Rudolstadt, Theater Rudolstadt, Premiere Don Giovanni – Meininger Hof, 15.02.2020 

Januar 24, 2020 by  
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Rudolstadt / Thüringisches Landestheater © Friederike Lüdde

Rudolstadt / Thüringisches Landestheater © Friederike Lüdde

Theater Rudolstadt

Premiere Don Giovanni –  Meininger Hof Saalfeld 15.2.2020

Abgründig, frivol, witzig im Look der Goldenen Zwanziger
Mozarts Oper „Don Giovanni“ feiert am 15. Februar im Meininger Hof Saalfeld Premiere

Rudolstadt/Saalfeld. Er verführt Frauen, betrügt, erpresst, mordet sogar. Don Giovanni, auch bekannt als Don Juan, ist der Inbegriff jenes vergnügungssüchtigen Lebemanns, der sich skrupellos, doch stets voller Lust über alle Grenzen hinwegsetzt. Faszinierend und abschreckend zugleich, inspirierte er Wolfgang Amadeus Mozart zu seiner vielleicht schillerndsten Oper. Vom 15. bis 22. Februar ist „Don Giovanni“ in Kooperation von Thüringer Symphonikern und Lyric Opera Studio Weimar im Meininger Hof Saalfeld zu erleben.

Theater Rudolstadt / Don Giovanni © Anke Neugebauer

Theater Rudolstadt / Don Giovanni © Anke Neugebauer

Angesichts von Don Juans rücksichtslosem Egoismus, dem laut seinem Diener Leporello bereits 2064 Frauen zum Opfer fielen, regt sich allmählich Widerstand. Als der Schwerenöter im Eifer des Gefechts Donna Annas Vater, den Komtur, ermordet, beginnt sich das Blatt zu wenden. Auch eine andere Liebschaft, Donna Elvira, weicht ihm, nach Rache sinnend, kaum von der Seite – aber Don Juan verführt weiter. Die Einladung des toten Komturs zum festlichen Abendessen nimmt er ohne zu Zögern an, koste es, was es wolle. Da muss sich schon der Boden auftun, um diesen Mann von der Erde zu verbannen.

Don Juans Zwiespältigkeit und Düsternis hat Wolfgang Amadeus Mozart 1787 kongenial in seiner „komischen“ Oper mit „bösem“ Ende zum Klingen gebracht. Das sprachlich und dramaturgisch exzellente Libretto Lorenzo da Pontes lieferte ihm die ideale Grundlage.

Im Meininger Hof Saalfeld ist das „dramma giocoso“ nun zusammen mit dem jungen internationalen Solistenensemble des Lyric Opera Studio Weimar als vollszenische Inszenierung zu erleben, die in ihrer Spielfreude an die Erfolge von „Die lustigen Weiber von Windsor“, „Così fan tutte“ oder „La Cenerentola“ der letzten Jahre anknüpft. Der US-Regisseur und erfolgreiche Opernbariton Damon Nestor Ploumis verlegt die Handlung vom opulenten Adelspalast des 16. Jahrhunderts in die nicht weniger opulenten Goldenen Zwanziger. Don Giovanni und Leporello bekommen dabei mafiöse Züge, Vergnügungssucht und Chaos im Ballsaal einen düsteren Rahmen, der durch Filmserien wie „Babylon Berlin“ inspiriert ist. Schließlich geschieht das meiste in der Nacht: der Mord am Komtur, der Ball im Hause Don Giovannis, das finale Abendessen mit dem Geist des ermordeten Komturs.

Für diese Eigenproduktion des Theaters Rudolstadt entwirft die Ausstattungsleiterin Monika Maria Cleres elegante Kostüme und ein atmosphärisches, vielseitiges Bühnenbild. Es spielen die Thüringer Symphoniker unter der musikalischen Leitung ihres Chefdirigenten Oliver Weder.

Karten für die Premiere am 15. Februar, um 19.30 Uhr, und für die weiteren Aufführungen am 16. und 18. Februar, jeweils um 15 Uhr, sowie am 21. und 22. Februar, jeweils um 19.30 Uhr, im Meininger Hof Saalfeld sind in der Theaterkasse, an den üblichen Vorverkaufsstellen und über die Website des Theaters Rudolstadt erhältlich. Zu den Aufführungen fährt zudem ein kostenfreier Bus-Shuttle aus Rudolstadt zum Meininger Hof und zurück.

