München, Bayerische Staatsoper, Münchner Opernfestspiele – IDOMENEO, IOCO Kritik, 27. 07. 2021

Teilen Sie den Artikel
  •  
  •  
  •  
  •  
  •   

Bayerische Staatsoper München

Prinzregententheater München © Felix_Loechner

Prinzregententheater München © Felix_Loechner

Münchner Opernfestspiele 2021

IDOMENEO  –  Wolfgang Amadeus Mozart

Zerrissenheit und Pflichterfüllung weichen Liebe und Freiheit – Mozarts Idomeneo als Generationenkonflikt voller Leidenschaft und Ambivalenz

von Marcel Bub

Wolfgang A Mozart in Salzburg vor dem Festspielhaus © IOCO DZimmermann

Wolfgang A Mozart in Salzburg vor dem Festspielhaus © IOCO DZimmermann

Von Liebe, Freude und Erleichterung erfüllt gehen Idamante und Ilia Arm in Arm von der Bühne. Seinen erst kurz zuvor erhaltenen Königsumhang hatte Idamante dann bereits Ilia auf die Schultern gelegt. Vor dem neuen Herrscherpaar liegt eine Zukunft voller Ungewissheit. Ein neues Kreta ist im Entstehen, in welchem Freiheit und Vernunft an die Stelle von bedingungslosem Glauben und Unterwerfung getreten sind. Zurück lassen sie einen nachdenklichen Idomeneo, der noch nicht so recht zu wissen scheint, wohin mit sich in seiner Rolle eines alternden Mannes, der durch die Götter, durch Idamante, durch die eigene Einsicht seine Macht verloren hat. Auf jener Holzkiste, die zuvor noch als Schafott für den Sohn dienen sollte, sitzt er nun mit Dosenbier und Stulle, um sinnend auf seine und auf Kretas Geschichte zu schauen.

Premieren am 19. Juli 2021, 22. Juli – Prinzregententheater München

Idomeneo – 1781 in München uraufgeführt – Münchner Opernfestspiele 2021
Youtube Trailer Bayerische Staatsoper
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

Wolfgang Amadeus Mozarts Oper Idomeneo zeigte die Bayerische Staatsoper in der Inszenierung von Antú Romero Nunes und dem Dirigat des für den erkranken Constantinos Carydis in der B-Premiere eingesprungenen Gabriel Venzago im Prinzregententheater München, nicht im Stammhaus, dem  Nationaltheater am  Max-Joseph-Platz. Eine vielschichtige, intelligente und psychologisch informierte Inszenierung, vier stimmlich ausgezeichnete Hauptrollen inmitten des eindrucksvollen Bühnenbildes von Phyllida Barlow, eine innovative Choreografie von Dustin Klein sowie Präzision und Klangfülle bei Chor, Orchester und Dirigat lassen auf einen umfangreichen, komplexen und virtuosen Theater- und Opernabend zurückschauen.

In der letzten Seria-Oper seiner Jugendzeit befasst sich Mozart in Anlehnung an Antoine Danchets Idoménée mit Idomeneo, König von Kreta. Als dieser auf der Rückkehr aus dem Trojanischen Krieg auf dem Meer durch einen heftigen Sturm in Lebensgefahr gerät, gelobt er, Neptun den Erstbesten zum Opfer darzubringen, auf den er an Land stoße, sollten der König und seine Besatzung überleben. Sicher an der Küste angekommen, ist es sein Sohn Idamante, der den für tot gehaltenen als Erstes trifft – Arie: Il padre adorato ritrovo / Den geliebten Vater finde ich wieder. Idomeneo, zerrissen zwischen Vaterliebe und Gottesfurcht, zögert und versucht, beraten von Arbace, Idamante zur Flucht zu bewegen. Dieser solle die Tochter Agamemnons Elettra (Elektra), welche Idamante als Gemahl leidenschaftlich begehrt, zurück nach Argos auf den Thron ihres Vaters bringen.

Bayerische Staatsoper / Idomeneo - hier: Matthew Polenzani als Idomeneo, Olga Kulchynska als Ilia © Wilfried Hoesl

Bayerische Staatsoper / Idomeneo – hier: Matthew Polenzani als Idomeneo, Olga Kulchynska als Ilia © Wilfried Hoesl

