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FESTIVAL PRINTEMPS DES ARTS DE MONTE-CARLOLiederabend

Monte-Carlo, FESTIVAL PRINTEMPS DES ARTS DE MONTE-CARLO, IOCO Aktuell, 06.04.2022

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Peter Michael Peters
06. April 2022
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FESTIVAL PRINTEMPS DES ARTS DE MONTE-CARLO

FESTIVAL PRINTEMPS DES ARTS DE MONTE-CARLO / Collage und Mischtechnik von Sergei Parajanov © Museum Sergei Parajanov / Erevan, Arménien
FESTIVAL PRINTEMPS DES ARTS DE MONTE-CARLO / Collage und Mischtechnik von Sergei Parajanov © Museum Sergei Parajanov / Erevan, Arménien

FESTIVAL PRINTEMPS DES ARTS DE MONTE-CARLO 

10. MÄRZ – 3. APRIL 2022  —  Impulse zwischen alter Musik und aktuellen Kreationen – Brücken zwischen populärer und klassischer Musik

von Peter Michael Peters

 Ma fin est mon commencement – opus 1 

– Mein Ende ist mein Anfang –

« Ma fin est mon commencement… » sind die letzten Worte in einer Melodie von Guillaume de Machaut (etwa 1300-1377), die den Neuanfang und die erste Edition unter der Leitung seines neuen Direktors, des Komponisten und Dirigenten Bruno Mantovani (*1974), symbolisieren sollen. Dieses fast fünfzigjährige Festival soll neue Impulse zwischen alter Musik und neuen aktuellen Kreationen öffnen und auch Brücken schlagen zwischen populärer und klassischer Musik. Somit können wir in diesem Jahr Werke von Machaut bis Petrossian hören und das in mehreren Wochenenden (von Donnerstag bis Sonntag). Das vorletzte Wochenende vom 24. bis 27. März 2022 stand unter dem Zeichen der armenischen Kultur (außer das Konzert am 26. März um 15 Uhr).

FESTIVAL PRINTEMPS DES ARTS DE MONTE-CARLO / Karine Babajanyan. Sopran und Vardan Mamikonian, Klavier © Alice Blangero und Alain Vanel
FESTIVAL PRINTEMPS DES ARTS DE MONTE-CARLO / Karine Babajanyan. Sopran, Vardan Mamikonian, Klavier © Alice Blangero und Alain Vanel

GEDICHTE ÜBER LIEBE UND ERDE

Freitag, den 25. März um 20.00 Uhr – ONE MONTE-CARLO

Rezital mit armenischen und deutschen Liedern

Im ersten Teil des Rezitals interpretierte die armenische Sopranistin Karine Babajanyan mit ihrem Landsmann, dem Pianisten Vardan Mamikonian, Lieder aus ihrer armenischen Heimat und insbesondere wurde der grosse armenische Komponist Vardapet Komitas (1869-1935) geehrt. Atypischer Charakter, der sowohl die Funktion eines Priesters als auch die Tätigkeit eines Ethnomusikologen hatte. Der jedoch aber auch ein versierter Musiker war als Interpret und Komponist sehr vielschichtig war. Aber Komitas definierte sich auch als ein „Sammler von Musik“, der etwas mehr als 3000 Stücke des armenischen Repertoire ans Licht gebracht hat. Um dieses populäre Erbe zu bewahren und zu verbreiten, widmet er sich zunächst der Transkription der für diese Lieder typischen Melodien, Rhythmen und Wendungen, um eine musikalische Begleitung mit den manchmal komplexen Harmonien westlicher Musik und orientalischen Farben zu vermischen.

