Berlin, Staatsoper Unter den Linden, Premiere Salome von Richard Strauss, 04.03.2018

Staatsoper unter den Linden

Staatsoper Unter den Linden - Im Traum © Max Lautenschläger

Staatsoper Unter den Linden – Im Traum © Max Lautenschläger

 Salome von Richard Strauss

 Inszenierung  Hans Neuenfels, musikalische Leitung Christoph von Dohnányi

Am 4. März feiert Richard Strauss’ Oper SALOME nach dem gleichnamigen Drama von Oscar Wilde in einer Inszenierung von Hans Neuenfels Premiere an der Staatsoper Unter den Linden. Die musikalische Leitung der Staatskapelle Berlin übernimmt Christoph von Dohnányi. Die litauische Sopranistin Ausrine Stundyte gibt ihr Rollendebüt in der Titelpartie. Für das Bühnenbild und die Kostüme zeichnet Reinhard von der Thannen verantwortlich, den mit Hans Neuenfels eine langjährige künstlerische Zusammenarbeit verbindet.

Mit SALOME, einer Adaption von Oscar Wildes 1891 erschienenem Einakter, gelang Richard Strauss 1905 sein erster, überwältigender Erfolg als Opernkomponist. Die Geschichte um die exzentrische Prinzessin Salome, die von dem asketisch lebenden Propheten Jochanaan fasziniert ist und deren Leidenschaft sich zu einer regelrechten Obsession entwickelt, vertont Richard Strauss mit rauschhaften, zügellosen und aufpeitschenden Klangvisionen, die einen Einblick in die seelischen Abgründe, das Begehren und die Zerstörungskraft der Titelheldin geben.

Hans Neuenfels zählt zu den profiliertesten Theater- und Opernregisseuren Deutschlands. Als Schauspielregisseur inszenierte er u. a. in Wien, Berlin, Hamburg, Frankfurt, Zürich, Trier und Heidelberg, bevor er 1974 mit Verdis Der Troubadour in Nürnberg sein Debüt als Opernregisseur gab. Es folgten Inszenierungen u. a. an der Oper Frankfurt, der Staatsoper Stuttgart, der Wiener Staatsoper, der Hamburgischen Staatsoper, der Bayerischen Staatsoper, der Deutschen Oper Berlin, bei den Salzburger Festspielen, den Bayreuther Festspielen und bei der RuhrTriennale. Von 1986 bis 1990 war Hans Neuenfels Intendant der Freien Volksbühne Berlin. An der Staatsoper Unter den Linden inszenierte er 2012 La finta giardiniera und 2015 Ariadne auf Naxos. 2005, 2008 und 2013 wurde er von dem Magazin »Opernwelt« zum »Opernregisseur des Jahres« gewählt. 2016 erhielt er den Deutschen Theaterpreis DER FAUST für sein Lebenswerk.

Christoph von Dohnányi, der im Januar das IV. Abonnementkonzert der Staatskapelle Berlin dirigiert hat, übernimmt erstmals die musikalische Leitung bei einer Produktion an der Staatsoper Unter den Linden. Er begann seine Karriere am Theater Lübeck als damals jüngster Generalmusikdirektor Deutschlands. Anschließend war er als Generalmusikdirektor am Staatstheater Kassel, als Chefdirigent des Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester (heute WDR Sinfonieorchester), als Generalmusikdirektor und Direktor der Oper Frankfurt und des Frankfurter Opernhaus- und Museumsorchesters tätig. Von 1977 bis 1984 war er Intendant und Chefdirigent der Hamburgischen Staatsoper. Darüber hinaus war er 18 Jahre lang Musikdirektor des Cleveland Orchestra und leitete es auf zahlreichen Tourneen im In- und Ausland. Diverse Gastengagements führten ihn u. a. an die Deutsche Oper Berlin, an die Wiener Staatsoper, ans Opernhaus Zürich, ans Royal Opera House Covent Garden London, an die Mailänder Scala, die Opéra Bastille Paris, die Metropolitan Opera New York, die San Francisco Opera und die Lyric Opera in Chicago.

Ausrine Stundyte studierte Gesang an der Litauischen Musikakademie und an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig. Diverse Engagements führten sie in den letzten Jahren nach München, Köln, Zürich, Antwerpen, Wien, St. Gallen, Lyon, Venedig, Florenz, Madrid, Seattle und São Paulo. Sie arbeitete u. a. mit Dirigenten wie Zubin Mehta, Gianandrea Noseda, Fabio Luisi, Jeffrey Tate, Julia Jones, Dmitri Jurowski und Markus Stenz sowie mit Regisseuren wie Calixto Bieito, Robert Carsen, Peter Konwitschny, Graham Vick, Christof Nel, Tatjana Gürbaca, Anthony Pilavachi oder Dmitri Tcherniakov. Zuletzt war sie in der Neuproduktion von »Die Gezeichneten« in der Komischen Oper Berlin, die am 21. Januar 2018 Premiere feierte, als Carlotta Nardi zu erleben.

Zum Ensemble gehören neben Ausrine Stundyte Gerhard Siegel als Herodes, Marina Prudenskaya als Herodias, Thomas J. Mayer als Jochanaan, Nikolai Schukoff als Narraboth, Annika Schlicht, Dietmar Kerschbaum, Michael Smallwood, Linard Vrielink, Andrés Morena Garciá, David Oštrek, Adam Kutny, Ulf Dirk Mädler, Gyula Orendt, Dominic Barberi, Corinna Scheuerle und Christian Natter. PMStOUdL


Premiere Salome Sonntag, 4. März 2018 18:00 Uhr, Weitere Vorstellungen 8., 10., 14. 17. März 2018,  Werkeinführung  jeweils 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn

 Staatsoper Unter den Linden – Karten Hier
Karten Kaufen

Berlin, Deutsche Oper Berlin, Salome von Richard Strauss, IOCO Kritik, 04.02.2018

Februar 5, 2018 by  
Filed under Deutsche Oper Berlin, Hervorheben, Kritiken, Oper

deutscheoperberlin

Deutsche Oper Berlin

Deutsche Oper Berlin © Leo Seidel (Kontakt: leoseidel@googlemail.com)

Deutsche Oper Berlin © Leo Seidel (Kontakt: leoseidel@googlemail.com)

SALOME  von Richard Strauss (1864 – 1949)

Ein von allen zerstörtes Kind öffnet die Büchse der Pandora und wird zur Allzerstörerin

 Von Karin Hasenstein

Oscar Wildes Drama Salomé wurde 1896 in Paris zum ersten Mal auf die Bühne gebracht, während der Autor gerade in London im Zuchthaus eine Strafe absaß – wegen grober Unsittlichkeit.