Bereits am Sonntag, 9. Februar, um 11 Uhr, laden das Regieteam und beteiligte Sängerinnen und Sänger zu einer unterhaltsam-musikalischen Premieren-Matinee in die Theater-Bar ins Stadthaus Rudolstadt ein.

Premiere: 15.02.2020, Meininger Hof Saalfeld
Don Giovanni
Dramma giocoso in zwei Akten von Wolfgang Amadeus Mozart
Libretto von Lorenzo Da Ponte
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Kooperation mit dem Lyric Opera Studio Weimar

Musikalische Leitung: Oliver Weder
Inszenierung: Damon Nestor Ploumis
Bühne und Kostüme: Monika Maria Cleres
Regieassistenz: Matthew Jack Knight
Klavierbegleitung: Cheuky Chan, Tackyoung Chung, Soojeong Kwon, Ka Man Tsang

Donna Anna: Wing Kwan Chung, Natalie Millet, Alyson Spina
Donna Elvira: Meagan Larios, Kristine Mågard, Danielle Musick
Zerlina: Sophie Collin, Stéphanie Guérin, Erin Silangil
Don Ottavio: James Hogan, Conor Prendiville, Qian Sun
Don Giovanni: Juan Marcos Martinez Mijares, Javier Recio, Constandinos Tsourakis
Leporello: Timothy Bagley, Nico Laruina, Jusung Park
Masetto: Kyle Bejnerowicz, Scott Hetz Clark, Katagan Zhumagulov
Komtur: Dennis Ryan, Victor Clark
Chor: Vanessa López, Carl Kachouh

—| Pressemeldung Theater Rudolstadt |—

Flensburg, Schleswig-Holsteinisches Landestheater, DON GIOVANNI – Wolfgang A. Mozart, 18.01.2020

Schleswig-Holsteinisches Landestheater

Stadttheater Flensburg © Stadttheater Flensburg

Stadttheater Flensburg © Stadttheater Flensburg

DON GIOVANNI – Wolfgang Amadeus Mozart

 Faszinierend und unwiderstehlich, aber auch rücksichtslos und brutal

Premiere 18.01. und  21.1.2020 | 19.30 Uhr Theater Flensburg; 5.2.2020 Stadttheater Rendsburg; 7.2.2020 Intzehoe

Don Giovanni weiß um seine Wirkung auf Frauen und braucht die ständige Bestätigung, ein umwerfender Liebhaber zu sein. Umgarnung, Täuschung und rohe Gewalt bereiteten ihm schon den Weg in so manches Schlafzimmer. Hat er eine erobert, zieht es ihn sofort zur nächsten. Der Diener Leporello führt eifrig Buch über den sinnlichen Rausch seines Herren. Doch Don Giovannis Zenit als erfolgreicher Verführer ist nunmehr überschritten. Seine erotischen Unternehmungen werden vereitelt, sei es durch den Komtur, der seiner von Don Giovanni bedrängten Tochter Donna Anna zur Hilfe eilt, oder der verlassenen Donna Elvira, die zwischen Rache und bedingungsloser Liebe zu Don Giovanni schwankt. Selbst Zerlina, eine junge Frau, die kurz vor der Hochzeit steht, ist vor seinem Jagdtrieb nicht sicher – doch auch dieser Plan wird durchkreuzt. Sein grenzenloser Übermut soll Don Giovanni schließlich zum Verhängnis werden….

Goethe konstatierte, diese Oper habe man sich unmöglich einfach ausdenken können – sie müsse Mozart von „einem dämonischen Geist seines Genies“ zugetragen worden sein. LE NOZZE DI FIGARO, ebenfalls eine Da-Ponte-Oper, hatte 1786 in Prag Furore gemacht; mit DON GIOVANNI sollten Mozart und sein Librettist an diesen Erfolg anknüpfen. Keine Oper aus dem 18. Jahrhundert hat so nachhaltig die Gemüter bewegt, dabei war der Don-Juan-Mythos schon zu Wolfgang Amadeus Mozarts Zeiten keineswegs neu. Dunkel glühendes Pathos, tiefgreifende Emotionen und erotische Energien bestimmen die klangliche Atmosphäre des Werkes, das in einer musikalisch einzigartigen Höllenfahrt endet.

