Düsseldorf, Robert Schumann Saal, Spielplan Mai 2019

März 20, 2019 by  
Filed under Pressemeldung, Robert Schumann Saal, Spielpläne

robert_schumann_saal.png

Robert Schumann Saal   

Robert Schumann Saal im MPK Düsseldorf © Christoph Schuknecht

Robert Schumann Saal im MPK Düsseldorf © Christoph Schuknecht


Programm Mai 2019


Fr, 17.5.2019, 20 Uhr

Klavier-Festival Ruhr
Christina & Michelle Naughton Klavier

Francis Poulenc
Sonate pour piano à quatre mains FP 8
Leonard Bernstein
Candide (Transkriptionen für Klavier zu vier Händen – Auswahl)
John Adams
Short Ride In A Fast Machine
Wolfgang Amadeus Mozart
Fuge für zwei Klaviere KV 426
Sergej Rachmaninow
Suite Nr. 2 für zwei Klaviere op. 17

„Sie wirken auf der Bühne wie zwei Feen, die bereit sind, uns die schönsten musikalischen Wünsche zu erfüllen.“ So war es in der WAZ zu lesen nach dem Eröffnungskonzert des Klavier-Festivals Ruhr 2017, bei dem die amerikanischen Zwillingsschwestern Christina und Michelle Naughton denn auch keinen Wunsch offen ließen. Mit ihrer federleichten Virtuosität und der atemberaubenden Synchronität, die ihren Auftritt wie eine perfekt ausgearbeitete Choreographie wirken ließ, rissen sie nicht nur bei dieser Gelegenheit das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin. Die Musik ihrer amerikanischen Heimat ist den Schwestern aus Wisconsin ein Herzensanliegen, und so stehen mit einer Bearbeitung von Melodien aus Leonard Bernsteins Oper „Candide“ und John Adams‘ mitreißendem „Short Ride In A Fast Machine“ Werke von Komponisten aus den USA auch bei ihrem dritten Auftritt beim Klavier-Festival Ruhr im Mittelpunkt.

Veranstalter: Stiftung Klavier-Festival Ruhr
60/50/35/25 €


Sa, 18.5.2019, 20 Uhr

Persische klassische Musik
Sima Bina & Ensemble Wilde Blumen

Die persische Sängerin SIMA BINA ist eine Meisterin der klassischen persischen Musik. Geboren in der historischen Kulturlandschaft Khorasan, die sich über den Nordosten des Iran und West-Afghanistan erstreckt, trat sie bereits mit neun Jahren im iranischen Radio auf. Nach Abschluss ihres Studiums an der Teheraner Universität im Jahr 1969 vervollkommnete Sima Bina ihre Kenntnisse und ihre Gesangstechnik bei dem klassischen Meister Abdollah Davami. Seit 1993 präsentiert sie ihre Musik mit großem Erfolg auf Festivals und in Konzertsälen weltweit.

Gemeinsam mit den vier herausragenden Musikern des Ensembles Wilde Blumen präsentiert die große Sängerin eine Auswahl romantischer, melancholischer, aber auch freudig beschwingter Stücke aus der reichen Tradition der klassischen persischen Musik.

Ensemble Wilde Blumen:
Hossein Behroozinia Barbat (Kurzhalslaute)
Saeed Farajpoori Kamantsche (Spießgeige)
Behnam Samani Tombak (Bechertrommel), Daf (Rahmentrommel)
Alireza Shirvani Dotar (Langhalslaute)
Veranstalter: Behnam Samani
35/30 € zzgl. Servicegebühr

 

—| Pressemeldung Robert Schumann Saal Düsseldorf |—

Berlin, Berliner Dom, Junge Philharmonie Berlin – c-Moll Messe, IOCO Kritik, 16.03.2019

Berliner Dom, Berlin © IOCO

Berliner Dom, Berlin © IOCO

Junge Philharmonie Berlin

Große Messe in c-Moll, KV 427  – Wolfgang Amadeus Mozart

Junge Philharmonie Berlin – Mit Feuer, Elan, Hingabe

von Michael Stange

Große stilistische Vielfalt, vom Barock inspirierte Arien und opernhafte Elemente mit ihrem an Bach orientiertem Kontrapunkt wurden am 9.3.2019 in der historischen Atmosphäre des Berliner Dom von einem Reigen junger Musiker dargeboten.