Seine Herangehensweise an die armenische Folklore strebt immer danach, die Stimme und den Text stets in den Vordergrund zu stellen. Komitas weigert sich, den Fesseln eines westlichen Rhythmus zu folgen und beugt sich der armenischen Sprache, der Musik mit ihren Rundungen und ihrem Schimmern. Das Ergebnis ist eine klare Prosodie, in der die Emotionen des Textes, sublimiert durch die Musik, fast roh erscheinen. Tsirani Tsar (Der Aprikosenbaum) und seine Betonung von Lebensrückschlägen, besonders wenn der Erzähler seinen Baum anfleht („umarme meine Schmerzen und meine Leiden“), ist ein markantes Beispiel. Aus diesen unterschiedlichen Melodien entsteht eine Dramaturgie, die durch die auf dem Klavier geschriebenen Begleitungen verstärkt wird: Das Instrument geht dem Einsatz der Stimme oft um ein paar Takte voraus und führt diskret die ersten Noten des Themas ein, bevor es ein bewegendes Bild wird, wie in Leh, leh, yaman (Leh, leh, Schelmischer) wo die Farben aufeinander folgen, ohne jemals das Lied zu behindern. Letzteres entfaltet sich durch lange Festhaltungen, die der Stimme all ihre Vibrationen und Melismen zum Ausdruck bringen lassen: Manchmal trostlos, manchmal berauschend! Hinzu kommt die Verstärkung enger Intervalle, Modulationen und Verzierungen des Liedes Antuni (Immigranten). Komitas, von dem Claude Debussy (1862-1918) sagen wird: „l’un des plus grands musiciens de notre époque“, vollbringt das Kunststück, dieses Repertoire für jedermann zugänglich zu machen, indem er jedem – vom Bauern, der diese Melodien auf dem Feldern summt, bis zum Berufsmusiker – dies ermöglicht. Mehrere Komponisten werden sich wie seine Landsleute Romanos Melikian (1883-1935) mit Vard (Die Rose) und Eduard Abrahamyan (1923-1986) mit Akh intch lav en sari v?ra (Oh, wie die Tage auf diesen Bergen) auf denselben Prozess einlassen.

Im zweiten Teil interpretierten die beiden Künstler Lieder von Luciano Berio (1925-2003), Robert Schumann (1810-1856) und Richard Strauss (1864-1949). Berios Folk Songs (1964) bringen uns ein wenig mehr in den Westen zurück. In seinem Zyklus schlägt der Komponist auch vor, von einer populären Melodie auszugehen, bevor er eine Begleitung kreiert, die seine eigene Ästhetik durch betonte Dissonanzen und ruckartige Rhythmen widerspiegelt. Der ausgewählte Ausschnitt – Loosin Yelav (Mondaufgang) – wurde für die Stimme seiner Frau, der armenischen Sopranistin Cathy Berberian (1925-1983) komponiert.

Liebe, Natur, Introspektion: Diese Themen, die in den Werken von Komitas sind, vermitteln sinnbildlich seine Zeit jenseits der Grenzen Armeniens, wie die Lieder von Schumann und Strauss zeigen werden, die beide ihre Geliebte durch Musik feiern werden. Nach langem Ringen mit seinem späteren Schwiegervater Friedrich Wieck (1785-1873) erhielt Schumann schließlich 1840 die Erlaubnis, seine große Liebe Clara Wieck (1819-1896) zu heiraten und stürzte sich Hals über Kopf in die Vertonung des Gedichtzyklus von Adelbert von Chamisso (1781-1838) Frauenliebe und Leben, op. 42 (Chamisso: 1830/Schumann: 1840). Ein veralteter Text, aus dem Schumann jedoch eine persönliche Vision webt, die er durch seine reichen und unerwarteten Harmonien sublimiert und die es ermöglichen, einen komplexen weiblichen Charakter zu definieren. Vom ersten Lied an ist die Angst der Protagonistin in ihren kurzen und zögernden Sätzen spürbar und kontrastiert mit den Worten „Wie im wachen Traume schwebt sein Bild mir vor…“. Auf zyklische Weise ist die Melodie des ersten Liedes auch die, die es beenden wird wie ein Schicksal, dem man nicht entrinnen kann!