Premiere 18.01.2020 | 19.30 Uhr | Flensburg, Stadttheater

—| Pressemeldung Schleswig-Holsteinisches Landestheater |—

Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Oper und Ballett am Rhein im Februar 2020

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Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

Oper und Ballett am Rhein im Februar 2020


Sa 01.02. – 19.30 Uhr

Theater Duisburg
PREMIERE: „Roméo et Juliette“ von Charles Gounod

In einer heißen Augustnacht trifft Roméo zufällig auf Juliette. Es ist Liebe auf den ersten Blick, allerdings eine verbotene, denn Juliettes standesgemäße Heirat mit Pâris soll am nächsten Tag stattfinden. Die Macht der Liebe wirkt wie eine Droge auf die beiden, ein dunkel-süßes Gift mit tödlichem Ausgang …

Mit „Roméo et Juliette“ kommt eine der berühmtesten dramatischen Liebesgeschichten der Welt in der Opernversion von Charles Gounod (1818–1893) ins Theater Duisburg. Der französische Romantiker schuf ein lyrisches Drama, das in den großen Duetten zwischen Roméo und Juliette Liebe, Leidenschaft und schließlich Verzweiflung und Tod in große Melodien fasst. Gounod zeichnet in seiner Komposition eine nur dem äußeren Schein nachjagende Gesellschaft und das tragische Scheitern der gegen gängige Normen gelebten Liebe.

Regisseur Philipp Westerbarkei erarbeitet seine 2019 im Opernhaus Düsseldorf präsentierte Inszenierung für die Premiere im Theater Duisburg nun mit einer neuen Besetzung – in den Titelpartien Sylvia Hamvasi als Juliette und Gustavo de Gennaro als Roméo. In starken Bildern und lebensprall herausgearbeiteten Charakteren erzählt er die leidenschaftliche Familientragödie über die Zerstörung des Glücks als düsteren Sommernachtsalbtraum – packend wie ein Krimi.

Die Opernwerkstatt am Dienstag, 28. Januar, um 18.00 Uhr im Theater Duisburg vermittelt in Podiumsgesprächen und einer offenen Probe erste Einblicke in das Stück und die Inszenierung. Eintritt und Platzwahl sind frei.


Di 11.02. – 19.30 Uhr

Foyer im Opernhaus Düsseldorf
Globus Vocalis

Eine Auswahl romantischer Männerchor-Literatur bringt das 17-köpfige Männergesangsensemble Globus Vocalis, bestehend aus  Mitgliedern und Freunden des Chors der Deutschen Oper am Rhein, in seinem diesjährigen Konzert zu Gehör. Neben Werken von Johannes Brahms bis Richard Strauss erwartet das Publikum eine bewährt bunte Mischung aus klassischen und unterhaltsamen Chorstücken; darüber hinaus präsentieren sich auch in diesem Jahr wieder einzelne Sänger der Formation mit solistischen Beiträgen.


Fr 14.02. – 19.30 Uhr

Opernhaus Düsseldorf
PREMIERE: „Alcina“ von Georg Friedrich Händel

Die Zauberin Alcina ist die Herrscherin über eine Insel der Lüste. Mit betörenden Sirenengesängen zieht sie Männer in ihren Bann, verführt sie und verwandelt sie, wenn sie ihrer überdrüssig ist, in Steine, Pflanzen oder Tiere. Auch Ruggiero verliebt sich in die geheimnisvolle Fremde, doch seine Verlobte Bradamante macht sich auf den Weg, ihn zu finden…

Mit „Alcina“ schuf Georg Friedrich Händel (1685 –1759) ein Meisterwerk über die Kunst der Verzauberung, Täuschung und Verblendung. In berührenden Arien lotet er kongenial menschliche Leidenschaften und Enttäuschungen aus. Wenn am Ende Alcinas Zauberreich untergeht, sehen wir hinter der Fassade einer gefährlichen Femme fatale eine zutiefst einsame Frau, die durch die Liebe ihre Macht verliert und umgekehrt erst im Verlust der Macht zu lieben vermag.

