) ist inzwischen ein Museum für außereuropäische Kunst und daher in normalen Zeiten (und seit dem 1. März 2021 wieder) zugänglich. Richard Wagner bewohnte im sehenswerten Park dieser Villa das sogenannte „Asyl“, das heute nicht mehr steht – so hatte er Ruhe zum Schreiben und Komponieren, so hatte er ständigen Kontakt zu Mathilde Wesendonck. Allerdings bezog Wagner das „Asyl“ schon, bevor das Ehepaar Wesendonck die noch nicht ganz fertige Villa bewohnen konnte. Interessant sind die baulichen Parallelen zwischen der Genfer Villa Bartholini von 1830, der Villa Wesendonck von 1857 und der Bayreuther Villa Wahnfried, die (S. 86) auf überzeugende Weise nebeneinandergestellt werden. Wegen Wagners doch zu naher Beziehung zu Mathilde Wesendonck musste das „Asyl“ verlassen werden. Das Ehepaar Wesendonck verließ seinerseits Zürich, nachdem es infolge einer Siegesfeier zur Reichsgründung nach dem deutschen Sieg über Frankreich 1871 in Zürich zu deutschfeindlichen Krawallen gekommen war. Wie so oft hinterließ Wagner bei seinen Abreisen ungelöste Konflikte und manches an Zank und Streit, unter anderem mit dem Lohnkutscher Furrer, der anscheinend bei der noch in Zürich gebliebenen Minna auf grobe Weise eine Geldforderung geltend gemacht hatte – auch dieser Brief, in dem Wagner sich in scharfer Form gegen das Benehmen des Kutschers verwahrt und diesem mit rechtlichen Konsequenzen droht, ist hier dokumentiert (handschriftlich und in Transkription, S. 90/91).

In Zürich dirigierte Wagner mehrere Konzerte (auch diese werden aufgelistet), und hier war es, dass er seine Festspielidee entwickelte: In einem Theaterbau, nur zu diesem Zwecke errichtet, sollten mit einem eigens dafür zusammengestellten Ensemble der besten Musiker und Solisten nur seine eigenen Werke aufgeführt werden. Als Ort war die Zürcher Sechseläutenwiese ausersehen, heute der Platz vor dem Opernhaus. Wer nun allerdings die Preise des Bayreuther Festspielrestaurants kennt, wird dankbar sein, dass die Wagner-Festspiele nicht an dem Ort stattfinden, der in dem Ruf steht, die teuerste Stadt der Welt zu sein!

Der nächste Abschnitt des Buches ist Wagners Aufenthalten in Luzern und der Zeit im nur wenige Minuten entfernten Tribschen (1866-1872) gewidmet. Hier kam Richards und Cosimas Sohn Siegfried zur Welt; die Geburt wurde allerdings so lange geheimgehalten, wie Cosima offiziell noch mit Hans von Bülow verheiratet war. Nach erfolgter Scheidung heirateten Richard und Cosima am 25. August 1870 (dem Geburtstag König Ludwigs II.) in Luzern, und am 4. September wurde dann auch Siegfried in Tribschen getauft und damit zu einem ehelich geborenen Kind des neuen Paares. Der Tribschener Landsitz ist bis heute mit nur wenigen baulichen Veränderungen erhalten geblieben und beherbergt inzwischen ein Richard Wagner gewidmetes Museum. Auch das Häuschen für das Pfauenpaar Wotan und Fricka steht noch. Wagner lebte in Tribschen tatsächlich nicht nur mit Frau Cosima und nicht wenigen Kindern, sondern auch mit einem halben Zoo. Von Luzern und Tribschen aus unternahm Wagner ausgedehnte und ambitionierte Wanderungen bis auf die Rigi und sogar den 2500 Meter hohen Säntis, seine Begleiter immer wieder bis zur Erschöpfung bringend. Getrübt wurde die Idylle jedoch auch hier durch Zwist mit dem Vermieter Walter am Rhyn (Richard Wagner in einem Brief: „Unverschämtheit“, Cosima in ihrem Tagebuch: „Gauner“). Wenigstens verstanden sich die Kinder von Vermieter und Mieterehepaar gut und spielten viel miteinander im Garten. In Tribschen fand 1938 ein Konzert unter Arturo Toscanini statt, das man als Geburtsstunde des heutigen Lucerne Festivals ansehen kann.

