Dresden, Sächsische Staatskapelle, Staatskapelle – Konzertsaison 2021/22, IOCO Aktuell, 08.07.2021

Teilen Sie den Artikel
  •  
  •  
  •  
  •  
  •   

saechs_staatskapelle.jpg
Sächsische Staatskapelle Dresden

Semperoper

Semperoper © Matthias Creutziger

Semperoper © Matthias Creutziger

Sächsische Staatskapelle  –  Konzertsaison 2021/2022

Aufbruch ins Unbekannte: letzte Werke, neue Aspekte 

Zum Ende einer pandemiebedingt größtenteils unterbrochenen Spielzeit veröffentlicht die Sächsische Staatskapelle Dresden ihre Programme und Vorhaben für die Saison 2021/2022. Nach der Zäsur der vergangenen Monate reflektieren letzte Werke großer Komponisten über Ende und Neuanfang. Chefdirigent Christian Thielemann dirigiert trotz seines Sabbaticals u. a. die Neunten von Beethoven und Bruckner. Neben Konzerten mit dem Ersten Gastdirigenten Myung-Whun Chung und Ehrendirigent Herbert Blomstedt wird Antoine Tamestit als neuer Capell-Virtuos des 473 Jahre alten Klangkörpers mehrfach in Dresden zu erleben sein. Neuer Capell-Compositeur ist der deutsche Komponist und Dirigent Matthias Pintscher.

Sächsische Staatskapelle Dresden mit Chor unter Daniel Harding in der Semperoper © Matthias Creutziger

Sächsische Staatskapelle Dresden mit Chor unter Daniel Harding in der Semperoper © Matthias Creutziger

Christian Thielemann vollendet Beethoven-Zyklus

Mit Beginn der Saison schließen Christian Thielemann und die Sächsische Staatskapelle ihren vor zwei Jahren begonnenen Zyklus sämtlicher Symphonien Ludwig van Beethovens ab. Im 1. Symphoniekonzert erklingen die gegenüber seinen anderen Symphonien oft vernachlässigte Achte und die bisherige Gattungsgrenzen sprengende Neunte des großen Klassikers. »Für mich ist es rückblickend fast ein kleines Wunder, dass wir trotz aller Absagen und Spielplanänderungen unseren Beethoven-Zyklus wie geplant durch die Pandemie gebracht haben«, so Thielemann. »Insbesondere in den beiden letzten Symphonien erkennt man den gereiften Komponisten: Beethovens Achte hat eine gewisse Doppelbödigkeit, die uns als Zuhörer etwas ratlos zurücklässt. Und bei der monumentalen Neunten vergessen wir oft, wie radikal sie dem damaligen Publikum vorgekommen sein muss. Zurecht haben wir uns für die Erarbeitung aller Symphonien fast zwei Jahre Zeit gelassen – so entstand eine Durchdringung und ein wirkliches Verstehen dieser einmaligen Meisterwerke der Konzertliteratur.«

In den Konzerten zum Gedenken an die Zerstörung Dresdens am 13. Februar 1945 setzt Christian Thielemann einen Fokus auf Anton Bruckner. Dessen letzte Symphonie, in vielerlei Hinsicht die radikalste des Komponisten, blieb unvollendet. An die Stelle des fehlenden Finalsatzes stellt er Bruckners Te Deum – ein Werk, das den Komponisten mit Stolz erfüllte und mit dem er zu Lebzeiten einen seiner größten Erfolge feierte.

Anlässlich des 150. Geburtstags von Alexander Zemlinsky im Oktober 2021 dirigiert Thielemann im Mai dessen Lyrische Symphonie für Sopran, Bariton und Orchester.

Erneut zeichnet der Chefdirigent der Staatskapelle musikalisch für das vom ZDF übertragene Silvesterkonzert verantwortlich. Nach der Absage im vergangenen Jahr werden Teile des Programms mit Highlights aus Schlager, Filmmusik und Operette der 1920er-Jahre in diesem Jahr erklingen; als Solisten treten die Sopranistin Hanna-Elisabeth Müller, der Tenor Saimir Pirgu und der Pianist Igor Levit auf. Tourneen führen Thielemann mit der Staatskapelle u. a. nach Hamburg, Zürich, Budapest, Graz, Wien und Paris.

