Ludwigsburg, Ludwigsburger Schlossfestspiele, Motto 2019: ALLES AUF ANFANG, 09.05. – 20.07.2019

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Ludwigsburger Schlossfestspiele

Ludwigsburger Festspiele / Klassik Open Air & Feuerwerk © REINER PFISTERER

Ludwigsburger Festspiele / Klassik Open Air & Feuerwerk © REINER PFISTERER

  DIE LUDWIGSBURGER SCHLOSSFESTSPIELE 2019

»ALLES AUF ANFANG«

Mit einem letzten »Fest der Interpreten« beendet Thomas Wördehoff 2019 nach zehn Jahren seine Intendanz bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen.

Ludwigsburger Schlossfestspiele / Thomas Woerdehoff © Reiner Pfisterer

Ludwigsburger Schlossfestspiele / Thomas Woerdehoff © Reiner Pfisterer

Vom 9. Mai bis 20. Juli bietet das Festspielprogramm unter dem Motto Alles auf Anfang zahlreiche Gelegenheiten, Musik so zu erleben, als würde man sie zum ersten Mal hören. Solisten und Ensembles von Weltrang tragen dazu ebenso bei, wie neu zu entdeckende Interpreten und musikalische Wegbegleiter der Festspiele aus den letzten zehn Jahren: Camille Bertault, The Erlkings, Isabelle Faust, die Musicbanda Franui, Katia und Marielle Labèque, Harald Lesch, Valer  Sabadus, Frank Peter Zimmermann und natürlich das Orchester der Schlossfestspiele unter Pietari Inkinen sind nur einige der Interpreten, die bei knapp 60 Konzerten neue Blickwinkel auf die Musik eröffnen.

Ludwigsburger Festspiele / Igor Levit ©ROBBIE LAWRENCE

Ludwigsburger Festspiele / Igor Levit ©ROBBIE LAWRENCE

Pietari Inkinen feiert 2019 ein kleines Jubiläum bei den Schlossfestspielen: Es ist die fünfte Saison des Finnen als Chefdirigent des Festspielorchesters. Die traditionelle Rede zum Eröffnungskonzert (9. Mai) wird der Pianist Igor Levit halten. Als bekennender Europäer bezieht er immer wieder Position zu gesellschaftlichen Themen. Musik, sagt er, könne man nicht im politikfreien Raum machen – ein unmissverständlicher Ausgangspunkt seiner Eröffnungsrede für die Saison 2019. Musikalisch beginnt die Spielzeit mit Dmitri Schostakowitschs 13. Sinfonie Babi Jar für Orchester, Basssolo und Männerchor – einem  klanggewaltigen Fanal gegen das Vergessen.

Ludwigsburger Festspiele / Rene Pape © Jiyang Chen

Ludwigsburger Festspiele / Rene Pape © Jiyang Chen

Als Solist wird René Pape im Forum am Schlosspark zu erleben sein, der die Solopartie dieses beeindruckenden Werkes eigens für das Eröffnungskonzert einstudiert. Mit dem finnischen Männerchor Ylioppilaskunnan Laulajat steht Pape und dem Orchester der Schlossfestspiele einer der besten Männerchöre überhaupt zur Seite. Ein »Orchester mit Flügeln« (28. Juni) präsentieren die Schlossfestspiele mit den Schwestern Katia und Marielle Labèque, die in Ludwigsburg Bryce Dessners eigens für sie komponiertes Konzert für zwei Klaviere aufführen. Das Stück wird umrahmt von Béla Bartóks virtuosem Konzert für Orchester und John AdamsThe Chairman Dances. Das diesjährige Klassik Open Air & Feuerwerk (13. Juli) feiert unter dem Titel »Viva Europa!« die Europäische Idee mit Werken, die von Städten, Landschaften und Flüssen Europas inspiriert sind. Mit dem Abschlusskonzert (20. Juli) endet die Festspielsaison 2019 in Ludwigsburg. Thomas Wördehoff nimmt dies zum Anlass, gemäß des Saison-Mottos Alles auf Anfang, das klassische Konzertformat noch ein letztes Mal neu aufzurollen: Igor Levit und Thomas Gansch kommen zu diesem Finale erstmalig zusammen, um mit dem Orchester der Schlossfestspiele Dmitri Schostakowitschs Konzert für Klavier und Trompete zu spielen.

Ludwigsburger Schlossfestspiele / Nora Fischer © Sarah Wijzenbeek

Ludwigsburger Schlossfestspiele / Nora Fischer © Sarah Wijzenbeek

Die Sängerin Nora Fischer und der Gitarrist Marnix Dorrestein holen Kompositionen des 17. Jahrhunderts ins Hier und Jetzt und auch Fans der Band Mnozil Brass dürfen sich auf diesen ungewöhnlichen Konzertabend freuen, der noch einige Überraschungen bereithält.

Bei der diesjährigen Song Conversation treffen die französische Scat-Virtuosin Camille Bertault, der Pianist David Helbock und der Trompeter Médéric Collignon erstmalig aufeinander. Man darf gespannt sein, welche musikalischen Wege die drei experi-mentierfreudigen Musiker einschlagen, um sich bekannte Songs zu eigen zu machen.