Aufführungen dieses Stückes waren in Großbritannien und deutschsprachigen Ländern nur im privaten Rahmen möglich. Richard Strauss besuchte eine solche Privataufführung im Jahre 1902 in Max Reinhardts Kleinem Theater” in Berlin. Jedoch erst ein Jahr später reifte in ihm der Entschluss, auf Grundlage dieses Dramas eine Oper zu schreiben.

Deutsche Oper Berlin / Salome - hier Catherine Naglestad als Salome © Monika Rittershaus

Deutsche Oper Berlin / Salome – hier Catherine Naglestad als Salome © Monika Rittershaus

Die Uraufführung der Salome in Dresden im Jahre 1905 wurde für Strauss ein grandioser Erfolg. Der Reiz mag damals wie heute in dem faszinierenden Kontrast zwischen der rauschhaften Musik und der grausigen, brutalen Handlung gelegen haben, die abstößt und zugleich auf erschreckende Weise fasziniert. Ohne Vorspiel werden wir in Salomes Welt geworfen.

In der Inszenierung von Claus Guth (Bühne/ Kostüme: Muriel Gerstner) ist diese das Ladenlokal eines Herrenausstatters der 1950er oder -60er Jahre in strenger dunkelbrauner Holzoptik. Der Blick fällt auf Krawatten und Anzüge, adrett nach Farben und Mustern sortiert, auf einen Verkaufstresen sowie eine Sitzgruppe. Im vorderen Bereich befinden sich ein Tisch und drei Stühle.

Wasserschaden – Salome szenisch adaptiert 

Aufgrund des großen Wasserschadens am Heiligabend 2017, dem zahlreiche Ausstattungsstücke und Teile der Bühnenbilder zum Opfer fielen, wurde die Oper als “szenisch adaptierte Version” gespielt. So fehlte beispielsweise der obere Teil der hohen Rückwand als hintere Begrenzung der Dekoration, was szenisch weder weiter auffiel, noch störte.

Negative Auswirkungen hatte dieses reduzierte Bühnenbild jedoch auf die Akustik. Durch den Verlust auch zahlreicher Beleuchtungskörper wurde zusätzlich mit verändertem Licht gearbeitet. Wer jedoch keine der zurückliegenden Vorstellungen besucht hat, dem fehlt der Vergleich und so ist lediglich zu bemerken, dass große Teile der Szene sehr schwach bis unzureichend ausgeleuchtet waren.

Zu Beginn sehen wir Salome in einem langen weißen Nachtgewand, (Foto) das lange rote Haar wird von einem weißen Stirnband gehalten. Am Tisch sitzen zwei Gestalten, eine Szene aus einem “Vater-Mutter-Kind“-Spiel, und erst bei näherem Hinsehen fällt auf, dass es sich um Schaufensterpuppen handelt. In diese Szenerie hinein erklingen die Worte Narraboths, “Wie schön ist die Prinzessin Salome heute Nacht!”

Immer wieder wird die Prinzessin mit Farben beschrieben. Ihre Füße sind wie weiße Tauben, sie ist blass wie der Schatten einer weißen Rose in einem silbernen Spiegel, Salome wird als weiß, silbern, rein dargestellt. Ein junges unschuldiges Mädchen.

Deutsche Oper Berlin / Salome - hier Catherine Naglestad als Salome © Monika Rittershaus

Deutsche Oper Berlin / Salome – hier Catherine Naglestad als Salome © Monika Rittershaus

Die Stimme des Propheten Jochanaan, der laut Libretto in einer Zisterne gefangen gehalten wird, scheint aus einem ungeordneten Kleiderhaufen auf dem Boden zu kommen, ein Element, das nicht recht in diesen biederen spießigen Herrenausstatter passen will. Auf der Szene verteilt finden sich die anderen Personen, Soldaten, Juden, Narraboth und der Page.

Die Figur der Salome wird multipliziert durch vier bis sechs jüngere Mädchen im gleichen Kostüm (Ballett der DOB), die um sie herum sind, von den anderen Personen aber scheinbar nicht wahrgenommen werden. Das Ganze erinnert an eine Traumszene oder den Zustand des Schlafwandelns.

Schon zu Beginn verkündet der Page Narraboth Schreckliches wird gescheh‘n”, während Salome den Mond als eine silberne Blume beschreibt. Unvermittelt erklingt die Stimme des Propheten und Salome verlangt wiederholt, ihn zu sehen, bis Narraboth schließlich einwilligt. Zum zweiten Mal ertönt die Mahnung des Pagen, Schreckliches werde geschehen.

Der Prophet sagt schreckliche Dinge über ihre Mutter, dennoch ist Salome hin und hergerissen, ist fasziniert und abgestoßen zugleich, weiß nicht, was sie will, während der Prophet sie fortwährend bestimmt zurückweist. Salome steigert sich immer weiter in ihr Begehren hinein, will sein Haar, seinen Leib berühren, schließlich seinen Mund küssen, Jochanaan schleudert ihr ein tonloses “Niemals, niemals!” entgegen.

