Sopranistin Lini Gong – CD „Spectrum“, IOCO Rezension, 04.12.2018

Dezember 5, 2018  
Veröffentlicht unter Hervorheben, IOCO - CD-Rezension

Lini Gong, Sopranistin und Pianistin Mariana Popova vor dem CD Cover Spectrum © Jörn Kipping

Lini Gong, Sopranistin und Pianistin Mariana Popova vor dem CD Cover Spectrum © Jörn Kipping

Sopranistin Lini Gong – Erste CD Einspielung – „Spectrum“

– Hommage an Hamburg –

Von Patrik Klein

Die Sopranistin Lini Gong lebt in Hamburg, hat chinesischen Wurzeln, sang lange Zeit im Ensemble des Theater Freiburg, entwickelte sich zu einer Spezialistin für zeitgenössische Musik und hat am 30. November 2018 beim Label Solo Musica ihre erste CD mit dem Titel Spectrum zusammen mit Mariana Popova (Klavier) herausgebracht.

In den Medien konnte man über die Stimme von Lini Gong lesen: „Das ist eine elektrifizierende Stimme, glockenklar und rein mit silbernen Obertönen, mit einer hypnotisierenden Fülle selbst in den allerhöchsten Lagen!“

Lini Gong hat sich als Koloratursopranistin einen Namen gemacht. Neben den großen Partien ihres Fachs wie Sophie (Werther), Esmeralda (Die Verkaufte Braut), Solveig (Peer Gynt), Rosina (Il Barbiere di Siviglia), Sifare (Mitridate), Ännchen (Der Freischütz), Celia (Lucio Silla), Venus und Gepopo (Le Grand Macabre), Oscar (Un Ballo in Maschera), Woglinde (Götterdämmerung), Gretel (Hänsel und Gretel), Jouvenot (Adriana Lecouvreur), Eurydike (Orpheus in der Unterwelt), Königin der Nacht (Die Zauberflöte), Feuer, Prinzessin und Nachtigall (Das Kind und die Zauberdinge), Zerbinetta (Ariadne auf Naxos), Cupido (King Arthur), Adina (L’Elisir d’Amore), Despina (Così fan tutte), Olympia (Hoffmanns Erzählungen), Gilda (Rigoletto), Nachtigall (Die Nachtigall), Blondchen (Die

Entführung aus dem Serail), u. v. a. widmete sich die gebürtige Chinesin immer wieder der zeitgenössischen Musik. Lini Gong hat zahlreiche Uraufführungen gesungen. Eine enge Zusammenarbeit verbindet sie mit Komponisten wie Georg Friedrich Haas, Hèctor Parra und Peter Ruzicka.

Lini Gong, Sopranistin © Jörn Kipping

Lini Gong, Sopranistin © Jörn Kipping

Der Komponist und Dirigent Peter Ruzicka komponierte die Oper Benjamin, die am 3.6.2018 an der Hamburgischen Staatsoper welturaufgeführt wurde. Hier brillierte die Sängerin als Asja Lacis, einer Rolle die ihr auf den Leib geschnitten schien, mit überregional aufsehenerregenden positiven Rezensionen.

In ihrer ersten CD nun beleuchten Lini Gong (Sopran) und Mariana Popova (Klavier) die Musikstadt Hamburg. In dem Album Spectrum nehmen sich die beiden Werke von bekannten Komponisten mit Bezug zur Hansestadt wie Johannes Brahms, Gustav Mahler und Felix Mendelssohn an. Es stehen aber auch Lieder von zeitgenössischen Komponisten wie Ilse Fromm-Michaels, Rolf Liebermann und Ruta Paidere auf dem Programm.

Die beiden Künstler haben insgesamt 28 Kompositionen in 26 Titeln zu einem dramaturgischen Ganzen verwoben. Es sind Kompositionen, die zusammen ein sehr persönliches, stilistisch facettenreiches Hamburg-Album ergeben (darunter viele Weltersteinspielungen). Als Wahlhamburgerinnen fühlen sich Lini Gong und die gebürtige Bulgarin Mariana Popova dem Musikleben und der Musikgeschichte Hamburgs verbunden. „Wir versammeln bewusst Musiksprachen aus drei Jahrhunderten und spielen mit Kontrasten wie mit Klangfarben, eben mit dem ganzen Reichtum der Gattung Kunstlied – eine Gattung, die wir sehr lieben.“

Beide Künstlerinnen haben ein Faible für Neue Musik. Das hat die Auswahl unüberhörbar beeinflusst. Aus der Zusammenarbeit mit dem Komponisten und Präsidenten der Musikhochschule Hamburg Elmar Lampson entstand zum Beispiel eine Klavierfassung seiner drei Lieder nach Gedichten von Christian Morgenstern.