Die trojanische Kriegsgefangene Prinzessin Ilia, die mit Idamante in gegenseitiger, wenngleich noch nicht lebbarer Liebe verbunden ist, bittet indessen Idomeneo, ihr den liebevollen Vater zu ersetzen. Die Sorge Idomeneos, nun auch noch Ilia in Gefahr zu bringen, bestätigt sich durch das Aufkommen eines verheerenden Sturms, und ein Ungeheuer verbreitet Panik und Schrecken auf Kreta. Um Neptun zu besänftigen, bietet sich Idomeneo selbst zum Opfer an. Während Idamante den Kampf mit dem Ungeheuer aufnimmt, schwört Elettra Rache, und Idomeneo muss dem Volk eröffnen, wen er dem Gott opfern müsse. Idamante kehrt nach dem Sieg über das Ungeheuer zurück und ist, nun die Beweggründe des Vaters verstehend, bereit zu sterben. Der tödliche Stoß des Vaters wird von der liebenden Ilia unterbunden, die sich selbst als Opfer anbietet. An dieser Stelle ertönt schließlich die Stimme des Orakels und verkündet, dass dem Menschen Idomeneo vergeben sei, der Herrscher jedoch seine Macht an Idamante abzugeben habe, und dieser Ilia zur Gemahlin nehmen solle. Dieser Weisung folgend, dankt Idomeneo ab, und Idamante ist – neuer – umjubelter König von Kreta.

Sich dem unmissverständlichen Willen der Götter widersetzen, zu verzögern sind zentrale Axiome dieser Oper. Stetige Ambivalenz und Zerrissenheit zwischen Liebe und Pflicht, zwischen Glauben und Vernunft prägen die Dramatik von Handlung und Komposition. Dass schließlich die tiefe gegenseitige Liebe von Idamante und Ilia sich entfalten kann, und vernünftige Reflexion und Rationalität zu einer Form der Freiheit führen, zeigt deutlich, dass dieses Werk im Zeichen der Aufklärung steht. Damit einher geht eine Musik, die – wie so oft bei Mozart – selbst in den leidvollsten Szenen noch strahlend schön ist, eine Musik, die einen aufnimmt in einen Strom, einen jedoch auch stetig daran erinnert, dass es sich gerade um Theater handelt.

Bayerische Staatsoper / Idomeneo - hier: das Ensemble, Statisterie © Wilfried Hoesl

Bayerische Staatsoper / Idomeneo – hier: das Ensemble, Statisterie © Wilfried Hoesl

Diese Komplexität in der Darstellung und Virtuosität im Klang konnten an diesem Abend insbesondere die treffend besetzen Hauptrollen auf durchweg hohem Niveau vermitteln, was unteranderem im zweiten und dritten Akt zu begeistertem Szenenapplaus führte. Idomeneo wurde auf gleichzeitig machtvolle und zerbrechliche Weise von Matthew Polenzani (Tenor) gesungen. Emily D’Angelo bot einen leidenschaftlichen und auf allen Ebenen ehrlichen Idamante dar und brillierte, sich im Verlauf der Akte noch steigernd, mit einem eindringlichen und betonten Sopran. Ein Höhepunkt der Aufführung war zweifelsohne das Wechselspiel zwischen Idomeneo und Idamante kurz vor dem Vollzug der Opferung – Padre, mio caro padre (…) / Vater, mein teurer Vater (…); Oh figlio! oh caro figlio (…) / Mein Sohn, mein teurer Sohn (…). In der Bitte, dass sich Idomeneo Ilia nach Idamantes Tod als liebender Vater zuwenden möge, erreicht D’Angelo eine ganz eigene Ebene an Intensität und klanglicher Schönheit.

Ebenso hervorzuheben ist Olga Kulchynska, die von Beginn an die Rolle der Ilia in einem sanft strahlenden und kristallklar das Wabern des Theaternebels auf der Bühne und im Publikumsraum durchdringenden Sopran interpretiert. Hanna-Elisabeth Müller (Sopran) überzeugt als Elettra ebenfalls auf ganzer Linie. Dramatisch, intensiv und virtuos verkörpert sie in Schauspiel und Gesang den Hass, die Verzweiflung und die Traurigkeit Elettras. In der Szene des endgültigen Zusammenbruchs und Suizides, in welcher sich Müller mit Öl beschmierend zwischen den Wellenbrechern auf der Bühne windet, und in ihrer Arie – Ombra infelice! / Unglücklicher Schatten! – eine neue Sphäre klanglicher Intensität erreicht, kommt es abermals zu begeistertem Applaus und Bravorufen. Die leblose Elettra wird schließlich, nachdem sie sich mit dem Öl selbst ertränkt hat, an dem Holzpfosten des Bühnenbildes von der Bühne gezogen. Als Arbace trat Martin Mitterrutzner und als Oberpriester Poseidons Caspar Singh auf. Die Stimme des Orakels verkörperte Callum Thorpe. Auch diese drei Rollen waren gut besetzt und fügten sich in das insgesamt hohe künstlerische Niveau ein.