Richard Wagner in Venedig © IOCO

Richard Wagner in Venedig © IOCO

 Riccardo Wagner _ hier eine Gedenktafel in Venedig © IOCO

Riccardo Wagner _ hier eine Gedenktafel in Venedig © IOCO

In Venedig weilte Wagner nicht nur an seinem Lebensende, sondern insgesamt bei sechs unterschiedlich langen Gelegenheiten. Gerne aß Richard Wagner dort Eis, das er aber leider nicht vertrug. Wieder wurde gründlich recherchiert und photographisch dokumentiert, wo Wagner jeweils abstieg. Zu den einzelnen Palazzi erfährt man auch einiges zur jeweiligen Bau- und Besitzgeschichte. Für Wagners letzten Aufenthalt in Venedig wurden mehrere Palazzi besichtigt, bevor der Palazzo Vendramin-Calergi ausgewählt wurde. Die anderen, schließlich nicht bezogenen Wohnstätten (Palazzo Contarini Fasan, Palazzo Morosini Brandolin, Palazzo da Mula Morosini, Palazzo Loredan Cini, Palazzo Loredan dell’Ambasciatore) werden aber ebenfalls gezeigt, und in der Tat bekommt man so einen Eindruck des repräsentativen Rahmens, wie er Richard und Cosima Wagner vorgeschwebt haben muss. In Venedig umgab sich die Familie eher mit Malern als mit Musikern, allerdings war der Dirigent Hermann Levi (der in Bayreuth 1882 die Uraufführung des Parsifal übernommen hatte) noch am Vorabend von Wagners Tod zu Besuch. Inzwischen ist im Palazzo Vendramin ein kleines Wagner-Museum zu besichtigen, an dem Ort, wo der Komponist am 13. Februar 1883 starb.

Auf den letzten Seiten des Buches (ab S. 260 bis 275) werden noch die Trauerfeierlichkeiten für Richard Wagner in Bayreuth und die verschiedenen Rechtsformen der Bayreuther Festspiele bis heute rekapituliert; dies passt zum Sinn der Autoren für Vollständigkeit, jedoch geht es dabei weder um „Wagner-Orte“ noch um Wagners Beziehungen zur Schweiz oder zu Venedig. Anmerkungen und Bildnachweise beschließen den insgesamt sorgfältig lektorierten Band, in dem nur wenige Druckfehler stehengeblieben sind – dass auf S. 156 Igor Strawinsky als ‚überzeugter Faschist‘ bezeichnet wird, hätte weitere Ausführungen, zumindest aber einen Beleg verdient – hier ist er: Joan Evans, Die Rezeption der Musik Igor Strawinskys in Hitlerdeutschland, in: Archiv für Musikwissenschaft 55 (1998), S. 91-109, hier S. 98.

Es wurde also zu den im Titel genannten Orten gewissermaßen jeder Fleck dokumentiert, der mit Wagner-DNA in Berührung gekommen ist, und wenn diese Stellen noch zu sehen sind, wurden keine Mühen für qualitätvolle Abbildungen gescheut. Der Titel „Prachtgemäuer“ spielt wohl etwas ironisch (Wagner wohnte nicht immer luxuriös) auf Loges Bericht aus der zweiten Szene in Das Rheingold an. Die quietschrosa Farbe des Einbands ist eine Einladung, das Buch möglichst oft zu öffnen, um sich lieber am Inhalt zu erfreuen. Ob, wie die Autoren selber auf S. 4 meinen, die anderen Bände der Reihe „einen gewissen Kultstatus“ haben, wäre sicherlich noch zu diskutieren, dieser Band ist allemal eine Bereicherung der überreichen Literatur zu Wagner, seinem Leben und seinem Werk.

—| IOCO Buchbesprechung |—

Wien, Wiener Staatsoper, La Traviata – Giuseppe Verdi – Premiere, IOCO Aktuell, 07.03.2021

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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Premiere – La Traviata – Giuseppe Verdi

7. März 2021 18.00 Uhr –  play.wiener-staatsoper.at – Klick HIER!

Giuseppe Verdis La traviata in der Inszenierung von Simon Stone feiert am Sonntag, 7. März 2021 Premiere an der Wiener Staatsoper. Es handelt sich um eine Koproduktion der Wiener Staatsoper mit der Opéra national de Paris, siehe YouTube Trailer unten. Die nach ersten Gesprächen in 2017 gemeinsam mit dem Regisseur entwickelte Arbeit hatte in der vorigen Saison ihre Pariser Premiere und kommt nun in Wien heraus. Die Verfügbarkeit der Inszenierung zwischen den Koproduzenten ist so geregelt, dass sie von beiden Häusern in jeder Spielzeit gezeigt werden kann.

