Essen, Philharmonie Essen, Liederabend Christiane Karg – Frauenliebe und –Leben, IOCO Kritik, 05.02.2016

Februar 9, 2016  
Veröffentlicht unter Kritiken, Philharmonie Essen

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Philharmonie Essen

Philharmonie Essen / Christiane Karg © Gisela Schenker

Philharmonie Essen / Christiane Karg © Gisela Schenker

Liederabend “Frauenliebe und  –leben“

Christiane Karg, Sopran – Roger Vignoles, Klavier, 05.02.2016

Sie hat einen Sopran, der auf Anhieb gefällt und das durch bemerkenswerte Attribute. Die Stimme ist schön, schlank und von erlesener Farbe. Mit dieser Farbe weiß sie wunderbare Stimmungen zu erzeugen. Feinste Schattierungen erfreuen ebenso, wie die klare Diktion. Großen Wert legt die Sopranistin auf sauber artikulierte Vokale und sorgsame Behandlung der Konsonanten. Dies ist schon fast ein wenig old-fashioned, aber wunderbar zu hören.

Diese Eloge des Schreibers gilt der jungen deutschen Sängerin Christiane Karg, die am Salzburger Mozarteum studierte und inzwischen internationale Verpflichtungen, sei es in London, Mailand, Wien, Berlin und Dresden, hat. Neben ihren Opernverpflichtungen widmet sie sich intensiv dem Liedschaffen und dem Konzertrepertoire.

Alle diese eingangs erwähnten Vorzüge ließ sie auch an diesem Abend in der Essener Philharmonie einfließen, in ein Lied-Programm, das geradezu prädestiniert dafür war. Sie sang Lieder von Robert und Clara Schumann, sowie von Johannes Brahms, die alle mit dem Liebesleben der Frauen zu tun haben. Man hörte Lieder auf romantische Texte von Chamisso, Geibel, Heine, Brentano Eichendorff, Rückert und anderen.

Sie begann mit dem Lied Widmung aus dem Zyklus Myrten von Robert Schumann, auf einen Text von Friedrich Rückert. Es wurde ein sehr schöner Einstieg in das nachfolgende Programm.

Christiane Karg sang nun vier Lieder von Clara Schumann. Es sind sehr melodische Gesänge in schlichter musikalischer Sprache. Die Sängerin bestach mit exzellenter Textverständlichkeit und feinster musikalischer Gestaltung.

Nach der Pause wurde der Zyklus Frauenliebe und –Leben zum Höhepunkt des Abends. Ein großer Wurf ist dieser Zyklus auf  Dichtungen von Chamisso. Robert Schumann brauchte, man kann es kaum glauben, nur zwei Tage für die Komposition, die 1840 entstand. Die Chamisso-Texte behandeln  das Leben einer Frau in all seinen Abschnitten.

Die Sopranistin vermittelte feinfühlig und fernab jeglicher Larmoyanz  die verschiedensten Lebensabschnitte und Situationen einer Frau und ihrer Gefühlswelt. Wieder bestechen in Karg’s Vortrag die Textverständlichkeit und ihre Gesangskultur, die sie mit feinsten farblichen Abstufungen stützt.

Besonders stark gerieten der Sängerin die Lieder An meinem Herzen, an meiner Brust, sowie das Schlusslied Nun hast Du mir den ersten Schmerz getan durch die jubelnde Emphase in dem einen, und die schmerzliche Resignation in dem anderen.

Mit großem Ton und emotional aufgeladen sang die Sopranistin nun Schumanns wildes dramatisches Melodram Die Löwenbraut auf den überschwänglichen Text von Adalbert von Chamisso. Das war großes “Theater“, das Christiane Karg mit dramatischem Impetus und stimmlicher Emphase vermittelte.

Wien / Johannes Brahms © IOCO

Wien / Johannes Brahms © IOCO

Acht Lieder von Johannes Brahms beendeten das Programm. Von ewiger Liebe handeln sie, von Liebesstürmen und Leidenschaft. Die Texte, unter anderen von  Brentano und Eichendorff,  sind voll des romantischen Überschwangs. Sie sind manchmal konträr zu der gelegentlichen Kühle von Brahms` Musiksprache.

Christiane Karg wusste traumwandlerisch die verschiedenen Stimmungen vokal wiederzugeben. Auch bei diesen Liedern verstand man jedes Wort.

Einen wunderbaren Begleiter hatte die Sopranistin in Roger Vignoles. Der Engländer ist ein gefragter Begleiter, hält Meisterklassen ab und hat alle Sänger von Rang und Namen subtil begleitet. So auch an diesem Abend mit Christiane Karg. Eine Partnerschaft, die das gleiche Gefühl für die Musik ausdrückt, in einem Aufeinanderhorchen und einem gegenseitiges Nehmen und Geben.

Wie schade, dass nur wenige Besucher gekommen waren. Der große Saal war nicht einmal zur Hälfte gefüllt.  Diejenigen, die gekommen waren, zeigten sich begeistert und erklatschten sich zwei Zugaben. Ein Lied von Mahler und die Seelen tröstende “Mondnacht“  von Schumann.

IOCO / UGK / 05.02.2016

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