Deutsche Oper Berlin / Salome - hier Catherine Naglestad als Salome und eine "kleine" Salome © Monika Rittershaus

Deutsche Oper Berlin / Salome – hier Catherine Naglestad als Salome und eine „kleine“ Salome © Monika Rittershaus

In der schlecht ausgeleuchteten Szene ist nicht zu erkennen, ob Narraboth sich in seiner Verzweiflung über das drohende Unheil tatsächlich ersticht oder schlicht vor Schreck tot umfällt. Zu Jochanaans Worten “Sei verflucht!” entzündet sich das Tischtuch, und anstatt wieder in der Zisterne, respektive im Kleiderberg zu verschwinden, schließt Jochanaan Salome in die Arme, was zum Text überhaupt nicht schlüssig erscheint. Es ist nicht das einzige Mal, dass Libretto und Handlung auseinanderlaufen.

In der nächsten Szene trägt Salome ein olivgrünes Kleid mit rotem Gürtel, die Haare dazu mit einem roten Band aus der Stirn gehalten. Das Weiße, Unschuldige, das Kindliche ist verschwunden.

War es zuvor der Page, der Narraboth gemahnt, Salome nicht anzusehen, so ist es nun Herodias, die fortwährend ihren Gatten auffordert, sie nicht anzusehen. Salome verhält sich ihrem Stiefvater gegenüber aufmüpfig, was diesen zunehmend erbost, und wofür er seine Frau verantwortlich macht.

In dieser Familie stimmt aber auch gar nichts. Die Spannungen zwischen den Personen sind überdeutlich spürbar. Unweigerlich erinnert die Szene am Esstisch an eine Familienaufstellung als Element der Psychotherapie. Sicher kein Zufall, wurde doch die moderne Psychoanalyse um 1890 von Sigmund Freud begründet. Er hätte in dieser Familie ein breites Betätigungsfeld gefunden. Es ist absehbar, dass es so nicht weitergehen kann, nicht weitergehen wird.

Herodes provoziert sowohl Salome als auch seine Frau Herodias, indem er Salome sagt “Du sollst auf dem Thron Deiner Mutter sitzen.” Schließlich fordert er sie auf, für ihn zu tanzen. Salome willigt ein, nachdem sie sich hat versichern lassen, alles zu bekommen, was sie begehrt.

Claus Guth verzichtet auf Schleier – wo sollen die bei einem Herrenausstatter auch herkommen – und während zunächst die kleinen Salome-Kopien tanzen und Salome selbst nur stille Beobachterin ist, wird Herodias wie an unsichtbaren Marionettenschnüren bewegt. Schwarze Schatten bewegen schließlich Herodes und Herodias aufeinander zu und ein grotesk trippelnder Zappeltanz entsteht. Ausgerechnet an dieser Stelle, die völlig traumartig und unwirklich erscheint, wird das Licht aufgeblendet. Warum gerade jetzt? Die Schatten legen Herodias auf das Sofa, Herodes bewegt sich zunächst in Kopulations- bewegungen über ihr, um schließlich von ihr abzulassen und mit der kleinen Salome zu tanzen. Diese Symbolsprache ist so überfrachtet, dass man als Zuschauer nur noch wünscht, es möge endlich aufhören. Es kommen drei weitere kleine Salomes hinzu, bis das tanzende Paar schließlich im Walzerschritt verschwindet.

Die schwarzen Schatten halten Salome fest und heben sie vom Boden ab, zerren an ihr, während die Musik sich in Tempo und Dynamik immer mehr steigert, bis die Schatten sie endlich freigeben.

Deutsche Oper Berlin / Salome @ Monika Rittershaus

Deutsche Oper Berlin / Salome @ Monika Rittershaus

Salome fordert ihren Lohn, nicht die Reichtümer des Herodes interessieren sie, keine irdischen Schätze, sie will den Kopf des Propheten Jochanaan in einer Silberschüssel. Zu ihrer eigenen Lust, wie sie selbst sagt. Achtmal muss sie ihn an seinen Eid erinnern, muss sie ihre Forderung wiederholen, bis der entsetze Herodes schließlich nachgibt “Man soll ihr geben, was sie verlangt! Sie ist in Wahrheit ihrer Mutter Kind!” Es kommt zum Unvermeidlichen, der Henker wird gesandt, den Propheten zu töten und Salome erhält seinen Kopf als Lohn für ihren Tanz. Die Szene wird wieder auf Anfang gesetzt.

Die “Familie” sitzt am Esstisch. Jetzt aber sind es keine Puppen mehr, es sind tatsächlich die Personen. Herodes muss zu den Worten “Ich bin sicher, es wird ein Unheil geschehen” seine Herztabletten nehmen, nicht der Henker bringt den abgeschlagenen Kopf des Propheten, nein, Salome holt ihn sich einfach selber und genießt ihren Triumph gleich mehrfach. Ihrem Stiefvater gegenüber, aber auch dem Propheten gegenüber, der so zum Werkzeug ihrer Rache an Herodes wird.

Sie nimmt den Kopf vom Rumpf einer Schaufensterpuppe und trägt ihn zu den Worten “Du wolltest mich nicht deinen Mund küssen lassen, Jochanaan! Wohl, ich werde ihn jetzt küssen!” zum Tisch und stellt ihn vor sich ab und streichelt sein Haar. Zu den schwelgenden Streicherklängen nimmt sie ihn wieder auf, drückt ihn an sich und trägt ihn herum. Schließlich stellt sie ihn auf den Boden, schleppt den leblosen Körper herbei und setzt den Kopf wieder obenauf. Während sie feststellt “Du warst so schön” zieht sie dem Geköpften die Kleider aus und bedeckt ihn mit einem schwarzen Tuch.

Ihre Erklärung für das Geschehen ist schlicht Hättest Du mich angesehen, Du hättest mich geliebt. Und das Geheimnis der Liebe ist größer als das Geheimnis des Todes.”

