Münster, Theater Münster, Spielplan 2018/19: Oper, Schauspiel, Tanz, Konzert, IOCO Aktuell, 11.03.2018

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Theater Münster

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Theater Münster © Rüdiger Wölk

 Theater Münster präsentiert den Spielplan für 2018/19

Mozart muss man singen können

Von Hanns Butterhof

Nach einem kurzen, zufriedenen Rückblick auf die noch laufende Spielzeit haben Generalintendant Dr. Ulrich Peters und das Leitungsteam des Theater Münster das vielseitige Programm der neuen Spielzeit 2018/19 vorgestellt.

Am Beginn einer Jahrespressekonferenz lobt man sich gerne selber für das Geleistete, und da macht auch Peters keine Ausnahme. Er verweist auf über 700 Vorstellungen der Spielzeit mit einer Gesamt-Auslastung von 77 %. Die Renner waren im Tanztheater Hans Henning Paars Romeo und Julia mit 99 %, im Schauspiel Bert Brechts Johanna der Schlachthöfe und im Musiktheater Carl Maria von Webers Freischütz mit 72 %. Offenbar stimmt die Mischung des Programmangebots, denn so soll es auch in der kommenden Spielzeit weitergehen.

Theater Münster / Das Leitungsteam - stehend v. l. Frank Behnke, Rita Feldmann, Intendant Dr. Ulrich Peters, Golo Berg, sitzend v. l. Hans Henning Paar, Susanne Ablaß, Frank Röpke © Hanns Butterhof

Theater Münster / Das Leitungsteam – stehend v. l. Frank Behnke, Rita Feldmann, Intendant Dr. Ulrich Peters, Golo Berg, sitzend v. l. Hans Henning Paar, Susanne Ablaß, Frank Röpke © Hanns Butterhof

Ohne übergreifendes Motto kommt das Musiktheater aus. Das Programm wird hauptsächlich dadurch bestimmt, welche Sängerinnen und Sänger mit welchen Fähigkeiten am Haus zur Verfügung stehen. Unverzichtbar sei allerdings Mozart, nicht nur als Favorit des Publikums, sondern weil man Mozart singen können muss, diese Schule des Gesangs, unverzichtbar für Stimmhygiene, wie Peters schwärmt. Also diesmal „Die Entführung aus den Serail“, dazu Puccinis „Madama Butterfly“, Händels Oratorium „Saul“ und Prokofjews „Die Liebe zu den drei Orangen“, zusammen mit dem Musical „Sugar“ von Jule Styne nach „Manche mögen’s heiß“, das Peters inszenieren wird, eine sichere Bank. Für die Überraschungen stehen die wenig bekannte Oper „Street Scene“ von Kurt Weill und die Mono-Oper „Das Tagebuch der Anne Frank“ von Grigori Frid.

Schauspieldirektor Frank Behnke lenkt in seinem Programm den Blick auf Ego-Monster, Machtmenschen und Tyrannen. Alle drei Merkmale treffen bei „Caligula“ von Albert Camus zu, bei Friedrich Schillers „Wilhelm Tell“ – nach dem Krieg nie in Münster gespielt – kann die Zuordnung spannend werden. Zum Ego-Monster-Motto versprechen Patrick Marbers Komödie „Don Juan“ nach Molière und Lot Vekemans „Judas“ zu passen. Leo Tolstois „Anna Karenina“ ist ein Monsterroman; ihn zum Schauspiel umzustricken folgt einem unguten, das Drama von den Bühnen zurückdrängenden Trend, zu dem auch die Übernahme von Filmstoffen gehört wie von Ernst Lubitschs „Sein oder nicht Sein“..

Behnke versteht das Schauspiel betont politisch, eingreifend. Es dürfte interessant werden, zu sehen, inwieweit „politisch“ mehr bedeutet, als Gesinnung mit dem Kunstsiegel zu versehen, und mehr, als nur zu inszenieren, was das Publikum sowieso schon weiß.

