München, Theater am Gärtnerplatz, Ballett – La Strada – Marco Goecke, IOCO Kritik, 25.09.2018

September 27, 2018 by  
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Staatstheater am Gärtnerplatz München

Gärtnerplatztheater © Christian POGO Zach

Gärtnerplatztheater © Christian POGO Zach

  La Strada – Ballett von Marco Goecke

Von Daniela Zimmermann

Das Gärtnerplatztheater bringt La Strada als Ballett-Uraufführung nach dem berühmten Film von Frederico Fellini aus 1954 und der von Trompetenlyrik zirkushaft dominierten, sinfonischen Filmmusik von Níno Rota. La Strada wurde von Marco Goecke, dem langjährigem Stuttgarter Haus-Choreograph neu geschaffen. Goecke wird 2019 neuer Ballettdirektor der Staatsoper Hannover; er folgte dem Ruf seiner ehemaligen Stuttgarter Kollegin, der Amerikanerin Laura Berman (57), welche 2019 zur neuen Intendantin der Staatsoper Hannover bestellt wurde.

La Strada – Ballett von Marco Goecke
Youtube Trailer Gärtnerplatztheater
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La Strada, eine Dreiecksgeschichte. Zampano ist ein grobschlächtiger Markt – Darsteller, welcher dort eine um seine Brust befestigte Kette sprengt. Die einfältige Gelsomina ist dabei eine unterwürfige Helferin. Doch dann lernt Gelsomina im Zirkus den humorvoll clownesken Seiltänzer Matto (Javier Ubell) kennen; die von Unterdrückung geprägte Beziehung von Gesomina und Zampano ist aus der schwachen Balance geworfen. Das Treiben von Gelsomina und Matto in der bunten Zirkuswelt, in welche sie immer wieder eintauchen und für sich sind berührt. Schön anzusehen, die von Gelsomina sanft und schüchtern verkörperten Emotionen. Auch die präzise und eindrucksvolle Leistung des Ensembles, die quirligen Bewegungen , das  schnelle Tempo der Schritte, die akrobatischen Einlagen, die Hektik der Armbewegungen und das alles 80 Minuten lang ohne Pause, war bewundernswert. Das Bewegungsrepertoire war etwas begrenzt und gab oft der oft doch  einfachen Handlung nur wenig Ausdruck. Getrieben von Hass und Eifersucht wird Matto von  Zampano erschlagen; Gelsomine tanzt in ihren Tod; Zampano, nun allein, ergraut und schwach bricht schluchzend zusammen: bisherige Mannesbrutalität endet, wie im wahren Leben, einmal mehr in fadem Selbstmitleid.

La Strada ist Ein Männerstück über Kraft, Gewalt oder die Unfähigkeit, Gefühlen nach zu gehen. Brutale, raue Kerle lassen tanzend die Muskeln spielen, allen voran Zampano, der muskelbepackte Kettenbrecher, getanzt von dem türkischen Ausnahmetänzer Özkan Ayik. Eine schon optisch gute Besetzung, Ayik besitzt Muckis und Sixpack. Gelsomina (Veronika Segovia) wird seine Assistentin bei Auftritten, begleitet ihn auf den Märkten, wird rücksichtslos, grob als eine Sklavin behandelt. Zampano gibt sich nach außen wie   innen stahlhart, unfähig Gefühle zu zeigen oder zu erhoffen, und doch: ein Mann, welcher in seiner hohlen Kraftmeierei  wieder Ratlosigkeit erzeugt.

Staatstheater am Gärtnerplatz München / Orchester des Staatsorchester am Gärtnerplatz © Christian POGO Zach

Staatstheater am Gärtnerplatz München / Orchester des Staatsorchester am Gärtnerplatz © Christian POGO Zach

Marco Goecke ist bekannt für das Düstere, Dunkle seiner Choreographien. Am Gärtnerplatztheater choreographiert Goecke die Unfähigkeit zu Lieben und das absolute Böse. Manches wirkt zu dunkel, zu schlecht beleuchtet; doch, La Strada behandelt das Böse, das Unfassbare, in menschlicher Empfindung das Zwielichtig, das Düstere, das Dunkle.  Schwarz ist denn auch die beherrschende Farbe der Tanzenden und des Ensembles des Gärtnerplatztheaters. Nur in der Zirkusmanege gibt es etwas Gold. Eine moderne, niemals kitschige Interpretation.

