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Ulm, Theater Ulm, DRACULA – Musical von Frank Wildhorn, IOCO Kritik, 31.07.2021

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Oxana Arkaeva
31. July 2021
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Wilhelmsbrug in Ulm / Spielstätte für DRACULA _ Theater Ulm © Reukauf
Wilhelmsburg in Ulm / Spielstätte für DRACULA _ Theater Ulm © Reukauf

DRACULA  – rockiges Musical  von Frank Wildhorn

–  Untote und Vampire in der Ulmer Wilhelmsburg –

von Oxana Arkaeva 

Nicht nur Corona hat, hatte die Besucher der Sommerveranstaltungen in Deutschland fest im Griff, sondern ebenfalls das Wetter. Neben dem täglichen Update zu der Entwicklung über den Abstieg oder die Steigerung der Inzidenzzahlen, möglichen neuen Mutationen etc. beschäftigt man sich andauernd mit dem Testen und der Entwicklung der Wetterlage. Denn es ohne den negativen COVID-19-Nachweis kommt man nicht rein und es regnet in diesem Sommer viel und heftig. So war man an diesem Abend, als das Theater Ulm seine letzte Aufführung der Corona-Saison 2020/2021 auf der Wilhelmsburg hatte, über den wunderschönen warmen Sommerabend einfach glücklich. Und man durfte sogar am Platz die Maske abnehmen.

Seit dem ersten Gastspiel auf der historischen Wilhelmsburg vor über 10 Jahren etablierte sich beim Theater Ulm eine Tradition der Burg-Bespielung in einem Zwei-Jahren-Takt. Diese sehr erfolgreiche Reihe mit großen Opern, Schauspiel und Musical hat mittlerweile einen festen Platz in der Stadt sowie der, der Theaterbesucher aus Ulm, um Ulm, um Ulm herum und deutschlandweit angenommen. Die Veranstaltung galt als Corona-Modellprojekt, das wissenschaftlich von der Uniklinik Ulm begleitet wird. Es durften etwa die Hälfte der Zuschauerplätze – ca. 800 besetzt werden;  Angesicht der vergangenen Lockdown-Monate eine enorme Steigerung.

DRACULA – Untote und Vampire auf der Wilhelmsburg
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Die spektakulären Gebäude bildet die ideale Kulisse für die Geschichte über Liebe, Verrat, Verführung und Leiden. Mit seinen hohen Mauern, schmalen, hohen Fenster und einer insbesondere am Abend gespenstigen Atmosphäre scheint die Wilhelmsburg wie geschaffen für die Erzählung über den berühmtesten aller Vampire, – den Grafen Dracula. Das immer wieder über die Bühne fliegende und laut zwitschernder Vogelschar, der Wolken-bedeckter Himmel in Farben dunkel Blau und Grau, kunstvolle Beleuchtung (großen Lob an das Marcus Denk und Michael Grundner) sowie das allmähliche Eintreten der Dunkelheit bilden eine perfekte Open-Air-Theateratmosphäre.

Das Musical DRACULA wurde von einem US-amerikanischen Komponisten Frank Wildhorn nach dem Buch von Christopher Hampton und Don Black (deutsche Übersetzung von Roman Hinze) geschrieben. Die Uraufführung fand im Jahr 2001 in San Diego und deutschsprachige Erstaufführung im Jahr 2005 in St. Gallen in der Schweiz statt. Die Geschichte ist eine, man sollte sagen, etwas Archaisch-Klingende. Es geht um die Liebe, Leidenschaft, das Sprengen von Konventionen, aber auch um einen Mann, der seine Macht nach Willen und Gemüt ausübt.

 Theater Ulm auf der Wilhelmsburg / DRACULA hier vl Patrick Stahnke als Professor van Helsing, Thomas Borchert als Dracula © Jochen Klenk
Theater Ulm auf der Wilhelmsburg / DRACULA hier vl Patrick Stahnke als Professor van Helsing, Thomas Borchert als Dracula © Jochen Klenk