Der künstlerische Leiter des Tanztheaters, Hans Henning Paar, wagt sich mit seinem Stück „Unknown Territories“ an weit die Sparten Übergreifendes: Tanz, Schauspiel und Musiktheater wirken in nicht ganz unbekanntem Land zusammen. Desgleichen bei dem Stück „Eine Winterreise“, bei dem zu einer von Hans Zander für Tenor und Kammerorchester komponierten Fassung von Franz Schuberts „Winterreise“ getanzt wird. Als Gastchoreographin wird Lenka Vagnerová den Tanzabend „And Then There Were None“ zum Programm beisteuern.

Für sein Konzertprogramm erwartet GMD Golo Berg ein „open minded“ Publikum. Wieder will er neben dem klassisch-romantischen Programm Komponisten aus Münster zu Gehör bringen. Vor allem möchte er an Fritz Volbach erinnern, der vor genau hundert Jahren das Münsteraner Symphonie-Orchester gegründet hat. Auch Julius Otto Grimm und Franz Bohner, zwei Komponisten-Freunde Brahms‘, stehen im Programm der Sinfoniekonzerte, wie Andreas Romberg ausdrücklich nicht aus lokalpatriotischen Gründen, sondern wegen ihrer ausgesprochen guten Musik, wie Berg betont.

Im Kinder- und Jugendtheater, für das sich mit Frank Röpke ein neuer Leiter vorstellt, wird Hausherr Peters als seine zweite Regie Astrid Lindgrens Kinderklassiker „Kalle Blomquist“ inszenieren.  Das Münsteraner Publikum darf sich auf eine interessante, vielseitige Spielzeit 2018/19 freuen.

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Baden Baden, Festspielhaus, Weihnachtsgastspiel – Mariinsky Balletts, 21. bis 27.12.2017

November 24, 2017 by  
Filed under Ballett, Festspielhaus Baden-Baden, Pressemeldung

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Festspielhaus Baden – Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

Mariinsky Ballett  im  Festspielhaus

21. bis 27. Dezember 2017

Das Mariinsky Ballett tanzt über die Weihnachtstage im Festspielhaus Baden-Baden. Erstmals wird in Baden-Baden dann das Ballett Paquita von Marius Petipa in einer Rekonstruktion zu sehen sein. Das Orchester des Mariinsky Theaters begleitet daneben auch die Ballette Romeo und Julia sowie Der Nussknacker live. Üppige Ausstattungen, historische Kostüme: zu Weihnachten werden Ballett-Träume in Baden-Baden wahr. Über 200 Künstlerinnen und Künstler reisen am 19.12. an. Die Vorstellungen sind vom 21. bis 27.12. zu sehen.

Festspielhaus Baden -Baden / Der Nussknacker - Das Mariinsky Ballett © Natasha Razina.

Festspielhaus Baden -Baden / Der Nussknacker – Das Mariinsky Ballett © Natasha Razina.

Liebe auf Zehenspitzen
Das Mariinsky Ballett kommt mit großen russischen Handlungsballetten wie Der Nussknacker, Romeo und Julia und Paquita über Weihnachten ins Festspielhaus Baden-Baden. Begleitet wird die Compagnie live vom Orchester des Mariinsky Theaters.

Zu Weihnachten 2017 wird ein weiteres Kapitel einer langen Partnerschaft zwischen dem weltbekannten Ballett aus St. Petersburg und dem Festspielhaus an der Oos geschrieben. Tanz-Fans aus aller Welt reisen vom 21. bis 27. Dezember an, um die „Russische Saison“  im winterlichen Schwarzwald zu genießen. Die Wiederentdeckung „Paquita“ gilt dabei als der Geheimtipp der Saison.

Begleitet wird das Gastspiel vom Orchester des Mariinsky Theaters, was für den besonderen Glanz dieser in großen historischen Bühnenbildern schwelgenden Aufführungen sorgt.

Festspielhaus Baden -Baden / Romeo und Julia - Das Mariinsky Ballett © Natasha Razina

Festspielhaus Baden -Baden / Romeo und Julia – Das Mariinsky Ballett © Natasha Razina

Die reine Lehre
In Sachen Spitzentanz wird in St. Petersburg die reine Lehre gepflegt. Von der Pike auf trainieren Jungen und Mädchen noch immer das klassische russische Ballett, das seit seiner Blütezeit um 1900 zu den meist geschätzten Kulturgütern des Landes zählt.