Der damals knapp 21-jährige Strauss fand in Dora Wihan seine erste Liebe, die ihn zweifelsohne zu seinem Opus 10 (1885) inspirierte. Sein Umgang mit romantischen Gefühlen und Harmonien in Zueignung und Allerseelen zeigen eine erstaunliche Reife. Einige Jahre später entschied er sich schließlich die Sopranistin Pauline de Ahna (1863-1950) zu heiraten. Er bietet ihr als Hochzeitsgeschenk nach einem Text von John Henry Mackay (1864-1933) Morgen! op. 27 (1894) an, ein zeitloses Lied, unterbrochen von wagnerschen Harmonien und langen gemurmelten Phrasen, die diesen ineinander verschlungenen Seelen versichern, dass „… auf uns sinkt des Glückes stummes Schweigen“.

Die Sopranistin Karine Babajanyan hat mit ihrer voluptuösen großen Stimme wunderbare Momente geschaffen, jedoch sind wir der Meinung, dass sie zu groß ist für eine intime Liedinterpretation. Schon in den armenischen Melodien fragten wir uns, ob ein einfaches kleines Volkslied so vorgetragen werden sollte? Aber auch in dem Frauenliebe und Leben – Zyklus von Schumann zeigte uns, dass die Sängerin für die Oper bestimmt ist, denn ein Lied sollte keine große Arie sein! In den drei Liedern von Strauss mit den langanhaltenden fließenden Harmonielinien hat ihre Stimme sich entschieden besser integriert und besonders in dem Lied Morgen! Aber auch hier fehlte die intime Atmosphäre des Liedes. In einer Zugabe zeigte die Sängerin ihr wirkliches Können: „O mio babbino caro…“ aus Gianni Schicchi (1918) von Giacomo Puccini (1858-1924). Ihr Pianist Vardan Mamikonian ist ein internationaler bekannter Musiker, aber als Gesangsbegleitung hat er uns nicht total überzeugt. Auch hier fehlte das intime tasten auf dem Klavier für die leise Musik von Schumann und Strauss, desgleichen auch für die Sensibilität und Farbigkeit der armenischen Folklore.

NACHAHMUNG UND FREUNDSCHAFT

Samstag, 26. März, 15.00 Uhr  –  LYCÉE TECHNIQUE ET HÔTELIER

Konzert mit Weinprobe

Die beiden Violinisten Gaspard Maeder und Hugo Meder laden uns zu einem Geigenkonzert ganz besonderer Art ein, indem sie eine Weinprobe von 5 Weinen aus dem französischen Mittelmeerraum mit Musik verbinden werden. Gaspard hat außer seinem Musikstudium ein Diplom als Weinfachmann absolviert und wird uns so Musikstücke mit feinen Rebenarten gegenüber stellen und erklären. Eine musikalische Weinschlemmerei mit garantiertem Geigengeflüster der jubilierenden Engel im Himmel und ein torkelndes Nachhause gehen! „Halleluja!“

Die Beziehungen zwischen zwei identischen Instrumenten sind sehr spezifisch im Vergleich zu den Beziehungen, die zwischen verschiedenen Instrumenten hergestellt werden können. Dieses Konzert, das eine Reihe von Meisterwerken der Gattung Violinduos zum Einsatz bringt, ist eine Gelegenheit, dies zu veranschaulichen. Erste verblüffende Beobachtung: Aus dem Duett für zwei Violinen wird nie ein Liebesduett. Dieses gespiegelte Gegenüber scheint nicht der Vorstellung zu entsprechen, die die westliche Musik (insbesondere in der Romantik) von der grundsätzlichen Andersartigkeit der beiden Liebespartner hat. Das Duett, wenn es zwei gleichberechtigte Protagonisten zusammenbringt, ist eher dem Bereich der Geselligkeit, sogar der Freundschaft, oder im Gegenteil dem Bereich des Kampfes oder der Rivalität zugeordnet, wie wir an bestimmten Stellen des zweiten Satzes von Sergei Prokofjews Sonate Op. 56 hören können.

