Hamburg, Laeiszhalle, Brenda Roberts – Liederabend, IOCO Kritik, 16.01.2019

Januar 16, 2019  
Veröffentlicht unter Konzert, Laeiszhalle Hamburg, Personalie

Hamburg Laeiszhalle / Telemann Festspiele © IOCO

Hamburg Laeiszhalle / Telemann Festival © IOCO

Laeiszhalle Hamburg

BRENDA ROBERTS –  Liederabend

Francis Poulenc, Richard Wagner,  Richard Strauss

Von Rolf Brunckhorst

Um Brenda Roberts noch einmal zu hören, hatten ihre Fans keine Mühe gescheut, um am Abend des 11. Januar 2019 in der Kleinen Laeiszhalle in Hamburg zu erscheinen. Das Programm des Abends war geschickt zusammengestellt worden, zuerst die Hallenarie der Elisabeth aus Richard Wagners Tannhäuser, dann Wagners Wesendonck-Lieder, dann neun Lieder von Francis Poulenc, und schließlich Isoldes Liebestod aus Wagners Tristan und Isolde. Schon bei der emphatischen Hallenarie war sie wieder da, die unverwechselbare Stimme der Brenda Roberts, immer noch ungewöhnlich hell im Klang für einen hochdramatischen Sopran, dabei aber von einzigartiger Durchschlagskraft. Die Wesendonck-Lieder (teilweise eine musikalische Vorübung für den Tristan) gerieten am schönsten, wenn die Stimme im Mezzaforte leicht vor sich hinfließen konnte.

Laeiszhalle Hamburg / Brenda Roberts - Liederabend © Patrik Klein

Laeiszhalle Hamburg / Brenda Roberts – Liederabend © Patrik Klein

Die Poulenc- Lieder stellten für einige Konzertbesucher eine Neuheit dar, paßten sich aber Brenda Roberts‘ Stimme trefflich an. Nach den Vorübungen in den Wesendonck-Liedern komplettierte zum Schuß Isoldes Liebestod, ruhig und verinnerlicht von der Sopranistin vorgetragen, die Anteile des Wagner-Programms. Einen großen Beitrag zum Gelingen dieses Abend leistete ihr Pianist Christian Schmitt-Engelstadt, der seine Sopranistin sorgfältigst beobachtete und bei sich anbahnenden Korrekturen sich als reaktionsschneller, flexibler und einfühlsamer Partner erwies. Fast scheint die Sängerin Glauben zu machen, daß die Marschallin in Richard Strauss‘ Der Rosenkavalier von einem kleinen Teil ihrer Philosophie abrücken muß, denn dieses „sonderbare Ding, die Zeit“, ist mit Brenda Roberts‘ Aussehen und Stimme doch sehr schonend und zurückhaltend umgegangen. Viele Fans fühlten sich daher in die Zeit zurück versetzt, als Brenda Roberts ihre weltweiten Triumphe, an der Hamburger Staatsoper, der New Yorker MET, der Wiener Staatsoper (unvergessen der Kommentar eines Wiener Philharmonikers: „Wenn Sie bei uns singen, können wir ordentlich laut spielen, Sie übertreffen jedes Orchester“), der Pariser Oper, dem Maggio Musicale Florenz, der Berliner Oper u.a. gefeiert hatte. So war es für alle Beteiligten der eingangs zitierte beglückende Abend, den Brenda Roberts und ihre Fans noch bei einem fröhlichen Beisammensein in einem gemütlichen Restaurant  ausklingen ließen.

Laeiszhalle Hamburg / Brenda Roberts - Liederabend mit Pianist Christian Schmitt-Engelstadt, © Patrik Klein

Laeiszhalle Hamburg / Brenda Roberts – Liederabend mit Pianist Christian Schmitt-Engelstadt, © Patrik Klein

Wer mehr von Brenda Roberts erfahren oder hören möchte, sei auf die ersten drei Teile der bei IOCO erschienenen Brenda-Roberts-Discographie verwiesen, deren vierter und fünfter Teil bereits in Arbeit sind. Im vierten Teil wird es vor allem um Puccini-Aufnahmen gehen, während im fünften Teil ihre Medea-Gesamtaufnahme, ihre Ariadne und ihre Lady Billows im Mittelpunkt stehen werden.