Auch die letzte klare Regieanweisung (Die Soldaten stürzen sich auf Salome und begraben sie unter ihren Schilden.) wird schlicht missachtet. Der Befehl des Herodes “Man töte dieses Weib! verhallt ungehört. Salome bleibt mit den anderen kleinen Mädchen um sie herum am Tisch zurück, siehe den folgenden Trailer der DOB

Der Zuschauer indessen bleibt ratlos.

Warum bildet Claus Guth diesen biblisch dramatischen Stoff ausgerechnet bei einem Herrenausstatter ab? Dazu fällt nur ein: Maßanzüge für Wohlhabende anstelle eines königlichen Palastes. Da diese Szene aber in keiner Weise weiter entwickelt wird, verkommt die Kulisse zur Beliebigkeit. Man hätte die Geschichte überall spielen lassen können. Im Gegenteil, durch den krassen Bruch beziehungsweise Widerspruch von Libretto und Bühnenbild wird die Handlung zum Teil völlig sinnentleert.

Gut beraten ist hier, wer das Libretto kennt. Das Orchester wird über weite Strecken von Dirigent Evan Rogister zu einem fff getrieben, das nahezu alle Sänger zudeckt. Wenn ein dramatischer Sopran kaum noch zu hören ist (wie der Rezensentin berichtet wurde, auf der Galerie im Grunde gar nicht mehr zu hören ist!), dann läuft etwas Grundlegendes falsch. Herodes (Burkhard Ulrich) hatte an dieser Stelle keine Chance mehr. Der Text fiel einer Einheitsdynamik zum Opfer, gewiss darf und muss es laut sein, aber doch nicht durchgängig. Dramatik vermittelt sich nicht durch sempre fortissimo, sondern durch wohldosierten Einsatz von Agogik und Dynamik. Die Rezensentin ist vom Orchester der Deutschen Oper anderes gewohnt! Gerne erinnert sie sich an die erst wenige Monate zurückliegende Elektra, die auf höchstem Niveau musiziert war und die Messlatte an Strauss-Interpretation sehr hoch gehängt hat. Wer in der Salome ähnliches erwartet hatte, wurde – zumindest an diesem Abend – enttäuscht.

So verwundert es auch nicht, dass zwar die Sänger der Hauptrollen wie Catherine Naglestad (Salome), die darstellerisch und sängerisch immerhin überzeugte, Gabriele Schnaut (Herodias), Burkhard Ulrich (Herodes) und Samuel Youn (Jochanaan) zumindest mit höflichem wenn auch nicht überschwänglichem Applaus bedacht wurden, der Dirigent Evan Rogister jedoch – wohl für das Publikum der Deutschen Oper nicht unüblich – gezielt und wiederholt ausgebuht wurde. In dieser Deutlichkeit hat die Rezensentin das selten erlebt.

Wäre nicht am 03.02.2018 ohnehin die letzte Aufführung in dieser Spielzeit – eine Empfehlung an wahre Strauss-Liebhaber könnte nicht mit Überzeugung ausgesprochen werden.

Deutsche Oper Berlin – Karten Hier
Karten Kaufen

Hannover, Staatsoper Hannover, Salome von Richard Strauss, IOCO Kritik, 28.11.2017

November 28, 2017 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Oper, StaatsOper Hannover

Staastoper Hannover.jpg

Staatsoper Hannover

Staatsoper Hannover © Marek Kruszewski

Staatsoper Hannover © Marek Kruszewski

Salome von Richard Strauss

Der Traum vom liebenden Blick

Von Hanns Butterhof

Wenn zu Beginn Salome in blauem, geschlitztem Kleid aus dem Fransenvorhang, hinter dem ihr Stiefvater Herodes ein Fest feiert, ins Licht tritt, entzieht sie sich dessen lüsternem Blick. Am Ende tritt sie in den Vorhang zurück und entzieht sich, nach seinem Befehl, sie zu töten, diesem Blick für immer. Ihr kurzer Traum, von einem anderen, liebenden Blick berührt zu werden, ist ergreifend gescheitert.

An der Staatsoper Hannover haben Regisseur Ingo Kerkhoff  und seine Bühnenbildnerin Anne Neuser für Richard Strauss’ Oper „Salome“ die Bühne fast völlig frei gelassen. Nach hinten wird sie von einem silbrigen Fransenvorhang abgeschlossen, hinter dem der lärmend feiernde Hof des Herodes liegt, dem König der Juden. Wenn Salome nach vorne kommt, senkt sich knapp hinter ihr eine goldene Wand. Dadurch wird die Aufmerksamkeit auf sie konzentriert und trefflich betont, dass alles, was dann dicht an der Rampe zwischen ihr und dem gefangenen Propheten Jochanaan geschieht, von einer anderen Welt, fast ein Traum ist.

Staatsoper Hannover / Salome - Annemarie Kramer als Salome © Thomas M. Jauk

Staatsoper Hannover / Salome – Annemarie Kramer als Salome © Thomas M. Jauk

Zu dem silbrigen Klarinettenlauf, der deutlich freundlich von Salome spricht, warnt der Page (Hanna Larissa Naujoks) davor, Menschen mit einem Blick anzusehen, der sie zu Objekten macht. Er steht mit dem verliebten Narraboth (Simon Bode) bei den Zuschauern im Rang, beide für einen abendlichen Opernbesuch angemessen gekleidet (Kostüme: Inge Medert). Es ist der dann glücklich eingelöste Hinweis darauf, dass nicht die mit der „Salome“ meistens verknüpfte sinnliche Sensation in exotischen Fernen zu erwarten ist, sondern dass es ums Hier und Jetzt geht.

Die Sensation besteht dann in der fesselnden Deutung der Oper, die in das innere Geschehen der Figuren musiktheatralisch hineinzieht, ohne groß etwas von außen an sie heranzutragen. In der kargen Inszenierung wird so vieles deutlich, was sonst im Gewitter der Regie-Geistesblitze untergeht.