Myung-Whun Chung und Herbert Blomstedt

Zweimal in der nächsten Saison ist Myung-Whun Chung, Erster Gastdirigent des Orchesters, am Pult der Staatskapelle zu erleben: im Juni 2022 mit Schumanns Cello­konzert, gemeinsam mit Sol Gabetta, und Tschaikowskys Pathétique sowie zuvor im 2. Symphoniekonzert in der Doppelfunktion als Dirigent und Klaviersolist in Beethovens »Tripelkonzert«, gemeinsam mit den Konzertmeistern der Staatskapelle, Matthias Wollong und Norbert Anger.

Auch Ehrendirigent Herbert Blomstedt kehrt nach Dresden zurück: Im Sonderkonzert am 473. Gründungstag der Sächsischen Staatskapelle Dresden stellt der 93-Jährige Schuberts »Unvollendete« Symphonie Bruckners »Romantischer« gegenüber.

Capell-Virtuos: Antoine Tamestit

Sächsische Staatskapelle Dresden / hier Bratscher Antoine Tamesit © Julien Mignot

Sächsische Staatskapelle Dresden / hier Bratscher Antoine Tamestit © Julien Mignot

Der Bratscher Antoine Tamestit gilt als einer der wichtigsten Botschafter seines Instru­ments. Bei der Staatskapelle war er – auf Einladung von Frank Peter Zimmermann, dem damaligen Capell-Virtuosen – vor zwei Jahren erstmals zu Gast. Als neuer Capell-Virtuos wird der weltweit gefeierte Konzertsolist, Kammermusiker und Hochschullehrer in der Saison 2021/2022 mehrfach gemeinsam mit der Staatskapelle auftreten.

Seine Residenz eröffnet der Franzose im November mit Bartóks Violakonzert, dem letz­ten, in Skizzen überlieferten Werk des ungarischen Komponisten – das Konzert wird er unter der Lei­tung von Christian Thielemann im April 2022 auch bei den Osterfestspielen in Salzburg interpretieren. Unter der Leitung von Daniel Harding kehrt Tamestit außerdem im Januar mit William Waltons Bratschenkonzert nach Dresden zurück. Das Programm prä­sentieren beide Künstler gemeinsam mit der Staatskapelle anschließend bei Gastspielen im Concertgebouw Amsterdam und im Wiener Konzerthaus. Zum Finale seiner Dresd­ner Residenz zeigt Tamestit im Mai nochmals alle musikalischen Facetten der Viola im traditionellen Rezital des Capell-Virtuosen, das den Bogen von Bach über Brahms und Fauré bis hin zur britischen Komponistin und Bratschistin Rebecca Clarke schlägt.

Capell-Compositeur: Matthias Pintscher

1998 erregte der im nordrhein-westfälischen Marl geborene Komponist Matthias Pintscher mit der Uraufführung der Oper »Thomas Chatterton« an der Semp­eroper internationales Aufsehen. Nach über 20 Jahren kehrt Pintscher nun als Capell-Compositeur der Saison 2021/2022 wieder nach Dresden zurück. In seinem Sonderkon­zert im Februar wird er in der Doppelrolle als Dirigent und Komponist zu erleben sein; dabei erklingt sein im Frühjahr 2020 entstandenes Orchesterwerk »Neharot« als Deut­sche Erstaufführung. Pintschers Konzert »Chute d’Étoiles« für zwei Trompeten und Orchester, inspiriert von der Ausstellung »Sternenfall« des deutschen Malers und Bild­hauers Anselm Kiefer, steht im 7. Symphoniekonzert unter der Leitung von Vladimir Jurowski auf dem Programm.