Egal, ob die Schneeflocken in Der Nussknacker tanzen oder Romeo und Julia innig verschlungen niedersinken: Grundlage ist noch immer, was an Eliteschulen wie der Waganowa-Akademie wie vor 100 Jahren unterrichtet wird – präzise Technik, gepaart mit einem Ausdruck, der bis in die letzten Reihen der größten Theatersäle der Welt verstanden wird.


Paquita


Festspielhaus Baden -Baden / Paquita - Das Mariinsky Ballett © Natasha Razina.

Festspielhaus Baden -Baden / Paquita – Das Mariinsky Ballett © Natasha Razina.

Wiederentdeckung „Paquita“
Seit 1999 kommt das Mariinsky Ballett nun regelmäßig nach Baden-Baden. Um die Weihnachtszeit stehen dann die abendfüllenden Klassiker auf dem Programm. Festspielhaus-Intendant Andreas Mölich-Zebhauser und Mariinsky-Ballett-Chef Yuri Fateev vereinbaren dazu für jedes Jahr ein Stück, das in Baden-Baden noch nicht zu sehen war. 2017 heißt dieses Stück „Paquita“ (23./27.12. 2017,19 Uhr) und wurde von St. Petersburgs Ballett-Ikone Marius Petipa geschaffen. Er ist der Vater solcher Ballette wie „Schwanensee“ und „Der Nussknacker“ – seine Choreografien werden daher gehegt und gepflegt.

Die Geschichte von Paquita ist die ewige Geschichte vom Aschenputtel, das seinen Prinzen findet. Paquita wurde als Kind entführt und spürt deshalb bei all ihrem Liebreiz eine ständige Leere im Herzen. Aufgewachsen ist sie beim fahrenden Volk und verliebt sich nun in einen schmucken, unerreichbaren Adligen: Als Film wäre das die schönste Hollywood-Romanze. Ein Aschenputtel, das gerne tanzt, ein rätselhaftes Medaillon, eine politische Intrige – schon im 19. Jahrhundert erzählten sich die Menschen die gleichen Geschichten wie heute, damals machten sie eben prunkvolle, teure Ballette daraus.


Der Nussknacker


Festspielhaus Baden -Baden / Der Nussknacker - Das Mariinsky Ballett © Natasha Razina

Festspielhaus Baden -Baden / Der Nussknacker – Das Mariinsky Ballett © Natasha Razina

Märchenhaftes Konfitürenburg
Unverändert märchenhaft ist „Der Nussknacker“ (25./26.12.2017, 18/14/19 Uhr), den Marius Petipa zur Musik von Peter I. Tschaikowsky schuf. Nur das Bühnenbild wurde in den 1930er Jahren erneuert, und so sieht das noch immer faszinierte Publikum durch diesen „Nussknacker“ noch immer das Original hindurchblinzeln. Die große Weihnachtsszene zu Beginn ist ebenso verträumt entrückt wie der märchenhafte Tanz der Schneeflocken im berühmten „Weißen Akt“. Und wenn Klara und ihr Prinz nach Konfitürenburg einziehen, ist die Märchen-Herrlichkeit perfekt.


Romeo und Julia


Festspielhaus Baden -Baden /Romeo und Julia - Das Mariinsky Ballett © Natasha Razina

Festspielhaus Baden -Baden / Romeo und Julia – Das Mariinsky Ballett © Natasha Razina

Shakespeare ohne Worte
Sergej Prokofjew komponierte seine Ballettmusik zu „Romeo und Julia“ 1935/1936 eigentlich als Schauspielmusik. In Leningrad (St. Petersburg) nutzte man diese Musik jedoch, um ein Ballett zu produzieren, das noch heute unverändert auf dem Spielplan steht und zu den besten Ballettproduktionen weltweit gehört.

Shakespeares Liebesdrama wird in mächtigen Bildern und ausdrucksstarken Pas de deux erzählt – wenngleich der Tanz jedes Wort überflüssig macht. Ballett in historisch-imposanter Ausstattung, das große Orchester des Mariinsky Theaters und ein über 80-köpfiges Corps des Ballet – das Mariinsky Ballett beschert uns üppige Ballett-Weihnachten in Baden-Baden.

