Berlin, Komische Oper Berlin, Eine Erfolgsgeschichte – Auslastung über 90%, IOCO Aktuell, 29.06.2019

Komische Oper Berlin

Komische Oper Berlin © IOCO

Komische Oper Berlin © IOCO

 2018/19  –  Auslastung 90%  – Eine Erfolgsgeschichte

 Hoher Zuspruch – Aber erst seit Barrie Kosky

Gespräche über die Auslastung ihrer hoch subventionierten Häuser meiden zahlreiche Kulturverantwortliche in Deutschland sorgsam. Das Postulat – „Kunst kennt keine Kosten“ – schwebt so in unbestimmten Tönen klammheimlich über vielen Theatern. Dominique Meyer, Intendant der Wiener Staatsoper, auch hierzu eine Ausnahme, bespricht die hohe Auslastung seines Hauses (99%) in allen Facetten regelmäßig, offensiv, öffentlich. Niedrige Auslastungen anderer bedeutender deutscher Musiktheater, wie der Staatsoper Hamburg oder Rheinoper Düsseldorf / Duisburg  werden öffentlich nur marginal thematisiert.

Komische Oper Berlin / Barrie Kosky und Susanne Moser © IOCO

Komische Oper Berlin / Barrie Kosky und Susanne Moser © IOCO

Die Komische Oper Berlin entwickelte sich seit 2012, dem Beginn der Intendanz von Barrie Kosky kontinuierlich positiv. Die Auslastung  des Hauses waberte unter der Intendanz des Kosky-Vorgängers Andreas Homoki bis 2012 bei beständig niedrigen wie teuren 65-70%.  Mit Barrie Kosky, seit 2012, bricht die Komische Oper Berlin mit modern auffälligen Produktionen und Angeboten seither beständig ihre Besucherrekorde nach oben: 2018/19 beträgt die Auslastung über 90%. Mit dieser Auslastung / diesem Besucherzuspruch zählt die Komische Oper Berlin inzwischen zu den führenden Musiktheatern Deutschlands. Dazu werden Produktionen der Komischen Oper Berlin / Barrie Kosky wie Die Zauberflöte inzwischen regelmäßig an andere Theater „exportiert“.

Die Zauberflöte – Wolfgang Amadeus Mozart
youtube Trailer Komische Oper Berlin
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Hier die Veröffentlichung der Komischen Oper Berlin für die vergangene Spielzeit 2018/19:     Mit Vorstellungen der Barrie Kosky-Produktionen La Bohème und Candide (siehe Trailer unten)  im Rahmen des traditionellen Komische Oper Festivals endete die Saison im Opernhaus an der Behrenstraße. In der siebten Saison unter Intendant und Chefregisseur Barrie Kosky präsentierte sich das Haus vielfältig und künstlerisch in hervorragender Form: Akzente setzten unter anderem markante Neuproduktionen, wie Poros in der Inszenierung von Altmeister Harry Kupfer, die Uraufführung von Moritz Eggerts M – Eine Stadt sucht einen Mörder, Roxy und ihr Wunderteam mit den Geschwistern Pfister sowie die Barrie-Kosky-Produktionen Candide und La Bohème, ein Bernstein 100-Festival und eine erfolgreiche Neuauflage des Tango-Festivals sowie vielfältiges Repertoire von Die Perlen der Cleopatra über West Side Story und Cendrillon bis hin zu Der Rosenkavalier unter dem neuen Generalmusikdirektor Ainars Rubikis. Konzerte, ein breit gefächertes Angebot für junge Opernbesucher*innen und neue Ausgaben der Pop-Up-Opera im Rahmen von Selam Opera! runden die Saison ab. Erfolgreiche Gastspiele führten das Ensemble unter anderem mit Die Zauberflöte nach Australien und Neuseeland. Im Sommer 2019 folgen Gastspiele nach New York (Die Zauberflöte) sowie zum Edinburgh International Festival (Jewgeni Onegin).