Gleich zwei Veranstaltungen in dieser Saison rücken die Barockmusik in aktuelle Kontexte und eröffnen einen neuen Blick auf die alten Kompositionen. Beim Konzert Der Überseewanderer (30. Juni) stellen Reinhold Friedrich und das Blechbläserensemble der Ludwigsburger Schlossfestspiele Werke des Hochbarocks den westafrikanischen Klängen von Ngoni-Spieler Bassekou Kouyaté und der Sängerin Amy Sacko gegenüber. Einen neuen Blick auf die Musik eröffnen die Texte von Franz Daniel Pastorius, dem ersten deutschen Siedler in Amerika, der sich bereits 1688 öffentlich für die Gleichbehandlung der indigenen Bevölkerung und der afrikanischen Sklaven einsetzte und dessen Worte aus heutiger Sicht eine überraschende Aktualität aufweisen.

Für »Antonio Vivaldis Vier Jahreszeiten im Klimawande (6. & 7. Juli) haben sich das Merlin Ensemble Wien und Harald Lesch zusammengetan. Lesch, der immer wieder öffentlich Position zum fortschreitenden Klimawandel bezieht, ist der perfekte Erzähler für das Konzert, bei dem Vivaldis Die vier Jahreszeiten im Zusammenspiel mit historischen und aktuellen Wetterberichten in einen neuen Kontext gestellt werden.

Mit seinen melodischen Improvisationen lässt Fred Hersch (12. Mai) bei seinem Schlossfestspieldebüt gekonnt die Grenzen zwischen Klassik und Jazz verschwimmen. Otto Lechner & Sväng (30. Mai) gestalten mit Akkordeon und vier Mundharmonikas einen Abend zwischen Improvisation, Volksmusik und Tangomelodien. Gleich zwei Konzerte finden in dieser Saison erstmalig in Kooperation mit dem Deutschen Literaturarchiv Marbach statt: Das Berliner Kabarett-Duo Pigor & Eichhorn (15. Mai) präsentiert sein mehrfach ausgezeichnetes Programm »Volumen 9«, während The Erlkings und der Stihl Chor (6. Juni) mit englischen Interpretationen eine neue Seite des romantischen Liedguts beleuchten. Mit Schuberts Die schöne Müllerin (5. Juli) kommen die Erlkings einen Monat später in die Historische Kelter Bietigheim. In Höllenvisionen (29. Mai) berichtet der meisterhafte Stehgreiferzähler Michael Köhlmeier gemeinsam mit den Posaunisten Leonhard Paul und Bertl Mütter von den Mythen der Unterwelt. Norbert Lammert widmet sich dem gesprochenen Wort als Präzisionsinstrument: Die Lesung Am Anfang war das Wort (7. Juli) dreht sich um die wirkungskräftigen Anfänge großer Texte.

Ludwigsburger Schlossfestspiele / Christiane Karg © Gisela-Schenker

Ludwigsburger Schlossfestspiele / Christiane Karg © Gisela-Schenker

Der gefeierte Countertenor Valer Sabadus und die Akademie für Alte Musik Berlin (2. Juni) versehen barocke Arien der antiken Helden mit leidenschaftlichen Empfindungen. Christiane Karg, Antoine Tamestit und Malcolm Martineau (29. Juni) gestalten einen Liederabend rund um Lyrikvertonungen von der Romantik bis in die Moderne. Bariton Holger Falk und Pianist Steffen Schleiermacher präsentieren das Programm »Hanns Eisler: Ein deutsches Leben in Liedern« (10. Juli), für dessen Einspielung sie mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet wurden. Arianna Savall und das Ensemble Hirundo Maris bringen Gesänge vom Süden und Norden (11. Juli) mit nach Ludwigsburg.

Ludwigsburger Schlossfestspiele / Valer Sabadus © Christine-Schneider

Ludwigsburger Schlossfestspiele / Valer Sabadus © Christine-Schneider

Carl Maria von Webers Der Freischütz (12. & 14. Juli) wird in einer neuen Inszenierung zu erleben sein – aus der Perspektive eines jungen französischen Teams. Markenzeichen der Regisseure Clément Debailleul und Raphaël Navarro, die als gelernte Zauberkünstler bereits für den Cirque du Soleil tätig waren, ist die Magie Nouvelle. Mit visueller Magie und Hologrammtechnik legen die beiden das Augenmerk der Produktion auf die düstere Seite der Oper: Auf die ungreifbaren Ängste, welche die Figuren antreiben und die übernatürlichen Kräfte, welche die Regeln und Rituale der Jagdgemeinschaft bestimmen.

Rebecca Carrington und Colin Brown haben mit Turnadot (23., 24. & 25. Mai) im Auftrag der Schlossfestspiele die kleinste Operette der Welt kreiert. Deren Protagonisten bringen zwischen britischen Befindlichkeiten und Brexit-Chaos eine Aufführung von Puccinis Turandot gehörig durcheinander. Die Maskenspieler der Berliner Familie Flöz und die Tiroler Musicbanda Franui haben erstmalig zusammengearbeitet. Die gemeinsam entwickelte Liederoper »Himmelerde« (4. & 5. Juni) greift die romantische Gefühlswelt der Lieder von Schubert, Schumann und Mahler auf, die in den volksmusikalischen Arrangements von Franui nahbar und natürlich werden. Für die Vorstellungen von »Turnadot« und »Himmelerde« sind nur noch Restkarten verfügbar.