 Staatsoper Hannover / Salome - hier: Annemarie Kremer als Salome und Brian Davis als Jochanaan © Thomas M. Jauk

Staatsoper Hannover / Salome – hier: Annemarie Kremer als Salome und Brian Davis als Jochanaan © Thomas M. Jauk

Annemarie Kremer, die holländische Sopranistin als Gast am Staatstheater, ist gesanglich und darstellerisch beeindruckend. Ihr kräftiger Sopran glänzt in den Höhen, angesichts der Gruft des Jochanaan taucht sie in abgründige Tiefen. Ihre Salome will heraus aus der schwülen Luft des Palastes. Sie ist begierig nach der Reinheit, die ihr der gefangene Prophet zu verkörpern scheint. Sie drängt sich ihm stürmisch auf, sinnlich an ihn heran in der einzigen Art, in der sie am Hof Liebe kennengelernt hat, und der sie eigentlich entkommen möchte. Als sie damit bei Jochanaan keinen Erfolg hat, bleibt ihr nur der verzweifelte Weg, ihn als Leiche in ihren Besitz zu bringen. Ihr Werben um den Propheten, dass er sie liebend ansehen möge, und ihr finaler Gesang mit dem blutigen Haupt entsetzen nicht nur, sondern rühren zu Tränen.

Auch der Prophet Jochanaan, dem Brian Davis eine eindrücklich menschliche Statur gibt, überzeugt mit seinem warmen und gut geführten,  triumphierenden Bariton. Sein in einen schwarzen Anzug gekleideter Jochanaan äußert sich gegenüber Salome prophetisch korrekt abwehrend, lässt sich aber doch von ihren sinnlichen Reizen, ihrem Liebeswollen ansprechen. Als er sie mit donnernder Orchesterverstärkung verflucht, ist das auch ein gegen sich selbst gerichteter Gewaltakt zur Selbstrettung.

Der Schleiertanz, mit dem Salome daraufhin dem zögernden Herodes (Robert Künzli) den Befehl abringt, Jochanaan köpfen zu lassen, ist ein überaus glücklicher Regieeinfall. Statt des von Strauss immer gefürchteten exotischen Tingeltangels beschreibt die Szene mehr die Phantasien des Herodes als den Tanz der Salome. Die steht sogar manchmal, ein Glas Wein in der Hand, beobachtend daneben, wenn ihr Stiefvater, blind vor Gier, in die Arme eines der mit Frauenkleidern locker behangenen Festgäste taumelt. Dann stachelt sie ihn wieder kurz an, selber tanzend, wenn auch vergeblich, nach ihr zu haschen.

 Staatsoper Hannover / Salome - hier Robert Künzli als Herodes Ensemble © Thomas M. Jauk

Staatsoper Hannover / Salome – hier Robert Künzli als Herodes Ensemble © Thomas M. Jauk

Nur in dieser Szene erscheint Herodes als lächerliche Figur. Sonst gibt ihm Robert Künzli überzeugend mit messerscharfem Tenor die Statur eines statusunsicheren Mannes, der posiert und sich immer größer machen möchte, als er ist. Kühl beobachtet ihn seine mit schlichter Eleganz gekleidete Frau Herodias, von Khatura Mikaberidze mit feinem Mezzosopran zurückhaltend gegeben. Nur als Herodes den Befehl zum Töten des Jochanaan ausspricht, bricht ein erleichterter Triumphschrei aus ihr heraus.

Das Ensemble bietet eine ansprechende Leistung. Vor allem gefällt Simon Bode als stimmstarker Narraboth, dessen theaterblutiger Selbstmord etwas störend naturalistisch inszeniert ist. Wie die streitenden Juden mit ihren Karnevalshütchen muss man sich unwillkürlich die Sondierungsgespräche in Berlin vorstellen.

Hannovers GMD Ivan Repušic entfaltet mit dem Niedersächsischen Staatsorchester begeisternd die gesamte Bandbreite dieser Strauss’schen Wahnsinnspartitur, von den mit graziler Feinarbeit herausgearbeiteten lyrischen Passagen bis hin zu den expressiv gewaltigen Motivballungen von krachender Größe. Dabei gelingt ihm das Kunststück, hörbar zu machen, was in den Figuren vor sich geht. Er schafft es vor allem im Schluss, im Entsetzen über Salomes schreckliche Tat vor allem auch den Schmerz und die unendliche Sehnsucht der Salome nach dem vielleicht unerreichbar reinen Blick der Liebe deutlich zu machen, dass einem fast das Herz bricht; ist es doch die Sehnsucht, die das Publikum auch als eigenen Traum kennt.

Salome an der Staatsoper Hannover: Die nächsten Termine: 1., 10., 13., und 22.12.2017, jeweils 19.30 Uhr.

 Staatsoper Hannover – Alle Karten Hier :
Karten Kaufen

 