Bayerische Staatsoper / Idomeneo - hier : Matthew Polenzani als Idomeneo, Emily D´Angelo als Idamante © Wilfried Hoesl

Bayerische Staatsoper / Idomeneo – hier : Matthew Polenzani als Idomeneo, Emily D´Angelo als Idamante © Wilfried Hoesl

Neben dem hervorragenden Chor – die umfangreichen Chorpartien gehörten zweifelsohne zu Höhepunkten des Abends – bot das Bayerische Staatsorchester als renommiertes und routiniertes Opernorchester einen akzentuierten, intensiven und an manchen Stellen strahlenden Mozart. Gabriel Venzago leitete das Orchester sicher und die Musik wie eine Studie in all seiner Vielschichtigkeit dem Publikum ausbreitend.

Die Künstlerinnen und Künstler auf der Bühne und im Orchestergraben waren in ihrer Darstellung eingebettet in eine durch Inszenierung, Bühnenbild und Choreografie interessant anregende Erzählung. Abermals wurde an diesem Abend deutlich, wie viele Kunstformen sich in der Oper erfolgreich vereinen lassen.

Nunes inszeniert diesen tragischen und anspruchsvollen Stoff als einen scharfen Generationenkonflikt. Idomeneo sehe, wie in Idamante ein neuer Stern aufgehen, einer, der alle „Tricks“ kenne und ihm somit zwangsläufig gefährlich werde. Zwar füge sich der König letztendlich, jedoch sei er noch immer zerrissen zwischen Gotteswille, Vaterliebe und dem eigenen Machtanspruch, wie der Regisseur im Vorfeld der Premiere ausführt. Diese Lesart Idomeneos als eines alternden Königs, dessen Macht schwindet und der sich zwar erst zögernd, dann aber doch bereitwillig dem realen oder imaginierten Willen der Götter hingibt, um seinen ersten Rivalen zu töten, wird auf treffsichere Weise der Vielschichtigkeit Mozarts Werk gerecht. Nunes ist nach seiner Zeit als Hausregisseur am Thalia Theater Hamburg, wo er das Publikum seit Jahren mit Interpretationen von Stücken wie Die Dreigroschenoper, Moby Dick und Orpheus begeistert – Die Odyssee – Eine Irrfahrt nach Homer wurde 2018 zum Berliner Theatertreffen eingeladen –, mittlerweile Teil der Theaterdirektion am Theater Basel. Zuletzt inszenierte er Giuseppe Verdis Les Vêpres siciliennes an der Bayerischen Staatsoper. Mit Idomeneo ist Antú  Romero Nunes abermals eine hochpolitische Neuinterpretation stetiger Fragen und Konflikte menschlichen Daseins sowie von Macht und Gesellschaft gelungen.

Bühnenbild und Choreografie ergänzen Musik, Stimmen und Inszenierung zu einer Art Gesamtkunstwerk. Die Künstlerin Phyllida Barlow gestaltete für diesen Idomeneo ein raues, vielseitiges und mystisches Bühnenbild, bestehen aus schroffen und kantigen Gebilden, die auf fast post-apokalyptische Weise eine Industrielandschaft an der Küste darstellen. Wellenbrecher, vieleckige Metallgebilde und ein auf Stelzen stehender massiver Felsen schaffen eine sich im Laufe des Abends dynamisch wandelnde Szenerie mit einem ganz besonderen und zu Musik und Inszenierung passenden Atmosphäre der Ambivalenz von Gewalt und Geborgenheit, Tod und Überleben sowie der Zerrissenheit des Menschen zwischen den Mächten der Natur und seiner selbst. Schließlich schuf Dustin Klein spannende und von den Tänzerinnen und Tänzern auf hohem Niveau dargebotene Choreografien zu Mozarts Komposition.

An diesem reichhaltigen Opernabend mit reichen Interpretationen von Musik, Handlung und Kontext – so wurden zudem kammermusikalische Passagen und Audioeinspielungen ergänzt – passierte viel inspirierendes  auf inhaltlicher und künstlerischer Ebene. Die Sängerinnen und Sänger sowie die Tänzerinnen und Tänzer erbrachten dabei große Leistungen – teilweise an Kletterseilen von der Decke hängend – wie auch die Musikerinnen und Musiker sowie die andere Involvierten. Das Publikum bedankte sich dafür mit großem, teils stehendem Applaus.