Fokus Schostakowitsch

Von Anfang an engagiert sich die Sächsische Staatskapelle Dresden bei den Internationalen Schostakowitsch Tagen Gohrisch, hier die Besprechung von Thomas Thielemann, seit 2016 veranstaltet sie zudem ein Dresdner Sonderkonzert am Vorabend des beliebten Kammermusikfestivals in der Sächsischen Schweiz. In dieser Saison kombiniert Omer Meir Wellber, Erster Gastdiri­gent der Semperoper, Dmitri Schostakowitschs Symphonien Nr. 1 und Nr. 9 mit Sofia Gubaidulinas Violinkonzert »Offertorium« mit Vadim Gluzman als Solisten.

Das Konzert beschließt damit eine Auseinandersetzung mit dem Werk des russischen Komponisten, die die gesamte Spielzeit durchzieht: Mit der »Leningrader« gibt Tugan Sokhiev im Dezember sein Debüt am Pult der Staatskapelle; für das 7. Symphonie­konzert wählt Vladimir Jurowski seine 15. und letzte Symphonie. Auch der Saisonbe­ginn steht im Zeichen Schostakowitschs: Im inzwischen zur guten Tradition gewordenen Auftaktkonzert des Gustav Mahler Jugendorchesters, seit 2012 Partnerorchester der Staatskapelle, dirigiert Manfred Honeck Schostakowitschs Zehnte Symphonie.

Sächsische Staatskapelle Dresden / hier Chefdirigent Christina Thielemann © Thomas Creutziger

Sächsische Staatskapelle Dresden / hier Chefdirigent Christina Thielemann © Thomas Creutziger

Weitere Konzerte, Tourneen – Osterfestspiele Salzburg

Anlässlich des 175. Geburtstags des langjährigen Generalmusikdirektors Ernst von Schuch, dem Begründer der großen Dresdner Strauss-Tradition, leitet Franz Welser-Möst Richard Strauss’ Tondichtung Don Quixote in einem Sonderkonzert im Kulturpalast. Auch Ton Koopman holt sein im vergangenen Jahr ausgefallenes Barock-Programm mit Werken von Bach, Haydn, Vivaldi und Händel nach. Lorenzo Viotti rahmt im 3. Symphoniekonzert Bartóks Bratschenkonzert mit Musik von Kodály, Poulenc und Ravels zweiter Daphnis et Chloé-Suite. Im Palmsonntagskonzert legt Manfred Honeck mit Werken aus dem Jahr 1791 den Fokus auf das letzte Lebensjahr Wolfgang Amadeus Mozarts. Zum Abschluss der Konzertsaison dirigiert Daniele Gatti Gustav Mahlers letzte vollendete Symphonie, die Neunte.

Das Adventskonzert in der Frauenkirche leitet erstmals Petr Popelka, ehemals stellvertretender Solokontrabassist der Sächsischen Staatskapelle. Mit Kapelle für Kids und Projekten wie Ohne Frack auf Tour führt das Orchester sein Engagement für jüngste Zuhörer und neue Besuchergruppen fort. Die kapelleigene Kammermusik, die aus dem 1854 gegründeten Tonkünstler-Verein hervorging, widmet anlässlich des Festjahres 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland, hier eine Produktion aus Köln, den 2. Kammerabend der Saison jüdischen Komponisten, die vom NS-Regime verfolgt und ermordet wurden.

Als weltweit gefragter Klangkörper ist die Staatskapelle – soweit es das Pandemiegeschehen zulässt – wieder in den musikalischen Metropolen Europas zu Gast. Erstmals laden Christian Thielemann und die Staatskapelle in einer Saison zweifach an die Salzach ein: Zu den Osterfestspielen im Herbst (als Ersatz für die ausgefallenen Festivaltage im Frühjahr) und im April 2022 zu den ersten regulären Osterfestspielen Salzburg seit 2019 als krönenden Abschluss einer erfolgreichen Partnerschaft.

Das vollständige Programm der Spielzeit 2021/2022 sowie hochaufgelöste Pressefotos finden Sie unter www.staatskapelle-dresden.de. Die Saisonvorschau der Staatskapelle wird Anfang August 2021 gedruckt vorliegen und ist bereits online auch hier einsehbar

: » zum Konzertplan 2021/2022.