Die gekürzte Ballettsuite der berühmten Filmmusik Nino Rotas begleitet die Handlung sanft.  Marco Goecke stellt die Handlung in den Mittelpunk und die Musik fließt mit. Die oft abstrakten choreographischen Figuren empfehlen es, die Handlung, den Film La Strada zu kennen.

Das Bühnenbild, mehrheitlich in grau-schwarz von Michaela Springer ist karg. Die ländlichen Ähren unterstreichen das armselige Umfeld. Eine Riesen-Kette, die aus dem Bühnenhimmel auf die Bühne kracht, ist symbolträchtig für die Dominanz von Gewalt und kündigt letztlich den Tod. Michael Brandstätter dirigierte kraftvoll und ausdrucksstark die dramatische Hollywood Musik der 50iger Jahre.

La Strada am Theater am Gärtnerplatz: weitere Vorstellung  6.10.2018

—| IOCO Kritik Staatstheater am Gärtnerplatz |—

Immling, Immling Festival 2018, Orpheus und Eurydike – Christoph W. Gluck, IOCO Kritik, 07.08.2018

August 7, 2018 by  
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Gut Immling

Festspielhaus Gut Immling © Nicole Richter

Festspielhaus Gut Immling © Nicole Richter

Orpheus und Eurydike – Christoph W. Gluck

– Opernfestival auf Gut Immling –

Von Daniela Zimmermann

Christoph Willibald Gluck (1714 – 1787)  und Rainieri de Calzabigi (Libretto) entlehnten ihr Werk, Orpheus und Eurydike, der griechischen Mythologie. Der thrakische Sänger Orpheus möchte seine geliebte Eurydike durch betörenden Gesang der Unterwelt entreißen. 1762 in Wien mit dem Altkastraten Gaitano Guadagni als Orpheus uraufgeführt folgt Gluck in seiner Komposition dieser „Reformoper“ der Dramaturgie des Libretto. So gibt bereits die dreiteilige Arienszene im ersten Akt der Oper Stimmungen und Gefühle der Handlung für die damalige Zeit noch ungewohnt emotional und berührend wieder. Während bis dahin Rezitative weniger gefühlsstark meist nur vom Generalbass begleitet wurden, folgt in Orpheus und Eurydike den Rezitativen das ganze Orchester, mit all seinen Instrumenten den Aussagen des Librettos.

Ludwig Baumann versetzt als Regisseur seine Inszenierung das vorbarocke Stück in unsere jetzige Zeit; strukturiert es mit psychologisch analytischer Aura. 2017 war Premiere, 2018 Wiederaufnahme im Rahmen des IMMLING FESTIVAL.

Gut Immling / Orpheus und Eurydike © Kerssenbrock

Gut Immling / Orpheus und Eurydike © Kerssenbrock

Die Sopranistin Maryna Zubko ist nicht nur eine hinreissende Eurydike aber auch veritable Konzertpianistin; so wurde die Oper um eine persönliche Zugabe erweitert. Alles beginnt mit einem unerwarteten wie fröhlichen Hauskonzert: Eurydike (Maryna Zubko) am Klavier spielt Claire de lune;  Orpheus (Modestas Sedlevicius) singt lyrisch ergreifend Schubertsleise flehen meine Lieder“. Ein glückliches Paar, in ihrer geliebten Musik vereint. Doch dann hüstelt Eurydike und stirbt. Gluck bringt in seinem Werk den antiken Mythos der ewigen Liebe zum Ausdruckt. Orpheus und Eurydike gleichen so ihrem italienischen Pendant, Romeo und Julia.

Die Inszenierung auf Gut Immling verkörpert nicht mehr griechischen Mythos sondern Jetztzeit, das Heute. Mit der Beerdigung der geliebten Eurydike setzt Glucks Oper ein. Der Sarg wird auf die Bühne durch den Mittelgang getragen, begleitet von den Trauergästen gleich Chor: eindrucks- wie ausdrucksvoll. Der Chor unterlegt die Handlung  in gesanglichem wie darstellerischem Ausdruck. Eurydikes Bilder im Hintergrund verstärken die ergreifenden Empfindungen während der Trauerfeier.