—| IOCO Kritik Bayerische Staatsoper München |—


Teilen Sie den Artikel
  •  
  •  
  •  
  •  
  •   

Mannheim, Musikalische Akademie, 6. Akademiekonzert – Mozart, Ibert, Mendelssohn, IOCO Kritik, 20.04.2021

Teilen Sie den Artikel
  •  
  •  
  •  
  •  
  •   

Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim

NTM Nationaltheater Mannheim © Christian Kleiner

NTM Nationaltheater Mannheim © Christian Kleiner

 Nationaltheater Orchester Mannheim – 6. Akademiekonzert

Aus dem Mannheimer Rosengarten –  Mozart, Ibert, Mendelssohn

von Uschi Reifenberg

Die ursprünglich geplante 5. Sinfonie von Anton Bruckner, die im Rahmen des Bruckner Zyklus im 6. Akademiekonzert aufgeführt werden sollte, musste aktuell leider der geforderten Orchester-Besetzungsgrösse geopfert werden. Stattdessen präsentierte die Musikalische Akademie des Nationaltheater Orchester am 12. April 2021 im Mannheimer Rosengarten nun Werke von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791), Jaques Ibert (1890 – 1962) und Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 -1847).

NTM Nationaltheater - Orchester / Musikalische Akademie © Minna Jung

NTM Nationaltheater – Orchester / Musikalische Akademie © Minna Jung

 Ausgelassenheit und Lebensfreude kämpfen gegen Tristesse

Antonello Manacorda konnte aufgrund situationsbedingter Terminverschiebungen die Leitung des Konzertes nicht übernehmen, für ihn dirigierte nun der italienische Shooting Star Jader Bignanini das exzellent ausgewählte Programm mit Mozarts 29. Sinfonie, Iberts Divertissement und Mendelssohns  4. Sinfonie, die Italienische.

Die drei Meisterwerke aus drei Jahrhunderten verbindet nicht nur der Ausdruck von purer Lebensfreude und Optimismus. Sie setzen mit ihrer Unbeschwertheit auch ein Zeichen der Hoffnung in einer als lähmend und trostlos erlebten Gegenwart, in der Kunst und Musik ihren essentiellen Platz verloren haben und Kulturschaffende sich immer mehr in ihrer Existenz bedroht sehen.

Allen Beteiligten gebührt größte Anerkennung und Respekt für die Durchführung dieses Konzerts  im gespenstisch leeren Mozartsaal mit seinen 2.500 Plätzen im Mannheimer Rosengarten.  Dirigent Jader Bignanini und das Nationaltheater Orchester (NTO) musizierten dennoch voller Inspiration und Spielfreude, so dass der Funke auch im Live Stream mühelos übersprang.

Mozarts 29. Sinfonie KV 201 aus dem Jahr 1774 weist nicht nur in der Tonart A-Dur Parallelen zu Mendelssohns Italienischer Sinfonie auf, konnten doch beide Komponisten auf bereichernde Erfahrungen einer vorangegangenen Italienreise zurückblicken, die in ihren Werken nachhaltige Spuren hinterließ.

Wolfgang Amadeus Mozart © IOCO

Wolfgang Amadeus Mozart © IOCO

Der 18-jährige Mozart erweitert in diesem Sturm-und Drang Werk seine Ausdruckspalette, er ergänzt die Sinfonie um einen vierten Satz, die Einzelsätze wiederum sind thematisch aufeinander bezogen. Dramatik, Kontrapunktik und Freiheit in der individuellen Themenbehandlung lassen dieses geistreiche Werk zu einem Höhepunkt in Mozarts frühem sinfonischem Schaffen werden. Einflüsse der berühmten „Mannheimer Schule“, die wesentliche Impulse zur Weiterentwicklung der Sinfonie im 19. Jahrhundert beisteuerte, sind im letzten Satz mehrfach zu hören wie die „Mannheimer Rakete“, eine schnelle aufsteigende Tonfolge mit deutlichem Crescendo.

Jader Bignanini, der mit Atemschutzmaske dirigierte, und das NTO boten einen in zarten Farben leuchtenden Mozart, elegant, präzise und inspiriert. Er setzt mit kammermusikalischer Sensibilität und stets weicher Phrasierung ganz auf einen abgerundeten und eher kontrastarmen Mozartklang. Verhalten beginnt er das Hauptthema mit seinem charakteristischen, rhythmisch markanten Oktavsprung, das sich kanonartig zu einem ersten Höhepunkt steigert. Der zweite Andante-Satz atmet die typische mozartsche Gefühlstiefe, die Streicher entfalten gedämpft-gelassene Heiterkeit, seelenvolle Bläsereinsätze fügen sich ins homogene Klangbild und machen Mozarts genialen melodischen Einfallsreichtum beglückend erfahrbar.