In der C-Moll Messe hat Mozart intensive und leidenschaftliche Anlehnungen an seine Vorgänger genommen und mit seinen persönlichen kirchenmusikalischen Aussagen den Weg zu Beethovens Missa solemnis sowie der Kirchenmusik Mendelssohn Bartholdys gewiesen. Mit ihren Chören, Ensembles und Arien gehört die Messe zu den schönsten und wirkungsvollsten Kompositionen Mozarts.

Junge Philharmonie Berlin / C-Moll Messe im Berliner Dom - Barbara Krieger, Marcus Merkel ©-Joerg-Rueger-Berlin-https://www.sichtbarkeiten.de-moremento

Junge Philharmonie Berlin / C-Moll Messe im Berliner Dom – Barbara Krieger, Marcus Merkel ©-Joerg-Rueger-Berlin-https://www.sichtbarkeiten.de-moremento

Die Junge Philharmonie Berlin – vor sechs Jahren vom Dirigenten Marcus Merkel gegründet – besteht aus jungen, erfahrenen und hochtalentierten Instrumentalisten. Bei ihnen lag die C-Moll Messe von Mozart in besten Händen. Sie sind ein weiteres Spitzenorchester in der Musikstadt Berlin. Zusammen musizierten sie begeistert, jauchzend frisch, pastos und lebendig. Ihre Virtuosität und Spielfreude waren ein wesentlicher Motor dieser überragenden Aufführung. Musikalität und Leidenschaft sind in solcher Qualität selten zu hören.

Der Ernst Senff Chor unter Steffen Schubert bewies erneut, dass er Mozart meisterlich beherrscht und eine Institution im Berliner Konzertleben ist. Für seine CD Interpretation von Prokofievs Kantate zum 20. Geburtstag der Oktoberrevolution ist er zusammen mit der Staatskapelle Weimar unter der Leitung von Kirill Karabits beim Label Auditemit im Januar dem International Classical Music Award 2019 in der Kategorie „Chorwerke“ für die beste Aufnahme des Jahres ausgezeichnet worden. Sein filigranes, polyphones Singen und die Dynamiken waren bestrickend.

Marcus Merkel Dirigat ist es zu danken, dass trotz der schwierigen Akustik des Berliner Doms eine brillante Aufführung gelang. Die Chöre und das Orchester waren fein aufeinander abgestimmt klangen kraftvoll, glänzend, bewegt und anrührend. Die Leitung von Chor und Orchester zeichnete sich durch Feuer, Kraft, aber auch durch ruhige Erhabenheit und innige Momente aus. Merkel entlockte dem Orchester einen ausgefeilten Goldglanz und eine Klangschönheit die ihresgleichen suchen. Ein begnadeter junger Ausnahmemusiker stand am Pult, der mit immenser Meisterschaft eine gloriose Aufführung leitete. Glückliches Graz, das diesen Kapellmeister an seinem Opernhaus hat.

Junge Philharmonie Berlin / C-Moll Messe im Berliner Dom - Barbara Krieger, Narine Yeghiyans, Marcus Merkel, Goran Cahs, Haakon Schaub ©-Joerg-Rueger-Berlin-https: //www.sichtbarkeiten.de-moremento

Junge Philharmonie Berlin / C-Moll Messe im Berliner Dom – Barbara Krieger, Narine Yeghiyans, Marcus Merkel, Goran Cahs, Haakon Schaub ©-Joerg-Rueger-Berlin-https: //www.sichtbarkeiten.de-moremento

Erlesen waren auch die Solisten. Ihre Musikalität und Hingabe und setzen dem Abend die Krone auf. Barbara Krieger sang die 1. Sopranpartie mit unglaublicher Intensität, atemberaubenden stimmlichen Umfang und berückendem Timbre. Im Kyrie und im Agnus Dei gelangen Ihr profunde tiefe völlig natürlich und locker gesungen Alttöne. Die Koloraturen des Kyrie meisterte sie mit Präzision, Hingabe, leuchtendem Feuer, perfekter Gesangstechnik und vollendeter betörender Klangschönheit. In der mit Koloraturen und weiten Bögen gespickten Arie „Et incarnatus est“ kannte die Stimme keine Grenzen. Alle Töne waren wie eine glänzende Perlenkette aneinander gereiht und klangen strahlend durch den Raum. Tiefe, Mittellage und Höhe gingen bruchlos ineinander und die Stimme behielt stets ihre Sonorität und ihre überwältigende Klangschönheit. Ein umwerfender jugendlich dramatischer Sopran. Staunenswert, dass sie zu einem so lyrischen virtuosem Portrait nach ihrer fulminanten Isolde (2. Akt, konzertant) in Bukarest im vergangenen Jahr in der Lage war. Auf weiteres darf man gespannt sein.

