Strasshof, Kulturzentrum, Fäustling und Margarethl – parodistische Burleske, IOCO Kritik, 01.06.2021

Teilen Sie den Artikel
  •  
  •  
  •  
  •  
  •   

KUMST Kulturzentrum Machfeld Strasshof © Silvia Ceplichal

KUMST Kulturzentrum Machfeld Strasshof © Silvia Ceplichal

Kulturzentrum Marchfeld Strasshof

Fäustling und Margarethl – parodistische Burleske in alt-wiener Stil

von Marcus Haimerl

Im Kulturzentrum Marchfeld Strasshof, kurz KUMST, der künstlerischen Heimat des Ensembles Oper@Tee (link HIER!) fand aktuell die Premiere der Parodie Fäustling und Margarethl von Julius Hopp statt.
Julius Hopp (1819 in Graz – 1885 in Wien) wurde vor allem durch seine Adaptionen der Operetten von Jacques Offenbach bekannt und sicherte diesen Werken den Erfolg in Wien. Er komponierte aber auch Parodien und Possen, die vorwiegend, wie auch die von ihm bearbeiteten und übersetzten Operetten, im Theater an der Wien, wo Hopp als Kapellmeister tätig war, aufgeführt wurden.
Fäustling und Margarethl, eine Parodie auf Johann Wolfgang von Goethes Faust und Charles Gounods Oper Faust (Margarethe) wurde am 6. Oktober 1862 im Theater an der Wien uraufgeführt und zählte zu den beliebtesten Werken Julius Hopps mit zahlreichen Aufführungen.

 Kulturzentrum Machfeld Strasshof / Fäustling und Margarethl, eine porodistische Burleske, hier das Ensemble © Michaela Haimerl

Kulturzentrum Machfeld Strasshof / Fäustling und Margarethl, eine porodistische Burleske, hier das Ensemble © Michaela Haimerl

Während die Wiener Staatsoper nach Monaten der pandemiebedingten Schließung die letzten Wochen der Saison mit Gounods Faust gestartet hat, erlebt man in Strasshof an der Nordbahn die unterhaltsame Variante gleichen Stoffes. Hier beschwört Fäustling, ein alternder Lehrer ohne viel Wissen den Teufel, es erscheint jedoch Christof Mefeles, des Teufels Lehrbub. Er schließt mit ihm einen Pakt, um nochmals ein Jahr lang ein jugendliches Lotterleben führen zu können. Auf dem Kirtag treffen sie auf die jugendlich naive Margarethl, der Fäustling ewige Liebe schwört, sehr zum Missfallen Mefeles und Margarethls Verehrer, dem Schneider Sieberl.

Der Nachbarin Marthe bleibt nicht verborgen, dass Fäustling Margarethl heimlich wertvollen Schmuck geschenkt hat. In der Nacht treffen sich alle zu einem Rendezvous im Mondenschein. Nach langer Abwesenheit versucht Fäustling heimlich zu Margarethl zurückzukehren und wird von ihrem Bruder Valentin zum Duell herausgefordert. Nach einem Jahr des Herumtreibens zeigt Mefeles Fäustling einen Ball in der Vorhölle. Da fällt ihm wieder sein Margarethl ein, die gemeinsam mit Sieberl im Schuldturm sitzt. Er möchte sie befreien, aber sein Vertrag mit Mefeles läuft langsam ab…

Kulturzentrum Machfeld Strasshof / Fäustling und Margarethl, eine burleske Parodie, hier Thomas Reisinger, der Mefeles © Michaela Haimerl

Kulturzentrum Machfeld Strasshof / Fäustling und Margarethl, eine burleske Parodie, hier Thomas Reisinger, der Mefeles © Michaela Haimerl

Die Ausstattung der Produktion ist ebenso einfach wie wirkungsvoll. Drei mit Packpapier ausgestattete Wände, die während der Vorstellung von Mefeles bemalt werden und auch von der Rückseite durch verschiedene Öffnungen bespielt werden, bilden die Umgebung für diese gelungene Parodie. Die Regie lag in den Händen des erfahrenen Schauspielers und Theaterregisseurs Horst Dingens, dessen präzise Personenführung maßgeblich zum Erfolg der Aufführungen beitragen. Hans-Jörg Gaugelhofer ist ein ebenso weiser wie witziger Fäustling und überzeugt mit seinem eleganten hellen Tenor. Eine Idealbesetzung ist Thomas Reisinger in der Partie des Mefeles. Mit unglaublich viel Witz und Charme kann er das Publikum für sich einnehmen und mit seinem schönen Tenor begeistern. Mit ebensolchem komödiantischem Talent und beeindruckendem Sopran ausgestattet ist das Margarethl von Alice Waginger. Als ihr stoischer, ein wenig melancholischer, aber dennoch komischer Bruder Valentin überzeugt Bariton Michael Pinsker. Auf ebenso hohem Niveau kann Ellen Halikiopoulos mit ihrem großen, klaren Sopran und schauspielerischen Talent begeistern. Auch Annamaria Kaszoni als Schneider Sieberl weiß das Publikum mit ihrem unglaublichen Witz zum Lachen zu animieren. In den gemeinsamen Nummern konnte man sich überzeugen, wie das gesamte Ensemble stimmlich hervorragend harmonierte.

Das Publikum dankte diesem mit intensivem Applaus für einen knapp zweistündigen vergnüglichen und unterhaltsamen Abend. Es bleibt zu hoffen, dass dieses Stück bald wieder zu erleben sein wird. Bis dahin steht die Kinderoper Aladin und die Wunderlampe mit Musik von Nikolai Rimsky-Korsakov und die Altwiener Barockkomödie Die Wiener Zauberflöte mit Musik von Wolfgang Amadeus Mozart und Wenzel Müller auf dem Programm. Das vollständige Programm finden Sie hier auf

https://www.wieneroperette.at/.

—| IOCO Kritik Kulturzentrum Marchfeld Strasshof |—


Teilen Sie den Artikel
  •  
  •  
  •  
  •  
  •   

Ihre Meinung ist uns wichtig

Schreiben Sie uns, was Sie darüber denken!
Bitte vorher die Datenschutzerklärung lesen : Datenschutzerklärung

Diese Webseite benutzt Google Analytics. Die User IPs werden anonymisiert. Wenn Sie dies trotzdem unterbinden möchten klicken Sie bitte hier : Click here to opt-out. - Datenschutzerklärung