Das Menuett mit seinen punktierten Rhythmen und fast schon „ruppigen“ Akzenten blieb eher leichtgewichtig. Mit Spritzigkeit und pulsierender Energie ging Bignanini den letzten Satz an, der mit  temperamentvoll vorwärtsdrängendem Gestus, seiner Dramatik und den „Mannheimer Raketen“ fast schon an Rossini erinnerte.

Hoang Nguyen, Cellist des NTO, erläuterte zur Pause das nächste Stück: Jaques Iberts Divertissement, ein musikalisches Unterhaltungsstück, auf höchstem Niveau komponiert. Neben der kleinen Orchesterbesetzung  sind Klavier, Celesta, Tamburin und sogar eine Trillerpfeife vorgesehen.

Vorgestellt: Die Musikalische Akademie im Mannheimer Rosengarten
youtube mcon Mannheim
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

Ibert komponierte 1930 die Bühnenmusik zu einer Komödie von Eugène Labiche und extrahierte daraus sechs Sätze, die in einer ausgelassenen „Vergnügungstour“ ein funkelndes Kaleidoskop der 1920er Jahre vorbeirauschen lassen.

Da sprudelt es nur so von Zitaten, Parodien und vielfältigsten Verweisen. Jeder einzelne der achtzehn Musiker gestaltet seinen Part hochvirtuos und mit spürbarem Vergnügen an diesem „respektlosen Divertissement“, das von humorvollen Einfällen und schroffen Wechseln nur so strotzt.

Dirigent Jader Bignanini ist in diesem Stilmix bestens zu Haus, jedem der sechs Sätze gibt er die jeweilige   Charakteristik und wechselt souverän und mit Augenzwinkern zwischen Ironie und Tiefgang. Wähnt man sich im ersten Satz noch in einer Opéra comique, so findet man sich später in einem Stummfilmkino, dann wieder in einem französischen Salon wieder. Im 2. Satz, der „Cortège“ hört man neben jazzigen Elementen Mendelssohns Hochzeitsmarsch“ parodistisch aufblitzen.

Auch die Schattenseiten der so genannten „Belle Époque“ finden Einlass in dieses surreal anmutende Spektakel, namentlich die Gräuel des 1.Weltkriegs, die Ibert selbst hautnah miterleben musste. Im „Nocturne“ mit seiner düsteren Einleitung schlägt das Spiel plötzlich in Ernst um, der aber nicht lange währt. Im 4. Satz, dem „Valse“ wirbeln diverse Spielarten des Tanzes vorüber, mal wienerisch, mal krass verfremdet. Militärparaden ziehen vorbei, das Klavier persifliert in wilden Clustern die Avantgarde und deren Atonalität, bis die Trillerpfeife dem immer überschwänglicheren Treiben ein Ende setzt. Ein hinreißender musikalischer Spaß!

Der Geiger Arne Roßbach erläuterte in der zweiten Umbaupause die Entstehung von Felix Mendelssohns Bartholdys wohl populärster Sinfonie, der Italienischen.

Felix Mendelssohn Bartholdy © IOCO

Felix Mendelssohn Bartholdy © IOCO

Der junge Mendelssohn begab sich 1830 auf Kultur- und Bildungsreise in die wichtigsten europäischen Städte, um seinen Horizont zu erweitern und neue Eindrücke für seine künstlerische Arbeit zu gewinnen.

In Weimar traf er Goethe, in London wurde er zu seiner Schottischen inspiriert, während seines Italienaufenthaltes zwischen Rom und Neapel begann er dann mit der Komposition der Italienischen. Die Uraufführung fand 1833 unter Mendelssohns Leitung in London mit großem Erfolg statt. Insgesamt arbeitete er acht Jahre an seiner 4. Sinfonie, mehrere Fassungen entstanden, die letzte setzte sich in der Konzertpraxis durch, die auch an diesem Abend gespielt wurde.

Die Städte Italiens, die historische Architektur, vor allem Rom machen großen Eindruck auf den jungen Mann. Mendelssohn ist begeistert von der italienischen Landschaft und Lebensart, in einem Brief schreibt er: „Die italienische Symphonie macht gute Fortschritte, sie wird das lustigste Stück, das ich je gemacht habe“.

Diese „unbeschwerte Leichtigkeit des Seins“ kommt vor allem in den Ecksätzen zum Ausdruck, der 2. und 3. Satz sind von leichter Melancholie überzogen, die an die deutsche Romantik im Stile Schuberts oder Webers erinnert.

Bignanini zelebriert das berühmte Hauptthema des 1.Satzes, dessen jubilierende Violinen sich  über den pulsierenden Holzbläser-Repetitionen emporschwingen. Das ist präzise, lebendig und durchsichtig musiziert und weckt zahlreiche Assoziationen an südliches Flair, aber auch die Sehnsucht wie sie Goethe vor seiner ersten Italienreise empfunden haben musste, als er aufbrach, das „Land mit der Seele zu suchen“.