  Premiere 7.3.2021 –  ab 18.00 Uhr –  Live

Gespielt wird, bedingt durch die Fortsetzung des Theater-Lockdowns, weiterhin für Fernseh-, Radio- und Streaming-Publikum. Die Premiere wird ab 18.00 Uhr live auf play.wiener-staatsoper.at sowie ab 20.15 Uhr im ORF III-Hauptabendprogramm im Rahmen von »Wir spielen für Österreich« und auf myfidelio.at ausgestrahlt. ORF III startet bereits um 20.00 Uhr mit den »Kulissengesprächen mit Barbara Rett«. Radio Ö1 sendet die Premierenproduktion von La traviata am 20. März 2021 ab 19.30 Uhr.

ZUR PRODUKTION

Trailer La Traviata – Giuseppe Verdi
youtube Trailer Opera national de Paris
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»Ich versuche nie, herauszufinden, was dieses Stück einmal war – ich versuche nur herauszufinden, was dieses Stück jetzt für unsere Gesellschaft bedeutet«, so Regisseur Simon Stone zu seiner Inszenierung. In seiner mit riesigen Videowänden und Social Media jonglierenden Produktion zeigt er, wie aktuell und zeitgenössisch große Oper 2021 sein kann:
Violetta ist ein Pariser »It-Girl«, eine sterbenskranke Influencerin, die selbst dann in ihrer Instagram-Blase gefangen bleibt, wenn sie sich mit ihrem Geliebten aufs Land zurückzieht. Ihr Leben ist der virtuellen Präsentations- und Schaulust ausgeliefert. Alles Private ist bei ihr öffentlich, dafür wird der öffentliche urbane Raum zu ihrem einzigen Rückzugsgebiet für Momente der Schwäche.

 Die Violetta des realen Lebens - Alphonsine Duplessis auf Montmartre, Paris © IOCO

Die Violetta des realen Lebens – Alphonsine Duplessis auf Montmartre, Paris © IOCO

 Besetzung: Unter der musikalischen Leitung von Giacomo Sagripanti – der international gefragte italienische Dirigent gibt sein Debüt am Dirigentenpult des Hauses – ist Pretty Yende in der Titelpartie zu erleben. Sie feierte im Herbst als Adina in L’elisir d’amore ihr erfolgreiches Staatsoperndebüt. Dabei stand sie bereits gemeinsam mit Juan Diego Flórez auf der Bühne, der nun – erstmals in Wien – den Alfredo verkörpert. Ein weiteres Rollendebüt am Haus gibt Igor Golovatenko, der sich schon im Oktober als umjubelter Posa in »Don Carlos« dem Wiener Publikum vorstellen konnte, als Giorgio Germont.

In den weiteren Partien sind die Ensemblemitglieder Margaret Plummer als Flora, Donna Ellen als Annina, Robert Bartneck als Gaston, Attila Mokus als Baron Douphol, Erik van Heyningen als Marquis von Obigny und Ilja Kazakov als Doktor Grenvil zu erleben.

Dirigent Giacomo Sagripanti: »Es ist die größte Ehre für mich, mein Hausdebüt mit einer Premierenproduktion eines solchen Meisterwerks wie der Traviata zu geben. Mein Ziel ist es, die Belcanto-Seite dieses Werkes zu beleuchten, die zusammen mit Rigoletto und Trovatore als das >letzte Belcanto-Kapitel< der Operngeschichte angesehen werden kann. Ich bin froh, mit einem erstklassigen Team zu arbeiten, umgeben von großartigen KünstlerInnen und Freunden. Das ist der beste Weg, um Kunst und magische Momente zu schaffen und um die Bedeutung des Theaters und der Oper zu verdeutlichen.«

LA TRAVIATA (Giuseppe Verdi)

Musikalische Leitung Giacomo Sagripanti
Inszenierung Simon Stone
Bühne Robert Cousins
Kostüme Alice Babidge
Licht James Farncombe
Video Zakk Hein