Der Kartenvorverkauf für die Vorstellungen im August & September 2021 beginnt am 13. Juli 2021 um 10 Uhr.

Der Kartenverkauf für den Monat Oktober startet voraussichtlich Mitte September 2021, für die Monate November und Dezember vorrausichtlich Anfang Oktober 2021.

—| IOCO Aktuell Sächsische Staatskapelle Dresden |—


Teilen Sie den Artikel
  •  
  •  
  •  
  •  
  •   

Dresden, Semperoper, Spielplan 2021/22 – Don Carlo, Butterfly…., IOCO Aktuell, 20.06.2021

Teilen Sie den Artikel
  •  
  •  
  •  
  •  
  •   

saechs_staatskapelle.jpg
Sächsische Staatskapelle Dresden

Semperoper

Semperoper © Matthias Creutziger

Semperoper © Matthias Creutziger

Semperoper – Spielplan 2021/22 – vorgestellt am 17.06.2021

von Thomas Thielemann

Am 17.06.2021 stellte die  Semperoper in einer offiziellen Pressekonferenz mit  Peter Theiler Intendant,  Ballettdirektor Aaron S Watkin, Chefdramaturg  Casimir Eule,  Chefdirigent Christian Thielemann den Semperoper Spielplan der Saison 2021/22 vor.

15 Neuproduktionen sind geplant: Die Opern Don Carlo, Madama Butterfly und der Ballettabend A collection of short stories waren bereits als reduzierte Corona-Varianten zur Aufführung gelangt. In der Spielzeit 2021/22 werden sie szenisch in der ursprünglichen geplanten Fassung gespielt. Die bedeutendsten Opernvorhaben sind unter anderem Rossinis La Cenerentola, Dvoráks Rusalka, Chaillys Die kahle Sängerin sowie die Uraufführung von Torsten Raschs Die andere Frau. Mit großer Spannung wird am 5. März 2022 die Premiere der Aida erwartet; inszeniert von Katharina Thalbach, musikalische Leitung Christian Thielemann.

Alle Produktionen, Termine, Besetzung – link HIER!

Dazu kommen die bereits bekannten 22 Wiederaufnahmen aus dem Opern- und Ballettrepertoire der vergangenen Jahre mit dem leistungsfähigen Hausensemble sowie zum Teil hochrangigen Sängerinnen und Sängern.

Besonders erfreut es, dass es gelungen ist, nach jahrelanger Abstinenz für die kommende Spielzeit Altmeister Peter Konwitschny für die Inszenierungen von Bellinis Norma und Schostakowitschs Die Nase zu verpflichten.

Mehr zu diesen und vielen weiteren Produktionen der kommenden Spielzeit 2021/22; lesen Sie  der folgenden Presseerklärung der Semperoper:

Semperoper / Intendant Peter Theiler und Chefdramarturg Johann C Eule © Daniel Koch

Semperoper / Intendant Peter Theiler und Chefdramarturg Johann C Eule © Daniel Koch

————————————-

Presseerklärung der Semperoper: Für das Programm seiner vierten Spielzeit präsentiert Intendant Peter Theiler mit seinem künstlerischen Team für die Saison 2021/22 eine außerordentliche Fülle von Neuproduktionen. Insgesamt elf Opernpremieren, davon drei in Semper Zwei, zwei Ballettpremieren und zwei Premieren der Semperoper Junge Szene erwarten die Zuschauer*innen.

Anfang Oktober kommt Peter Konwitschnys Norma –Inszenierung zur Aufführung, nach nur drei Wochen gefolgt von der mehrfach verschobenen Premiere von Vera Nemirovas Regiearbeit Don Carlo. Erstmals wird dann auch der im Auftrag der Semperoper von Manfred Trojahn komponierte Prolog uraufgeführt werden. Das Kalenderjahr 2021 beschließt im November die Neuproduktion La Cenerentola in der Inszenierung von Damiano Michieletto. Im Januar 2022 sprengt Regisseur Immo Karaman gemeinsam mit dem ungarischen 3D-Künstler und gefeierten Pionier des Projection Mapping, László Zsolt Bordos, Zuschauerraum und Bühne visuell auf für seine Interpretation von Torsten Raschs Oper Die andere Frau.