Ludwigsburger Schlossfestspiele / Ballett am Rhein - Symphonie g-Moll (Mozart) ch: Martin Schläpfer d.und K. Florian Etti © GERT WEIGELT

Ludwigsburger Schlossfestspiele / Ballett am Rhein – Symphonie g-Moll (Mozart) ch: Martin Schläpfer d.und K. Florian Etti © GERT WEIGELT

Das Ballett am Rhein (15. Juni) bereichert das Festspielprogramm mit zeitgenössischen Choreografien von Mark Morris und Martin Schläpfer. Steven Prengels und Arno Synaeve bringen mit »Berg« (4. & 5. Juli) ein musikalisch wie visuell eindrückliches Musiktheaterstück mit ins Schlosstheater, basierend auf Thomas Manns Zauberberg«und der anspruchsvollen Klangwelt Richard Wagners.

Ludwigsburger Schlossfestspiele / Nemanja Radulovic © Lukas Rotter / Deutsche Grammophon

Ludwigsburger Schlossfestspiele / Nemanja Radulovic © Lukas Rotter / Deutsche Grammophon

[ Von Nemanja Radulovic wurden verschiedene Aufnahmen bei der Deutschen Grammophon veröffentlicht ]

Ludwigsburger Schlossfestspiele / Laure Favre-Kahn © Emmanuel Donny

Ludwigsburger Schlossfestspiele / Laure Favre-Kahn © Emmanuel Donny

Der Serbische Geiger Nemanja Radulovic und die französische Pianistin Laure Favre-Kahn (18. Mai) schlagen im Porsche Museum einen Bogen von der Musik der Romantik bis zum französischen Impressionismus. Die beiden befreundeten Musiker Gautier Capuçon & Jean-Yves Thibaudet (7. Juni) widmen sich gemeinsam Cellosonaten von Debussy, Brahms und Rachmaninow. Mit Klaviertrios Ludwig van Beethovens kommen Faust, Queyras & Melnikov (13. Juni) in den Ordenssaal. Neben diesem Kammermusikabend ist die Geigerin Isabelle Faust in dieser Saison auch mit dem Kammerorchester Basel (26. Mai) im Forum am Schlosspark zu erleben. Frank Peter Zimmermann und Martin Helmchen (17. Juli) setzen bei ihrem Festspiel-Debüt mit Sonaten für Violine und Klavier neue Maßstäbe in der Beethoven-Interpretation. Der Pianist Igor Levit (18. Juli) kann bei seinem Recital mit Werken von Gustav Mahler und Franz Liszt als Solokünstler erlebt werden.

—| Pressemeldung Ludwigsburger Schlossfestspiele |—

Wien, Wiener Staatsoper, Die Spielzeiten 2017/18 – 2018/19 – Zahlen, Daten, Fakten, IOCO Aktuell, 19.02.2019

Februar 19, 2019 by  
Filed under Ballett, Hervorheben, IOCO Aktuell, Oper, Wiener Staatsoper

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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wiener Staatsoper – Zahlen, Daten, Fakten

Geschäftsbericht 2017/18 – Status 2018/19

Die Wiener Staatsoper ist kultureller Olymp der Musiktheater Europas. Über 600.000 Besucher, bei einer Auslastung von regelmäßig über 98% erreicht kein anderes Musiktheater der Welt. Die Wiener Staatsoper veröffentlicht jedes Jahr einen öffentlich zugänglichen, umfassenden Geschäftsbericht. Der nun für die Spielzeit 2017/18 veröffentlichte Geschäftsbericht beschreibt auf 123 Seiten umfassend professionell das künstlerische, operative wie kaufmännische  Gebaren der Staatsoper. Der transparente Bericht verdeutlicht Kompetenz sowie hohe Sensibilität im Umgang mit öffentlichen Mitteln.

Olymp der Musiktheater – Die Wiener Staatsoper – Auslastung

Die Bedeutung der Auslastung von Produktionen wird von Theaterleitern wie Künstlern oft sensibel, scheu behandelt; ein klammheimliches Dogma, „Kunst kennt keine Kosten“, schwebt leise mit in „unbestimmten Tönen“. Die Wiener Staatsoper und ihr Geschäftsbericht zeigen dagegen seit Jahren, daß anspruchsvolle Kunst und hohe Auslastung in harmonischer Symbiose leben können. Voraussetzung dazu ist, daß hohe Professionalität nicht allein auf der Bühne, sondern, in gleichem Umfang aber unsichtbar, auch „hinter der Bühne“ geleistet wird.

Der Staatsopern Geschäftsbericht zur Spielzeit 2017/18 zeigt die Auslastung aller Produktionen der Spielzeit in großem Detail. So waren die drei Vorstellungen von Simon Boccanegra zu 100% ausgelastet / ausverkauft, TOSCA – Vorstellungen zu 99,99%. Vier PELLÉAS ET MÉLISANDE – Vorstellungen waren, von allen Opernproduktionen der Spielzeit 2017/18 mit 97,06% am niedrigsten ausgelastet. Elf Giselle Ballettabende zogen 22.149 Besucher 2017/18 in ihren Bann: Giselle Abende waren zu 99.96% ausgelastet.