Pressemeldung Festspielhaus Baden-Baden

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Münster, Theater Münster, 2017/18 – Bekenntnis zum Unterhaltungstheater, IOCO Aktuell, 06.03.2017

März 7, 2017 by  
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Theater Münster

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Theater Münster: Pressekonferenz  zur Spielzeit 2017/18
Bekenntnis zum Unterhaltungs-Theater

Von Hanns Butterhof

Zufrieden mit der Auslastung des Theaters Münster mit über 200.000 Besuchern in der laufenden Spielzeit zeigte sich Generalintendant Dr. Ulrich Peters auf seiner inzwischen 6. Jahrespressekonferenz. Er positionierte sich ausdrücklich für ein Unterhaltungstheater, wobei er „Unterhaltung“ als Interesse am Stück, nicht als Spaß an flachem Klamauk verstanden wissen will, obwohl manche Inszenierung unter seiner Intendanz einen starken Zug in diese Richtung aufwies.

Theater Münster / Leitung : Dr. Ulrich Peters, Julia Dina Heße, Frank Behnke, Golo Berg, Rita Feldmann, Susanne Ablaß, Hans Henning Paar © Hanns Butterhof

Theater Münster / Leitung : Dr. Ulrich Peters, Julia Dina Heße, Frank Behnke, Golo Berg, Rita Feldmann, Susanne Ablaß, Hans Henning Paar © Hanns Butterhof

Für die kommende Spielzeit 2017/18 gibt es kein übergreifendes Thema, aber an manchen Stellen eine thematische Verklammerung in den Sparten Schauspiel, Musik- und Tanztheater. Vor allem im Schauspiel soll auf aktuelle politische Entwicklungen reagiert werden; Schauspieldirektor Frank Behnke sieht den Künstler in einer besonderen Verantwortung.

Das Musiktheater bietet eine ansprechende Mischung aus großklassischen Opern wie Mozarts „Don Giovanni“ und Verdis „Don Carlo“ und ausgefalleneren Werken wie Peter Eötvös‘ „Angels in America“ und der Rock-Oper „Everyman“ von Günter Werno, Andy Kuntz und Stephan Lill nach Hugo von Hoffmannsthals Schauspiel „Jedermann“, in der die Metal-Band „Vanden Plas“ mit dem Sinfonieorchester für den rechten Sound sorgen soll. Jules Massenets Märchenoper „Cendrillon“ (Aschenputtel) wird ebenso Zuspruch finden wie Emmerich Kálmáns Operette „Csárdásfürstin“, mit der die Intendanz die Abonnenten mit den angehobenen Abonnementspreisen aussöhnen möchte.

Johann Wolfgang von Goethe © IOCO

Johann Wolfgang von Goethe © IOCO

Frank Behnke stellt für das Schauspiel 13 neue Stücke in Aussicht, beginnend mit dem, wie er sagt, „wütenden politischen Text“ Falk Richters „Je suis Fassbinder“. Eine thematische Verklammerung mit der Eötvös-Oper gibt es mit Shakespeares „Der Kaufmann von Venedig“ und Max Frischs „Andorra“, in denen es auch um den Umgang mit Minderheiten geht. Ein Widerschein davon findet sich in Tennessee Williams‘ Stück „Die Katze auf dem heißen Blechdach“, in dem auch darüber räsoniert wird, dass es besser gewesen wäre, Toleranz statt Baumwolle anzubauen.

Jubiläen geben Anlass zurückzublicken: mit „Heldenangst“ nach dem Roman von Gabriel Chevallier wird an 100 Jahre Ende des Ersten Weltkriegs, mit dem Live-Konzert „Das Weiße Album“ nach dem Album der Beatles an 50 Jahre 1968 erinnert.

Von alledem soll eine gewisse Frische ausgehen, vor allem von dem Schauspiel „Die Leiden des jungen Werther“ nach dem Briefroman, der Goethe den literarischen Durchbruch brachte, aber sicher auch von den Komödien „Ich bin wie Ihr, ich liebe Äpfel“ von Theresia Walser und „Amphitryon“ von Heinrich von Kleist. Auf die Schauspiele „Falsch“ von Lot Vekemans und „Die Wiedervereinigung der beiden Koreas“ von Joël Pommerat, einem Beziehungsreigen, in dem Korea keine Rolle spielt, darf man gespannt sein.