Mit Chefdirigent Christian Thielemann am Pult der Sächsischen Staatskapelle und Krassimira Stoyanova in der Titelpartie versprechen die Premieren von Verdis Aida, opulent-golden in Szene gesetzt von Katharina Thalbach, gefolgt von Puccinis Madama Butterfly unter der Musikalischen Leitung von Omer Meir Wellber, mit Kristine Opolais als Cio-Cio-San und Christa Mayer als Suzuki, besondere Höhepunkte des neuen Spielplans. Seine inszenatorische Vision der neuen Dresdner »Madama Butterfly« realisierte der japanische Regisseur Amon Miyamoto, die Kostüme schuf der 2020 verstorbene Modedesigner Kenzo.

Christof Loy, der zurzeit wohl international gefragteste Opern- und Schauspielregisseur seiner Generation, inszeniert gegen Ende der Spielzeit Antonín Dvoráks Rusalka die Musikalische Leitung übernimmt Joana Mallwitz. Und schließlich steht mit Die Nase von Dmitri Schostakowitsch eine weitere Konwitschny-Inszenierung auf dem Premieren-Spielplan.

Nach den Voraufführungen im Juni 2021 feiert A Collection of Short Stories mit Choreografien von Aaron S. Watkin, David Dawson, Jorma Elo, William Forsythe und einer Uraufführung von Nicholas Palmquist im Oktober 2021 seine offizielle Premiere. Die gezeigten Kreationen erlauben einen Rückblick auf die bereits 15-jährige Weiterentwicklung der Company unter der künstlerischen Ägide ihres Ballettdirektors Aaron S. Watkin und stehen exemplarisch für Stil, Vielseitigkeit und Ausdruckskraft des Semperoper Ballett. Als zweite der beiden Ballettpremieren der kommenden Spielzeit kommt das epische Handlungsballett Peer Gynt auf die Bühne, nachdem die ursprünglich für November 2020 geplante Premiere entfallen musste. Die Company des Semperoper Ballett übernimmt als erste die 2017 für das Basler Ballett entstandene Choreografie.

Drei weitere Opernpremieren sind in Semper Zwei geplant: Die kahle Sängerin des 2002 verstorbenen italienischen Komponist Luciano Chailly nach Eugène Ionescos Theaterstück (Inszenierung: Barbora Horáková), die Dresdner Fassung des Bühnen- und Leinwandhitwunders Blues Brothers (Inszenierung: Manfred Weiß) und Stephen Sondheims Into the Woods/Ab in den Wald.

Lang erwartet und ebenfalls immer wieder verschoben, kommt im Mai 2022 die Oper Weiße Rose von Regisseur Stephan Grögler zur Premiere. Für das jüngere Publikum feiert in Semper Zwei das Stück Drei miese, fiese Kerle von Zad Moultaka in der Regie von Annika Nitsch Premiere.

—| IOCO Aktuell Semperoper Dresden |—


Teilen Sie den Artikel
  •  
  •  
  •  
  •  
  •   

Dresden, Kulturpalast, Rudolf Buchbinder – Kammerorchester Wien-Berlin, IOCO Kritik, 15.06.2021