Wie erklärte Intendant Dominique Meyer seinen, die Auslastung von Produktionen  immer einschließenden Fokus auf einer vergangenen Jahrespressekonferenz:  „Es gibt Leute die sagen, Auslastung sei nicht wichtig; doch was würden diese Leute sagen, wenn die Auslastung niedrig wäre….„.

Intendant Dominique Meyer und Ballettchef Manuel Legris © IOCO

Wiener Staatsoper / Intendant Dominique Meyer und Ballettchef Manuel Legris © IOCO

Die Eckpunkte der Spielzeit 2017/18:  402 Vorstellungen und Eigen-veranstaltungen, 608.955 Besucher/Innen; 292 Vorstellungen auf der Hauptbühne der Wiener Staatsoper; Sitzplatzauslastung 98,03 %.

Die Zwischenbilanz der Spielzeit 2018/2019 zum 15.2.2019: Sitzplatzauslastung im Großen Haus 99,20% (nur Oper: 99,37%).

Dominique Meyer, Intendant und  Thomas W. Platzer, Kfm. Geschäftsführer
Festellungen zur Spielzeit 2017/18

„Auch in der Spielzeit 2017/18 brachte die künstlerische Auseinandersetzung mit den wichtigen Musiktheaterwerken eine Beschäftigung mit den Themen unserer Zeit mit sich: Der Mensch inmitten vieler auf ihn einstürmender Fragestellungen, in Entscheidungslagen zwischen dem privaten und dem Wohl anderer, konfrontiert mit umstürzenden Gesellschaften, umstürzenden Lebensentwürfen, zwischen Macht und Ideenlehre, instrumentiert, glaubend, liebend, verführt, gefangen zwischen Vision und Verwirklichung, politischer wie menschlicher Befindlichkeiten. Und das waren nur die Themen der Opern-Premieren! Nämlich: Der Spieler von Sergej Prokofjew, Alban Bergs Lulu, Georg Friedrich Händels Ariodante, Gottfried von Einems Dantons Tod und Camille Saint-Saëns’ Samson et Dalila und Carl Maria von Webers Der Freischütz. Dazu kommt die große Menge unserer Repertoire-Werke, die weitere Themen in den gesellschaftlichen Verhandlungs-Talon warfen…

Wiener Staatsoper  – Imagefilm
youtube Video der Wiener Staatsoper
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Dies setzte sich auch beim Ballett fort, EDEN|EDEN – Mittelstück des dreiteiligen Abends MacMillan | McGregor | Ashton – diskutierte das Verhältnis von Mensch und Technik, im Speziellen das Klonen, Peer Gynt in der Choreographie von Edward Clug erschloss nicht nur nordische Stimmungen, sondern folgte dem Titelhelden vor allem in die psychologischen Tiefen seiner Lebensreise, die ausschnittweise auch bei der inzwischen traditionellen Nurejew Gala zu sehen war.

Wie stets war es somit auch diesmal unser Bestreben, den Kanon der szenischen Sprache nicht nur breit zu halten, sondern ihn sogar noch zu erweitern: die Pluralität des Ausdrucks gehört zu den Grundpfeilern unseres künstlerischen Selbstverständnisses! Wie auch die Vielfalt der musikalischen Interpretationen. Stellvertretend für die musikalische Bandbreite möchte ich auf die Premieren-Dirigentinnen und -Dirigenten hinweisen, die bei uns zu Gast waren: Simone Young, Ingo Metzmacher, William Christie, Susanna Mälkki, Marco Armiliato, Tomáš Netopil. Sechs Persönlichkeiten, die auf ihre jeweils unvergleichliche, unterschiedliche Sprache zur Ausdruckswahrheit der Musik vorstießen, sehr verschiedenartig im jeweiligen Duktus, aber immer beeindruckend und faszinierend. Es ist schön, dass dieses große Haus sich nicht nur durch eine Weite des Repertoires auszeichnet, sondern vor allem auch durch eine Weite der künstlerischen Sichten, Sprachen, Ausdrucksformen und Zugänge – auch das gehört zum Wesen der Wiener Staatsoper! Diese Erzählweite wird durch das Ensemble, die internationalen Gastsolistinnen und -solisten, das Orchester sowie den Chor überhaupt erst möglich gemacht. Dass die genann-ten Solisten gemeinsam die Weltspitze abbilden, braucht nicht erwähnt zu werden, wie stets traten auch in dieser Spielzeit alle wesentlichen Vertreter der jeweiligen Genres auf – jede Aufzählung würde den Rahmen sprengen!