Narine Yeghiyans lyrischer Sopran mit leuchtend süßem mediterranem Timbre war ein weiterer Höhepunkt. Im Laudamus zeigte sie mit Verve eine blühende Mittellage und feuerte ein pralles Feuerwerk an Koloraturen in den Saal. Gleichzeitig modulierte sie die Arie mit großer seelenvoller Poesie. Mit ihrer profunden Opernerfahrung und der bestens durchgebildeten Stimme verlieh sie ihrem Part Glanz und Tiefe.

Im Dominus paarte sie sich mit Barbara Krieger in glänzender Weise. Durch die ausgeprägt individuellen Timbres beider Soprane und ihre Meisterschaft erreichten waren sie ein faszinierendes Duo. Goran Cahs Tenor verfügt über ein lyrisch bestrickendes Timbre und leuchtende Höhen. Mühellos trug die Stimme in den Saal und glänzte in den Ensembles. Haakon Schaub zeigte im Benedictus seinen klangvoll voluminösen Heldenbariton. Prächtige Tiefe paarte sich mit glänzenden, mühelos strahlenden Höhen und – wie bei alle übrigen Solisten – mit immenser Wortdeutlichkeit. Eine Stimme die aufhorchen ließ.

Staunenswert, wie erlesen das Ensemble zusammengestellt war und mit welcher Hingabe und Meisterschaft alle musizierten. Ein großer Mozart Abend.

Ein bewegtes Publikum dankte mit lang anhaltendem Applaus.

—| IOCO Kritik Junge Philharmonie Berlin |—

Dresden, Kulturpalast Dresden, Cappella Andrea Barca und András Schiff, IOCO Kritik, 08.02.2019

Februar 8, 2019 by  
Filed under Hervorheben, Konzert, Kritiken, Kulturpalast

 

Kulturpalast Dresden © Nikolaj Lund

Kulturpalast Dresden © Nikolaj Lund

Kulturpalast Dresden

András Schiff  –  Cappella Andrea Barca

– Mozart – Palastkonzert –

von Thomas Thielemann

Seit im April des Jahres 2017 der umgebaute Konzertsaal im Kulturpalast Dresden wieder seiner Bestimmung zugeführt worden war, haben wir jede Gelegenheit genutzt, Konzerte in diesem Pseudo-Weinberg auf Plätzen der unterschiedlichsten Positionen zu besuchen, weil wir eigentlich fanatische Verfechter der Schuhschachtel-Konzerträume sind und die Klangentwicklung auch nach dem Umbau als etwas „undemokratisch“ empfinden.

Die Dresdner Musikfestspiele finden in diesem Jahr erst vom 16. Mai bis zum 10. Juni 2019 statt. Vermutlich um die breiten Möglichkeiten der Klangentfaltung in diesem noch vergleichsweise neuen Konzertsaal breit auszutesten, veranstaltet das Management, verteilt über die Festspiel-freie Zeit des Jahres, die Reihe „Palastkonzerte“. Zudem möchte man den Ruf des Saales in der Musikwelt möglichst weit verbreiten, um sowohl Interpreten als Besucher auch abseits von Semperoper und Frauenkirche nach Dresden zu locken.

Kulturpalast Dresden / Capella Andrea Barca und Andras Schiff im Kulturpalast Dresden © Oliver Killig

Kulturpalast Dresden / Capella Andrea Barca und Andras Schiff im Kulturpalast Dresden © Oliver Killig

Mit einem Mozart-Abend feierte András Schiff mit seiner Cappella Andrea Barca am 6. Februar 2019 ein Saal-Debüt. Sir András Schiff, 1953 in Budapest geboren und an der Franz-Liszt-Musikakademie unter anderem bei György Kurtág ausgebildet, versteht sich als österreich-britischer Pianist und Dirigent ungarischer Herkunft. Neben seiner Tätigkeit als Solist und Dirigent leitet er auch Musikfestivals.

Die Musiker der Cappella Andrea Barca sind in aller Welt tätige Solisten und Kammermusiker, somit an kein Orchester fest gebunden. András Schiff hatte diese Musiker ursprünglich für eine Gesamtaufführung der Klavierkonzerte in den Salzburger Mozartwochen der Jahre 1999 bis 2005 ausgewählt.