Hannover, Staatsoper Hannover, Spielplan November 2017

Staastoper Hannover.jpg

Staatsoper Hannover 

Staatsoper Hannover © Marek Kruszewski

Staatsoper Hannover © Marek Kruszewski


Spielplan November 2017


Richard Strauss’ faszinierende Salome zeigt die Staatsoper ab 18. November in einer Neuinszenierung von Ingo Kerkhof, der an der Staatsoper u.a. mit seiner konzentrierten „Figaro“-Inszenierung bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Die musikalische Leitung hat Generalmusikdirektor Ivan Repuši?, der sich nach den Wagner- und Puccini-Premieren der vergangenen Saison damit erstmals mit einer Strauss-Oper präsentiert. – Seinen kleinen Brahms-Zyklus vollendet der Pianist Lars Vogt mit dem Mammutwerk des 1. Klavierkonzerts beim 3. Sinfoniekonzert am 26.11. Im September spielte und dirigierte Vogt das 2. Klavierkonzert in Personalunion, nun steht GMD Ivan Repuši? am Pult und hat mit César Francks Sinfonie d-Moll außerdem ein spätromantisches Werk aus Frankreich im Gepäck. – Noch dreimal zu erleben sind Stefan Adam als Holländer und Kelly God als Senta in Wagners Der fliegende Holländer. – Weitere Wiederaufnahmen des Monats beinhalten Jörg Mannes’ Henry VIII-Ballett, Donizettis Der Liebestrank, Puccinis Manon Lescaut und Rossinis Wilhelm Tell (konzertant, unter der Leitung von Alessandro De Marchi). In der Jungen Oper sind weiterhin im Repertoire der Club Figaro (ab 13), Das Märchen vom Märchen im Märchen (ab 5) sowie der Dauerbrenner Oh, wie schön ist Panama (ab 5). – Gleich zweimal dürfen sich sangesfreudige Besucher beim Publikumskonzert ausprobieren (1.11. und 29.11.). – „Spielen erlaubt!“ heißt es beim 1. Kinderkonzert, wenn Vampir Heini Regelbrüche in der Musik erkundet. – Das 2. Kammerkonzert – wieder am neuen Ort, dem Niedersächsischen Landesmuseum – bestreitet die stellvertretende Solocellistin Christine Balke mit ihrer Duopartnerin Maria Lagutina und Werken von Brahms, Grieg und Schostakowitsch. Die Eintrittskarte berechtigt auch zum Museumsbesuch am 12.11.


PREMIERE OPER


SALOME
OPER VON RICHARD STRAUSS
DRAMA IN EINEM AKT (1905)
TEXT VOM KOMPONISTEN NACH DEM DRAMA »SALOMÉ« VON OSCAR WILDE IN DER ÜBERSETZUNG VON HEDWIG LACHMANN
PREMIERE SA, 18.11.17, 19:30 UHR

Vamp, femme fatale, erotisches Monstrum – solche Klischees bestimmen bis heute das Bild der Salome. Als Ziel moralischer und religiöser Entrüstung und als Objekt der Begierde gleichermaßen, hat es die judäische Königstochter zu einer Prominenz gebracht, die sich in den künstlerischen Gestaltungen ihrer Geschichte über die Jahrhunderte widerspiegelt. Aber erst durch Oscar Wildes 1892 entstandenen Einakter wurde die Prinzessin zur Symbolgestalt eines morbiden und nach Schönheit und Luxus gierenden »Fin de siecle«.

Nach seinen zwei Opernerstlingen gelang Richard Strauss mit Salome der große Wurf, mit dem er Theatergeschichte geschrieben hat. Die Musik liefert ein Psychogramm der Bühnenfiguren; das eigentliche Drama vollzieht sich im Inneren dieser Figuren. Denn ungeachtet des üppigen Orchesterklangs ist Strauss’ Salome kein Werk oberflächlicher orientalischer Prachtentfaltung und bunter Exotismen. In einem der vielleicht am meisten missverstandenen Werken der Operngeschichte gilt es, das innere Drama der jungen Prinzessin, die aus einer deformierten Welt ausbrechen will, an die sie letztlich doch gekettet ist, neu zu entdecken.

MUSIKALISCHE LEITUNG Ivan Repuši? INSZENIERUNG Ingo Kerkhof BÜHNE Anne Neuser KOSTÜME Inge Medert CHOREOGRAPHIE Mathias Brühlmann LICHT Elana Siberski DRAMATURGIE Klaus Angermann

SALOME Annemarie Kremer HERODES Robert Künzli HERODIAS Khatuna Mikaberidze JOCHANAAN Brian Davis NARRABOTH Simon Bode PAGE Hanna Larissa Naujoks/Josy Santos u.a.

Niedersächsisches Staatsorchester Hannover

 


REPERTOIRE OPER UND BALLETT


DER FLIEGENDE HOLLÄNDER

Der Holländer hat sich einst in die Stürme geworfen und das Schicksal, die Natur und Gott herausgefordert. Der Lohn für seine Hybris ist ein Fluch, der es ihm nur noch alle sieben Jahre gestattet, an Land zu gehen. Nur eine Frau, die einen Schwur auf ewige Treue einlösen kann, vermag ihn davon zu befreien. Könnte Senta die Erlösung des Holländers sein? Obsessiv träumt sich Senta einen Mann wie den Holländer herbei – einen Mann, wie es der Jäger Erik niemals sein kann. Und tatsächlich: als sich der Holländer und Senta begegnen, tritt zum ersten Mal Stille in die Herzen der beiden Suchenden. Doch ist es der stille Einklang zweier Herzen, die ihre Bestimmung gefunden haben – oder die dräuende Stille im Auge des Sturms, dem Unheil folgen wird? »Mensch gegen Natur, Bernd Mottl stellt das große Ganze in den Mittelpunkt.« Neue Presse

VORSTELLUNGEN AM 05.11., 14.11. UND ZUM LETZTEN MAL IN DIESER SPIELZEIT AM 23.11.17


HENRY VIII

Als König Heinrich der Achte von England mit 55 Jahren stirbt, ist er ein kranker, fettleibiger Despot. Der ehemals glänzende Hoffnungsträger entwickelt sich zum Schrecken seines Volkes: Zehntausende werden durch ihn zum Tode verurteilt – darunter zwei seiner sechs Ehefrauen. Seinem lang ersehnten Thronerben Edward hinterlässt Henry ein ausgeblutetes Land und leere Staatskassen. Jörg Mannes rückt die imposante Gestalt dieser historischen Figur ins Zentrum seines Balletts. Mark Polscher hat für Henry VIII eigens einen Klangraum für Orchester und Elektronische Musik geschaffen. Die Komposition erklingt gemeinsam mit Werken von Edward Elgar und Johann Sebastian Bach. »Wunderbar verdeutlicht Mannes in seiner Choreographie die Beziehungen Henrys zu seinen Frauen.« HAZ