Die Geschichte: Der Anwalt Jonathan Harker will mit einem gewissen Grafen Dracula ein Kaufvertrag für ein Grundstück in London abschließen. Dafür reist er in die Karpaten (Transsilvanien) und wird in seinem Schloss untergebracht. Dort wird der junge Mann von drei attraktiven Vampir-Bräute begrüßt, verführt und gebissen. Währenddessen entdeckt Dracula in Jonathan Harpers Gepäck ein Bild von dessen Verlobter Mina Murray und füllt sich auf der Stelle zu ihr hingezogen. Um mit ihr in Kontakt zu treten, nutzt Dracula seine telepathischen Fähigkeiten. Die arme junge Frau ist am Anfang voll der Angst, wenn sie plötzlich die Stimme Draculas hört. Als er dann leibhaftig nach seiner Ankunft in London vor ihr erscheint, füllt sie sich auf eine mysteriöse Weise zu ihm angezogen und vergisst ihren Verlobten. Auf dem Weg zum Glück mit Mina macht Dracula noch deren Freundin Lucy zu einer blutrünstigen Vampirin. Auch Mina wird vom Dracula mit einem Biss-Kuss gezeichnet und versucht verzweifelt dem Zauber zu entfliehen. Sie trifft auf den Professor van Helsing (Patrik Stahnke), ein Vampirjäger, der dem Dracula schnell auf die Spur kommt. Van Helsing tötet Lucy, bevor sie weiteres Unheil anrichten kann und begibt sich auf die Rettung Minas. Mit seinem Team aus Dr. Jack Seward (J. Emanuel Pichler), Renfield (John Davies), Quincey Morris (Thomas Schön) und Arthur Holmwood (Robert Tilson) veranstaltet er eine unheimliche Jagd nach dem Dracula, die auch erfolgreich und ziemlich unspektakulär, aber wunderschön gesungen endet: Mina durchbohrt Dracula mit einem Dolch.

Wenn die Geschichte ihre Schwächen hat, so gewinnt diese Ulmer Produktion durch großartige Sänger, rockig-markanten Songs und Balladen und ab und zu fast opernhaften Partitur. Das Philharmonische Orchester der Stadt Ulm unter der Leitung vom Hendrik Haas entwickelt einen vollen, energetischen und akustisch mit den Sängern auf der Bühne gut abgestimmten Klang (hierzu auch ein Riesenlob an die Tonabteilung unter der Leitung und die Arbeit von Karlheinz Fohlert und Riccardo van Krugten).

Theater Ulm auf der Wilhelmsburg / DRACULA hier vl Christina Fry, Maren Kern, Lynelle Jonsson, Philip Schwarz © Jochen Klenk
Theater Ulm auf der Wilhelmsburg / DRACULA hier vl die Vampirbraeute Christina Fry, Maren Kern und Lynelle Jonsson verführen Jonathan Harker alias Philip Schwarz © Jochen Klenk

Wenn man auch keine wirkliche Regie (Alex Balga) erkennen mag, so beeindrucken der minutiös durch choreografierten, sehr energischen Chor und Statisterie Aktionen von Matt Huet. Die einheitliche Bühnenausstattung von Petra Mollérus passt hervorragend in die Wilhelmsburg Ambiente. Mal als Haus von Mina, mal als Draculas Schloss, erlaubt sie einen Einblick in drei verschiedenen Räumen, mitunter in Draculas Schlafzimmer – einen Sarg.

Mit Thomas Borchert in der Partie des Dracula (am Anfang majestätische Erscheinung, im Laufe der Vorstellung eher blass) mit einer beeindruckenden Stimme, dem Patrick Stanke (darstellerisch souverän und stimmlich überzeugend), Alexandra-Yoana Alexandrova, Navina Heyne wurde das Musical prominent und Philip Schwarz als Jonathan Harker absolut top besetzt. Alle Stimmen sind wohlklingend und ohne zu viel vom Musical-Druck und Belting. Wenngleich Navina Heyne optisch wie stimmlich ein wahrer Leckerbissen gewesen ist und Alexandra-Yoana Alexandrova ungeachtet ihrer zierlichen Erscheinung stimmlich eine Power-Kanone ist. Das Haus- und Extrachor sowie die Statisterie des Theater Ulm hatten sichtlich Spaß an dem Geschehen und wurde vom Publikum gebührend mit einem enthusiastischen Applaus bedankt. So hat das vampirische Schauspiel auf der Wilhelmsburg sein fulminantes Ende gefunden und man ist schon auf nächsten Plänen des Ulmer Theaters für die Wilhelmsburg gespannt. Dann hoffentlich ohne jegliche Einschränkungen.

—| IOCO Kritik Theater Ulm |—


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