Hamburg, Opernloft, "Mord auf Backbord", IOCO
- März 2026
Eine Krimi-Oper
Ein recht vergnüglicher Abend war es im direkt an der Elbe gelegenen 'Opernloft': Die sechs Jahre alte Inszenierung der Krimi-Oper „Mord auf Backbord“, erdacht von der Regisseurin und Krimi-Expertin Susann Oberacker, Co-Intendantin des Opernlofts, wurde nun am 5. März wiederaufgenommen, und es strotzte nur so von musikalischen Highlights aus Oper, Liedern und Schlager-Melodien, die das Publikum immer wieder zu spontanem Szenenapplaus animierten.
Und wieder waren wir Gast auf dem Kreuzfahrtschiff MS Opera. Die Reise ging diesmal vom spanischen Bilbao über Cadiz, Malaga, Valencia und Palermo bis nach Neapel, mit Ausflügen nach Sevilla, Granada und Capri.
An Bord der MS Opera befindet sich als Passagierin und Entertainerin wieder die Sängerin Aline (Aline Lettow), die auch das Bordprogramm bestreitet und das Publikum gleich zu Beginn der Reise von Bilbao nach Cadiz mit zwei spanischen Canzones der hierzulande leider recht unbekannten spanisch-französischen Sängerin, Pianistin und Komponistin Pauline Viardot-Garcia unterhielt. Es war daher sehr interessant, in diesem Rahmen ihre beiden Lieder „Havanaise“ und „La chanson de la pluie“ (das „Regenlied“) kennenzulernen. Pauline Viardot (1821-1910) war die Schwester der berühmten Sopranistin Maria Malibran (1808-1836). Sie startete ihre Gesangskarriere bereits mit 17 Jahren, trat in Paris, London, Berlin und St.Petersburg auf, trat in Paris als Förderin von Massenet, Fauré und Gounod in Erscheinung, und verlegte sich in späteren Jahren aufs komponieren.
Mit an Bord der MS Opera ist auch Rebecca (Susan Jebrini), eine fröhliche extrovertierte Under-Cover-Polizistin, die einem Mörder auf der Spur ist, der sich auf diesem Kreuzfahrtschiff befinden soll. Und sie ist Veganerin.
Die aufzuklärenden Kriminalfälle sollten sich – so ist die Idee der Regisseurin – an in Spanien und Italien spielende Opern mit Mord und Totschlag orientieren. Wie z.B. „Il Trovatore“, in der es diese Dreiecksbeziehung gibt zwischen Manrico, Leonora und Luna. Luna ermordet Manrico, und Mutter Azucena erklärt ihm aufhin, daß er gerade seinen Bruder getötet hat. Aline singt nicht nur die wunderschöne Arie der Leonora, „Tacea la notte placida“, sondern auch Manricos Stretta „Di quella pira“, während Rebecca Azucenas „Stride la vampa“ mit ihrem klangvollen Mezzosopran zum Besten gibt. Und da Aline in der Nacht einen schrecklichen Traum hatte und auch einen Schrei gehört zu haben glaubte, scheint dieser Fall gelöst; Manrico wurde ermordet und Leonora beging Selbstmord.
Und da vom Hafen Cadiz aus ein Ausflug nach Sevilla geplant ist - was liegt näher als sich einer weiteren Dreiecksgeschichte zu bedienen? Carmen, José und Escamillo bieten sich hier förmlich an.
Der Besuch einer Stierkampf-Arena ist geplant - „Toreador en garde“ - doch weder der Stierkampf noch das blutige Steak im Bord-Restaurant sind für die vegan lebende Rebecca das Wahre. Vielmehr hat sie sich mittlerweile in den schmucken Steward namens Silvio verliebt, doch der beglückt noch viele andere Damen an Bord, so daß sie sich herzzerreißend bei „L'amour est un oiseau rebelle“ ausweint. Inzwischen hat sich ein Bord-Kellner verdächtig gemacht, vermutlich ist er ein Doppelmörder und außerdem noch ein Schmuggler. Jessica singt „Près de ramparts de Seville“, bevor die Kreuzfahrt weitergeht und Malaga der nächste anzulaufende Hafen ist: „Wenn die Rosen erblühen in Malaga“ (Cindy & Bert aus den 1970ern lassen grüßen).
Weiter geht die Seereise von Malaga nach Valencia. Und das Bordprogramm wird fortgesetzt mit Bella Alina und dem bekannten Lied „Valencia“ des spanischen Zarzuela-Komponisten José Padilla, zu dessen Schöpfungen ebenfalls das von Aline vorgetragene „La Violetera“ zählt, ein Song, der in den 1960er Jahren in einer Pop-Version von dem britischen Gesangstrio The Bachelors und von Dean Martin unter dem Titel „In the Chapel in the Moonlight“ die internationalen Hitparaden stürmte.
Nach der Pause nimmt die MS Opera übers Mittelmeer Kurs auf Palermo – „Komm' ein bißchen mit nach Italien“ (ein Hit für Caterina Valente aus den späten 1950er Jahren) – wo die nächste Dreiecksgeschichte schon auf sie wartet, nämlich in Ruggiero Leoncavallos „Bajazzo“ mit der Colombine Nedda, ihrem Mann Canio und ihrem Liebhaber Silvio.
Auch das von Aline virtuos vorgetragene Neapolitanische Canzone „Mattinata“ stammt aus der Feder von Ruggiero Leoncavallo. Geschwelgt wurde desweiteren auf der Weiterfahrt in Richtung Neapel bei den nun folgenden Songs „Come prima“, „Torna Sorriento“, den „Capri-Fischern“ beim Zwischenstopp auf Capri und dem Besuch der 'Blauen Grotte' mit dem kleinen pinkfarbenen Ruderboot. Gesungen wurden diese Canzones als Duette von Aline und Rebecca, deren beider Stimmen in reinstem Wohlklang harmonisch miteinander verschmolzen.
Nun folgte Neddas Arie „Qual fiamma avea nel guardo“, dramatisch interpretiert von Aline. Zu den Klängen von „Mambo Italiano“ (aus dem Sophia-Loren-Film „Es begann in Neapel“) hört man dramatische Geräusche, und Jessica erscheint mit blutverschmierter Bluse an Deck. Dann hören wir den Kapitän mit einer Lautsprecher-Durchsage, daß sich ein weiteres tragisches Unglück ereignet hat: ein Paar wurde ermordet in einer Kabine aufgefunden – die Colombine und der schöne Steward Silvio, in den Jessica so verliebt war.
Neapel ist die Endstation dieser Kreuzfahrt. Für weiteren Nervenkitzel empfiehlt der Kapitän den Gästen einen Ausflug hinauf auf den Vesuv. Jessica hat ihre Koffer schon gepackt und singt gemeinsam mit Aline zum Abschied das bekannte neapolitanische Canzone „Santa Lucia“.
Das begeisterte Publikum hatte großen Spaß an dieser abwechslungsreichen, spannenden Kreuzfahrt und überschüttete nicht nur die beiden Sängerinnen Aline Lettow und Susan Jebrini, sondern auch den Musikalischen Leiter, Pianisten und Kapitän Markus Bruker, den Steward Silvio Tim Beger, der auch in die anderen kleinen Rollen schlüpfte und die Klarinette spielte, sowie Andreas Krumwiede am Kontrabass am Ende mit Ovationen für diesen gelungenen, heiteren musikalischen Krimi-Abend, an dessen Ende als Zugabe nochmals „Die Rosen in Malaga“ angestimmt wurden.