VORSTELLUNGEN AM 03.11., 11.11. UND ZUM LETZTEN MAL AM 19.11.17

GRANDBROTHERS, FOTO: TONJE-THILESEN


DER LIEBESTRANK

Nemorino verzehrt sich nach Adina, die ihn jedoch nicht ernst nimmt. Wie gut, dass Dulcamara einen Liebestrank für derartige hoffnungslose Fälle im Sortiment hat. Der feste Glaube an die baldige Wirkung des Tranks steigert Nemorinos Selbstbewusstsein, was wiederum Adina ärgert. Aus Trotz entschließt sie sich zur Hochzeit mit dem Soldaten Belcore. Um eine weitere Flasche des wundertätigen Elixiers kaufen zu können, lässt sich Nemorino von Belcore als Soldat anwerben. Erst als Adina hiervon erfährt, erkennt sie die Aufrichtigkeit von Nemorinos Gefühlen. »So macht Belcanto Spaß!« Neue Presse

VORSTELLUNGEN AM 16.11. UND 25.11.17


MANON LESCAUT

Im Mittelpunkt von Puccinis erstem Welterfolg steht die fatale Liebesbeziehung zwischen dem Adeligen Des Grieux und der jungen Manon Lescaut. Der Zwiespalt zwischen der Sehnsucht nach Liebe und den Vorzügen eines Lebens im Luxus wird Manon zum Verhängnis. Mit Manon Lescaut gelang Puccini der internationale Durchbruch. »Ein nicht nur musikalisch hinreißender Abend, der beweist, dass spannende und emotional packende Personenregie nicht nur möglich ist, sondern optisch genussvoll zum Nachdenken anregen kann.« Online Musik Magazin

VORSTELLUNGEN AM 04.11., 10.11. UND 24.11.17


WILHELM TELL

Im Stile einer Grand opéra mit prachtvollen Chören präsentiert Rossini den Befreiungsschlag der Schweizer gegen die habsburgischen Besatzer, der zur Gründung der Schweizer Eidgenossenschaft führte. Die Tell-Legende wird verknüpft mit der unglücklichen Liebe zwischen dem Schweizer Arnold und der habsburgischen Prinzessin Mathilde. Das berühmte Geschehen rund um Rütlischwur und Apfelschuss entfaltet Rossini in einem musikalisch eindrucksvollen Naturidyll. Für die konzertante Aufführungsserie konnte Alessandro De Marchi gewonnen werden – renommierter Spezialist für die Musik des 18. und frühen 19. Jahrhunderts.

VORSTELLUNGEN AM 12.11. UND 17.11.17

 


REPERTOIRE JUNGE OPER


CLUB FIGARO, AB 13 JAHREN

Mittendrin ist man im »Club Figaro« – frei von der Aufsicht durch Eltern, Lehrer und sonstige Aufpasser. Sein, wer man ist, sich treffen, mit wem man will, Freundschaften pflegen und neue Kontakte knüpfen – all das kann man hier. Mittendrin ist auch Cherubino – und zwar mitten auf der Suche nach Antworten auf die Fragen, wohin man gehört, wohin die Zukunft führen wird. Wie weit geht man, um dazu zu gehören? Musikalisch heißt das: Mozart trifft Band trifft Club-Musik – eine Synthese, die ebenso verrückt sein kann, wie der legendäre Komponist selbst.

VORSTELLUNGEN AM 03.11., 10.11., 14.11., 19.11. UND 24.11.17


DAS MÄRCHEN VOM MÄRCHEN IM MÄRCHEN, AB 5 JAHREN

Nachdem er seine Mutter verloren hat, muss der kleine Mahmut für sich selbst sorgen. Bei einer Reihe von Abenteuern steht ihm ein Glücksvogel bei und wendet alles zum Guten. Auf poetische Weise führt die Geschichte nach Kemal Kurt den jungen Helden durch vier Episoden, in denen der kleine Waisenjunge seine schmerzvollen Erfahrungen zu bewältigen lernt und seinen Platz innerhalb der Gesellschaft findet. Traditionelle türkische Lieder reichern die Handlung an, in den farbenprächtigen Kostümen finden sich Anklänge an den orientalischen Kontext des Märchens. »Toll: Deutsche, türkische oder sonst woher stammende Kinder versanken gemeinsam in dem Märchen vom Märchen, bei dem Sprachbarrieren keine Rolle spielen.« Neue Presse

VORSTELLUNGEN AM 09.11., 12.11., 13.11. UND 21.11.17


OH, WIE SCHÖN IST PANAMA, AB 5 JAHREN

Auf der Suche nach Panama brechen Bär und Tiger zu einer philosophischen Reise auf und erkennen am Ende: Auch wer im Kreis gelaufen ist, kommt doch anders und auch anderswo an, als er losgelaufen ist. Die spielerisch-poetische Musik schuf der junge Komponist Stefan Johannes Hanke (Der Teufel mit den drei goldenen Haaren) als Auftragswerk der Staatsoper. »Librettistin Dorothea Hartmann hat aus Janoschs tiefgründiger Bildergeschichte eine temporeiche Story gemacht.« HAZ

VORSTELLUNG AM 16.11.17


3. SINFONIEKONZERT
JOHANNES BRAHMS Klavierkonzert Nr. 1 d-Moll op. 15 (1854 – 57)
CÉSAR FRANCK Sinfonie d-Moll (1887 / 88)

Die Tonart d-Moll verbindet die beiden Werke dieses Konzertprogramms, denen bei ihren Uraufführungen wenig Glück beschieden war: Wie das 1. Klavierkonzert von Johannes Brahms 1859 in Hannover auf Unverständnis stieß, bereitete die Sinfonie César Francks 30 Jahre später in Paris den Hörern gravierende Schwierigkeiten. Brahms’ Konzert irritierte mit sinfonischen Ausmaßen und einer engen Verzahnung von Klavier- und Orchestersatz; statt vordergründiger Virtuosität herrscht dramatischer Furor und sensible Innerlichkeit. Wuchtig entlädt sich der titanische Kopfsatz mit einer Direktheit, die die komplizierte Entstehung zu verleugnen scheint. Zunächst als Sonate für zwei Klaviere konzipiert, dann als Ausgangspunkt für eine Sinfonie gedacht, entwickelte sich das Werk über drei Jahre zu Brahms’ erstem Werk mit Orchester überhaupt.