Wiener Staatsoper / Thomas W. Platzer und Dominique Meyer © IOCO

Wiener Staatsoper / Thomas W. Platzer und Dominique Meyer © IOCO

Neben den Abendveranstaltungen im Großen Haus fanden auch zahlreiche weitere Projekte statt: Kinderoper, unter anderem eine Neuproduktion der Wiener Fassung von Alma Deutschers Cinderella (in der AGRANA STUDIOBÜHNE | WALFISCH-GASSE) oder Die Zauberflöte für Kinder am Tag nach dem Opernball; Projekte der Opernschule der Wiener Staatsoper und der Ballettakademie; Solistenkonzerte; Gesangsmatineen des Ensembles im Gustav Mahler-Saal; Kammermusik der Wiener Philharmoniker; Gesprächsveranstaltungen und Diskussionen in der Walfischgasse und das Streaming-Projekt WIENER STAATSOPER live at home. Erwähnenswert ist an dieser Stelle auch das neue Untertitel- und Informationssystem, mit dem das Publikum seit Saisonbeginn 2017/2018 während der Opernvorstellungen aus Untertiteln in sechs Sprachen wählen und vor bzw. in den Pausen der Aufführungen ein umfangreiches Informationsangebot auf neuen Displays nutzen kann. All das rundet das Programm und Angebot der Wiener Staatsoper in verschiedenen Bereichen ab und sorgt für eine zusätzliche Belebung des künstlerischen Spektrums.“

—| IOCO Aktuell Wiener Staatsoper |—

Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Ballett am Rhein in Taiwan, März 2019

Februar 14, 2019 by  
Filed under Ballett, Deutsche Oper am Rhein, Pressemeldung

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Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

Ballett am Rhein tanzt in Taiwan

Mit Martin Schläpfers Choreographie „7“ zu Gustav Mahlers Sinfonie Nr. 7 e-Moll folgt das Ballett am Rhein vom 2. bis zum 10. März 2019 einer Einladung nach Taiwan. Die erste Station macht die preisgekrönte Compagnie im National Kaohsiung Center for the Arts Weiwuying, dem weltweit größten Zentrum für darstellende Künste, das erst vor wenigen Monaten eröffnet wurde. Danach führt die Reise nach Taichung in das ebenfalls hochmoderne National Taichung Theatre. Musikalisch begleitet wird die Compagnie vom Taipei Symphony Orchestra unter der Leitung von Wen-Pin Chien.7“ ist eines der meist gefragten Stücke aus dem Repertoire des Balletts am Rhein: Es war unter anderem bereits in Moskau, München, Edinburgh und Bilbao zu erleben.

Deutsche Oper am Rhein / Martin Schläpfer: 7 – Marlúcia do Amaral, Bruno Narnhammer © Gert Weigelt

Deutsche Oper am Rhein / Martin Schläpfer: 7 – Marlúcia do Amaral, Bruno Narnhammer © Gert Weigelt

Der Terminplan für das Ballett am Rhein und seinen Chef-Choreographen ist bei ihrem Gastspiel in Taiwan eng getaktet: Neben vier Vorstellungen in zwei der modernsten Spielstätten der Welt und den dazu gehörigen Trainings und Proben stehen für die Compagnie eine Masterclass und ein Workshop mit dem international renommierten Cloud Gate Dance Theater in Taipeh auf dem Programm. Auch eine Podiumsdiskussion zwischen Martin Schläpfer und Lin Hwai-min, der 1973 das Cloud Gate Dance Theater als erstes modernes Ballett in Taiwan gründete und es bis heute leitet, ist Teil des Programms. Ein absoluter Glücksfall in Sachen Timing, zieht sich der charismatische Gründer der weltweit für ihre gelungene Mischung aus Ballett, Tai-Chi, Martial Arts und fernöstlicher Poesie gefeierten Compagnie zum Ende des Jahres aus deren Leitung zurück.

Martin Schläpfers Stücke indes sind geprägt von dessen kontinuierlicher Weiterentwicklung klassischer Ballettformen und seinem schier unerschöpflichen Erfindungsreichtum. Für sein Ballett auf Mahlers 7. Sinfonie folgte Schläpfer einer seit vielen Jahren immer weiter entwickelten Dramaturgie der collagenhaften Verknüpfung verschiedener Bilder. Wie ein roter Faden zieht sich durch „7“ die Suche nach Heimat, ein Thema, das auch mit der Geschichte Taiwans eng verknüpft ist und große Aktualität besitzt.


„7“ im National Kaohsiung Center for the Arts Weiwuying
www.npac-weiwuying.org: Sa 02.03., 19.30 Uhr | So 03.03., 14.30 Uhr

„7“ im National Taichung Theatre (NTT)
www.npac-ntt.org: Sa 09.03., 14.30 Uhr | So 10.03., 14.30 Uhr

—| Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

Berlin, Pentatone – Musikhören und digitaler Wandel, IOCO, 07.02.2019

Februar 9, 2019 by  
Filed under Hervorheben, IOCO - CD-Rezension, Konzert, Oper

 

Pentatone LOGO

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PENTATONE

PENTATONE – Die Welt des Labels 

Womit überrascht es 2019 – Musikhören und digitaler Wandel

von Michael Stange

Musik wird heute meist mittels Mobil- oder Hi-Fi-Geräten erlebt. Tonträger und Technik sind dadurch zentral für das Hörerlebnis und die Erwartungen an Live-Konzerte. Vorschläge der Streamingsdienste für nach Computeralgorithmen generierte Playlists prägen in weiten Teilen den Geschmack der Hörer.

Tamara Stefanovich und Kaspar van Kooten PENTATONE © Jörg Rüger, Berlin, httpswww.sichtbarkeiten.de

Tamara Stefanovich und Kaspar van Kooten PENTATONE © Jörg Rüger, Berlin, httpswww.sichtbarkeiten.de

Meilensteine dieses Wandels waren die Erfindung der Tonaufnahme und die Verbreitung von Musik aller Kontinente durch Schallplatten und später durch die Kurzwellensender der Radiostationen aller Welt. Bald danach boten Schallplatten und CDs die Möglichkeit, sich vertieft und eigenständig in alle Erteile, Epochen und Musikrichtungen zu begeben.