Der 2. Satz erinnert mit seinem Hauptthema an das Lied „Der König in Thule“, von Goethe gedichtet, von Zelter vertont. Das Zitat könnte auch als doppelte Referenz an die beiden Meister verstanden werden, zum einen an Goethe, mit dem Mendelssohn freundschaftlich verbunden war und an Karl Zelter, seinen 1832 verstorbener Kompositionslehrer.

Weich geschwungene, schön phrasierte Holzbläserkantilenen unterstrichen mit sattem pastosen  Klangspektrum die untergründig fahle Stimmung, dazu erzeugte der rhythmisch strenge Streicher- Kontrapunkt große Spannungsmomente.

Im 4.Satz, dem „Saltarello“, einer typischen Italienischen Tanzweise, hält der neapolitanische Karneval Einzug mit ausgelassenem Treiben und leidenschaftlicher Vehemenz.

Dennoch steht der Finalsatz in a-Moll, nicht in der Ausgangstonart A-Dur, was in der damaligen Zeit als äußerst ungewöhnlich galt. Bignanini mobilisiert in dieser „Tarantella“ alle Reserven des  kraftvoll und begeistert aufspielenden Orchesters. Mit einem glanzvollen Eröffnungsakkord  beginnt der Presto Satz, wie entfesselt stürzen sich die Musiker in die federnden Tanzrhythmen, dennoch immer fein artikuliert und durchsichtigdie stetig anschwellenden Streicherphrasen mit überschäumender Energie in ein strahlendes Finale überleiten.

—| IOCO Kritik Musikalische Akademie |—


Teilen Sie den Artikel
  •  
  •  
  •  
  •  
  •   

Berlin, Staatsoper Unter den Linden, Le Nozze di Figaro – Live – Pilotprojekt, IOCO Aktuell, 29.03.2021

Teilen Sie den Artikel
  •  
  •  
  •  
  •  
  •   

Staatsoper unter den Linden

Staatsoper Unter den Linden - Im Traum © Max Lautenschläger

Staatsoper Unter den Linden – Im Traum © Max Lautenschläger

 Le Nozze di Figaro – Wolfgang A. Mozart

Ab 2. April 2021 – Live – Vor getestetem Publikum

LE NOZZE DI FIGARO von Wolfgang A. Mozart als Online-Premiere am 1. April auf MEZZO TV und auf der Webseite der Staatsoper sowie im Rahmen des Berliner Pilotprojekts Testing als Live-Vorstellung am 2. April mit getestetem Publikum – der Vorverkauf beginnt am 18. März um 12 Uhr

Am 1. April feiert Wolfgang Amadeus Mozarts LE NOZZE DI FIGARO in der Regie von Vincent Huguet und unter der musikalischen Leitung von Daniel Barenboim als Stream auf MEZZO TV und auf der Webseite der Staatsoper Unter den Linden www.staatsoper-berlin.de Premiere.

  • Nachträgliche Information:  Die oben für den 2. April als halb-öffentlich angekündigte Premiere fand doch ohne Publikum im Haus, nur im Radio und per Stream statt..

Am 2. April wird es in der Staatsoper Unter den Linden eine Live-Vorstellung vor getestetem Publikum geben. Die Vorstellung findet im Rahmen des Pilotprojekts Testing der Senatsverwaltung für Kultur und Europa –  IOCO berichtete – link HIER!) statt, bei dem die logistische Machbarkeit von Veranstaltungen in Verbindung mit SARS-CoV-2-Antigen-Tests geprüft wird.

Der Vorverkauf für die Vorstellung beginnt am 18. März, 12 Uhr. Tickets sind zu einem Einheitspreis von 25 Euro über die Webseite der Staatsoper erhältlich. Die Tickets sind personalisiert und können nicht weitergegeben werden.