Offenbar hatten die Musiker Freude am gemeinsamen Musizieren auf der Grundlage von Sympathie, Verständnis sowie ästhetischer, musikalischer und menschlicher Gleichgestimmtheit gefunden, so dass sie sich auch weiterhin in kammermusikalischer und solistischer Formation präsentieren.

Der „Namenspatron“ des Ensembles Andrea Barca, vermutlich zwischen 1730 und 1735 bei Florenz in einer Bauernfamilie geboren, hatte bei einem Konzert des Wolfgang Amadeus Mozart am 2.April 1770 in der Villa Poggio Imperiale als „Umblätterer“ mitgewirkt. Beeindruckt vom Genius Mozarts war er diesem nach Salzburg gefolgt. Da sich dort für ihn als Musiker kein Erfolg eingestellt hatte, kehrte er nach Italien zurück und war in der Folgezeit als Pianist und Komponist tätig. Sein Hauptwerk, die Oper La Ribolita bruciata gilt derzeit noch immer als Höhepunkt der toskanischen Musikgeschichte. Wann, wo und unter welchen Umständen er verstorben ist, bleibt unbekannt. Es wäre auch denkbar, daß die Namenswahl eine andere Deutung zuläßt: Andrea = András, Barca = Schiff, wonach die obige Historie eine Schalkerei wäre.

Die eingeladenen Musiker werden von Schiff nach dem Repertoire der Konzerte mit Arbeiten von Bach, Mozart, Haydn, Mendelssohn bis Bartok ausgewählt.

Der Beginn des Palastkonzertes am 6. Februar 2019 gehörte dem Klavierkonzert Nr. 15 B-Dur KV 450, das Mozart 1784 vollendet hatte. Mit diesem Konzert ließ Mozart erstmalig Bläser als Melodieninstrument auftreten, so dass gemeinsam mit dem Klavier und den Streichern faszinierende Klangfarben entstehen.

András Schiff, der das Konzert zum Teil den Musikern zugewandt und ansonsten vom Piano aus leitete, darf nach der ersten Orchester- Einleitung mit einer Art Kadenz einsteigen, bevor die Cappella zur konzertanten zweiten Exposition ansetzt. Der Pianist erweist sich als Vollblutmusikant. Sein wunderbarer Anschlag am legendären Bösendorf-Flügel nahmen uns sofort gefangen. Die Darbietung wirkt sympathisch impulsiv und intuitiv inspiriert. Der erste und der dritte Satz wurden heiter und konzertant geboten, der zweite eher poetisch. Gelöste Spielfreude prägte das Finale.

Mozarts viersätzige Symphonie Nr. 39 Es-Dur KV 543 ist die erste der drei Sinfonien, die innerhalb kurzer Zeit vom Juni bis zum August 1788 drei Jahre vor seinem Tode als sein „Schwanengesang“ entstanden waren.

Kulturpalast Dresden / Andras Schiff und die Capella Andrea Barca im Kulturpalast Dresden © Oliver Killig

Kulturpalast Dresden / Andras Schiff und die Capella Andrea Barca im Kulturpalast Dresden © Oliver Killig

Regelrecht majestätisch leitete die Cappella Andrea Barca den ersten Satz Adagio-Allegro ein, als ob etwas Schicksalhaftes im Raum stehe, bis dann der Klangfluss ins angenehm-Lyrische, zum Satzschluss aber in das weitgehend Kräftige und Festliche überging. Schicksalhaft-festlich auch der zweite Satz, bis dann Schiff den dritten Satz etwas schneller dirigierte, um das Finale heiter , verspielt und schalkhaft spielen zu lassen.

Interessant war, welche Klangwirkung die Cappella der nicht in eine Orchesterdisziplin eingezwängten Instrumentalisten erzeugte, wenn letztlich jeder Musiker seine individuellen Klangfärbungen einbringt.

Das abschließende Klavierkonzert Nr. 17 G-Dur KV 453, 1784 für eine Schülerin komponiert, gehört nach meiner Auffassung zum schönsten, originellsten und wahrscheinlich persönlichsten, was Mozart komponiert hat. András Schiff als Solist, leitete das Spiel gleichfalls zum Teil vom Klavier aus. Das Orchester wusste allerdings genau, mit der regelrecht suggestiven Musik umzugehen, so dass sich der Solist auf sein Spiel konzentrieren konnte, wenn es erforderlich war. Aus dem Mittelsatz gestaltete er ein Adagio und wenn das üppig aufspielende Orchester den Frage-Antwort-Komplex hinter sich hatte, war das schon eine eigene Welt.