Anfang und Ende des Reigens markieren zwei Lieder von Paul Dessau auf Tierverse von Bertolt Brecht. Dessau, Sohn einer Hamburger Musikerfamilie, gibt der ausgefeilten Dramaturgie der Liedauswahl eine gewisse „Erdung“.

Es gelingt den beiden Musikern in beeindruckender Weise, die bunten Facetten ihrer Auswahl der Musikstücke, ihrer eigenen Herkunft mit ganz unterschiedlichen individuellen Vergangenheiten in die Lebendigkeit und Internationalität einer Weltstadt wie Hamburg zu transponieren. Man spürt geradezu die Freude am ausdrucksvollen Liedgesang und die intensive Harmonie zwischen Sopranistin und ihrer Begleiterin. Musikalische Qualität, Tradition und Moderne gelangen so zu einer feinen Symbiose in einem breiten Spectrum.

Lini Gong und Mariana Popova musizieren als Lied-Duo seit 2006. Aktuell planen sie Konzerte mit dem Programm ihres Hamburger Liederbuchs.

 Lini Gong und Mariana Popova © Jörn Kipping

Lini Gong und Mariana Popova © Jörn Kipping

Lieder von Johannes Brahms, Paul Dessau, Ilse Fromm-Michaels, Berthold Goldschmidt, Hans Werner Hagen, Fanny Hensel, Theodor Kirchner, Elmar Lampson, Rolf Liebermann, György Ligeti, Gustav Mahler, Felix Mendelssohn, Ruta Paidere, Peter Ruzicka

Lini Gong (Sopran),  Mariana Popova (Klavier),  Solo Musica SM 300
Veröffentlichung: 30. November 2018 (Deutschland, Österreich, Schweiz), im Februar 2019 (USA, Kanada)

CD  – Titelverzeichnis

– Paul Dessau Tierverse: Der Adler
– Ilse Fromm-Michaels 4 winzige Wunderhornlieder, Op. 9b: I. Maikäfer-Lied
– Ilse Fromm-Michaels 4 winzige Wunderhornlieder, Op. 9b: II. Geh, du schwarze Amsel
– lse Fromm-Michaels 4 winzige Wunderhornlieder, Op. 9b: III. Der Sperling
– Ilse Fromm-Michaels 4 winzige Wunderhornlieder, Op. 9b: IV. Der Butzemann
– Felix Mendelssohn Neue Liebe, Op. 19a, No. 4
– Ruta Paidere Auf stillem Meer
– Theodor Kirchner Frühlingslied, Op. 1, No. 2
– Elmar Lampson 3 Lieder nach Lieder von Christian Morgenstern: I. Vöglein Schwermut
– Elmar Lampson 3 Lieder nach Lieder von Christian Morgenstern: II. So möcht ich sterben
– Elmar Lampson 3 Lieder nach Lieder von Christian Morgenstern: III. Der Vogel
– Fanny Hensel Warum sind denn die Rosen so blaß, Op. 1, No. 3
– Rolf Liebermann 4 Chinesische Liebeslieder: I. Mir tat die Helligkeit der Lampe weh
– Rolf Liebermann 4 Chinesische Liebeslieder: II. Der Strom floß
– Rolf Liebermann 4 Chinesische Liebeslieder: III. Wenn ich an deinem Munde hingesunken
– Rolf Liebermann 4 Chinesische Liebeslieder: IV. Die Libelle schwebt zitternd
Gustav Mahler Frühlingsmorgen
– Peter Ruzicka Nach dem Lichtverzicht
– Berthold Goldschmidt 3 Lieder, Op. 24: I. Der Perlenzahn
– Berthold Goldschmidt 3 Lieder, Op. 24: II. Der römische Brunnen
– Berthold Goldschmidt 3 Lieder, Op. 24: III. Der Schmetterling
Johannes Brahms Lerchengesang, Op. 70, No. 2
– Hans Werner Hagen 12 Haikus: Nos. 5, 6 & 7
Paul Dessau Helle Nacht
György Ligeti Der Sommer

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