  Staatsoper Unter den Linden: STAATSKAPELLE – BARENBOIM 14.3.2021
youtube Trailer Staatsoper Unter den Linden, Berlin
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

Alle Besucherinnen und Besucher müssen am Tag der Veranstaltung einen SARS-CoV-2-Antigen-Test in einem der teilnehmenden Testzentren durchlaufen. Bei Eintritt weisen die Besucherinnen und Besucher ihr tagesaktuelles negatives Test-Ergebnis, ihr personalisiertes Ticket sowie ihren Personalausweis vor. Die SARS-CoV-2-Antigen-Testung ist für das Publikum im Rahmen des Pilotprojekts kostenfrei. Die Besucherinnen und Besucher erhalten nach dem Ticketkauf einen Link zu den teilnehmenden Testzentren und buchen dort eigenständig ihren Testtermin. Während der Veranstaltung sind das Tragen eines medizinischen Mund-Nasenschutzes oder einer FFP2-Maske sowie die Einhaltung der geltenden Hygieneregeln vorgeschrieben. Weitere Informationen:

https://www.staatsoper-berlin.de/de/staatsoper/news/berliner-pilotprojekt-testing.182/

Regisseur Vincent Huguet, der gemeinsam mit GMD Daniel Barenboim die drei Da-Ponte-Opern Mozarts als einen zusammenhängenden Zyklus angelegt hat, siedelt die Handlung in den 1980er Jahren an, in einem Ambiente, das wesentlich vom Stil und von der Atmosphäre jener Zeit lebt.
Obwohl LE NOZZE DI FIGARO ein Musterbeispiel einer musikalischen Komödie ist, besitzt dieses Meisterwerk des Opernrepertoires einen Charakter, der weit über dieses Genre hinausweist. Menschlich-Allzumenschliches wird in ihm thematisiert, das Humane in seiner Ganzheitlichkeit zur Darstellung gebracht, mit einer enormen Bandbreite unterschiedlichster Emotionen. Mozart lässt seine Figuren so sein, wie menschliches Denken, Handeln und Fühlen von Natur aus ist – leicht und schwer, heiter und ernst, humorvoll und melancholisch, einschließlich zahlreicher anderer Facetten.

Zum Ensemble gehören Elsa Dreisig (Gräfin Almaviva, Rollendebüt), Nadine Sierra (Susanna), Emily D’Angelo (Cherubino), Katharina Kammerloher (Marcellina), Gyula Orendt (Graf Almaviva, Rollendebüt), Riccardo Fassi (Figaro), Siegfried Jerusalem (Don Curzio), Stephan Rügamer (Basilio), Maurizio Muraro (Bartolo), David Oštrek (Antonio) sowie Liubov Medvedeva (Barbarina), die zum von der Liz Mohn Kultur- und Musikstiftung geförderten Internationalen Opernstudio gehört. Darüber hinaus singt der Staatsopernchor, einstudiert von Martin Wright. Es spielt die Staatskapelle Berlin. Das Bühnenbild hat Aurélie Maestre entworfen, die Kostüme stammen von Clémence Pernoud.

Für die Vorstellung am 2. April steht ein begrenztes Kontingent an Pressekarten zur Verfügung. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir die Anfragen bis zum 23. März sammeln und im Anschluss nach Verfügbarkeit die Bestätigungen versenden. Im Rahmen der Pilotvorstellung muss die Presse ebenso wie das Publikum das Testing-Prozedere durchlaufen. Ihre Anfrage schicken Sie bitte an: pressoffice@staatsoper-berlin.de

LE NOZZE DI FIGARO  –  Wolfgang Amadeus Mozart
Text von Lorenzo Da Ponte nach Pierre Augustin Caron de Beaumarchais
Online-Premiere am 1. April 2021 auf MEZZO TV und www.staatsoper-berlin.de
Live-Vorstellung am 2. April 2021 vor getestetem Publikum im Rahmen des Pilotprojekts Testing der Senatsverwaltung für Kultur und Europa

—| IOCO Aktuell Staatsoper Unter den Linden |—


Teilen Sie den Artikel
  •  
  •  
  •  
  •  
  •   

Nancy, Opéra national de Lorraine, Opéra national in Nancy – IOCO stellt vor, IOCO Aktuell, 30.01.2021

Teilen Sie den Artikel
  •  
  •  
  •  
  •  
  •   

Opéra national de Lorraine in Nancy © Opéra national de Lorraine

Opéra national de Lorraine in Nancy © Opéra national de Lorraine

Opéra national de Lorraine

Opéra national de Lorraine – Nancy, Frankreich

IOCO stellt vor – Frankreichs große Kultur außerhalb von Paris

Die Opéra national de Lorraine an der 1 rue Sainte-Catherine von Nancy, Frankreich, stellt eines der bedeutenden Musiktheater Frankreichs mit großer kultureller Tradition dar.  Nancy, über 100.000 Einwohner, ist Hauptstadt des Départements Meurthe-et-Moselle ehemals Herzogtum Lothringen, 120 Km südwestlich von Saarbrücken gelegen.