Abstrakter Tanz – Tanzgeschichte im Fokus

Theater Münster / Leitung : Hans Henning Paar © Hanns Butterhof

Theater Münster / Leitung : Hans Henning Paar © Hanns Butterhof

Der Leiter des TanzTheaterMünster, Hans Henning Paar, überrascht mit der Absicht, mehr in Richtung abstrakter Tanz zu gehen, auch nach der Geschichte und möglichen Entwicklung des Tanzes zu fragen. Das Markenzeichen des Choreographen, dessen Vertrag kürzlich bis zum Ende der Spielzeit 2021/22 verlängert wurde, ist bislang ein athletisches Handlungsballett; seine Fassung von „Romeo und Julia“ ist im Großen Haus beständig ausverkauft. In der nächsten Spielzeit soll in einem Tanzabend, ebenfalls im Großen Haus, mit „Bach, immortalis“ zu live aufspielendem Sinfonieorchester das Wesen des Menschen zur Tanz-Sprache kommen. Auch örtlich eine Nummer kleiner, im Kleinen Haus, will Paar mit „True Romance“ (für wen sind eigentlich diese prätentiös fremdsprachigen Titel gedacht?) darauf Antwort geben, was Romantik heute noch ist oder sein könnte. Als Gastchoreographen der kommenden Spielzeit überlässt Paar sein Ensemble James Wilton für „Hold On“, ein Stück, in dem es um das Zusammenleben/-können geht.

Künftiger GMD Golo Berg stellt sich mit erstem Programm vor

Theater Münster / Golo Berg © Hanns Butterhof

Theater Münster / Golo Berg © Hanns Butterhof

Sehr sympathisch unabgehoben bringt sich der künftige Generalmusikdirektor Golo Berg auch in sein Programm ein. Der 1968 in Weimar geborene Dirigent stellt sich in Münster beim 1. Sinfoniekonzert mit Dimitri Schostakowitschs 6. Sinfonie vor und schlägt damit einen Bogen vom Stalinschen Terror zur Zeit der Komposition 1939 zu seinem eigenen Aufwachsen in der DDR – über diese Statement darf man ruhig nachdenken. Unter dem Gesichtspunkt der thematischen Verklammerung, an das Ende des I. Weltkriegs zu erinnern, steht das 4. Konzert Gustav Holsts „Mars, The Bringer of War“, zusammen mit Edward Elgars Konzert für Violoncello e-Moll, op. 85 und Carl Nielsens Sinfonie Nr.4, op. 29, „Das Unauslöschliche“ im Programm; auf Péter Eötvös‘ Oper bezieht sich im 9. Sinfoniekonzert dessen Konzert für Violine und Orchester „Sven“, das den Tod der sieben Astronauten in der Columbia-Raumfähre 2003 verarbeitet. Dazu sind „Engelsmusiken“, wie Berg sie nennt, zu hören: Johann Sebastian Bachs Kantate „Ach Gott, vom Himmel sieh darein“ und Josef Suks Sinfonie Nr. 2 c-Moll op.27, „Asrael“.

Im 5. Sinfoniekonzert wird mit Bernhard Rombergs Konzert für Flöte und Orchester h-Moll op. 30 ein Münsteraner Komponist zu hören sein. Berg beabsichtigt, seine Aufmerksamkeit auf das Münsteraner musikalische Schaffen zu richten und in den kommenden Jahren in jedem Konzert einen Komponisten aus Münster vorzustellen, eine sehr freundliche bodenständige Geste an sein westfälisches Publikum mit hohem Überraschungspotenzial.

Für das Kinder- und Jugendtheater berichtet Julia Dina Heße von erfolgreichen Gastspielen in Asien; die sind dadurch möglich, dass die Kinderstücke mit Bewegung und Bildern, nicht mit Worten arbeiten und so überall verstanden werden können. Musiktheater-Projekte und Schauspiele wie selbst „1984“ nach George Orwell ergeben ein ansprechendes Programm, so dass die Sparte berechtigte Aussicht hat, weiter zu wachsen. Mit einem Familienstück, dem Märchen „König Drosselbart“, kommt das Kinder- und Jugendtheater sogar ins Große Haus.

Dem ambitionierten Spielplan für 2017/18 ist eine im Sinne Peters unterhaltsame Umsetzung zu wünschen.