Inszeniert wird „Alcina“ von der Niederländerin Lotte de Beer, die in Amsterdam Regie studierte und Meisterschülerin bei Peter Konwitschny war. 2015 gewann sie den International Opera Award als Beste Newcomerin. Ihre Inszenierungen entstanden u. a. für das Theater an der Wien, die Opernhäuser in Tel Aviv, Amsterdam, Kopenhagen, Essen, Leipzig und die Bayerische Staatsoper München. Generalmusikdirektor Axel Kober leitet die Neue Düsseldorfer Hofmusik und eine Riege erstklassiger Solistinnen und Solisten wie Jacquelyn Wagner als Alcina, Maria Kataeva als Ruggiero, Elena Sancho Pereg als Morgana und Wallis Giunta als Bradamante.

Die Opernwerkstatt am Montag, 10. Februar, um 18.00 Uhr im Opernhaus Düsseldorf vermittelt in Podiumsgesprächen und einer offenen Probe erste Einblicke in das Stück und die Inszenierung. Eintritt und Platzwahl sind frei.


Sa 15.02. – 19.30 Uhr

maxhaus Düsseldorf
Meisterklasse unter der Leitung von Bernarda Fink

Erstmals leitet die vielseitige argentinische Mezzosopranistin Bernarda Fink eine Meisterklasse für das Opernstudio der Deutschen Oper am Rhein. Fink gilt als eine der weltweit meist gefragten Lied- und Konzertsängerinnen, die bereits mit etlichen bedeutenden Orchestern und Dirigenten zusammengearbeitet hat. Zudem widmet sie sich  seit Jahren regelmäßig in Meisterkursen der Förderung  junger Sängerinnen und Sänger. Zum Abschluss der Meisterklasse präsentieren die Mitglieder des Opernstudios die von ihnen erarbeiteten Arien und Duette im Düsseldorfer maxhaus.


 So 23.02. – 11.00 Uhr

Foyer im Opernhaus Düsseldorf
Symphoniker im Foyer: Tango Argentino zum Karneval

Lateinamerikanisches Temperament trifft rheinischen Frohsinn – die Karnevalsausgabe der „Symphoniker im Foyer“ wird feurig! Mit Musik aus ihrer Heimat bringen die brasilianisch-chilenische Koloratursopranistin Maria Carla Pino Cury und der venezolanische Tenor Andrés Sulbárán aus dem Opernstudio und der mexikanische Bariton Jorge Espino das Karnevalsensemble der Düsseldorfer Symphoniker in Schwung.


Do 27.02. – 19.30 Uhr

Theater Duisburg 

Wiederaufnahme: „Don Giovanni“ von Wolfgang Amadeus Mozart

Zum Jahreswechsel bekommt die Deutsche Oper am Rhein Zuwachs: Mit seinem Rollendebüt in der Partie des kompromisslosen Draufgängers Don Giovanni stellt sich im Februar erstmals das neue Ensemblemitglied Emmett O’Hanlon dem Publikum vor. Für den irisch-amerikanischen Bariton geht damit ein lang gehegter Traum in Erfüllung: „Als ich die Oper zum ersten Mal sah, verliebte ich mich sofort in die dynamische Natur dieses Charakters. Die Deutsche Oper am Rhein ist der ideale Ort für dieses Debüt. Hier herrscht eine fantastische Atmosphäre, in der ich mich als Künstler optimal entfalten kann – ganz gleich, in welcher Partie!“. Neben Don Giovanni ist Emmett O’Hanlon in dieser Saison am Rhein auch als Kaiser in Viktor Ullmanns „Kaiser von Atlantis“ und Mercutio in Gounods „Roméo et Juliette“ zu erleben.

—| Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

Cottbus, Staatstheater Cottbus, Don Giovanni – Wolfgang A. Mozart, IOCO Kritik, 14.11.2019

November 14, 2019 by  
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Staatstheater Cottbus

Staatstheater Cottbus © Marlies Kross

Staatstheater Cottbus © Marlies Kross

  Don Giovanni  –  Wolfgang Amadeus Mozart

– verbunden mit Träumen über das Staatstheater Cottbus und seine Künstler –

von Thomas Kunzmann

Wenn ich über das Haus in „Cottbus“ nachdenke, schreibe, ist mir klar, dass das Staatstheater Cottbus nicht für jeden den Klang, die Wirkung entfalten kann, wie für mich. Ich bin 1969 in der Stadt als Sohn eines Hornisten geboren. Noch lange bevor ich mit der dortigen TheaterGemeinde in die umliegenden Kultur-Metropolen Dresden, Leipzig und Berlin reiste, um Opernvorstellungen zu besuchen, wurde der Grundstein meines bis heute anhaltenden Interesses in dieser 100.000-Einwohner-Stadt begründet. Cottbus ist groß genug, um (Hoch)Kultur in angemessenen Rahmen anzubieten zu können und zu klein, um für jeden auf dem Schirm zu sein.

Ist man aber in dieser Kulturszene unterwegs, lernt man quasi zwangsläufig Leute kennen, die auf, unter und hinter der Bühne arbeiten – das ist das Privileg der Einwohner kleiner Städte: Theater ist immer hautnah erlebbar. Nicht selten treffe ich Freunde, die ob meiner Leidenschaft entschuldigend sagen, sie würden ja nur selten ins Theater gehen – und erzählen im gleichen Atemzug, welche fünf Vorstellungen sie innerhalb der letzten 2 Jahre gesehen haben. Und würde man 10 willkürliche Passanten auswählen und sie fragen, was man in der Stadt gesehen haben muss, ich wette, bei allen käme „das Theater!“ auf einen der ersten drei Plätze, neben dem Pückler-Park.

Don Giovanni – Wolfgang Amadeus Mozart
youtube Trailer des Staatstheater Cottbus
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Das 1908 eröffnete repräsentative Staatstheater Cottbus, konzipiert von Architekt Bernhard Sehring, auch das Theater des Westens in Berlin stammt von ihm, wurde im späten Jugendstil errichtet. Es konnte noch in den 80er Jahren (also zu DDR-Zeiten) aufwändig saniert werden. In dieser Zeit wurde das Haus der Bauarbeiter bespielt. Die Zauberflöte war dort meine erste Oper. Ein nicht untypischer Einstand. Nach der Wende waren es für mich zumeist Schauspiele. Als 1993 Christoph Schroth die Intendanz übernahm, war das Theater in aller Munde. Inszenierungen wie Die Räuber oder Hamlet dürften bis heute allen, die sie gesehen haben, unvergesslich in die Erinnerung gebrannt sein. Seine „Zonenrandermutigungen“,  in denen gleichzeitig die große Bühne bis hin zur Herrentoilette alles bespielt wurde, was Platz für Zuschauer bot, hatten nicht nur Event-Charakter, sondern boten auch tiefen Inhalt. 1991 holte Christoph Schroth Martin Schüler als Operndirektor. Nach Schroths Ausscheiden in 2003 übernahm Schüler die Intendanz des Hauses.

Der Neue schaffte es, das Musiktheater wieder mehr in den Fokus zu bringen, ohne das Schauspiel zu vernachlässigen. Dennoch war sein Hauptaugenmerk auf das Musiktheater gerichtet. Und so gelang es ihm, dass Cottbus als einziges Vier-Sparten-Theater den Kulturkahlschlag in Brandenburg überstand. Seit Jahren bespielt das Staatstheater Cottbus mit seinen Produktionen Potsdam, Frankfurt/O. und die Stadt Brandenburg. Schüler wäre fast der dienstälteste Intendant des Ostens geworden, wäre da nicht die Affäre um seinen GMD Evan Alexis Christ dazwischen gekommen.

