Hamburg, Il trovatore - G. Verdi, IOCO
- April 2026
Im Programmheft dieser exakt zwei Jahre alten „Trovatore“-Produktion steht nun „Inszenierung nach Immo Karaman“ und „Choreographie nach Fabian Posca“.
Diese damals sehr zwiespältige aufgenommene Produktion war zwar reich an Effekten, die beim Publikum jedoch gar nicht gut ankamen. Für die Wiederaufnahme dieses „Trovatore“ hatte man sich zu einer „Reinigung“ entschlossen und vieles, das nur auf Effekthascherei aus war, aus der Handlung eliminiert – gut so. Und so mußte eine Dienstmagd nicht mehr brennend über die Bühne rennen, stattdessen wurde sie von Ferrando körperlich angegriffen. Die Szene, in der eine Dienstmagd von Graf Luna vergewaltigt wurde, gibt es auch nicht mehr, stattdessen wurde Karten gespielt und zwei Lakaien wurden zum Russisch-Roulette gezwungen. Die „Ku-Klux-Klan“-Figuren, die damals die Freitreppe hinauf und gleich wieder herab marschierten, sind nicht mehr dabei, und auch das ständige rückwärts die Treppe hinuntergehen bleibt den Choristen und Statisten nunmehr erspart. Gut ist auch, daß Leonora jetzt im vierten Akt nicht mehr hochschwanger war – von welchem der beiden Herren auch immer.
Nach wie vor formieren sich die wie Zombies verkleideten Choristen bereits während des Terzetts und der Duell-Szene Luna-Manrico schleichend von den Seiten, aus Türen und Fenstern zum nahtlos übergehenden Azucena-Bild. Die Gruppe der clownesk gekleideten Figuren, die während der Klosterszene zweimal auf die Bühne kommen und gleich wieder verschwinden, sind allerdings noch präsent – warum auch immer.
So richtig begeistern kann diese „Trovatore“-Inszenierung trotz der Änderungen noch immer nicht, dafür war dieser Abend musikalisch jedoch höchst erfreulich. Matteo Beltrami leitete das bestens disponierte Philharmonische Staatsorchester und bot einen herrlich strömenden italienischen Verdi-Wohlklang, leidenschaftlich zupackend, dramatisch und effektfreudig, aber auch weich fließend und nuanciert mit fein abgestimmten Tempi.

Enea Scala gab vor vier Jahren sein glänzendes Hamburg-Debüt als Des Grieux in Massenets „Manon“. Seine Stimme ist dramatischer geworden, und so konnten wir ihn nun als Manrico erleben. Ein sympathischer Darsteller von guter Bühnenpräsenz, optisch und stimmlich ein Manrico, so wie man ihn sich wünscht, und er sang seine Partie temperamentvoll, hoch engagiert mit kräftiger, klangvoller, in allen Lagen perfekt sitzender Stimme. Wie die meisten Tenöre sang allerdings auch er die Stretta transponiert – die Zeiten eines echten C-Tenors wie Franco Bonisolli sind eben lange vorbei.

Sein Gegenspieler als nobler Graf Luna war Boris Pinkhasovich, ein russisch-österreichischer Bariton, der mit dieser Partie sein Hamburg-Debüt gab. Groß und schlank, von eleganter, vornehmer Ausstrahlung, verfügt er über eine angenehm timbrierte Stimme, voluminös und volltönend, in seiner Arie „Il balen del suo sorriso“ geradezu balsamisch, und er beeindruckte zudem durch stilistische Sicherheit.
Für Eleonora Buratto war diese Aufführungsserie des „Trovatore“ sowohl ihr Debüt an der Hamburger Staatsoper, als auch ihr Rollendebüt als Leonora. Von Beginn an beherrschte sie die Bühne und sang mit heller, gesangstechnisch perfekter Stimme, sicherer müheloser Höhe und federnden Koloraturen, von betörenden lyrischen Passagen bis hin zum dramatischen Forte. Darstellerisch berührte sie durch ihr differenziertes Spiel besonders in den Szenen mit Graf Luna. Bravourös meisterte sie im vierten Akt die 'Tour-de-Force' mit den drei aufeinander folgenden Arien „Timor di me – D'amor sull' ali rosee“/“Miserere“/“Tu vedrai che amore in terra“. Ein absolut überzeugendes Rollendebüt.
Clémentine Margaine gab ihr Hamburger Staatsopern-Debüt 2019 als faszinierende „Carmen“. Nun ist sie als Azucena zurückgekehrt und konnte auch in dieser Partie einen großen Publikumserfolg für sich verbuchen. Ihre Stimme verfügt über ein interessantes Timbre mit sattem, orgelndem Tiefenregister. Daß anfangs einige Spitzentöne schrill gerieten, tat dem Gesamteindruck, den sie hinterließ, keinen Abbruch.
Als Ferrando im weißen Smoking war Alexander Roslavets wieder einmal in seinem Element. Mit seiner profunden, bassigen Klangfülle war er in seinen großen Szenen zu Beginn des ersten und des dritten Aktes sowohl stimmlich als auch darstellerisch beeindruckend präsent.
In den beiden kleineren Partien der Inez und des Ruiz bewährten sich zwei Mitglieder des Opernstudios, die lyrische Sopranistin Mariana Poltorak und der lyrische Tenor Colin Aikins.
Dem stimmgewaltigen Staatsopernchor, perfekt einstudiert von Christian Günther, bietet Verdis „Trovatore“ stets ausreichend Gelegenheit, sein Können unter Beweis zu stellen. Szenisch hatte er hier einige diffizile Aufgaben zu bewältigen, gesanglich war er stets kraftvoll und wunderbar intonierend im Einsatz bei den Soldaten-Szenen und im Azucena-Akt, phänomenal auch beim „Miserere“.
Großen Jubel gab es am Ende für sämtliche Solisten und für den Dirigenten.