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München, Bayerisches Staatsballett, Gezeitenwechsel: Von Ivan Liska zu Igor Zelensky, IOCO Aktuell, 17.11.2016

November 18, 2016 by  
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Bayerische Staatsoper München

Bayerische Staatsoper München Foto: © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper München Foto: © Wilfried Hösl

 Bayerisches Staatsballett: Romantik – Klassik – Moderne

Bayerische Staatsoper / Bayerisches Staatsballett - La Bayadere - Schattenakt © Charles Tandy

Bayerische Staatsoper / Bayerisches Staatsballett – La Bayadere – Schattenakt © Charles Tandy

Gezeitenwechsel:   Von Ivan Liska zu Igor Zelensky
  Zuspruch:   Über 90% Auslastung

Das Bayerische Staatsballett ist ein aufregendes kosmopolitisches Ensemble mit 69 Tänzern aus rund 21 Nationen, die in großen Tanz immer wieder eigene Tradition und Kultur einbringen. Kontinuität nicht allein mit künstlerischem aber auch wirtschaftlichem Weitblick sind die Paradigmen, welche das Bayerische Staatsballett zu einer führenden Institution in der europäischen Kulturlandschaft machten. Die Besucher des Bayerischen Staatsballets können aus 70 atemberaubende Werke wählen.  Doch, bei über 90% Auslastung auf 2000 Plätzen im Nationaltheater, lautet der Fokus der Besucher:   Früh buchen! Freie Karten sind rar!

Am Platzl 7: In der Altstadt im Zentrum Münchens, zwischen Orlandohaus und Hofbräuhaus, residiert das Bayerische Staatsballett seit 1991. Passanten bleiben oft stehen, angelockt durch Fenster klingende Musik von Beethoven bis Strawinsky, von Rock bis Elektronik.

Bayerische Staatsoper / Die epochale John Cranko Choreographie - Romeo und Julia © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper / Die epochale John Cranko Choreographie – Romeo und Julia © Wilfried Hösl

Ivan Liška, Ballettdirektor in München von 1998 bis 2016, war zuvor einer der prägenden Solisten im berühmten Hamburg Ballett unter John Neumeier. Mit Bettina Wagner-Bergelt und Wolfgang Oberender schuf Liska in 18 Jahren das vielschichtig substanzreiche Repertoire großer abendfüllender Ballette aus siebzig Werken: Von der Romantik – Giselle und La Sylphide – über die Klassik – Schwanensee, Dornröschen, Don Quijote, La Bayadère, Le Corsaire – zu den Klassikern unseres Jahrhunderts – den Werken der Ballets Russes, John Crankos Romeo und Julia, Onegin und Der Widerspenstigen Zähmung; La Fille mal gardée von 1789 in der Fassung von Frederick Ashton und John Neumeiers Ein Sommernachtstraum, Der Nussknacker, Die Kameliendame und A Cinderella Story. Dazu Meisterwerke von Balanchine, Forsythe, Kylián, van Manen, Peter Martins, Martin Schläpfer (Chef des Düsseldorfer Ballett am Rhein) und Stücke renommierter Vertreter des Modern Dance wie Twyla Tharp, Lucinda Childs, Angelin Preljocaj oder Mats Eks.

Bayerische Staatsoper / Ballettdirektor Igor Zelensky © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper / Ballettdirektor Igor Zelensky © Wilfried Hösl

Igor Zelensky, neuer Ballettdirektor, steht seit dem 24. August 2016 an der Spitze des Bayerischen Staatsballett. Zelensky, ist Vater von drei Kindern und mit der ehemaligen Mariinsky-Tänzerin Yana Serebryakova verheiratet, welche als Ballettmeisterin ebenfalls im Bayerischen Staatsballett wirken wird. Zelensky wirkt seit 2014 am Bayerischen Staatsballett und ist bekannt für hohe tänzerische Ansprüche. Zelensky wird sich ganz auf seine Aufgabe in München konzentrieren und sein Amt als künstlerischer Leiter des Balletts des Stanislawsky und Nemirowitsch-Dantschenko-Musiktheater in Moskau niederlegen: „Gemeinsam mit dem neuen Intendanten des Stanislawsky Theaters, Anton Getman, ……habe ich beschlossen, mich …..den Aufgaben als Direktor des Bayerischen Staatsballetts zu widmen….. Nach fünf erfolgreichen Jahren mit der Moskauer Compagnie möchte ich nun das hohe Ansehen des Münchner Ensembles weiter steigern„.