Juni 15, 2021 by  
Filed under Hervorheben, Konzert, Kritiken, Kulturpalast

Teilen Sie den Artikel
  •  
  •  
  •  
  •  
  •   

Kulturpalast Dresden © Nikolaj Lund

Kulturpalast Dresden © Nikolaj Lund

Kulturpalast Dresden

Kammerorchester Wien-Berlin – Rudolf Buchbinder

Mozart-Deutung –  ein Konzerterlebnis der Sonderklasse

von Thomas Thielemann

Die Rivalität der Wiener Philharmoniker und Berliner Philharmoniker um den Spitzenplatz des weltbesten Orchesters war für Simon Rattle 2005 Anlass, zu seinem  50. Geburtstag ein gemeinsames Konzert beider Klangkörper zu dirigieren. Diese erste erfolgreiche Zusammenarbeit der konkurrierenden Orchesterin Wien und Berlin führte zu dem Entschluss, in einer gelegentlichen Formation die besonderen Qualitäten beider Ensembles, die geschmeidige Eleganz und Noblesse der Wiener mit dem zupackenden, leidenschaftlichen Spiel sowie der solistischen Brillanz der Bläser der Berliner, zu kombinieren: das Kammerorchester Wien-Berlin entstand. Seit Beginn dieser Zusammenarbeit ist Rainer Honeck Konzertmeister, Dirigent und Künstlerischer Leiter. Honeck, 1961 in Nenzing (Vorarlberg) geboren, ist seit 1984 Konzertmeister des Orchesters der Wiener Staatsoper und seit 1962 Konzertmeister der Wiener Philharmoniker.

Das Kammerorchester Wien-Berlin

Kulturpalast Dresden / Kammerorchester Wien - Berlin mit Rudolf Buchbinder © Oliver Killig

Kulturpalast Dresden / Kammerorchester Wien – Berlin mit Rudolf Buchbinder © Oliver Killig

Das Klavierkonzert Nr.9 in Es-Dur KV 271, vermutlich im Dezember 1776 oder im Januar 1777 entstanden, ist wahrscheinlich Wolfgang A Mozarts erste bedeutende Komposition. Mit der Meisterschaft seiner Orchestrierung und in seiner, alle Konventionen sprengenden Wirkungen hat es keine Vorgänger in seinem Genre.

Zur Herkunft der unterschiedlichen Beinamen des Konzertes, „Jenamy“,die jenomy“ oder  „Jeunehomme“, gibt es reichliche Deutungen. Inzwischen scheint aber sicher, dass die Tochter des französischen Tänzers Jean-Georges Nowerre (1727-1810), eines Freundes Mozarts, Adressatin dieser Widmung war. Nowerre wirkte von 1767 bis 1774 als Ballettmeister in Wien. Dessen älteste Tochter Luise Victoire (1749-1812), eine gute Klavierspielerin, war, mit einem Joseph Jenamy verheiratet und Mozart habe sie sehr verehrt.

Für eine Interpretation von Mozarts frühem Klavierkonzert  Nr. 9 Es-Dur KV 271 war Rudolf Buchbinder in den Kulturpalast nach Dresden gekommen. Sonst ein häufiger Gast der Sächsischen Staatskapelle, mit der er auch oft als Solist und Leiter der Konzerte musizierte, war er Solopartner des Kammerorchesters Wien-Berlin.

Das Buchbinders Klavierspiel auch über die Jahre neben der Reife der Technik die notwendige Spontanität behalten hat, war keine Überraschung. Auch dass uns die sprühend intelligente Mozart-Deutung ein Konzerterlebnis der Sonderklasse verschaffte, erfüllte alle Erwartungen.

Kulturpalast Dresden / Kammerorchester Wien - Berlin hier mit Rudolf Buchbinder © Oliver Killig

Kulturpalast Dresden / Kammerorchester Wien – Berlin hier mit Rudolf Buchbinder © Oliver Killig

Ein hell leuchtende Klangbild und die spannungsgeladene Musizierfreude des Kammerorchesters Wien-Berlin führten zu einem steten, intensiven Dialog mit dem Pianisten. Vor allem begeisterte die kühne Quecksilbrigkeit des Finalsatzes.

Im zweiten Konzert-Teil folgte Mozarts Divertimento B-Dur, KV 287, die “Zweite Lodronische Nachtmusik“. Wie im Jahre 1776, erhielt Mozart den Auftrag, auch zum Namenstag der Gräfin Maria Antonia Lodron am 13. Juni des Jahres 1777 zur Komposition und Aufführung eines Divertimentos, eigentlich einer Zerstreuung, eines Vergnügens. Mozart hatte aber für die Unterhaltung der Salzburger Gäste der Gräfin ein 45-minütiges Bravourstück für die Erste Geige vorbereitet und selbst diesen Part übernommen.