Candide – Leonard Bernstein
youtube Trailer Komische Oper Berlin
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Die Komische Oper Berlin freut sich auch bei den Zahlen über eine erfolgreiche Bilanz 2018/19. Die Gesamtauslastung lag bei knapp über 90%, es wurden rund 225.000 Karten für 239 Vorstellungen, davon 211 auf der Hauptbühne, verkauft. Damit erreicht die Auslastung einen neuen Höchstwert unter Barrie Koskys Intendanz. Zu den beim Publikum beliebtesten Produktionen der Spielzeit zählen mit überdurchschnittlichen Auslastungen unter anderem die Neuproduktionen Poros, Der Zauberer von Oz, La Bohème und Candide sowie im Repertoire West Side Story, Die Zauberflöte, Anatevka, My Fair Lady, Die Perlen der Cleopatra sowie Die Liebe zu drei Orangen. Die im Rahmen des Tango-Festivals präsentierte Piazzolla-Rarität Ein Sommernachtstraum erreichte ebenso wie die konzertante Weihnachtsoperette Viktoria und ihr Husar eine Komplett-Auslastung von 100%.

Am 22. August eröffnet die Spielzeit 2019/20 mit den Wiederaufnahmen von Candide, Roxy und ihr Wunderteam und Jewgeni Onegin. Am 1. September 2019 lädt das Haus zum jährlichen Kinderfest zum Spielzeitauftakt ein, dieses Jahr unter dem Motto Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer, der neuen Kinderopernproduktion, die am 4. November Premiere feiert. Platzkarten für die Konzerte im Saal sind ab sofort an der Opernkasse erhältlich. Am 15. September steht mit dem ersten Teil der Konzert-Trilogie Flucht ein erstes Highlight auf dem Spielplan. Saisoneröffnungs-Premiere ist am 13. Oktober Heinz Werner Henzes The Bassarids, inszeniert von Barrie Kosky und mit Vladimir Jurowski am Pult.

—| IOCO Aktuell Komische Oper Berlin |—

München, Gärtnerplatz Theater, La Bohème – Giacomo Puccini, IOCO Kritik, 16.05.2019


Staatstheater am Gärtnerplatz München

Gärtnerplatztheater © Christian POGO Zach

Gärtnerplatztheater © Christian POGO Zach

La Boheme – Giacomo Puccini

 Künstler darben in einem Loft – Verismo aus heutiger Sicht ?

 von Daniela Zimmermann

Seit ihrer Uraufführung 1896 in Turin rührt  La Bohème, die Komposition von Giacomo Puccini (1858 – 1924), die Herzen der Zuschauer in aller Welt. Dort gezeigter Frohsinn, das Leiden junger Künstler, ihre Armut wie ihre Sensibilität berührten, sind in den Inszenierungen meist emotional ergreifend. La Boheme im Gärtnerplatztheater bricht mit dieser Tradition, es zeigt keine darbenden, einfach lebenden Künstler. In München ist man cool, jung, stylisch, trendy. Regisseur Mottl versetzt La Boheme in unsere heutige Zeit, heftiger Tatendrang junger tätowierter Männer ist dort Trumpf;  arm aber sexy sein – koste es, was es wolle; sensibles Mitgefühl ist wenig gefragt: Verismo ist out!

La Bohème –  Giacomo Puccini
youtube Staatstheater am Gärtnerplatz
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La Boheme in München spielt in der Jetztzeit. Es wird auch munter getrunken und im Quartier Latin auch an der schicken Eisbar. Die vier jungen Künstler verstehen sich bestens,  genießen das Leben. So bewohnen der Dichter Rodolfo  (Arthur Espiritu) der Musiker Schaunard (Liviu Holender), der Maler Marcello (Mathias Hausmann) und Philosoph Colline  (Christoph Seidl), vier  beste Freunde, ein schickes geräumiges Loft (Bühnenbild Friedrich Eggert), in dem es allerdings immer kalt ist. Die Kälte ist spürbar, denn alle Fenster sind ausgehängt und ständig rieselt draußen der Schnee. Eine Couch und eine warme Kuscheldecke sind das ganze Interieur. Die Wände sind voller Graffiti, aufwendig schwarz-weiß gestaltet, cool.

Die extravaganten, jungen Hipster – Künstlern im Avantgarde Look (Kostüme Alfred Mayerhofer) mit Kopfhörer und Tablets ausgestattet wollen sich amüsieren;  suchen das unbeschwerte Vergnügen: einer hat immer Geld, hungern braucht keiner, Tüten mit Fastfood gibt es reichlich. In diese Szenerie kommt Mimi (Suzanne Taffot), jung, ärmlich und voll Lebenslust,  mit  kräftig klarem lyrischem Sopran wunderbar zur Geltung;  interpretiert ausdruckstark ihr junges Lebensgefühl; verliebt sich in Rodolfo; Arthur Espiritu verfügt über eine kräftig seidige lyrische Tenorstimme mit welcher er dem Rodolfo eine gefühlsreiche, warme Erscheinung verleiht. Die sensible zarte  Arie Che gelida manina wird zu einem Höhepunkt des Abends.