Ein weiterer Grund mag in der relativen Klangarmut der Duette für zwei Violinen liegen: Auf die hohe Lage beschränkt, haben die beiden Instrumente wenig harmonische Tiefen und zwei ähnliche Instrumente haben von Natur aus eine Vielzahl reduzierter Klangfarben. Es ist daher schwierig die ganze Bandbreite romantischer Gefühle zu entfalten. Beachten wir auch, dass dieses Risiko der Monotonie dazu führt, dass Komponisten sehr kurze und stark kontrastierende Stücke bevorzugen: Kein Satz im Programm dauert länger als fünf Minuten! Daher Geselligkeit und Höflichkeit, wenn einer der beiden Partner auch mal zurücktreten kann, um den anderen zu begleiten erfordert die Ausgewogenheit, dass die Rollen regelmäßig getauscht werden. Unsere beiden Geigensolisten spielten ihre Rollen teuflisch schön à la Niccolò Paganini (1782-1840) und folgende Musikstücke wurden dem mit Sonnenstrahlen durchflutenden Mittelmeerwein gegenübergestellt:

  • Jean-Marie Leclair (1697-1764): Sonate für zwei Violinen ohne Bass, Op.3 Nr.1 (1730)
  • Sergei Prokofjews (1891-1953) : Sonate für zwei Violinen in C-Dur, Op. 56 (1932)
  • Luciano Berio (1925-2003): Duos für zwei Violinen (Auszüge / 1979/1983)
  • Béla Bartók (1881-1945): Duos für zwei Violinen, Sz. 98 (Viertes Heft / 1931)
FESTIVAL PRINTEMPS DES ARTS DE MONTE-CARLO / Konzert Rebsorten fuer Weinprobe © Peter Michael Peters
FESTIVAL PRINTEMPS DES ARTS DE MONTE-CARLO / Konzert Rebsorten fuer Weinprobe © Peter Michael Peters

DIE WEINAUSWAHL VON GASPARD MAEDER

  • 2 Weißweine: Calcinaires 2020  und Chateauneuf-du-Pape 2019
  • 2 Rotweine: Bandol 2019 und Solen 2015
  • 1 Süßwein: Muscat de Baumes de Venise 2018

Musik und Wein sind zwei traditionsreiche Mittel die sich äußerst gut ergänzen und sie bieten für die Seele und dem Gaumen Labsal und berauschende Befriedigung. Außerdem sind die Werke für zwei Violinen verhältnismäßig trocken und undramatisch und somit hilft ein Glas Wein zum besseren Hören und zum leichteren Eintritt in Bacchus‘ Paradies. Dieses Weinkonzert war mehr als eine süffige und sprudelnde Idee, es war der wirkliche Inbegriff unserer uralten Lebenskultur: Es war Auerbachs Keller von Bacchus über Ernst Theodor Amadeus Hoffmann (1776-1822) bis Jacques Offenbach (1819-1880) hin… „Finch‘ han dal vino calda la testa, una gran festa fa preparar!” (Champagnerarie des Don Giovanni, K.527/1987/ im 1. Akt von Wolfgang Amadeus Mozart/1756-1791). Prost! Zum Wohl!

FESTIVAL PRINTEMPS DES ARTS DE MONTE-CARLO / Ensemble Gurdjieff © Alice Blangero, Alain Vanel
FESTIVAL PRINTEMPS DES ARTS DE MONTE-CARLO / Ensemble Gurdjieff © Alice Blangero, Alain Vanel

DIE MUSIK DER AREVORTIS

Samstag, 26. März, 20.00 Uhr – OPÉRA DE MONTE-CARLO

Konzert mit armenischer Musik

Als emblematische Persönlichkeiten der armenischen Kultur waren Komitas wie Georges Gurdjieff (1866-1949) gleichzeitig von demselben Wunsch beseelt, im Westen die vergrabenen Schätze aus dem Orient zu kommunizieren. Man könnte von diesen beiden Musikern mit entsprechenden Nuancen sagen, was der Komponist Avet Tertérian (1929-1994) von seiner eigenen musikalischen Identität sagte: „Christliche Tempel unter dem rot glühenden heidnischen Altar“.

