Dresden, Kulturpalast, Dresdner Musikfestspiele 2021 – Eröffnet, IOCO Kritik, 06.06.2021

Juni 7, 2021  
Veröffentlicht unter Hervorheben, Konzert, Kritiken, Kulturpalast

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Kulturpalast Dresden © Nikolaj Lund

Kulturpalast Dresden © Nikolaj Lund

Kulturpalast Dresden

Dresdner Musikfestspiele 2021

  Arcadi Volodos eröffnete LIVE-Konzerte im Kulturplast

von Thomas Thielemann

Nach langer Konzertsaalabstinenz hatten die Dresdner Musikfestspiele in den Dresdner Kulturpalast zum Livekonzert geladen. Und das gleich mit der Wucht eines Pianisten von Weltruf, mit Arcadi Volodos, welcher am 4. Juni 2021 die Live-Konzerte in Dresden eröffnete.

Dredner Musikfestspiele 2021 – Programm – Link HIER!

Im Jahre 1996 war beim 11. Kissinger Sommer als Gastland Russland ausgeschrieben und die umtriebige Gründungs-Intendantin Kari Kahl-Wolfsjäger hatte neben gestandenen Künstlern auch eine Reihe junger russischer Musiker nach Franken geholt. Nach meiner Erinnerung war auch Arcadi Volodos damals zum ersten Mal nach Bad Kissingen gekommen und hatte auf Anhieb begeistert.

Seit konnten wir den inzwischen 49-Jährigen Ausnahmepianisten häufiger in Bad Kissingen, aber auch in Leipzig und Dresden als Solisten in Orchesterkonzerten und mit Rezitals erleben und seinen Weg zur inzwischen erlangten Meisterschaft verfolgen.

Dresdner Musikfestspiele 2021 / Pianist Arcadi Volodos © Marco Borggreve

Dresdner Musikfestspiele 2021 / Pianist Arcadi Volodos © Marco Borggreve

Volodos verdankt seine Karriere nicht dem Preis eines internationalen Wettbewerbs, sondern einem glücklichen Zufall. Der Leiter einer internationalen Schallplattengesellschaft hatte sein Spiel in einem privaten Rahmen gehört, sein überragendes Talent erkannt und ihm den Weg auf die internationalen Podien geebnet. Heute spielt er einfach das, was er spielen möchte. Die Komponisten, deren Musik er spielt, muss er bedingungslos lieben und ihr Schaffen in seiner Gesamtheit erfassen.

Beim Dresdner Klavierabend stand zunächst Franz Schuberts Sonate für Klavier G-Dur 834 op. 78 aus dem Jahre 1826 auf dem Programm.

Obwohl insbesondere der Sommer 1826 für den 29-jährigen Komponisten eine Zeit der Enttäuschungen war, gilt das Werk als seine heiterste späte Sonate. Mit dem breitesten Dynamikspektrum aller Schubert Sonaten betont er ausdrücklich, dass dieses Werk für ein für seine Zeit modernes Instrument „fürs Pianoforte allein“ komponiert worden ist.

Ganz unprätentiös, ohne große Gesten betrat der Pianist das Konzertpodium des abgedunkelten Saales und nahm, nach sparsamer Begrüßung des ausgedünnten Publikums auf einem gewöhnlichen Kantinenstuhl am Steinway-Konzertflügel Platz.

Den oft als „Fantasie“ bezeichneten Kopfsatz begann Volodos tänzerisch heiter, recht frei im Tempo und ungemein plastisch. Dem folgenden Andante verlieh er mehr Tiefe, innere Beteiligung und schöne Farbschattierungen, während der dritte Satz wieder betont liedhaft-tänzerisch angelegt war. Den Schluss-Satz habe ich dann als konfliktarm und gelöst empfunden.

Den Sommer des Jahres 1893 verbrachte der 59-jährige Johannes Brahms wieder  in Bad Ischl. Dort komponierte er die Zyklen  op. 118 und op. 119 für Klavier solo. Dabei ragten besonders die sechs Klavierstücke op. 118 dank größerer stilistischer Vielfalt gegenüber früheren Zyklen heraus. Auch mit der Namensgebung der Stücke wählte der Komponist nach längeren Überlegungen individuellere Titel.

Arcadi Volodos präsentierte sich bei der Interpretation der sechs Stücke op. 118 mit seinem vielschichtigem Spiel, das innigen Ausdruck mit brillanter Virtuosität vereinte, als reifen Künstler. Die technische Perfektion, kraftvoller Anschlag in den dramatischen Passagen, traumhaftes Pianissimo und Wille zum Innehalten prägten die Darbietung. Meditative Klänge wechselten mit Passagen, die an ein größeres Orchester glauben lassen.

Nach stürmischem Beginn entwickelte sich das a-Moll-Intermezzo fast wie eine Ballade.

Das folgende etwas verträumte  A-Dur-Intermezzo op. 118/2 spielte Volodos romantisch drängend. Immer wieder musste sich die Melodie gegen die sich auftürmende Begleitung behaupten. Mit seinem Gespür für den der Ballade in g-Moll innewohnendem Rhythmus lauschte man auch dem dritten Stück.

Eher modulierend entwickelte sich auch das kleingliederige Thema des f-Moll- Intermezzos op. 118/4. Eine straffe Klangregie ließ die Rahmenteile der Romanze op. 118/5 den verspielten fast versonnenen Mittelteil regelrecht umklammern. Die Orientierung am Verständnis für den Menschen  Johannes Brahms, seiner jahrzehntelangen Auseinandersetzung mit seinem Werk, ließen die Hörer niemals in den Wohlklang der Musik eintauchen. Das abschließende Intermezzo in es-Moll mit den Anklängen an das Deutsche Requiem spielte Volodos dann deutlich zurückhaltender.

Der langanhaltende Applaus des ausgehungerten Auditoriums war für Arcadi Volodos  Anlass, sein Publikum mit fünf Zugaben zu verwöhnen.

Gern hätten wir auch die im ausgeschriebenen „Vor-Corona-Programm“ enthaltene Sonate  des italienischen, aber vorwiegend in England wirkenden Komponisten und Pianisten Muzio Clementi (1752-1832) gehört. Seine Musik ist mir bisher nur in „Konserven“ zugänglich gewesen. Clementi ist den Musikfreunden vor allem wegen des vom Kaiser Joseph II. am Weihnachtsabend 1781 eingefädelten Wettstreits mit Wolfgang Amadeus Mozart ein Begriff.

Mozart habe sich zwar abfällig über die „Terzenpassagen ohne einen Kreuzer Gefühl oder Geschmack“ geäußert. Das hatte aber Mozart nicht gehindert, ein Thema aus einem Werk von Muzio Clementi in die ersten Takte seiner Ouvertüre zur Zauberflöte einzubauen. Was den verbitterten Älteren zu einer Anmerkung am Kopftitel der Sonate op.47 veranlasste.

—| IOCO Kritik Kulturpalast Dresden |—


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