Alle Zeichen versprechen, daß auch unter Igor Zelensky das Bayerische Staatsballett seine hohe Stellung im europäischen Balletthimmel halten wird.

22.12.2016:  Ballett-Premiere  Spartacus 

Ein bedeutendes Bolschoi-Ballett, Spartacus, wird im Nationaltheater München die erste große Premiere des Bayerischen Staatsballett unter Igor Zelensky sein. Spartacus, erstmals von westeuropäischer Compagnie getanzt, ist die tragische Geschichte des thrakischen Gladiators Spartacus, der 71. v. Chr. die Sklaven zum Aufstand aufrief, um gegen ihre Unterdrückung und für ihre Freiheit zu kämpfen. Yuri Grigorovich (*1927), eine der großen Persönlichkeiten des russischen Balletts, Soloist im legendären Kirov-Ballett und langjähriger künstlerischer Direktor des Bolschoi-Balletts, choreographierte das Werk 1968 zur Musik von Aram Chatschaturjan. Es wurde im gleichen Jahr im Bolschoi-Theater in Moskau uraufgeführt und gilt aufgrund des sensationellen Erfolges bis heute nicht nur als ein identitätsstiftendes Werk der Compagnie, sondern auch als Meilenstein der russischen Ballettgeschichte.

Bayerische Staatsoper / Bayerisches Staatsballett probt Spartacus © Silvano Ballone

Bayerische Staatsoper / Bayerisches Staatsballett probt Spartacus © Silvano Ballone

Im Dezember 2016 wird es vom Bayerischen Staatsballett und somit erstmals von einer westeuropäischen Compagnie getanzt. Das Bayerische Staatsballett setzt mit dieser Premiere folglich die bisherige Programmpolitik fort und präsentiert eine weitere maßstabsetzende ballettgeschichtliche Produktion. Rund 70 Tänzer werden die Bühne des Nationaltheaters im Bühnenbild von Simon Virsaladze in einen Sklavenmarkt, eine römische Arena, in eine Patrizier-Villa und andere antike Schauplätze verwandeln. Im Zentrum des Geschehens stehen die beiden Antagonisten-Paare Spartacus und Phrygia auf der einen sowie Crassus und Aegina auf der anderen Seite. In den männlichen Hauptrollen werden unter anderem Osiel Gouneo und Vladimir Shklyarov als Spartacus und Sergei Polunin und Jonah Cook als Crassus zu sehen sein. Die weiblichen Hauptpartien übernehmen Maria Shirinkina und Elizaveta Kruteleva alias Phrygia und Natalia Osipova, Ksenia Ryzhkova und Ivy Amista als Aegina (unter Vorbehalt).

Die Einstudierung dieses, von der Bewegungssprache für die damalige Zeit durchaus modern anmutenden Werkes übernehmen zwei Ballettmeister, die hierfür eigens aus Russland angereist sind: Ruslan Pronin und Oxsana Tsvetnitskaya, einst Tänzer beim Bolschoi-Ballett und heute choreographische Assistenten von Altmeister Yuri Grigorowitch. Grigorowitch (*1927) selbst wird im Dezember die Endproben in München begleiten und dafür Sorge tragen, dass das Werk in seiner überarbeiteten Fassung korrekt einstudiert wird. Die musikalische Leitung übernimmt Karen Durgaryan, der auf Einladung von Valery Gergiev am Mariinski-Theater bereits 2010 Spartacus dirigierte und nun in München debütiert. Premiere von Spartacus ist am 22. Dezember 2016 im Münchner Nationaltheater.

Nationaltheater München, Ballett Spartacus von Yuri Grigorovich Premiere am 22.12.2016, weitere Vorstellungen 23.12.2016, 25.12.2016, 29.12.2016, 29.12.2016, 03.01.2017, 06.01.2017, 11.01.2017, Weitere Aufführungen im März und April 2017. IOCO  / PMBStb / 17.12.2016

 

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