Entsprechende technische Geräte zogen in die Wohnungen der Hörer. So wurden Künstler weltbekannt und Plattenlabel verkauften manche Tonträger millionenfach mit immensem Profit.

Mit der Digitalisierung wurden diese Geschäftsmodelle zu Grabe getragen. Tonträgermarkt und Hörverhalten haben sich revolutioniert. Streaming Dienste ersetzen physische Tonträger. Kostenlos verfügbare Angebote wie youtube bieten gigantische Musikbibliotheken und früher kaum Beschaffbares steht nach einem Klick gratis zur Verfügung.

Arabella Steinbacher © Jörg Rüger, Berlin, www.sichtbarkeiten.de

Arabella Steinbacher © Jörg Rüger, Berlin, www.sichtbarkeiten.de

Ein Umstand spielt aber heute noch den verbliebenen rührigen Plattenlabels in die Hände. YouTube, digitale Radiosender und mancher Stream geraten Hinsichtlich der Klangqualität rasch an ihre Grenzen.

Schlecht Aufgenommenem und stark Komprimiertem fehlen Dynamik, Präzision und Klangschönheit. Ergänzt durch leistungsschwache Wiedergabegeräte bleiben insbesondere bei Orchester-, Vokal- und Instrumentalaufnahmen am Kopfhörer des Smartphones viele Wünsche nach wirklichkeitsgetreuer, raumfüllender Wiedergabe offen.

Dass Klangvollendetes Hören mit guten technischen Geräten für die Musikwiedergabe beginnt haben die Konsumenten erkannt. Der Markt für Hi-Fi-Komponenten wächst. Umsätze für Verstärker, Streaming Geräte und Hi-Fi-Lautsprecher steigen. Der Trend zu hochwertigen Geräten und höheren Preisen scheint ungebrochen.

Die vollendete Wiedergabequalität gewährleisten heute Super Audio CD (SACD), CD, ein hochauflösender Stream oder ein hochwertiger Download. Bindeglied zwischen Musik und Wiedergabegeräten sind qualitativ hochwertigen Aufnahmen, die sämtliche Möglichkeiten der heutigen Aufnahme- und Wiedergabemöglichkeiten nutzen.

Im Klassikbereich müssen Musiklabels daher noch mehr als früher auf technisch und künstlerisch hochwertige Aufnahmen als Markenzeichen und Alleinstellungsmerkmale setzen. Dies wird idealerweise durch einen vielfältigen spannenden Katalog mit Bewährtem und Neuem ergänzt.

  PENTATONE  –  Das Label

Große Interpretationen und perfekte Technik gehören zur Philosophie von PENTATONE. Mit der Qualität der Künstler und der technischen Perfektion der Aufnahmen wird kräftig gepunktet. Der exquisite Geschmack bei der Auswahl des Repertoires, die Vielfältigkeit des Katalogs, der außerordentlich große Reigen an brillanten Künstlerinnen und Künstlern, ihre Interpretationen und der Klang der Aufnahmen begeistern.

Simon Eder, der Geschäftsführer von PENTATONE, fasste dies dergestalt zusammen, dass Tonträgerproduzenten bzw. Label heute auch die Aufgabe haben, die Künstler in den Mittelpunkt zu stellen und sie durch Marketing auch in den sozialen Medien zu unterstützen.

Ein weiterer Aspekt ist, dass die Güte der Aufnahmen und die technische Qualität idealerweise derart faszinieren, dass Musikfans gern auch zu bisher für sie Unbekanntem greifen, weil sie dem musikalischen Geschmack des Teams von PENTATONE vertrauen.

Denis Kozhukhin, Renaud Loranger © Jörg Rüger, www.sichtbarkeiten.de

Denis Kozhukhin, Renaud Loranger © Jörg Rüger, www.sichtbarkeiten.de

Die Aufnahmen sind von höchster Qualität. Mit Spitzentechnologie und kundigen Toningenieuren wird die Musik naturgetreu eingefangen. Dies ist dem PENTATONE Label auch ein wenig in die Wiege gelegt. Seine Gründer waren drei ehemaligen leitende Angestellten der Philips Classics Records. Sie setzen auf den 5-Kanal-Surround-Sound als Ersatz für den Stereoklang. Der Vorläufer dieser Technologie war die Quadrophonie im Hi-Fi Bereich. In den siebziger Jahren ersonnen und erprobt, hat sie sich bei Industrie und Hörern wegen komplexer technischer Anforderungen, der Preise für die erforderlichen Geräte und des Erfordernisses von vier Lautsprechern nicht durchgesetzt. Dies hat sich durch technische Innovationen und die Beliebtheit von auch für die Wiedergabe von Filmen verwendbaren Surround Systemen heute gewandelt.

Bisher sind 27 Quadrophonie-Einspielungen legendärer Philips-Classics-Künstler jener Epoche auf SACD erschienen. Sie kommen in exzellenten 4-Kanal-Aufnahmen so zur Geltung, wie es 1970 geplant war. Dadurch besteht beispielsweise erstmals die Möglichkeit, Rafael Kubeliks Beethoven – Zyklus mit dem Concertgebouw Orchester in dieser damals revolutionären Technologie zu hören.