Was war sein Erfolgskonzept? Es ist schwierig, circa 70 Inszenierungen, von denen ich nur etwa die Hälfte gesehen habe, da ich 2003 wegzog, auf einen einzigen Nenner herunterzubrechen. Es wäre vermessen und auch ungerecht. Dennoch ein Versuch: Schüler gelang es für mich, jeder Oper etwas Besonderes hinzuzufügen, was in Erinnerung bleibt. Sie modern zu machen, ohne sie zu verunglimpfen. Verblüffend logische Folgerungen zu ziehen ohne ihnen ein Korsett des „ich-muss-das-Thema-neu-erfinden“ aufzuzwingen. Er hauchte den Charakteren neues Leben ein, ohne ihren Sinn zu verunstalten, Oper erlebbar zu machen, indem er sie aus ihren mumifiziert-antiquierten Stereotypen löste, ohne das Publikum mit zwangsneurotischen Regievorstellungen zu brüskieren.

Staatstheater Cottbus / Don Giovanni © Marlies Kross

Staatstheater Cottbus / Don Giovanni © Marlies Kross

Eine Schüler-Inszenierung funktionierte deshalb für „Neulinge“ wie „Eingeweihte“ gleichermaßen: für die einen gab es die nachvollziehbare Geschichte mit historisierenden Kostümen und Bühnenbildern, für die anderen eine stringente Interpretation. Das war allerdings nie ein Alleinwerk, sondern seit vielen, vielen Jahren eine Symbiose: „Regie: Martin Schüler, Ausstattung: Gundula Martin, Dramaturgie: Dr. Carola Böhnisch“ – der Cottbuser Dreiklang.  Derlei denkend und vorab reüssierend fuhr ich also nun zu Don Giovanni, der definitiv letzten Vorstellung einer Schüler-Inszenierung in Cottbus. Mein dritter Anlauf. Beim ersten Mal hab ich den Tag falsch notiert und musste nach Hause an dem Abend, als die Vorstellung stattfand, der zweite Versuch scheiterte am Vorstellungsausfall aufgrund von Erkrankungen im Ensemble – „kein gutes Omen“, dachte ich. Schüler beklagte selbst des Öfteren, keine konsequente Regiekonzeption für diese Oper zu haben.

Während er von Mozarts Da-Ponte-Opern Figaro schon 1997 in Cottbus inszenierte (sowie in Halle 1989 und in Rheinsberg 2000) als auch Cosi fan tutte 1992 (Halle 1984, Stendal 1989) ließ er sich in Cottbus bis 2018 Zeit.  Am Ende ersetzte er die fehlende „zündende Idee“ durch eine Vielzahl witziger, aber auch tiefgreifender Einfälle. Christian Henneberg alias Don Giovanni wird bereits im Duell mit dem Komtur schwer verletzt. Das Herz des Opernliebhabers mit Hang zur Ideenentwicklung aus dem Libretto heraus geht sofort auf: allein dieser Ansatz hätte konsequenter weitergedacht werden können. Zum Beispiel, indem die Folgegeschichte als Fiebertraum inszeniert wird. Kurz wird man auf diese Schiene gebracht: Don Giovanni ist gar nicht der übergroße Verführer, er wünscht es sich lediglich zu sein. Der Versuch geht gar mächtig daneben – Daddy (der Komtur) funkt in das Liebesspiel zwischen Giovanni und seiner Tochter, fordert ihn zum Duell, verliert, aber nestelt aus dem Gürtel eine Pistole und während er sein Leben aushaucht,  nietet er den Schwerenöter doch noch um. Natürlich stirbt der nicht sofort an dem Bauchschuss, sondern fiebert sich durch seine Wunschträume der Verführungen – mehr als 2000 Frauen, die ihm europaweit verfallen. Leporello sein Herold, berichtet von seinen amourösen Wagestücken, lässt ihn als unbeugsamen Frauenbeglücker zur sinnesfreudigen Heldenfigur aufsteigen und dennoch im Kampf gegen die Gesellschaft untergehen.

Früher oder später muss der in jeder Hinsicht Übertreibende für seine Taten büßen – nicht als Verlierer der Oper, denn als stilisierte Sex-Ikone. Mit einem Augenzwinkern wären einige Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Das fragwürdige Frauenbild der Mozart-Oper, die an die „me-too“-Bewegung erinnernde Übergriffigkeit des Protagonisten und nicht zuletzt die Unglaubwürdigkeit der schier unendlichen Verführungserfolge wären in dieser Sichtweise relativiert. Schüler bleibt allerdings im Hier und Jetzt des Librettos, derartige „Abweichungen“ waren eher selten sein Stil. Gepasst hätte es mal. Giovanni durchlebt seine letzten Abenteuer also ungeachtet der ihm zugefügten Wunde, oder – trotz dieser. Ihm zur Seite steht der treue, wenn auch geldgierige Leporello Andreas Jäpel.

