Mannheim, Nationaltheater, BARBI MARKOVIC NEUE HAUSAUTORIN, IOCO

Barbi Marković wird Hausautorin am Nationaltheater Mannheim: In der Spielzeit 2026/27 entwickelt sie mit „was übrig bleibt haha“ ein neues Stück zwischen Trash, Popkultur und Krimi – scharf beobachtet, ironisch gebrochen und überraschend poetisch.

Mannheim, Nationaltheater, BARBI MARKOVIC NEUE HAUSAUTORIN, IOCO
Altes Kino Franklin © Nationaltheater Mannheim

von Uschi Reifenberg

Barbi Marković wird in der Spielzeit 2026/27 neue Hausautorin am Nationaltheater Mannheim

In der Spielzeit 2026/27 übernimmt die Autorin Barbara »Barbi« Marković die Position der Hausautorin am Nationaltheater Mannheim. Die aus Belgrad stammende Schriftstellerin, die zu den originellsten Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur zählt, entwickelt für Mannheim ein neues Stück über die »geschmacklose« Welt des Trashs. Unter dem Titel »was übrig bleibt haha« verbindet sie Elemente des Kriminalgenres mit Phänomenen der Popkultur – von »Candy Crush« über True Crime bis zu grellen Farben und Plastikwelten.

Mit Sprachwitz, feinem Humor und scharfem Blick auf das Alltägliche, entlarvt sie gesellschaftliche Abgründe und verwandelt sie in poetische Energie. »Trash ist eine Art, das Leben auszuhalten«, sagt Barbi Marković. »Er erlaubt es, Abstand zu nehmen und zugleich hinzuschauen.« Das Resultat ist ein Theaterabend für alle, die genug haben von Überforderung, Ernsthaftigkeit und sauberen Lösungen – willkommen in der »Trashbiografie«.

Charakteristisch für ihr Schreiben ist der kreative Umgang mit Sprache und literarischen Vorlagen. Mit Wiederholungen, Übertreibungen und bewusst gesetzten Brüchen unterläuft sie vertraute Erzählmuster und schafft eine Komik, die ebenso subtil wie wirkungsvoll ist. Ihr Humor entsteht aus genauen Alltagsbeobachtungen, absurden Situationen und einer lakonischen Erzählweise.

Barbi Marković © Marija Šabanović

Barbi Marković zeige laut Schauspielintendant Christian Holzhauer »wie befreiend und erkenntnisreich Humor sein kann. Dank ihrer feinen Ironie, ihres unnachahmlichen Humors und ihrer pointierten, zupackenden Erzählweise entstehen Texte, die zugleich klug, verspielt, überraschend und im besten Sinne verstörend sind. Wir freuen uns auf ihren wachen, neugierigen und treffsicheren Blick auf Mannheim.«

Barbi Marković studierte Germanistik, arbeitete zunächst als Lektorin und lebt seit 2006 in Wien. Mit ihrem Debüt »Ausgehen« (2009) – einem sprachspielerischen Remix von Thomas Bernhards »Gehen« – machte sie erstmals auf sich aufmerksam. Darin überführt sie Bernhards Wien in das belgrader Nachkriegsnachtleben und legt so die Entsetzlichkeit einer Gesellschaft offen, die zwischen Resignation und Rausch taumelt. 

Marković wurde in Graz (2011/12) als Stadtschreiberin bekannt, veröffentlichte dort „Graz, Alexanderplatz“ (2012) und landete 2016 mit dem Roman „Superheldinnen“ ihren Durchbruch. Für diesen erhielt sie den Literaturpreis „Alpha“ und den Förderpreis des „Adalbert-von-Chamisso“-Preises, später folgten der „Reinhard-Priessnitz-Preis“ (2019), der „Kunstpreis Berlin“ (2023), der Preis der „Leipziger Buchmesse“ und der „Carl-Amery-Literaturpreis“ (2024). Zu ihren weiteren Werken zählen „Die verschissene Zeit“ (2021), „Minihorror“ (2023), „Piksi-Buch“ (2024) und „Stehlen, Schimpfen, Spielen“ (2025).

Markovićs neues Stück entsteht im Rahmen ihrer Hausautor*innenschaft am Nationaltheater Mannheim und wird am 20. November 2026 im Studio Werkhaus uraufgeführt. Weitere Veranstaltungen mit der Autorin sind für die Spielzeit 2026/27 geplant.

Barbi Marković © Marija Šabanović

 Auszeichnungen:

2016 Literaturpreis Alpha
2017 Förderpreis des Adalbert-von-Chamisso-Preises
2019 Priessnitz-Preis für ihren Roman „Superheldinnen“
2023 Kunstpreis Berlin für Literatur
2024 Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik
2024 Carl-Amery-Literaturpreis

Zur Hausautor*innenschaft am Nationaltheater Mannheim

Die Hausautor*innenschaft am Nationaltheater Mannheim ist eine der wichtigsten und am besten dotiertesten Auszeichnungen für junge Theaterautor*innen in Deutschland. Sie geht zurück auf Friedrich Schiller, erster Hausautor am NTM in der Spielzeit 1783/84. Mit Unterstützung des Vereins der Freunde und Förderer des Nationaltheaters Mannheim wird seit Beginn der Spielzeit 1996/97 jährlich eine Autorenpersönlichkeit ausgezeichnet.

Mit Beginn der Spielzeit 2026/27 steigt die Förderung von 12.000 Euro auf 16.000 Euro – zunächst befristet bis 2028. Zusätzlich zu dem Stipendium stellt das Schauspiel des Nationaltheaters eine Wohnung, übernimmt Reisekosten und finanziert einen Stückauftrag. Seit Beginn der Intendanz von Christian Holzhauer stieg die Förderung in zwei Etappen von 6000 Euro auf 9000 Euro und zuletzt auf 12.000 Euro. Der Verein der Freunde und Förderer des Nationaltheaters setzt mit der erneuten Anhebung des Stipendiums zum 30. Jubiläum der Wiedereinführung des Hausautor*innen-Modells am NTM ein deutliches Zeichen für die Bedeutsamkeit der Hausautor*innenschaft für das Nationaltheater und für die künstlerische Bereicherung der Stadt Mannheim. Mit der Fördersumme von 16.000 Euro zählt das Stipendium der Hausautor*innenschaft zu den am höchsten dotierten Auszeichnungen für Gegenwartsdramatik im deutschsprachigen Raum.

Der Aufenthalt der Hausautor*innen wird ermöglicht durch die freundliche Unterstützung der Freunde und Förderer des Nationaltheater Mannheims e. V.

Weiterlesen

Dresden, Semperoper, Elias - F. Mendelssohn Bartholdy, IOCO

Dresden, Semperoper, Elias - F. Mendelssohn Bartholdy, IOCO

29. März 2026 Daniele Gatti dirigierte ein beeindruckendes Oratorienensemble im Palmsonntagskonzert Mit dem „Verein der Witwen- und Waisenkasse der Sächsischen Staatskapelle e.V.“ lebt die Tradition der Unterstützungskonzerte an den Palmsonntagen jeden Jahres für bedürftige Nachkommen verstorbener Kapellmitglieder des Orchesters noch immer. Waren in früheren Jahren die Benefizkonzerte wegen des

Von Thomas Thielemann