Violetta Valéry Pretty Yende
Flora Bervoix Margaret Plummer
Annina Donna Ellen
Alfredo Germont Juan Diego Flórez
Giorgio Germont Igor Golovatenko
Gaston von Létorières Robert Bartneck
Baron Douphol Attila Mokus
Marquis von Obigny Erik Van Heyningen
Doktor Grenvil Ilja Kazakov

Eine Koproduktion mit der Opéra national de Paris – siehe Trailer oben

—| IOCO Aktuell Wiener Staatsoper|—

München, Münchener Musikseminar, Natalya Boava – Susanna Klovsky – Livestream, IOCO Kritik, 04.03.2021

 Münchner Musikseminar e V / Die Musikschule in München © Oswald Kessler

Münchner Musikseminar e V / Die Musikschule in München © Oswald Kessler

Münchener Musikseminar e.V.

Natalya Boeva – Susanna Klovsky – UNISONO – Livestream Konzert

Musik als wahrhaftig heilende Kunst

von Oxana Arkaeva

Seit über einem Jahr befindet sich die deutsche Kultur- und Veranstaltungsbranche in einem dauerhaften Stop-and-Go Modus. Nach dem Eintritt des ersten Lockdowns im Februar 2020 füllten sich viele große und kleine Veranstalter gezwungen, ihren Blick Richtung Internet zu werfen und Live-Stream Konzerte zu veranstalten.

So hat auch das Münchener Musikseminar e.V. im Dezember 2020 den ersten Livestream mit dem Pianisten Dmitry Mayboroda veranstaltet, siehe link HIER!, dank der großzügigen Unterstützung der Urakawa-Stiftung. Eine positive Resonanz und viel Lob vom Publikum, beachtliche Spendeneinnahmen sowie neue private Sponsoren bestärken den Veranstaltern in ihrer Idee, statt die Konzerte abzusagen, diese in Form eines Live-Streams anzubieten. Laut des Vorstands ermöglichen diese Art der Veranstaltung dem Verein während des Veranstaltungsverbots seine unmittelbaren Zwecke zu erfüllen und die Geografie sowie Zahl der Zuschauer im Publikum zu erweitern. Die Aufnahme soll anschließend für circa einen Monat, in unserem Fall bis zum 9. März auf dem YouTube-Kanal des Münchener Musiksemar e.V.  für späteren Zuhörer zugänglich bleiben.

Für den zweiten Livestream am 27. Februar hat die erste Vorsitzende Nadja Preissler eine junge russische Mezzosopranistin Natalya Boeva vom Staatstheater Augsburg eingeladen. Begleitet wurde sie von der Pianistin Susanna Klovsky, Unterstützt durch Mastermixstudion aus München, das bereits beim ersten Stream dem Verein technisch zur Seite stand, fanden sich die Veranstalter sowie Künstler vor einer Aufgabe, die logistischen Maßnahmen sowie Proben coronakonform entsprechend durchführen zu können, sowie das beste Klang- und Bildqualität zu liefern. Mehr hierzu im IOCO – Interview mit Preissler und Boeva.

Der Anspruch, die höchstmögliche Qualität bieten zu können, bildet eine enorme logistische wie technische Herausforderung für jeden Veranstalter. Wenn die großen in der Branche genügend finanziellen und technischen Mitteln besitzen, um den Stream reibungslos über die Bühne bringen zu können, stellen derartig technisch aufwendigen Aktivitäten für „kleine“ nicht staatlich subventionierte Veranstalter wie Münchener Musikseminar eV. es ist eine um so größere Herausforderung dar. Ungeachtet einer etwa unausgewogenen Balance in der Lautstärke zwischen der Sprecherin Cornelia Schweizer (schlicht, gediegen und mit warmer Stimme) und den Musikerinnen auch diesen zweiten Stream als Erfolg bezeichnen.