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Kommentare

Eine Antwort zu “Hamburg, Laeiszhalle, Brenda Roberts – Liederabend, IOCO Kritik, 16.01.2019”
  1. Ich danke Rolf Brunckhorst und Patrik Klein IOCO für einen positiven Bericht sehr herzlich. Ich habe mich über den Bericht sehr gefreut! Ich habe mich auch gefreut, dass Ihr gekommen seid und über so viele Jahre mir treu geblieben seid. Sehr schöne Worte des Lobs hat Herr Rolf Brunkchorst geschrieben. Sie ehren mich. Lange hatte ich überlegt, ob ich ein solches Konzert präsentieren sollte. Ich habe an mich geglaubt und dachte dass ich noch Freude an mein Publikum schenken kann. Ein Sänger kann sich glücklich nennen, wenn er solche treue Fans und Freunde hat. Und bei diesem Konzert habe ich neue Freunde gewonnen. Ich danke Euch allen!
    Christian Schmitt-Engelstadt und ich haben Jahre zusammen gearbeitet. Ich hätte das Konzert ohne ihn nicht geplant und gesungen! Zusammen sind wir eine Einheit. Er ist ein großartiger Pianist und Organist. Gefühlsam und gekonnt! Er spielt NIE einen falschen Ton. Wir kennen uns instinktiv und innig. Auch wie ich, arbeitet er hart und lange. Meine lieben Zuschauer, ihr habt einen tollen Künstler erlebt!

    Ich bin froh, dass Herr Brunckhorst von der Helligkeit der Stimme schrieb. Schauen Sie unsere geliebte Birgit Nilsson an. Sie besaß einen „hellen“ hochdramatischen Sopran. Wichtig für eine „hochdramatische“ Sopranistin ist die Durchschlagskraft, die Fähigkeit über ein großes Orchester präsent zu sein und gehört zu werden ohne zu forcieren. Man darf die Stimme NIE abdunkeln. Übrigens, Birgit Nilsson hat auch mit Dr. Gillis Bratt in Schweden studiert. Seine Technik besitze ich auch. Mein Professor Hermanus Baer hat Dr. Bratt gekannt und seine Technik weitergegeben – zum Beispiel an mich. Sobald eine Sängerin – oder Sänger – die Stimme künstlich abdunkelt, wird der Stress, der dadurch resultiert, seine Stimme kaputtmachen, Ich denke, er hat gemerkt, dass meine Technik und positive Lebenseinstellung, dazu dienen, dass meine Stimme jung – wenn Sie wollen, hell und klar – noch klingen kann.

    Ich habe ohne Noten alles gesungen. Wie oft habe ich bekannte Sänger im Konzert gehört, die von Noten gesungen haben. Zu einfach. Ich erwarte von bekannten Sängern, dass Sie auswendig das ganze Programm singen. Das ist für mich professionell und dass erwarte ich. Wichtig ist es auch, das der Sänger keine Barriere wie einen Notenpult zwischen sich und dem Publikum aufbaut. Nur dann kann die Ausdruckskraft und Darstellung über die Bühne an das Publikum ankommen. Natürlich, in der Oper hat man einen Souffleur und das Thema und Kompositionsstil sind durchgehend. Keine verschiedene Kompositionsstile, keine verschiedene Epochen mit verschiedenen Ausführungsstilen zu achten. Live im Konzert ohne Noten kann es manchmal zwischen „Gut gemacht“ und „Oops“ wechseln!

    Auch der Test einer gesunden Stimme ist dass das Piano funktionert. Können die Stimmbänder ohne Druck sanft zusammenschwingen? Wagner, Strauss haben viel piano komponiert. Nur leider achten viele Sänger das Piano gar nicht. Meistens kommt die Elektra ‚raus und singt laut und lauter bis zum Ende. Die Werke waren nicht so komponiert. Schauen Sie zum Beispiel eine Partitur von Strauss an. Schauen Sie wie die Phrasen oft piano und crescendo, sofort wieder piano-crescendo, immer wieder werden die Phrasen zurück aus dem Piano angefangen – wie Wellen. Das einzige Lied in dem Wesendonck Zyklus das lauter ist, ist „Schmerzen“. Sonst alle anderen sind nur mit piano aufgebaut.

    Man könnte die Wesendonck Lieder laut ansetzen und statt „Träume“ zu „Albträume“ umwandeln!

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