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Bregenz, Bregenzer Festspiele, MADAME BUTTERFLY – Giacomo Puccini, IOCO Kritik, 06.08.2022

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Daniela Zimmermann
15. August 2022
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Bregenzer Festspiele 2022 / Madame Butterfly hier die Seebühne im Bodensee © Bregenzer Festspiele / Anja Köhler
Bregenzer Festspiele 2022 / Madame Butterfly hier die Seebühne im Bodensee © Bregenzer Festspiele / Anja Köhler

Bregenzer Festspiele

MADAME BUTTERFLY – Giacomo Puccini

Ein riesiges Blatt im Bodensee berührt all unsere Herzen

von Daniela Zimmermann

Madame Butterfly von Giacomo Puccini heißt die faszinierend spektakuläre Opern-Produktion der Bregenzer Festspiele 2022  auf der größten Seebühne der Welt, im Bodensee; gleich einem riesigen Papierblatt, allerdings 23 Meter hoch, 30 Meter breit, 300 Tonnen schwer, leicht gewölbt und gewellt, als wenn eine Windbriese darauf geblasen hätte.  Tuschezeichnungen darauf deuten eine japanische Landschaft, japanische Schriftzeichen verzieren das Papier. Dies monumentale Kunstwerk formt 2022 die hinreißende Seebühne für Giacomo Puccinis 1904 in der Mailänder Teatro alla Scala uraufgeführte  berührende Oper Madame Butterfly. 

Madama Butterfly in Bregenz – vorgestellt von Johannes Rauser
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Der kanadische Bühnenbildner Michael Levine hat dieses effektvoll schöne und schlichte Bühnenbild entworfen, das eine eigene Magie entwickelt und die Seele der Madame Butterfly spiegeln soll. Die Inszenierung oblag dem Intendant der Züricher Oper Andreas Homoki, der diese in fünf Jahren entwickelte. Die wohl reiche wie faszinierende Personenführung des sehr großen Ensembles meist in auffällig japanischen Kolorit bannte beständig, die Aufmerksamkeit der faszinierten Besucher. Die optisch allein schon hinreißende Inszenierung wird ergänzt durch intensive Farblichteffekte (Frank Evin) und digitale Bühneneffekte (Luke Halls). Die Kostüme entwarf Antony McDonald. Traditionell, farbenprächtig, rot dominiert, aber nicht übertrieben. Sehr schön auch hier herausgearbeitet die traditionellen japanischen Gewänder beständig kontrastrierend mit der farbig modischen Pracht, ein wenig Amerikas “Hollywood” wiedergebend. So entstehen in der Vielfalt der Inszenierung bei dem Besucher die unterschiedlichsten Räume, Stimmungen und Landschaften.

Andreas Homoki  zeigt in seiner Inszenierung die Parallelwelten Amerika und Japan in ihren unterschiedlichen Kulturen auf: Pinkerton reißt bei seiner Ankunft gleich ein Loch in das Blatt Papier, welches die Japanische Tradition verkörpert. Aus einem weitern Loch im Bühnenboden erscheint, postuliert während der Trauungszeremonie ein übergroßer Mast mit der amerikanischen Flagge und Nationalhymne: Es lebe Amerika! Die Inszenierung selbst ist feinfühlig und eher zurückgenommen, ganz auf die Titelfigur Cio-Cio San und ihren Kampf gegen ihr Schicksal konzentriert. Homoki ordnet Cio-Cio San langsam tanzende  Geister zu, welche die Kraft ihrer Traditionen verkörpern, die sie stärken und beschützen sollen, letztlich aber auch ihre Totengeister sind. Traurig schön die Szene, als sie in Erwartung des geliebten Mannes die Bühne mit Blumen bestreuen lässt und die Geister dann auch Blumen regnen lassen und sie allein in mitten dieser Pracht vergeblich wartet und wartet und mit dem Warten die Blumen ganz langsam abfließen.

Bregenzer Festspiele 2022 / Madame Butterfly © Bregenzer Festspiele / Karl Forster
Bregenzer Festspiele 2022 / Madame Butterfly © Bregenzer Festspiele / Karl Forster

Zwei weitere Szenen sind besonders auffällig: Die Ankunft der Braut umringt von ihren Geisha Freundinnen. Sie kommen mit ihren Schirmchen aus den Höhen der Bühne, alles in freudig rote Gewänder und Acessoires gehalten, herunter geschritten zur Bühne. Wirkungsvoll die Ankunft des um Cio-Cio San werbenden Fürsten: in einem Boot auf dem See erscheint er, in großer roter Robe, das seine Sklaven langsam dahin gleiten lassen.