Hauptteil des Katalogs sind aber Neueinspielungen in brillanter Qualität. Unter Marek Janowski liegen Richard Wagner Hauptbühnenwerke auf 33 SACDs vor. Darüber hinaus enthält der Katalog in Hülle und Fülle weitere Komponisten und hervorragende Interpreten.

Alle PENTATONE-Aufnahmen erscheinen auf sogenannten hybriden SACDs, die zwei miteinander verbundene Schichten haben. Die erste enthält das normale CD-Signal, während auf der zweiten das Surround-Sound-Signal liegt. Diese hybriden Tonträger können in Stereo auf jedem normalen CD-Spieler abgespielt werden. Um den Surround-Sound-Effekt zu erzielen, benötigt man einen SACD-Spieler und eine Sourround-Hi-Fi-Anlage.

Guy Braunstein © Jörg Rüger, Berlin, www.sichtbarkeiten.de

Guy Braunstein © Jörg Rüger, Berlin, www.sichtbarkeiten.de

Schon mit einem CD Spieler oder einem Wiedergabegerät für Streams kann der Stereo-Hörer in die PENTATONE Welt eintauchen. Die SACDs brillieren auch dort durch räumliche Klangwiedergabe, blühende Farben von Orchester und Instrumenten, ihre Dynamik und die Klangschönheit der Aufnahmen.

Die Aufnahmen:

CD Anna Lucia Richter –  Heimweh

Liedern mit dem Thema Heimweh von Franz Schubert widmet der Sopran Anna Lucia Richter ihr ihre Debüt-Album bei PENTATONE.

Selbst Hörer, die dem Liedgesang erst für sich entdecken dürften die Interpretationen und die Hingabe von Anna Lucia Richter in ihren Bann ziehen. Anna Lucia Richter ist in der Welt des Liedes zutiefst zu Hause und hat mit dem Album belegt, dass sie zur ersten Reihe der heutigen Liedinterpretinnen gehört. Ihr gelingt es mit Poesie, Musikalität und Charisma den Hörer zu umgarnen und in die Welten der Dichter und Schuberts Musik zu entführen. Ihr glockenheller Sopran punktet in Tiefe und Mittellage mit bronzefarbenem Timbre und erreich silbrig schimmernde, jauchzende Höhen. Ihr Album gestaltet sie mit musikalischer Präzision, Textdeutlichkeit und glutvollen, beseelten Stimmfarben. Das Textbuch kann getrost zur Seite gelegt werden. Durch ihre sprudelnden Stimmfarben und ihre tiefe emotionaler Involviertheit gelingt es ihr, die Zuhörer an den Lautsprechern schon nach den ersten Takten ihren Bann zu ziehen.

Beispielhaft ist die erste Zeile des Liedes Nr. 2 der Mignon. „Heiß mich nicht reden..“, die sie mit ungemein verhaltener Melancholie nimmt, bei „der Sonne Lauf“ blüht die Stimme wie Sonnenlicht auf, verschattet sich wie Nebel bei „der finstern Nacht“ und leuchtet danach wieder intensiv bei „erhellen“ auf. Jedes Lied ist mit einer Stilsicherheit, einem tiefen inneren Erleben und einer Intensität vorgetragen, die Staunen macht. Gerold Huber spürt die Farben und den Atem der Lieder und des Soprans. Seine schwebende und musikalische intensive Begleitung tragen einen großen Teil zur Stimmigkeit und Schönheit dieser Liedeinspielungen bei. Technisch punktet die Aufnahme durch eine kammermusikalische Atmosphäre, klaren Klang und getreue Wiedergabe von Stimme und Klavier ein wesentlicher Faktor dieses wunderbaren Albums ist. Ungemein beglückend und emotional zutiefst berührend.  Bravo!

CD Richard Strauss – Alpensinfonie –  hr-Sinfonieorchester Frankfurt und
Andrés Orozco-Estrada

Die Alpensinfonie von Richard Strauss ist üppig-illustrierte Reise. Das kühne, optimistische und leidenschaftliche Werk erzählt in 22 Abschnitten von einer Bergbesteigung und dem folgenden Abstieg. Sie stellt entfesselte und ekstatische Ausbrüche orchestraler Farben neben Momente ehrfürchtiger Betrachtung der Naturschauspiele. Strauss verband im Werk persönliche Erinnerungen sowie Reaktionen die Tode Friedrich Nietzsche und Gustav Mahlers Jahr 1911. So entstand das Werk in einer Zeit, in der klar war, dass die alte Welt unterging. Er selbst schrieb in seinem Tagebuch: „Ich möchte meine Alpensinfonie Anti-Christ nennen. Sie ist eine moralische Reinigung durch eigene Anstrengung, Befreiung durch Arbeit und Anbetung der ewigen, ruhmvollen Natur.“ Im Jahr 1915 ist es vor den „Vier letzten Liedern“ der erste Weltabschied von Richard Strauss von seiner damaligen gewohnten Welt, der Monarchie und ihrer Bürgerlichkeit, die mit Beginn des 1. Weltkriegs versank.

