Hamburg, Hansa-Theater, "IM WEISSEN RÖSSL", R. Benatzky, IOCO

Hamburg, Hansa-Theater, "IM WEISSEN RÖSSL", R. Benatzky, IOCO
Hansa-Theater ©Wolfgang Radtke
  1. März 2026

Im Hamburger Kulturleben wird das Genre Operette eher stiefmütterlich behandelt – abgesehen von der Kammeroper, die in den vergangen Jahren immer mal wieder Operetten in den Spielplan aufgenommen hat.

Um so erfreulicher ist es nun, daß das Hansa-Theater, im Herzen Hamburgs in der Nähe des Hauptbahnhofs gelegen, sich nun Ralph Benatzkys fröhlichem Singspiel „Im weißen Rössl“ angenommen und eine amüsante Musikrevue auf die Bühne gebracht hat.

Ralph Benatzky ©Helga Benatzky

Ralph Benatzky (1884-1957) feierte erste Erfolge am Berliner Großen Schauspielhaus, dessen Intendant der Regissseur Erik Charell war, mit dem er ab 1928 zusammen arbeitete und die Revue-Operetten „Casanova“, „Die drei Musketiere“, und 1930 „Im weißen Rössl“ aus der Taufe hob.

Weitere bekanntere Operetten Ralph Benatzkys sind „Meine Schwester und ich“, „Bezauberndes Fräulein“, und „Axel an der Himmelstür“, wobei „Im weißen Rössl“ sein weitaus populärstes Werk geblieben ist.

Susanne Jansen/Josepha und Michael Rotschopf/Leopold ©Kerstin Schomburg

Im Hamburger Hansa-Theater lag die witzig-spritzige Inszenierung des Weißen Rössl in den Händen von Franz Wittenbrink, der nicht nur Regie führte, sondern auch das White-Horse-Orchestra leitete und nebenbei auch noch Klavier spielte.

Das von Miriam Busch entworfene, praktisch und unaufdringlich wirkende, zweckmäßige Einheitsbühnenbild war die schön anzuschauende gelbe Fassade des Hotels mit dem Balkon voller Geranien, davor ein paar Bistro-Tische, dahinter die Alpenkulisse. Rechts führte ein Weg in einen angedeuteten Wald und hinauf in die Berge. Vorn blieb genügend Raum für die ambitionierten Sänger-Darsteller, die sich mit Spaß und großer Spielfreude in ihre Rollen warfen, so schön wie möglich sangen und auch manchmal knifflige Tanzschritte beherrschten (Choreographie von Susanne Hayo). Beispielsweise während des Songs „Wenn es hier mal richtig regnet“, als alle Protagonisten mit roten Regenschirmen ausgestattet ein schön anzusehendes Tanzarrangement aufführten.

Susanne Jansen/Josepha und Michael Rotschopf/Leopold

In der Rolle der resoluten Rössl-Wirtin Josepha Vogelhuber machte Susanne Jansen in ihren verschiedenen offenherzigen Dirndl-Kleidern eine glänzende Figur (sämtliche Kostüme von Nini von Selzam und Susann Günther entworfen), so daß es nicht verwunderte, daß ihr Zahlkellner Leopold sich hoffnungslos in seine Chefin verliebte. Michael Rotschopf war dieser Leopold, der die Wirtin mit dem Lied „Es muß was wunderbares sein, von dir geliebt zu werden“ hingebungsvoll anschmachtete. Doch Josepha hatte nur Augen für ihren Feriengast Dr. Siedler, dem Rechtsanwalt aus Hamburg-Sasel, den sie temperamentvoll mit „Im Salzkammergut da kann man gut lustig sein“ begrüßte. Worauf der von ihr so schroff abgewiesene Leopold herzzerreißend das Lied „Zuschau'n kann i net“ anstimmte. Doch Stephan Schad als Dr. Siedler hat bereits ein Auge auf einen anderen weiblichen Gast geworfen, nämlich Ottilie, die Tochter des Berliner Fabrikanten Giesecke, gespielt und gesungen von Victoria Fleer. Für Dr. Siedler ist bei der Begegnung mit Ottilie „die ganze Welt himmelblau“, gemeinsam tanzen sie Tango, Foxtrott, und im zweiten Teil natürlich Walzer bei ihrem 'Verlobungs'-Duett „Mein Liebeslied muß ein Walzer sein“.