Orpheus bleibt in tiefer Trauer zurück und fällt in Depressionen und Phantasien. Den Verlust der geliebten Eurydike will und kann er nicht akzeptieren. So begibt er sich zu psychotherapeutischer Behandlung in eine Geistesheilanstalt. Eine Zwangsjacke spiegelt Eingeengte wider, der Gedanken, des Wesens. Amor (Rachel Croach, Sopran) tritt als Psychoanalytiker auf und verleiht die Hoffnung auf ein Wiedersehen mit Eurydike. Er darf ins Schattenreich vordringen, um sich Eurydike zurückzuholen, allerdings mit Auflagen.

Gut Immling – Orpheus und Eurydike – youtube Trailer
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Diese Szenen spielen sich zumeist im Hörsaal der Psychatrie ab. Der Festvalchor unterlegt die Handlung stimmlich wie darstellerisch: in weiß als Mitkranke oder als tote Unterweltbewohner oder als aktives Personal der Klinik. Dazu interpretieren Zombies tanzend  den seelischen traurigen Zustand der Patienten. Choreographie Andrea, Robert und Tanja Honner.

Zur pathologischen Aufarbeitung muss Orpheus seine Eurydike wiedersehen: Sie wird aus einem Todesschlaf gerissen; der lebenden Welt schon entrückt muss sie sich wieder mit den Gefühlen des Lebens auseinander setzen. Ihre Wiedersehensfreude mit Orpheus ist überschwänglich. Orpheus´ Schmerz gegenüber seinen bestehenden Auflagen, die sie nicht kennt, sind letztlich so groß, dass Orpheus dem nicht mehr gewachsen ist und versagt. Eurydike stirbt ein zweites Mal.

„Niemals sind wir ungeschützter gegen das Leiden  als wenn wir lieben, niemals hilfloser, als unglücklich, als wenn wir das geliebte Objekt oder seine Liebe verloren haben.“ Sigmund Freud.

Gut Immling / Orpheus und Eurydike hier Orpheus © Axel Effner

Gut Immling / Orpheus und Eurydike hier Orpheus © Axel Effner

Amor schreitet als Psychotherapeutin nun ein. Orpheus verkraftet einen weiteren Tod seiner Eurydike nicht und versucht sich das Leben zu nehmen, um im Tod mit ihr vereint zu sein. Diese absolute Treue Orpheus´ belohnt Amor, denn Trauer und Verzweiflung sind nun pathologisch aufgearbeitet: Orpheus darf Eurydike in die Arme fallen und verlässt die Psychiatrie als geheilt verlassen.

Es gehört zum Charisma von Gut Immling, junge Sänger zu fördern, zu protegieren und ihnen eine künstlerische Plattform zu geben. Alle drei Solisten (Orpheus, Eurydike, Amor) sind Gewinner des Lions Gesangswettbewerb. Der helle, warme Bariton von Modestas Sedlevicius als Orpheus gab Gefühle, Leidenschaft und Verzweiflung ergreifend wieder. Doch ebenfalls überzeugend sicher und voller Emotionen waren auch Maryna Zubko als Euridyke und  Rachel Croach als Amor.

Evan Alexis Christ  leitete das kleine Festivalorchester Immling sensibel, filigran. Die Basis bildet ein Kammerorchester aus Tiflis, ergänzt durch internationale Instrumentalisten. Musikalisch einfach stark und spannend.

Gut Immling mit seinen Opernproduktionen, seinen Konzerte ist etwas besondere: Hier vereinigen sich Natur und Musik. Es ist eine besondere Atmosphäre; geprägt von der herrlichen Landschaft des Chiemgaus, einem naturverbundenen Festspielhaus und  künstlerisch hohem Niveau. Das Immling Festival  wurde so inzwischen zum populären „Geheimtipp“, um anspruchsvolle Kultur in unverbrochener Natur zu erleben und zu genießen.