Johannes Moser © Jörg Rüger, Berlin, www.sichtbarkeiten.de

Johannes Moser © Jörg Rüger, Berlin, www.sichtbarkeiten.de

In Orchesterfarben und Klangbild der Alpensinfonie finden sich viele traditionelle Klänge und Bezüge zur Spätromantik. Die interpretatorische Tücke liegt darin, Strauss Intentionen nicht als Kitsch abzutun, sondern sie schwelgerisch auszukosten und die Partitur erblühen zu lassen statt die Orchesterfarben durch rasche Tempi zu verwischen, zu verdecken oder zu „glätten“.

Dies gelingt dem Sinfonieorchester des Frankfurter Rundfunks und Andrés Orozco-Estrada vortrefflich. Die beredsame Phrasierung und die klare und glutvolle Spielweise sind ein großer Pluspunkt der Aufnahme. Orozco-Estradas Ansatz besticht durch warmen Ton und majestätisches Ausloten der Partitur. Die „Vision“ wird mit weitem Atem gespielt und lyrisch ausgekostet. Orozco-Estrada lässt die Schweizer Natur auf der Alm vor dem Auge des Hörers erstehen. Innigkeit und Freude des Spiels atmen Grasgeruch und Sonnenlicht. Die vielen Bilder der Sinfonie erstehen durch die Spielfreude des Orchesters lebhaft vor dem Auge des Zuhörers. Spannungen werden sorgsam vorbereitet, gut aufgebaut und machtvoll durchlebt. Orozco-Estradas Sichtweise überzeugt durch herrlicher Wärme und Größe. Ein immenser Pluspunkt ist auch die klangliche Brillanz der Aufnahme der Performance und der Farbreichtum.

Zehn Minuten länger als Richard Strauss in seiner Einspielung von 1941 oder fünf Minuten länger als Hans Knappertsbusch braucht Orozco-Estrada. Die Musik fließt, sie bleibt trotz Auskosten intensiver Momente nie stehen. Geschaffen wird eine Alpensinfonie, in der sich Melodie und Farben organisch entwickeln und die durch beseelte Interpretation besticht. Orozco-Estrada hat eine extrovertierte, aber auch sehr aufrichtige und liebevolle Vision der Alpen im Sinne von Richard Strauss für die heutigen Hörer aufgenommen.

Die Aufnahme atmet den Geist des Werkes in seiner Melancholie und Anbetung der Natur. Sie besticht durch ihre Musikalität und Leidenschaft. Luxuriös ausgekostet, wissend im Detail und liebevoll in den Klangfarben haben Orchester und Dirigent hier einen wertvollen Beitrag zur Strauss Discographie geleistet.

Die Aufnahmequalität ist perfekt. Der Orchesterklang warm und durchsichtig, die Balance zwischen den Instrumenten und die Dynamik perfekt. Das Versprechen auf der Rückseite des Booklet  „Sit back and enjoy“  wird vollends erfüllt.

PENTATONE Event Berlin 2019

Ihr Label und die Pläne für 2019 stellten PENTATONE Vorstand Simon Eder, Renaud Loranger (Vorstand Artists and Repertoire) und Kasper van Kooten (Produkt Manager) vor.

Im Februar wird die Schubert Lied CD Heimweh mit Anna Lucia Richter erscheinen. Sämtliche Planungen finden sich schon auf der Webseite des Labels (http://www.PENTATONEmusic.com/releases).

Tamara Stefanovich © Jörg Rüger, Berlin, www.sichtbarkeiten.de

Tamara Stefanovich © Jörg Rüger, Berlin, www.sichtbarkeiten.de

Im März 2019 wird die Pianistin Tamara Stefanovich eine CD mit Werken von Bach, Messiaen, Béla Bartók, Charles Ives veröffentlichen. Man darf gespannt sein. Für sie bedeutet Klavierspiel auch die Suche nach authentischer Musik. Dies demonstrierte sie beim Release Event mit Ausschnitten aus Sonaten von Ives. Mit Verve, Leidenschaft und fein durchgeformtem Anschlag interpretierte sie diesen faszinierenden Komponisten.

Ein weiterer Höhepunkt dürfte die Klavier CD Denis Kozhukhins mit Grieg und Mendelssohn werden. Sein Grieg paart Kühle und Feuer. Mit technischer Brillanz bot er Kostproben seiner Sicht auf Grieg, die neugierig machten.

Arabella Steinbacher gab Charmant einen Ausblick auf ihre im Oktober erscheinende CD Four Seasons mit Werken von Antonio Vivaldi und Astor Piazzolla, die sie mit dem Munich Chamber Orchestra eingespielt hat. Einen glutvollen, mitreißenden Vorgeschmack darauf gab sie mit Stücken aus den Jahreszeiten von Piazzola.

Johannes Moser präsentierte seine Sicht auf Mendelssohn Cello Sonaten mit rundem Bogen und innigem Ton. Diese CD erscheint im August 2019. Nebendem ist vieles mehr zu erwarten. Stöbern lohnt sich.

Eine gelungene Veranstaltung mit einem sympathischen, gut aufgelegten Reigen an Künstlern und Musikproduzenten. Die Ankündigungen und musikalischen Kostproben machten auf die Veröffentlichungen gespannt. Ein runder Auftakt für das Musikjahr 2019.

—| IOCO CD-Rezension |—

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