Eingebunden in eine dichte kammermusikalische Begleitung von Streichern und zwei Hörnern meisterte Rainer Honeck als Primgeiger die Aufgabe der sechssätzigen Darbietung. Von spritziger Munterkeit, Leichtigkeit und Eleganz bis zu tiefer Empfindung bot das Kammerorchester Wien-Berlin alles, was man von großer Musik erwartete: ein Konzerterlebnis der Sonderklasse

—| IOCO Kritik Kulturpalast Dresden |—


Teilen Sie den Artikel
  •  
  •  
  •  
  •  
  •   

Dresden, Kulturpalast, Dresdner Musikfestspiele 2021 – Eröffnet, IOCO Kritik, 06.06.2021

Juni 7, 2021 by  
Filed under Hervorheben, Konzert, Kritiken, Kulturpalast

Teilen Sie den Artikel
  •  
  •  
  •  
  •  
  •   

Kulturpalast Dresden © Nikolaj Lund

Kulturpalast Dresden © Nikolaj Lund

Kulturpalast Dresden

Dresdner Musikfestspiele 2021

  Arcadi Volodos eröffnete LIVE-Konzerte im Kulturplast

von Thomas Thielemann

Nach langer Konzertsaalabstinenz hatten die Dresdner Musikfestspiele in den Dresdner Kulturpalast zum Livekonzert geladen. Und das gleich mit der Wucht eines Pianisten von Weltruf, mit Arcadi Volodos, welcher am 4. Juni 2021 die Live-Konzerte in Dresden eröffnete.

Dredner Musikfestspiele 2021 – Programm – Link HIER!

Im Jahre 1996 war beim 11. Kissinger Sommer als Gastland Russland ausgeschrieben und die umtriebige Gründungs-Intendantin Kari Kahl-Wolfsjäger hatte neben gestandenen Künstlern auch eine Reihe junger russischer Musiker nach Franken geholt. Nach meiner Erinnerung war auch Arcadi Volodos damals zum ersten Mal nach Bad Kissingen gekommen und hatte auf Anhieb begeistert.

Seit konnten wir den inzwischen 49-Jährigen Ausnahmepianisten häufiger in Bad Kissingen, aber auch in Leipzig und Dresden als Solisten in Orchesterkonzerten und mit Rezitals erleben und seinen Weg zur inzwischen erlangten Meisterschaft verfolgen.

Dresdner Musikfestspiele 2021 / Pianist Arcadi Volodos © Marco Borggreve

Dresdner Musikfestspiele 2021 / Pianist Arcadi Volodos © Marco Borggreve

Volodos verdankt seine Karriere nicht dem Preis eines internationalen Wettbewerbs, sondern einem glücklichen Zufall. Der Leiter einer internationalen Schallplattengesellschaft hatte sein Spiel in einem privaten Rahmen gehört, sein überragendes Talent erkannt und ihm den Weg auf die internationalen Podien geebnet. Heute spielt er einfach das, was er spielen möchte. Die Komponisten, deren Musik er spielt, muss er bedingungslos lieben und ihr Schaffen in seiner Gesamtheit erfassen.

Beim Dresdner Klavierabend stand zunächst Franz Schuberts Sonate für Klavier G-Dur 834 op. 78 aus dem Jahre 1826 auf dem Programm.

Obwohl insbesondere der Sommer 1826 für den 29-jährigen Komponisten eine Zeit der Enttäuschungen war, gilt das Werk als seine heiterste späte Sonate. Mit dem breitesten Dynamikspektrum aller Schubert Sonaten betont er ausdrücklich, dass dieses Werk für ein für seine Zeit modernes Instrument „fürs Pianoforte allein“ komponiert worden ist.

Ganz unprätentiös, ohne große Gesten betrat der Pianist das Konzertpodium des abgedunkelten Saales und nahm, nach sparsamer Begrüßung des ausgedünnten Publikums auf einem gewöhnlichen Kantinenstuhl am Steinway-Konzertflügel Platz.

