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Hamburg, St. Pauli-Theater, Esther Ofarim – Highlight der Kulturszene, IOCO Kritik, 07.04.2022

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Wolfgang Schmitt
07. April 2022
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St. Pauli Theater in Hamburg am Abend © St Paili Theater
St. Pauli Theater in Hamburg am Abend © St Paili Theater

St. Pauli Theater

ESTHER  OFARIM  –  im St. Pauli-Theater

 – Ausverkauft – seit Jahren – Kult oder geliebtes Highlight der Kulturszene –

von Wolfgang Schmitt

Das St.Pauli-Theater in Hamburg war auch am 3. April 2022, wieder einmal ausverkauft. Es ist stets ausverkauft, wenn Esther Ofarim dort ihr jährliches Hamburger Konzert gibt, und das nun schon seit mehr als 20 Jahren, und ihre Konzerte sind immer ein Highlight in der Hamburger Kulturszene.

Das vorwiegend ältere Publikum erinnert sich offensichtlich gern an diese Ausnahme-Künstlerin aus eigener Kindheit und Jugendzeit, als sie mit ihren Chansons und Pop-Songs in den  internationalen Hitparaden vertreten war.

Begonnen hatte Esther Ofarim ihre Karriere in Israel als Sängerin und Schauspielerin, ihre erste Filmrolle hatte sie 1960 in Otto Premingers berühmten Film „Exodus“.

Ihre internationale Gesangskarriere begann 1963 mit dem Grand Prix Eurovision de la Chanson, bei dem sie für die Schweiz mit dem Chanson „T’en vas pas“ antrat und den zweiten Platz belegte. Bei den Deutschen Schlager-Festspielen 1964 in Baden-Baden erreichte sie mit „Schönes Mädchen“ einen der  vorderen Plätze, ebenso beim polnischen Musikfestival in Zoppot bei Danzig mit „Before I go“.

St Pauli Theater, Hamburg / Esther Ofarim im Konzert © Oliver Fantitsch
St Pauli Theater, Hamburg / Esther Ofarim im Konzert © Oliver Fantitsch

Im deutschsprachigen Raum konnte Esther Ofarim  in den 60er Jahren große Erfolge u.a. mit der deutschen Version von „Dirty old Town“, oder Songs wie „Noch einen Tanz“ oder „Drunten im Tale“ erzielen. Mit ihrem damaligen Ehemann sang sie u.a. die Barry-Gibb-Songs „Morning of my Life“, „Garden of my Home“, und konnte auch mit „One more Dance“ die britischen Charts sowie mit ihrem absoluten Welt-Hit „Cinderella Rockefella“ die internationalen Hitparaden erobern. Nach weiteren Erfolgen in England, u.a. mit Songs wie „Mad about the Boy“ und „Saturday Night at the World“ sowie Fernsehshows und ausgedehnter Konzerttätigkeit in Israel spielte sie in den 80er Jahren in einer Peter-Zadek-Inszenierung des Theaterstücks mit Musik, „Ghetto“ von Joshua Sobol unter ihrem Geburtsnamen Esther Zaied die Rolle der Sängerin Chaja in Berlin und Hamburg. In den 90er Jahren nahm sie ihre Konzerttätigkeit wieder auf, gemeinsam mit dem Jazz-Pianisten und Komponisten Yoni Rechter, der für die Arrangements und die musikalische Leitung dieser Konzerte verantwortlich ist und am Klavier, gemeinsam mit den glänzenden, hochkarätigen Musikern Michail Paweletz, Violine, Bernhard Fichtner, E-Gitarre, und Micha Kaplan, Bass, die hoch motivierte Begleitband bildet, die  jeden Stil, jede Musikrichtung wunderbar auszuloten in der Lage sind, und die nebenbei auch noch die  Background-Stimmen liefern.