Mit einer berückenden Bach-Zugabe demonstrierte András Schiff seinen außergewöhnlichen Anschlag und den besonderen Klang des Bösendorfers. Für uns, die wir inzwischen bei Mahler, Bruckner, Schostakowitsch und Wagner …und Eötvös angekommen sind, war dieser Mozart-Abend doch ein Erlebnis.

—| IOCO Kritik Kulturpalast Dresden |—

Hildesheim, Theater für Niedersachsen, TfN Philharmonie – 3. Sinfoniekonzert, IOCO Kritik, 30.01.2019

TFN_Logo neu.jpg

Theater für Niedersachsen

Theater für Niedersachsen / Stadttheater Hildesheim © Andreas Hartmann

Theater für Niedersachsen / Stadttheater Hildesheim © Andreas Hartmann

TfN – Philharmonie Hildesheim – 3. Sinfoniekonzert

 – So machen es Mozart und Salieri –

von Randi Dohrin

Am 27. Januar 1756 erblickte Wolfgang Amadeus Mozart in Salzburg das Licht der Welt. Die Familie hegte keine großen Hoffnungen, dass dieses schwächliche Kind überleben würde. Schon damals erwies sich Wolfgang als recht eigensinnig und der Vater wurde hellhörig, als das Interesse an der Musik seines dreijährigen „Wolferls“ unüberhörbar wurde. Sogleich begann er, seinem Sohn Klavierunterricht zu geben. Als „Wolferl“ fünf Jahre alt war, reichte ihm das Klavierspielen allein schon nicht mehr aus. Er wollte komponieren und so schrieb Vater Leopold ein Andante und ein Allegro für Klavier in das Kompositions-Büchlein seines Sohnes mit dem Kommentar:

„Des Wolfgangerl Compositiones in den ersten drei Monaten nach seinem 5ten Lebensjahr.“

Diese beiden Kompositionen wurden dann von Ritter Ludwig von Köchel – dem chronologisch-thematischen Verzeichnis sämtlicher Tonwerke W.A. Mozarts – als Nummer 1 aufgeführt. Dem 1761 komponierten KV 1 sollten bis 1791, dem Todesjahr des genialen Musikers, noch 625 weitere folgen. Mozart verstarb am 5. Dezember 1791 nach einer schweren fiebrigen Erkrankung. Sein Hausarzt, Dr. Closset, diagnostizierte hitziges Fieber, eine Art Grippe. Mozarts Witwe Constanze verzichtete auf ein prunkvolles Begräbnis, da ihre finanzielle Zukunft nach dem Tode ihres Wolferls als nicht gesichert galt. Bis heute ist ungeklärt, wo seine sterbliche Hülle liegt.

Wolfgang Amadeus Mozart Wien © IOCO

Wolfgang Amadeus Mozart Wien © IOCO

Dieses 3. Sinfoniekonzert der TfN-Philharmonie war eine Hommage an Wolfgang Amadeus Mozart anlässlich seines Geburtstages am 27. Januar.  Das Konzert begann mit der Ouvertüre zur Oper Cosi fan tutte, KV 588. Die kurze langsame Einleitung führte spannungsvoll in die schmeichelnde Oboenphase, dieser von Mozart kürzer gehaltenen Ouvertüre. Bereits nach wenigen Takten steigerte sich das ruhige Tempo bis zum virtuosen Presto, das die TfN-Philharmonie unter der Leitung ihres GMD Florian Ziemen effektvoll umgesetzt hatte und das ausgelassen frivole Geschehen dieser Oper deutlich werden ließ. Es folgte die Arie der Fiordigli „Come scoglio“ (So standhaft wie der Felsen, so steht auch meine Treue), aus Cosi fan tutte, die mit dem strahlend beweglichen Sopran von Rebecca Davis zu Gehör kam. Mühelos bewältigte die Sopranistin die dramatischen sowie die perlenden Koloraturpassagen dieser anspruchsvollen Arie mit einem umfangreichen Tonumfang.

Wie bei Mozart, wurde das musikalische Talent von Antonio Salieri (1750 – 1825) schon früh entdeckt. Nach dem Tode seiner Eltern ging er 1766 nach Wien und war dort ab 1774 kaiserlicher Hofkomponist und ab 1788 Hofkapellmeister. Zu Mozart hatte Salieri ein kollegiales Verhältnis. Der Auftrag zur Oper Cosi fan tutte (So machen es alle oder die Schule der Liebenden), Libretto von Lorenzo Da Ponte, war ursprünglich für ihn bestimmt. Er sah sich nicht in der Lage sie zu vertonen und trat zugunsten Mozarts zurück. Antonio Salieri unterrichtete zudem den Sohn Franz Xaver von Konstanze und Wolfgang Amadeus Mozart.

