Erinnerungen an Eike

Erinnerungen an Eike

von Hans-Günther Melchior

Wir haben uns nie gesehen. Aber wir kannten uns recht gut. Eike und ich. Der eine aus Düsseldorf, der andere aus München.

Er rief, als er noch gesund war, recht häufig an. Einer, der sich um die Leute kümmerte, die er um sich versammelt hatte. Die Leute von IOCO. Er sprach ruhig, gelassen, in dem ein wenig schleppenden Tonfall, den man hier von den „Preußen“ kennt. Von den lieben Preußen, oh ja, es gibt sie, diese sympathischen Frauen und Männer, weltoffen, humorvoll und nicht die Spur überheblich.

Es waren manchmal recht lange Gespräche. Inzwischen kannte ich ihn. Und er kannte mich. Er war einer von den Menschen, zu denen man sofort Vertrauen hatte. Vor denen man, sei es auch nur verbal, sofort die Scheuklappen abzog.

Wenn ich mit ihm redete, war es also ein Gespräch zwischen Freunden. Ja, wir waren, so empfand ich es immer, inzwischen miteinander befreundet, und ich sah ihn, dem ich nie begegnet bin, mir gegenübersitzen und mit leichter, fast unauffälliger Ironie über unsere so gut wie problemlosen Angelegenheiten zu sprechen, Theater- und Opernaufführungen bezüglich, derer er freilich immer auf bestimmten Überschriften bestand, ganzen Sätzen, während ich manchmal die Schlagworte bevorzugte.

Ich sah, während wir miteinander sprachen, immer einen weltläufigen Herrn vor mir, mit Beziehungen in der ganzen Welt, nicht zuletzt zu seinen Kindern. Unsere Bekanntschaft und Freundschaft wurde vermittelt durch den mit meiner Familie und mir sehr eng verbundenen Albrecht Schneider, ebenfalls ein Düsseldorfer, der eines Tages mit dem Vorschlag an mich herantrat, doch bei IOCO mitzumachen, er werde den Kontakt zum Chef, eben zu Eike, herstellen.

Eike und ich waren bereits nach dem ersten Gespräch miteinander gut bekannt. Die „Wellenlänge“ stimmte, der Ton, die Interessen, die lakonische Art der Betrachtung jener Probleme, die seit Urzeiten die Menschen bewegen.

Erst als Eike so schwer erkrankte, wurden die Gespräche einsilbiger und brachen am Ende ab. Er sprach in einem der letzten telefonischen Kontakte noch von seiner Technik, das Lenkrad seines Pkws zu bedienen, ein wenig später davon, nicht mehr Autofahren zu können. Danach herrschte bedrücktes Schweigen.

Dennoch waren meine Erzeugnisse, Rezensionen über die Kulturereignisse in München, die inzwischen von Marcus Haimerl betreut werden, immer auch – mittelbar, aber nicht nebenbei – an Eike gerichtet.

Ich bin traurig. Ich habe einen Freund verloren, den ich nie gesehen und doch gut gekannt habe.

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