—| IOCO Kritik Gut Immling |—

München, Staatstheater am Gärtnerplatz, Rockmusical – Jesus Christ Superstar, IOCO Kritik, 31.07.2018


Staatstheater am Gärtnerplatz München

Gärtnerplatztheater © Christian POGO Zach

Gärtnerplatztheater © Christian POGO Zach

Jesus Christ Superstar  –  Andrew Lloyd Webber

 Von Daniela Zimmermann

Mit nur 22 Jahren, 1970, verfasste Andrew Lloyd Webber (* 1948) seine so erfolgreiche und musikalisch mitreißende Rock- und Pop-Oper Jesus Christ Superstar. Die letzten sieben Tage im Leben von Jesus Christus umfasst die Handlung. Tim Rice schrieb die Texte.  Zunächst abgelehnt. Das Leben Jesus Christus durch Rockmusik und Tanz darzustellen war 1970 ungewohnt; zunächst wenig goutiert wurde das Musical ein großer Erfolg; ist bis heute Kult.

2017 inszenierte Josef E. Köpplinger diese Rockoper für das Gärtnerplatztheater. Damals  fand die Aufführung noch in der Reithalle statt und jetzt wurde sie wieder gespielt und  erstmals im eigenen Haus im Gärtnerplatztheater mit natürlich anderen Möglichkeiten, vor allem auch für das Orchester unter der Leitung von Jeff Frohner. Hier konnte er es rocken lassen und die Akustik spielte mit. Aber er verstand auch zu nuancieren, bei den besonders schönen Songs, die Sänger zu unterstützen. Ob Rock, Blues oder Soul, die Musik war so mitreißend wie eh und je.

Gärtnerplatztheater / Rockmusical Jesus Christ Superstar hier Ensemble © Marie-Laure Briane

Gärtnerplatztheater / Rockmusical Jesus Christ Superstar hier Ensemble © Marie-Laure Briane

Die Bühne von Rainer Sinell war ein schlichter  großer Tanzboden mit genug Platz für das große Ensemble: Tänzer, Sänger, Volk. Eine Brücke über diesen weiten, offenen Boden, gab dem Bühnenbild  Struktur und Tiefe;  auf der Brücke war Bewegung, sie diente als attraktives Podium für die Handlung. Dazu  die Videoprojektionen, welche die ewigen Grundfragen der Menschheit zeigten:  „woher kommen wir –  wohin gehen wir – was suchen wir?“   

Köpplinger versetzt das Musical in unsere Zeit. Die Apostel sind junge Wilde, streitsüchtig, laut, rebellisch; schwarz „Rockerhaft“ gekleidet. In Jesus Christ haben sie ihren Anführer, ihr Vorbild gefunden. Jesus genießt die Huldigung seiner Macho- Jünger und ebenso die begeisterten Hosianna Rufe des Volks;  zeigt durchaus eitle Züge. Maria Magdalena (Dionne Wudu) muss sich gegen diese ungehobelten Kerle behaupten. Sie zeigt ihre unerfüllte Liebe zu Jesus.

Gärtnerplatztheater München – youtube-Trailer zu Jesus Christ Superstar
Youtube Trailer des Gärtnerplatztheaters
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Die Handlung: In großem Menschengetümmel begegnen sich Jesus (Armin Kahl)  und Judas (John Vooijs). Jesus will  in die vom Kommerz getriebene  Hektik unserer modernen Zeit eingreifen und vertreibt den Konsum;  durch Tragetaschen der Damen und die steife Herren der Finanzlobby symbolisiert. Herabfallende Stoffbahnen mit  Konsum – Geld Aufschriften verstärken das Bühnengeschehen.

Die Choreographin Ricarda Regina Ludigkeit unterstreicht die aufbegehrende Jugend durch Tanz, schnell, volles Tempo, harter jugendlicher Kraft. Die Jugendrevoluzzer unter sich. Judas, einer von ihnen, ist anders, nachdenklicher. Er will mehr und bedrängt Jesus zu weniger Show, weniger Oberflächlichkei, zu mehr Liebe. Doch Jesus reagiert nicht, lässt Judas allein und „verleitet“ ihn dadurch zum Verrat. Judas aber wird mit seinem Verrat an Jesus nicht  fertig und stirbt in rot leuchtenden Stricken.

