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Hamburg, Staatsoper Hamburg, La Traviata – Giuseppe Verdi, IOCO Kritik, 09.03.2022

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Wolfgang Schmitt
08. March 2022
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Staatsoper Hamburg

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann
Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

 LA TRAVIATA  – Giuseppe Verdi

– AIDA GARIFULLINA – verzaubert als Violetta mit zarten Klängen, mit perlenden Koloraturläufen

von Wolfgang Schmitt

Die Italienischen Opernwochen 2022 an der Hamburger Staatsoper wurden eröffnet mit der Autoscooter-Inszenierung La Traviata von Giuseppe Verdi auf einer ansonsten leeren schwarzen Bühne von Johannes Erath aus dem Jahre 2013.

La Traviata – Staatsoper Hamburg zur Premiere 2013
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Staatsoper Hamburg / Aida Garilullina ist Violetta in La Traviata © Simon Fowler
Staatsoper Hamburg / Aida Garilullina ist Violetta in La Traviata © Simon Fowler

Die Vorstellung am 4. März 2022 stand ganz im Zeichen des mit Spannung erwarteten Hamburg-Debüts von Aida Garifullina als Violetta. Die aus Kasan, in Tatarstan im Osten Russlands stammende und jetzt in Wien lebende, aparte  lyrische Sopranistin konnte auf ganzer Linie überzeugen. Ihre vitale farbenreiche Stimme, warm und leicht dunkel timbriert, wird in allen Lagen sicher geführt, hat einen reinen zarten Klang, die Koloraturläufe perlten geradezu jubelnd im ersten Akt. In der Mittellage bezaubert sie mit melancholischen Tönen, hier insbesondere in den anrührenden Szenen mit Giorgio Germont im zweiten Akt. Sie ist von schlanker graziler Gestalt, schwebt und bewegt sich wie eine Ballerina über die Bühne, hat sich vollends mit den Anweisungen der Regie vertraut gemacht und wertet diese noch auf durch den ihr eigenen natürlichen tänzerischen und mimischen Ausdruck. Besonders innig, wunderschön phrasiert, mit strahlenden Höhen und herrlichen Legati gelang ihr auch die Sterbeszene und ihre große Schluß-Arie „Addio del passato“.

 Staatsoper Hamburg / Pavol Breslik ist Alfredo in La Traviata © Branislav Simoncik
Staatsoper Hamburg / Pavol Breslik ist Alfredo in La Traviata © Branislav Simoncik

Pavol Breslik als Alfredo war zu Beginn des Abends nicht so ganz in seiner von ihm gewohnten Topform, in der Stretta im zweiten Akt klang er unsicher, hatte einen Aussetzer, fing sich jedoch wieder und konnte diese Arie zufriedenstellend zu Ende bringen. Nach der Pause, die ihm offensichtlich gut getan hatte, ließ er keine Wünsche offen, jetzt brachte er seine schöne Tenorstimme bestens zur Geltung, setzte sie im dritten Bild dramatisch und leidenschaftlich ein, während er Violetta mit den gewonnenen Banknoten bewarf. Im letzten Bild war er ganz der unglücklich Liebende, und es war beeindruckend zu hören, wie wunderbar Alfredos und Violettas Stimmen in ihrem Duett „Parigi o cara“ zusammenschmolzen.

 Staatsoper Hamburg / Artur Rucinski ist Giorgio Germont in La Traviata © Karol Zapala
Staatsoper Hamburg / Artur Rucinski ist Giorgio Germont in La Traviata © Karol Zapala

Artur Rucinski in der Partie des sittenstrengen Giorgio Germont bot einen weiteren Höhepunkt dieses Abends. Mit seiner sympathischen Erscheinung und seinem dunkel timbrierten, markanten, bereits zum heldischen tendierenden Bariton begeisterte er insbesondere in seiner großen Arie „Di Provenza“, die er hoch emotional, balsamisch fein nuanciert, dann wieder kraftvoll darbot, mit herrlichem Legato und gut ansprechendem Höhenregister. Sein Duett mit Violetta, „Piangi piangi“, und das anrührende Zusammenspiel der beiden im zweiten Akt ging förmlich unter die Haut.

Der von Christian Günther nahezu perfekt einstudierte Chor – abgesehen von den Damen im ersten Bild, bei denen es zu kleinen Unstimmigkeiten kam – erfüllte die umfangreichen Aufgaben, die die Regie ihm auf der leeren schwarzen Bühne zugeteilt hatte, engagiert und motiviert.

In den übrigen Gesangspartien hörten wir Ida Aldrian mit ihrem etwas zu hellem Mezzosopran für die Partie der Flora, und Katja Pieweck, die als Annina sehr viel Präsenz zeigte und mannigfache schauspielerische Aufgaben zu erledigen hatte. Nicholas Mogg als Baron Duphol, Peter Galliard als Gastone, Han Kim als d’Obigny und Collin-André Schöning als Giuseppe ergänzten unauffällig das Ensemble. Besonders gefiel jedoch David Minseok Kang in der Partie des Dottore Grenvil mit seiner Bass-Stimme, die aufhorchen ließ.

Staatsoper Hamburg / La Traviata hier zum Schlussapplaus vl Aida Garifullina (Violetta), Pavol Breslik (Alfredo), Artur Rucinski (Giorgio Germont) © Patrik Klein
Staatsoper Hamburg / La Traviata hier zum Schlussapplaus vl Aida Garifullina (Violetta), Pavol Breslik (Alfredo),
Artur Rucinski (Giorgio Germont) © Patrik Klein

Unter der Leitung von Stefano Ranzani klang das Philharmonische Staatsorchester einwandfrei und voll von italienischem Feuer, und besonders wohltuend war zu registrieren, daß die Bläser dezent zurückhaltend musizierten. Den Solisten war der Dirigent stets ein einfühlsamer Begleiter.

Zum Ende gab es nicht enden wollende Ovationen für alle Mitwirkenden – ganz  besonders jedoch für Violetta, Giorgio Germont, Alfredo und den Dirigenten

 La Traviata an der Staatsoper Hamburg; die weiteren Termine 17.3.; 20.3.2022, link HIER!

—| IOCO Kritik Staatsoper Hamburg |—


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