Nach dem Medizin-, Psychologie- und Theologiestudium gründete Gurdjieff eine Gruppe namens Die Wahrheitssucher. Er entwickelt eine Technik, um auf den Sinn des Daseins zuzugreifen und den Platz des Menschen im Kosmos zu finden. Seine Recherchen beginnen in seiner Heimat Armenien und führen ihn über den Nahen Osten bis nach Zentralasien, Indien oder Nordafrika. Die Musik spielt eine Schlüsselrolle in seinen unter dem Titel Der Vierte Weg zusammengefassten Lehren. Gurdjieff wird immer mit Rührung von den langen Abenden seiner Kindheit erzählen, die er damit verbrachte seinem Vater zuzuhören, einem Barden griechischer Herkunft, der sehr alte epische Lieder rezitierte. Durch seine Reisen sammelt Gurdjieff mehrere traditionelle armenische, arabische, kurdische, assyrische, hebräische, griechische und kaukasische Lieder, die die Grundlage von mehr als 300 Kompositionen bilden, die er uns hinterlassen hat. Er wird seine Musik einem Schüler, dem russischen Komponisten Thomas von Hartmann (1885-1956), vortragen und dieser wird sie notieren und gruppieren. Umstritten oder verehrt, wird Gurdjieff viele Generationen von Intellektuellen, Künstlern oder Persönlichkeiten der Aristokratie und des Bildungsbürgertums in Russland, den USA oder Frankreich prägen. Als Komponist wird Gurdjieff einen großen Eindruck auf Keith Jarrett (*1945) hinterlassen, der 1980 die CD Sacred Hymns aufnehmen wird, die ausschließlich der Musik von Gurdjieff gewidmet ist.

Das international renommierte armenische Ensemble Gurdjieff mit seinem künstlerischen Leiter und Dirigenten Levon Eskenian spielte traditionelle Musik aus Armenien mit den typisch melodischen Klangfarben und Rhythmen von orientalischer Prägung. Außer Komitas und Gurdjieff wurden folgende Komponisten geehrt: Nerses Shnorhali (1102-1173), Grigor Narekatsi (etwa 950-1003).

 

“Sept, les anges de Sinjar” – création mondiale, commande du Printemps des Arts de Monte-Carlo
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DIE SIEBEN ENGEL DES SINDJAR

  • Ballett von Aram Hovhannisyan (*1984) und Michel Petrossian (*1973)
  • Michel Hallet Eghayan, Choreografie
  • Compagnie Hallet Eghayan
  • Ensemble Orchestral Contemporain
  • Léo Margue, Musikalische Leitung

WELTURAUFFÜHRUNG – AUFTRAG VOM FESTIVAL DU PRINTEMPS DES ARTS DE MONTE-CARLO

Sonntag, 27. März, 15.00 Uhr – SPORTING MONTE-CARLO

Die Mythologie der Yeziden…

Das Ballett Die Sieben Engel des Sindjar basiert auf eine allgemeine Vorstellungskraft und der yezidischen Mythologie. Das Argument nimmt als Rahmen die Schöpfung der Engel von Xwede (Gott), der jeden Tag einen Engel erschafft, beginnend mit der Hauptfigur: Malek Tawus, der Pfauenengel. Um das Erscheinen diese Engels zum dramatischen Höhepunkt des Balletts zu machen, wird der Erzählstrang umgedreht. Das Ballett beginnt mit dem letzten Engel, Nouraïl, der am Samstag erschaffen wurde und Chemnaïl (Freitag), Anzazil (Donnerstag), Machaël (Mittwoch), Israfil (Dienstag) und Dardaïl (Montag) durchquert, um zu Malek Tawus aufzusteigen.

