Brenda Roberts, Sopran – Diskographie – Teil 3, 09.01.2019

Januar 9, 2019  
Veröffentlicht unter IOCO - CD-Rezension, Personalie

Il Tabarro - CD mit Brenda Roberts

Il Tabarro – CD mit Brenda Roberts

BRENDA ROBERTS –  DISKOGRAPHIE Teil 3

Von Rolf Brunckhorst

In den IOCO – Diskographien 1 und 2 über Brenda Roberts standen deren hochdramatischen Partien im Mittelpunkt. Hier, in der Diskographie Teil 3 geht es in diesem Teil um ihre stimmlichen Möglichkeiten im jugendlich-dramatischen Fach. Als einer noch sehr jungen Sängerin standen ihr natürlich alle Türen zu den jugendlich-dramatischen Rollen im deutschen und auch im italienischen Fach offen. Ihre Sieglinde wurde glücklicherweise am 13. Februar 1984 in Baltimore mitgeschnitten. Diese Aufnahme ist auch wegen der weiteren Besetzung höchst empfehlenswert.

11. Januar 2019:  Brenda Roberts in der Kleinen Laeiszhalle, Hamburg

Der Stimme von Brenda Roberts tun sich hier großartige Möglichkeiten auf, sie kann eingeschüchtert, vorsichtig und mit leiser Stimme, den ersten Akt beginnen, zeigt dann während der Erzählung von Hunding und Siegmund ihre intensive Beteiligung an der Szene, und kann für die letzten 20 Minuten sowohl romantisch-verklärt mit lyrischen Ton „Du bist der Lenz“ besonders leidenschaftlich singen, und zeigt im Finale, daß ihrer hochdramatischen Stimme scheinbar keine Grenzen gesetzt sind. Ein besonderes Schmankerl entwickelt sich aus Sieglindes Abschied im dritten Akt, ein derart tonschönes, bis in die Höhen bombensicheres, man möchte fast sagen mit Inbrunst vorgetragenes „Hehrstes Wunder“ dürfte selten auf Tonträgern so zu hören sein. Doch halt, es gibt noch eine Steigerung für diese Szene, die Walküre aus Duisburg 1966 mit Ludmilla Dvorakova und Hans Hopf: Dieser Mitschnitt enthält nur Auszüge der Partie der Brünnhilde, alle anderen Passagen sind von dem hardcore-Dvorakova-Fan gekürzt worden. Aber Sieglindes Abschied ist gottseidank erhalten geblieben, und diesen 5-Minuten-Schnipsel kann man getrost als sensationell bezeichnen. Falls irgendeiner der geneigten Leser eine Gesamtaufnahme dieses Abends besitzt, bitte aufmelden!! Doch zurück zur Baltimorer Walküre: Dem Beiheft ist zu entnehmen, daß es sich hier um das Wotan-Debüt von James Morris handelt. Schon nach dieser Aufnahme kann man erwarten, daß James Morris in die erste Reihe der Wagner-Heldenbaritone vorrücken würde. Seine Bühnentochter Brünnhilde wird von Pauline Tinsley verkörpert, die einen sehr guten Abend hat und besonders mit ihren Spitzentönen auf sich aufmerksam machen kann. William Johns klingt etwas zu bedeckt und zu reserviert für den leidenschaftlichen Siegmund, aber die Stimme klingt im lyrischen Bereich wunderschön. Matthias Hölle ergänzt die Besetzung mit einem souverän ausgesungenen Hunding, und Sheila Nadler vollendet als ungemein dramatische Fricka das glorreiche Sextett der Hauptpersonen. Elio Boncompagni motiviert das Orchester zu einem veritablen Zusammenspiel und schlägt vernünftige Tempi an, die den Sängern sehr entgegenkommen. Zusatzbemerkung: Die CD ist über „House of Opera“ o.ä. Firmen erhältlich.