TfN Hildesheim / Florian Ziemen und die TfN Philharmonie  - hier :  beim Neujahrskonzert © Clemens Heidrich

TfN Hildesheim / Florian Ziemen und die TfN Philharmonie  – hier : beim Neujahrskonzert © Clemens Heidrich

Am 7. Mai 1825 erhielt Antonio Salieri nach längerem Leiden die Sterbesakramente. Seine letzte Ruhestätte befindet sich in Wien. Zwischen den einzelnen Musikstücken lasen Peter Kubik und Rebecca Davis aus Briefen, Tagebüchern und einer Novelle der Zeitgenossen Salieris vor, die ein freundlicheres Bild über den Komponisten ergaben, als allgemein bekannt war und leider noch ist. Die von dem Komponisten und Musikwissenschaftler Timo Jouko Herrmann zufällig in Prag entdeckte und über 200 Jahre als verschollen geglaubte  Liedkantate „Per la ricuperata salute di Ofelia- Canzone a Fille“ KV 477a, Text Lorenzo Da Ponte, ist eine Gemeinschaftskomposition von Salieri, Mozart und Cornetti zu Ehren der seinerzeit erkrankten Sopranistin Nancy Storace. Rebecca Davis brachte die Strophen mit tänzerischer Leichtigkeit im galanten Stil der Wiener Klassik zum Erklingen. Rhythmisch federnde Unterstützung erhielt sie durch das Orchester des TfN. Aus der leider viel zu selten aufgeführten Oper La cifra von Antonio Salieri, war das Rezitativ und Rondo der Eurilla zu hören. Beeindruckend virtuos und zugleich leidenschaftlich setzte Rebecca Davis ihren dramatischen Koloratursopran ausgeglichen und wohlklingend bis ins leiseste Piano ein. Adäquat wurde sie von der Philharmonie, unter dem engagiert impulsgebenden Dirigat ihres GMD Florian Ziemen, begleitet.

Die fesselnde Uraufführung FAMA für Orchester und Sprecher von Timo Jouko Herrmann, führte den Hörer in die römische Mythologie ein. Im Mittelpunkt steht die Göttin des Ruhms und der Gerüchte, und sie war der passende Ausgangspunkt dieser Auftragskomposition, wie die Lebensbilder von Mozart und Salieri verdeutlichen. Mozart wurde bereits zu Lebzeiten glorifiziert, während Salieri unverschuldet zum Mörder Mozarts erklärt wurde. Ausdrucksstark fungierte Peter Kubik als Sprecher des poetischen Textes aus den Metamorphosen von Ovid, der mit dieser Komposition ohne einen Moment der Klanglosigkeit verschmolz. Eine faszinierende Bereicherung dieses Abends waren auch die melodisch harmonischen 26 Variationen La follia di Spagna von Antonio Salieri für Orchester, Solo-Violine und Harfe. Die TfN-Philharmonie gestaltete diese melodienreichen Variationen auf hohem Niveau kongenial differenziert romantisch, verspielt oder dramatisch und einem Dialog zwischen den Instrumenten.

Man mag es kaum glauben, aber die viersätzige Sinfonie Nr. 40 in g-Moll, KV 550, soll Mozart in nur wenigen Wochen des Sommers 1789 geschaffen haben. Ein Werk, das bis heute an seiner Beliebtheit kaum zu übertreffen ist und jede Interpretation eine Herausforderung darstellt. Dirigent Florian Ziemen hat sie angenommen und mit der TfN Philharmonie überzeugend umgesetzt. Bereits nach dem Einsetzen des Anfangsmotivs wurde der Hörer mitgerissen. Helle und dunkle Stimmungen der Holzbläser und Einwürfe der Hörner wechselten mit melancholischen Figuren der Streicher ab. eschwingt erklangen die Hörner im Trio des 3. Satzes und schnelle rauschende Abwärtsbewegungen beendeten den 4. und letzten Satz dieser aufwühlenden Interpretation mit allen Wiederholungen. Chapeau!

Das Publikum bedankte sich begeistert mit einem langanhaltenden Applaus für dieses gelungene Konzert voller Überraschungen.

—| IOCO Kritik Theater für Niedersachsen |—

Nächste Seite »