Zum Spiel gehört Pontius Pilatus (Erwin Windegger) der vor dem intensiven Blick Jesus taumelnd zurück weicht. Herodes in Strass und Pailletten (Previn Moore), der die Begegnung mit Jesus als Showauftritt swinging, tänzelnd, beschwingt genießt. Anders der  Hohe Priester Kaiphas (Levente Pall) mit ganz tiefem, sehr eindrucksvollem Bass. Ihn widern die Macho Streetfighter an. Das Establishment ist der manipulierende Gegenpol der Streetfighter; auch Jesus Christ ist ihnen ein Dorn im Auge ist. Sie wollen seinen Tod und sie bekommen ihn:  Das Volk ist eben manipulierbar. Von Hosianna zu Crucify: Alles Manipulation?

Gärtnerplatztheater / Rockmusical Jesus Christ Superstar hier mit John Vooijs als Judas Ischariot, Dionne Wudu als Maria Magdalena, Armin Kahl als Jesus von Nazareth, Ensemble © Marie-Laure Briane

Gärtnerplatztheater / Rockmusical Jesus Christ Superstar hier mit John Vooijs als Judas Ischariot, Dionne Wudu als Maria Magdalena, Armin Kahl als Jesus von Nazareth, Ensemble © Marie-Laure Briane

Das letzte Abendmahl mit seinen Jüngern ist ein reines „Fast Food Mahl“, eben zu den  jungen Revoluzzern passend. Jesus bricht das Fladenbrot, dazu Wein aus der Flasche und Cola und mehr; alles fällt auf den Boden. Dazu singt Maria Magdalena herzzerreißend und wunderschön. Sie ist so perfekt in ihrer Rolle und mit ihrem Gesang, voller Kraft und Schmelz. Sie hat Ausstrahlung; es ist schön, ihr zuzuhören. Das von Kaiphas aufgebrachte, verführte Volk schlägt Jesus, setzt ihm die Dornenkrone und kreuzigt ihn.

Armin Kahl ist ein gut gewählter Jesus, in Statur, Stimme und Typ. Sein Gegenspieler John Vooijs als Judas im Kapuzen Look, der Obermacho, ist perfekter aggressiver Gegner von Jesus. Windegger als Pontius Pilatus ist in seiner Partie spielerisch und gesanglich ebenso hervorragend.

Köpplingers  Inszenierung  der Rockoper in München endet friedensstiftend als Parabel: Jesus und Judas erscheinen wieder – als geläuterte Wesen – aus dem Hintergrund und reichen sich zu mitreißender Schlußmusik versöhnend die Hände.

—| IOCO Kritik Staatstheater am Gärtnerplatz |—

München, Olympiahalle, Andrea Bocelli – Hype in der Olympiahalle, IOCO Aktuell, 14.04.2018

 

 Andrea Bocelli hier nicht in der Kirche sondern der Olympiahalle © Global Event &Entertainment

Andrea Bocelli hier nicht in der Kirche sondern der Olympiahalle © Global Event &Entertainment

Olympiahalle München

Andrea Bocelli

Andrea Bocelli   –  Belcanto unlimited

Von Daniela Zimmermann

Andrea Bocelli ist ein Gesangs-Phänomen mit nachweislich großer Fangemeinde. Wer Zweifel hegte, wurde am 7.4.2018 in München eines Besseren belehrt. 7.000 Bocelli – Fans waren in die Olympiahalle Müchen, gereist, marschiert, gewandert, um dort, nach 20 Jahren erneut den charismatischen Andrea Bocelli zu hören, zu sehen, seinen Arien zu lauschen, seinen schwerelosen Belcanto zu atmen, ihn zum Ende jubelnd trampelnd zu verabschieden.

Andrea Bocellis Deutschland Tournee startete in München; in den nächsten Monaten folgen  Hamburg, Köln, Berlin, Hannover; die Tour endet am 11.1.2019 in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle in Stuttgart. Mit 80 Mill. verkauften Tonträgern ist Andrea Bocelli heute einer der populärsten Sänger der Gegenwart. Die seit Jahren herrschende Bocelli-Hype hielt auch die tragische, erbbedingte Blindheit (Glaukom) nicht auf.