Opéra national de Lorraine in Nancy © Opéra national de Lorraine

Opéra national de Lorraine in Nancy © Opéra national de Lorraine

Das Theatre de la Comédie von Nancy, 1755  errichtet, ist Vorläufer der heutigen Opéra national de Lorraine. Das Theatre de la Comédie wurde am  6. Oktober 1906 durch einen Brand  zerstört. Durch den 1. Weltkrieg verzögerte sich der Neuaufbau. Am 14. Oktober 1919 wurde der in italienischen Baustil mit Zuschauerraum in Hufeisenform (heute 1.050 Plätze) mit der Nibelungenoper Sigurd des französischen Komponisten Ernest Reyer (1823 – 1909) wieder eröffnet. Die Opéra national de Lorraine  deckt ein breites Repertoire ab und möchte einer breiten Bevölkerungsschicht den Zugang zur Kultur ermöglichen. Es unterhält ein großes, eigenes Künstler-Ensemble, welches 180 Personen umfasst; davon 66 Sänger*innen, einen 28-köpfigen Chor und das  Orchester de l’Opéra national de Lorraine.

Opera national de Lorraine – 2019 – zur 100-Jahres Feier
youtube Trailer Opéra nationale de Lorraine
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

2006  wurde die  Opéra national de Lorraine von  Nancy als „NATIONALOPER“ ausgezeichnet und  ist damit eine der fünf  Nationalopern Frankreichs;  nach Lyon, Bordeaux, Straßburg und Montpellier. Die Opéra national de Lorraine konzentriert sich ganz auf das Schaffen und deckt alle Repertoires ab, von der Alten Musik bis zur Neuen Musik. Durch verschiedene Angebote im Laufe des Jahres soll der Zugang aller Zielgruppen zur Kultur gefördert werden. 90.000 Besucher zählt das Haus pro Saison. 120 km südwestlich von Saarbrücken gelegen ist Nancy und seine Opéra für Bewohner der ländlichen Region Meurthe-et-Moselle, aber auch für Besucher aus den benachbarten Deutschland ein attraktiv inspirierendes Ziel.

Opera National de Lorraine / Intendant Matthieu Dussouillez © Vincent Arbelet / Opera national de Lorraine

Opera National de Lorraine / Intendant Matthieu Dussouillez © Vincent Arbelet / Opera national de Lorraine

Matthieu Dussouillez, *1985,  ist seit September 2019 Intendant  der Opéra National de Lorraine. Er eröffnete seine erste Saison am 14. Oktober 2019 ebenfalls mit Sigurd von Ernest  Reyer, inszeniert von seinem Vorgänger, Laurent Spielmann. Händel, Mozart, Rossini und Prokofjew sind seine Favoriten für den Spielplan. Mit 36 Jahren steht Matthieu Dussouillez  für eine neue, junge Intendanten-Generation, der, wie er in einem Interview sagte, mit „Demut ausfüllen“ möchte.

Marta Gardolinska, *1988 in Warschau, Polen, wurde im Januar 2021, für drei Jahre, zur Generalmusikdirektorin der Opéra national bestellt. Marta Gardolinska, studierte an der Frederic Chopin Universität in Warschau, an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien sowie in zahlreichen Meisterkursen und Workshops bei Künstlern wie Bernard Haitink, Peter Eötvös, Bertrand de Billy und György Kurtág und Marin Alsop.

2015 wurde Marta Gardolinska Chefdirigentin des Akademischen Orchestervereins Wien, in der Saison 2017/18 Dirigentin und künstlerische Leiterin der TU-Orchester Wien.

Nabucco – an der Opéra nationale de Lorraine in Nancy
youtube Trailer Opéra nationale de Lorraine
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

Während der Saison 19-20 wurde sie Mitglied des Dudamel Fellowship Program bei den Los Angeles Philharmonic . Unter der Leitung von Gustavo Dudamel dirigierte sie dort in der Disney Hall herausragende Auftritte wie den Frühlingsritus von Strawinsky und war an der Einspielung von Charles Ives´ 4. Symphonie für die Deutsche Grammophon beteiligt Im August 2019 gab sie ihr Debüt mit dem Scottish Chamber Orchestra beim Edinburgh Festival, mit dem Paris Chamber Orchestra im November 2020 und in ihrer Heimatstadt mit den Warschauer Philharmonikern im Dezember 2020.

 Opéra national der Lorraine in Nancy, Frankreich  – IOCO stellt vor

—| IOCO Aktuell Opéra national de Lorraine |—


Teilen Sie den Artikel
  •  
  •  
  •  
  •  
  •   

Nächste Seite »

Diese Webseite benutzt Google Analytics. Die User IPs werden anonymisiert. Wenn Sie dies trotzdem unterbinden möchten klicken Sie bitte hier : Click here to opt-out. - Datenschutzerklärung