Victoria Fleer/Ottilie und Stephan Schad/Dr. Siedler ©Kerstin Schomburg

Ottilies Vater, der Berliner Unterwäsche-Fabrikant Wilhelm Giesecke, wurde treffend und stets nörgelnd dargestellt von Michael Prelle, der sich gar nicht mit der alpinen Landschaft anfreunden kann, nicht mal, wenn er sich selbst zumindest optisch in Lederhosen, kariertem Hemd und Tirolerhut den örtlichen Sitten und Gebräuchen anpaßt, und ständig nur darüber schwadroniert, wie schön es in Berlin ist und wie gern er Urlaub in Ahlbeck an der Ostsee machen würde.

Michael Prelle als Wlhelm Giesecke ©Kerstin Schomburg

Gleich zu Beginn beeindruckte Sabrina Ascacibar als Postbotin Kathi in zünftigen Lederhosen mit ihrem herrlich gejodelten Auftrittslied „So schön wie in Wolfgang“. Sie übernahm auch die Rolle der Kuhmagd und amüsierte das Publikum beim Melken der aufgestellten großen Papp-Kuh mit dem Lied „Eine Kuh so wie du“.

Eva Mayer/Piccolo und Sabrina Ascacibar/Kathi ©Kerstin Schomburg

Der kleine Piccolo (Eva Mayer), gekleidet in schwarzem Frack mit Turnschuhen, war ein wahres Temperamentsbündel und ständig im Einsatz für die Hotelgäste und für seinen Vorgesetzten Leopold, von dem es auch schon mal eine heftige Ohrfeige gab.

Die originellsten Szenen und die witzigsten Turnier-reifen Tanzeinlagen vollführten Holger Dexne als glatzköpfiger schöner Sigismund Sülzheimer und Anneke Schwabe als fröhlich lispelndes Klärchen. Ihre Szenen auf dem Badelaken am Ufer des Wolfgangsee in typischer 20er-Jahre Strandbekleidung und die Dialoge, wenn Sigismund dem Klärchen das Liebesgeständnis abringt, waren köstlich, ebenso wie ihre Duette „Was kann der Sigismund dafür daß er so schön ist“ und „Als der Herrgott Mai gemacht“, garniert mit leicht frivoler Tanzakrobatik, rissen das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin.

Holger Dexne/Sigismund und Anneke Schwabe/Klärchen ©Kerstin Schomburg

Torsten Hammann als Klärchens Vater, Prof. Dr. Hinzelmann, fügte mit seinem zur Schau gestellten Geiz und seiner Sparsamkeit dem Geschehen eine weitere komische Komponente hinzu, auch hatte er sein Solo, welches dann in das hier eingefügte wunderbare Wienerlied „Erst wann's aus wird sein“ überging und von allen Solisten mitgesungen wurde.

Toni Slama/Kaiser Franz-Josef und Susanne Jansen/Josepha ©Kerstin Schomburg

Last not least Kaiser Franz-Josef, würdevoll dargestellt von Toni Slama, sang er das nachdenkliche Lied „'s ist einmal im Leben so“ gemeinsam mit Josepha, die sich danach doch noch für Leopold als 'Ehemann auf Lebenszeit' entscheidet. Am Ende gab es also drei glückliche Liebespaare.

Das rechts von der Bühne in einer großen Loge platzierte siebenköpfige White-Horse-Orchestra musizierte sich detailreich durch die verschlankte Partitur und erzeugte mit temporeicher Rhythmik einen mitreißenden, temperamentvoll jazzigen, aber auch Operetten-seligen Klang. An der fröhlichen Ausgelassenheit, dem folkloristischen, alpinen Kolorit und Esprit ließ das kleine Orchester es ebenfalls nicht fehlen.

das White-Horse-Orchestra ©Kerstin Schomburg

Im großen Finale wurde dann nochmals das Paradestück dieser Operette, „Im weißen Rössl am Wolfgangsee“, geschmettert.

das Ensemble beim Schlußapplaus ©Kerstin Schomburg

Die Resonanz des Publikums für diesen vergnüglichen Operettenabend war überwältigend. Bis zum 3. Mai laufen die Vorstellungen noch, ein Besuch des Hansa-Theaters ist sehr zu empfehlen.

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