Sechs getanzte Solos, die den Engeln entsprechen und verflochten sind mit „der vergehenden Zeit“, musikalischen Zwischenspielen, die von den Universen inspiriert sind und die Welt der Yeziden umgeben: Hebräisch, Arabisch, Armenisch, Persisch… Diese Reihe von verbundenen Sätzen bildet den ersten Teil des Balletts, das dann in einem abschließenden instrumentalen und choreografischen Tutti gipfelt, dem Moment der Erschaffung des Pfauenengels. Letzterer ist in zwei Aspekten präsent: Die verborgene und dunkle Seite, ja sogar das Böse und die leuchtende und explizite Seite, die Quelle des Guten.

Die Verbindung zum Yeziden-Thema ist für den Choreographen anders als für die beiden Komponisten. Für Hallet Eghayan ist dies ein erster Impuls, der durch die dramatischen Nachrichten über die kurz vor der Vernichtung stehenden Yeziden befeuert wurde, die mit neueren Nachrichten im Kaukasus an der Grenze von Armenien im Einklang stehen. Die Komponisten suchten eher eine thematische Verbindung zur yezidischen Vorstellungskraft, insbesondere zum literarischen Rahmen der Woche der Engelschöpfung, den Eigenschaften jedes Engels, der Symbolik der Zahlen sowie der Hymnentradition der Qawal, yezidische Kantoren. Es gibt zwei sich überlagernde Rahmen, zwei Herangehensweisen, die am Ursprung zweier paralleler Schriften stehen und die sich gegenseitig befruchten – Choreographisch und musikalisch:

  • Die vergehende Zeit 1, Yeziden: „Die Schritte offenbaren das Licht: Ein grenzenloser Marsch.“
  • Der Engel Nouraïl (Samstag): „Aus der Tiefe der Zeit durchzieht der Faden der Sehnsucht den Körper in einem gemeinsamen Gebet“.
  • Die vergehende Zeit 2, Hebräisch: „Ein Vogelflug unterbricht den kommenden Tanz.“
  • Der Engel Chemnaïl (Freitag): „Kaum wird ein Atemzug geboren, bringt ihn ein anderer zum versinken in einem Spiel, das Schwindel aufkommen lässt.“
  • Die vergehende Zeit 3, Armenisch: „Ein Atemzug genügt, damit die Tänzer endgültig in Position sind.“
  • Der Engel Anzazil (Donnerstag): „Solange er den Raum zerreißt, wird Tanz aus dem Atem anderer geboren. Es sei denn, es ist umgekehrt.“
  • Die vergehende Zeit 4, Arabisch: „Vor langer Zeit getan, zerstreuen die Schritte die Zahlen, die die Zeitalter der Erinnerung niederlegen.“
  • Der Engel Machaël (Mittwoch): „In den Rissen der trocknenden Erde ist das Licht neuer Impulse nie dort, wo man es erwartet.“
  • Die vergehende Zeit 5, Persisch: „Die Rennen die befreien, die Rennen die einengen.“
  • Der Engel Israfil (Dienstag): „Im Kreis eingemauert, versteht der kleine yezidische Junge, dass er es nicht kann.“
  • Der Engel Dardaïl (Montag): „Das temperierte Alphabet strukturiert das Denken. Die Schrift öffnet Raum und Zeit in einem schwebenden Tanz.“
  • Der Engel Malek Tawus (Sonntag in der Nacht): „Alle Engel kommen zusammen, um die Nacht zu singen und zu tanzen.“
  • Der Engel Malek Tawus (Sonntag am Tage): „Alle Engel singen und tanzen, um den Tag wieder zu finden.“

Dieses Ballett soll ein Zeichen setzen, dass die armenische Kultur nicht Tod und vergessen ist, sondern mit neuen zeitgenössischen Werken aus ihrer traumatisierten Vergangenheit wie ein Phönix aus der Asche aufsteigt und neu erblühen wird.      (PMP/03.04.2022)

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