Unisono: Natalya Boeva und Susanna Klovsky
youtube Trailer Münchener Musikseminar
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Unter dem Titel Unisono erlebten mittlerweile über 400 Zuschauer ein gemeinsames Musizieren und eine klangvolle Reflexion über die Liebe, Natur und Heimat. Das 45-minütige Programm präsentierte eine harmonische, ausgewogene Mischung aus Arien und Liedern von C. Saint-Säens, S. Rachmaninow, P. I. Tschaikowsky, J. Massenet, F. Cilea, J. Brahms, R. Strauß und als Überraschung L. Bernstein. Boeva und Klovsky haben sich beim 2018 ARD-Musikwettbewerb kennengelernt, wo Boeva den 1. Preis gewonnen und mit einem Sonderpreis für die beste Interpretation der Auftragskomposition ausgezeichnet wurde. Klovsky hat die Sängerin in den Klavierrunden begleitet. Beide Künstlerinnen haben sich auf Anhieb gut verstanden, waren von Anfang an im Unisono. Die 32-jährige Mezzosopranistin aus St. Petersburg ist am Beginn ihrer Karriere. Zurzeit in ihrem Fach am Staatstheater Augsburg engagiert und sonst, bis der Ausbruch der Pandemie als Gastsängerin aktiv, weist Boeva eine junge Stimme auf, die noch reifen wird. Ihr Mezzosopran besitzt eine gute Höhe, die mitunter die Klangfarbe eines dramatischen Soprans hat. Ihre Darbietung ist durch Musikalität, Schlichtheit im Ausdruck und exzellente Aussprache ausgezeichnet. Und das in Deutsch, Italienisch, Französisch, Russisch und Englisch. Groß, schlank, im signalrotem Hosenoverall, das lange blonde Haar im Pferdeschwanz hochgebunden bildete sie einen farblichen Kontrast zu der schlichten, dunklen Aufmachung Klovskys.

Die angekündigte musikalische Reise bewältigte das talentierte Duo wahrhaftig im Unisono. Klovsky ist eine exzellente Pianistin und Begleiterin. Stets zusammen mit der Sängerin, wusste sie ihr Spiel vielerorts solistisch zu gestalten und war keinesfalls nur eine Begleitung, sondern eine gleichwertige Partnerin. Boeva wechselte mit Leichtigkeit von Saint-Säens zu Rachmaninow und Tschaikowsky, vom Massenet zu Cilea, Brahms und R. Strauß. Sie ist eine perfekte junge Charlotte aus Werter, zurückhaltende Dalila aus Samson et Dalia und rührende Polina aus Piqué Dame. Lieder von Tschaikowsky, Rachmaninow sowie vom Brahms eröffneten uns die Sängerin von ihrer kammermusikalischen Seite. Als Komponist aus Ariadne aus Naxos schwamm sie in der Musik Richard Strauss’ und ließ die Hoffnung aufsteigen, sie in dieser Rolle bald auf der Bühne erleben zu wollen.

Am Ende gab es ein musikalisches Schmankerl: „I am easily assimilated”. Ein „Old Lady´s Tango“ aus der Oper Candide vom L. Bernstein. Mit Kastagnetten tanzend erzählte Boeva die witzige Geschichte einer polnischen Emigrantin, die eine wahnsinnige Sprachbegabung hat und allen beibringt, wie man sich in einer neuen Umgebung am besten anpassen könnte. Spätesten hier hat junge Sängerin bewiesen, dass sie in dem, was sie tut, definatelly highly assimilated ist.

Obwohl die Pandemie der Künstler ihren verdienten großen Applaus beraubt hat, können sie sich dessen sicher sein. Der Funken ist vom Bildschirm in das heimische Wohnzimmer übersprungen. Gleichzeitig wurde es einem erneut bewusst, dass die Veranstaltungen dieser Art nur als vorübergehender Ersatz oder als zusätzliches Angebot zum Live-Programm sein können. Dass es ohne Publikum keine nachhaltige kulturelle Entwicklung und Austausch stattfinden kann. Denn die Kultur und Künstler. innen brauchen ihr Publikum: als eine Reflexion ihrer Kunst und Kreativität. Als Anerkennung und Unterstützung.

Solange es aber keine Auftritte vor Ort möglich sind, bieten Streams wie eine Chance der kulturellen Abstinenz zu entfliehen und insbesondere den jungen Musiker*innen aus dem tiefen Loch der Auftrittsleere zu verhelfen. Nebenbei erfüllt der Verein u.a. auch einer seiner Zwecke: kulturelle Bildung. Eine Win-Win Situation! Um weiterhin frei streamen zu können, um den betroffenen Künstler: innen eine Auftrittsmöglichkeit anbieten zu können, würde sich der Münchener Musikseminar e.V. über Spenden freuen: Bankverbindung: DE91 7015 0000 0013 1172 96 SSKMDEMMXXX PayPal: mail@musikseminar.eu. Betreff bitte entweder als Spende oder Eintritt kennzeichnen.

—| IOCO Aktuell Münchner Musikseminar |—

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