Staatstheater am Gärtnerplatz / La Boheme - hier die Solisten © Marie-Laure Briane

Staatstheater am Gärtnerplatz / La Boheme – hier die Solisten © Marie-Laure Briane

Im folgenden Bild, auf dem Quartier Latin von Paris, auf einem Weihnachtsmarkt, im Cafe Momus, stellt Rodolfo seinen Künstler-Freunden seine große Liebe, Mimi, vor. Jasmina Sakr, als junge, exaltierte Musetta, nutzt  dort mit aufreizend feinem hohen Sopran ihre weiblichen  Verführungskünsten  auf  betuchte ältere Männer; mit ihrem reichen Begleiter Alcindoro (Holger Ohlmann) in weihnachtlichem Schneegestöber  treffen sich alle in einer Eisbar. Musetta erkennt Marcello, einen einstigen Freund, der Musettas heftigen Flirts nicht widerstehen kann. Musetta schickt  Alcindoro weg und versöhnt sich nach eifersüchtigem, kratzbürstigem HinundHer  wieder mit Marcello; beide fallen sich leidenschaftlich in die Arme.

Mimi und Rodolfo lieben sich; trotzdem kommt es zur Trennung: Rodolfo ist  krankhaft eifersüchtig; auch, so erzählt er Freund Marcello, ist er traurig, dass er Mimi in ihrer schweren Krankheit  nicht helfen kann.  Musetta, den Zustand der unter Schwindsucht leidenden Mimi kennend, stützt, ist voller Mitgefühl. In Rodolfo entflammt alte Liebe wieder; das Sterben der Mimi verdrängt er in seinem Mitgefühl.  Mit Mimis Tod – die Regie, die Regie –  werden die Fenster des Lofts eingehängt.

La Bohème –  Giacomo Puccini
youtube Staatstheater am Gärtnerplatz
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La Boheme  am Gärtnerplatztheater war also kühl, abstrakt inszeniert; mit mit dem Verismo seiner Komponisten verwandt. Trauer, Rührseligkeit, Mitgefühl, einfache Lebensgefühle waren wenig greifbar; Mitgeühl zwischen den Künstlern war wenig spürbar; eher spürte man in jenem Loft eher ein Gefühl von „cool sein wollen“, von „Modernität um jedem Preis“.

Doch die Stimmen der Solisten nahmen das Publikum mit, die lyrische Romantik der Komposition leuchtete mit Antony Bramalls Dirigat und den Klängen des Orchester des Staatstheaters: Dem Publikum gefiel diese Boheme also ..; es dankte mit großem Beifall.

La Boheme am Gärtnerplatztheater; die weiteren Vorstellungen 29.5.; 9.6.; 11.7.; 13.7.; 18.7.; 17.9.; 21.9.; 27.9.; 29.9.2019

—| IOCO Kritik Staatstheater am Gärtnerplatz |—

Hamburg, Staatsoper Hamburg, Manon Lescaut, Nabucco, Butterfly und mehr, 10.3. – 6.4.2018

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Staatsoper Hamburg

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

Italienische Opernwochen 10. März – 6. April 2019

Die Staatsoper Hamburg nimmt die Tradition der Italienischen Opernwochen wieder auf: Zwischen 10. März und 6. April 2019 werden die schönsten italienischen Opern des Repertoires mit herausragenden Sängerinnen und Sängern an der Staatsoper zu hören sein.

Nabucco von Giuseppe Verdi in der Inszenierung des in Russland inhaftierten Regisseurs Kirill Serebrennikov mit Dimitri Platanias als Nabucco, Alexander Vinogradov als Zaccaria, Oksana Dyka als Abigaille und Dovlet Nurgeldiyev als Ismaele ist in dieser Spielzeit noch am 17.3.; 20.3.; 23.3.;  2.4.: 5.4.2019 an der Staatsoper Hamburg zu sehen.        Hinweis:  Die meisten Nabucco – Vorstellungen sind bereits ausverkauft!

Nabucco – Giuseppe Verdi
youtube Trailer der Staatsoper Hamburg
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Gioacchino Rossinis Il Barbiere di Siviglia mit Franco Vassallo, Maurizio Muraro und Julia Lezhneva, sowie Irina Lungu und Stephen Costello in La Traviata und Ramón Vargas als Gustavo III. in Un Ballo in Maschera sind ebenfalls in den Italienischen Opernwochen der Staatsoper Hamburg gespielt.