Andrea Bocelli, * 22. September 1958 in Lajatico, den Weinbergen der Tosakana um Pisa gelegen, wurde die klassische Musik schon in frühen Jahren durch seine Eltern nahe gebracht: Er begann mit sechs Jahren das Klavierspiel, Flöte und Saxophon folgten bis er seine Stimme als sein „wahres“ Instrument entdeckte. Sein Durchbruch  war !970, als er mit O sole mio  einen Gesangswettbewerb gewann.

Andrea Bocelli  in der Olympiahalle ist zwangsläufig kein warmer, herziger Liederabend, sondern professionell angelegte, prächtige Gesangsshow mit großen Künstlern und   deftigen Preisen. Eintrittskarten kosten bis €254: dafür wird auf der Bühne sehr viel, Kunst und Choreographie, geboten. Die 7.000 Besucher goutierten die Bocelli-Show mit ungeteiltem Beifall und viel  Zustimmung.

Andrea Bocelli in der Olympiahalle München © Global Event & Entertainment

Andrea Bocelli in der Olympiahalle München © Global Event & Entertainment

In München wurde Andrea Bocelli wurde begleitet von dem Mav Symphony Orchester aus Ungarn. Der italienische Dirigent Marcello Rota dirigiert das Orchester sowie die großen Chöre, den Budapester Studiochoir und der Honved Männerchor.  Mit den 150 Mitwirkenden war die Bühne ausgefüllt. Mit der Arie La donna e mobile aus Rigoletto eröffnete Bocelli seinen Konzertabend; gefolgt mit weiteren Arien aus Rigoletto. Dann übernimmt die Sopranistin Maria Aleida Rodriguez mit  zwei berührende wie populären Sakralliedern, Ave Maria und  Panis Angelicus.

Begleitet werden alle Arien von monumentalen und aufregend arrangierten Videoprojektionen: Als eine Art Bühnenbild  bilden diese höchst professionell „komponierten“ Projektionen mit zusätzlichen Lichteffekte einen lebendigen Rahmen für die  Künstler auf der Bühne.  So wurden zu christlichen Liedern sind  riesige Kirchenschiffe   mit den betenden Menschen überaus eindrucksvoll dargestellt. Dazu Bocelli, mit  geschlossenen Augen hingebungsvoll singend. Das wirkte

Ilaria Della Bidia in der Olympiahalle München © Global Event & Entertainment

Ilaria Della Bidia in der Olympiahalle München © Global Event & Entertainment

Bocelli lieferte bekannte Opernarien aus allen Fächern, die einem vertraut sind und die man so gern hört. Wunderbare Klassik wie La donna e mobile wechselte mit italienischen Schlager wie Mamma, rassige Kost aus Bernsteins  Westside Story,  ein altvertrautes O sole mio. Gaststars brachten zusätzliche Farben auf die Bühne: Der Flötist Andrea Griminelli eröffnete den zweiten Teil des Abends mit einem Melodienreigen des bekannten Filmmusikers Enrico Marricone; gefolgt von dem Gitarrenduo Carisma. Und dann hatte die stimmgewaltige Ilaria Della Bidia ihren beeindruckenden Auftritt mit Over the Rainbow aus dem Film der Zauber von Oz. Das Europa Ballett St. Pölten intensivierte mit Tanzeinlagen die ohnehin erkennbar hochschäumenden Emotionen der Besucher.

Andrea Bocelli beendete den Abend mit seinem ECHO- Rock-pop-Single des Jahres 1995  Time to Say Goodbye  und Nessun Dorma aus Turandot. Die Begeisterung der Besucher schien grenzenlos, erinnerte eher an Fußballstadien als einen Arienabend. Die Belastungsgrenzen der Olympiahalle schienen getestet zu werden; doch alles hielt  und  7.000 glücklich erschöpfte Besucher suchten den schnellsten Weg nach nach Hause.

—| IOCO Kritik Olympiahalla München |—

 

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