Den oft als „Fantasie“ bezeichneten Kopfsatz begann Volodos tänzerisch heiter, recht frei im Tempo und ungemein plastisch. Dem folgenden Andante verlieh er mehr Tiefe, innere Beteiligung und schöne Farbschattierungen, während der dritte Satz wieder betont liedhaft-tänzerisch angelegt war. Den Schluss-Satz habe ich dann als konfliktarm und gelöst empfunden.

Den Sommer des Jahres 1893 verbrachte der 59-jährige Johannes Brahms wieder  in Bad Ischl. Dort komponierte er die Zyklen  op. 118 und op. 119 für Klavier solo. Dabei ragten besonders die sechs Klavierstücke op. 118 dank größerer stilistischer Vielfalt gegenüber früheren Zyklen heraus. Auch mit der Namensgebung der Stücke wählte der Komponist nach längeren Überlegungen individuellere Titel.

Arcadi Volodos präsentierte sich bei der Interpretation der sechs Stücke op. 118 mit seinem vielschichtigem Spiel, das innigen Ausdruck mit brillanter Virtuosität vereinte, als reifen Künstler. Die technische Perfektion, kraftvoller Anschlag in den dramatischen Passagen, traumhaftes Pianissimo und Wille zum Innehalten prägten die Darbietung. Meditative Klänge wechselten mit Passagen, die an ein größeres Orchester glauben lassen.

Nach stürmischem Beginn entwickelte sich das a-Moll-Intermezzo fast wie eine Ballade.

Das folgende etwas verträumte  A-Dur-Intermezzo op. 118/2 spielte Volodos romantisch drängend. Immer wieder musste sich die Melodie gegen die sich auftürmende Begleitung behaupten. Mit seinem Gespür für den der Ballade in g-Moll innewohnendem Rhythmus lauschte man auch dem dritten Stück.

Eher modulierend entwickelte sich auch das kleingliederige Thema des f-Moll- Intermezzos op. 118/4. Eine straffe Klangregie ließ die Rahmenteile der Romanze op. 118/5 den verspielten fast versonnenen Mittelteil regelrecht umklammern. Die Orientierung am Verständnis für den Menschen  Johannes Brahms, seiner jahrzehntelangen Auseinandersetzung mit seinem Werk, ließen die Hörer niemals in den Wohlklang der Musik eintauchen. Das abschließende Intermezzo in es-Moll mit den Anklängen an das Deutsche Requiem spielte Volodos dann deutlich zurückhaltender.

Der langanhaltende Applaus des ausgehungerten Auditoriums war für Arcadi Volodos  Anlass, sein Publikum mit fünf Zugaben zu verwöhnen.

Gern hätten wir auch die im ausgeschriebenen „Vor-Corona-Programm“ enthaltene Sonate  des italienischen, aber vorwiegend in England wirkenden Komponisten und Pianisten Muzio Clementi (1752-1832) gehört. Seine Musik ist mir bisher nur in „Konserven“ zugänglich gewesen. Clementi ist den Musikfreunden vor allem wegen des vom Kaiser Joseph II. am Weihnachtsabend 1781 eingefädelten Wettstreits mit Wolfgang Amadeus Mozart ein Begriff.

Mozart habe sich zwar abfällig über die „Terzenpassagen ohne einen Kreuzer Gefühl oder Geschmack“ geäußert. Das hatte aber Mozart nicht gehindert, ein Thema aus einem Werk von Muzio Clementi in die ersten Takte seiner Ouvertüre zur Zauberflöte einzubauen. Was den verbitterten Älteren zu einer Anmerkung am Kopftitel der Sonate op.47 veranlasste.

—| IOCO Kritik Kulturpalast Dresden |—


Teilen Sie den Artikel
  •  
  •  
  •  
  •  
  •   

Nächste Seite »

Diese Webseite benutzt Google Analytics. Die User IPs werden anonymisiert. Wenn Sie dies trotzdem unterbinden möchten klicken Sie bitte hier : Click here to opt-out. - Datenschutzerklärung