Dieses kongeniale Duo sprüht vor Spielwitz, jede Bewegung ist perfekt aufeinander abgestimmt, der Slapstick sitzt so selbstverständlich, dass man weiß: viele dieser Abläufe sind bereits hunderte Male so passiert und über die Jahre perfektioniert, ohne banale Routine zu werden. Von der schnellen Linie Koks zwischendurch über einen Schluck Champagner bis hin zum Aufpolieren der „Kronjuwelen“ des größten Verführers aller Zeiten. Nahezu beiläufig dokumentiert Leporello minutiös, fotografiert die Eroberungen und ist gegen die eine oder andere Dublone bereit, seinen Herrn aus jeder misslichen Lage zu befreien, kurz: Don Giovanni könnte nicht Don Giovanni ohne seinen jede Situation rettenden Leporello sein.

 Staatstheater Cottbus / Don Giovanni - hier : vl Christian Henneberg als Don Giovanni und Ulrich Schneider als Komtur; im Hintergrund: Andreas Jäpel als Leporello © Marlies Kross

Staatstheater Cottbus / Don Giovanni – hier : vl Christian Henneberg als Don Giovanni und Ulrich Schneider als Komtur; im Hintergrund: Andreas Jäpel als Leporello © Marlies Kross

Freilich grätscht ihm Donna Elvira immer im unpassenden Moment in den Lauf. Mal weinerlich beschwörend, mal hysterisch kann sie die Vielschichtigkeit der Figur mit ihrer eigenen Dynamik ausgestalten.Schnell findet sich der nächste rote Faden: Die Pistole des Komturs hebt Don Ottavio (Dirk Kleinke mit einer überraschend guten Gesangsleistung) auf und führt sie als Rachewerkzeug mit sich. Sie taucht wieder auf, als es eng um Giovanni / Leporello wird, tötet „unbeteiligte“ Geiseln. Deren Särge dienen später als Tische des Nachtgelages mit dem Komtur und plakatieren nochmals die moralische Flexibilität oder eher unbekümmerte Pietätlosigkeit Giovannis. Schlussendlich wird Giovanni mit dieser Waffe getötet.

Der Komtur ist hier keine Einzelperson aus dem Jenseits mehr sondern ein Femegericht aller Geprellten. Ausführender ist Ottavio, der sich damit die Lorbeeren verdient, nächster Komtur zu werden. Am Ende jedoch ist die Gesellschaft der Männer um ihr Feindbild gebracht und die Frauen um ihre Träume. Es bleibt eine seltsame Leere.Bis zu diesem Moment gibt es noch – einem Wimmelbild für Erwachsene gleich – dutzendweise spannende, nachdenklich machende und auch einfach nur witzige Szenerien, ganz dem Sujet entsprechend. Nachdem Masetto von Giovanni ordentlich vermöbelt wurde, anschließend jammernd von seiner Zerlina verarztet wird, knickbeinig und bammelohrig die Szenerie verlässt und Zerlina ein absolut geräuschloses „Männer!“ ins Publikum wirft, bricht sich im Publikum einer jener kurzen Auflacher Bahn, die so typisch für Schülers zwanglosen Umgang mit historischen Stoffen sind. Eindrücklich auch die Ballszene, auf der jeder Gast ein Giovannis Garderobe schlüpfen darf und – Kleider machen Leute – einmal in ihrem Leben enthemmt ihren Wünschen und Bedürfnissen freien Lauf lassen. Durch die Eskalation der Gewalt aber finden sie ihr moralisches Regulativ wieder.