Cio-Cio San, genannt Butterfly, ist nach dem frühen Tod ihres Vaters verarmt, wurde ausgebildet zur Geisha. Der Heiratsvermittler Goro (Michael Laurenz) vermittelt Butterfly gegen Entgeld  an den Marineleutnant B.F. Pinkerton. Die junge Cio-Cio San ist so voller Liebe und Dankbarkeit, einen so wohlhabenden, amerikanischen Mann in Pinkerton gefunden zu haben. Glücklich und stolz, verheiratet zu sein, nimmt sie sogar seinen Glauben an, worauf sie von ihrer Verwandtschaft verstoßen wird. Pinkerton dagegen nimmt alles nicht  ernst. Mit Geld kann er sich Butterfly leisten,  Diese sogenannte Ehe, ist für Pinkerton jedoch nur ein Spiel, ein kurzlebiges Vergnügen: The American  way of life. Diese zwei Welten, die in der Oper aufeinanderstoßen, verkörpern das Drama und die Tragik der Handlung.  Pinkerton verlässt eher ungebunden Japan und auch  Butterfly, sein Schiff kehrt zurück nach Amerika; er verspricht wiederzukommen. Drei Jahre des vergeblichen  Wartens und Hoffens  vergehen für  Cio-Cio San. Eingehüllt in die amerikanische Fahne, zusammen mit ihrem Sohn Dolore, ein kleines Schiffchen, bemalt mit den amerikanischen Flaggenfarben am Bühnenrand stehend, erwarten sie das Schiff des Vaters.

Bregenzer Festspiele 2022 / Madame Butterfly © Bregenzer Festspiele / Karl Forster
Bregenzer Festspiele 2022 / Madame Butterfly © Bregenzer Festspiele / Karl Forster

Träumend singt sie voller Sehnsucht ihre berühmte Arie „un bel di vedremo.“  Neben ihr ausharrend stützend und mitleidend ihre Dienerin Claudia Huckle als Suzuki, mit ihrer schönen Alt-Stimme. Was für eine trostlose Zeit und trotzdem hält sie voller Liebe, fest an Ihrem Ehemann und seiner Rückkehr. Nichts kann sie davon abbringen. Ihre Liebe ist unerschütterlich. Das macht diese Geschichte noch viel tragischer. Der amerikanische Konsul Sharpless ,  (Brett Polegato), weiß um Pinkertons gedankenlose Lebensweise, und versucht Cio-Cio San abzulenken. Aber sie hört nicht auf ihn, wie auch nicht auf den reichen Fürst Yamadori, der sie gern zur Frau nehmen würde. Letztlich hört sie den ersehnten Kanonenschuss seines Schiffes. Pinkerton kehrt zurück, aber mit seiner “neuen” amerikanischen Frau Kate (Sabine Winter) und verlangt von Cio-Cio San den gemeinsamen Sohn. Pinkerton  der Amerikaner, war nur ein gedankenloser Verführer; letztlich ein Zerstörer. In dieser Erkenntnis bricht Butterflys Welt zusammen; ihre Träume zerfallen in Nichts, verbrennen buchstäblich mit dem Selbstmord der verzweifelten und enttäuschten Cio-Cio San.  Symbolisch brennt die ganze Bühne.

Elena Guseva war am 23. Juli 2022 eine wunderbare Cio-Cio San / Butterfly.  (NB: Die großen Rollen der Inszernierung sind dreifach besetzt.) Die Herausforderungen der großen, steilen Bühne sind für das gesamte Ensemble anspruchsvoll; besonders jedoch für Elena Guseva, welche über zwei Stunden der Aufführung der suchenden, mit ihrer Vergangenheit brechen wollenden Cio-Cio San einen sensiblen Charakter verleiht. Elena Guseva war aber auch stimmlich eine wunderbare Cio-Cio San / Butterfly: mit klarem, warmen Sopran, in den Höhen wie den dramatischen Szenen wohl timbriert. Lukas Zaleski, füllte die Partie des, im Gegensatz zur Butterfly, nur das schnelle Abenteuer suchenden Pinkerton auf der große Bühne ebenso präsent und mit kräftiger Stimme gut um.

Enrique Mazzola dirigierte die Wiener Symphoniker im benachbarten Festspielhaus, optisch und akustisch per Videoschaltung mit der Handlung auf der Seebühne verbunden. Mazzola kennt diese Besonderheit in Bregenz und weiß dabei Orchester und Sänger gut zu vereinen. Er dirigiert mit Leichtigkeit, Klarheit, Präzision und der nötigen Flexibilität.

Die Komposition von Madame Butterfly allein ist schon verzaubernd. Verbunden mit dieser spektakulären Inszenierung auf der Seebühne und einem wunderbaren Ensemble wird dies alles zu einem spektakulären künstlerischen Event: von 7.000 Besuchern laut und lebhaft gefeiert.

BREGENZER FSTSPIELE 2022 – Das Programm – HIER!

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