Zwei Vorstellungen von Puccinis Oper Manon Lescaut finden am 21. und 29. März 2019 statt. Die Titelpartie ist mit Kristine Opolais prominent besetzt. Vittorio Prato ist in der Rolle Lescaut und Jorge de León als Il Cavaliere Renato Des Grieux zu erleben. Am Pult steht Francesco Ivan Ciampa.

2019:  Kristine Opolais ist Manon Lescaut, Vittorio Prato ist Lescaut

In Puccinis Werk muss Manon Lescaut, gesungen von Kristine Opolais, die Wahl treffen: Luxusleben oder wahre Liebe. Ihr Bruder Lescaut wird von Vittorio Prato dargestellt. Jorge de León ist als Des Grieux zu erleben. Philipp Himmelmann bildet die Geschichte in seiner Inszenierung retrospektiv ab – ein neuer Ansatz für den bekannten Opernklassiker.

Manon Lescaut  – Giacomo Puccini
youtube Trailer der Staatsoper Hamburg, 2012
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Die lettische Sopranistin Kristine Opolais ist Preisträgerin des „Paul Sakss Singers’ Award“ (2004), Gewinnerin des Lettischen Theaterpreises als beste Opernkünstlerin und des Lettischen Kulturstiftungspreises (2005), Gewinnerin des Großen Lettischen Musikpreises (2006 und 2007) und Trägerin vieler weitere Auszeichnungen. Wichtige Partien sind Mimì (La Bohème), Floria Tosca (Tosca), Manon Lescaut (Manon Lescaut), Rusalka (Rusalka), Cio-Cio San (Madama Butterfly), Tatjana (Eugen Onegin), Amelia (Simon Boccanegra), Margherita (Mefistofele), Jenufa (Jenufa), Suor Angelica (Suor Angelica), Magda (La Rondine), u.a.m. Kristine Opolais ist auf allen großen Opernbühnen zu Gast, so der Metropolitan Opera, Wiener Staatsoper, Deutsche Oper Berlin, Bayerische Staatsoper, Opernhaus Zürich, Teatro alla Scala, Royal Opera House Covent Garden, Festspielhaus Baden-Baden, Salzburger Festspiele, BBC Proms, Tanglewood Festival, Musikverein Wien, Royal Opera House Muscat, Royal Concertgebouw, Carnegie Hall, Lettische Nationaloper, u.a.

Giacomo Puccini    –    Manon Lescaut

Musikalische Leitung: Francesco Ivan Ciampa, Inszenierung: Philipp Himmelmann, Bühnenbild: Johannes Leiacker, Kostüme: Gesine Völlm, Licht: Bernd Purkrabek, Chor: Eberhard Friedrich

Mit: Manon Lescaut Kristine Opolais, Lescaut Vittorio Prato, Il Cavaliere Renato Des Grieux Jorge de León, Geronte di Ravoir Tigran Martirossian, Edmondo Oleksiy Palchykov, L’Oste Shin Yeo, Un Musico Ks. Gabriele Rossmanith, Il Maestro di Ballo Dongwon Kang, Un Lampionaio Hiroshi Amako, Un Sergente degli Arcieri Jóhann Kristinsson, Un Commandante di Marina Ang Du, Chor der Hamburgischen Staatsoper, Philharmonisches Staatsorchester Hamburg

In italienischer Sprache mit deutschen Übertexten, Unterstützt durch die Stiftung zur Förderung der Hamburgischen Staatsoper Vorstellungen am 21. und 29. März 2019, jeweils um 19.30 Uhr

—| Pressemeldung Staatsoper Hamburg |—

Magdeburg, Theater Magdeburg, La Bohème – Giacomo Puccini, IOCO Kritik, 23.02.2019

Februar 23, 2019 by  
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Theater Magdeburg

Theater Magdeburg © Theater Magdeburg / Hans Ludwig Boehme

Theater Magdeburg © Theater Magdeburg / Hans Ludwig Boehme

 La Bohème – Giacomo Puccini

  – Als Befreier zu Besatzern wurden – Paris, Ende der 1940er Jahre –

von Thomas Thielemann

Eigentlich waren wir am 16. Februar 2019 aus Dresden nach Magdeburg gereist, um im Theater Magdeburg die Premiere von Otello in der Inszenierung von Olivia Fuchs zu erleben. Doch, zwei der Hauptdarsteller waren leider erkrankt, so dass am diesem Abend eine Repertoire-Vorstellung von La Bohème in der Regie von Karen Stone,  Generalintendantin des Theater Magdeburg, gespielt wurde. Was wir erleben durften, hat uns angesprochen.