Brenda Roberts hier mit Rolf Brunckhorst © Rolf Brunckhorst

Brenda Roberts hier mit Rolf Brunckhorst © Rolf Brunckhorst

Die anschließend besprochene Fidelio-Aufführung von den Bad Hersfelder Festspielen ist nie offiziell erschienen, aber in zahlreichen youtube-Einzelteilen bequem zusammen zu puzzeln. Man hört Brenda Roberts in einer für sie idealen Partie, in der sie alle ihre Stärken unter Beweis stellen kann. Die Stimme hat Kraft, kann sich mühelos die Koloraturschraube hinauf bewegen, und an den Höhepunkten des Werkes darf sie mit ihrer Stimme auch mal an den Gebäuderesten der Bad Hersfelder Stiftsruine wackeln. Ausbrüche wie „noch heute, noch heute“ kamen in der etwas halligen Akustik der Stiftsruine bestens an. Glücklicherweise hatte das Besetzungsbüro einen Heldentenor mit vergleichbaren Fähigkeiten engagiert: Keith Mikelsen als Florestan wartete mit einem besonders klangschönen jugendlichen Heldentenor auf, hatte ebenfalls keinerlei Probleme mit seiner hoch liegenden Tessitura und klang im Finale noch so frisch, als könne er die Partie gleich noch einmal singen. Mit angenehmem lyrischen Tenor und nicht zu aufgesetztem Spiel wußte Thomas Scheler als Jaquino für sich einzunehmen. Yvette Simons als Marzelline zeigte ebenfalls eine ansprechende Leistung. Beim Pizarro von Herbert G. Adami wollte sich auch beim Zuhörer die Kehle verengen, so angestrengt klang sein Heldenbariton. Einen großen Erfolg konnte Bernd Kaiser als Rocco für sich und seinen in allen Lagen wohl timbrierten Bass verbuchen, ebenso Marek Gastecki als Minister Don Fernando. Mit festem Griff dirigierte Siegfried Heinrich das gut disponierte Radio-Sinfonie-Orchester Warschau, das den Sängern einen Orchesterteppich zu Füßen legte, auf dem sich auch der Chor hörbar wohl fühlte.

Jetzt noch ein Abstecher ins italienische Sopran-Fach, in dem Brenda Roberts als Tosca, Turandot, und Giorgetta in Il Tabarro reüssierte. In der Partie der Giorgetta gab Brenda Roberts ihr Debüt an der San Francisco Opera. Il Tabarro ist die Auftakts-Oper von Puccinis Trittico. Wenn der Vorhang aufgeht, befindet man sich im Milieu der Seine-Schiffer, die auf ihren Frachtkränen ihr eher mühsames Leben verbringen. Genau aus diesem Leben will Giorgetta ausbrechen und ist sogar dazu bereit, ihren Ehemann zu betrügen. Das sieht schon von der Papierform her aus wie eine Prachtrolle für Brenda Roberts, und so ist es auch. Sie scheint die endlosen Melodiebögen Puccinis genau nachzuvollziehen und hat den langen Atem , um diese immer wieder zum Blühen zu bringen. Die Höhe gehorcht der Sängerin tadellos, und sie unterliegt nicht der Versuchung, die Partie zu zerschreien. Genau das tut aber Guillermo Sarabia als Michele, dessen Stimme angestrengt und angekratzt klingt. Nur bei äußerster Lautstärke wirkt die Stimme etwas freier. Giorgettas Liebhaber Luigi, Robleto Merolla, singt demgegenüber mit zartem Unterton und dem nötigen Schmelz im Forte, dadurch wird Giorgettas Wunsch, aus ihrer Ehe mit Michele auszubrechen, noch verständlicher. Unter den weiteren Darstellern nimmt eine wahrhaftige Legende der italienischen Oper, nämlich Fedora Barbieri in der Rolle der Frugola, den Zuschauer gefangen. Dieser Mitschnitt vom 18. November 1975 unter dem dramatischen Dirigat von Elyakum Shapirra ist zur Zeit ohne große Mühe bei „PremiereOpera Italiano“ zu beziehen.

Zum Schluß zwei Hinweise in eigener Sache: Die im zweiten Teil der Diskographie erwähnte Lohengrin-Aufnahme aus Hamburg ist inzwischen bei OperaDepot erschienen.

Der vierte Teil der Diskographie wird in den nächsten Tagen erscheinen. Wer wieder Interesse an Brenda Roberts gewonnen hat, dem sei der 11. Januar 2019 ins Gedächtnis gerufen, dann wird Brenda Roberts in Hamburg in der Kleinen Laeiszhalle ihren Liederabend mit Werken von Poulenc, Wagner und Strauss geben.

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