Staatstheater Cottbus / Don Giovanni © Marlies Kross

Staatstheater Cottbus / Don Giovanni © Marlies Kross

Am Pult stand Christian Möbius, der bereits 28 Jahre am Haus als Chorleiter und Zweiter Kapellmeister tätig ist. Sein sängerfreundliches Dirigat ließ keine Wünsche offen. Christian Henneberg ist als Don Giovanni ein wahrer Hingucker. Seine geschmeidigen Bewegungen und sportlichen Einlagen lassen auch ohne explizite Blicke in die Schlafzimmer erahnen, dass dort ein Könner am Werk ist. Gesanglich bietet er eine hochkonzentrierte, klangschöne Stimme, aus der eine selbstsichere Ruhe strahlt. Sein Widerpart, Ulrich Schneider als Komtur, besticht mit fulminantem Bass, eine Stimme wie das Gesetz persönlich. Giovannis Diener Leporello steht seinem Herrn in Nichts an Spielfreude nach, seinen Zwiespalt zwischen ein-ruhiges-Leben-führen oder selbst-einmal-Herr-sein-wollen hat man lange nicht so bildhaft gesehen. Stimmlich ist Jäpel immer ein Erfolgsgarant, so auch diesmal.

Ähnlich Debra Stanley, die einmal mehr nachhaltigen Eindruck hinterließ. Mirjam Miesterfeldts Zerlina sprüht vor jugendlicher Unbekümmertheit und überzeugt sowohl darstellerisch als auch gesanglich. Nach ihrer Giovanni-Erfahrung stellt sie komplett neue Ansprüche an das Liebesleben mit ihrem Masetto (Ingo Witzke), dem das aber sichtlich gefiel. Der wandlungsfähige Bass, der alle anderen Sänger um gut 1½ Köpfe überragt, darf sich hier mal etwas einfältig austoben und man erinnert sich gern an seinen bezaubernden Osmin. Er ist jedoch ebenso glaubhaft in den ernstzunehmenden Rollen wie Fafner, Timur oder Daland. Der Applaus jedenfalls war umwerfend, aus dem Publikum flogen etliche Blumensträuße den SängerInnen zu, und einmal mehr sind viele Gäste aus der Umgebung, besonders aus Berlin angereist, die, ob der eigenen Kulturvielfalt in der Hauptstadt befragt, immer unisono antworten „aber so etwas wie in Cottbus bekommen wir in Berlin ja leider nicht geboten“.

 Eine Ära geht zu Ende. Mit der Saison 20/21 wird Stephan Märki die Geschicke des Hauses vom Interimsintendanten Dr. Serge Mund übernehmen. Märki hatte Mund mal nach Potsdam geholt, diesmal ist die Folge umgekehrt. Leider wird in diesem Zuge das Ensemble etwas gestrafft. Und noch mehr „leider“ ausgerechnet um einige wichtige Leistungsträger. Vier davon haben in dieser Produktion nochmals ihre Bereitschaft und Fähigkeiten unter Beweis gestellt: Mirjam Miesterfeldt, Christian Henneberg, der in über 20 Produktionen von Dr. Falke (Die Fledermaus) bis zu Don Giovanni so ziemlich alles gesungen hat, was sein Fach am Haus hergab, Debra Stanley, die von Liu (Turandot) bis zur Jenny (Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny) Großartiges geleistet hat. Auch Ingo Witzke ist nach 10 Jahren Zugehörigkeit und vielfältigsten großartigen Rollen zukünftig nicht mehr in Cottbus zu hören. Bedauerlicherweise gehört auch Martin Shalita, die große Überraschung als Calaf in Turandot, aktuell endlich auch als Erik im Holländer zu hören, zu den Scheidenden.

Man kann nur erahnen, dass es sich hierbei nicht um künstlerische Entscheidungen handelt, sondern weil es durch die üblichen Nichtverlängerungen schlichtweg einfacher ist, als sich von einigen Mitarbeitern zu trennen, die ihren Leistungszenit deutlich überschritten haben.

Aber noch gibt es einige Möglichkeiten, die Sänger in Cottbus zu erleben: Csárdásfürstin, Holländer, Liebestrank, Frau Luna, Satyagraha (Glass). IOCO, so wie ich als Korrespondent,  wird für seine große lokale wie überregionale Community im Netz gerne auch zukünftig immer wieder aus dem Staatstheater Cottbus berichten.

—| IOCO Kritik Staatstheater Cottbus |—

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