Der Saal des im Jahre 1997 nach einem Feuerschaden neu eingeweihten Hauses mit etwa 700 Plätzen macht zwar den Eindruck eines Filmtheaters, ermöglicht aber eine hervorragende Klangentwicklung von Gesang und Orchestermusik.

La Bohème – Giacomo Puccini
youtube Trailer des Theater Magdeburg
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Auffallend war uns Angereisten die „gesunde“ Altersstruktur des Publikums. Man spürte regelrecht, dass zwischen den Besuchern und der Bühne eine Verbundenheit bestand. Mag dies vielleicht der Tatsache geschuldet sein, dass wegen der erst am Vortag erfolgten Programmänderung vor allem dem Haus verbundene Menschen gekommen waren. Offenbar waren viele Eltern und Großeltern der Kinderdarstellergruppe des zweiten Aktes der Bohème im Saal. Zumindest lässt die Fluktuation in der Pause diese Vermutung zu. Das schränkt aber die Beobachtung einer Verbindung zwischen den Protagonisten und dem Publikum nicht ein.

Die Handlung der Bohème wurde von der Regisseurin in die letzten der 1940er Jahre verschoben, als die wirtschaftliche Situation der Pariser Bürger durchaus den schlechten Verhältnissen im neunzehnten Jahrhundert entsprach. In Paris waren seit der Befreiung Frankreichs von der deutschen Wehrmacht US-amerikanische Truppen stationiert. Gegen Ende des Jahrzehnts verschlechterte sich das Verhältnis zwischen den Soldaten und der Pariser Bevölkerung. Aus den Befreiern waren Besatzer geworden.

Das Bühnenbild und die Kostüme von Ulrich Schulz konnten sich den konventionellen Inszenierungen anlehnen und die Eingriffe der Regie in den Handlungsablauf überschaubar bleiben.

Theater Magdeburg / La Bohème - hier :   Schaunard, Marcello, Mimì, Rodolfo, Colline © Nilz Boehme

Theater Magdeburg / La Bohème – hier :   Schaunard, Marcello, Mimì, Rodolfo, Colline © Nilz Boehme

Gespielt, musiziert und gesungen wurde durchweg frisch und engagiert. Auf der Bühne war ständig selbst in den intimeren Szenen Bewegung, auffallend die präzise Personenführung. Wenn im Festgetümmel des zweiten Aktes durch die intensiven Bewegungen auf der Szene ein lebendiges und farbenfrohes Bild als Gegenstück zur Kargheit des Künstlermilieus erzeugt werden sollte, so war es schwierig die Übersicht zu behalte. Damit gingen für das Verständnis der Inszenierungsanliegen wichtige Detail unter Umständen verloren. Die Fragilität der Fröhlichkeit, durch den Balanceakt  der Musetta auf dem wackeligen Turm aus Tischen und Stühlen versinnbildlicht, und die Schwarzhändler-Tätigkeit der Uniformierten gingen im Getümmel unter.

Gesungen wurde auf einem hohen bis gutem Niveau. Besonders beeindruckt hat uns Agnieszka Adamczak als Mimi und das etwas aus der Handlung des vierten Aktes herausgenommene Lied über den alten Mantel des Colline, mit prägnantem Bass von Johannes Stermann vorgetragen.

Der dritte Akt gab mit seiner Vielzahl Duette Gelegenheit, die Grade der stimmlichen Entwicklung der Ensemblemitglieder zu vergleichen. Darunter waren eine Reihe guter erfolgversprechender Sängerdarsteller, wie der Rudolfo des US-Amerikaners Jonathan Widell, der Marcello des Georgiers Gocha Abuladze und die Musetta der Polin Agnieszka Sokilinicka.

Mit der Gestaltung der Schlussszene ist der Regie eine besondere Leistung gelungen. Dieses unpathetische Verlöschen der Mimi mit den wieder auflebenden Melodien des Liebesduetts ist zwar tieftraurig, vermeidet aber jede depressive Stimmung.

Das Orchester mit der Leitung des scheidenden Generalmusikdirektors Kimbo Ishii ist ein zurückhaltend-aufmerksamer ständiger Begleiter der Gesangssolisten. Ishii unterstützte, wo es nötig war und drehte, wo es angebracht.

—| IOCO Kritik Theater Magdeburg |—

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