Francks Zeitgenossen haderten mit dessen Bemühungen um eine neue, sehr persönliche Auslotung der sinfonischen Formschemata, mit seiner Vielfalt an Motiven und komplexen Kontrapunktik. Für jüngere französische Komponisten wie Ernest Chausson, Vincent d’Indy oder Franck-Schüler Claude Debussy sollte jedoch gerade diese Sinfonie mit ihrer weit in die Zukunft weisenden Harmonik eines der einflussreichen Werke ihrer Zeit werden.

Niedersächsisches Staatsorchester Hannover
SOLIST Lars Vogt (Klavier) DIRIGENT Ivan Repuši?
SO, 26.11.17, 17:00 UHR
MO, 27.11.17, 19:30 UHR
Einführung mit Ivan Repuši? jeweils 45 Minuten vor dem Konzert


1. KINDERKONZERT »SPIELEN ERLAUBT!«
ÜBER ZUFALL UND MUSIKALISCHE REGELN

Kinder spielen gerne, das ist klar. Musiker spielen auch. Und für beides braucht man Regeln, oder? Welche Spielregeln gelten in der Musik, und was passiert, wenn man sich nicht daran hält? Heini, der kleine Vampir, macht sich auf die Spurensuche durch 300 Jahre Musikgeschichte von Johann Sebastian Bach bis John Cage. Dabei begegnet er Naturgesetzen wie dem Echo und menschlichen Erfindungen wie Kanon und Kontrapunkt, immer auf der Fährte musikalischer Gesetze und Regelbrüche.

MIT Heini, dem kleinen Vampir (Britt Wolfgramm / Eva Spilker), Mareike Morr (Mezzosopran)
Niedersächsisches Staatsorchester Hannover
DIRIGENT Siegmund Weinmeister
SO, 05.11.17, MO, 06.11.17 UND DI, 14.11.17, JEWEILS 11:00 UHR


2. KAMMERKONZERT: CELLO UND KLAVIER
JOHANNES BRAHMS Cellosonate D-Dur op. 78 (1879 / 97)
DMITRI SCHOSTAKOWITSCH Cellosonate op. 40 (1934)
EDVARD GRIEG Cellosonate a-Moll op. 36 (1882 / 83)

Beim 2. Kammerkonzert im Landesmuseum präsentiert die stellvertretende Solocellistin Christine Balke mit ihrer Duopartnerin Maria Lagutina ein gewichtiges Sonatenprogramm. Handelt es sich bei Brahms’ op. 78 ursprünglich um eine Violinsonate, die der Leipziger Musiker Paul Klengel für seinen Bruder, den berühmten Cellisten Julius Klengel, transkribierte, sind die beiden anderen Werke Originalkompositionen. Edvard Grieg belebt die strenge Struktur der Sonatenform mit schwelgerischer Romantik; Dmitri Schostakowitsch verbindet russisches Kolorit mit karikierender Groteske.

MIT Christine Balke (Violoncello) und Maria Lagutina (Klavier)
SO, 12.11.17, 11:00 UHR
VORTRAGSSAAL DES NDS. LANDESMUSEUMS HANNOVER


OPER EXTRA


OLAF ROTHS OPERETTENPARADIES – REISE NACH ITALIEN

An drei Terminen pro Spielzeit begrüßt Olaf Roth, Pressesprecher der Staatsoper Hannover, das Publikum im Operettenparadies im Marschner-Saal. Bei Kaffee und Kuchen begeben sich die Zuschauer diesmal auf eine Reise nach Italien und machen zunächst Bekanntschaft mit einem Renaissancedichter, der die erotischen Schwänke, die er schrieb, am liebsten erst einmal selbst erlebte. Dann stellt sich ein Teufelsgeiger vor, dem man nur ungern widersprechen möchte, wenn er von sich sagt: »Gern hab’ ich die Frau’n geküsst«. Ensemblemitglieder der Staatsoper Hannover präsentieren Ausschnitte aus Operetten von Franz von Suppé (Boccaccio) und Franz Lehár (Paganini).

SA, 04.11.17, 15:00 UHR, MARSCHNER-SAAL


PUBLIKUMSCHÖRE ZU »WEST SIDE STORY« UND »SALOME«

Gleich zweimal lädt die Staatsoper Hannover im November zum Mitsingen ein. Bei den Publikumschor-Terminen rund um die Premieren von West Side Story und Salome könnten die Themen und Gäste kaum unterschiedlicher sein. Während Stella Motina, Darstellerin der Maria in Bernsteins Musical und neues Ensemblemitglied, mit dem Publikumschor Stücke rund um das Thema »Wenn zwei sich lieben« anstimmt, musiziert Tenor Robert Künzli mit ihm »Im Elfenbeinturm«. Welche Werke sich genau dahinter verbergen, erfährt das Publikum wie immer erst am Abend selbst. Aber eins ist gewiss: Ein Stück aus der jeweiligen Produktion ist sicher dabei!

MI, 01.11.17 UND MI, 29.11.17, JEWEILS 19:00 UHR

Pressemeldung Staatsoper Hanover

 Staatsoper Hannover – Alle Karten Hier :
Karten Kaufen

Nächste Seite »