Das Programm dieses Abends war wiederum eine Mischung aus hebräischen Liedern, Chansons, Evergreens und Folk-Songs des 20. Jahrhunderts. Es ist kaum zu glauben, daß Esther Ofarim im vergangenen Jahr ihren 80. Geburtstag gefeiert hat, sie scheint alterslos zu sein, bewegt sich charmant und grazil über die Bühne, und ihre noch immer jung und in allen Lagen perfekt und ausdrucksvoll klingende Stimme hat sich das zarte, sanfte, unverwechselbare Timbre über all’ die Jahre bewahrt.

Den Anfang der insgesamt 80minütigen Show machte sie mit zwei Liedern, die zu ihrem Stamm-Reperoire zählen, nämlich „My Fisherman, my Laddie-O“ und dem hebräischen Wiegenlied „Lay-la“, gefolgt von Leonard Cohens Klassiker „Hallelujah“, sowie dem besonders gefühlvoll vorgetragenen englischen Folksong „Dirty old Town“.

Nach der sanften, sentimentalen Ballade „Lord of the Reedy River“ von Donovan Leitch und dem von  Yoni Rechter komponierten hebräischen Song „Ten Li Yad“, einem Liebeslied über Vertrautheit und Geborgenheit in einer Beziehung, singt sie eines der schönsten Lieder dieses Abends, eine Komposition aus dem 16. Jahrhundert von Thoinot Arbeau, „Pavane – Belle qui tiens ma vie“, mit zartester Stimme und innigst empfundener Interpretaion.  Gleich danach folgt der Lennon-McCartney-Song „She’s leaving home“ – viele Künstler haben sich an diesen Song herangewagt, aber niemand interpretiert ihn so authentisch und gegen Ende des Liedes mit diesem leichten imaginären Augenzwinkern wie Esther Ofarim. Dann geht es schwungvoll weiter mit der swingenden Ragtime-Nummer „I’ll see you in my Dreams“ aus den zwanziger Jahren. Danach gönnt sich Esther Ofarim eine Pause und Yoni Rechter präsentiert ein Zwischenspiel und einen weiteren Song auf hebräisch. Frisch, fröhlich und energiegeladen kehrt Esther Ofarim auf die Bühne zurück und setzt ihr Programm fort mit Kurt Weills melancholischen „September Song“, wenig später folgt das traurige, deprimierende Lied vom „Surabaya Johnny“, der bittere Song von einer verratenen, enttäuschten Liebe.

St. Pauli Theater Hamburg / Esther Ofarim hier Schlussapplaus © Wolfgang Schmitt
St. Pauli Theater Hamburg / Esther Ofarim hier Schlussapplaus © Wolfgang Schmitt

Den Judy-Garland-Klassiker „Somewhere over the Rainbow“ interpretiert Esther Ofarim gefühlsbetont und mit wunderschönem Legato, danach das sanfte Traditional „Scarborough Fair“, einfühlsam begleitet vom Piano und der Violine. Nach dem fröhlichen hebräischen Trinklied „Me’emek Legiv’a“ folgt noch eine weitere Hommage an Leonard Cohen mit dem Country-Song „Bird on a Wire“. Schwungvoll und leicht ironisch geht es weiter mit Kurt Weills „Alabama Song“, dann klingt der Abend aus mit der wunderschönen, innig vorgetragenen Ballade von Barry Gibb, „Morning of my Life“. Natürlich forderte das begeisterte Publikum noch eine Zugabe, und natürlich würde Esther Ofarim nicht ohne ihren Welt-Hit „Cinderella Rockefella“ von der Bühne gelassen, wobei Yoni Rechter als ihr Duett-Partner fungierte. Die Ovationen für Esther Ofarim und für ihre sie begleitenden Musiker wollten nicht enden, und so bleibt die Vorfreude auf das nächste Esther-Ofarim-Konzert im Frühjahr 2023

—| IOCO Kritik St. Pauli Theater Hamburg |—


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