IOCO
IOCO
image
KritikenOperTheater Bremen

Bremen, Theater Bremen, L’elisir d’amore – Gaetano Donizetti, IOCO Kritik, 28.02.2022

avatar
Michael Stange
27. February 2022
175 views

logo_theater_bremen

Theater Bremen

Theater Bremen / Theater am Goetheplatz © Jörg Landsberg
Theater Bremen / Theater am Goetheplatz © Jörg Landsberg

L’elisir d’amore – Gaetano Donizetti

– Wiederaufnahme: Liebestrank vom Broadway  –  Glitzernd komische Produktion am Theater Bremen –

von Michael Stange

Michael Talke hat seinen Liebestrank aus dem Italien des neunzehnten Jahrhunderts auf den New Yorker Broadway des zwanzigsten Jahrhunderts verpflanzt und lässt den Showglamour der dreißiger Jahre auferstehen.

Dadurch wird die Oper noch mehr zu einem bunten Spaß. Adina ist ein durchgeknallter Show-Star mit roter Rita Hayworth-Perücke. Der Bauer Nemorino, mimt einen Buchhalter im Jerry LewisStil mit Fliege und schwarzer Brille. Belcore sieht einem schwarz-silbernen Superhelden Kostüm aus, als sei er einem alten Marvel Film entsprungen. Zusätzlich posiert wie ein durchgeknallter mit Hormonen zugedröhnter Bodybuilder. Der Händler Dulcamara ist ein Show-Moderator mit Glitzerjacket und schmierigem Habitus. Auch szenisch geht es bunt zur Sache. In der Welt Adinas regieren Lametta, Trash und die große Show. Ensemble und Chor sind außer Rand und Band und tauchen quietschvergnügt in Donizettis Welt ein.

Theater Bremen / L´elisir d´ amore hier Maria Martin Gonzalez als Gianetta, Marysol Scalit als Adina, Elias Gyungseok Han als Belcore © Jörg Landsberg
Theater Bremen / L´elisir d´ amore hier Maria Martin Gonzalez als Gianetta, Marysol Scalit als Adina, Elias Gyungseok Han als Belcore © Jörg Landsberg

Zunächst ist der in Adina verliebte Nemorino bei ihr chancenlos. Adina lebt in ihrer Show-Welt, ist grell bis zur Unkenntlichkeit geschminkt und ihren Illusionen verhaftet. So kann nur Dulcamara mit seinen Wunderdrogen Nemorino helfen. Leider legt der ihn aber aufs Kreuz. Statt des rauschhaften Liebestranks, der Adina verzaubern soll, verkauft er ihm eine Flasche Rotwein. Davon verleibt sich Nemorino einiges ein und plötzlich ist bei den Showgirls der Hahn im Korb.

Dies mag auch daran liegen, dass Gianetta kurz zuvor den Tod seines reichen Onkels und die damit hereingeschneite Erbschaft verkündet hat. Auch Adina wird, ohne von der Erbschaft zu wissen, des Glamours überdrüssig und besinnt sich nach einigen Verirrungen. Sie erkennt ihre Liebe zu Nemorino, wirft das Glitzerkostüm fort und erscheint in Brille, Jeans und Pullover. So nimmt die Sache ihr wohlverdientes gutes Ende.

Für Sänger und Publikum ist das Werk mit dieser Inszenierung und seinen Arien, Duetten und Ensembles ein Fest.

 Theater Bremen / L´elisir d´ amore hier  Elias Gyungseok Han als Belcore, Marysol Scalit als Adina, Hyojong Kim als Nemorino © Jörg Landsberg
Theater Bremen / L´elisir d´ amore hier  Elias Gyungseok Han als Belcore, Marysol Scalit als Adina, Hyojong Kim als Nemorino © Jörg Landsberg

Marysol Schalits strahlende leuchtende Stimme hat an Wärme; Umfang und Volumen ungemein gewonnen. Mit packender Bühnenausstrahlung und involviertem Spiel geht sie stimmlich und darstellerisch mitreißend in der Rolle auf. Perlende Koloraturen, seelenvoller Gesang und mitreißende Darstellung machen ihr Portrait der Adina zum großen Ereignis.

Als Gianetta begeisterte Maria Martin Gonzalez. Mit ihrem lyrischem schön timbrierter Sopran, leuchtender Höhe und ihrem involvierten Agieren unterstützt sie beherzt Nemorino und schanzte ihm die Sympathie der anderen Mädchen zu. Hyojong Kim punktete als Nemorino mit seinem klangschönen lyrisch timbrierten Tenor mit leuchtender Höhe und großer Klangschönheit. Die mit schwierigen hohen Noten gespickte Rolle gestaltete er mit intensiver Rollenidentifikation.

Elias Gyungseok ist ein Belcore mit edlem italienischen Heldenbariton und leuchtender Höhe. Seine Stimme führte er agil und mit großer Sicherheit. Mit Elan und einer großen Portion Selbstironie spielte er einen beeindruckenden Superhelden. Stephen Clark brachte mit lyrisch, klangschönem Bariton einen pfiffig schmierigen Dulcamara auf die Bühne.

Alice Meregaglia, die auch den Chor leitete, war eine großartige Interpretin dieser Komischen Oper. Mit Feinsinn, Eleganz aber auch zupackendem Elan führte sie mit dem Opernchor des Theater Bremen und den fulminant spielenden Bremer Philharmoniker eine rauschhaft bunte Komödie auf.

Großer Beifall des Publikums für die Dirigentin und das Ensemble für einen Opernabend der Extraklasse

L´elisir d´amore am Theater Bremen; Weitere Temine am 4. und 25. März sowie am 01. und 23. April 2022.

—| IOCO Kritik Theater Bremen |—


Tags

adina
Alice Meregaglia
belcore
bremen
Elias Gyungseok
gaetano donizetti
Hyojong Kim
ioco
l´elisir d´amore
Maria Martin Gonzalez
Michael Stange
Michael Talk
Stephen Clark
theater bremen
vorheriger Artikel
Wuppertal, Oper Wuppertal, Tannhäuser – Erste Premiere mit GMD Patrick Hahn, Premiere 6.3.2022
avatar

Michael Stange

Andere Artikel des Autorsweitere Artikel
Karel Burian, Tenorlegende – zum 150. Geburtstag, IOCO CD-Rezension, 14.12.2020
avatar
13. December 2020
19 views
IOCO
© 2022, Alle Rechte vorbehalten.

Quick Links

KontaktImpressumDatenschutzerklärung

Social Media